Soziales

„Die Umwelt ist weiblich“

Trägerinnen des Deutschen Umweltpreises 2013 der DBU: die Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock, Carmen Hock-Heyl (l.), und die Vorstandsvorsitzende der EWS e.G., Ursula Sladek
© DBU/Daniel Karmann; Patrick Seeger

Der Umweltpreis 2013 setzt ein ermutigendes Zeichen. Das Preisgeld über 500.000 Euro teilen sich zwei Frauen aus dem Süddeutschen Raum. Die Auszeichnung ist deshalb so beachtlich, weil er Akteure mitten aus unserer Gesellschaft ehrt. Beide, Ursula Sladek aus Schönau und Carmen Hock-Heyl aus Nördlingen, haben aus einer inneren Motivation heraus reagiert und viel Freizeit und Arbeit in ihre Projekte gesteckt. Mussten die eine oder andere Anfeindung über sich ergehen lassen. Ihr Impetus war, im gesellschaftlichen und politischen Umweltdenken in Deutschland etwas verändern zu wollen.

Ursula Sladek, die Rebellin, hat nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in ihrer Heimatgemeinde Schönau im Schwarzwald eine Bürgerinitiative gegen Atomstrom gegründet. Putzte Klingeln bei den Bewohnern und warb für ihre Idee. Daraus entstanden 1997 die Elektrizitätswerke Schönau als erster deutscher Ökostromanbieter. Heute ist ihr Rat bei Verantwortlichen der Energiewende oder bei Atomkraftgegnern aus Japan gefragt.

Carmen Hock-Heyl aus dem bayerischen Nördlingen ist eine Kämpferin. Die gelernte Arzthelferin hat Hanf als Dämmstoff beim Hausbau in der Bauindustrie salonfähig gemacht. Das Naturprodukt ist in Sachen Nachhaltigkeit ein wahrer Alleskönner. Beim Anbau kommt es ohne Pflanzenschutzmittel aus. Es liebt trockene, sandige Böden und bei der Weiterverarbeitung bringt es hervorragende Dämmeigenschaften mit. Zu guter Letzt kann es bei einem Hausabriss problemlos entsorgt werden. Carmen Hock-Heyl hat jahrelang bei Messen und in Wirtshausnebenzimmern in Vorträgen für ihre Idee geworben. Mühsam. Sie selbst formuliert es so: „Da kommt eine Frau, die ist blond und bringt einen Hanfdämmstoff. Es war schon recht schwierig, sich durchzusetzen." Heute hat sie als Unternehmerin sechzig Mitarbeiter.

Rebellin und Kämpferin. Frauen, die für ihr beharrliches Engagement und ihre Vision mit dem Umweltpreis 2013 geehrt wurden. Sie machen Mut und etablieren eine neue grüne Unternehmenskultur in Deutschland. Sie setzt das Erbe der Nachhaltigkeitsforscherin Elinor Ostrom in die praktische Tat um. Agiert zuerst im wichtigsten Bereich, im Regionalen, und lotet anschließend, falls es die ökologischen Gesichtspunkte zulassen, weitere Grenzen aus.

Florian Simon Eiler

Autor Florian Simon Eiler Erstellt am Freitag, 01. November 2013

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