1 Milliarde Umsatz im Fairen Handel

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Fairtrade Deutschland
Fairtrade Deutschland

Mehr als eine Milliarde Euro gaben deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr für fair gehandelte Produkte aus. Das gab das Forum Fairer Handel in der vergangenen Woche auf seiner Jahrespressekonferenz bekannt. Mit einem Jahreswachstum von 31 Prozent erreicht der Faire Handel in Deutschland damit den drittgrößten Zuwachs innerhalb von zehn Jahren. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland allerdings deutlich hinter Skandinavien, Großbritannien oder der Schweiz und auch verbindliche Regulierungen zur menschenrechtlichen Haftung im globalen Geschäftsverkehr fehlen.

Immer mehr Menschen in Deutschland ist es wichtig, mit ihrer Konsumentscheidung dazu beizutragen, dass bei der Herstellung ihrer Alltagsgüter die Produzierenden unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können und die Umweltressourcen geschont werden. In den letzten zehn Jahren wuchs der Umsatz für fair gehandelte Waren in Deutschland kontinuierlich im zweistelligen Bereich und erreichte 2014 einen Höchstumsatz von 1,027 Milliarden Euro.

Infografik Fairtrade copyright Forum Fairer Handel e.VGesamtumsatz des Fairen Handels in Deutschland, 2005- 2014, ©Forum Fairer Handel e.V.

Pro Kopf gaben deutsche Konsumenten im Jahr 2014 demnach durchschnittlich 13 Euro für Lebensmittel und Handwerk aus Fairem Handel aus – das ist zehn Mal mehr als 2004. Im EU-Vergleich hängt Deutschland jedoch Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz deutlich hinterher. Die Schweizer gaben 2014 beispielsweise im Vergleich pro Kopf mehr als das Vierfache für fair gehandelte Produkte aus.

Produkte mit dem Fairtrade-Produktsiegel machten mit 797 Mio. Euro den größten Anteil (78 Prozent) am Fairen Handel aus. Die anerkannten Fair-Handels-Importorganisationen verkauften im vergangenen Jahr Waren im Wert von 176,5 Mio. Euro. 72,5 Mio. Euro gaben deutsche Käufer in Weltläden und Aktionsgruppen aus.

csm infografik FairtradeFairer Handel 2014 im europäischen Vergleich ©Forum Fairer Handel e.V.

 

Kaffe und Südfrüchte weiterhin Spitzenreiter

Lebensmittel machten 2014 mit 77 Prozent den größten Anteil am Absatz von fair gehandelten Produkten zu Endverbraucherpreisen aus. 80 Prozent davon stammten zudem aus kontrolliertem biologischem Anbau.

Südfrüchte wie Bananen, Ananas und Mango gehörten auch 2014 zu den Mengenspitzenreitern im gesamten Fairen Handel. Mit mehr als 53.800 Tonnen und einem Zuwachs von über 50 Prozent gegenüber 2013 erzielten sie einen neuen Absatzrekord. 2014 waren zudem 96 Prozent aller fair gehandelten Südfrüchte bio-zertifiziert. Hierfür erhalten die Kooperativen einen Bio-Zuschlag. Die wichtigsten Anbauländer für Südfrüchte aus Fairem Handel sind Peru, die Dominikanische Republik und Ecuador.

Kaffee ist nach Erdöl der meist gehandelte Rohstoff weltweit. Wichtige Anbauländer für fair gehandelten Kaffee sind Honduras, Peru, Mexiko und Tansania. Der Absatz von fair gehandeltem Kaffee wuchs 2014 um 13 Prozent auf 15.700 Tonnen an. innerhalb der letzten vier Jahre verdoppelte sich der Absatz. Fast 70 Prozent des fair gehandelten Kaffees waren 2014 außerdem bio-zertifiziert.

Zudem hält Kaffee mit 38 Prozent am Gesamtumsatz des Fairen Handels zu Endverbraucherpreisen weiterhin deutlich seine Spitzenposition. Nach Kaffee und den Südfrüchten konnten Blumen und Textilien den stärksten Umsatz für das Jahr 2014 verzeichnen.

Fair gehandelte Produkte aus dem globalen Norden machten im Jahr 2014 gut sechs Prozent am Gesamtumsatz des Fairen Handels in Deutschland aus. Dabei handelte es sich vorwiegend um Milch, Getreide und Backwaren aus Deutschland.

csm infografik FairtradeAnteil am Gesamtumsatz des Fairen Handels 2014 ©Forum Fairer Handel e.V.

 

Fehlanzeige für verbindliche Regulierungen

„Nicht nur bei den Umsätzen sehen wir mehr Luft nach oben“, erklärte Armin Massing, politischer Referent des Forum Fairer Handel. „Auch deutsche Unternehmen sind direkt oder indirekt an schweren Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen entlang globaler Lieferketten beteiligt und profitieren davon. Für gerechtere Wirtschafts- und Handelsstrukturen reichen individuelle Konsumentscheidungen und freiwillige Unternehmensinitiativen alleine nicht aus. Es bedarf dringend politischer Weichenstellungen.“

Sowohl auf internationaler als auch auf europäischer und deutscher Ebene fehlt es an verbindlichen Regeln zur menschenrechtlichen Haftung im globalen Geschäftsverkehr. Damit ist es bislang fast unmöglich, Unternehmen für Menschenrechtsverstöße oder Umweltschäden im Ausland zur Rechenschaft zu ziehen.

„Die deutsche Gesetzgebung muss bestehende Grauzonen beseitigen, um Mensch und Umwelt weltweit besser zu schützen“, unterstreicht Massing und fordert: „Die Bundesregierung muss 2016 im Rahmen des aktuellen Prozesses zur Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans ‚Wirtschaft und Menschenrechte‘ verbindliche menschenrechtliche, soziale und ökologische Regeln für deutsche Unternehmen festlegen.“ Massing weiter: „Mit unserer aktuellen Kampagne ‚Mensch. Macht. Handel. Fair.‘ setzen wir uns für eine gesetzliche menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für Unternehmen ein.“ Über zehntausend Menschen in Deutschland haben sich dieser Forderung mit ihrer Unterschrift bereits angeschlossen.

Quelle: http://www.forum-fairer-handel.de

 

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