Wirtschaft, Arbeitsmarkt und grüne Investitionen

Erster Nachhaltigkeitsbericht bei Airberlin

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Bayer hat ihn ebenso wie Volkswagen, Siemens und zahlreiche weitere Groß- und Mittelstandsunternehmen im Land: Einen Nachhaltigkeitsbericht. Neuerdings glänzt auch Airberlin mit der aus den 90er Jahren stammenden Weiterentwicklung des Umweltberichts, um den eigentlich kein Konzern mehr herumkommt. Jetzt zeigt auch Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, welche ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele sie künftig verfolgt. Doch was bezweckt ein solcher Nachhaltigkeitsbericht überhaupt? Ist er tatsächlich ein „Versprechen“ ökologischer Maßnahmen oder handelt es sich nur um eine grün getarnte Marketingstrategie mit eher wirtschaftlich ausgerichteten Motiven?

Generell dient der Nachhaltigkeitsbericht als eine Art Spickzettel für die nachhaltige Entwicklung eines Unternehmens. So soll hierin aufgeführt werden, welche Fortschritte in den einzelnen drei Kernbereichen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Soziales) innerhalb des Betrachtungszeitraumes erzielt wurden. Neben dem Geschäftsbericht zählt der Nachhaltigkeitsbericht mittlerweile zu einem wichtigen Instrument in Sachen Informationspolitik, Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement. Seit 2005 gibt es sogar ein Ranking, bei dem die Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen miteinander verglichen und durch das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung sowie den future e.V. bewertet werden.

Ein Nachhaltigkeitsbericht ist, obschon er keiner gesetzlichen Regelung und auch keiner bestimmten Formvorlage unterliegt, keine schlechte Idee; denn er zeigt, was ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit unternimmt und in welchen Belangen Nachbesserungsbedarf besteht. Doch so einfach ist es mit der soliden Bewertung nicht. Es werden mitunter Daten erhoben, die das Ergebnis leicht verfälschen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht der Airline.

Fliegen gilt als echter Klimakiller, die CO2-Bilanz ist hoch und vor allem Billig-Airlines genießen einen schlechten Ruf und besetzen im aktuellen Klimaindex der 150 größten Fluggesellschaften die hinteren Ränge. Die Senkung des Treibstoffverbrauchs pro Fluggast soll nun bei Airberlin die Nachhaltigkeit verbessern. Derzeit liegt sie bei 3,5 Liter je 100 Kilometer Flugstrecke, soll aber innerhalb der kommenden fünf Jahre auf drei Liter pro Kopf gesenkt werden. Anstatt die Auslastung (tatsächliche Anzahl der Passagiere) zu optimieren und so Flüge einzusparen, setzt die Fluggesellschaft auf enge Bestuhlungsreihen (potenzielle Anzahl der Passagiere) und moderne Maschinen. Je besser die Auslastung desto mehr sinkt aber auch der tatsächliche Kerosinverbrauch und CO2-Ausstoß pro Fluggast. Das wiederum würde sich im Nachhaltigkeitsbericht sicherlich besser machen und das Bild nicht verzerren.

Die Hitliste des Atomosfair-Rankings der klimafreundlichsten Linienfluggesellschaften führt in Europa übrigens AirBerlin an. Nichtsdestotrotz zählt Fliegen zu den größten CO2-Emittenten. Ein Langstreckenflug, zum Beispiel nach New York und zurück, verursacht auch mit einer effizienten Fluggesellschaft genauso viel CO2 wie ein Jahr Autofahren im Durchschnitt, nämlich rund 1.600 Kilogramm – hieran wird auch der schönste Nachhaltigkeitsbericht nichts ändern können.

Judith Schomaker

Erstellt am Sonntag, 23. September 2012

Kommentare  

0 Fabio 2012-09-24 08:09
Viel gelernt aus dem Bericht.
Klasse!
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