Nachhaltige Architektur

Vertical Farming mitten in New York

© Jung Min Nam

"Urban Farm, Urban Epicenter" ist der Titel des neuesten Projekts von Jung Min Nam. Mehrere Auszeichnungen und Preise untermauern die Wichtigkeit des Konzepts. Dabei zeigt der Designer auf eindrucksvolle Art und Weise, dass es möglich ist, die Produktion von Nahrungsmitteln zurück in große Ballungszentren zu holen. Das entlastet nicht nur die Umwelt, sondern schafft auch neue Lebensräume.

Seit Jahrzehnten nimmt die Anzahl der Menschen, die in Großstädten leben, rapide zu. Gleichzeitig verlagern sich landwirtschaftlich genutzte Flächen weiter von den Ballungsräumen weg. Frisches Obst und Gemüse legen immer längere Wege zurück, bis sie beim eigentlichen Endverbraucher ankommen. Die intensive Ausbeutung der knapper werdenden Agrarflächen und die durch den Transport entstehenden Umweltbelastungen sind nur einige Folgeerscheinungen dieser Entwicklung.

Jung Min Nams Projekt ist mehr als ein einfaches Hybridgebäude. Es beinhaltet auch die Schaffung eines neuen Lebenszentrums mitten in der Großstadt. Zugleich schlägt der Designer vor, die infrastrukturelle Rolle von Städten zu überdenken.

Das Gebäude selbst beherbergt einen Geschäftsbereich, Wohnungen und allgemein zugängliche Grünflächen in den oberen Etagen. Auf dem Dach befinden sich ein Dachgarten sowie Vorrichtungen, um zusätzlich Regenwasser zu sammeln. Die Abwässer der oberen Etagen werden in den darunterliegenden Ebenen Schritt für Schritt gereinigt und wiederaufbereitet.

Die unteren Ebenen des Gebäudes werden landwirtschaftlich genutzt. Jung Min Nam setzt dabei auf die Verwendung von Hydrokulturen. Diese benötigen zehn Mal weniger Wasser als herkömmliche Bewässerungssystem. Darüber hinaus betragen die Ernteerträge das Fünf- bis Zwanzigfache verglichen mit üblichen Anbauarten. Das zuvor gereinigte Wasser fließt hier entlang schräg konstruierter Ebenen und bewässert automatisch die Anbauflächen.

Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass durch die Auswahl der gepflanzten Gemüsesorten das Sonnenlicht und die Temperatur im Inneren des Gebäudes optimal genutzt werden. Darüber hinaus lassen sich auch der CO2-Gehalt, die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur mithilfe des gezüchteten Gemüses beeinflussen. Dies führt dazu, dass der Energieverbrauch für die Belüftung und die Temperaturregelung des Gebäudes deutlich reduziert wird.

Verkaufsflächen für das produzierte Gemüse, Galerien und Begegnungsstätten in den untersten Stockwerken runden das Gesamtkonzept harmonisch ab. Sie schaffen Möglichkeiten zur sozialen Begegnung und zugleich neue Lebensmittelpunkte.

Der Designer ist an zahlreichen Projekten beteiligt. Eines davon, das Soft Haus, wird soeben auf der Internationalen Bauausstellung in Hamburg präsentiert.

Joachim Kern

Tags Garten in der Stadt | Hamburg | IBA | Jung Min Nam | New York | Urban Epicenter | Urban Farming | Vertical Farming Kategorien Feuilleton Nachhaltigkeit und Klima Datum Freitag, den 30. Juli 2010 um 05:50 Uhr Autor Joachim Kern

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Kommentare  

0 #1 Joachim KERN 19.07.2010 13:56
Hallo Herr Lemkau,

ich habe die Informationen für diesen Artikel direkt vom Designer erhalten.

Dieser teilte mir unter anderem mit, dass das Gebäude das natürliche Tageslicht bestmöglichst ausnützt. Die unteren Etagen sind daher leicht verdreht angeordnet. Zusätzlich sind die einzelnen Etagen ein wenig nach hinten versetzt, um die Sonneneinstrahl ung zu verbessern. Das gesamte Gebäude wird nach oben hin schmäler.

Da im Inneren dennoch unterschiedlich e Lichtverhältnis se vorherrschen werden, sieht Jung Min Nam hier den Anbau verschiedener Gemüsesorten vor. Dazu teilt er die Pflanzen danach ein, wie viel Wärme und Licht sie für ihr Wachstum benötigen. Ist dennoch zu wenig Licht vorhanden, so wird auf künstliche Beleuchtung umgestellt. Dies soll jedoch nur abseits der Spitzenzeiten der Stromnetzbelast ung erfolgen.

Die Haltung von Tieren ist nicht vorgesehen.

Mit besten Grüßen
Joachim Kern
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0 #2 Fabian Lemkau 09.08.2010 23:32
Woher die Sonne für die unteren “Decks”? Woher der Raum für Vieh? Dem Artikel zu urteilen “sind” wir alle dann Vegetarier. Ökologisch korrekt wäre allerdings “weniger Menschen” auf dem fragilen Planet Erde- dass allerdings ist weniger “politisch korrekt” in der doch so schönen humanistischen Ideologie. Rind, Schwein, ja auch Habicht, Taube, Wiesel und Eichhörnchen haben mehr Platz in meinem Herzen als viele Menschen auf diesem Planeten.
Es geht nicht darum, dem Menschen so viele Annehmnlichkeit en wie möglich zu schaffen, sondern der Flora und Fauna auf diesem Planeten eine Chance zu geben.
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0 #3 Christoph Müller 11.08.2010 11:33
Wir haben bereits eine Pflanzwand entwickelt, die im Moment serienreif gemacht wird. Der Prototyp ist 1 Meter breit, 2,40 hoch, 122 mm dick. www.astrail.de/z1948Proto.jpg Er enthält ein automatisches, extrem wassersparendes Bewässerungssys tem mit einem 18-Liter-Tank. www.astrail.de/.../ Damit kann sowohl Hydrokultur wie auch Standardboden verwendet werden. Die Bewässerung von Standardboden wird in der letzten Stufe mit selbstansaugend en Keramikkegeln realisiert. Die Stromversorgung erfolgt mit Solarenergie. In Innenräumen ist natürlich auch Netzversorgung möglich. Diese Wand ist für den Innen- und Außenbereich geeignet. Innen z.B. als Raumteiler in Großraumbüros, als repräsentatives Dekorationselem ent in Empfangshallen, außen als Zaun, als Lärmschutz, als Fassadenelement , als vertikaler Garten z.B. in Form eines Fensterladens, usw. Damit lassen sich also auch bestehende Hochhäuser nachträglich noch außen begrünen.
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