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Kobaltproduktion: Was Notebooks und Elektroautos mit dem Kongo zu tun haben

Notebook
© Peter Ehmann (aboutpixel.de)

Alle reden vom Elektroauto, doch mit Beginn der Serienproduktion nimmt die Bedeutung spezieller Rohstoffe wie Kobalt, Lithium und seltener Erden massiv zu. Die Preise sind in den letzten Jahren stark in die Höhe geschossen, was falsche Anreize setzt – mit fatalen Folgen, wie eine Studie des Öko-Instituts jetzt zeigt.

Obwohl es fast jeder im Haushalt hat, kennen es die wenigsten: Kobalt, ein chemisches Element, das zu den sogenannten seltenen Metallen zählt. Das heißt, seine Vorkommen sind begrenzt, in der Erdkruste kommt Kobalt nur mit einer Häufigkeit von 0,003 Prozent vor. Entsprechend angespannt ist die Versorgungslage – vor allem in Europa, das keine eigenen Vorkommen hat, ist sie kritisch.

Demgegenüber steht eine hohe Nachfrage, denn Kobalt ist ein begehrtes Metall – fast so begehrt wie Gold. Kobalt benötigt man zur Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus. Um immer kleinere und leistungsfähige Batterien und Akkus für Handys, Smartphones, Laptops und auch Elektroautos zu produzieren, ist Kobalt unabdingbar.

Die weit größten Mengen Kobalt werden in der afrikanischen Demokratischen Republik Kongo gefördert. Das Land liefert jährlich 45.000 Tonnen Kobalt und deckt damit über die Hälfte der weltweiten Kobaltnachfrage ab. Die Förderbedingungen in dem Entwicklungsland sind dabei zutiefst unmenschlich. Fast 60 Prozent des kongolesischen Kobalts wird im Kleinstbergabu mit einfachsten Mitteln gefördert. Zwischen 67.000 und 108.000 Arbeiter bauen das wertvolle Metall in zumeist nicht registrierten Minen ab. Sie arbeiten unter widrigen und gefährlichen Umständen. Immer wieder kommt es zu tödlichen Arbeitsunfällen. Jährlich sterben über 100 Menschen durch einstürzende Schächte, abrutschende Hänge oder Wassereinbrüche. Zudem sind zwischen 19.000 und 30.000 Kinder unter 15 Jahren in den Minen beschäftigt.

Andreas Manhart vom Öko-Institut fordert eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kobaltproduktion im Kongo. Sowohl die kongolesische Regierung wie auch die großen Abnehmer des wertvollen Metalls in Europa sollten sich dieser Verantwortung stellen. Der Kleinstbergbau ist in dem armen und krisengeschüttelten Land eine wichtige Stütze, er schafft Arbeitsplätze und ernährt zahlreiche Familien. Die Regierung hat bereits erste Reformen ins Leben gerufen und beispielsweise eine eigene Stelle für die Förderung des Kleinstbergbaus eingerichtet. Doch genug ist das noch lange nicht. Das Öko-Institut fordert Unterstützung für Kooperativen von Bergarbeitern. Es geht darum, die Arbeitsbedingungen durch technische Maßnahmen zu verbessern und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Auch sollten die Arbeiter einen besseren Zugang zu aktuellen Marktinformationen wie Preise erhalten, da sie in Preisverhandlungen systematisch benachteiligt werden, weil ihnen der Wert der von ihnen geförderten Rohstoffe nicht bekannt ist. Sie können so ihren Vorteil bei natürlichen Ressourcen nicht nutzen.

Während in der westlichen Welt die Preise für Kobalt immer weiter steigen – angetrieben auch durch einen zunehmenden Börsenhandel des seltenen Metalls – kommt bei den Herstellern kaum etwas davon an. Nur mit fairen und transparenten Handelsbeziehungen lässt sich eine nachhaltige Produktion ermöglichen, von der beide Seiten profitieren. Der Kobaltabbau sollte indes keineswegs ausgesetzt werden, heißt es in der Studie des Öko-Instituts. Für die Menschen vor Ort bedeutet er eine wichtige Lebensgrundlage. Ein Boykott wäre demnach trotz der schlechten Arbeitsbedingungen nicht der richtige Weg.

Josephin Lehnert

Autor Josephin Lehnert Erstellt am Dienstag, 13. Dezember 2011

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