Lebensraum der Zukunft: die schwimmende Stadt

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Leben auf dem Wasser
Schwimmende Inseln- Ein Konzept für die Zukunft?

Der Meeresspiegel ist infolge des Klimawandels in den vergangenen Jahren bedenklich gestiegen. Dies haben insbesondere kleine Inselstaaten zu spüren bekommen. Viele planen bereits voraus und haben andernorts Land gekauft, sodass die Bewohner von vielleicht bald überschwemmten Inseln umgesiedelt werden können. Doch angesichts der zunehmenden Weltbevölkerung scheint auch das keine nachhaltige Lösung zu sein. Entsprechend ist bereits jetzt die Nachfrage nach alternativem Lebensraum groß. Interessant scheint hier, insbesondere in Hinblick auf den steigenden Meeresspiegel, die Idee der schwimmenden Inseln – die alles andere als neu ist.

Bereits in der griechischen Mythologie wird von der schwimmenden Insel Delos gesprochen; das Volk der Urus lebt auf Inseln aus Schilf inmitten des Titicaca-Sees und der Künstler und Zimmermann Richie Sowa baute sich aus gut 250.000 leeren Plastikflaschen und Holzplatten die Spiral Island. Dies scheint jedoch noch weit entfernt von einer Lösung für die vielen Menschen, die durch den Klimawandel ihre Heimat verlieren könnten. Doch nun scheint der Schritt in Richtung einer „schwimmenden Stadt“ ein Stück näher gerückt zu sein. So hat die Regierung von Französisch-Polynesien eine Vereinbarung mit dem US-Thinktank Seasteading Institute getroffen, die den Bau einer schwimmenden und sich selbst versorgenden Stadt vorsieht.

Entwurf schwimmende Stad © The Seasteading Institute
Das Seasteading Institute plant schwimmende Städte auf quadratischen und fünfeckigen Stahlbeton-Plattformen zu bauen © The Seasteading Institute

Grundlage für diese Stadt sollen quadratische und fünfeckige Stahlbeton-Plattformen mit einer Kantenlänge von mindestens 50 Metern bilden, welche sich immer wieder neu anordnen lassen und Bauten mit bis zu drei Stockwerken rund 100 Jahre lang tragen können. Die schwimmende Insel wird von einem künstlichen Riff in Ringform geschützt und soll neben Wohn- und Bürogebäuden, Hotels und Grünflächen auch über Aquakulturen, Forschungseinrichtungen und umweltfreundliche Anlagen zur Energiegewinnung verfügen. Insbesondere letztere sind von Bedeutung, da die Regierung von Französisch-Polynesien Umweltfreundlichkeit zu einer der Grundvoraussetzungen für die Baugenehmigung gemacht hat.

Die Grundidee scheint attraktiv und vor allem ausbaufähig. So könnten Ideen, wie die von Callebaut mit in Projekte dieser Art eingebunden werden. Der Bioarchitekt legte bereits erste Entwürfe für eine schwimmende Insel vor, deren Grundlage ein Plastik-Algen-Gemisch aus dem 3D-Drucker bilden soll. So könnte die Insel stetig „wachsen“ und gleichzeitig das Wasser von Plastikmüll gereinigt werden. Durch chemische Prozesse sollen zudem Trinkwasser und sogar Sauerstoff hergestellt werden, was ein Leben in Wohnräumen unterhalb des Wasserspiegels ermöglichen soll. In vielen Entwürfen verschiedener Architekten finden sich zudem Solar- und Windkraftanlagen.

keine Steuern auf der künstlichen Insel
Die schwimmende Insel als Steueroase? So scheint der Plan der Investoren © The Seasteading Institute

So schön der Traum von der schwimmenden Insel auch klingen mag, so gibt es doch einige Kritiker und mindestens genauso viele Herausforderungen. Das „Seasteading Institute“, das sich selbst als eine Non-Profit-Organisation darstellt, hat mit Peter Thiel einen milliardenschweren Investor, der nicht wirklich dafür bekannt ist, profitlos aus den von ihm unterstützten Projekten heraus zu gehen. Zudem sieht das Institut die Inseln weniger als einen zusätzlichen Lebensraum,  sondern eher als ein gesellschaftliches Projekt. So will der Thinktank auf diesen künstlichen Inseln in internationalen Gewässern neue Staaten mit eigenen Regierungsformen entstehen lassen. Kritiker sehen in dem Seasteading-Projekt eine Arche Noah, die auf Wallstreet-Geldern schwimmt. So hieß es im tahitianischen Fernsehen: „Diese Millionäre werden von dem illusionären Wunsch getrieben, sich von den existierenden Staaten abkoppeln zu können.“ So fürchtet der tahitianische TV-Moderator Alexandre Taliercio, dass nicht der Umweltschutz, sondern die Vermeidung von Steuern oberstes Ziel sein könnte. Zudem ist nicht erwiesen, wie widerstandsfähig die schwimmenden Inseln gegenüber handfesten Seestürmen, Tsunamis oder auch Hurrikans sind. Die oben genannte Spiral Island beispielsweise überlebte das Zusammentreffen mit einem Hurrikan leider nicht.

Quellen:
https://iq.intel.de/seasteading-institute-erste-schwimmende-stadt-soll-2019-entstehen/
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/Abenteuerliche-Plaene-fuer-eine-HochseeRepublik/story/27950617
http://www.wiwo.de/technologie/green/living/3d-druck-aus-meeresmuell-schwimmende-insel-waechst-von-alleine/13553580.html

 

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