Batterizer: Damit leben Batterien achtmal länger

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Der Batterizer soll die Lebensdauer von Einwegbatterien um bis zu 800 Prozent verlängern - und den Markt für immer verändern.
Der Batterizer soll die Lebensdauer von Einwegbatterien um bis zu 800 Prozent verlängern - und den Markt für immer verändern.

Der Duracell-Hase war gestern! Zwei Brüder aus Kalifornien haben ein kleines Gerät erfunden, das den Markt für Einwegbatterien für immer verändern könnte: Mit ihrem sogenannten Batterizer ist es ihnen gelungen, die Lebensdauer von Batterien drastisch zu verlängern. Unglaubliche achtmal länger hielten einige Batterien bei ersten Tests. Jetzt haben die beiden das Unternehmen Battero Inc. gegründet und planen, das Gerät ab September weltweit zu verkaufen. Wir sprachen mit Dr. Farzan „Bob“ Roohparvar, einem der beiden Gründer und CEO von Battero, über die Funktionsweise des neuen Wundergeräts und über die Frage, was die Batterie-Industrie davon hält, dass ihre Batterien künftig deutlich länger verwendet werden können.

Wer kennt es nicht? Es kommt einem so vor, als hätte man die Batterien für die Fernbedienung, das Game Pad oder die USB- Tastatur gerade erst gewechselt, und schon wieder sind sie leer. Selbst die vergleichsweise teuren Batterien von Markenherstellern wie Duracell oder Varta halten oft gefühlt nur einige Wochen. Auch der Kalifonier Frankie Roohparvar wunderte sich oft, wie schnell seine Kinder nach neuen Batterien für ihre Spielsachen baten. Eines Tages überprüfte er einige der Batterien, die seine Kinder in die Recyclingtonne geworfen hatten, auf vorhandene Restladungen. Dabei stellte er fest, dass diese zum Teil noch mehr als 1.2 Volt Spannung hatten, die Geräte, für die sie verwendet wurden, sie jedoch bereits als leer erkannten. Bei späteren Nachforschungen fanden er und sein Bruder Bob Roohparvar heraus, dass manche Einwegbatterien noch unglaubliche 80 Prozent der ursprünglichen Energie besitzen, wenn sie aufgrund zu niedriger Restspannung nicht mehr verwendet werden können und wir sie entsorgen.

Frankie kam daher die Idee, die vorhandene Restspannung in den Batterien irgendwie zu verstärken. So müsste sich deren Lebensdauer deutlich verlängern lassen, vermutete er. Überraschenderweise schien bislang noch niemand auf diese Idee gekommen zu sein. Frankie, der als Erfinder fast 500 US-Patente hält und sein Bruder Bob, der seit über 30 Jahren im Energie Management tätig ist, gründeten daraufhin die Firma Battero Inc. und entwickelten ein kleines Gerät, das genau diese Funktion hat. Ihr neues Wundergerät nennen sie den Batterizer. Damit ist es künftig möglich, Geräten, die bislang nur auf etwa 20 Prozent der insgesamt verfügbaren Energie einer Batterie zugreifen konnten, die restlichen 80 Prozent verfügbar zu machen – und so die Lebensdauer der Batterien deutlich zu verlängern.

Ihr unscheinbar aussehendes Gerät könnte den Weltmarkt für Einwegbatterien völlig umkrempeln, glauben die beiden. „Weltweit werden jedes Jahr etwa 15 Milliarden Batterien verbraucht,“ erklärt uns Bob Roohparvar bei einem Telefonat. „Davon werden jedoch nur etwa zwei Prozent ordnungsgemäß als Sondermüll entsorgt. Die restlichen Batterien landen früher oder später auf der Mülldeponie oder sogar irgendwo in der Natur. Wir glauben, dass wir mit dem Batterizer einen großen Beitrag zur Rettung der Umwelt leisten können und die Verbraucher gleichzeitig eine Menge Geld sparen können, da sie künftig weit weniger Batterien kaufen müssen.“ So verringere sich auch der Energie- und Rohstoffverbrauch in der Batterieherstellung. „Wir glauben, dass wir den Batterienmarkt mit unserem Produkt drastisch verändern können“, sagt uns Roohparvar.

Der Batterizer funktioniert dabei völlig unkompliziert: Er besteht lediglich aus einem kleinen Schaltkreis und einem nur 0.1 Millimeter dicken Plättchen aus Edelstahl, das sich dicht an die Batterie anschmiegt. Er wird einfach auf Plus- und Minuspol der Batterie gesteckt, die dann wie gewohnt in das Gerät eingelegt werden kann. Der Batterizer verstärkt die Spannung der Batterie, hält sie konstant bei etwa 1,5 Volt und verhindert so, dass Geräte die Energie der Batterie aufgrund zu niedriger Restspannung nicht mehr nutzen können. So kann das jeweilige Gerät auf nahezu 100 Prozent der Energie in der Batterie zugreifen – bis diese wirklich fast völlig leer ist. Das Ergebnis ist beeindruckend: Bei ersten Tests hielten die Geräte bis zu achtmal länger als ohne den Batterizer. „So etwas gibt es bislang noch nicht, unser Gerät ist eine absolute Weltneuheit“, erzählt Roohparvar stolz.

batteriser 1 2kDr. Kiumars Parvin, Professor der Physik an der San Jose State University, konnte den Batterizer bereits testen. „Wenn wir eine neue Batterie kaufen, hat sie zunächst 1.5 Volt“, erklärt er. „Wenn wir sie in einem Gerät verwenden, geht die Spannung nach und nach runter auf 1.3 Volt. Ab diesem Punkt funktionieren die meisten Geräte nicht mehr, wir glauben, die Batterie sei leer und schmeißen sie weg. Wir haben den Batterizer im Labor getestet und können bestätigen, dass er die 80 Prozent Strom der Batterie, die normalerweise weggeschmissen werden, auch weiterhin für die Geräte verfügbar macht.“

Mit dem Batterizer werden die Batterien also erst dann entsorgt, wenn sie wirklich leer sind. Der Batterizer selbst hingegen kann immer wieder verwendet werden. Ein großer Gewinn für den Verbraucher, aber vor allem für die Umwelt. Und die Einsatzmöglichkeiten sind riesig. Weltweit sind momentan etwa 5.4 Milliarden batteriebetriebene Geräte im Einsatz, allein in den USA hat jeder der rund 78 Millionen Haushalte durchschnittlich 28 solcher Geräte in Betrieb.

„Zunächst konzentrieren wir uns auf den Markt für Alkaline-Batterien“, sagt Roohparvar. Dort könne der Batterizer vor allem für den Umweltschutz den größten Beitrag leisten. Außerdem sei dort auch die Geldersparnis für die Menschen am größten. Man könne den Batterizer jedoch auch für Lithium-Batterien verwenden. Die besten Ergebnisse erziele er aber bei Alkaline-Batterien. Auf die Frage, ob ein vergleichbares Gerät auch für Handyakkus geplant sei, erklärt er uns, dass sich das mit dem ersten Modell des Batterizers noch nicht lohne. Es sei für die Handyakkus nicht gut, sie so stark zu entladen, wie es mit ihrer Erfindung möglich ist. „Das verlängert zwar die jeweilige Nutzungsdauer mit einer vollen Ladung, kann aber unter Umständen den Akku beschädigen und er muss früher ausgetauscht bzw. erneuert werden“, erklärt er. Daher sei der Batterizer am besten für Einwegbatterien geeignet. „Wir planen jedoch weitere Forschungen, um das Einsatzgebiet des Batterizers künftig zu erweitern“, versichert Roohparvar.

Doch was hält eigentlich die Batterie-Industrie davon, dass es bald ein Gerät auf dem Markt ist, dass die Lebensdauer von Batterien derart verlängert? Denn hält eine Batterie länger, müssen die Menschen natürlich weniger kaufen. Für die Verbraucher und die Umwelt ist das sicherlich ein großes Plus. Doch für die Hersteller bedeutet das zunächst einmal Verluste. Doch Roohparvar macht sich darüber keine zu großen Sorgen:

„Als die Lithium-Batterien auf den Markt kamen, die ja deutlich länger halten als Alkaline- Batterien, war die Batterie-Industrie zu Beginn auch nicht begeistert“, sagt er dazu. „Doch letztendlich machten sie dann doch eine Menge Geld damit, da die ja zum Teil wesentlich teurer verkauft werden. Für die Zukunft stellen wir uns vor, dass sie mit uns zusammenarbeiten, vielleicht den Batterizer mit ihrem eigenen Logo verkaufen, oder ihn gleich zu ihren Batterien dazu legen. Sie könnten die Technologie theoretisch auch direkt in die Batterien mit einbauen. Das Problem dabei wäre aber, dass der Batterizer dann natürlich nur einmal verwendet werden könnte. Daher wäre es am besten, vor allem aus ökologischer Sicht, ihn zusätzlich zu den Batterien zu verkaufen. Und das ist auch zunächst der Plan.“

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Der Batterizer wird ab September erhältlich sein, zunächst allerdings nur online über Amazon. Eine Box mit vier der kleinen Geräte wird dabei unter zehn Dollar kosten, ein einzelner Batterizer ungefähr zwei Dollar. Battero plant dann nach und nach zu expandieren und den Batterizer bald auch in Kaufhäusern und Elektronikmärkten anzubieten. Ein genauer Verkaufsstart und Preis stehe bislang aber noch nicht fest, sagt Roohparvar. CleanEnergy Project wird einige der Batterizer vorab testen dürfen. Wir halten Sie über diese, wie wir finden, tolle neue Technologie natürlich weiter auf dem Laufenden.

 

3 Responses

  1. Petr

    2. Juni 2015 10:18

    Diese Technik existiert schon länger, und nennt sich Alkaline charger/ Lader, ich habe selbst eine solche Schaltung gebaut und diese funktioniert natürlich, aber das man sagt man hätte nichts dergleichen gefunden ist schwachsinn, man hätte im Internet danach suchen sollen. Einfach im Internet nach Alkaline charger suchen und man findet hunderte Seiten. Ich bin Elektroniker und sage man könnte die Batterien noch weiter benutzen, mit Silizium Transistoren bis auf 0,7V und mit Germanium Transistoren bis auf 0,3V!!!
    Bitte vorher ein wenig informieren, ich hoffe ich kann mit diesen Links weiter helfen:

    Informationen darüber
    http://www2.ife.ee.ethz.ch/~rolfz/batak/alkali_regenerieren/

    Aufbau der Schaltung und Funktionsweise
    http://www.navina.ch/workshop/alkaline/

    LED Spanungswandler, geht bis auf 0,7V
    http://www.elektronik-labor.de/Notizen/LEDwandler.html

    0,3V Spannungswandler für LED (Energie aus dem Peltier-Element)
    http://www.harald-sattler.de/html/body_led-taschenlampe.htm

  2. Rene Bauer

    7. Juni 2015 5:38

    Sorry Tobias, aber du bist da komplett aufs Marketing der Batterizer-Crew hereingefallen. Alleine schon die Annahme, dass Geräte bei einer Zellenspannung unter 1.4 Volt nicht mehr funktionieren führt zu den „großzügig geschätzten“ (ja, das schreiben die da wirklich, wenn man genauer hinsieht) 800%.
    Die Annahmen unter denen das Gerät beworben wird sind komplett unrealistisch. Praktisch jedes Gerät läuft noch bei 1.1..1,2V. Sonst würden die Geräte ja auch schon mit NiCd oder NiMh-Akkus versagen. Kombiniert mit der Wandlereffizienz dieses Aufwärtswandlers kann es in modernen Geräten sogar zu einer Verkürzten Betriebsdauer kommen. Schließlich benutzen schon heute die Geräte selbst reihenweise eingebaute Aufwärtswandler, z.B Computermäuse, Tastaturen und MP3-Player, die mit nur einer Batterie auskommen.
    Dave Jones hat das im eevblog mal ganz gut aufbereitet.

  3. Steven | PBQ Batterien

    10. Juni 2015 7:11

    Was für eine fantastische Erfindung! Wir kennen denke ich alle die Frustration
    wenn Batterien zu schnell leer sind. Während alle auf der Suche nach der
    Batterie der Zukunft sind, ist das eine gute Zwischenlösung.

    Steven
    http://www.pbqbatteries.de/

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