88 Prozent Ökostrom: Rekord führte zu Negativpreisen

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Ökostromrekord
Ökostromrekord

Deutschland hat einen neuen Ökostromrekord aufgestellt: Am 8. Mai wurden fast 88 Prozent des deutschen Strombedarfs mit Erneuerbaren Energien gedeckt. Das hat sogar dazu geführt, dass die Preise für Strom kurzzeitig ins negative fielen: Wer seinen Strom an der Börser verkaufen wollte, musste Geld drauflegen, anstatt Gewinn zu machen. Eine bedenkliche Begleiterscheinung des Konzepts der Energiewende?

Es war sogar dem großen US-Nachrichtenmagazin „Time“ eine Meldung wert: Am vergangenen Sonntag hatte Deutschland so viel Erneuerbare Energie, dass industrielle Stromabnehmer für bezogene Elektrizität bezahlt werden mussten, anstatt wie gewohnt Strom zu kaufen. Die Preise fielen für wenige Stunden ins Negative – das kam zuletzt Weihnachten 2012 vor.

Der Grund für die Negativpreise: Gegen Sonntagmittag herrschten in Deutschland optimale Wetterverhältnisse. Dadurch erzeugten die Solar-, Wind-, Wasser- und Biomasseanlagen in der Bundesrepublik laut der anerkannten Datenbank „Agorameter“ 87,6 Prozent des bundesweit benötigten Stroms. Das ist ein neuer Ökostromrekord. Zunächst hatte man sogar von 95 Prozent gesprochen. Dieser Wert wurde später nach unten korrigiert, nachdem Daten nachgereicht worden waren.

Wegen dem großen Anteil an Erneuerbaren Energien mussten einige Gaskraftwerke heruntergefahren werden. Bei Kohle- und Atomkraftwerken, die noch immer einen Großteil der deutschen Elektrizität liefern, ist das allerdings nicht ohne weiteres möglich. Bis Kohlekraftwerke nach dem Abschalten wieder Strom liefern, vergehen einige Tage. Auch Atomkraftwerke können nicht so einfach vom Netz genommen werden. Die Folge: Trotz des Ökostromrekords lieferten die Anlagen weiter Energie.

Dieses große Überangebot und die geringe Nachfrage an diesem arbeitsfreien Sonntag lies die Preise an der Strombörse in Leipzig ins Negative fallen. Händler, die ihren Strom verkaufen wollten, mussten pro Megawattstunde 130 Euro draufzahlen. Private Verbraucher konnten das jedoch leider nicht ausnutzen. Hier rechnen die Versorger über einen Festpreis ab. Nur industrielle Großabnehmer können ihren Strom je nach Bedarf direkt an der Börse einkaufen.

Lars Waldmann, Pressesprecher des Bundesverbandes für Erneuerbare Energien sprach gegenüber der Huffington Post von „Marktversagen“. Schuld seien die unflexiblen alten Kohlekraftwerke. Experten fordern daher, das Ende der Kohleverstromung so schnell wie möglich einzuleiten. „Alte unflexible Braunkohlekraftwerke und Erneuerbare Energien passen nicht zusammen“, so Patrick Graichen, der Geschäftsführer von „Agora Energiewende“.

Quelle: The Huffington Post

 

One Response

  1. hermann bawey

    19. Dezember 2016 11:25

    Was ist das für ein Unsinn – Kohleverstromung und Erneuerbare passen nicht zusammen.
    Ohne Kohleverstromung würde Deutschland im „Dunkeln“ sitzen, da diese zu 90 % die Netzregelung und damit Netzsicherheit gewähren. Solange dies nicht von den Erneuerbaren realisiert werden kann, ist jede weitere Investition in Erneuerbare pure Geldverschwendung !

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