Magazin für Nachhhaltigkeit und Umwelt

Regeneratives Energiekonzept für EnBW

Geschrieben von Jenny Lohse :: [Samstag, 02. April 2011 06:24]
Erneuerbare Energien; Bild: shutterstock
Erneuerbare Energien; Bild: shutterstock

Bis zum 15. Juni werden wohl noch so einige Entscheidungen über den Haufen geworfen, welche die Zukunft der deutschen Kernenergie im Allgemeinen und die ältesten Atommeiler im Besonderen betreffen. Falls die sieben neulich vom Netz gegangenen Reaktorblöcke tatsächlich langfristig abgeschaltet werden, hat das Auswirkungen auf unseren Energiemix. Die Forschungsstelle für Energiewirtschaft hat ausgerechnet, dass in diesem Falle 53,1 Terrawattstunden Strom pro Jahr anderweitig produziert werden müssten. Der Verein nimmt an, dass die wegfallende Strommenge vorerst durch Steinkohle und Erdgas ersetzt werden würde. Ältere Kraftwerke in Deutschland müssten dann wieder in Betrieb genommen werden.

Wie an dem Energiekonzern EnBW zu sehen ist, wird sich ohne den Wegfall von Kernkraft nichts in Richtung erneuerbare Energien bewegen. Denn das Unternehmen hat es bisher versäumt, verstärkt in Wind- und Sonnenkraft zu investieren. So kamen im Jahre 2009 57 Prozent der von EnBW bereitgestellten Energie aus der Kernkraft und 32 Prozent aus konventionellen Kraftwerken. Es werden zwar elf Prozent als erneuerbare Energien deklariert, davon macht aber zehn Prozent die Wasserkraft aus jahrzehnte alten Anlagen aus, die keinen zusätzlichen nachhaltigen positiven Effekt auf die Umwelt haben.

Dabei steht gerade in Baden-Württemberg schon fest, dass zumindest das Kraftwerk Neckarwestheim 1 nicht mehr ans Netz gehen wird. Und auch die Wiederinbetriebnahme des ältesten Kernkraftwerks Biblis würde eher verwundern. Hilfestellung für eine Neuausrichtung kann hier die grün-rote Regierung in spe sowie ein Energiekonzept des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme geben. Letzteres stellte Mitte März dieses Jahres ein regeneratives Energieszenario für Baden-Württemberg vor. Demnach sei ein verstärkter Ausbau der erneuerbaren Energien technisch und wirtschaftlich zu bewerkstelligen. Betont wird die Relevanz der lokalen Stromerzeugung und auch die Kraft-Wärme-Kopplung. Die vier Atomkraftwerke des Bundeslandes könnten bis 2022 durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Da hatte das Institut wohl den politisch sechsten Sinn, als es die vereinbarten Ausstiegszeiten der Reaktoren von 2002 als Grundlage der Berechnungen heranzog: Das heißt, nach dem Szenario ist Neckarwestheim 1 schon abgeschaltet, Philippsburg 1 würde im folgenden Jahr vom Netz gehen. Philippsburg 2 könnte noch bis 2017 und Neckarwestheim 2 bis 2022 Elektrizität bereitstellen dürfen. Auch weist das Institut darauf hin, dass die Unterstützung der Forschung im Sektor der erneuerbaren Energien dafür unabdingbar ist.

Greenpeace gibt in einer Studie schon einmal Tips für die Umstellung des drittgrößten Konzerns in Deutschland: EnBW solle sich zukünftig auf den Netzbetrieb für Baden-Württemberg und regionale Standorte konzentrieren. Strom und Gas könnten zusätzlich national vetrtrieben werden. Zudem würde sich das Unternehmen mit der regionalen Energieproduktion aus Windkraft, solarthermischen Kraftwerken und Gas ein zweites Standbein aufbauen.

Wer sich bei der Umstellung auf die erneuerbaren Energien über steigende Kosten beschwert, sollte sich an die abgewählte Landesregierung wenden. Diese kaufte letztes Jahr 45 Prozent der EnBW, die durch das Abschalten der AKWs natürlich Verluste hinnehmen wird.

Jenny Lohse

Autor Jenny Lohse Erstellt am Samstag, 02. April 2011

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren