24. Weltwassertag: Abwasser

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Weltwassertag
Bereits jetzt leiden viele Regionen in Afrika unter Trinkwassermangel

Im Dezember 1992 wurde auf der UN-Weltkonferenz in Rio de Janeiro beschlossen, dass jedes Jahr am 22. März der Weltwassertag gefeiert werden soll. Er soll die Bedeutung des universellen Zugangs zu sauberem Wasser und die Notwendigkeit, sich für die nachhaltige Bewirtschaftung der Süßwasserressourcen einzusetzen, hervorheben sowie den Bedarf nach einem verbesserten Zugang zu Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Einrichtungen in Entwicklungsländern. Vor diesem Hintergrund lädt die UN Mitgliedsstaaten dazu ein, an diesem Tag neue UN-Empfehlung einzuführen und Aktionen im eignen Land zu fördern. Jedes Jahr steht der Weltwassertag unter einem anderen Thema. Für das Jahr 2017 lautet es „Abwasser“.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Landwirtschaft, denn sie beansprucht bereits jetzt gut 70 Prozent des gesamten Süßwasserbedarfs, während der UNESCO zufolge rund 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben. Verdeutlichen tut dies ein Beispiel aus einer Analyse des World Wide Fund (WWF) um Wasserraubbau: der Gemüseanbau im südspanischen Andalusien.

Hier zeigt sich, wie sehr die Landwirtschaft auf Effizienz getrimmt ist, aber dennoch wie zerstörerisch die Übernutzung sein kann. Für ein Kilogramm Tomaten werden hier im Durchschnitt  64 Liter Wasser benötigt. In Marokko sind es 98 Liter, in Süditalien sogar 115 Liter.  Doch trotz der sehr effizienten Bewässerung der andalusischen Agrarbetriebe sinken die dortigen Grundwasserspeicher jedes Jahr weiter ab – stellenweise sogar um bis zu zehn Meter pro Jahr. Die Wasservorkommen schrumpfen, einfach weil die landwirtschaftliche Anbaufläche die natürlichen Grenzen sprengt und die staatliche Regulierung nicht greift. Es gehört zu den Gebieten, welche die Auswirkungen des Wasserraubbaus schon jetzt zu spüren bekommen.

Für Regionen insbesondere in Afrika, dem Nahen Osten, Nordchina oder auf dem indischen Subkontinent prophezeit der WWF eine gefährliche Verschärfung der Wasserkrise, was zu schweren Konflikten führen kann. So warnt Philip Wagnitz, Referent für Süßwasser beim WWF Deutschland: „Die Süßwasserressourcen werden in Zukunft am stärksten in Gebieten beansprucht, in denen die Bevölkerung ansteigt, die Wirtschaft boomt und der Klimawandel besonders heftig zuschlägt. Dies kann ganze Regionen destabilisieren. Kein Wasser heißt kein Essen, kein Essen heißt Instabilität, Instabilität heißt Konflikt, Konflikt heißt Flucht. So einfach diese Kausalkette auch klingt, so wahr ist sie in vielen Orten der Welt.“

Die Schwellen- und Entwicklungsländer stehen laut Wagnitz vor einer doppelten Herausforderung:  Sie verändern sich rasend schnell, die lokalen Wasserressourcen jedoch nicht. „Wer Trinkwasser, saubere Energie und genug Essen für alle Menschen will, muss die Wasserkrise lösen. Doch das Thema Wasser ist in der Entwicklungszusammenarbeit kaum präsent. Bisher fließen lediglich knapp sechs Prozent der deutschen Gelder in diesen Sektor. Auch die Sonderinitiative der Bundesregierung zur Bekämpfung von Fluchtursachen muss das Thema Wasser stärker berücksichtigen.“

Im Rahmen dieser Bekämpfung ist das Thema nachhaltige und ökologische Landwirtschaft umso wichtiger. “Bio-Bauern schützen unser Trinkwasser und retten unsere Meere. Ökolandbau verhindert Überdüngung, weil die Zahl der Tiere pro Fläche streng begrenzt ist. So stellen Bio-Bauern sicher, dass nicht mehr Nährstoffe mit dem Dünger ausgebracht werden, als die Pflanzen aufnehmen“, erklärt Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Öko-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Bio-Bauern schützen ihre Pflanzen ökologisch, chemisch-synthetische Pestizide sind tabu. Auf diese Weise schützen [sie] unsere Gewässer davor, mit solchen Substanzen verschmutzt zu werden. Bundesweit kooperieren Wasserwerke mit Bio-Bauern. Denn die Wasserwerke investieren lieber in eine grundwasserschonende Landwirtschaft anstatt viel Geld für Wasseraufbereitung auszugeben.“ Zudem betont er: „Die Bundesregierung muss mit ihrer Politik dringend den Ökolandbau stärken, für einen besseren Gewässerschutz in der Landwirtschaft.”

Quellen:
http://www.worldwaterday.org/
http://unesco.de/wissenschaft/wasser/un-und-wasser/wassertag.html
http://www.wwf.de/2017/maerz/wasserkrise-destabilisiert-ganze-regionen/
http://verbaende.com/news.php/Weltwassertag-am-22032017-Bio-Bauern-schuetzen-Trinkwasser-und-retten-Meere?m=114834