Unser Plastik in der Tiefsee

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©Olivier Morin, AFP, Getty Images

Kunststoffe verdrecken inzwischen sogar die Tiefsee. Die Ozeane, die größten Ökosysteme der Erde, sind noch immer zu 95 Prozent unerforscht. Doch obwohl diese Region bis heute weitestgehend unentdeckt geblieben ist, hinterlassen wir Menschen eine Spur: mit giftigen Chemikalien.

Selbst 10 Kilometer unter der Meeresoberfläche, wo längst kein Lichtstrahl mehr vorhanden ist, enthalten Flohkrebse Gifte in ihrem Organismus, die wir Menschen früher für unsere Kühlschränke und Elektrogeräte genutzt haben. In dem sogenannten Hadopelagial, dem vollkommen dunklen und kalten Lebensraum des Meeres, fanden Forscher in allen Flohkrebsen Polychlorierte Biphenyle und Polybromierten Dephenylether: Umweltgifte, die heutzutage längst verboten sind.

Doch wie sind diese Schadstoffe in die Ozeane gelangt? Taylor et al. 2016  vermuten, dass die Gifte aus den hochindustrialisierten Regionen Japans und Südostasiens in das Meer gelangten. Auch die im Pazifik treibende Plastikinsel, die inzwischen größer ist als Indien, könnte einen maßgeblichen Teil dazu beitragen. Plastikflaschen, Mülltüten und anderer erdölbasierter Müll zersetzen sich langsam im Wasser und bilden Mikroplastik, der dann in die Tiefe sinkt und von allen möglichen Organismen als Nahrung aufgenommen wird.

Unsere Schadstoffe werden über die ganze Atmosphäre global verteilt. Durch Niederschläge gelangen sie in die Flüsse, in das Grundwasser und anschließend ins Meer. Einzeller verwerten die giftigen Mikropartikel und so gelangen sie in immer größere Kreise der Nahrungskette. An letzter Stelle der Nahrungskette steht der Mensch, der seinen eigenen Müll in Fisch und Meeresfrüchten in Form von Polyester-, Nylon- und Acrylpartikeln wiederfinden kann. Doch auch andere Lebewesen leiden an der immer größer werdenden Menge an Kunststoffen im Meer.

©DPA, Christoph Noever, Universität Bergen

Erst Anfang Februar 2017 wurde ein toter Wal aus den norwegischen Gewässern gezogen, der über 30 Plastiktüten in seinem Magen aufwies und daran verendet ist. Der Meeressäuger war stark abgemagert, sein Darmsystem fast vollkommen leer. Forscher gehen von einem starken Leiden der Tiere aus, die an Plastik verenden, da sie entweder verhungern oder an inneren Verletzungen sterben. Mindestens 2,7 Millionen Tonnen Kunststoff landen immer noch jährlich in unseren Meeren, es wird jedoch von wesentlich höheren Mengen ausgegangen.

Quellen:
Zeit Online: Gift, 10.000 Meter unter dem Meer
Zeit Online: Mikroplastik verdreckt selbst die Tiefsee
Scientific Reports
Spiegel Online: Wal hatte 30 Plastiktüten im Magen