Ab Stuttgart elektrisch fliegen

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Die HY4 über dem Stuttgarter Flughafen

Ein viersitziges mit Brennstoffzellen betriebenes Flugzeug soll im kommenden Sommer am Flughafen Stuttgart im Testbetrieb starten. Projektkoordinator ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die HY4 soll bis zu 1.500 Kilometer weit fliegen können.

Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) will nun erstmals ein viersitziges Flugzeug mit einem Brennstoff-zellenantrieb ausrüsten, weshalb es HY4 heißt. Im kommenden Sommer soll es am Flughafen Stuttgart für den Testbetrieb starten. Dies kündigte Josef Kallo, Koordinator Elektrisches Fliegen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) jüngst in Stuttgart an. „Mit der HY4 wollen wir Elektromobilität in die Luft bringen, die Machbarkeit dieser Technologie demonstrieren und konkrete Anwendungsfelder im Passagiertransport aufzeigen“, sagt Kallo. Die Niedertemperatur-Brennstoffzelle wandelt den im Tank mitgeführten Wasserstoff und Luftsauerstoff in Wasser und Strom für den 80 Kilowatt starken Elektromotor um. Wenn diese bordeigene Energiequelle, etwa beim Start und bei Steiflügen nicht ausreicht, soll zusätzlicher Strom aus einer Lithiumionen-Hochleistungsbatterie kommen.

Der Flieger soll eine Höchstgeschwindigkeit von rund 200 Stundenkilometer erreichen – wobei eine Reisegeschwindigkeit von 145 Stundenkilometern anvisiert wird. Das Maximalgewicht der HY4 liegt bei 1,5 Tonnen. Das Flugzeug hat zwei Rümpfe mit je zwei Sitzen. Hierdurch soll eine optimale Verteilung der Antriebskomponenten und insgesamt eine höhere Zuladung ermöglicht werden. Die Flughöhe liegt nach jetzigem Stand der Technik bei 3.000 Metern, wobei sich Kallo optimistisch zeigt, künftig durch optimierte Brennstoffzellen mit einem höheren Wirkungsgrad eine Flughöhe von 8.000 Metern zu erreichen. Entsprechende Laborversuche seien schon erfolgreich verlaufen. Abhängig von Geschwindigkeit, Flughöhe und Zuladung soll die Reichweite des Fliegers zwischen 750 und 1.500 Kilometern liegen. “Unser Hauptfokus liegt derzeit auf der Erhöhung der Reichweite“, unterstreicht er. Erst danach wolle man daran arbeiten, die Geschwindigkeit des Fliegers weiter zu erhöhen. Zwar sei der elektrische Hybridantrieb der HY4 etwa 1,5-mal so teuer wie konventionell, doch seien die Kosten nicht das Hauptproblem, der DLR-Forscher.

Nach dem Jungfernflug im kommenden Sommer sollen längere Testflüge zu verschiedenen europäischen Zielen führen. „Wir zielen ab jetzt auf den Passagierflugzeugmarkt“, sagt Kallo. Einsatzmöglichkeiten für den neuen Flieger sieht der DLR-Koordinator vor allem im deutschen und europäischen Regionalverkehr. „Unser Ziel ist es, Flugzeuge wie die HY4 als Electric Air Taxi einzusetzen, um Ziele flexibler anzubinden und schnellere Alternativen zu bestehenden Transportwegen und –mitteln zu bieten“, skizziert Kallo ein Anwendungsszenario. Dies sei auch Teil einer Strategie „Synergieeffekte zwischen Elektromobilität auf der Straße und in der Luft zu erschließen“. Gerade für kürzere Strecken seien elektrische Antriebe sehr gut geeignet, weil sie lärm- und emissionsarm sind und aufgrund ihres höheren Drehmoments auch auf kurzen Bahnen starten und landen können. Ab 2017 hält der DLR-Forscher Brennstoffzellen betriebene Flugzeuge mit bis zu 50 Sitzplätzen für realistisch. Auch der Strommix für die Erzeugung des Wasserstoffs soll optimiert werden „Wir setzen künftig auf 100% regenerativen Wasserstoff“, betont Kallo. Derzeit werde dieser noch in einem Mix aus konventionellem und erneuerbarem Strom gewonnen.

 

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