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Bald russische Gaskraftwerke in Deutschland?

Die sichere Energieversorgung eines so großen und wirtschaftlich produktiven Landes wie Deutschland zu gewährleisten, ist eine komplexe Sache. Dass durch den Ausstieg aus der Atomkraft  in den nächsten Jahren zusätzlicher Bedarf an neuen Energiequellen besteht, stellt die Bundesregierung zusätzlich vor eine komplizierte Aufgabe. Die Energiewende birgt aber auch ein potentielles Riesengeschäft und in der Hoffnung davon zu profitieren, hat der russische Energieminister Sergej Schmatko in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung der Bundesrepublik einen milliardenschweren Deal in Aussicht gestellt.

Demnach will die russische Regierung im großen Stil in den Bau von Kraftwerken in Deutschland investieren. Laut Schmatko braucht Deutschland nach dem Atomausstieg etwa zehn bis 15 neue Großkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt zehn bis zwölf Gigawatt und Russland sei „bereit, Projekte in dieser Größenordnung zu finanzieren."

So könnten die Regierungen, russische Energie- und deutsche Technologiekonzerne wie etwa Siemens bereits innerhalb von sechs Monaten einen gemeinsamen Plan ausarbeiten und schon in vier Jahren die ersten Kraftwerke stehen.

Möglich sei dies aber nur mit einem „uneingeschränkten politischen Ja“ der deutschen Bundesregierung. Das Angebot kommt zu einem brisanten Zeitpunkt, da das Verhältnis zwischen EU und Russland im Energiesektor reichlich angespannt ist. Die Gründe dafür liegen in den gescheiterten Gesprächen über das Unbundling der Energienetze und der zunehmenden Angst Europas vor der Abhängigkeit von russischem Gas, die durch die Inbetriebnahme der Ostsee-Pipeline Anfang November weiter gestiegen ist.

Der Pipeline-Mehrheitseigentümer Gazprom kontrolliert etwa ein Sechstel der weltweiten Gasreserven und gehört zu 51 Prozent dem russischen Staat, der nicht unbedingt für seine Zurückhaltung in Sachen Einflussnahme bekannt ist. Deutschland deckt bereits jetzt 40 Prozent seines Gasbedarfs durch Importe aus Russland und Gazprom drängt aktuell mit der Übernahme des hessischen Unternehmens Envacom und einer Partnerschaft mit dem deutschen Stromkonzern RWE weiter auf den deutschen Markt.

Hinter dem russischen Angebot, das Investitionen in einer Größenordnung von zehn bis 15 Milliarden Euro beinhaltet, steht wohl hauptsächlich der Wunsch Moskaus direkt in das lukrative Stromgeschäft einzusteigen, statt nur ein reiner Rohstofflieferant zu sein.

Matthias Schaffer

Autor Matthias Schaffer Erstellt am Montag, 21. November 2011

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