Australien streicht unbequeme Passagen aus UN-Klimabericht

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Great Barrier Reef
Great Barrier Reef

Der Klimawandel ist eine der größten Gefahren für den Fortbestand des Great Barrier Reefs – dem größten Riff der Welt. In einem aktuellen Klimabericht der Vereinten Nationen sollte die globale Erwärmung als Bedrohung für das Taucherparadieses erwähnt werden. Doch die australische Regierung befürchtet dadurch sinkende Touristenzahlen. Kurzerhand ließ sie die betreffenden Passagen aus dem Bericht streichen. Klima- und Umweltschützer kritisieren das scharf. Das erinnere an das Vorgehen der früheren Sowjet-Union, sagte ein australischer Forscher.

Das Great Barrier Reef gehört zu den größten Ökosystemen der Erde. Im Jahr 1981 wurde es von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Zudem zählt es zu einem der sieben Weltwundern der Natur, genauso wie der Amazonas, die Galapagos-Inseln oder der Tafelberg in Kapstadt. Leider sind diese Naturwunder in ihrem Fortbestand gefährdet. Der Grund ist der rasch voranschreitende Klimawandel.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „World Heritage and Tourism in a Changing Climate, die von der UNESCO, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der „Union of Concerned Scientists“ (UCS) erstellt wurde. Darin warnen die Autoren: „Die Auswirkungen des Klimawandels können dazu führen, dass viele Welterbestätten ihren außergewöhnlichen universellen Wert verlieren“. Das könne auch den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung von Welterbestätten insbesondere in Entwicklungsländern erheblich beeinträchtigen.

Die Warnung sollte ursprünglich auch für das australische Great Barrier Reef gelten. Auch dort sind die Auswirkungen des Klimawandels schon deutlich sichtbar. In diesem Jahr erlebte das Riff aufgrund extrem warmer Wassertemperaturen das bisher schlimmste Korallensterben in der Geschichte. Örtlich waren über 90 Prozent der Korallenbestände betroffen (CEP berichtete).

Doch die australische Regierung zeigte sich mit dem ursprünglichen Klima-Bericht nicht einverstanden – und ließ kurzerhand wichtige Passagen über den Klimawandel und die Folgen für das Riff streichen. Laut des britischen„Guardian“ sollte es dort ursprünglich heißen: „Der Klimawandel ist die größte, langfristige Bedrohung für die Unversehrtheit und Artenvielfalt am größten Korallenriff der Welt“.

Der Grund für die Zensur ist offenbar die Sorge um negative Auswirkungen auf den Tourismus. Das bestätigte Medienberichten zufolge das Umweltministerium im aus-tralischen Canberra: Das Ministerium habe deutlich gemacht, dass es die Erwähnung der australischen Weltnaturerbestätten in einem solchen Bericht nicht schätzt, schrieb der australische Guardian. Negative Kommentare über den Status von Weltnaturerbestätten hätten erfahrungsgemäß Einfluss auf den Tourismus.

Umweltschützer und Klimaforscher zeigten sich schwer verärgert wegen des Vorgehens der australischen Regierung. Will Steffen, einer der Forscher, die den UN-Bericht gegenlesen sollten, sagte: „Ich habe einen Großteil meiner Karriere international gearbeitet. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Vielleicht wäre etwas derartiges in der damaligen Sowjet Union passiert, als Regierungen Informationen vernichtet haben, weil sie ihnen nicht passten. Aber nicht in westlichen Demokratien.“

Quelle: Heute.de / The Guardian

 

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