Soziales

UBA: Deutsches Umweltbewusstsein ist hoch

UBA: Deutsches Umweltbewusstsein ist hoch
Obwohl die Deutschen 2014 andere Prioritäten hatten,
zeigt die Studie, wir haben ein hohes Umweltbewusstsein.

Der Umweltschutz ist den Deutschen nicht mehr so wichtig wie noch vor drei Jahren. Wichtiger ist ihnen soziale Sicherheit und ein hoher Lebensstandard. Das geht aus der aktuellen Studie des Umweltbundesamts (UBA) „Umweltbewusstsein 2014" hervor. Bei der letzten Befragung 2012 lag der Umweltschutz noch auf Platz zwei, diesmal reichte es nur für den fünften Rang. Dennoch habe die Studie grundsätzlich gezeigt, dass das Umweltbewusstsein der Bevölkerung hoch ist, so das UBA.

Die Studie, die am Montag von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Berlin vorgestellt wurde, zeigt, Umweltschutz hat für viele Deutsche eine niedrigere Priorität als bei der letzten Befragung 2012. Damals allerdings stand die Öffentlichkeit noch unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Das wirkte sich deutlich auf die Befragung aus.

Während 2012 noch 35 Prozent der Bundesbürger der Meinung waren, die Politik müsse sich vorrangig um den Umweltschutz kümmern, waren es bei der aktuellen Befragung nur noch 19 Prozent. Wichtiger waren den Deutschen 2014 vor allem die Themen soziale Sicherheit (37 Prozent) und die Wirtschafts- und Finanzpolitik (29 Prozent) Auch die Rentenpolitik (24 Prozent) und die Kriminalitätsbekämpfung, Frieden und Sicherheit (20 Prozent) lagen noch vor dem Thema Umweltschutz.

Dennoch: Laut UBA hat die Studie gezeigt, dass das Umweltbewusstsein der Bevölkerung grundsätzlich hoch ist. Neun von zehn Befragten finden, die Deutschen sind durch ihre Lebensweise auch für Umweltprobleme in anderen Ländern verantwortlich. Und fast drei Viertel zeigen sich beunruhigt, wenn sie daran denken, in welchen Umweltverhältnissen ihre Kinder und Enkelkinder wahrscheinlich leben müssen. Bei den Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren ist dieser Anteil mit 85 Prozent sogar noch deutlich höher.

Auch beim Thema Konsum ergab die Umfrage in einigen Bereichen ein hohes Umweltbewusstsein der Deutschen. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte dazu: „Die Nachfrage nach grünen Produkten ist groß, der Wille zum Umstieg auf umweltfreundliche Alternativen weit verbreitet. 43 Prozent der Befragten etwa kaufen häufig umweltschonende Reinigungsmittel, 39 Prozent haben schon einmal Ökostrom bezogen und rund ein Fünftel setzt beim Einkauf häufig auf Bio-Lebensmittel."

Außerdem kaufen die Deutschen laut Studie immer häufiger Waren, die mit dem Symbol „Blauer Engel" gekennzeichnet sind, das Siegel für umweltschonende Produkte. Ein Drittel der Befragten achten beim Einkauf bewusst auf diese Kennzeichnung, rund 92 Prozent der Verbraucher kennen es zumindest.

Eine weitere Kernaussage der Studie ist, dass viele Deutsche den Umweltschutz heute für ein wichtiges Zukunftsthema halten. Hier habe im Vergleich zu früher ein Umdenken stattgefunden. "Das Umweltbewusstsein wandelt sich: weg von der Problemwahrnehmung hin zu einer lösungsorientierten Wahrnehmung", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dazu am Montag in Berlin.

Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) geben an, dass sie den Umwelt- und Klimaschutz für eine grundlegende Bedingung zur Bewältigung von Zukunftsaufgaben wie beispielsweise die Globalisierung halten. 2012 taten dies nur 40 Prozent. Knapp die Hälfte aller Befragten hält Umwelt- und Klimaschutz zudem für eine grundlegende Voraussetzung, um den Wohlstand zu sichern (56 Prozent), die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu erhalten (48 Prozent) und Arbeitsplätze zu schaffen (46 Prozent).

„Ich verstehe diese Ergebnisse als Gestaltungsauftrag der Bevölkerung an die Umweltpolitik, so Hendricks. „Früher haben viele gedacht, Umweltschutz und Wirtschaftskraft würden sich widersprechen. Heute weiß man: Das Gegenteil ist richtig. Gutes Leben und Umweltschutz gehören zusammen."

Die nächste große Aufgabe für den Umweltschutz müsse nun sein, auch als soziale Triebfeder wahrgenommen zu werden, sagte Hendricks weiter. „Hier zeigt die Studie noch Nachholbedarf. Mein Ziel als Umweltministerin ist, dass mehr Menschen sagen können: Der Umweltschutz macht unser Land gerechter. Denn es sind ja besonders die sozial Benachteiligten, die unter Lärm und Feinstaub in den Städten leiden. Eine soziale Umweltpolitik, die auf Energieeffizienz setzt, auf öffentlichen Nahverkehr, mehr Grün in der Stadt und eine lebenswerte Gestaltung unserer Siedlungen, ist gut für die Umwelt, aber auch gut für Gesundheit und Lebensqualität der Menschen."

Ein wichtiges Gesundheitsproblem ist laut Studie der Lärm: „Zwei Drittel der Befragten fühlen sich von Lärm mittelmäßig oder etwas gestört. Jede oder jeder Zehnte meint gar, Lärm belästige sie oder ihn stark oder äußerst stark. Wir wissen seit langem, dass Lärm nicht nur nervt, sondern Ausmaße erreicht, die krank machen können.", sagte Krautzberger dazu. Am meisten belastet der Straßenverkehrslärm; wie schon 2012 gaben auch in der aktuellen Studie 54 Prozent der Befragten an, sich zumindest „etwas belästigt" zu fühlen.

Eine Lösung für dieses Problem könnte das sogenannte Carsharing sein. Die Studie hat gezeigt, dass die Bereitschaft für solche Mobilitätskonzepte stark angestiegen ist. Ein Car-Sharing-Fahrzeug könnte fünf normale Fahrzeuge ersetzen. Carsharing hätte daher das Potenzial, sich zu einem wichtigen Beitrag für Klimaschutz und Ressourceneffizienz zu entwickeln.

82 Prozent der Befragten sind sogar dafür, Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass man kaum noch auf ein Auto angewiesen ist. Bei jungen Menschen (14- bis 17-Jährige) sind sogar 92 Prozent für eine solche Umgestaltung.


Die Repräsentativumfrage zum Umweltbewusstsein in Deutschland wird seit 1996 alle zwei Jahre durchgeführt. Erstmals wurde in diesem Jahr die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren befragt (in den Vorgängerstudien ab 18). Diese Studie wurde als Online-Befragung im Zeitraum vom 8. Juli bis 6. August 2014 mit 2117 Personen durchgeführt.

Tobias Hartmann

Ich bin der Überzeugung, dass die globale Gesellschaft heute mehr denn je vor einem Scheideweg steht. Wenn es uns nicht gelingt, bald unseren Kurs zu ändern und mehr für die Umwelt und gegen den Klimawandel zu unternehmen, droht den Armen noch mehr Armut und Leid und vielen Lebewesen der Erde die Verdrängung oder gar Vernichtung. Künftige Generationen werden in einer anderen Welt aufwachsen. Ob in einer besseren oder in einer schlechteren liegt in unserer Hand. Um auf die Missstände, die unser aller Tun auslöst, aufmerksam zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, in eine nachhaltige Zukunft voranzuschreiten, schreibe ich täglich aktuelle News für das CleanEnergy Project.
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Autor Tobias Hartmann Erstellt am Dienstag, 31. März 2015

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