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Radioaktivität unmittelbar nach dem Erdbeben ausgetreten

Ein internationales Forscherteam mit Wissenschaftlern aus Norwegern, Österreich, Spanien und den USA hat die Vorgänge im japanischen Atomkraftwerk Fukushima untersucht und kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die Folgen der Katastrophe weit ärger sind, als bislang angenommen. Die Studie ist ein Beleg dafür, wie die Atomlobby die Bedrohung von Kernkraftwerken durch Erdbeben herunterzuspielen versucht.

Die Bilder gingen durch alle Medien und werden so schnell nicht vergessen sein: Am 11. März dieses Jahres, kurz nachdem in Deutschland dem Atomausstieg eine Absage erteilt worden war, ereignete sich in Japan eines der schwersten Erdbeben der Geschichte.

Infolge des Tōhoku-Bebens, das eine Stärke von rund neun Moment-Magnitude (Mw) erreichte, bildete sich ein zehn Meter hoher Tsunami, der mit gewaltiger Kraft über die Küstenregionen des Landes hinwegfegte. Beides zusammen – das Erdbeben und der Tsunami – verursachten schwere Schäden, unter anderem am japanischen Kernkraftwerk Fukushima und lösten dort einen Super-GAU aus, bei dem große Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden.

Ein internationales Forscherteam hat nun eine Studie veröffentlicht, nach der die in Fukushima freigesetzte Menge an radioaktivem Xenon-133 die Tschernobyls um das 2,5-fache übersteigt. Zudem soll die Freisetzung bereits gegen 15 Uhr japanischer Zeit begonnen haben, also in unmittelbarer Reaktion auf das Erdbeben, das um 14:46 Uhr stattfand, und nicht erst infolge des Tsunami. Die freigesetzt Xenon-133-Menge beläuft sich den Wissenschaftlern zufolge auf insgesamt 16.700 Peta-Bequerel. Das sei die größte zivile Freisetzung in der Menschheitsgeschichte. Außerdem sei die doppelte Menge radioaktiven Cäsiums in die Atmosphäre gelangt, wie von der japanischen Regierung veranschlagt – zwischen März und April etwa 36 Peta-Bequerel. Das entspricht etwa 40 Prozent der Menge Cäsium-137, die beim Unglück in Tschernobyl freigesetzt wurde. Während 20 Prozent davon über dem Festland niedergingen, wurden die restlichen 80 Prozent auf das Meer hinaus getragen, was nicht in die Berechnung der japanischen Regierung einfloss.

Unterschätzt worden sei bisher auch die massive Cäsium-Freisetzung bereits am 12. März infolge der Wasserstoffexplosion in Reaktorblock 1. Zwischen dem 14. und 15. März seien zudem weite Bereiche im Osten der japanischen Hauptinsel Honshu kontaminiert worden. Die Folgen für Umwelt und Menschen sind schwer einzuschätzen. Cäsium lagert sich in Pflanzen ein und gelangt von dort in die Nahrungsmittelkette, etwa in Milch, Fleisch, Fisch oder Pilze. Es kann unterschiedliche Strahlenkrankheiten hervorrufen. Das Krebsrisiko für die Japaner ist enorm gestiegen.

Die Fukushima-Studie enthält die bisher detailliertesten Auswertungen der Fukushima-Katastrophe und sie wirft ein neues Licht auf die Vorfälle. Anders als etwa von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA dargestellt, sind die Schätzungen zur Strahlungsemission viel zu niedrig angesetzt worden. Schon seit längerem wird kritisiert, dass die japanische Regierung das wahre Ausmaß der Katastrophe vor der Öffentlichkeit verschwiegen hat.

Fukushima heißt „Glücksinsel“; von Glück kann man mit Blick auf die Katastrophe indes nicht sprechen, vielleicht von Glück im Unglück.  Denn als die schwerste radioaktive Wolke über den Großraum Tokyo mit seinen 36 Millionen Einwohnern hinweg zog, hat es nicht geregnet.  Auch konnte durch umfassende Gegenmaßnahmen das Ausmaß der Krise eingedämmt werden. Nichtdestotrotz bleibt der Unfall ein Beleg dafür, dass im Grunde keine Technologie – und sei sie vorgeblich noch so sicher – zu einhundert Prozent gegen Naturgewalten geschützt ist. In Deutschland hat leider erst dieser traurige Vorfall manchem die Augen geöffnet und ein Umdenken ausgelöst.

Josephin Lehnert

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