Deutschland, einig Vielstromland

Nachdem die Laufzeit-verlängerung für die deutschen Atomkraftwerke gestern vom Kabinett beschlossen und damit zumindest auf dem Papier Wirklichkeit geworden ist, stellt sich die Frage, was dieses Land mit all dem Strom anfangen soll, den alte und neue Kohlekraftwerke, Windräder und Solaranlagen zusammen mit den AKWs produzieren.

Vor allen Dingen die alten Braunkohlekraftwerke werden immer unrentabler und zunehmend zum negativen Kostenfaktor in der Energiebilanz der Bundesregierung. Dies liegt vor allem daran, dass sich in der EU immer deutlicher die Konturen einer Klimapolitik herauskristallisieren, die CO2-Zertifikate verknappen und somit verteuern. Das trifft insbesondere die emissionsintensiven Braunkohlekraftwerke.

 

Steinkohle nur gegen Milliarden-Subventionen

Braunkohle ist ja hierzulande reichlich vorhanden und kostengünstig abzubauen. Steinkohle hingegen ist nur gegen Subventionen zu haben, und obwohl ihr Abbau gefördert wird, muss sie zusätzlich importiert werden, damit in den Steinkohlekraftwerken nicht das Feuer erlöscht.

Auch das geht ins Geld, denn Steinkohle wird weltweit immer teurer, wie der National Geographic berichtet. Hier kommt man zu dem Schluss, dass "Peak Coal", also der Abbauhöhepunkt der Kohle, schon im nächsten Jahr erreicht sein könnte. Bis zur Mitte des Jahrhunderts würde die Produktion dann auf die Hälfte des heutigen Niveaus zurückgehen. Bei weiter ansteigender Nachfrage natürlich.

Zum Schluss noch zum „revolutionären“ Gedanken des Laufzeitgutachtens der Bundesregierung: Der Ausbau der erneuerbaren Energien. In ihrem Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energien hatte die Regierung kürzlich für 2020 einen Anteil der erneuerbaren an der Stromerzeugung von 38,6 Prozent angesetzt.

Immer mehr „grüner“ Strom

Im Referenzszenarium des Laufzeitgutachtens sind es jetzt nur noch 33,7 Prozent. Beide Zahlen stehen konträr zur Annahme des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien, der davon ausgeht, dass bereits im Jahr 2020 47 Prozent des Stromes in Deutschland durch Erneuerbare abgedeckt werden können.

Nehmen wir also einmal an, immer mehr „grüner“ Strom wird in Zukunft verfügbar sein, seine Einspeisung bleibt unangetastet und die AKWs produzieren länger Strom als bisher erwartet. Dann bleibt die Frage, ob all die Kohlekraftwerke noch genug Strom am Markt absetzen können, damit sich ihr Betrieb weiterhin rentiert. Der Bund für Umwelt Naturschutz (BUND) zweifelt bereits öffentlich daran, ob beispielsweise Vattenfalls Großkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg wirtschaftlich sein wird und steht damit längst nicht mehr alleine da.

Daniel Seemann

Tags Atomenergie | Atomkraft | Bundesregierung | CO2 | Deutschland | Emissionen | Kohle | Ökostrom Kategorien Erneuerbare Energien Wirtschaft und Unternehmen Politik Datum Mittwoch, den 29. September 2010 um 05:11 Uhr Autor Daniel Seemann

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