Fracking

Erdgasförderung durch Fracking: Wahnsinn oder Zukunftstechnologie?

© Chris Waits (Flickr.com)

Fracking oder Hydraulic Fracturing ist eine höchst umstrittene Tiefbohrtechnik, die hauptsächlich zur Förderung von Erdgas aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten - Tight Gas, Schiefergas-und Kohleflözgaslagerstätten -  verwendet wird. Die Energiekonzerne sprechen (wie gewohnt) von einer "völlig sicheren und innovativen Fördermethode". Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass sich diese Sicherheit wohl in einem ähnlichen Bereich wie bei - ebenfalls "völlig unbedenklichen" - Atomkraftwerken oder Tiefsee-Ölbohrungen bewegen dürfte.

Die Technik

Durch Fracking ist es möglich Gasvorkommen in extremer Tiefe anzuzapfen, die mit herkömmlichen Fördermethoden nicht erreicht werden können. Bei den Vorbereitungsarbeiten werden vertikale Erdbohrungen in Tiefen bis zu 5.000 Meter vorgenommen. Ist die gewünschte Gesteinsschicht erreicht, wird die Bohrung in horizontaler Richtung fortgesetzt. Zum Schutz des Trinkwassers werden Stahlrohre in das Bohrloch zementiert. Danach wird eine Perforationskanone in der Bohrung versenkt, die viele kleine Kanäle in den horizontalen Abschnitt der Bohrung sprengt.

Nun beginnt der eigentliche Fracking-Vorgang: Ein Flüssigkeitsgemisch aus Wasser, Sand und chemischen Zusatzstoffen wird unter hohem Druck in das Bohrloch gepresst und lässt im perforierten Gestein kleine Risse entstehen, die durch Sandkörner offen gehalten werden. Durch diese bis zu 30 Meter langen Risse strömt das Erdgas zum Bohrloch und kann an der Oberfläche gefördert werden. Wenn der Effekt nach einigen Wochen nachlässt, muss der Vorgang wiederholt, oder neue Horizontalbohrungen durchgeführt werden.

Bedenken und Widerstand

Der Hydraulic-Fracturing-Flüssigkeit sind teilweise hochgiftige Chemikalien zugesetzt. Zwischen 30 Prozent und 70 Prozent des auf diese Art kontaminierten Wassers gelangen wieder an die Oberfläche und müssen entsorgt werden, wofür es längst noch keine praktikable Lösung gibt. Die Hauptkritik am Fracking betrifft aber jene Flüssigkeitsmengen, die in den Gesteinsschichten verbleiben und damit absolut unkalkulierbare Risiken für Grund- und Trinkwasser bergen. Aufnahmen von brennendem Leitungswasser aus Amerika, wo die umstrittene Erdgas-Fördermethode seit Jahrzehnten angewandt wird, gingen um die Welt.

Nach wütenden Bürgerprotesten und jahrelangem Streit soll Fracking in den USA nun – nach einem Beschluss der New Yorker Umweltbehörde – immerhin in der Nähe von Wasserschutzgebieten und auf Land in Staatsbesitz verboten werden. Dass die Amerikaner mit ihren Bedenken nicht alleine sind, zeigt unter anderem der Beschluss des französischen Parlaments vom 30. Juni 2011, dass Unternehmen, die Fracking einsetzen, die komplette Bohrgenehmigung entzogen werden soll.

Fracking in Deutschland

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat ExxonMobil auch in Deutschland längst damit begonnen, unkonventionelle Erdgasvorkommen mit Hydraulic Fracturing zu erschließen. So pumpte der Konzern bereits im Oktober 2008 bei Testbohrungen in der Nähe der niedersächsischen Ortschaft Damme Wasser, Sand und etwa 24.000 Liter Chemikalien in den Boden. Laut einem Bericht von Spiegel Online hatten davon Ende 2010 gerade einmal 30 Prozent wieder die Oberfläche erreicht. Der Rest verschwand irgendwo unter dem Naturschutzgebiet des Dümmer Sees und was damit passiert, ist laut Bernhard Cramer von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe „nur wenig erforscht“.

Doch langsam regt sich auch hierzulande Widerstand in Form von Anwohnerprotesten und kritischen Medienberichten. Während sich die Politik bisher weitestgehend bedeckt hielt, hat im Juli eine Allparteienkoalition in Nordrhein-Westfalen die Erdgasförderung mit Chemikalien als zu gefährlich abgelehnt. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen ging auf Distanz zu der umstrittenen Fördermethode. Nichtsdestotrotz plant ExxonMobil weitere Bohrungen und bezeichnet Fracking als “seit langem erprobte und bewährte Technologie“.

Wer nun derart schockiert ist, dass er seine Stimme gegen Fracking erheben möchte, kann sich beispielsweise auf der Plattform Gegen Gasbohren informieren, der Facebook-Gruppe "Stop Fracking" beitreten, die GreenAction-Kampagne "Fracking - Gefahren durch Gasbohren !!" unterstützen, oder bis 6. Januar 2012 eine Online-Petition mitzeichnen, die den Bundestag auffordert, Hydrofracturing in Deutschland zu verbieten.

Matthias Schaffer

Tags Bohrung | Erdgas | Exxon | Fracking | Gas | Hydraulic Fracturing | Methan | Tiefenbohrung Kategorien Konventionelle Energien Datum Donnerstag, den 15. Dezember 2011 um 04:42 Uhr Autor Matthias Schaffer

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

* = Pflichtfeld
Hinweis: Um Kommentare zu abonnieren, müssen Sie angemeldet sein.