Stromnetze

Neue Stromautobahnen

Die Bemühungen zur Energiewende schreiten voran, der Netzausbau jedoch hinkt hinterher. Veraltete Stromnetze zählen zu den größten Hindernissen beim flächendeckenden Umstieg auf erneuerbare Energien. Um den neuen Ökostrom quer durch das Land zu transportieren planen vier Netzbetreiber den Bau sogenannter Stromautobahnen, um den Strom aus dem Norden und Osten Deutschlands in den Süden und Westen zu bringen.

Nach dem beschlossenen Atomausstieg hatte die Bundesregierung den Bau von angemessenen Stromtrassen gefordert. Ökostrom wird bislang vor allem in Nord- und Ostdeutschland gefördert. Um den Strom dorthin zu transportieren, wo am meisten verbraucht wird – in den Süden und Westen Deutschlands, müssen die schon jetzt teilweise überlasteten und veralteten Leitungen erneuert und ausgebaut werden. In den kommenden Jahren sind in der Nord- und Ostseeregion zahlreiche neue Windparks geplant, wodurch sich die Situation verschärfen wird und neue Kapazitäten erforderlich sind.

In den Flächenstaaten Russland und Indien hat man mit dem Problem bereits Erfahrung und verwendet entsprechende Technik: Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ). Damit können im Gegensatz zum herkömmlichen Wechselstromnetz große Mengen Strom unter nur geringen Spannungsverlusten über weite Strecken transportiert werden. Nach diesem Vorbild wollen die Netzbetreiber TenneT, 50 Hertz, Ampirion und die EnBW Transportnetze Milliarden in neue Strom-Autobahnen investieren.  Die Leitungen werden unterbrechungsfrei verlegt und teilweise auf schon vorhandenen Masten montiert werden, um Kosten zu sparen und Bürgerproteste gegen Neuerrichtungen zu umgehen.

Netzausbau Eon; Quelle: TenneTTenneT, eine ehemalige Eon-Tochtergesellschaft, plant eine 900 Kilometer lange Trasse von Nord- nach Süddeutschland, für die mehrere Milliarden Euro veranschlagt werden. Genauere Pläne will man Anfang kommenden Jahres veröffentlichen. Die ehemalige Vattenfall-Tochter 50 Hertz will Angaben von Reuters zufolge eine halbe Milliarde Euro in eine 600 Kilometer lange Trasse aus dem Raum Magdeburg in das Rhein-Main-Gebiet investieren. Bei der Bundesnetzagentur sei bereits eine erste Genehmigung beantragt worden; bis alle Genehmigungen vorlägen, könnte es aber noch rund acht Jahre dauern. Ab Januar 2012 wird eine Machbarkeitsstudie zur Ermittlung der genauen Kosten, des Verlaufs und der geeigneten Technik durchgeführt. Mit einer dritte Leitung wollen die frühere RWE-Tochter Ampirion und EnBW Transportnetze das Rheinland mit dem Stuttgarter Raum verbinden. Genaueres zur Technik und Trassenführung sind aber noch offen, wie ein Ampirion-Sprecher erklärte.

Auf lange Sicht ist eine Fortsetzung der geplanten Leitungen ins Ausland angedacht, beispielsweise um Solarstrom aus Nordafrika oder Südeuropa nach Deutschland zu transportieren. Auch mit skandinavischen Netzbetreibern ist man bereits im Gespräch, wie FTD berichtet. Die Unternehmen müssen bis Juni 2012 der Bundesnetzagentur ihren Entwurf des sogenannten Netzentwicklungsplans vorlegen. Die Stromautobahnen werden darin eine zentrale Rolle spielen.

Josephin Lehnert

Tags E.ON | HGÜ | Hochspannungsgleichstromübertragung | Netzausbau | TenneT Kategorien Wirtschaft und Unternehmen Datum Montag, den 14. November 2011 um 10:33 Uhr Autor Josephin Lehnert

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