Abwasser sorgt für Wärme

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Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts des Nahwärmenetzes; l. BM Thomas Knödler, Mitte Umweltminister Untersteller, r. Nahwärmekunde Dieter Bruckinger.
Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts des Nahwärmenetzes; l. BM Thomas Knödler, Mitte Umweltminister Untersteller, r. Nahwärmekunde Dieter Bruckinger.

Die Gemeinde Ilsfeld im Landkreis Heilbronn geht bei der klimaschonenden Energieversorgung neue Wege. Ein Nahwärmenetz wird mit der Wärme des Abwassers gespeist.

Abwasserwärme klimaschonend für die kommunale Nach-wärmeversorgung nutzen. Diese bisher ungewöhnliche Idee wird derzeit in Ilsfeld umgesetzt. Täglich fließen dort aus der Verbandskläranlage rund 5.000 Kubikmeter geklärtes Abwasser mit einer Temperatur von etwa 10ᵒ C in die Schozach, einem kleinen Flüsschen, der mitten durch die 9.000 Einwohner zählende Gemeinde fließt. Mittels einer 1,5 Kilometer langen Druckleitung (Kosten 1,8 Millionen Euro) soll dies nun zur künftigen Abwasserwärmezentrale bei einem alten Sportheim am nördlichen Ortsausgang gepumpt werden. Dem geklärten Abwasser wird dort mithilfe von Wärmepumpen und eines mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerks (BHKW) mit einer Leistung von 900 Kilowatt Wärme entzogen und in ein Nahwärmenetz gepumpt. Das abgekühlte Wasser fließt dann wieder in die Schozach.

„Wir wollen möglichst energieautark sein und mit Energie so wirtschaftlich wie möglich haushalten“, begründet Bürgermeister Thomas Knödler (parteilos) die Investition. Jüngst wurde das Projekt im Rahmen des Landeswettbewerbs „Klimaschutz mit System“ mit drei Millionen Euro gefördert.

Bereits vor zwei Jahren wurde in Ilsfeld damit begonnen ein 4,3 Kilometer langes Nahwärmenetz aufzubauen. Gut 120 Grundstücke sind daran bisher angeschlossen, neben dem Steinbeis-Schulzentrum auch das Rathaus mit rund 20 Mitarbeitern, das benachbarte Pfarrhaus, die Kirche, Gemeindehaus, zwei Kindergärten und zwei Sporthallen. Die Wärme liefert ein mit Erdgas betriebenes BHKW mit einer Leistung von 300 Kilowatt.

Durch die Abwasserwärmenutzung soll nun die innerörtliche Nahwärmeversorgung weiter ausgebaut und das Leitungsnetz mehr als verdoppelt werden, erläutert Knödler. Für die Kälteperiode bei Minusgraden ist zusätzlich ein 1,2 Megawatt starkes Biomassekraftwerk als Zusatzkessel vorgesehen. Es soll mit Waldrestholz, Landschaftspflegeholz und Chinaschilf aus der eigenen Gemeinde betrieben werden.

Die meisten Bewohner der Kernortes (rund 700 Häuser) wurden wegen der vorgesehenen Erweiterung des Wärmenetzes angeschrieben. „Das Interesses der Hausbesitzer ist groß“, berichtet Knödler. Er rechnet damit, dass bis Ende 2017 mindestens 350 Gebäude an das erweiterte Nahwärmenetz angeschlossen werden. 51 Prozent der Wärme stammen hierbei aus dem Abwasser. „Die Nutzung dieser ständig verfügbaren Abwärme ermöglicht hohe CO2-Einsparungen“, unterstreicht der Gemeindechef. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist ihm die Steigerung der regionalen Wertschöpfung durch die Investitionen und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Auch für die Zukunft und den weiteren Ausbau des Nahwärmenetzes gibt es konkrete Pläne. Im kommenden Jahr möchte die Gemeinde mit dem Bau solarer Wärmefelder starten um bis zu 50 Prozent des Jahresbedarfs an Wärme über die Sonne zu decken.

Abwasser werde als Wärmequelle bisher noch recht selten genutzt. Das liege an der nicht ganz einfachen Handhabung und an dem Eingriff ins Abwassernetz. „Speziell für größere Projekte wie Wärmenetze ist Abwasser jedoch eine sehr attraktive Wärmequelle“, kommentiert Volker Kienzlen, Leiter der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg das Ilsfelder Vorhaben.

 

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