Anthropozän – Befindet sich der Mensch bereits in einem neuen Erdzeitalter?

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Das Menschenzeitalter „Anthropozän“ unsere Schuld am aktuellen Zustand der Erde
Das Menschenzeitalter „Anthropozän“ unsere Schuld am aktuellen Zustand der Erde

Karbon, Jura, Paläozän – bei manchen lösen diese Begriffe noch heute Geographie-Flashbacks und –Albträume aus, für andere jedoch sind es Begriffe aus ihrer Arbeitswelt. So befinden wir uns aktuell in dem Erdzeitalter des sogenannten Holozäns, welches bereits vor 12.000 Jahren, mit der Entstehung des Ackerbaus und der Viehzucht, begann. Dieses Zeitalter könnte nun sein Ende finden. So haben Wissenschaftler der Arbeitsgruppe „Anthropozän“ auf dem International Geological Congress in Kapstadt die Ausrufung eines neuen Zeitalters vorgeschlagen – und breite Zustimmung erhalten.

In den vergangenen sieben Jahren hatten insgesamt 35 Geologen, Klimaforscher und Archäologen der Internationalen Kommission für Stratigrafie darüber beraten, ob und wann das jetzige Erdzeitalter des Holozäns für beendet erklärt wird. Auf dem International Geological Congress in Kapstadt stimmten nun 34 der Forscher für die Ausrufung des neuen Zeitalters – des Anthropozäns.

Doch scheint dies kein gutes Zeitalter für den Planeten Erde zu werden. So erklärte Paul Crutzen, der „Erfinder“ des Begriffs Anthropozän, im Rahmen eines Interviews aus dem letzten Jahr mit Michael Müller von klimaretter.info: „Das Anthropozän beschreibt die Schuld des Menschen an diesem Zustand: Wir haben alles gestaltet und verändert.“ Im Jahr 2008 kam es zu einer Einigung zwischen Geologen der Geological Society of London, dass die Argumente für das Ende des zwischeneiszeitlichen Zeitalters überzeugend seien. Den Grund dafür sahen sie in der durch Menschen verursachten Klimaveränderung. Die Grundlage für die Deklaration eines neuen Erdzeitalters ist eine Kombination mehrerer, durch Menschen herbeigeführter Veränderungen, die langfristiger Natur und teilweise irreversibel sind:

  • Bodenerosion 
  • Ablagerungen von künstlichen Stoffen wie Mikroplastik, Aluminium oder radioaktiver Strahlung
  • gestörter Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphatkreislauf
  • globale Erwärmung und Anstieg des Meeresspiegels
  • unkontrollierte weltweite Ausbreitung von invasiven Arten

Über den genauen Beginn des Anthropozäns herrscht noch Uneinigkeit. Hauptaugenmerk liegt dabei jedoch auf die Zeit der Industrialisierung und des 20. Jahrhunderts, in deren Zuge die Menschen stark in die Natur des Planeten eingriffen und durch Raubbau und Verschmutzung tiefe, anhaltende Spuren hinterließen. Einige Wissenschaftler vertreten auch die Meinung, dass der Mensch bereits vor 700 Jahren, durch Abholzung und Landwirtschaft, die Umwelt nachhaltig verändert hat. Letztendlich festgelegt wird der Zeitpunkt jedoch durch das sogenannte Global Stratotype Section and Point (GSSP)-Verfahren, durch das bisher die Erdzeitalter bestimmt wurden.

„Die Möglichkeit, ein Zeitintervall zu bestimmen, zeigt, was für eine unglaubliche Wirkung wir auf die Umwelt unseres Planeten haben“, erklärt der Geologen und WGA-Leiter Colin Waters vom British Geological Survey. „Das Konzept des Anthropozäns kann alle diese Vorstellungen von Umweltveränderungen zusammenfassen.“

Quellen:
http://quaternary.stratigraphy.org/workinggroups/anthropocene/
http://www.klimaretter.info/forschung/hintergrund/21825-der-beginn-des-menschenzeitalters
http://www.klimaretter.info/forschung/hintergrund/18455-crutzen-qwir-brauchen-wieder-oekologieq

 

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