Startschuss für ZuhauseKraftwerke - Volkswagen und LichtBlick

Vor gut einem Jahr versetzte Europas größter Automobilkonzern VW Deutschland in Erstaunen. Er ging eine Kooperation mit dem Hamburger Ökostromanbieter „Lichtblick“ - dem nach eigenen Aussagen größten unabhängigen Energieversorger in Deutschland - ein. Damit wollte VW auch außerhalb seines Kerngeschäfts, der Automobilproduktion, punkten und sein Geschäftsfeld unter sozialen und ökologischen Aspekten ausbauen.

Was im Jahr 2009 zunächst kritisch hinterfragt wurde, hat sich mit der Inbetriebnahme der ersten Anlagen jetzt als faszinierende Realität herausgestellt. In Hamburger Kellern laufen seit wenigen Tagen die ersten ZuhauseKraftwerke, bis zum Jahresende sollen 30 Mini-Kraftwerke in der Hansestadt ihr Können unter Beweis stellen, bevor deutschlandweit jährlich bis zu 10.000 Kraftwerke installiert werden.

Eine Frage des Konzepts
So ungleich die beiden Partner auch sind, in einem Punkt sind sie sich einig: Auf das richtige Konzept kommt es an und das ist ihnen gut gelungen. Den Kern der Mini-Heizkraftwerke stellen die VW-Antriebe dar, in Serie hergestellt im Motorenwerk Salzgitter. Das 1,6 Meter hohe Blockheizkraftwerk mit dem, aus Caddy und Touran bekannten Erdgas-Motor, produziert Strom über einen Generator. Die Wärme, die bei diesem Vorgang freigesetzt wird, nutzt der Kunde, in dessen Keller das Kühlschrank ähnliche Kraftpaket steht, selber für Warmwasser und Heizung. Den produzierten Strom hingegen greift Lichtblick ab, zahlt dem Kunden aber eine Vergütung.

Der Clou am ZuhauseKraftwerk
Schaut man sich das Konzept von VW und Lichtblick an, fehlt auf den ersten Blick der Aha-Effekt. Was soll es bringen, dieses kleine Kraftpaket und warum ist immer vom Schwarm-Strom die Rede? In den kommenden Jahren soll die Anzahl der ausgelieferten ZuhauseKraftwerke durch ein ausgeklügeltes Vertriebssystem auf bis zu 100.000 Anlagen steigen. Dann können sie gemeinsam ganze zwei Atomkraftwerke ersetzen! Wie? Ganz einfach per Mobilfunk oder DSL, denn so können alle „kleinen“ Kraftwerke zu einem „großen“ Kraftwerk zusammengeschaltet werden und eine gigantische Leistung entfalten. So genannte Schattenkraftwerke, die in Zeiten schlechter Stromversorgung durch Solar und Wind auf ihre volle Leistung hochgefahren werden müssen, um den Strombedarf konstant zu decken, würden dann überflüssig werden.

Die Kosten für den Kunden
Interessant ist das ZuhauseKraftwerk hauptsächlich für große Ein-, beziehungsweise Mehrfamilienhäuser und Großkunden, die jährlich mindestens 45.000 Kilowattstunden Gas verbrauchen. Der Kunde tritt dabei als „Pächter“ des Kraftwerks auf und zahlt dafür 20 Euro pro Monat für die Nutzung. Inbegriffen sind hierin sämtliche Kosten für Wartung und mögliche Reparaturen. Bei der Installation ist der Kunde mit 5.000 bis 8.000 Euro beteiligt, je nach Ausführung. Dafür gibt es von Lichtblick jeden Monat eine Gutschrift von fünf Euro für den Platzbedarf, also quasi eine Standflächenmiete für das Kraftwerk. Die Kosten für die benötigte Wärme richten sich nach dem Gaspreisindex des Statistischen Bundesamtes und werden pauschal erhoben, dabei können durch das ZuhauseKraftwerk gegenüber einer modernen Heizung nochmal 20 Prozent an Energiekosten gespart werden. Zu guter Letzt wird auch noch der erzeugte Strom vergütet. Je nach Preismodell erhält der Kunde zwischen 0,5 und 2,5 Cent pro eingespeister Kilowattstunde als so genannten Umweltbonus in Form eines Rabatts auf seine Wärmelieferung. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt zwei Jahre, maximal wird der Kraftwerktsvertrag über zehn Jahre abgeschlossen.

Der Haken
Ein eigenes kleines Kraftwerk im Keller, das klingt richtig gut. Auch als Alternative gegenüber einem herkömmlichen Blockheizkraftwerk muss der Kunde beim ZuhauseKraftwerk von VW nicht besonders tief in die Tasche greifen. Die Anschaffung eines Blockheizkraftwerks schlägt immerhin mit 25.000 Euro und mehr zu Buche, auch, wenn hier Zuschüsse in Höhe von bis zu 10.000 Euro winken, immer noch eine teure Sache. Doch so ganz „öko“ ist auch der Schwarmstrom von VW und Lichtblick nicht. Zwar sieht das Anti-Atomstrom-Image allzu verlockend aus, doch das, was den VW-Motor im Inneren des Kraftwerks antreibt, ist nichts anderes als Erdgas - der Anteil des Biogases ist mit fünf Prozent doch relativ gering. Dennoch ist das Stromkonzept gar nicht so übel, immerhin verfügt das ZuhauseKraftwerk über einen Wirkungsgrad von 93 Prozent. Gegenüber der herkömmlichen Strom- und Wärmeerzeugung werden bis zu 40 Prozent weniger Energie verbraucht und dabei der CO2-Ausstoß um bis zu 60 Prozent verringert.

Judith Schomaker

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