258.708 Stimmen für eine faire und nachhaltige Landwirtschaft

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Für eine faire und nachhaltige Landwirtschaft
Die neue Agrarpolitik ab 2020 muss fair zu den Bauern sowie den Verbrauchern sein © WWF

Anfang Februar diesen Jahres startete die EU-Kommission eine öffentliche Befragung zur Agrarreform, bei der Umfrageteilnehmer aus ganz Europa ihre Vorstellungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 mitteilen konnten. Am 2. Mai wurde die Umfrage beendet. Insgesamt haben sie  258.708 Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion beteiligt und ein klares Statement für eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft in Europa abgegeben. Unterstützt und mit Kampagnen begleitet wurde die Umfrage durch Umweltverbände wie BUND, DNR, NABU und WWF. Diese zeigten sich angesichts der hohen Beteiligung zufrieden.

So erklärte Prof. Dr. Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings: “Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Immer mehr Menschen machen sich Gedanken um eine zukunftsfähige Landwirtschaft, denn Agrarpolitik ist Gesellschaftspolitik. Nun liegt es an der EU-Kommission, dem Aufruf der Bevölkerung zu folgen und einen ambitionierten Reformvorschlag vorzulegen.”

“Hundertausende Menschen aus ganz Europa fordern eine Kurswende in der Agrarpolitik, diesen Weckruf kann die EU-Kommission nicht einfach übergehen. Sie muss die Agrarmilliarden endlich so umverteilen, dass das Arten- und Höfesterben endet“, kommentierte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, die Umfrageergebnisse.

Zudem konnten die Verbände 600 Unternehmen und Verbänden hinter der Kampagne zu vereinen, die den EU-Agrarkommissar Phil Hogan zu einem drastischen Kurswechsel bei den milliardenschweren Agrarsubventionen auffordert. Die Agrarsubventionen machen gut 38 Prozent des EU-Haushalts aus, wobei stark kritisiert wird, dass der Großteil der Fördergelder in pauschale, flächenbezogene Agrarsubventionen fließt. Dadurch werden intensivere Produktionsmethoden zum Schaden von Natur und Landwirten besser gestellt.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke fordert deshalb: „EU-Haushaltskommissar Günter Oettinger und sein Kollege Phil Hogan müssen jetzt auf die Stimmen aus der Gesellschaft hören und nicht nur auf die Besitzstandwahrer der Agrarindustrie. Mit einer mutigen Reform können sie nicht nur unsere ländlichen Räume retten, sondern auch das Vertrauen von Millionen Menschen in die EU stärken. Von einer giftfreieren und damit lebenswerteren Umwelt profitieren alle: Bienen und andere Insekten, Rebhuhn, Feldhamster und viele weitere Arten der Agrarlandschaft. Und nicht zuletzt profitieren auch alle Verbraucherinnen und Verbraucher, denen etwas an guten und fair produzierten Lebensmitteln liegt.“

“Erforderlich ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik. Die bisherigen pauschalen Flächenprämien sind abzuschaffen. Agrarbetriebe dürfen künftig nur noch Geld erhalten, wenn sie Leistungen für den Umwelt- und Naturschutz und die artgerechte Tierhaltung erbringen. Mit diesem Geld muss endlich eine naturverträgliche Landwirtschaft und die Ausweitung des Ökolandbaus gefördert werden. Nur eine solche Politik gibt der bäuerlichen Landwirtschaft eine Zukunft und stoppt das Höfesterben”, schließt Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Eine neue Agrarpolitik ab 2020 müsse den Umweltverbänden zufolge fair zu Bäuerinnen und Bauern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern sein. Sie sei ökologisch nachhaltig und global verantwortungsvoll auszurichten. Es brauche eine gezielte Förderung von Leistungen beispielsweise im Naturschutz und eine Ende der „Subventionen per Gießkanne“. Zudem müsse Umbau der Tierhaltung unterstützt und aktiv vorangetrieben werden. Außerdem soll der Pestizid- und Düngemitteleinsatz verringert werden.

“Die EU-Agrarpolitik geht uns alle an. Es geht um die Zukunft unserer Ernährung, eine gesunde Umwelt, die Kulturlandschaft, Bauernhöfe und nicht zuletzt um Fairness gegenüber Landwirten und allen Steuerzahlern. Es kann nicht sein, dass dieser Bereich nur innerhalb des Agrarsektors ausdiskutiert wird”, so die einhellige Forderung der Verbände.

Quellen:
https://www.dnr.de/presse/pm-2017/250000-stimmen-fuer-lebendige-landwirtschaft/

http://www.wwf.de/2017/mai/258708-stimmen-fuer-lebendige-landwirtschaft/

https://www.nabu.de/modules/presseservice/index.php?popup=true&db=presseservice&show=20402

https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/mehr-als-eine-viertelmillion-eu-buerger-fordern-agrarreformen/