Treibhausgase

Dem CO2 Auf der Spur: Chinas Bausektor größter Emittent

Das Wachstum in China hält an: In der Wirtschaft, der Bevölkerung und bei den CO2-Emissionen. Ein Fünftel der Weltbevölkerung kommt inzwischen aus dem Reich der Mitte. Demnach wirkt sich das Verhalten der chinesischen Verbraucher auch auf die anderen Länder aus.

Bisher galt der Konsumanstieg sowie Export als Grund für den hohen CO2-Ausstoß Chinas. Die Emission von Kohlenstoffdioxid pro Kopf liegt inzwischen auf der gleichen Höhe wie in Italien. Frankreich wurde von China bereits überholt. Mittlerweile gleichen Effizienzsteigerungen die hohen, durch den Konsum bedingten CO2-Emissionen jedoch aus.

Die Quelle für den tatsächlich messbaren CO2-Zuwachs enträtselte das Potsdam-Institut für Klimaforschung zusammen mit der TU Berlin. In einer diesen Monat erschienene Studie mit dem Titel “Karbonisierender Riese: Chinas schnell ansteigende CO2-Emissionen neu beurteilt” sind beide Einrichtungen dem CO2 auf der Spur. Unter Zuhilfenahme einer sogenannten Dekompositionsanalyse konnten die Ursachen besser differenziert werden. Dazu zählen der schon erwähnte Konsumanstieg, die Effizienzsteigerung und auch der Strukturwandel. Letzterer Faktor stellte sich als maßgebend für den CO2-Ausstoß in China heraus.

Denn China setzt mit dem Umbau der Infrastruktur im Osten des Landes ein wahres Mammutprojekt um. Und der Bausektor ist äußerst energie- und somit emissionsintensiv, vor allem durch die Zement- und Stahlindustrie. Der Fünf-Jahresplan der chinesischen Regierung sieht unter anderem Investitionen im Landstraßenbau, Bahnnetz und Flughäfenbau vor. Denn die Zunahme der Bevölkerung und des steigenden Lebensstandards überanspruchen das vorherrschende System.

Eng mit dem Problem verbunden ist die fortschreitende Urbanisierung, mit der sich nicht nur die Stadtplaner auseinander setzen müssen. Jedes Jahr wandern rund 15 Millionen Menschen in die Metropolen. Die zu geringe Kapazität macht die Errichtung neuer Wohnungen sowie sanitärer Einrichtungen notwendig. Auf der anderen Seite sind die Zuwanderer auch willkommen: In der Wirtschaft werden Arbeitskräfte auf Baustellen, in Fabriken und für Dienstleistungen benötigt. Beinahe jede Woche entsteht ein neues Kraftwerk.

Optimistisch betrachtet könnten die CO2-Emissionen auch wieder zurück gehen, sobald die Großinvestitionen in China erst einmal getätigt worden sind. Es wird darauf ankommen, ob die chinesische Wirtschaftsmacht sich inzwischen als Schwellenland begreift, das neben der Infrastruktur auch Umweltschutzmaßnahmen sowie eine soziale Verantwortung übernehmen will.

Jenny Lohse

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