Auch Abgas-Manipulationen bei Renault?

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Abgas-Skandal - Renault betroffen?
Abgas-Skandal - Renault betroffen?

Hat auch der französische Autobauer Renault hinsichtlich der Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge getrickst? Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zumindest vermutet dies. Abgastests im Labor der Universität Bern hätten ergeben, dass der getestete Renault Espace Diesel die Schadstoffhöchstgrenze nur unter bestimmten Bedingungen im Labor einhält. Bei realistischeren Tests mit warmem Motor hingegen waren die Stickoxid (NOx) – Emissionen laut DUH teilweise um das 13- bis 25-fache höher als zulässig. Renault bestritt die Vorwürfe gestern vehement. Die Testverfahren der Universität Bern seien „nicht durchgängig konform sind mit den Regelmessverfahren“, so Renault in einer Presseerklärung.

Wer steckt noch mit drin in der Affäre um manipulierte Abgaswerte? Bereits bekannt sind die Tricksereien bei Volkswagen, sowie den Töchtern Audi, Skoda und Porsche. Tatsächlich sind es aber weit mehr Hersteller, deren Fahrzeuge im realen Straßenverkehr deutlich höhere Schadstoffemissionen aufweisen, als auf dem Prüfstand. Nur muss das nicht immer bedeuten, dass illegal getrickst wurde, wie sich mehr und mehr zeigt.

Bereits kurz nachdem VW erstmals den Betrug mit der Manipulationssoftware zugeben musste, teilte die Deutsche Umwelthilfe mit, konkrete Hinweise auf weit mehr Abgasmanipulationen auch bei anderen Autobauern zu haben. So seien bei internen Tests neben der Volkswagen Gruppe auch Fahrzeuge von Opel, BMW und Daimler mit teils deutlichen Abweichungen beim Schadstoffausstoß zwischen Labor und Straßentests aufgefallen. Alle drei Hersteller wiesen jedoch sämtliche Vorwürfe, eine ähnliche Software wie VW einzusetzen, vehement zurück. Bis heute konnte ihnen auch keine illegale Manipulation nachgewiesen werden.

Dennoch: Die hohen Abweichungen zwischen Labor und Straßenverkehr sind eine Tatsache. Nun gerät mit Renault auch erstmals ein ausländischer Hersteller ins Visier der Ermittlungen. Geprüft hat die DUH den Euro 6 Diesel Renault Espace 1,6 dCi. „Ihn haben wir für eine Überprüfung ausgesucht, weil er bereits in anderen Tests mit erschreckend hohen Realemissionen aufgefallen ist“, erklärt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Illegale Software auch bei Renault?

Jetzt vermutet die DUH auch bei Renault illegale Software: „Bei unseren Nachprüfungen zeigte sich ein bestimmtes Muster. Nur wenn der Renault Espace in einer ganz bestimmten Form auf die am Folgetag stattfindende Prüfung vorbereitet wurde, bestand er diese mit Bravour. Alle Abweichungen in der Vorkonditionierung beziehungsweise Tests mit warmem statt kaltem Motor führten zu Dieselabgaswerten, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben“, so Resch. Bei insgesamt fünf Abgasmessungen im Prüfzyklus mit warmem Motor seien die NOx-Emissionen um das 13- bis 25-fache erhöht gewesen. Bis zu 2.061 mg der giftigen Stickoxide emittierte der Espace teilweise pro gefahrenen Kilometer. Erlaubt sind 80 mg/km.

„Emissionswerte in dieser Höhe kennen wir aus den späten 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, vor der Einführung der Euro-Abgasstandards. Es ist unglaublich, dass auch heute noch sogenannte moderne Diesel-Fahrzeuge unterwegs sind, die die Atemluft derartig belasten“, so der international tätige Verkehrsexperte Axel Friedrich zu dem Testergebnis.

Renault weist Vorwürfe zurück

Renault gab gestern Mittag bekannt, die hohen Werte seien durch die Tests der DUH nicht bewiesen. Die mit der Prüfung beauftragte Universität Bern hätte in ihrem Abschlussbericht explizit darauf hingewiesen, dass die Tests breit gestreute Resultate ergeben hätten und daher „weitere Messungen“ erforderlich seien. Tatsächlich seien die Testverfahren der Universität Bern nicht durchgängig konform sind mit den Regelmessverfahren. Renault verweist zudem auf einen Abgastest des ADAC mit einem baugleichen Renault Espace vom August 2015. Damals seien alle Höchstgrenzen eingehalten worden.

Die DUH fordert das Bundesverkehrsministerium dennoch dazu auf, die neuen Prüfergebnisse zum Anlass zu nehmen, um eigene behördliche Nachprüfungen anzustellen. Zudem soll auch der bereits vor einem Monat übermittelte Prüfbericht über einen Opel Zafira Diesel überprüft werden. Auch bei diesem Fahrzeug hatte die DUH teils erhebliche Abweichungen zwischen Prüfstand und Straßenverkehr festgestellt. Genau wie Renault bestreitet Opel jedoch die Vorwürfe und verweist zudem auf TÜV Tests, bei denen das betreffende Modell die Höchstgrenzen eingehalten hat.

Überschreitung der Abgashöchstgrenzen die „Norm“

Ob nun Renault oder Opel illegal getrickst haben oder nicht, Tatsache ist, nicht nur Volkswagen bietet Fahrzeuge an, bei denen es zum Teil erhebliche Abweichungen zwischen Abgasausstoß im Labor und auf der Straße gibt. Bereits mehrfach äußerten verschiedene Insider die Vermutung, dass der VW-Skandal nur die Spitze des Eisbergs sei. Manipulationen bei Abgastests seien in Europa nichts ungewöhnliches.

Und tatsächlich überschreiten viele PKW im Straßenverkehr die Schadstoffhöchstgrenzen zum Teil erheblich. Darunter Modelle von Renault, BMW, Daimler, Opel, Ford, Mazda und Toyota (siehe Grafik).

Das allein ist jedoch noch kein Beweis, dass eine ähnliche Software eingesetzt wurde wie bei VW, so auch die unabhängige Forschungsorganisation ICCT. Viele Hersteller verwenden legale Tricks, um die Stickoxid-Werte bei Tests möglichst gering zu halten. Bei einigen Modellen jedoch seien die Abweichung zwischen Labor und Straße derart hoch, dass der Verdacht bestehe, dass das Fahrzeug erkennt, wenn es sich auf dem Prüfstand befindet.

Überschreitung der Schadstoffhöchstgrenze völlig legal

Doch auch wenn es nicht immer eine illegale Methode ist, stellt sich die Frage, warum Fahrzeuge überhaupt im Realverkehr die Schadstoffhöchstgrenze ohne Strafe überschreiten dürfen – künftig sogar mit dem Segen der EU-Kommission? Die will bald zwar die sogenannten Real Emission Driving Test einführen – also Abgastests im Realverkehr – dann dürfen die Emissionen aber ganz legal um mehr als das doppelte (110 Prozent) höher sein als im Labor (CEP berichtete). Für zwei Jahre. Ab 2019 sind dann „nur“ noch Abweichungen von 50 Prozent zulässig.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe / T-Online / Zeit Online

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