Studie enttarnt CO2-Leck in Kyoto Protokoll

Barcelona smog
© Rudoni Productions (Flickr)

Laut Bundesumweltamt unterschritt Deutschland mit Gesamtemissionen von 960 Millionen Tonnen CO2 den Kyoto-Zielwert (974 Millionen Tonnen) im Jahr 2010 deutlich. Im Vergleich zum Basisjahr 1990 sanken die Emissionen demnach um 23,1 Prozent. Auch die Europäische Umweltagentur gibt sich selbstbewusst und errechnete für die 15 am Kyoto-Protokoll teilnehmenden EU-Staaten eine Emissions-Verringerung von 10,7 Prozent. Österreich, Italien und Luxemburg müssten ihre Bilanz zwar noch verbessern, aber das kollektive Ziel von acht Prozent sei mehr als nur erreicht.

Diesen Angaben widersprechen ganz klar die Forschungen der Ifo-Institut-Ökonomen Gabriel Felbermayr und Rahel Aichele. In einer demnächst im Journal of Environmental Economics and Management erscheinenden Studie kritisieren die Wissenschaftler, dass die CO2-Fußabdrücke der Länder falsch gemessen werden und deshalb die wahre Entwicklung der Emissionen verschleiern.

Das nachvollziehbare Argument der Münchener Forscher ist, dass viele Produkte längst nicht mehr dort hergestellt werden, wo sie konsumiert werden. Da sich die übliche Darstellung der Klimabilanzen aber nur auf Treibhausgase beschränkt, die innerhalb der jeweiligen Ländergrenzen verursacht werden, ergibt sich ein völlig falsches Bild. Für eine realistische Einschätzung müssten demnach auch die Faktoren Import und Export in die Berechnung einfließen.

Im Rahmen ihrer Studie haben Aichele und Felbermayer eine Datenbank erstellt, die dies berücksichtigt und das Ergebnis ist niederschmetternd. Nach dem auf diese Art ermittelten CO2-Abdruck haben die Kyoto-Staaten ihre Zielvorgaben komplett verfehlt. Während die teilnehmenden Staaten zwar ihre eigenen Emissionen senken konnten, haben sie nämlich deutlich mehr Produkte aus Nicht-Kyoto-Staaten importiert.

Dieses sogenannte CO2-Leck zeigt laut Gabriel Felbermayr, dass  die Länder, die keine Einsparungen zugesagt haben in den vergangenen Jahren „zum Zufluchtsort für die Emissionen geworden“ sind. Der vollständige Fußabdruck hat sich also laut den Ifo-Wissenschaftlern trotz Kyoto-Protokoll und offiziell verkündeten Einsparungen kaum verändert.

Von Anfang an war einer der Hauptkritikpunkte am Kyoto-Protokoll, dass ein solches Abkommen nur funktionieren kann, wenn wirklich alle wirtschaftlich relevanten Staaten daran teilnehmen. Da aber ein weltweites Klimaschutzprogramm in absehbarer Zeit wohl nicht Realität werden wird, raten Umweltökonomen der EU nun mit gutem Beispiel voran zu gehen und den CO2-Zertifakatehandel auch auf Importprodukte auszudehnen. Laut einer Kalkulation von Philippe Quirion, Wissenschaftler am Pariser Zentrum für Umwelt- und Entwicklungsforschung (CIRED), hätte ein solches System das Potential, das CO2-Leck der Europäischen Union fast vollständig zu stopfen.

Matthias Schaffer

Autor Matthias Schaffer Erstellt am Sonntag, 27. November 2011

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