Feuilleton

SINN-LICHKEIT - Kunst und CSR

© Alexandra von Hendrikoff

Denn wenn mein Bild stark ist, wird es sich wie ein Samenkorn entwickeln (...)
Und wo hast du schon einen Drang zum Meere gesehen, der sich nicht in ein Schiff verwandelt hätte?

Antoine de Saint-Exupéry

Wer CSR im Unternehmen vorantreibt weiß, wie schwer es ist, sich Gehör zu verschaffen. Das ThemaNachhaltigkeit wird leider noch immer mit dem mahnenden Zeigefinger und der drögen Aufforderung zum Verzicht assoziiert. Dabei ist uns allen klar, dass wir Freude, Begeisterung, Überzeugung, Leidenschaft brauchen, damit wir die Kraft haben, uns trotz aller Widrigkeiten zu engagieren. Diese Energie, diese Zuversicht und Aufbruchsstimmung muss man sehen, hören, fühlen, spüren, vielleicht sogar riechen oder schmecken können.

Neue, visionäre und inspirierende Kommunikationskonzepte sind gefragt. Warum sollte man dafür nicht auf die Kunst setzen, der es seit Jahrtausenden gelingt, existenzielle Themen intelligent und sinnlich auf höchstem Niveau darzustellen und zu vermitteln? Künstler sind ihrer Zeit häufig voraus, sie nehmen seismographisch auf, womit wir uns beschäftigen sollten. Professionelle Kunst- und Kulturprojekte sorgen auf einzigartige Weise dafür, das Thema Nachhaltigkeit mit Sinn-lichkeit, Lebensfreude, Attraktivität und Intelligenz zu präsentieren. Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater bewegen Kopf und Herz. Ungewöhnliche Aktionen rütteln auf und schaffen Bewusstsein: Da spricht plötzlich der Aufzug! Und am Treppenaufgang befindet sich die neueste Statistik: 76 Prozent der Frauen trennen ihren Müll, aber nur 48 Prozent der Männer, 32 Prozent der Angestellten essen lieber Tomaten aus biologischem Anbau und 12 Prozent kommen mit dem Fahrrad in die Arbeit. Während einer Management Tagung laufen Filme von Kunststudenten, die den Alltag aus ganz anderem Blickwinkel sehen.

Es wird offenkundig: Hier bewegt sich etwas; das ist unser Ziel. Der Effekt von Projektgruppenarbeit, Seminaren und Trainings geht im Alltag schnell verloren. Aussagekräftige Bilder und wirkungsvolle Gemeinschaftserlebnisse bleiben dagegen viel länger im Gedächtnis. Ein deutlich sichtbar und spürbar verändertes Arbeitsumfeld beschleunigt Bewusstseinsprozesse um ein vielfaches. Inspirierende Räume vermitteln eine lebendige, Sinn und Wert orientierte Kultur. Der Vorteil ist: Die Bilder der Zukunft sind da präsent, wo gearbeitet wird. Sie senden ständig Impulse: Neu zu denken, neu zu sehen, neu zu fühlen.

Unser Gehirn ist eben auch unser Gefühlszentrum! Neben der Verstandesebene erreichen Kunst- und Kulturprojekte eine tiefe emotionale Zustimmung. Angst- und Stressreaktionen verringern sich. Wer versteht - und einverstanden ist, mit der Vision, den Werten und Vorstellungen von sinnvollem Tun, kann jede Handlung im Alltag damit abgleichen und braucht keine ständigen Arbeitsanweisungen. Der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen wird in Zukunft, noch viel stärker als heute, von einer Unternehmenskultur abhängen, die auf einer klaren Vision und einem unerschütterlichen Wertekanon gründet - und zugleich achtsam, offen und verbesserungsfähig ist.

Starke Ziele, die Sinn machen und Sinn geben, sind nötig, um die anstehenden tiefgreifenden Veränderungen - und damit verbundenen Herausforderungen - bewältigen zu können. Erfolgreiche Unternehmen gewinnen damit die talentiertesten Führungskräfte und Mitarbeiter. Sie schaffen eine Verbindung zu Kunden und Aktionären, die auf wahren Werten gründet. Wer starke sinn-liche und sinn-volle „Bilder" für die Vision einer nachhaltigen CSR-Kultur findet und damit alle Mitarbeiter ins Boot holen kann - hat gewonnen!

Eva Müller

Eva Müller ist eine international renommierte Kunstexpertin und diplomierte Sozialwissenschaftlerin. Sie ist spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen. Mit ihrer Visualisierungsmethode VISIONalisierung hat sie bisher über 65 bekannten Unternehmen erfolgreich dabei begleitet, ihre Vision wirksam und nachhaltig zu implementieren.

Bild oben: "Blütenteleskop" - Kunstwerk aus Transparentpapier, Strohseide, Löwenzahnsamen, Gaze und Garn von Alexandra von Hendrikoff

Tags CSR | Kunst Kategorien Feuilleton Datum Freitag, den 12. Februar 2010 um 05:45 Uhr Autor Gast Beitrag

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