CO2-Emissionen

Emissionshandel geht in die Luft

© Alexander von Schmidt (abourpixel.de)

Ab dem 1. Januar 2012 müssen sich auch Fluggesellschaften am EU-Emissionshandel beteiligen. Alle Fluglinien, die in der EU starten oder landen müssen damit ab sofort Emissionszertifikate erwerben, ganz unabhängig  von ihrer Herkunft. Bereits im Vorfeld hat dies zu heftigen Auseinandersetzungen geführt.

Der Flugverkehr ist der am stärksten wachsende Verkehrssektor, womit auch eine ständige Erhöhung der Treibhausgasemissionen einhergeht. Die CO2-Emissionen haben allein in der EU in d en letzten 20 Jahren um rund 90 Prozent zugenommen. Bis 2025 wird nochmals mit einer Verdopplung gerechnet. Weltweit ist der Flugverkehr derzeit für etwa zwei bis drei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich beziehungsweise für rund 630 Millionen Tonnen CO2. Da die Emissionen in großen Höhen in die Atmosphäre gelangen, ist die Treibhauswirkung wesentlich höher als in der Industrie oder im Straßenverkehr. CO2 wirkt in zehn bis 15 Kilometern Flughöhe etwa 2,7-mal stärker als am Boden. Zudem gelangen weitere Schadstoffe direkt in die besonders sensiblen Luftschichten der unteren Stratosphäre, etwa Stickoxide, Ozon, Sulfate, Ruß oder auch Wasserdampf, der in diesen Höhen zur Wolkenbildung beiträgt.

Aufgrund der starken Klimawirkung hatten sich die EU-Umweltminister Ende 2007 darauf geeinigt, den Flugverkehr in den EU-Emissionsrechtehandel einzubeziehen, und zwar auch den Interkontinentalflugverkehr. Das heißt, jede Fluggesellschaft, egal woher sie kommt, muss für den Start oder die Landung in der EU Emissionszertifikate erwerben. Von den global 630 Millionen Tonnen CO2-Emissionen des Flugverkehrs werden 221,4 Millionen Tonnen CO2 in den EU-Emissionshandel einbezogen. Zunächst werden Zertifikate für 97 Prozent dieser Emissionsmenge ausgeteilt. Anders als bei Industrie- und Stromunternehmen wird es für den Flugverkehr keine nationalen Allokationspläne geben, stattdessen werden die Emissionszertifikate direkt durch die EU-Kommission ausgegeben. Zudem will man nicht maximal zehn, sondern 15 Prozent der Zertifikate versteigern. Die restlichen Zertifikate werden kostenlos verteilt.

Zur Berechnung geht man von einem Gesamtgewicht (inklusive Gepäck) von 100 Kilogramm pro Fluggast aus, das mit der zurückgelegten Entfernung multipliziert wird. Basis für die Zuteilung der jeweiligen Emissionsberechtigungen ist dann der Tonnenkilometerbericht der Airlines. Fluggesellschaften, die sich nicht am Emissionshandel beteiligen, müssen mit einer Strafgebühr von 100 Euro pro Tonne CO2 rechnen. Außerdem können ihnen Flug- und Landerechte verweigert werden.

Vor allem US-amerikanische, chinesische und indische Fluggesellschaften laufen gegen die neuen Auflagen Sturm. Einige haben bereits Klagen eingereicht, die jedoch vom Europäischen Gerichtshof abgewiesen wurden. US-Außenministerin Hillary Clinton und US-Verkehrsminister Raymond LaHood drohten in einem Brief mehreren EU-Kommissaren, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sollte die Verordnung nicht zurückgezogen werden. Chinesische Fluggesellschaften wollen den Emissionshandel boykottieren und keine Ticketaufschläge verlangen. Im Gegenzug droht die EU chinesischen Fluggesellschaften mit einem Landeverbot.

Emissionshandelsrechte sind derzeit günstig. Nur 7,14 Euro kostet es, eine Tonne CO2 in die Atmosphäre auszustoßen. Mitte 2011 waren es noch 19 Euro. Die tatsächlichen Belastungen pro Flug sind damit kaum nennenswert und der Widerstand nur schwer verständlich. Auch die Belastungen für Fluggäste bleiben gering. Lufthansa etwa hat mitgeteilt, zunächst keine zusätzlichen Kosten für die Verschmutzungsrechte geltend zu machen, allerdings hat es im Vorjahr bereits mehrfach Preiserhöhungen gegeben.

Josephin Lehnert

Tags Emissionshandel | Emissionszertifikate | EU | Flugverkehr Kategorien Wirtschaft und Unternehmen Mobilität Politik Datum Mittwoch, den 11. Januar 2012 um 05:07 Uhr Autor Josephin Lehnert

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