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Ökostrom kaum hilfreich für Energiewende

In Deutschland gibt es knapp 1.000 Stromversorgungs-unternehmen. Rund 80 Prozent des deutschen Strommarktes werden dabei von lediglich vier Unternehmen beherrscht. Daneben gibt es noch die so genannten Ökostromanbieter. Unabhängig von den großen Energieversorgungsunternehmen bieten sie Elektroenergie aus vorwiegend erneuerbaren Quellen an. Der Energiewende in Deutschland ist das allerdings nur auf den ersten Blick zuträglich.

Durch die Kehrtwende in der Energiepolitik will Deutschland bis zum Jahr 2022 völlig aus der atomaren Energiegewinnung aussteigen und auch die noch vorhandenen, allerdings schwindenden Ressourcen fossiler Brennstoffe soll durch Energieeinsparungen und den Ausbau erneuerbarer Energien weiter forciert werden.

In Deutschland fehlt es der grünen Energie derzeit jedoch an Wirtschaftlichkeit, denn nur durch die üppige Förderung kann hierzulande Energie aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Die Hauptakteure auf dem Sektor Photovoltaik und Onshore-Windenergie sind dabei nicht etwa Ökostromanbieter, sondern Privatpersonen. Sie machen bei der Photovoltaik 39,3 Prozent aus, in der Windenergie tragen sie sogar einen Anteil von 51,5 Prozent. Die vier großen Energieversorger sind hieran nur mit 3,1 Prozent im Solarbereich und 5,3 Prozent auf dem Windsektor vertreten. Dafür setzen sie vermehrt auf Wasserkraft und Biomasse. In diesen Bereichen tragen sie einen großen Anteil, rund 73,1 Prozent in der Wasserkraft und 27,4 Prozent in der Energiegewinnung aus Biomasse (Studie „Marktakteure Erneuerbare-Energie-Anlagen in der Stromerzeugung").

Anders sieht es bei den Ökostromanbietern aus. Bei dem Strom, der durch die großen Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom angeboten wird, handelt es sich tatsächlich um echten Ökostrom aus erneuerbaren Quellen. Er stammt jedoch nicht aus dem Inland, sondern wird aus dem Ausland importiert. Eine Tatsache, die der Energiewende in Deutschland nicht unbedingt auf die Sprünge hilft. Wie das Wissensmagazin „WISO“ recherchiert hat, stammt der grüne Strom nämlich zum größten Teil aus Österreich und Norwegen. Beim Anbieter Lichtblick setzt er sich zu fast 98 Prozent aus Wasserkraft zusammen, die übrigen zwei Prozent liefert die Biomasse. Ähnlich sieht es auch beim Ökostrom von Greenpeace Energy und Naturstrom aus. Den Anbietern ist es jedoch wichtiger, dass der Strom aus Kraftwerken stammt, die nicht mit der Atom- und Kohlelobby verstrickt sind. Der deutschen Energiewende dient das allerdings wenig – auf jeden Fall bislang! Die Zukunft soll anders aussehen, zumindest, wenn es nach den ehrgeizigen Plänen von Greenpeace Energy geht. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen über seine Tochter Plante energy fast 108 Millionen Euro in eigene Photovoltaik- und Windkraftanlagen investieren und die Kunden langfristig nur noch mit dem Strom aus eigenen Ökostrom-Anlagen beliefern.

Judith Schomaker

Autor Judith Schomaker Erstellt am Montag, 07. November 2011

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