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Das Nullenergie-Fitness-Studio

Das Nullenergie-Fitness-Studio
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Ungefähr zweimal pro Woche gehe ich ins Fitness-Studio. Als ich vor Kurzem auf dem Stepper schwitzte und wartete, dass die halbe Stunde vorbei geht, dachte ich darüber nach, was wir Menschen doch für eine seltsame Spezies sind. Tausende von Jahren stecken wir all unsere Intelligenz und Energie in Entwicklungen, die uns das Leben so einfach und angenehm wie möglich machen. Wir erfanden die Landwirtschaft um nicht mehr mühsam auf die Jagd oder die Suche nach Pilzen gehen zu müssen. Wir erfanden das Rad um Waren einfacher transportieren zu können. Die Dampfmaschine wurde entwickelt und Arbeiten, die vorher mühsam mit Muskelkraft erledigt werden mussten, werden nun von Maschinen erledigt. Das Internet erlaubt uns Informationen in Sekundenschnelle über den ganzen Planeten zu schicken. Wir können im Supermarkt kaufen worauf auch immer wir gerade Appetit haben und können in zwei Tagen um den gesamten Globus fliegen.

Und all die freie Zeit, die wir nun haben, verbringen wir damit, auf Laufbändern unsere überschüssige Energie loszuwerden. Wir stemmen Gewichte und zerren an Gummibändern um unseren Körper so aussehen zu lassen als würden wir noch immer die Arbeiten verrichten, die zu vermeiden unser lang gehegtes Ziel war. Überall ist davon die Rede, man müsse Energie sparen und doch wissen viele von uns nicht, wohin mit all der ungenutzten Tatkraft. Gut und schön, Bewegung ist gesund und macht glücklich. Doch wenn ich, nachdem ich umweltfreundlicher Weise mit dem Fahrrad durch den strömenden Regen zur Muckibude gefahren bin, die muskelbepackten Bodybuilder sehe, und mir vorstelle, welche Leistung sie täglich bringen müssen, um so auszusehen, tut es mir in der Seele weh, wenn ich an die verpuffte Energie denke.

Worauf ich hinaus will, ist ein Fitness-Studio, das die frei werdenden Joule auffängt und nutzt. Jedes verkehrstaugliche Fahrrad tut das, indem mit einem Dynamo die Bewegungsenergie in Licht umgewandelt wird. Ein ähnliches Prinzip muss es doch für Stepper, Laufbänder, Ergometer und Co. geben. All die Menschen, die täglich trainieren gehen, müssten doch genug Energie produzieren, um zumindest Lampen und Musikanlage speisen zu können. Auf diese Weise dürften wir dem Ziel, keine Energie aufwenden zu müssen, um überschüssige Energie loszuwerden, doch ein Stück näher kommen.

Ich schlage vor, von dem Geld, was auf diese Weise gespart wird, machen wir mit der ganzen Fitness-Studiogemeinschaft einen Aktivurlaub in der Eifel. Da kommt man mit dem Zug hin. Tja, und wer weiß, vielleicht stellt der eine oder andere fest, dass das Joggen im Wald noch mehr Spaß macht, als zwischen gelblichen Rigips-Platten und Plastikpalmen.

Carla Lange

Autor Carla Lange Erstellt am Sonntag, 29. November 2009
Kategorien Feuilleton Kolumne

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