Archive - Juni 2008

Am 18.06.2008 hat der Deutsche Bundestag den von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD und den Grünen eingereichten Antrag zur Gründung einer Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) angenommen.

Hermann Scheer hat, zusammen mit EUROSOLAR und dem Weltrat für Erneuerbare Energien (WCRE), seit Jahren die Gründung einer Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien gefordert und betrieben.

2001 organisierte der Weltrat eine "International Impulse Conference for the Creation of the IRENA".

Das hauptsächliche Ziel der internationalen Regierungsorganisation IRENA soll darin bestehen, die weltweite Einführung erneuerbarer Energien zu stärken und zu fördern. Dieses übergreifende Ziel muss in eine Reihe konkreter Maßnahmen aufgegliedert werden wie z. B.

- einer besseren und sachkundigen politischen Beratung durch die u.a. bessere ordnungspolitische Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien geschaffen werden können,

- einem wirksamen Technologie- und Wissenstransfer,

- einem dauerhaften Aufbau von Fachkenntnissen und Kapazitäten im Bereich erneuerbarer Energien,

- einer Bereitstellung von wissenschaftlich fundierter Information, die sich auf angewandte Politikforschung sowohl im technischen als auch sozioökonomischen Bereich stützt,

- der Förderung von Finanzierungsmöglichkeiten für erneuerbare Energien sowie einer besseren Information der Öffentlichkeit.

IRENA sollte sich unter Beachtung der Nachhaltigkeitskriterien allen Formen der erneuerbaren Energien widmen und ebenfalls die Verbindung zwischen Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz berücksichtigen.

In seinem Koalitionsvertrag von 2005 erklärte die Deutsche Bundesregierung die IRENA-Initiative zu einem ihrer politischen Projekte.

Nachdem weltweit ausgewählte Staaten konsultiert wurden und die Rückmeldungen dieser Gespräche sehr positiv ausfielen, entschied die Bundesregierung, im April 2008 eine Vorbereitungskonferenz in Berlin auszurichten. Ziel dieser Konferenz war es, mit den interessierten Staaten mögliche Ziele, Aktivitäten, Organisationsstrukturen und Finanzierung der IRENA zu diskutieren. Delegationen aus 60 Staaten nahmen teil.

Da die Reaktionen der Staaten auf der Vorbereitungskonferenz sehr positiv ausfielen, ist die Gründungskonferenz der IRENA für Ende 2008 geplant.

Quelle Eurosolar, Sonnenseite

Bundestagsfraktionen unterstützen IRENA

Am 18.06.2008 hat der Deutsche Bundestag den von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD und den Grünen eingereichten Antrag zur Gründung einer Internationalen Agentur für...

Erstmals wird ein abrupter Klimawandel am Ende der letzten Eiszeit detailliert beschrieben: Dabei änderte sich das Klima im Nordatlantik quasi von einem Jahr auf das andere – schneller als bisher vemutet. Die Daten aus einem über 15′000 Jahre alten Eisbohrkern könnten wegweisend sein für die Vorhersage plötzlicher Klimaschwankungen in der Zukunft. Die Studie einer internationalen Forschergruppe mit Berner Beteiligung wurden nun im Journal «Science» publiziert.

Ein Eisbohrkern aus Grönland bringt es an den Tag: Dank einer zeitlich sehr hoch auflösenden Messung von Wasserisotopen und Staubkonzentrationen gibt das Eis in bisher ungekanntem Detail Aufschluss über sehr abrupte Klimawandel, die in Grönland im Zeitraum von 15.500 bis 10.000 Jahren herrschten. Die Daten zeichnen die damaligen Temperaturen, den Niederschlag sowie die Staub- und Meersalzpartikel nach – erstmals in Zeitabständen von wenigen Monaten. Einer internationalen Forschergruppe mit Berner Beteiligung ist es so gelungen, die Entstehung zweier abrupter Klimawandel zu rekonstruieren. Ihre Ergebnisse wurden nun in «Science» publiziert.

Kette von Ereignissen nachgezeichnet

Eisbohrkerne aus Grönland sind sehr zuverlässige Klimaarchive, wenn es darum geht, abrupte Klimaschwankungen in der Vergangenheit zu untersuchen. Sie lassen auch Rückschlüsse auf die Eis-Menge im Nordpolarmeer zu. Dank dem Berner «CFA System» («Continual Flow Analysis») konnte die chemische Zusammensetzung des neuesten Bohrkerns erstmals in Zeitabständen von weniger als einem Jahr untersucht und der Eiskern mit hoher Präzision datiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das grönländische Klima vor 14.700 Jahren sprunghaft erwärmte – innerhalb weniger Jahrzehnte um über 10° Celsius. Die Zirkulation der Atmosphäre änderte sich dabei noch schneller – im Verlauf von nur ein bis drei Jahren.

Darauf folgte eine Abkühlung, die zwei Jahrhunderte dauerte, worauf sich das Klima innerhalb von 60 Jahren wieder um 10° Celsius erwärmte. «Das sind erstaunlich starke Temperaturschwankungen. Auf klimatischen Zeitskalen enstprechen diese Änderungen der Atmosphärenzirkulation nur einem Wimpernschlag», meint Prof. Hubertus Fischer von der Berner Abteilung für Klima- und Umweltphysik.

Auf Grund der detaillierten Messung der Wasserisotopen vermuten die Forschenden, dass das grönländische Klima innerhalb von nur einem Jahr durch Änderungen der globalen Luftströmungen beeinflusst wurde. Demnach soll eine komplexe Abfolge von Ereignissen, ausgehend von der Südhalbkugel, die Ursache sein: Während es im Norden kalt war, erwärmten sich die Wassermassen im Süden. Dieses Phänomen wurde bereits von Berner Klimaforschern als die sogenannte bipolare Klimaschaukel beschrieben. Durch die Erwärmung im Süden verschob sich die Zone, in der die Passatwinde wehen, gegen Norden, wodurch dort der Niederschlag zunahm. Das feuchtere Klima in den asiatischen Steppen – woher der Staub in Grönland stammt – führte schliesslich zu geringeren Staubemissionen. Dies zeigte sich in einer geringeren Menge an Staubpartikeln im Eisbohrkern – dem ersten Zeichen eines sich anbahnenden Klimawandels. Dann änderte sich der Luftmassentransport im Nordatlantik und zuletzt bewirkten die höheren Temperaturen im Norden einen Rückzug des Eises im nördlichen Polarmeer.

Test für heutige Klimamodelle

Anhand solcher detaillierter Messungen von Klimaerwärmungen in der Vergangenheit lassen sich heutige Klimamodelle prüfen. Insbesondere die Schnelligkeit, mit der diese Änderungen auftreten, ist ein harter Test: «Wenn wir darauf vertrauen wollen, dass solche Modelle die Möglichkeit zukünftiger abrupter Klimawechsel zuverlässig voraussagen können, müssen sie mit dem, was wir über vergangene Klimawechsel herausgefunden haben, übereinstimmen», so Fischer.

Diese Arbeit findet sich in Science unter:
J.P. Steffensen, K.K. Andersen, M. Bigler, H.B. Clausen, D. Dahl-Jensen, H. Fischer,
K. Goto-Azuma, M. Hansson, S. J. Johnsen, J. Jouzel, V. Masson-Delmotte, T. Popp, S.O. Rasmussen, R. Roethlisbgerer, U. Ruth, B. Stauffer, M.-L. Siggaard-Andersen, A.E. Sveinbjörnsdottir, A. Svensson, J.W.C. White: High resolution Greenland ice core data show abrupt climate change happens in few years. Science Express, 10.1126/science.1157707, 2008.

Quelle: AlphaGalileo, Uni Bern

Klima am Ende der Eiszeit änderte sich innerhalb von Jahren

Erstmals wird ein abrupter Klimawandel am Ende der letzten Eiszeit detailliert beschrieben: Dabei änderte sich das Klima im Nordatlantik quasi von einem Jahr auf das...

Das Bundesumweltministerium hat am 19.6.2008 seine umfassende Klimaschutzinitiative auf den Weg gebracht. Mit vier neuen Programmen werden Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Wirtschaft, den Kommunen sowie der Verbraucher und Verbraucherinnen gefördert. In diesem Jahr stehen dafür bis zu 400 Millionen Euro aus dem Verkauf der CO2-Emissionsrechte zur Verfügung. Davon werden 280 Millionen Euro für nationale Maßnahmen verwendet, 120 Millionen Euro fließen in internationale Projekte.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: "Die Klimaschutzinitiative leistet einen wichtigen Beitrag, unser Klimaschutzziel zu erreichen. Damit erschließen wir die großen Potenziale zur CO2-Einsparung in der Breite, in Schulen, mittelständischen Unternehmen und privaten Haushalten. Wir wollen damit zeigen: Klimaschutz zahlt sich für die Wirtschaft, Kommunen und Verbraucherinnen und Verbraucher aus. Wer heute investiert, wird morgen durch niedrigere Energiekosten belohnt." In Deutschland sollen die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent (gegenüber 1990) gesenkt werden.

Städte, Gemeinden und Landkreise, Kirchen, Hochschulen und Theater stehen im Mittelpunkt der Richtlinie für Klimaschutz in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen. Gefördert werden die Erstellung von Klimaschutzkonzepten und ein "Klimaschutzmanager", der die Umsetzung unterstützt. Die Förderung kann maximal drei Jahre laufen. Darüber hinaus unterstützt das Bundesumweltministerium Modellprojekte mit dem Leitbild der CO2-Neutralität, z.B. in Schulen, Schwimmbädern oder Rathäusern. Stehen nur einzelne Ersatzinvestitionen an wie eine neue Innenbeleuchtung, gibt es für besonders energieeffiziente Technologien einen Zuschuss.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Impulsprogramm für kleine Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Diese Mini-KWK-Anlagen erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme, nutzen dadurch die eingesetzte Energie sehr effizient und sind eine der wirksamsten Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen. Mini-KWK-Anlagen können überall dort eingesetzt werden, wo viele Stunden im Jahr Wärme gebraucht wird, z.B. in Wohngebäuden, Hotels oder Altenheimen. Für diese Anlagen gibt es einen Investitionszuschuss.

Das Impulsprogramm für gewerbliche Kälteanlagen fördert hocheffiziente und klimafreundliche Kältetechnik durch Zuschüsse zu Beratung (StatusCheck) und Investitionen (Alt- und Neuanlagen). Bei der gewerblichen Kältetechnik sind noch außerordentliche Einsparungen an Geld, Energie und CO2-Emissionen möglich. Allein mit am Markt verfügbarer Technik könnten in Deutschland jährlich ca. 11 Mrd. Kilowattstunden (die Produktion zweier Kraftwerke mit Kohle- oder Gasbetrieb) eingespart werden.

Biomasse ist ein wichtiger Energieträger der Zukunft, sei es für Strom, Wärme oder Kraftstoffe. Gleichzeitig ist die nachhaltige und klimafreundliche Nutzung der Biomasse eine große Herausforderung. Das Bundesumweltministerium fördert daher mit der Klimaschutzinitiative Forschungs- und Pilotprojekte, um Lösungen für noch offene Fragen zu entwickeln und eine nachhaltige Biomassestrategie voranzubringen.

Hinweis: Förderprogramme und Hinweise für die Antragstellung im Rahmen des nationalen Teils der Klimaschutzinitiative unter www.bmu.de/klimaschutzinitiative abrufbar. Für den internationalen Teil können Rückfragen an das Programmbüro der Internationalen Klimaschutzinitiative unter programmbuero-klima@gtz.de gerichtet werden.

Quelle BMU

Gabriel gibt Startschuss für 400-Millionen-Programm zum Klimaschutz

Das Bundesumweltministerium hat am 19.6.2008 seine umfassende Klimaschutzinitiative auf den Weg gebracht. Mit vier neuen Programmen werden Investitionen in...

Solarthermische Kraftwerke in der Sahara könnten in Zukunft in der Energieversorgung Europas eine große Rolle spielen. Wie ein solches Energiesystem aussehen könnte, diskutieren Experten aus verschiedenen Disziplinen an der Uni Gießen am 9. und 10. Juni. Im Rahmen der Solarenergie Partnerschaft mit Afrika SEPA08 werden Chancen und Probleme einer solchen Kooperation erläutert.

"Die Energiemenge, die unser 'Fusionsreaktor' Sonne an einem Tag innerhalb von sechs Stunden in die Wüstenregionen der Erde einstrahlt, entspricht dem Weltenergiebedarf eines ganzen Jahres",

erklärt Organisator Michael Düren vom Zweiten Physikalischen Institut der Uni Gießen gegenüber pressetext.

"Ein kleiner Bruchteil der in die Wüste eingestrahlten Solarenergie könnte also die Energieprobleme der Welt lösen, wenn es gelingen würde, sie nutzbar zu machen", so der Forscher. Dabei setzt der Experte auf die so genannten solarthermischen Kraftwerke, bei denen Sonnenenergie in Wärme und diese anschließend in Strom umgewandelt wird. "Eine gute Idee ist dabei die Verwendung eines Salzspeichers, bei dem eine Mischung aus Natrium- und Kaliumsalz auf 400 Grad bis zum Flüssigwerden erhitzt wird." Für Düren ist dies eine sehr wichtige Entwicklung, die große Vorteile biete. "Bei einem solchen Kraftwerk, werden 50 Prozent der Energie tagsüber zur Salzerwärmung und die anderen 50 Prozent sofort zur Stromerzeugung verwendet. Die gespeicherte Wärme erlaubt ein Weiterlaufen der Stromgeneratoren die ganze Nacht hindurch." Eine andere Möglichkeit der Energiespeicherung wären auch unterirdische Druckluftspeicher oder Pumpspeicherwerke.

Laut Düren bieten die solarthermischen Kraftwerke wesentlich bessere Voraussetzungen als photovoltaische. "Für solarthermische Kraftwerke braucht man kein Silizium und keine Hightech-Anlagen, sondern nur Glas für die Spiegel, sowie Beton und Stahl für den Bau. Das ist in jedem Entwicklungsland vorhanden." Auch hinsichtlich des Stromtransports hat sich der Gießener Wissenschaftler Gedanken gemacht: Statt herkömmlicher Wechselstrom-Hochspannungsleitungen werden Gleichstromleitungen - die entweder oberirdisch oder auch in der Erde verlegt werden - errichtet. "Diese Gleichstromleitungen weisen für eine Verbindung zwischen Afrika und Europa nur einen Leitungsverlust von unter 15 Prozent auf. Diesen Verlust kann man durch entsprechend große Kraftwerke wieder wettmachen", erklärt Düren. Ein weiterer Vorteil der Gleichstromleitungen sei die Tatsache, dass es die Abstrahlung wie sie bei Wechselstrom- Hochspannungsleitungen vorhanden sind, hier nicht gibt.

"Gleichstrom-Hochspannungsleitungen werden in China bereits verwendet, vor allem dort, wo es darum geht, Strom über weite Distanzen zu transportieren", erklärt der Wissenschaftler. "Solche solarthermischen Anlagen, über die wir hier sprechen, lohnen sich nur in Wüstengebieten wie etwa in Nord- und Südafrika, in den USA, in Südamerika oder in Australien." In Europa werden in Südspanien derzeit solche Kraftwerke gebaut, in Mitteleuropa lohne sich das jedoch nicht. Die soziologischen Aspekte wie etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen spielen bei den Überlegungen der Forscher ebenfalls eine große Rolle. "Eine Solarenergie-Partnerschaft zwischen Europa und Afrika sollte überdies nicht nur zur Lösung der Energieprobleme im engeren Sinne beitragen, sondern sollte darüber hinaus in der Lage sein, die zu erwartenden politischen und humanitären Probleme der Zukunft zu entschärfen", meint Winfried Speitkamp vom Historischen Institut der Uni Gießen.

Ziel des Workshops sei es, das Zusammenspiel der technischen Optionen und ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen eingehender zu analysieren, um so die Möglichkeiten einer für beide Seiten vorteilhaften, klimafreundlichen Energieversorgung ausloten zu können.

Quelle: pressetext.austria

Wüstensonne speist Stromkraftwerke der Zukunft

Solarthermische Kraftwerke in der Sahara könnten in Zukunft in der Energieversorgung Europas eine große Rolle spielen. Wie ein solches Energiesystem aussehen könnte...

Traditional Crude Oil Seen Making Way for Dirtier Crude From Canadian Tar Sands; Proposed Tar Sands Production Increase Would Be the Equivalent of 16 New Refineries in the U.S.

Future oil refining in the U.S. may soon get much “dirtier” — including three times more greenhouse gas emissions in the extraction process — as refineries place their bets on a shift away from traditional crude oil to Canadian tar sands, according to a major new report issued today by the independent Environmental Integrity Project (EIP).

The Washington, D.C. EIP released its new report today in conjunction with Toronto-headquartered Environmental Defence Canada (EDC). Titled “Tar Sands: Feeding U.S. Refinery Expansions With Dirty Fuel,” the report notes:

·Two thirds — 1.1 million barrels per day (bpd) – of the currently proposed increase in U.S. refining capacity of 1.6 million bpd would come from refining heavier, dirtier crude oil from Canadian tar sands. At the same time, more than 800,000 bpd of existing U.S. conventional crude capacity is proposed to be converted to processing oil from tar sands, so that conventional crude refining capacity is expected to undergo a net decrease of over 300,000 bpd, and the total net increase in refining capacity to come from tar sands would be over 1.9 million bpd. Since the average capacity of an oil refinery in the United States is 116,395 bpd, the contemplated 1.9 million bpd of increased tar sand capacity would be equivalent to constructing more than sixteen new refineries dedicated to tar sands. Increased tar sand refining capacity is contemplated in Illinois and Texas (495,000 bpd together); Indiana (205,000 bpd); Louisiana (180,000 bpd); Michigan (15,000 bpd); Montana (13,000 bpd); North Dakota (65,000 bpd); Ohio (316,120 bpd); Oklahoma (44,700 bpd); South Dakota (400,000 bpd); and Wisconsin (200,000 bpd).

Eric Schaeffer, director, Environmental Integrity Project, said: “It is hard to imagine what else it is that the U.S. oil industry could do to go backwards further and faster than to rely on Canadian tar sands or similar resources in the United States. Not only would this mean significantly more pollution overall, but it would substantially boost the greenhouse gas emissions linked to global warming. The U.S. government needs to get more involved in this situation to ensure that we do
not end up with an environmental setback of truly staggering proportions.”

Matt Price, project manager for Alberta/BC Energy and Climate and contributor to the new report, Environmental Defence Canada, said: “The tar sands project is the most destructive project on Earth. Nowhere else are we talking about ripping up an area the size of Florida, creating massive toxic lakes you can see from space with the naked eye, and giving off three times the greenhouse gas emissions to produce oil when compared with conventional crude.”

Although a new oil refinery has not been built in the U.S. for over 30 years, five new refineries are currently under consideration, three of which would process tar sand oil (two in North Dakota and one in South Dakota), and one of which would process oil from U.S. oil shale deposits (North Dakota), which may be as destructive to mine and as dirty to refine as tar sand oil.

OTHER KEY EIP REPORT FINDINGS
The EIP report also notes:
Although oil shale is more expensive to mine and process than tar sands, with the price of oil currently well over $100 per barrel, exploitation of shale deposits in Colorado, Utah, Wyoming, North Dakota, and Montana may also now be profitable. The development of shale, like tar sands, entails strip mining huge areas of land and using vast amounts of water and energy. Refining the extra heavy sour crude oil extracted from tar sands would result in higher air emissions of harmful pollutants such as sulfur dioxide (SO2), hydrogen sulfide (H2S), sulfuric acid mist, and nitrogen oxides (NOX), as well as toxic metals such as lead and nickel compounds. The consequences of tar sand oil extraction include the clear-cutting and strip-mining of huge portions of intact boreal forest ecosystem, the creation of vast un-reclaimable toxic lakes of wastewater, the consumption of enormous amounts of water and energy, and the production of three times more greenhouse gas as extracting conventional crude oil.

Commenting on the findings, Ben Wakefield, senior attorney and principal report author, Environmental Integrity Project, said: “The U.S. oil refining industry is contemplating an enormous investment and deep commitment to perpetuating U.S. and global reliance on oil as our primary source of energy into the next generation and beyond, and tying that reliance to even dirtier and more destructive sources of oil than at present. At a time when the world searches for alternatives to fossil fuels that will avoid the catastrophic consequences of global warming, the oil companies are building the infrastructure to not only extend our addiction to oil, but to actually make global climate change much worse. If we allow the destruction wrought by tar sands exploitation, we can expect the oil companies to next turn their gaze upon U.S. oil shale.”

EIP REPORT RECOMMENDATIONS
The EIP report outlines several major steps that should be taken:
The U.S. government can and should act to address the environmental consequences of tar sand and oil shale development. The United States must reduce its consumption of oil by improving energy efficiency standards applicable to automobile manufacturers and implementing lifecycle carbon content fuel initiatives. The U.S. EPA should regulate greenhouse gas emissions from oil refineries pursuant to the “New Source Performance Standards” (“NSPS”) applicable to newly modified or constructed oil refineries.
The U.S. EPA should limit greenhouse gas emissions and consider alternatives to tar sand oil feedstock in its “best available control technology” (“BACT”) and “lowest achievable emission rate” (“LAER”) determinations under the “new source review” (“NSR”) provisions of the Clean Air Act when issuing construction permits for refinery expansions or new refineries. The U.S. EPA should account for the increased air emissions of SO2, H2S, sulfuric acid mist, NOX, and toxic metals such as nickel and lead produced as a result of processing tar sand feedstock when issuing construction permits under NSR. When permitting the pipelines to carry tar sand crude to U.S. refineries, the responsible U.S. environmental and public lands agencies should consider the cumulative effects on air quality and global warming of all U.S. refineries which process tar sand oil, as well as the global warming impacts of extraction of tar sand crude in Canada on the United States. The United States and Canada must work together to protect human health and the environment when regulating the extraction, transportation, and refinement of oil from tar sands and oil shale.

ABOUT THE GROUPS
The Environmental Integrity Project (http://www.environmentalintegrity.org) is a nonpartisan, no nprofit organization established in March of 2002 by former EPA enforcement attorneys to advocate for effective enforcement of environmental laws. EIP has three goals: 1) to provide objective analyses of how the failure to enforce or implement environmental laws increases pollution and affects public health;

2) to hold federal and state agencies, as well as individual corporations, accountable for failing to enforce or comply with environmental laws; and 3) to help local communities obtain the protection of environmental laws.
Environmental Defence Canada (http://www.environmentaldefence.ca) protects the environment and human health. We research solutions. We educate. We go to court when we have to. All in order to ensure clean air, clean water and thriving ecosystems nationwide, and to bring a halt to Canada’s contribution to climate change.

Source: Environmental Integrity

Tar sand refinery – a disaster for the environment

Traditional Crude Oil Seen Making Way for Dirtier Crude From Canadian Tar Sands; Proposed Tar Sands Production Increase Would Be the Equivalent of 16 New Refineries in...

Der Bundestag hat heute die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Das neue EEG erhöht ab 2009 die Vergütung für Windstrom an Land und auf See, fordert aber auch zusätzliche Beiträge zur Integration in das elektrische Versorgungssystem. „Das ist eine Trendwende für die Windenergie in Deutschland. Die heute verabschiedete EEG-Novelle setzt neue Investitions- und Innovationsanreize, die wieder für einen wachsenden Inlandsmarkt sorgen werden. Damit kommen wir unserem Ziel näher, bis 2020 rund 45.000 Megawatt Windleistung an Land und 10.000 Megawatt Leistung in Nord- und Ostsee zu installieren. Die Windenergie wird dann gut ein Viertel des Strombedarfs decken“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands WindEnergie e.V. „Damit bleibt die Windenergie der Klimaschützer Nr. 1 in Deutschland.“

„An einer Stelle müssen wir jedoch deutliche Kritik üben“, so Albers weiter. „Das Inkrafttreten der EEG-Novelle erst zum 1. Januar 2009 riskiert für den Rest des Jahres einen enormen Investitionsaufschub und verschenkt Kilowattstunden grünen Stroms.“ Auf die Hersteller und Zulieferer von Windenergieanlagen kommen jetzt erhebliche logistische Herausforderungen zu. „Für uns ist unverständlich, dass sich gerade in der Union eine Mehrheit gegen ein zügiges Inkrafttreten ausgesprochen hat. Dies kann angesichts der klimapolitischen Führungsrolle Deutschlands in der EU und der Welt nicht im Interesse von Bundeskanzlerin Angela Merkel sein“, betonte Albers.

1. Vergütung für Windenergie im Binnenland (Onshore)
Die Anfangsvergütung für neue Windenergieanlagen an Land beträgt ab dem 1. Januar 2009 9,2 Cent/kWh (bisher 8,03 Cent/kWh). Dieser Wert wird für neu in Betrieb genommene Anlagen jedes Jahr um ein Prozent gesenkt (bisher: zwei Prozent). „Diese Vergütungsregelungen für den Windstrom im Binnenland werden der veränderten Kostensituation für die Herstellung von Windenergieanlagen gerecht. Allein die Preise für Rohstoffe wie Stahl und Kupfer haben sich seit der letzten Novelle im Jahre 2004 verdoppelt bzw. verdreifacht“, so Albers (vgl. Anlage). „Es ist jedoch ein großes Versäumnis, dass der Gesetzgeber sich nicht zu einer dynamischen Anpassung der Vergütung an künftige Veränderungen der wichtigsten Erzeugerpreise entschließen konnte. Wenn die Rohstoff- und Energiepreise weiterhin stärker steigen als die Effizienzgewinne bei Produktion und Betrieb von Windenergieanlagen, wird es schon in wenigen Jahren erneuten Anpassungsbedarf für das EEG geben.

2. Repowering-Bonus
Für Windenergieanlagen an Land, die alte Anlagen ersetzen (Repowering) erhöht sich die Anfangsvergütung um 0,5 Cent/kWh. Die ersetzten Anlagen müssen aus dem gleichen oder benachbarten Landkreis stammen und mindestens zehn Jahre alt sein. Eine neue Anlage muss mindestens die doppelte Leistung der ersetzten Anlagen erreichen. Ferner darf sie die fünffache Leistung nicht überschreiten. Der Repowering-Bonus setzt endlich die notwendigen Investitionsanreize, um Windenergieanlagen der ersten Generationen durch moderne, effizientere Turbinen zu ersetzen. 2007 wurden 108 alte durch 45 neue Windenergieanlagen ersetzt. Trotz dieser Reduktion konnte die Gesamtleistung von 41 MW um den Faktor 2,5 auf 103 MW gesteigert werden. Halbierung der Anlagenzahl bei Verdoppelung der Leistung und Verdreifachung des Ertrags kann jetzt die Erfolgsformel der deutschen Windenergie an Land in den nächsten Jahren werden.

3. Vergütung für Windenergie auf hoher See (Offshore)
Die Anfangsvergütung für Windenergieanlagen auf See (Offshore) beträgt 15 Cent/kWh bis Ende 2015. Danach sinkt sie für neu in Betrieb genommen Anlagen auf 13 Cent/kWh und wird jedes Jahr um fünf Prozent verringert. „Das neue EEG stellt die Signale für den Offshore-Markt auf Grün. Jetzt gilt es, die Projekte umzusetzen. Deutschland sollte seine Technologieführerschaft auf die Windenergie auf hoher See ausdehnen“, erläuterte Albers.

4. Einspeisemanagement
EEG-Anlagen über 100 Kilowatt Anschlussleistung – das trifft auf praktisch alle neuen Windenergieanlagen zu – müssen in Zukunft am Einspeisemanagement bei Netzengpässen teilnehmen. Für nicht abgenommene Energiemengen muss der Netzbetreiber eine finanzielle Kompensation zahlen. „Seit langem haben wir verlangt, dass nicht die Betreiber von Windenergieanlagen für die Versäumnisse der Netzbetreiber beim Netzausbau zahlen müssen. Wir freuen uns, dass der Gesetzgeber nun ein effizientes Mittel im EEG eingebaut hat, das den Anreiz zum schnellen Ausbau der Netze deutlich erhöht“, so Albers weiter.

5. Netzregelung durch Windenergieanlagen
Windenergieanlagen müssen in Zukunft zur Spannungs- und Frequenzregelung im Netz beitragen. Für den erhöhten technischen Aufwand erhöht sich die Anfangsvergütung um den sog. Systemdienstleistungs-Bonus von 0,5 Cent/kWh. Weiterhin ist eine Nachrüstung von Altanlagen möglich.

6. Direktvermarktung Erneuerbaren Stroms
Eine Direktvermarktung von Strom aus EEG-Anlagen ist künftig im monatlichen Wechsel möglich. Entgegen der noch im Regierungsentwurf enthaltenen Frist von einem Kalenderhalbjahr gibt es jetzt eine reale Option für die Direktvermarktung von Windstrom.

7. Netzausbau
Netzbetreiber sind nun ausdrücklich nicht nur zum Netzausbau, sondern auch zur Optimierung und Verstärkung vorhandener Netze verpflichtet. Der Gesetzgeber hat hier die Vorschläge des Bundesverbands WindEnergie zur Optimierung der Netzkapazitäten wie das Temperatur-Monitoring von Freileitungen oder den Einsatz von Hochtemperaturseilen übernommen

8. Hintergrund und Ausblick
Weltweit wurden 2007 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 20.076 Megawatt neu installiert – zum Vergleich: In Deutschland sind seit Anfang der 90er Jahre insgesamt 22.247 Megawatt installiert worden. Deutschland hat im internationalen Maßstab jedoch mit 1.667 Megawatt neu installierter Leistung nur noch acht Prozent zum Weltmarkt beigetragen und die einstige Spitzenreiterposition an die USA verloren. Deutschland folgt erst an fünfter Stelle nach Spanien, China und Indien. Hauptgrund für diesen Einbruch 2007 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahre war die bisherige – nicht mehr wirtschaftliche – Vergütung für Windstrom an Land.

Quelle: Bundesverband Windenergie

Weitere Informationen unter www.eeg-aktuell.de. Den verabschiedeten Text der Novelle finden Sie unter dip21.bundestag.de/dip21.web/bt, BT-Drs. 16/8148.

EEG-Novelle: Windenergie bleibt Klimaschützer Nr. 1

Der Bundestag hat heute die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Das neue EEG erhöht ab 2009 die Vergütung für Windstrom an Land und auf See...

I hope it is ok to repost these impressive speeches by 2 children, one from Brazil, the other from Germany, who spoke for rainforest protection at the UN Biodiversity Conference in Bonn. How impressive it is to see young people stand up for what they believe in!

The original post is on Greenpeace's website here.

Speech Veronica Rameck (Brazil)

Dear delegates and young people from all over the world,

My name is Veronica. I´m here with my friend Jucelino, who is sitting with us here as I speak. Jucelino lives in the Amazon and experiences all the problems the rainforest faces on a daily basis. I come from Rio de Janeiro, a region which was once covered by the Atlantic rainforest.

Actually, it covered the Brazilian coast from north to south. Today, 500 years after the colonization of Brazil, only seven per cent of the Atlantic rainforest is left. And in the last 40 years, 17 per cent of the Amazon rainforest has been completely destroyed.

During these decades, government policies resulted in further forest destruction and social conflicts. Trees hundreds of years old were burnt, and species of fauna and flora threatened with extinction; indigenous peoples and traditional communities have been expelled from their lands. Defenders of the Amazon, such as Chico Mendes and Sister Dorothy Stang, lost their lives fighting for the forest and its people.

Destruction of the Amazon has many causes. Illegal and predatory logging opens the door to further devastation. Estimates are that 80 per cent of annual timber production from the Amazon is illegal. Of this total, 36 per cent is exported to several countries that don't have actual measures for avoiding the import of criminal timber. It is time to stop illegal logging and trade.

The remaining forest is also felled and burnt to give way to pastures and soya plantations due to high prices of agribusiness commodities in the international market. In Brazil, production of biofuel, such as sugar cane, is replacing areas used for food production, and moving soya and cattle herds even deeper into the Amazon forest. In Indonesia, peatlands are being converted into palm oil plantations to produce biofuels. Instead of being part of the solution, biofuel may become a severe threat to the world's tropical forests.

Destroying forests changes the climate. In Brazil, deforestation is responsible for 75 per cent of total greenhouse gas emissions. Therefore, a solution to climate change must deal with stopping tropical deforestation.

The remaining ancient forests in the world should be preserved through a huge network of protected areas. As I said, only seven per cent of forest is left where I come from. The future generations do not want this fate for the Amazon and other forest countries. Governments must act now to show real political will and financial commitment to ensure the future of the forests and our own future.

At this point, I would like to hand over to my friend Paul.

Rede Paul Lüdemann (Germany)

My name is Paul, I'm 13 years old and come from north Germany. Perhaps it's a bit odd that I want to do all I can for ancient forests, given that the ancient forests in Germany were already destroyed centuries ago. But, for the very reason that I come from one of the big industrialised countries, protecting ancient forests is particularly important, because here in Germany we consume them in the form of wood, paper and fuel all produced by destroying them.

This conference has set big goals – the decline in biodiversity is to be decisively checked by 2010. We all know that the conference has hardly got closer to this goal so far. The protected areas which would have to be created still don't exist for the most part. Three points are especially important if your work is to be made a little easier here:

The industrialized countries need to spend 30 Billion euro each year to protect ancient forests in poorer countries. The German Government, as hostcountry, has to contribute two Billion euro and other rich countries like the US, Japan, Canada and others must follow. This is without question a lot of money, but I don't know a more sensible way it could be used.

As well as this we need globally-binding laws which immediately prohibit illegal logging and trade in this wood. Last of all we cannot allow fuel said to protect the environment be produced when this destroys large areas of ancient forest and so does not even make a lower CO2 impact than conventional fuel does.

Global deforestation, which has to be stopped by the year 2015, has dramatic consequences not only for the plant and animal world, it is also a decisive factor in fuelling climate change. 20 per cent of CO2 emissions come from felling ancient forests and clearing them by fire. For this reason protecting ancient forests is to protect the climate - and this is why the Kids for Forests of the last few years have now become Kids for Earth, on whose behalf I speak here. Children and young people, not just from Brazil and Germany but also from all over the world have been active out of their concern for our common future. Because when all's said and done this is what is being negotiated at this conference, and for this reason I want to appeal to you in the name of my generation: take concrete action now to at last put your own resolutions into practice. Do everything you can so that our habitat, the earth, is preserved for us, people after us and all other forms of life, because we don't have a second one. I hope that this appeal to you in the name of 500 children and young people who are with us in Bonn, and in the name of the more
than 100,000 people who have signed our petition, will be taken seriously. After all we will be living with what is decided at this conference.

We, the future generation, count on you! Thank you very much!

Kids for the earth

I hope it is ok to repost these impressive speeches by 2 children, one from Brazil, the other from Germany, who spoke for rainforest protection at the UN Biodiversity...

Der von Ulrich Bartosch und Klaudius Gansczyk besorgte Sammelband enthält die Vorträge einer Tagung zur Weltinnenpolitik, die im Mai 2007 in der Evangelischen Akademie Tutzing stattfand und ergänzt diese um Texte und Dokumente zur selben Thematik, die z.T. schon an anderer Stelle erschienen sind. Mit der Veröffentlichung dieses Buches ist eine bisher unerreichte Möglichkeit der Information über den Gesamtkomplex „Weltinnenpolitik“ sowie über seine verschiedenen Einzelaspekte geschaffen worden.

In den Beiträgen wird unmittelbar deutlich, dass die hier behandelten Fragestellungen unser Leben im Einzelnen wie auch die Existenz der Menschheit insgesamt betreffen. Das Buch ist unverzichtbar für alle, die in Politik, Wirtschaft, Kultur und Bildung Verantwortung tragen oder lehren; es ist die Grundlage für jeden, der die Zukunft mitgestalten oder zumindest perspektivisch die globalen Zusammenhänge von Mensch – Ethik – Politik – Umwelt im 21. Jahrhundert verstehen möchte.

Das große Interesse an diesem Buch hat jetzt nach wenigen Monaten bereits eine zweite Druckauflage nötig gemacht. Diese enthält nun auf dem Titel ein Geleitwort des Bundespräsidenten a.D. Richard von Weizsäcker: „Im neu begonnenen Jahrhundert kommen die Gedanken und Argumente zur Weltinnenpolitik nun erst recht in einem unentrinnbaren Sinn zur Geltung. ‘Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert’ erweist dabei einen großen und ausschlaggebenden Dienst.“

Weltinnenpolitik wird von allen Referenten als analytische und programmatische Konzeption für das 21. Jahrhundert verstanden. In der gedanklichen Integration der drei Kernaspekte, nämlich der Weltinnenpolitik, der Weltethosidee als ihrer interkulturellen ethischen Basis und der Menschenpflichtenerklärung wird Carl Friedrich von Weizsäckers „weltinnenpolitisches Erbe“ sichtbar, dem das Buch gewidmet ist. Zugleich wird von Weizsäckers Engagement für die Verschränkung von wissenschaftlichem Denken, moralischem Hinterfragen und politischen Entscheidungen deutlich, ganz besonders pointiert in der Gedenkrede von Johan Galtung, der die „Universalität des Genies“ des Verstorbenen würdigt und dabei dessen Streben nach einer Verbindung zwischen rationalem Planen einerseits und einer tief im Innern des Menschen wurzelnden Ethik andererseits hervorhebt, die auf gewaltfreie Konfliktlösungen gerichtet ist.

In diesem Sinne ranken sich die Beiträge um die drei Aufgaben, die C.F. von Weizsäcker bereits 1963 begrifflich gefasst und in Anbetracht einer fundamental bedrohten Menschheit dem Zusammenwirken einer verantwortungsvollen Politik und der Zivilgesellschaft für die gemeinsame Gestaltung einer zukunftsfähigen „Weltinnenpolitik“ vererbt hat: „1. Sicherung des Weltfriedens, 2. eine international einklagbare Rechtsordnung, 3. international vereinbarten und durchsetzbaren Umweltschutz.“

Klaus Töpfer bietet einen kurzen historischen Rückblick zu den Entwicklungen und Fehlentwicklungen in der Friedenspolitik und einer globalen Nachhaltigkeitspolitik seit Gründung der UNO und nach dem „Erdgipfel“ von Rio de Janeiro 1992. Er fordert als Ausweg aus der zum Teil „perversen“ Situation, die drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung, also wirtschaftliches Wachstum, sozialen Ausgleich und ökologische Stabilität, tragfähig zu machen.

Johan Galtung fasst seine Vision zur Zukunft der Menschenrechte in 12 Thesen zusammen, wobei er neben die Grundbedürfnisse „Überleben, Wohlergehen, Freiheit und Identität/Selbstfindung“ auch eine stärkere Berücksichtigung der Rechte von Gruppen und Gemeinschaften stellt, was schließlich auf eine demokratische Weltbürgerschaft mit einer ausgewogenen Mischung aus Rechten und Pflichten zielt.

Helmut Schmidts Weltethosrede für die politische Praxis kritisiert Ausschließlichkeitsansprüche und Missionierungsstreben einiger Religionen und hebt die Bedeutung der Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein des Politikers gegenüber dem eigenen Gewissen sowie die Kompromissfähigkeit im demokratischen Handeln hervor.

Hans Küng spannt den Bogen von der Entstehungsgeschichte der Weltethosidee, der Erklärung des Parlaments der Weltreligionen und der Menschenpflichtenerklärung bis zum Manifest für den Dialog der Kulturen. Dabei zeigt Küng mögliche Chancen für einen weltinnenpolitischen Paradigmenwechsel auf.

Ram Adhar Mall aktualisiert Mahatma Ghandis Prinzip einer differenzierten Gewaltlosigkeit für eine zukunftsfähige Weltinnenpolitik und weist anhand Ghandis Warnung vor den „sieben Todsünden der modernen Welt“ einen Weg für die Wirtschaft in Form einer Humanisierung des globalisierten Kapitalismus. Grundlage dafür ist Ghandis Modell einer integrativen interreligiösen Erziehung jenseits der engen konfessionellen Grenzen des Religionsunterrichts.

Hassan Hanafi analysiert zunächst die bestehenden Asymmetrien zwischen den kulturellen Machtzentren des Westens und der vergleichsweise ohnmächtigen, weltweiten Peripherie der ehemaligen Kolonialländer Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Zur Auflösung der seit 500 Jahren stattfindenden kulturellen Expansion, mit denen der Westen die Peripherie beherrscht drängt Hanafi auf einen „Dialog der Kulturen“, der geprägt sein muss von einem bescheideneren Auftreten des Zentrums, einem Verzicht auf die Arroganz der Macht, einem Umgang miteinander auf Augenhöhe und mehr Gerechtigkeit, auch hinsichtlich der Verteilung des Reichtums der Welt.

Vittorio Hösle berichtet darüber, wie Hans Jonas und C.F. von Weizsäcker nach dem 2. Weltkrieg die planetarische Verantwortung in das Zentrum der eigenen Philosophie rückten, wobei sie naturphilosophische Betrachtungen aufgriffen und es wagten, Metaphysik mit Ethik zu verknüpfen. Als Resultat wird eine Theorie der Grundlagen einer Ethik für die technische Zivilisation ausgemacht, bei der die Objektivität moralischer Verpflichtungen auch gegenüber kommenden Generationen und der Eigenwert der Lebewesen eine zentrale Rolle spielen.

Klaudius Gansczyk beschreibt, wie die Ideen von C.F. von Weizsäcker bei seiner Suche nach einer philosophischen Maxime für die Lehrer- und Schülerausbildung in konkreten lebensweltlichen Bezügen Gestalt angenommen haben und so handlungsleitend im Geiste eines interkulturellen Humanismus wie auch zivilgesellschaftlich netzwerkbildend werden konnten.

Ulrich Bartosch entfaltet in seiner Einleitung zu den Beiträgen der Tutzinger Tagung die zentrale Mahnung C.F. von Weizsäckers, dass die unvollständige Weltinnenpolitik, wie sie in der klassischen Außenpolitik trotz der globalen Vernetzungen vorliegt, in Anbetracht der menschheitsbedrohenden Gefährungen dringend in eine vollständige Weltinnenpolitik mit den Zielen „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ überführt werden muss.

Ernst Ulrich von Weizsäcker stellt den Zusammenhang des Begriffs „Erdpolitik“ als Weltinnenpolitik im Kontext einer notwendigen Überwindung der Umweltzerstörung durch Umweltpolitik dar, indem er auf den unerlässlichen Paradigmenwechsel vom 20. Jahrhundert als dem der Ökonomie zum 21. Jahrhundert als dem der Umwelt hinweist. In Verbindung mit diesem Paradigmenwechsel erklärt von Weizsäcker, weshalb die Energie- und Ressourcenproduktivität als Fortschrittsindikatoren die Arbeitsproduktivität ersetzen sollten. In einer ökologischen Steuerreform sieht er ein weiteres Instrument für eine wirtschaftsverträgliche Langfriststrategie des Klima- und Umweltschutzes.

Günter Witzsch berichtet, wie UNO-Umweltkonferenz-Beschlüsse zu einem „Weltinnenrecht“ beitragen, das Rückwirkungen auf die Gesetzgebung der einzelnen Staaten hat. Er unterscheidet völkerrechtlich verbindliche „hard laws“ von nicht sanktionierbaren „soft laws“, betont aber zugleich, dass beide an Bedeutung gewinnen. Am Beispiel des Nachhaltigkeitsprinzips (principle of sustainability), welches inzwischen Teil des „Weltinnenrechts“ geworden ist, zeigt Witzsch, dass hier ein Prozess von unterschiedlichen Auslegungen und Wandlungen der Bedeutung im Gange ist, der zwar seine Wirkungen entfaltet, jedoch von einer stringenten Durchsetzung noch weit entfernt ist.

Michael Müller stellt einer an Nachhaltigkeit orientierten Ökologie des 21. Jahrhunderts die bedrohliche Alternative eines Jahrhunderts der Gewalt und der Verteilungskämpfe entgegen. In der Europäischen Union sieht er eine Vorreiterin für eine Umgestaltung der gegenwärtigen Form der Globalisierung in Richtung auf eine sozialökologische Ausgestaltung von Wirtschaft, Technik und Gesellschaft. Zu dem „Projekt Europa“ als Beitrag zur Weltinnnenpolitik muss eine Effizienzrevolution in der Nutzung von Energie und Rohstoffen hinzutreten, wenn durch die Erzielung von Einsparpotentialen der Kollaps unseres Planeten noch verhindert werden soll.

Elmar Altvater kritisiert die Umstände einer „globalen Apartheit“, die bisher verhindern, dass die von der Staatengemeinschaft beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele fristgerecht erreicht werden können. Anhand zahlreicher Beispiele belegt er, wie globale Regelungen den weltweiten Wohlstand ungerecht verteilen und die Ungleichheit in der Welt sogar noch vergrößern. Auf dieser Analyse aufbauend plädiert Altvater für eine „ökologische Ökonomie“, in der die natürliche Bedingtheit des Wirtschaftens explizit einbezogen ist, womit sie zu einer Alternative zur „naturvergessenen Ökonomie“ wird, welche die natürlichen Grundlagen des ökonomischen Wachstums vernachlässigt.

Stephan Albrecht demaskiert den globalen Kapitalismus als Veranstaltung für die Wohlhabenden, denen es vor allem um die profitabelste Anlage gigantischer Finanzvermögen im Zusammenhang mit der Produktion und Zirkulation von Waren geht, und bei der die Menschen in erster Linie als Kostenfaktoren oder Konsumenten eine Rolle spielen. Die Entwicklung von der Bedarfsdeckungswirtschaft zu einer „Konsumweckungswirtschaft“ hat zu einer Gefährdung der natürlichen Lebensgrudnlagen geführt, aus der auch die „knowledge society“ keinen Ausweg bietet. S. Albrecht fordert eine weltweite Gerechtigkeitspolitik, die zur Überwindung von „Zerstörungsindustrien“ führt, also globaler Umwelt- und Ressourcenverschmutzer und insbesondere auch der Waffenindustrien.

Franz-Josef Radermacher stellt das Programm eines Global Marshallplans als Zwischenschritt zu einer weltweiten Ökosozialen Marktwirtschaft vor, die im Rahmen von Weltverträgen zu einer Form von Weltinnenpolitik mit weltdemokratischem Charakter gelagen kann. Die Ideen für eine Weltinnenpolitik können verwirklicht werden durch rasche Umsetzung der Millenniumsziele der Vereinten Nationen, durch Co-Finanzierung von Entwicklung in Verbindung mit einem geeigneten weltweiten Design, durch eine faire weltweite Partnerschaft und Förderung von Good Governance auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen. Als „extrem bedrohliche“ Alternativen zu diesem Problemlösungsweg verweist Radermacher auf Zukunftsszenarien, die in einem „Kollaps oder einer Ressourcendiktatur, Brasilianisierung wahrscheinlich verbunden mit Terror und Bürgerkrieg“ münden.

Valery S. Petrosyan illustriert anhand von „chemischen Sputniks“, wie sich chemische Verbindungen von verschiedenen anthropogenen Quellen grenzüberschreitend in der Atmosphäre verteilen und diese verschmutzen. In Anbetracht der uneingrenzbaren Gefährdungen durch chemische Stoffe fordert Petrosyan eine verpflichtende Aufnahme der Ethik in die Chemielehre.

Peter Hennicke plädiert mit einem Weltenergieszenario für eine Effizienzrevolution, die in Verbindung mit erneuerbaren Energien das Klimaproblem ohne die missbrauchsgefährdete Atomenergie lösen kann. Er beschreibt die Rolle der staatlichen Impulsgebung und Rahmensetzung, die als politischer Gestaltungswille entscheidend dazu beitragen kann, den Klimaschutz als herausfordernde, aber lösbare Aufgabe zu meistern.

Hartmut Graßl beschreibt die Notwendigkeit der Stabilisierung der Treibhausgase in der Atmosphäre als zentralen Faktor für eine Rettung der Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme. Er stellt die Klimaproblematik mit dem Klima als der wichtigsten natürlichen Ressource dar mit dem Mensch als Klimamacher, wonach er sich den anthropogenen Änderungen des Strahlungshaushalts der Erde zuwendet und Szenarien zum Klimawandel ohne Klimapolitik präsentiert. Da Graßl eine Rettungsmöglichkeit für die weltweit vernetzten Ökosysteme nur in völkerrechtlich verbindlichen Rahmenkonventionen sieht, ist Weltinnenpolitik für ihn eng an die Vereinten Nationen geknüpft. Graßls Quintessenz: „Ohne Weltinnenpolitik ist der anthropogene Klimawandel nicht zu dämpfen. Er wird für andere Felder zum Wegbereiter werden.“

Im letzten Teil des Buches sind einige ergänzende Dokumente abgedruckt: Die Potsdamer Denkschrift 2005 von Hans-Peter Dürr, Daniel J. Dahm und Rudolf Prinz zur Lippe, das Abschlusskommunique des InterAction Councils zur Wiener Jahresversammlung 2007 und der Vorschlag des InterAction Councils zu einer Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten von 1997.

Quelle: Sonnenseite

Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert – Carl-Friedrich von Weizsäcker verpflichtet

Der von Ulrich Bartosch und Klaudius Gansczyk besorgte Sammelband enthält die Vorträge einer Tagung zur Weltinnenpolitik, die im Mai 2007 in der Evangelischen Akademie...

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