Archive - April 2010

Wie sang noch vor ein paar Jahren der Hamburger Hip-Hopper Jan Delay: „Dennis mag kein Tofu, denn das ist vergiftet. Und Matt mag keine Buffalos, denn die sind vergiftet.“ Damals hörte sich das irgendwie ironisch an.

Doch es stimmt wirklich. Jedenfalls wenn man die Welt zu Gesicht bekommt, die der österreichische Regisseur Werner Boote dem Zuschauer in seinem Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (Kinostart: 25. Februar) zeigt.

Wer erinnert sich nicht an die Tupperware-Parties unserer Eltern, an Quietscheente und Trockenhaube? Wir sind eben alle Kinder des Plastikzeitalters.

Die Menge an Kunststoffen, die wir in den letzten 100 Jahren produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken. Der Film zeigt dem Zuschauer eine Welt, die ohne Plastik nicht mehr existieren kann, aber gleichzeitig mit den Problemen und Risiken dieser Kunststoffe zu kämpfen hat.

Weltweit werden pro Jahr bis zu 240 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon landen 6,4 Millionen Tonnen in den Ozeanen. Bis zu 18.000 Plastikteile schwimmen inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Wale, Delfine und Schildkröten verletzen sich an Müll und ertrinken qualvoll. Auch in der Nord- und Ostsee gefährdet Plastik die Tierwelt. Seevögel und Fische verhungern mit den Mägen voller Plastik.

Der Film stellt uns ausführlich alle gefährlichen Stoffe vor, die in Plastik enthalten sind: Phthalate, sogenannte Weichmacher, wie sie in PVC, Textilien, Kosmetik- und Arzneimitteln vorkommen. Bisphenol A, Ausgangsstoff für den Kunststoff Polycarbonat, der zur Herstellung von CDs, Babyfläschchen oder Lacken für die Beschichtung von Konservendosen und Folienverpackungen verwendet wird. Und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die überwiegend bei der Verbrennung fossiler Energieträger mit den Abgasen in die Luft gelangen.

Sie haben gefährliche Folgen, auch für den Menschen. Einige dieser Stoffe wirken wie Hormone und rufen Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes hervor. Andere stören nicht nur die Sexual-, sondern auch die Gehirnentwicklung oder sind nachweislich krebserzeugend.

Nicht alle sind im Kunststoff chemisch gebunden und können daher daraus entweichen. Aufgenommen werden sie über in Plastik verpackte Nahrung, über Konsumprodukte aller Art, die Plastik enthalten, die Innenraumluft, den Hausstaub oder den Kontakt mit Spielzeugen. „Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken!“, so ist auf der Internetseite dieses Ökothrillers zu lesen.

Doch es gibt auch Alternativen, auf die der Film hinweist. Atmungsaktive Frischhaltebeutel und Flaschen aus natürlichem Kunststoff, der auf Basis nachwachsender Pflanzen hergestellt wurde und zu 100Prozent biologisch abbaubar ist. Oder Schwimmkissen aus Baumwolle, die auch Salz-, Chlor- und Thermalwasser abkönnen.

Die Quintessenz des Films ist leider eher deprimierend: Auch wenn wir jetzt anfangen, nur noch Bio-Plastik herzustellen, wird es 500 Jahre dauern, bis unsere Welt wieder plastikfrei sein wird. Eine Aufgabe also, die noch viele Generationen nach uns beschäftigen wird.

Daniel Seemann

Alles ist vergiftet: Der Film „Plastic Planet“

Wie sang noch vor ein paar Jahren der Hamburger Hip-Hopper Jan Delay: „Dennis mag kein Tofu, denn das ist vergiftet. Und Matt mag keine Buffalos, denn die sind vergiftet...

Bis zum 31. Januar 2010 sollten die UN-Länder ihre Reduktionsziele und Klimapläne dem UN-Klimasekretariat vorlegen, so wurde es auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen vereinbart. 55 Länder hielten den Termin ein und legten ihre Vorschläge zur Treibhausgasreduktion bis 2020 vor, darunter auch die beiden schlimmsten CO2-Emittenten China und USA. Auffallend ist, dass gerade die Schwellenländer teilweise sehr hoch gesteckte Klimaschutzmaßnahmen aufführen, kein Wunder, denn zumindest in einem Punkt besteht schon jetzt Einigkeit – die Aufgeführten Maßnahmen sind freiwillig.

Doch auch innerhalb der EU, die immerhin eine Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes bis 2020 um 30 Prozent anstrebt, tritt man auf der Stelle. Hier wird ganz nach dem wenn-dann-sonst Prinzip verfahren und hoch gepokert. Der gerade beschlossenen Entwurf zur „Strategie 2020“ soll nur dann zum Tragen kommen, wenn sich auch andere Industrieländer zu ähnlichen Reduktionszielen verpflichten wie die EU-Staaten, ebenso sollen die Entwicklungsländer, ihren Möglichkeiten entsprechend, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dass diese Voraussetzungen nicht so schnell erfüllt werden, hat schon der vorangegangene Klimagipfel klar gezeigt.

In den Reduktionszielen der einzelnen Industrieländer wird die Verringerung der Emissionen nämlich eher verhalten angestrebt. Die Chefetage der EU zieht sich mit ihrem Verhalten somit auf eine ganz geruhsame Position zurück. Zwar verkünden sie immer wieder, dass sogar auf 30 Prozent erhöht werden solle, doch nur dann, wenn auch die anderen Länder ihre Ziele ähnlich hoch stecken würden. Genauso steht es um die Klimahilfen für die Entwicklungsländer, auch hier wird nur gezahlt, wenn die anderen Industrieländer mitziehen. Dieses Verhalten wird sodann als diplomatischer Druck bezeichnet, damit auch die anderen Länder an ihre Verpflichtungen erinnert werden und ihren Beitrag leisten. Im Kindergarten würde man wohl eher von dickköpfigem Verhalten sprechen, als dieses Verhalten als Diplomatie zu titulieren.

Das sieht wohl auch die USA ganz ähnlich. Schon zum Earth Day sollte das US-Klimagesetzt präsentiert werden. Eine Verlegung auf den gestrigen Montag und letztendlich eine komplette Streichung des Termins verdeutlichen nur das, was sich bereits beim Weltklimagipfel abzeichnete – es gibt wichtigere Dinge, die den Klimabemühungen vorgezogen werden. In den USA ist es die Einwanderungsreform und in der EU eben die Starrköpfigkeit.

Judith Schomaker

Ausblick auf die Klimaziele

Bis zum 31. Januar 2010 sollten die UN-Länder ihre Reduktionsziele und Klimapläne dem UN-Klimasekretariat vorlegen, so wurde es auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen...

Bereits seit längerem wird von verschiedenen Wissenschaftlern darüber diskutiert, ob die weltweite Erderwärmung zu einem verstärkten Vulkanismus führt. Bereits im Jahr 2002 hatte eine Studie ergeben, dass die Vulkanaktivitäten auf Island seit der letzten Eiszeit um etwa 30 bis 50 Mal gestiegen sind. Als Grund benennen die Geowissenschaftler den Rückgang des Eises und die damit verbundene Druckverringerung auf die Vulkane.

Sinkt der Druck einer teilweise kilometerdicken Eisschicht auf die Vulkane, so wird hierdurch die Bildung von Magma der unter dem Eis liegenden Vulkane im Erdmantel beschleunigt. Durch diesen Druckabfall mit dem Schmelzen der Eisschicht sinkt der Schmelzpunkt des Mantelmaterials. Normalerweise befinden sich dort nur geringe Flüssigkeitsmengen, die durch die Dekompressionsschmelze nun nach oben, beispielsweise in den Krater eines Vulkans, drängen.

Kommt es durch den Klimawandel nun zu vermehrten Vulkanausbrüchen und war der Island Vulkan, der den Flugverkehr tagelang lahm legte nur der Anfang?

Die Zusammenhänge zwischen dem Rückgang des Eises und einem verstärkten Vulkanismus hat zwar der britische Vulkanologe Hugh Tuffen in einem Beitrag für die wissenschaftliche Fachzeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society A aktuell dargestellt, doch bei einem Vulkanausbruch kommen noch viele Faktoren zum Tragen, die auch Tuffen zu bedenken gibt. So spielen neben der Eisschmelze auch Erdbeben oder die chemische Veränderung der Magmazusammensetzung eine Rolle und selbst Vulkane, bei denen vermehrte Eisschmelze beobachtet wurde, blieben ruhig - wie der Torajökull auf Island.

Unbestritten ist hingegen die Zunahme des Vullkanismus seit Ende der letzten Eiszeit. Aber nicht unbedingt der Rückgang des Eises muss Schuld daran sein, auch das Abrutschen der Flanken eines Vulkans führt zu einer Druckänderung, die das Magma zum Hochdrängen veranlasst. Ebenso wie Eruptionen, die durch Spannungen im Untergrund ausgelöst werden, können zu vermehrter Vulkantätigkeiten führen. In der Vergangenheit wurden häufig solche Zusammenhänge beobachtet, so ging den Ausbrüchen von Stromboli und Ätna ein Beben nördlich von Palermo voraus.

Nicht immer lassen diese unterirdischen Vorboten klar auf einen folgenden Ausbruch schließen, die Veränderungen in den Tiefen der Erde laufen, genau wie die in der Atmosphäre, sehr langsam ab und die Wirkung wird manchmal erst Jahrzehnte später sichtbar. Den Klimawandel in Bezug auf die vermehrte Vulkanaktivität zu bringen ist daher auf den zweiten Blick gar nicht so abwegig.

Judith Schomaker

Vulkanausbruch eine Folge des Klimawandels?

Bereits seit längerem wird von verschiedenen Wissenschaftlern darüber diskutiert, ob die weltweite Erderwärmung zu einem verstärkten Vulkanismus führt. Bereits im Jahr...

Deutschland nimmt im Zukunftsmarkt Cleantech, der Kommerzialisierung sauberer Technologien, eine weltweite Schlüsselposition ein. Dies beweist einmal mehr der Green Venture Summit, der erstmalig am 10. Mai 2010 in Berlin stattfinden wird. Die Organisatoren konnten in weniger als drei Monaten 36 Speaker, 13 Sponsoren und 23 Medienpartner für den Cleantech‐Kongress gewinnen.

Die Themen und Geschäftsideen auf dem Green Venture Summit drehen sich um erneuerbare Energien, Energieeffizienz, E‐Mobilität, intelligente Stromnetze, grüne Architektur und nachhaltige Wirtschaft. Neben Sprechern wie Dr. Hermann Scheer (MdB), Hans Josef Fell (MdB), Dr. Wulf Bentlage (Geohumus), Rolf Schumann (Better Place) und Richard Youngman (Cleantech Group) haben weitere Experten ihre Teilnahme bestätigt.

Prof. Meinhard von Gerkan, Gründungspartner der gmp Architekten, zeigt seine Pläne für neuen Lebensraum mit positiver Umweltbilanz auf dem Flughafenareal Tegel. Dr. Gerhard Timm, Vorstandsmitglied der Desertec Foundation, erklärt die Vorteile und, Herausforderungen der Solarstromproduktion in Wüsten. Guido Rossmann, CEO der ajr green energy, präsentiert die Kunst, Großprojekte zur erneuerbaren Energiegewinnung an Investoren zu verkaufen.

Der Green Venture Summit verfolgt das Ziel, innovative junge Unternehmen mit erfahrenen Cleantech‐Investoren zu verbinden und so die Geschäftsentwicklung im Branchennetzwerk voranzutreiben. Der Kongress bietet kapitalsuchenden Unternehmern die Chance, sich für einen Investorenpitch zu bewerben und potentielle Geldgeber innerhalb von sieben Minuten für ihre Geschäftsidee zu begeistern. Bislang sind schon zehn grüne Startups ausgewählt worden.

Der Green Venture Summit 2010 ist die Auftaktveranstaltung einer neuen Kongressreihe, die mindestens einmal pro Jahr an wechselnden Orten stattfinden wird. Die Organisatoren Jan Michael Hess und Sarik Weber haben eine langfristige Strategie und investieren mit dem Green Venture Summit in eine offene Plattform zur Förderung der Green Economy. Im schnell wachsenden Netzwerk sollen junge Cleantech‐Unternehmen mit Marketingexpertise und Kapital unterstützt werden, um mit sauberen Produkten sowohl Unternehmen als auch Konsumenten zur Verhaltensänderung und nachhaltigem Konsum zu bewegen.

Der Green Venture Summit findet am 10. Mai 2010 in Berlin statt und wird auf Englisch abgehalten. Einige wenige Plätze für Startups, Sponsoren, Speaker und Medienpartner sind noch verfügbar.

Mobile Economy GmbH

Green Venture Summit bringt grüne Gründer und Cleantech-Investoren zusammen

Deutschland nimmt im Zukunftsmarkt Cleantech, der Kommerzialisierung sauberer Technologien, eine weltweite Schlüsselposition ein. Dies beweist einmal mehr der Green...

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