Aserbaidschan: Energiewende am Kaspischen Meer

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Gobustan, links oben Häuser/Pilothaushalte mit PV und Speicher
Gobustan, links oben Häuser/Pilothaushalte mit PV und Speicher

Um sich für die Zukunft fit zu machen, setzt Aserbaidschan verstärkt auf Erneuerbare Energien und intelligente Netze. Ziel der Regierung ist es, die Energieversorgung des öl- und gasreichen Landes zu diversifizieren. Zwar sind die Investitionsbedingungen noch unklar, doch erste Schritte sind eingeleitet.

„Wir müssen jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, denn unsere fossilen Energien werden auch einmal verbraucht sein“, sagt Akim Badalov. Der Chef der 2013 gegründeten State Agency on Alternative and Renewable Energy Sources of Azerbaijan (AREA) hat ambitionierte Pläne. Denn zwar liefern Öl- und Gas einen Großteil der Energie und der Einnahmen des boomenden Landes am Kaspischen Meer. Doch nun müsse es darum gehen, die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren und Innovationen im Energiesektor voranzutreiben, um „Aserbaidschan zum Vorreiter der Energiewende in Zentralasien zu machen“, unterstreicht Badalov.

Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung von derzeit knapp 10% (größtenteils große Wasserkraft) auf 30 % ausgebaut werden. Die tragende Rolle soll neben der Windkraft vor allem die Photovoltaik spielen. Die jährlichen solaren Einstrahlwerte von 1.200 bis 1.700 kWh/m2 sind in dem Land am Kaspischen Meer deutlich höher als in Deutschland. Geplant ist, die installierte Photovoltaikleistung innerhalb der kommenden 5 Jahre von derzeit etwas über 5 MW auf 2 GW auszubauen, die Windkraft von derzeit 60 MW auf gut 500 MW. Die Regierung setzt auf einen Mix der erneuerbaren Energien, Hybridkraftwerke sowie die Netzstabilisierung. „Wir verfolgen einen integrierten Ansatz, der den Ausbau der Erneuerbaren mit einer stabilen Energieversorgung sowie der Energieeffizienz verknüpft“, sagt Badolov.

Im Demonstrations- und Ausbildungszentrum der AREA in Gobustan, etwa 100 Kilometer außerhalb von Baku, wird seit 2013 die Energiezukunft Aserbaidschans erprobt. Über eine Leitwarte laufen dort die Erzeugungsdaten von drei Windrädern, einer Biomasseanlage, einem Solarpark und zehn Photovoltaikdachanlagen mit einer Leistung von 5,5 MW sowie die Netzdaten zusammen. Partner des Projekts ist Schneider Electric sowie der staatliche Energieversorger Azer Energy. Für zehn Pilothaushalte auf dem Gelände des Zentrums wurde bereits ein Smart Grid aufgebaut. Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen sämtliche 1.600 Haushalte der Kleinstadt mit PV-Dachanlagen ausgerüstet und an das Smart Grid angeschlossen werden. „Wir wollen hier Erfahrungen mit der intelligenten Netzsteuerung für die verstärkte Einspeisung erneuerbarer Energien sammeln“, sagt Jamil Malikov, Deputy Chairman der AREA. Im nächsten Schritt soll das Modell Gobustan auf 25 weitere Ortschaften übertragen und mit der dortigen Leitwarte verknüpft werden.

Ausgebaut werden soll auch die lokale Produktion. In Azguntex, am Stadtrand von Baku, läuft seit 2 Jahren eine Pilotfertigung von kristallinen Photovoltaikmodulen mit einer Jahreskapazität von 25 MW. Die Maschinen stammen überwiegend aus Deutschland und Europa, beispielsweise von Teamtechnik, Bürkle, ABB oder Ecoprogetti. Die Kostenstruktur blieb allerdings bei der Diskussion mit Azguntex Generaldirektor Nizami Asgerov unklar. Die Fertigung soll nun auf 50 MW ausgebaut werden und Solarparks beliefern, die derzeit unter staatlicher Regie unter anderem auf ehemaligen kontaminierten Ölfeldern und erodierten Agrarflächen errichtet werden. In Planung sind auch kombinierte Wind-PV und Biomasseparks, die mit ökologisch orientiertem Gewächshaus-Gemüseanbau verknüpft werden sollen. Zudem soll eine bestehende Pilotfertigung für Batteriespeicher erweitert werden, kündigte Asgerov an.

Bis allerdings ein echter Markt für Erneuerbare Energien in Aserbaidschan aufgebaut sein wird, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Denn bisher läuft fast alles unter staatlicher Regie und es gibt bisher keine entwickelte Infrastruktur von Installateuren, Händlern oder Zulieferern. Die Inves-titionsbedingungen für ausländische Investoren und Importeure sind bisher unklar. Eine gravierende Hemmschwelle für die ambitionierten Ausbaupläne für die regenerativen Energien sind auch die niedrigen, subventionierten Energiepreise. So kostet die Kilowattstunde Strom derzeit weniger als sechs Eurocents. Ein Erneuerbare-Energien-Gesetz und ein Einspeisetarif in Höhe von voraussichtlich 15 Eurocents/kWh wurden zwar angekündigt, doch wurden bisher nicht verabschiedet. Mit einer Einführung wird bis Ende des Jahres gerechnet. Formal hängt dies am Jawort des Präsidenten. Doch der entscheidende Mann, der dies durchsetzen kann ist laut Einschätzung des Präsidenten der Energy Watch Group Hans-Josef Fell der mächtige AREA Chairman Badalov. Fell, der die Regierung des Landes in Sachen Erneuerbare berät, zeigt sich denn auch zuversichtlich über die weitere Entwicklung. „Badalov denkt integriert und ist voll auf der Höhe der Zeit, er möchte Aserbaidschan an die Weltspitze bei der Energiewende bringen“, betont Fell.

 

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