Holzgas-Kraftwerk

Wenn Holz ins Schwitzen kommt

Die Idee, aus Holz brennbares Gas zu gewinnen, ist keineswegs neu. Schon in den deutschen Nachkriegsjahren verhalf diese Technik den Menschen dazu, trotz Benzin- und Dieselknappheit mobil zu bleiben. Mit der Entspannung auf dem Energiemarkt und der steigenden Wirtschaftskraft gelangte der Holzantrieb jedoch in Vergessenheit. Er war schlicht und einfach zu umständlich, denn einfach den Zündschlüssel drehen und losfahren war mit den „Holzautos“ nicht möglich – erst musste der Kessel ordentlich vorgeglüht werden.

So ganz vergessen haben Forscher diese Technik jedoch nicht. Schließlich wird die Gewinnung erneuerbarer, klimafreundlicher Energien in Zeiten knapper fossiler Energiereserven und dem Kernthema Klimawandel immer attraktiver. Gerne erinnert man sich heute wieder an die längst verdrängte Gewinnungsform und macht die Probe aufs Exempel. In Senden, einer Kleinstadt nahe Ulm geht im Dezember das erste deutsche Holzgas-Großkraftwerk an den Start und soll die 20.000 Seelen Gemeinde mit Wärme versorgen. Der Strom, der zusätzlich produziert wird, soll zudem ins öffentliche Netz eingespeist werden und für 12.000 Haushalte ausreichende sein.

In dem 33 Millionen teuren Pilotprojekt sehen einige Experten schon die künftige Alternative zu Sonnen- und Windkraftanlagen. Dennoch steht Ulm mit seinem Holzgas-Großkraftwerk deutschlandweit noch ziemlich alleine da. Erst wenige Anlagen befinden sich in Planung beziehungsweise im Bau. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Es mangelt an zahlungsfreudigen Investoren, denn die Biomassevergasung bringt bei gleicher Investitionssumme deutlich weniger Rendite als Beispielsweise Offshore-Windkraftanlagen. Öffentliche Fördermittel sind derzeit die einzige Möglichkeit, damit solche Anlagen überhaupt gebaut beziehungsweise betrieben werden können. Auch in Senden wurde der Fördertopf ordentlich geschröpft, 6,6 Millionen Euro kommen von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.

Zu teuer die Technologie, zu standortabhängig die Vergasungskraftwerke. Zwar wird ein Holzgaskraftwerk mit Resthölzern und Laubabfällen befeuert, das, was in die Anlage kommt, richtet sich jedoch nach dem jeweiligen Standort selbiger. In einigen Gebieten sind es mehr Nadelhölzer, in anderen wiederum mehr Heckenschnitte die zur Vergasung herangezogen werden. Je nach Material muss dann auch die Anlage ausgerichtet werden, was Spezialanforderungen nötig macht – und die sind der größte Kostentreiber für solche Kraftwerksanlagen. Ein weiterer Dorn im Auge der Forscher ist die wachsende Nachfrage nach dem Rohstoff Holz, der auch die Preise künftig steigen lassen wird. Ein deutlicher Nachteil von Holzgaskraftwerke gegenüber Solar- und Windenergie – Wind und Sonne gibt es nämlich umsonst.

Dafür arbeiten Vergasungskraftwerke wesentlich effektiver als herkömmliche Biomassekraftwerke. Weil das Füllmaterial nicht direkt verbrannt, sondern zuvor auf 900 Grad erhitzt und dann langsam verschwelt wird, beginnt das Holz förmlich zu schwitzen. Hierbei wird ein Gemisch aus Wasserstoff, Methan und Kohlenmonoxid frei, das mit Luft vermischt und dann verbrannt wird. Im Gegensatz zur einfachen Biomasseverfeuerung wird demnach mehr Strom produziert. Der elektrische Wirkungsgrad liegt in diesem Verfahren bei rund 33 Prozent, ein normaler Holzkessel kommt gerade einmal auf maximal 21 Prozent.

Judith Schomaker

Tags Biomassevergasung | Holzgas-Kraftwerk Senden | Holzgaskraftwerk | Kraftwerke Ulm Kategorien Bioenergie Erneuerbare Energien Datum Montag, den 28. November 2011 um 07:19 Uhr Autor Judith Schomaker

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

* = Pflichtfeld
Hinweis: Um Kommentare zu abonnieren, müssen Sie angemeldet sein.

 
Cleantech Jobs in Dänemark