Gefährlich hohe Stickoxid-Werte in deutschen Städten

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Luftverschmutzung
Luftverschmutzung

Der Abgas-Skandal um die Volkswagen Gruppe hat den Konzern in eine tiefe Krise getrieben. Auch die Umwelt und die Gesundheit der Menschen werden durch die deutlich überschrittenen Grenzwerte für Luftschadstoffe aus dem Verkehr stark gefährdet, warnen Umweltschutzorganisationen. Jüngste Messwerte des Umweltbundesamts belegen, dass vor allem die Belastung der Atemluft mit dem Diesel-Abgasgift Stickstoffdioxid in den deutschen Städten viel zu hoch ist. Greenpeace fordert jetzt die Politik dazu auf, sofort zu handeln, um die Gesundheit der Deutschen zu schützen. Die Bundesregierung hat bereits mehrfach Mahnschreiben der EU-Kommission wegen der hohen Luftverschmutzung erhalten, Gegenmaßnahmen blieben aber bislang aus.

Die Luftverschmutzung in den deutschen Städten ist weiter bedenklich hoch. Der erlaubte Jahreswert des Luftschadstoffs Stickstoffdioxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden jedoch bei jeder zweiten der bislang ausgewerteten 137 Luftmessstationen in Städten deutlich höherer Werte gemessen, wie die Umweltschutzorganisation Greenpeace unter Berufung auf Daten des Umweltbundesamts am Sonntag mitteilte. Das Gesamtergebnis für 2015 werde sich bis Ende des Jahres sogar noch deutlich verschlechtern, schätzt Greenpeace. Der Grund dafür ist, dass die Werte der Stickoxide (NOx) in der kalten Jahreszeit erfahrungsgemäß höher ausfallen. Zudem stehen noch Daten einiger Luftmessstationen aus. In der Vergangenheit hätten diese zu fast drei Viertel überschrittene Grenzwerte gemeldet.

„Wir haben nicht alleine einen Manipulationsskandal bei VW, sondern einen handfesten Abgasskandal“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser. „Die massiv überhöhten Innenstadtwerte bedrohen die Gesundheit der Menschen. Verkehrsminister Dobrindt muss uns endlich vor den Abgaslügen der Autoindustrie schützen.“

Der VW-Abgas-Skandal, bei dem Millionenfach mehr Stickoxide ausgestoßen wurden als zugelassen, unterstreiche, dass die Politik handeln müsse. Obwohl der Stickoxid-Ausstoß von PKW in den vergangenen Jahren schrittweise gesenkt worden sei, würden die innerstädtischen Luftgrenzwerte seit Jahren massiv überschritten.

Demnach meldeten im Jahr 2014 rund zwei Drittel der innerstädtischen Messstationen höhere Durchschnittswerte als zugelassen. Im Gesamtjahr 2015 drohen ähnlich schlechte Ergebnisse, befürchtet Greenpeace. Dadurch werde die Gesundheit der Bevölkerung massiv gefährdet: Erhöhte Stickoxidbelastungen können zu Lungenerkrankungen wie Asthma, Herzinfarkten und vorzeitigen Todesfällen führen.

Bereits mehrfach mahnten verschiedene Umweltschutzorganisationen und sogar die EU-Kommission, die Bundesregierung müsse endlich etwas gegen die Luftverschmutzung unternehmen, bislang stießen sie jedoch weitgehend auf taube Ohren. In einem Land, das international Klima- und Umweltschutz propagiert, ist das unverständlich. Der Verkehrssektor in Deutschland ist der einzige Bereich, in dem die Emissionen seit 1990 nicht gesunken, sondern sogar leicht gestiegen sind (um 0,6 Prozent bis 2014), dennoch bleiben Maßnahmen aus.

Die EU-Kommission schickte der Bundesregierung sogar gleich mehrfach Mahnschreiben, zuletzt vergangenen Juli (CEP berichtete). In diesem Schreiben mahnt die EU, dass die Stickoxid-Belastung in 29 deutschen Ballungsgebieten zwischen 2010 und 2013 deutlich über den zulässigen Grenzwerten gelegen habe. Da das nicht die erste Ermahnung war, könne die EU sogar Klage gegen die Bundesregierung einreichen, warnten damals zahlreiche Experten. Als mögliche Gegenmaßnahme empfahl die Kommission damals sogar, Dieselfahrzeuge aus bestimmten Umweltzonen ganz zu verbannen.

Auch die Bundesregierung betonte immer wieder, die Automobilkonzerne bzw. die Dieselfahrzeuge seien schuld an den überschrittenen Grenzwerten. Fraglich ist allerdings, warum die schwarz-rote Koalition und Verkehrsminister Dobrindt nicht interveniert haben, obwohl augenscheinlich bekannt war, dass die Abgaswerte der Diesel-PKW im Realbetrieb die zulässigen Grenzwerte deutlich überschreiten, im Testbetrieb jedoch einhalten.

Grünen-Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn sagte der „Neuen Westfälischen“, von den gesundheitlichen Folgen durch erhöhte Stickoxid-Werte „dürften mehrere Millionen Menschen hier im Land betroffen sein“. Diese Menschen müssten die Zeche dafür zahlen, „dass die Bundesregierung jahrelang bei den Betrügereien der Autohersteller weggeschaut hat“.

Greenpeace-Experte Moser erklärte: „Das Verursacherprinzip muss auch für die Autoindustrie gelten. Die Hersteller müssen künftig für die massiven Gesundheitsfolgen insbesondere von schmutzigen Dieselwagen aufkommen“.

Die Aktivisten fordern, schnellstmöglich realistischere Abgas-Tests einzuführen. Derzeit wird der Abgas-Ausstoß im Labor getestet, unter Bedingungen, die mit dem alltäglichen Gebrauch von Autos nur wenig zu tun haben. Entsprechend klaffen die offiziellen Werte der Hersteller und die tatsächlichen weit auseinander.

Ab 2016 soll der Abgas-Ausstoß in so genannten Real Driving Emissions-Tests (RDE) gemessen werden, also im Straßenverkehr – allerdings nur zu Informationszwecken. Neu zugelassene Fahrzeuge sollen die RDE-Testwerte erst ab 2018 einhalten müssen. Das sei jedoch angesichts des Abgas-Skandals und der bedenklichen Luftverschmutzung in Deutschland viel zu spät, so Greenpeace.

„Die viel zu hohen NOx-Werte in den Städten und der VW-Betrug zeigen, dass wir realistische Untersuchungen brauchen – nicht erst 2018, sondern schon ab dem nächsten Jahr“, fordert Moser.

Quelle: Presseportal / Greenpeace

 

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