Auch BMW und Daimler im Visier der Abgasaffäre

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VW-Abgas-Skandal
VW-Abgas-Skandal

Während VW sich in diesen Tagen gegenüber der EU-Kommission wegen neuerlicher Betrugsvorwürfe erklären muss, nimmt auch der Druck auf andere Hersteller immer mehr zu. Aktuell hat die Deutsche Umwelthilfe die Hersteller Daimler und BMW im Visier. Der Vorwurf: Auch hier sei es denkbar, dass einige Fahrzeugmodelle mit einer illegalen Software zur Manipulation der Abgaswerte ausgestattet seien. Bei unabhängigen Tests im Labor und auf der Straße seien bei den betreffenden Fahrzeugen erhebliche Abweichungen bei den Abgaswerten festgestellt worden, die sich rein physikalisch nicht erklären ließen.

Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte bei VW zieht zunehmend auch weitere Hersteller mit in die Tiefe. Vor allem die Deutsche Umwelthilfe hat seit der Enttarnung der illegalen Abschalteinrichtung durch die amerikanische Umwerltbehörde EPA immer wieder auch anderen Herstellern vorgeworfen, sich bei den Schadstoffemissionen nicht an EU-Normen zu halten. Mehrfach wurden Verdächtigungen laut, auch andere Autobauer würden eine illegale Software zur Erkennung von Prüfzyklen einsetzen.

Nach Renault und Opel (CEP berichtete) trifft dieser Verdacht jetzt erneut BMW und Daimler. Das ZDF Magazin „Frontal21“ hat bei der Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule einen Mercedes C200 CDI, einen BMW 320d und einen VW Passat 2.0 TDI Blue Motion hinsichtlich des Stickoxid (NOx)- Ausstoßes untersuchen lassen. Beim VW Passat hat Volkswagen bereits zugegeben, eine illegale Abschaltsoftware verbaut zu haben, die die Stickoxidemissionen im Prüfstandlauf optimiert.

Zunächst durchliefen die drei Fahrzeuge den offiziellen Abgas-Labortest. Dabei erfüllten sie problemlos die Abgasnorm Euro 5, die eine Höchstgrenze für Stickoxide von 180mg/km vorschreibt. Der BMW und der Mercedes stießen dabei laut Frontal 21 jeweils 154 mg/km NOx aus, der VW Passat 127 mg/km.

Später fuhr derselbe Prüfstandfahrer der Schweizer Abgasprüfstelle mehrfach denselben computerunterstützen Fahrzyklus auf einem stillgelegten Flughafengelände und auf einem verkehrsarmen Autobahnteilstück. Die Abgasemissionen wurden dabei – anders als im Labor – mit einem mobilen Messgerät, einem sogenannten PEMS ermittelt. Bis heute hat noch niemand einen solchen Test unternommen und ist computergestützt den offiziellen Fahrzyklus auf der Straße nachgefahren.

Das Ergebnis dieser Messung ist zumindest bei VW Passat nicht überraschend: Auf der Straße emittierte er nach Abzug der höchsten Abweichung 471 mg/km NOx. Das ist das 3,7fache des Laborwerts. Bei den anderen beiden Fahrzeugen, die im Gegensatz zum Passat nach Angaben der Hersteller keine illegale Software verbaut haben sollen, sieht es jedoch auch nicht viel besser aus. So lag der NOx-Wert für den BMW beim Straßentest bei 428 mg/km, dem 2,8fachen des Laborwerts. Der Mercedes kam auf 420 mg/km NOx, das 2,7fache des Laborwerts.

Gleichzeitig mit der Frontal-Redaktion hat auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) einen Mercedes C 200 CDI bei derselben Schweizer Prüfstelle testen lassen. Mit ähnlichen Ergebnissen. Die DUH schreibt in einer Pressemeldung: „Die festgestellten Abweichungen zeigen ähnliche Abweichungen wie die Straßenmessungen der Frontal21-Redaktion in der Sendung vom 15.12.2015.

Die DUH fordert nun das Kraftfahrtbundesamt auf, die vorliegenden Ergebnisse ernst zu nehmen und Untersuchungen einzuleiten. Die hohen Abweichungen wertet sie als einen Hinweis darauf, dass auch bei BMW und Daimler nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Im Bericht der Frontal-Redaktion bestätigen dies auch zwei unabhängige Experten. So sagte der Verkehrsexperte Axel Friedrich, der früher beim Umweltbundesamt tätig war: „Diese hohen Abweichungen sind physikalisch-chemisch nicht zu erklären“.

„Technisch ist denkbar, dass auch die anderen Hersteller, die getestet wurden, Abschaltvorrichtungen in unterschiedlicher Art und Weise verwendet haben – sprich Funktionen der Software, die den Zyklus erkennen. Das wäre dann illegal.“ kommentierte Prof. Kai Borgeest vom Zentrum für KFZ-Elektronik und Verbrennungsmotoren der Universität Aschaffenburg die Testergebnisse.

BMW und Daimler bestreiten die Vorwürfe allerdings vehement. Es sei bei keinen Modellen eine illegale Software verbaut. Die Autobauer halten den Testaufbau für den Grund. Die Messergebnisse im Labor und auf der Straße seien nicht vergleichbar. Laut Daimler könne es durch unterschiedliche Temperaturverhältnisse, Fahrzeuglasten und Nebenverbraucher zu entsprechenden Abweichungen kommen.

BMW begründet die Abweichungen mit „anderen Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Temperaturen, Seitenwind, aber auch andere Lasten durch Steigungen oder unterschiedliche Beschleunigungen“.

Gegen die Deutsche Umwelthilfe erwägen beide Hersteller nun rechtliche Schritte. Daimler habe sogar die Nichtveröffentlichung der Ergebnisse für den Mercedes C200 CDI gefordert und droht mit einer separaten Klage, teilte die Umweltorganisation mit.

Und so bleibt weiter ungeklärt, ob wirklich eine illegale Software auch bei anderen Herstellern im Einsatz ist. Auch das Kraftfahrtbundesamt sei bei der Aufklärung nicht hilfreich, so die DUH. Bundesverkehrsminister Dobrindt wirft die Organisation sogar vor, die Aufklärung des Diesel-Abgasskandals zu behindern – zu Lasten der Gesundheit der deutschen Bevölkerung.

„Nach neuesten Berechnungen der EU sterben jedes Jahr über 10.000 Menschen in Deutschland vorzeitig an den Folgen des Dieselgiftes NO2, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Diesel-Pkws zu entwickeln und zu verkaufen, die in unseren Städten stark erhöhte Stickoxid-Emissionen haben, werten wir als vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen tausend Fällen.“

Quellen: Frontal 21 / Deutsche Umwelthilfe

 

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