Brasilianisches Waldgesetz bedroht Regenwald

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Regenwald

Die Entscheidung über die Änderung des Waldgesetzes in Brasilien wurde am Dienstag erneut verschoben und soll nun am 13. März endgültig gefällt werden. Noch immer protestieren in- und ausländische Umweltschützer, Einwohner und viele betroffene indigene Gemeinschaften aufs schärfste gegen die Novellierung und hoffen auf ein Veto der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff.

Das brasilianische Waldgesetz Código Florestal schützt seit 1965 die Waldökosysteme Brasiliens offiziell vor einer großflächigen Abholzung. Die Gesetzesänderung, die auf eine Initiative der Agrarlobby zurückgeht, die mehr Platz für Viehweiden und Anbauflächen für Soja, Zuckerrohr und Monokulturen schaffen wollen, hätte katastrophale Folgen für Umwelt und Menschen. Nicht nur würden bislang illegale Abholzungen den Stempel der Legalität erhalten und bis zu 76,5 Millionen Hektar Wald – eine Fläche so groß wie Deutschland, Italien und Österreich zusammen – zur Abholzung freigegeben.

Das Überleben von rund 70 indigenen indianischen Gemeinschaften wäre bedroht. Wertvolle und einzigartige Ökosysteme würden der Vernichtung überlassen. Betroffen sind nicht nur die für das Klima so wichtigen Regenwälder Amazoniens, sondern auch die letzten verbliebenen und schon zu 93 Prozent abgeholzten Küstenregenwälder des Atlantik, die bereits zur Hälfte dezimierten Savannenwälder des Landes, das sogenannte Cerrado, sowie das größte Binnenfeuchtgebiet der Erde, das Pantanal im Südwesten des Landes. Schon im Vorfeld der Gesetzesverabschiedung ist die Abholzungsrate stark gestiegen, im Bundesstaat Mato Grosso wurden 2011 etwa 70 Prozent mehr abgeholzt als im Vorjahr.

Konkret sieht das neue Gesetz vor, dass der zu erhaltende Waldanteil auf Privatgrundstücken unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu 50 Prozent statt vorher 80 Prozent im Amazonasgebiet reduziert werden kann. Für illegale Rodungen ist eine Amnestie für die nächsten fünf Jahre vorgesehen, die im Fall von Wiederaufforstung Endgültigkeit erhalten kann. Ein geschützter Streifen von bis zu 100 Metern entlang von Flüssen soll deutlich schmaler werden, was die Wasserqualität verschlechtern und zu vermehrter Erosion führen wird.

Bereits die Durchsetzung des bisherigen Waldgesetzes ist alles andere als effektiv. Der illegale Holzeinschlag erhält durch die Gesetzesneufassung nun das Siegel der Legalität. Zahlreiche Schlupflöcher im Gesetzestext würden die Abholzungsraten gefährlich steigern. Umweltschützer befürchten einen massiven Raubbau in den kommenden Jahren. Umfragen zufolge lehnen über 80 Prozent der brasilianischen Bevölkerung die Neufassung des Waldgesetzes ab. Die neue brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff könnte das Gesetz mit ihrem Veto stoppen. Nachdem das Gesetz den Senat bereits passiert hat, liegt die Entscheidung nun in ihrer Hand. Doch bisher bezeichnete Rousseff die Gesetzesnovelle als gelungenen Kompromiss zwischen Umweltschutz- und landwirtschaftlichen Belangen. “Das Gesetz ist gut – für den, der schon abgeholzt hat”, erklärt die grüne Präsidentschaftskandidatin und ehemalige Umweltministerin Marina Silva.

Josephin Lehnert

 

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