Manipulation bei weiteren Autobauern immer wahrscheinlicher

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Abgas-Manipulationen
Abgas-Manipulationen

Im Betrugsfall um die gefälschten Abgaswerte der Volkswagen Gruppe kommen immer neue Details ans Licht: So seien neben den bisher bekannten Modellen weltweit auch 1,2 Millionen Autos von Tochertunternehmen Skoda und 1,7 Nutzfahrzeuge mit der Manipulations-Software ausgerüstet worden, wie VW am Montag einräumte. Zudem wird immer wahrscheinlicher, dass auch andere Autobauer bezüglich der Abgaswerte getrickst haben. Aufgrund neuester Zahlen der Brüsseler Umwelt-schutzorganisation Transport & Environment (T&E) könnten auch Modelle von Daimler, Renault, Peugeot, Opel und BMW betroffen sein. Auch die Deutsche Umwelthilfe hatte vergangene Woche mitgeteilt, Hinweise zu haben, dass andere Hersteller ähnliche Tricks wie VW anwenden.

Der Skandal um die gefälschten Abgaswerte nimmt kein Ende. Dem VW-Konzern und dessen Ex- Chef Martin Winterkorn stehen schwere Zeiten bevor. Wie am Montag bekannt wurde, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts auf Betrug gegen Winterkorn persönlich. Bisher seien zehn Anzeigen von Privatpersonen eingegangen, einige richten sich offenbar namentlich gegen ihn. Auch der VW-Konzern selbst hat Medienberichten zufolge Anzeige erstattet – jedoch gegen Unbekannt. Die Staatsanwaltschaft hält es zudem für sehr wahrscheinlich, dass weitere Anzeigen folgen werden.

Für die Volkswagen Gruppe geht es neben Milliardenschäden – es drohen hohe Strafen und ein massiver Werteverlust an der Börse – auch um einen nicht wiedergutzumachenden Imageschaden. Während zunächst mutmaßlich nur um knapp 500.000 Dieselfahrzeuge mit der Software, die die Abgaswerte auf den Prüfstand schönt, ausgestattet zu sein schienen, zeigt sich nun, dass der Schwindel wesentlich größere Dimensionen hat: Insgesamt seien weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge mit der Schadsoftware unterwegs – darunter auch Fahrzeuge der Tochterunternehmen Audi und, wie jetzt bestätigt wurde, Skoda.

Bei Audi gehe es um 1,42 Millionen Pkw in der Region Westeuropa, in Deutschland sind knapp 580.000 Fahrzeuge manipuliert worden. In den USA sind rund 13.000 Fahrzeuge betroffen. Der fragliche Motor (EA 189) sei in den Varianten mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum als Turbodiesel in den Modellen A1, A3, A4 und A6, dem Sportwagen TT sowie den Geländewagen Q3 und Q5 verbaut worden. Skoda arbeitet derzeit an einer Liste aller betreffenden Regionen und Modelle. Zudem gab VW gestern zu, dass auch rund 1,7 Millionen seiner Nutzfahrzeuge mit der Abgas-Betrugs-Software ausgestattet wurden. Das berichtete gestern die Nachrichtenagentur AFP.

Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass bei VW nach dem Rücktritt Winterkorns letzte Woche weitere Köpfe aus der Vorstandsriege rollen. So seien die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jacob Neußer und Wolfgang Hatz, „beurlaubt“ worden, sagten mehrere Insider laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch die Folgen des Abgas-Skandals für die anderen Autobauer werden derweil immer dramatischer. So teilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vergangenen Freitag mit, konkrete Hinweise zu haben, dass auch andere deutsche Hersteller bei Abgastest manipuliert hätten, darunter Opel, BMW und Daimler (CEP berichtete). Sie räumten den Konzernen eine Frist ein, um den Schwindel von sich aus zuzugeben, andernfalls wolle die DUH mit ihren Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Die Frist verstrich allerdings, bislang ohne dass die Hersteller zu den Vorwürfen Stellung genommen hätten.

Jetzt hat auch die Brüsseler Nicht-Regierungsorganisation Transport & Environment (T&E) Zahlen veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass neben dem VW-Konzern andere Hersteller ähnliche Tricks anwenden, um die Abgaswerte auf dem Prüfstand geringer ausfallen zu lassen, als im Straßenverkehr. T&E untersucht seit Jahren genau diesen Unterschied zwischen Prüfstands- und Realemissionen. Die Organisation kommt aktuell zu dem Urteil, dass dieser Abstand mittlerweile derart gestiegen ist, dass sich dies nur durch die Verwendung einer entsprechenden Manipulations-Software oder ähnlicher illegaler Maßnahmen erklären lasse.

So seien bei einem Test ein BMW X3 (Diesel) mit einer 9,9fachen Überschreitung der zulässigen Stickoxid-Grenzwerte, ein Opel Zafira mit einer 9,5fachen und ein Citroen C4 Picasso mit einer 5.1fachen Überschreitung aufgefallen. Alle diese Fahrzeuge hätten auf dem Prüfstand die Abgastests jedoch bestanden. Zudem hätten bei Test im Realbetrieb fast jedes Mercedes Modell rund 50 Prozent mehr des Treibhausgases CO2 emittiert als bei Abgastests im Labor. Das betreffe auch die BMW 5er Modellreihe, sowie den Peugeot 308.

Zudem teilt T&E mit, dass bei so gut wie jedem Modell, das neu auf den Markt komme, teils erhebliche Differenzen zwischen Prüfstandergebnis und Straßenbetrieb festzustellen seien, darunter Fahrzeuge von VW, Daimler und Renault. Noch im Jahr 2001 habe der Unterschied zwischen Prüfstandergebnis und Realbetrieb bei durchschnittlich acht Prozent gelegen – ein Wert, der sich durch legale Tricks der Autobauer erklären lassen könne. Mittlerweile läge der Abstand allerdings bei bis zu 40 Prozent. Diese Differenzen lassen sich laut T&E nicht mehr allein durch geänderte Testverfahren erklären, sondern weisen klar auf illegale Manipulationen hin. Die Organisation will nun ein Programm in die Wege leiten, mit dem sie die Verwendung von Abschalteinrichtungen, wie sie bei VW nachgewiesen wurden, auch bei anderen Herstellern belegen will.

Wahrscheinlich werden in den kommenden Monaten immer mehr Hersteller einräumen müssen, ähnliche Tricks verwendet zu haben. Eher unwahrscheinlich ist, dass weltweit lediglich die Volkswagen Gruppe eine Schadsoftware eingesetzt hat. Eher war es so, dass VW nur das Pech hatte, als erstes aufzufliegen, sagt auch Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter beim Umweltbundesamt (UBA). Überall in Europa würden solche Tricks angewendet. Im Abgas-Skandal dürfte demnach das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein.

 

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