Alternativer Flugzeugtreibstoff: München investiert in Algen

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Alternativer Treibstoff © Andreas Heddergott / TUM
Alternativer Treibstoff © Andreas Heddergott / TUM

In Zukunft sollen Flugzeuge nicht mehr nur mit erdölbasiertem Kerosin abheben, sondern auch mit sauberen Flugzeugtreibstoffen unterwegs sein. Eine klimafreundliche Option ist Kerosin, welches aus Algen hergestellt wird. Diese Möglichkeit wird momentan im Algentechnikum in Ottobrunn an der Technischen Universität München getestet.

Algen gelten als die ältesten lebenden Organismen auf unserem Planeten und können notwendige Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe durch ihre einfache Struktur effizient verwerten. Dadurch wachsen Mikroalgen ungefähr 10 Mal schneller als terrestrische Nutzpflanzen wie Raps und haben pro Hektar einen 30 Mal höheren Fettanteil. Die Algen verwerten Kohlenstoffdioxid für die Photosynthese und binden ihn in Form von Ölen und Fetten. Diese sind später die Energieträger im Biokerosin.

Mikroalgen weisen eine erstaunliche Artenvielfalt auf: Forscher schätzen, dass es insgesamt über 150.000 verschiedene Algenarten gibt, die meisten sind bislang noch nicht erforscht. Dies soll sich im  Algentechnikum an der TU München allerdings ändern. Unter der Leitung von Prof. Brück werden neue Algenarten erforscht, wobei sie einen möglichst hohen Fettanteil haben und resistent gegen invasive Bakterien oder weniger produktive Algenarten sein sollen. Brücks Hoffnung ist es, in Zukunft eine Art „Superalge“ zu finden, die sehr schnell wächst und einen Fettanteil von bis zu 90 Prozent aufweist.

Mithilfe des Technikums können die Wissenschaftler jedes Klima auf der Welt simulieren: Das Forscherteam stellt Temperatur, Lichtbedingungen und Luftfeuchtigkeit ein und testet damit die optimalen Wachstumsbedingungen der Algen. Laut Brück sind vor allem warme Orte mit einer hohen Sonneneinstrahlung wie Chile, Spanien oder Australien für die kommerzielle Algenproduktion geeignet.

Die biochemische Beschaffenheit des Algentreibstoffs ist ein optimaler Ersatz für petroleumbasiertes Kerosin. Während Rapsöl kalten Temperaturen nicht standhalten kann und Bioethanol zu wenig Energie für den Antrieb von Flugzeugen enthält, kann das Kerosin aus Algen ohne weitere Anpassungen als Flugzeugkraftstoff verwendet werden. Das Forschungsteam der TU München geht davon aus, dass sich bis zum Jahr 2050 ca. 400.000 Tonnen Kerosin aus Algen herstellen lassen. Das Verfahren zur Erzeugung dieses Treibstoffs muss bis dahin für den Wettbewerb noch deutlich günstiger gestaltet werden.

Mit dem Algentechnikum wurde Ende 2015 eine weltweit einmalige Einrichtung für die Forschung errichtet und  Wissenschaftler machen sich große Hoffnungen für den Klimaschutz: Ab 2030 könnte Algenkerosin die Emissionen im Luftverkehr um bis zu 30 Prozent verringern.

Quellen:
https://www.gutfuerbayern.de/de/wissenswertes/themen/t_alternative_Antriebe_01022016/index.jsp
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/32655/

 

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