Angaben zum Energieverbrauch von Produkten bald in der Werbung Pflicht?

,



Seit Sommer 1993 müssen in der EU sämtliche, zum Erwerb angebotenen Haushaltsgeräte mit Angaben über ihren Verbrauch an Energie und anderen wichtigen Ressourcen versehen werden. Ziel dieser Vorgabe – deren Grundlage die so genannte „Energieverbrauchsangaben-Richtlinie“ des EU-Rates vom 22. September 1992 ist -, ist es, die Verbraucher zum verantwortungsvollen Umgang mit Energie zu motivieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, Geräte nach deren Verbrauchswerten auszuwählen.

Nun sieht eine Novellierung der EU-Richtlinie vor, den Geltungsbereich auf „energieverbrauchsrelevante Produkte“ auszuweiten und verpflichtend in der Print-, TV-, Radio- und Online-Werbung für diese Produkte auch auf deren Energieverbrauch, ihre Energieklasse oder Energieeinsparung hinzuweisen.

Während sich die vorherige deutsche Regierung noch gegen die Novellierung aussprach, enthielt sich die neue Regierung, laut horizont.net, vergangene Woche im Vertreterausschuss des EU-Ministerrates ihrer Stimme und machte dadurch den Weg frei für eine neue Werberegulierung. Ausgerechtet der neue CDU-Umweltminister Norbert Röttgen soll einen anderen Kurs, als sein Amtsvorgänger Sigmar Gabriel eingeschlagen haben.

Verlegerverbände befürchten, die Neufassung der Richtlinie könnte zu Einbrüchen bei den Werbeeinnahmen führen. Dabei leidet die Branche bereits unter der Finanzkrise. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) erklärte sogar in seiner Pressemitteilung vom 13. November, das Verhalten des Umweltministeriums gefährde die Presse und die Vielfalt der Berichterstattung. „Zusätzlicher Zwang zu negativen Informationen in der Anzeigenwerbung bedroht eine unverzichtbare Finanzierungsgrundlage der Presse und ist damit auch klimapolitisch kontraproduktiv. Denn mit der Pressefinanzierung beschädigt eine solche Beschlagnahme von Anzeigenraum auch die umfassende redaktionelle Berichterstattung zu allen Energiefragen, die für jeden erfolgreichen Bewusstseinswandel in Europa unverzichtbar ist.“

Ob die Novellierung der EU-Richtlinie tatsächlich zu Einbußen bei Werbeeinnahmen führen würde, ist allerdings fraglich. Schließlich wären sämtliche „energieverbrauchsrelevante Produkte“ von der Vorschrift betroffen und Werbung auch weiterhin die Maßnahme, um gezielt zum Beispiel auf Haushaltsgeräte aufmerksam zu machen.

Für den Verbraucher hätte die Informationspflicht auf jeden Fall einen Mehrwert. So würden regelmäßige Energieeffizienzangaben sein Urteilsvermögen über die Umweltfreundlichkeit verschiedener Produkte schulen und seine Selbstbestimmung stärken.

Außerdem hätten die Hersteller einen weiteren Ansporn, ihre Produkte ressourcen- und umweltschonender zu gestalten.

Corinna Lang

 

Leave a Reply