Zwei Goldene und zwei Grüne Globes: Preisträgerin Cate Blanchett

Sie hat bereits vielen berühmten Frauen ihr Gesicht gegeben: Catherine „Cate“ Élise Blanchett, geboren am 14. Mai 1969 in Melbourne. Nach ihrer Titelrolle in dem Historienfilm Elizabeth (1998) stieg die australische Schauspielerin in den folgenden Jahren zu den führenden Charakterdarstellerinnen Hollywoods auf. Sie wurde mit über 70 internationalen Film- und Festivalpreisen geehrt, darunter einem Oscar für ihre Darstellung der Katharine Hepburn in Martin Scorseses Filmbiografie Aviator(2004) und zwei Golden Globes (Elizabeth, I’m Not There).

Seit 2010 sind noch zwei „Globes“ dazugekommen. Cate Blanchett und ihr Mann, Bühnenautor und Regisseur Andrew Upton, mit dem sie seit 1997 verheiratet ist, wurden für ihr Projekt „Greening the Wharf“ 2010 mit zwei Green Globe Awards geehrt – einen für Sustainability Excellence und einen für Community Sustainability.

Das alte Hafengebäude in Sydney, bekannt als „The Wharf“ (Die Werft) ist die Heimat der Sydney Theatre Company (STC), deren künstlerische Leitung das Paar 2008 übernommen hatte. Von Anfang an hatten die beiden nicht nur den Spielplan, sondern auch den Umbau des denkmalgeschützten Theatergebäudes im Auge. Mit dem Projekt „Greening the Wharf“ wollten sie ihre beiden großen Leidenschaften zusammenführen: Kunst und Klimaschutz. So wurde beispielsweise auf dem Dach des alten Gebäudes die zweitgrößte Photovoltaikanlage Australiens installiert. Der organische Abfall aus der Restaurantküche wird zu Energie und Dünger umgewandelt, der Restmüll für die Produktion von Biogas genutzt.

Um diese Ziele zu unterstützen, hatten private Spender sowie Partner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft knapp vier Millionen Euro in „Greening the Wharf“ investiert und es wurde unter anderem vom „Green Precincts Program“ (Grünes-Umfeld-Programm) der australischen Regierung unterstützt. Der "grüne" Umbau des Theaters hat dem Ehepaar auch Kritik eingebracht – einzelne Vertreter der Presse sahen schon Öko-Yuppies am Werk, und Cate Blanchett wurde namentlich der Heuchelei bezichtigt.


Unter Beschuss geriet die Inhaberin eines Sterns auf dem Walk of Fame in Hollywood auch, als sie in einem von Gewerkschaften und Umweltschutzgruppen finanzierten Fernsehspot auftrat, der für eine Steuer auf Kohle warbt. Darin wurden die Zuschauer aufgerufen, "Ja" zur von der Regierung geplanten Kohlesteuer zu sagen. Blanchett, Mutter von drei Söhnen, verteidigte ihr Engagement öffentlich: Sie unterstütze den Kampf gegen den Klimawandel im Interesse ihrer Kinder. Als Mutter könne sie die Konsequenzen des wachsenden CO2-Ausstoßes für die Gesellschaft nicht einfach so hinnehmen.

Bei ihrem Privathaus setzt die attraktive Australierin deshalb voll auf Solar. Zusätzlich hat die Schirmherrin der internationalen Nichtregierungsorganisation SolarAidZeitschaltuhren installiert, die sie vor Strom- und Wasserverschwendung bewahren sollen und für ihre Liebsten ein strenges Energiespar-Programm eingeführt.

Eine Herzensangelegenheit ist ihr das Engagement für die ‚Australian Conservation Foundation“ (ACF), eine Non-Profit-Organisation für nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz, die unter anderem für nachhaltige Landwirtschaft, Wälder- und Gewässerschutz, ökologische Energieerzeugung sowie Naturschutzgesetz- und Umweltschutzgesetzgebung kämpft. „Wir müssen gewährleisten, dass wir unseren Kindern ein gesundes Australien übergeben und die Möglichkeit ergreifen, eine saubere, grüne und sichere Umwelt zu erhalten“, sagte die 44-Jährige zu ihren Beweggründen, sich für diese Organisation zu engagieren.

Linda Fischer

Fragen zu Natur und Umwelt fesseln mich schon seit meiner Kindheit. Als „niederbayerisches Gewächs vom Lande“ trieb ich mich schon damals in Wald und Flur herum. Später weitete ich meinen Entdecker-Radius auch auf außerbayerische Landschaften aus und nahm dabei vor allem die Menschen und ihre Kultur ins Visier. Naheliegend also, dass ich mich auch für das CleanEnergy Project als „Gesellschaftsreporterin“ betätige und über Themen wie „Grüne Promis“ und nachhaltiges Reisen berichte.
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Mein persönlicher Jahresrückblick

Wie soll man als CleanEnergy Project-Autor das Jahr 2013 beschreiben? Mir fällt dazu nur ein Wort ein: spannend!

Spannend war die Tatsache, dass die Meldung über das kleine Königreich Bhutan im Himalaya, „ein Land wird hundertprozent biologisch“, in unserem Online-Magazin sehr viele Leser und Follower bei Facebook beschäftigt hat. Eindeutiges Indiz dafür, dass wir alle derartige positive Nachrichten beeindruckend und vielleicht sogar ein wenig inspirierend finden. Wer Inspiration für eine nachhaltige Lebensweise sucht, dürfte, wie in den Jahren vorher, keine Probleme gehabt haben. Immer mehr „grüne“ Unternehmen mit einer Menge guter Ideen „schießen“ hierzulande aus dem Boden.

Von der Unfähigkeit einer Verbraucherministerin alleingelassen, kämpfen sie beispielsweise gegen den immer größer werdenden Müllberg an. Brot vom Vortag als erfolgreiche Geschäftsidee. Wie auch immer. Bei allen Geschichten können wir uns als Verbraucher nicht aus der Verantwortung herausstehlen. Überall sind wir das entscheidende „vierte Rad am Wagen“. Das ist die Wahrheit – auch in diesem Jahr.

Vielleicht war deshalb die Motivation bei den Grünen so stark, einen Veggie-Day in Kantinen gesetzlich vorzuschreiben. Die ganze Kampagne glich einem politischen Selbstmord. So wichtig und sinnvoll es ist, den völlig perversen Fleischkonsum einzudämmen, aber nicht mit aufklärerischem Dilletantismus. Was bleibt, ist eine verlorene Wahl der grünen Partei – einziges Trostpflaster: eine breite Diskussion, die auch erstmalig an deutschen Stammtischen Einzug gehalten hat. Laborpferde, welche scheinbar in Kochtöpfen gelandet sind, bescheren uns noch rechtzeitig zum Fest einen neuen Lebensmittel-Skandal.

Das Jahr mit der „13“ am Ende, ist ein Jahr der Lückenfüller. Unsere Wissenslücken über Bangladesh wurden auf drastische Weise gefüllt. Bangladesh hat es geschafft, dem T-Shirt die Unschuld zu nehmen. Die Näherinnen in den Fabriken sind die Sklaven des 21. Jahrhunderts, die die westliche Gier nach saisonaler Mode stillen, mitunter sogar mit ihrem Leben bezahlen.

Textil, Energie, Nahrung – das Auftreten der mächtigen, alles fressenden Konzerne ist, wenn man es einmal durchschaut hat, immer dasselbe und wenn nicht, das größte Dilemma im Bereich „Soziales und Natur“. Der größten Gewinnmaximierung und der Dividende der Aktionäre geschuldet, scheren sich die meisten Unternehmen sehr wenig um Menschen- und Umweltschutz und Schonung der vorhandenen Ressourcen.

Auch dieses Jahr zockten die Deutsche Bank und die Allianz mit Nahrungsmitteln. Der Saatguthersteller Monsanto strebt mit verachtenden Mitteln die Weltherrschaft an, der Hunger nach Palmöl führt zu immer wilderen Rodungen in artgeschützten Regenwäldern, und Gazprom hat die Eroberung des letzten natürlichen Paradieses auf unserem Planeten in Angriff genommen.


2013 ist auch das Jahr der mutigen Menschen. Ohne sie wären wir alle ein bisschen naiver. Eine Verneigung vor all den Journalisten, Aktivisten und Wissenschaftlern. Sie haben uns immer wieder Bilder und Becquerelstände rund um die Unglücksgegend in Fukushima übermittelt. Recherchierten sich unermüdlich mit spürbaren persönlichen Beeinträchtigungen in die Machenschaften von Konzernen hinein. Der Begriff „Green Washing“ ist durch ihren Wissensdurst geboren worden.

Einen Kotau vor den Aktivisten von Greenpeace, die sich in der Arktis mit dem russischen Großkonzern Gazprom ein Scharmützel geliefert haben und dafür ins Gefängnis mussten. Schalke 04 und der Fußballkaiser Beckenbauer, die beide auf der Gehaltsliste des Energieriesen stehen, verhielten sich beschämend ruhig. Zum Jahresabschluss nicht mehr als ein Armutszeugnis.

Ein guter Wissenstand mit einer professionellen Vernetzung im Internet hat den ökologischen Wutbürger zu einer mächtigen Instanz heranwachsen lassen. Olympia in Bayern 2022 – der zur Wahl gebetene Bürger sagte „nein danke“. Die Bajuwaren schließen sich der Entscheidung der Schweizer Bürger im Frühjahr an. Ein ermutigendes Zeichen zum Ende eines Jahres. Rote Karte für skrupellose Machenschaften, Umweltfrevlertum und Nepotismus. Was bei den Verneinern und jedem umweltbewussten Beobachter des Bürgerentscheids in Bayern bleibt, ist ein gutes Gefühl, wenn man zu den Vorbereitungen nach Sotschi, dem Austragungsort für die Winterspiele 2014, blickt. Hier hat es ein einzelner Politiker geschafft, einen ganzen Landstrich zu vergewaltigen. Umweltpolitik international sowie national ist die große Enttäuschung in einem zu Ende gehenden Jahr. Eine Nullnummer die Weltklimakonferenz in Polen und eine von Taktiererei und von geschürten Ängsten geprägte Energiewende in Deutschland.

Die Kanzlerin muss sich nach ihrem energischen Eingreifen in Brüssel für CO2 – Grenzwerte für Pkws den Vorwurf der Bestechlichkeit gefallen lassen, nachdem die Quandts unmittelbar nach dem Kompromiss der CDU eine komfortable Spende überwiesen haben.

2013 geht mit einem Ringen zu Ende. In der einen Ecke befindet sich eine Gruppe von Menschen, die versuchen, noch alles mitzunehmen, solange es noch funktioniert. Große Geländewagen, gedankenloses Shoppen und Verleumden von klimatischen Veränderungen. In der anderen Ecke sind die Alltagsmacher, die nicht mehr auf politische Zeichen warten, Regionalität fördern, ihr vielversprechendes Aktienpaket überdenken und die ganz kleinen Dinge am Montag, Dienstag und Silvester 2013 überdenken.

Mein Vorsatz für das neue Jahr 2014: mich bei Letzteren einzureihen.

Florian Simon Eiler


Eigentlich habe ich TV-Journalismus studiert und mehrere Jahre als Fernsehredakteur gearbeitet. Doch dann habe ich den Sprung in den „grünen Journalismus“ gewagt. Seit Anfang 2013 arbeite ich als freier Autor für das CleanEnergy Project. Inzwischen bin ich auch nicht mehr traurig, die Fernsehkamera gegen die Computertastatur eingetauscht zu haben. Außerdem arbeite ich seit 2009 als freischaffender Künstler.
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Der grüne Blonde: Robert Redford

Er sieht aus wie einer der Naturburschen aus der Malboro-Werbung und zählt seit den späten 1960ern zu den bekanntesten Gesichtern Hollywoods. Doch Robert Redford, der Schauspieler mit dem ewig jungen Gesicht, steht der Filmwerkstatt seiner Heimat eher skeptisch gegenüber.

Schon lange bevor der Klimawandel für einige seiner Schauspiel-Kollegen „chic“ wurde, setzte sich der heute 77-Jährige für die Umwelt ein. Denn politisch ist Robert Redford ein kämpferischer Grüner. Seine Themen: saubere Luft und reines Wasser, Erhaltung der Landschaft und neue Wege der Energieerzeugung wie die Nutzung von Sonne, Wind oder Erdwärme.

In Eigenregie gründete der Oscar-Preisträger (als Regisseur für „Eine ganz normale Familie“) bereits in den frühen 80ern das "Institute for Resources Management", welches sich mit der Forschung und Entwicklung umweltschützender Maßnahmen beschäftigt und sich bemüht, einen Dialog zwischen Industrie und Umweltschutzorganisationen herzustellen.

Seit mehr als 30 Jahren ist der „grüne Blonde“ zudem im "National Resources Defense Council" (NRDC) im Einsatz. Ziel der NRDC ist die Erhaltung der natürlichen Umwelt. Mit mehreren Einzelprojekten sollen unter anderem die Zersiedelung, die Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Lebensräume von Tieren verhindert und Maßnahmen zur Abschwächung der globalen Erwärmung und die Nutzung von erneuerbaren Energien gefördert werden. Mit Hilfe von Lobbyisten macht die NRDC ihren Einfluss im US-Kongress und auch bei hohen Beamten geltend.


2001 engagierte sich Redford, der mit der deutschen Malerin Sibylle Szaggars verheiratet ist, bei einer Anti-Bush-Kampagne, die sich unter anderem gegen die verantwortungslose Klimapolitik des Präsidenten richtete. Veränderung komme von unten, predigt Redford. Nicht aus Washington. „Die dort ändern sich nicht."

Redfords jüngste „grüne“ Aktion 2013: Sein Einsatz gegen die umstrittene Versteigerung von 70 Masken der US-amerikanischen Hopi in Paris. Der Stamm, dem rund 18.000 Menschen angehören, forderte die Rückerstattung der Masken. Der Verkauf der Masken wäre ein "Sakrileg, ein krimineller Akt" erklärte der Schauspieler in einem Unterstützerschreiben, der sich selbst als "Freund der Hopi-Kultur" bezeichnet.

Doch damit nicht genug: In Redfords streng ökologisch bewirtschaftetem "Sundance Resort" in Utah können Gäste in Cottages die Natur hautnah ab 159 Dollar die Nacht erleben. Der Name erinnert an einen seiner größten Erfolgen: „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ mit Paul Newman und Robert Redford als sympathisches Gaunerduo.

Außerdem erwarb sich Robert Redford einen nationalen wie internationalen Ruf als Förderer unabhängiger amerikanischer Filmemacher. Für seine Leistungen als Schauspieler und Regisseur sowie für sein Engagement um den unabhängigen Film wurde er 2002 mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Linda Fischer

Fragen zu Natur und Umwelt fesseln mich schon seit meiner Kindheit. Als „niederbayerisches Gewächs vom Lande“ trieb ich mich schon damals in Wald und Flur herum. Später weitete ich meinen Entdecker-Radius auch auf außerbayerische Landschaften aus und nahm dabei vor allem die Menschen und ihre Kultur ins Visier. Naheliegend also, dass ich mich auch für das CleanEnergy Project als „Gesellschaftsreporterin“ betätige und über Themen wie „Grüne Promis“ und nachhaltiges Reisen berichte.
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Eine Welt ohne Müll

Ecodesign steht hoch im Kurs. Neben den Kosten, der Funktionalität und Ästhetik rückt für Designer und Architekten auch immer mehr der Faktor Nachhaltigkeit in den Fokus ihrer Produktgestaltung. Meist geht es dabei darum, den Ressourceneinsatz sowie potenzielle negative Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten. Dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough reicht das jedoch nicht aus. Sie fordern, Produkte so herzustellen, dass sie in keinster Weise eine schädliche Auswirkung auf die Natur und den Menschen haben.

„Cradle to Cradle“ (von der Wiege zu Wiege) nennen Braungart und McDonough die von ihnen proklamierte Strategie, bei der es darum geht, sämtliche Materialien in geschlossenen biologischen oder technischen Kreisläufen zirkulieren zu lassen, sodass kein unnützer Abfall, sondern nur noch nützliche Rohstoffe entstehen.

Biologischer Kreislauf

In den biologischen Kreislauf gehören solche Produkte beziehungsweise Produktteile, die vollständig kompostierbar sind. Dazu zählen beispielsweise Reinigungsmittel, Verpackungen (wie Shampoo-Flaschen, Joghurtbecher und Getränkekartons), Zeitschriften, Schuhe und Kleidung aus nachwachsenden Rohstoffen. In den Produkten dürfen natürlich keine giftigen Stoffe enthalten sein, beziehungsweise solche, die nach dem Gebrauch nicht in kurzer Zeit auf natürliche Art und Weise vollständig zersetzt werden. Auf diese Art und Weise sollen Ge- und Verbrauchsgüter zu biologischen Nährstoffen werden, die die Umwelt nicht nur nicht schädigen, sondern sich sogar positiv auf die Gesundheit der Ökosysteme auswirken.

Technischer Kreislauf

Den technischen Kreislauf durchlaufen Produkte und Materialien, die zwar biologisch nicht unbedingt abbaubar sind, dafür aber nach ihrem Gebrauch der Industrie wieder als „Nährstoff“ zur Verfügung stehen. So kann zum Beispiel ein robustes Fernsehergehäuse dauerhaft als Fernsehergehäuse zirkulieren – oder sogar zu einem Autoteil oder medizinischen Gerät upcycled (das heißt zu einem höherwertigen Produkt verarbeitet) werden. Denn Voraussetzung ist, dass das Material immer wieder verwendet werden kann und dabei nicht an Qualität verliert.

Damit technische Kreisläufe reibungslos funktionieren, plädieren Braungart und McDonough dafür, dass Produkte mit technischen Kreislauf-Komponenten vom Konsumenten lediglich genutzt werden, aber im Eigentum des Herstellers bleiben. Auf diese Weise sind die Hersteller dazu angehalten, langlebige Produkte zu produzieren, und diese nach Gebrauch wieder vollständig zurückzunehmen und zu recyceln. Beispiele solcher Gebrauchsgüter sind Autos, Computer und Fernseher, aber auch Fenster, Nylon-Teppiche und Plastikgeschirr.

Effektivität statt Effizienz

Braungart und McDonough sprechen im Zusammenhang mit Cradle to Cradle auch gerne von Ökoeffektivität. Während Ökoeffizienz in ihren Augen lediglich dazu beiträgt, schädliche Produkte weniger schädlich zu machen („Perfektionierung des Falschen“), sorgt Ökoeffektivität (auch Konsistenz genannt) dafür, dass nur noch gesunde, unbedenkliche Materialien im Einsatz sind.

Ihre Botschaft lautet dabei: Mit den richtigen Produkten sind dem Konsum keine Grenzen gesetzt. Der Einsatz umweltfreundlicher, erneuerbarer Energie macht Stromsparen nahezu hinfällig. Und dadurch, dass sämtliche Rohstoffe wieder in geschlossene Kreisläufe zurückfließen, muss keiner mehr aus Umweltschutzgründen auf irgendwelche Konsumgüter verzichten (Suffizienz). Vor allem in den vom Überfluss geprägten Vereinigten Staaten von Amerika findet die Cradle to Cradle-Philosophie daher großen Anklang.


Bereits verschiedene Cradle to Cradle-Produkte auf dem Markt

Dass die Herstellung ökoeffektiver Produkte keine Utopie ist, beweisen mehrere hundert Artikel auf der Welt, die nach Cradle to Cradle-Kriterien entwickelt wurden. So sind auf dem Markt bereits kompostierbare T-Shirts und Schuhe, essbare Sitzbezüge sowie nahezu vollständig recycelbare Bürostühle und Kinderwägen erhältlich.

Zertifiziert werden die Produkte von der von Braungart 1987 gegründeten Environmental Protection Encouragement Agency (EPEA Internationale Umweltforschung GmbH), die den Unternehmen auch beratend zur Seite steht. Ob ein Hersteller von Cradle to Cradle-Produkten sein Angebot jedoch zertifizieren lässt, bleibt ihm natürlich selbst überlassen. Keine Zertifizierung bedeutet also nicht zwangsläufig, dass ein Produkt nicht den Anforderungen entspricht.

Fazit

Die Idee, in einer Cradle to Cradle-Welt zu leben, ist sehr verführerisch. Sauberes Wasser, saubere Luft, gesunder Boden – wer wünscht sich das nicht? Die Industrie sollte daher alles daran setzen, dass Cradle to Cradle-Produkte Standard werden.

Doch Ökoeffektivität (Konsistenz) kann nicht die alleinige Lösung sein. Denn wie sähe beispielsweise eine Welt aus, auf der zwar zu 100-Prozent Ökostrom genutzt wird, dieser aber aus ineffizienten Erneuerbare-Energien-Anlagen kommt (Effizienz)? Und ist grenzenloser Konsum wirklich erstrebenswert oder kann Genügsamkeit (Suffizienz) nicht auch bereichernd sein?

Ziel sollte daher ein Zusammenspiel aus Konsistenz, Effizienz und Suffizienz sein – nur so lässt sich eine nachhaltige Zukunft gestalten.

Büchertipps

Wer sich näher in das Thema „Cradle to Cradle“ einlesen möchte, dem empfehlen wir folgende Bücher:

Titel Braungart Upcycle fb cba38e55fd 7dfa8d736eIntelligente Verschwendung – The Upcycle: Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft

„Intelligente Verschwendung“ ist das aktuellste Buch von Michael Braungart und William McDonough. Im Fokus steht nicht nur das kluge Design einzelner Produkte, sondern die Formulierung eines neuen Gesellschaftsentwurfes auf Basis der Cradle to Cradle-Prinzipien: Wie baut man ein Haus, wie schafft man einen Arbeitsplatz, wie entwirft man eine Industrie oder sogar eine ganze Stadt?

Das Buch ist 2013 imoekom verlag erschienen und ist für 17,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Cradle to Cradle – Einfach intelligent produzieren

PiperIn „Einfach intelligent produzieren“ stellen Michael Braungart und William McDonough eine provozierende These auf: Wir sollten nicht weniger verbrauchen, sondern mehr, nicht „weniger schlecht“ produzieren, sondern einfach intelligent: in technischen und biologischen Kreisläufen. Zukünftig soll es nur noch zwei Arten von Produkten geben, nämlich Verbrauchsgüter, die wir bedenkenlos wegwerfen können, da sie biologisch abbaubar sind, und Gebrauchsgüter, die sich ohne Qualitätsverluste – also anders als bei bisherigen Recyclingverfahren – endlos wieder verwerten lassen. Die Natur ist dabei unser Vorbild.

„Cradle to Cradle – Einfach intelligent produzieren“ ist 2003 imBerliner Taschenbuch Verlag erschienen. Im Januar 2014 kommt eine Neuauflage des Bestsellers über denPiper Verlag in den Buchhandel (9,99 Euro).

Gregory von Aben 4a054e0a1bb30Gemacht für die Zukunft – Kreislaufwirtschaft in der Unternehmenspraxis

Stipendiaten der Stiftung der Deutschen Wirtschaft untersuchen in „Gemacht für die Zukunft“ Unternehmen, die sich bereits heute einer neuen Nachhaltigkeitsidee verschrieben haben: der Umsetzung des Kreislaufgedankens in intelligenten Produktionssystemen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: biologisch abbaubares Kunststoffgeschirr, umweltfreundliche Autowaschmittel und biologisch abbaubare Textilien.

Gemacht für die Zukunft ist 2008 imMurmann Verlag erschienen und ist für 15,00 Euro im Buchhandel erhältlich. Das Buch besteht aus umweltsicheren, wieder verwertbaren Materialien und ist technisch beziehungsweise auf natürliche Weise recycelbar.

 

Strom in den Wechseljahren

Eigentlich ist Deutschland ein Land der Wechsler. In der sehnlichst erwarteten Urlaubszeit reist der Germane zum nächsten Bettenwechsel. Wechselt vorher seine alte Karre mit dem komfortablen Gefährt seiner Schwiegereltern. Vollzieht in adrenalinsteigernder Dynamik Spurwechsel. Verpennt beziehungsweise verwechselt die richtige Ausfahrt, weil ihm das Verkehrsschild „Wildwechsel“ die Sicht versperrt hat.

In Rimini geht´s dann weiter mit Luftwechsel, hie und da ein versteckter Partnerwechsel und mehrmals tägliche Kleiderwechsel. Apropos Kleider. Wissen Sie, wie oft der Deutsche seine Socken wechselt? 78 Prozent der Männer wechseln täglich ihre Strümpfe. Nicht zu verwechseln mit den Schweizern und Franzosen, die mehrere Tage ihre Fußbekleidung nutzen. Dass Frauen wesentlich wechselfreudiger sind, egal welcher Nationalität, versteht sich von selbst. Europäische Frauen ziehen sich quasi zum Verwechseln ähnlich an.

Zurück über den Rhein. Der medienträchtigste Wechsel dieser Tage ist der Stromanbieterwechsel. Doch noch immer rümpft der geordnete, an alten Gepflogenheiten haftende Bundesbürger bei dem Gedanken an das Wechsel-Prozedere die Nase wie beim Ankurbeln seines heruntergefahrenen Fettstoffwechsels. „Weil wir unseren Strom schon immer bei Eon bekommen haben, bleiben wir auch dabei!“, so die Argumentation. „Nicht, dass wir plötzlich im Dunkeln stehen!“


Den Zahnputzbecher mit dem Bierglas verwechseln. Beim Strom, bei der Biersorte und bei der Versicherung schrumpft die Wechselbegeisterung hierzulande auf die Größe eines iphones. Tja, dieses Teil ist der wahre Wechsel-Primus. Nach zwei Jahren holt sich gefühlt jeder wischende, schwarz-rot-goldene Nerd das neueste Gerät. Beim Strom wäre es genauso einfach. Mit der alten Rechnung und ein paar Klicks in die Vergleichsportale reiht man sich ein in die knapp zwei Millionen Kunden, die zwischen November 2012 und Januar 2013 ihren Stromanbieter gewechselt haben.

Die Zeitschrift „Finanztest“ hat errechnet, dass ein Haushalt durch die Wechslerei locker über 300 Euro im Jahr sparen kann. Als hipper Deutscher kann man dabei nur sagen: „Wechseln ist geil!“ Der Wettbewerb bei den Stromanbietern nimmt zu, und wenn das, was aus der Steckdose kommt, auch noch nachhaltig ist, sprich CO2– neutral aus erneuerbaren Energien, dann ist man der geilste Wechsler zwischen Sylt und dem Watzmann.

Ob der anstehende Regierungswechsel das alles verkraftet oder ein Stimmungswechsel ansteht, wird der Stromrechner zeigen.

Florian Simon Eiler


Eigentlich habe ich TV-Journalismus studiert und mehrere Jahre als Fernsehredakteur gearbeitet. Doch dann habe ich den Sprung in den „grünen Journalismus“ gewagt. Seit Anfang 2013 arbeite ich als freier Autor für das CleanEnergy Project. Inzwischen bin ich auch nicht mehr traurig, die Fernsehkamera gegen die Computertastatur eingetauscht zu haben. Außerdem arbeite ich seit 2009 als freischaffender Künstler.
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Umwelt-Aktivist mit Sprechproblem: Colin Firth

Mark Darcy im Rentierpulli – und nicht nur „Schokolade zum Frühstück“-Titelheldin Bridget Jones war dahin. Die Filmkritiker honorierten seine „Stotterer-Leistung“ in „The King’s speech“ mit einem Oscar. Colin Firth. Der Brite ist ein außergewöhnlicher Schauspieler und ein mindestens genauso außergewöhnlicher Mann.

Seit Jahren engagiert sich der 53-Jährige für die Menschenrechtsorganisation „Survial International“ und setzt sich für die Rechte von indigenen Völkern ein. 2009 verfasste er für die Organisation einen Beitrag in dem Buch „We Are One“. Zudem unterstützt der Oscar-Preisträger die Kampagne der Aktivisten für die Awá, ein bedrohtes Volk im brasilianischen Amazonasgebiet. 2012 gab er den Startschuss zur Rettung des „bedrohtesten Volkes der Welt“. Herzstück ist ein Videoclip über die Awá mit einem Appell von Colin Firth und Musik des Grammy-Gewinners Heitor Pereira.

Seit 2002 ist Firth außerdem Botschafter der Entwicklungshilfsorganisation „Oxfam“. Als einer der Hauptunterstützer der Oxfam-Kampagne „Make Trade Fair“ kämpft er für die Gleichberechtigung von Farmern in Entwicklungsländern, die durch unfaire Handelsregeln benachteiligt werden.

Firth ist Teilhaber der Fair Trade-Kaffeekette Progreso in London, wo er auch schon hinter dem Tresen stand und von Eco-Age, einem Geschäft für nachhaltige Mode in Chiswick, das von seinem Schwager Nicola Guggioli und seiner Frau Livia Firth betrieben wird.

2007 wurde dem Briten aufgrund seiner Bemühungen an der Universität von Winchester die Ehrendoktorwürde verliehen.

Florian Simon Eiler


Eigentlich habe ich TV-Journalismus studiert und mehrere Jahre als Fernsehredakteur gearbeitet. Doch dann habe ich den Sprung in den „grünen Journalismus“ gewagt. Seit Anfang 2013 arbeite ich als freier Autor für das CleanEnergy Project. Inzwischen bin ich auch nicht mehr traurig, die Fernsehkamera gegen die Computertastatur eingetauscht zu haben. Außerdem arbeite ich seit 2009 als freischaffender Künstler.
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Umweltfreundliche Materialien und Produkte für den Alltag

Fast alle Produkte unseres täglichen Lebens belasten in irgendeiner Form die Umwelt. Doch das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung wächst und gibt immer mehr Designern Anlass, nachhaltige Produkte zu kreieren.

Es gibt Produkte, die schädigen die Umwelt vor allem während ihrer Produktion. Bei der Gewinnung von Gold für Schmuck werden beispielsweise Unmengen an giftigen Chemikalien eingesetzt – insbesondere Zyanid, das das Gold aus dem Gestein löst. Ganze Landstriche werden dadurch verseucht.

Bei einigen Produkten schlägt wiederum die Nutzungsphase stark zu Buche. Hierzu gehören neben Geräten oder Fahrzeugen, die mit fossilen Energien betrieben werden, auch zum Beispiel Farben, Lacke sowie Werkstoffe, die toxische Verbindungen freisetzen.

Andere Produkte belasten die Umwelt dagegen insbesondere bei ihrer Entsorgung. Hierzu zählen unter anderem ausgediente Akkus, Batterien oder Kompaktleuchtstofflampen die Quecksilber enthalten.

Ökologische Alternativen

Für gewöhnlich gibt es aber für jedes Problem eine Lösung – beziehungsweise für jedes Produkt eine Alternative.

„Nachhaltiges Design“, auch „Green Design“, „Ecodesign“, „Sustainable Design“ oder „Ökologisches Design“ genannt, beschäftigt sich mit der nachhaltigen Gestaltung von Produkten. Insbesondere geht es dabei darum, mit einem möglichst geringen „Einsatz der verfügbaren Ressourcen einen möglichst großen Nutzen für alle beteiligten Akteure (entlang der Wertschöpfungskette) bei minimaler Umweltbelastung und unter sozial fairen Bedingungen zu erreichen“. Die Anforderungen an Produkte sollten sich also nicht ausschließlich auf die Funktionalität und Ästhetik beschränken, sondern auch ökologische und soziale Ansprüche mit einschließen.

bigstock-vector-recycle-symbol-16956233Nachhaltige Ansätze

Zu den verschiedenen Ansatzpunkten, wie Produkte nachhaltiger gestaltet werden können, gehören zum Beispiel:
- das Ersetzen von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffen durch alternative Stoffe (so haben beispielsweise Forscher herausgefunden, dass man Gold nicht weniger effektiv aber dafür umweltfreundlich mit Alpha-Cyclodextrin, ein auf Art Maisstärke basierter Zucker, gewinnen kann),
- der Einsatz erneuerbarer Ressourcen,
- der Einsatz biologisch abbaubarer Materialien,
- die Rezyklierbarkeit der eingesetzten Materialien,
- Langlebigkeit und zeitlose Gestaltung,
- Modularität (einzelne Bauteile, die sich unterschiedlich zusammenbauen lassen),
- Multifunktionalität,
- Reparaturfähigkeit und Wartungsfreundlichkeit.


Büchertipps

Interessante Beispiele für nachhaltige Produkte gibt es viele: Taschen aus Airbags, ökologisch korrekte Jeans, Fahrräder aus Recyclingkarton sowie Garn aus Milch. Wer sich näher in das Thema „Ökologisches Design“ einlesen möchte, dem empfehlen wir folgende Bücher:

Ecodesign – Umweltfreundliches für den Alltag

Die beiden Ökodesignerinnen Silvia Barbero und Brunella Cozzo bieten in ihrem gemeinsamen Buch „Ecodesign – Umweltfreundliches für Cover Ecodesign-kleinden Alltag“ einen umfassenden Überblick über Objekte und Projekte, die für grüne Ästhetik und nachhaltigen Lifestyle stehen und Design, Innovation und den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen phantasievoll vereinen. Auf über 350 Seiten werden mit vielen bunten Bildern und Kurztexten sowohl in englischer, deutscher als auch französischer Sprache originelle Ideen aus den Bereichen Haushaltsgeräte, Möbel, Licht & Energie, Transport, Bekleidung & Accessoires, Spielzeug, Verpackung und Grafikdesign vorgestellt.

Das Buch ist 2012 in der h.f.ullmann publishing GmbH erschienen und ist für 14,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Green Design 3DGreen Design

In seinem Werk „Green Design“ präsentiert Dorian Lucas anhand von Bildern und Erläuterungen, abgerundet durch kapiteleinleitende Essays, die interessantesten „grünen“ Produktideen aus den Kategorien Energy, Fashion, Home, Light, Public und Work. Insgesamt werden rund 100 Produkte vorgestellt, die sowohl Nachhaltigkeit thematisieren als auch hohe Ansprüche an das Design stellen: Von umweltfreundlichen Autos über essbare Trinkbehälter, kultige Taschen aus japanischem Zedernholz bis hin zu Rollkoffern aus umrangierten Kanistern sind der grünen Phantasie keine Grenzen gesetzt.

„Green Design“ erschien 2011 in der Braun Publishing AG und ist für 29,90 Euro über den Buchhandel zu beziehen. Das Buch ist in englischer Sprache verfasst.

Materialrevolution 2

MaterialrevolutionSascha Peters bietet mit seinem Buch „Materialrevolution 2“ einen aktuellen Überblick über am Markt erhältliche nachhaltige Materialien. Nach dem großen Erfolg von „Materialrevolution“ hat der Autor einen zweiten Band verfasst, der die rasante Entwicklung der Materialforschung berücksichtigt und neue Werkstoffe vorstellt, die seit Erscheinen des ersten Bandes 2011 auf den Markt gekommen sind. Das Buch richtet sich in erster Linie an Designer beziehungsweise Architekten selbst. Denn ihr Interesse am Wissen um die Nachhaltigkeit der neuen Materialien ist nach wie vor ungebrochen. Ein eigenes Kapitel informiert deshalb über Kriterien und Faktoren für nachhaltiges Produktdesign sowie über innovative Projekte, in denen Designer und Architekten mit neuen Werkstoffen und Technologien gearbeitet haben.

„Materialrevolution 2“ erscheint im Januar 2014 in der Birkhäuser Verlag GmbH und ist für 89,95 Euro im Buchhandel erhältlich.

Corinna Lang

Vom passiven Konsumenten zum nachhaltigen Unternehmer

Ob Ökostrom-Tarife oder Car-Sharing: Zahlreiche nachhaltige Produkte und Dienstleistungen wurden zunächst von engagierten Start-ups angeboten. Mehr denn je werden Konsumenten zu Unternehmern, weil sie auf sozial-ökologische Probleme reagieren wollen. Welche Motive sie haben, wie sie die Gründung bewerkstelligen und ob sie Erfolg haben, ist weitgehend unerforscht. Koordiniert an der Technischen Universität München (TUM) untersuchen nun 14 europäische Forschungseinrichtungen, welches Potenzial hier für eine nachhaltige Wirtschaft schlummert – und wie etablierte Firmen Nutzer bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte einbeziehen. Das Projekt wird mit 4,7 Millionen Euro von der EU gefördert.

Täglich werden Tonnen von Nahrungsmitteln weggeworfen, manchmal nur weil Obst und Gemüse nicht schön aussehen. Das wollten einige Konsumenten nicht länger mitmachen – und gründeten ein Unternehmen, das Übriggebliebenes zu Marmeladen und Chutneys verarbeitet. Andere Nutzer gründeten die ersten Car-Sharing-Organisationen oder vertreiben nachhaltig produzierte Textilien.

„Diese Menschen setzen nicht auf die Politik oder NGOs, um einen ökologischen oder sozialen Missstand zu beheben. Sie wollen selbst etwas tun – und gehen das Problem unternehmerisch an“, sagt Prof. Frank-Martin Belz, Inhaber der Professur für unternehmerische Nachhaltigkeit der TUM. „Andere sehen den immer größer werdenden Wunsch nach Nachhaltigkeit und stoßen bewusst in die noch bestehenden Marktlücken.“

Auch etablierte Unternehmen wollen von den Ideen für einen nachhaltigen Lebensstil profitieren. In offenen Innovationsprozessen beziehen sie Nutzer bei der Entwicklung neuer Produkte ein: Lebensmittelunternehmen veranstalten Ideenwettbewerbe, Autoproduzenten beteiligen sich an Netz-Communities, in denen neue Ansätze für Elektroautos diskutiert werden. „Viele Konsumenten haben ja nicht nur Erfahrung als Nutzer eines Produktes, sondern auch großes technisches Wissen“, sagt Belz.

Mit 3D-Druckern zu Hause Prototypen bauen

Durch neue Technologien wie den 3D-Drucker könnten die Möglichkeiten weiter wachsen, Produkte selbst oder in Zusammenarbeit mit Unternehmen zu gestalten. „Damit kann bald jedermann zu Hause einen Prototypen herstellen“, sagt Belz. „Wir sehen hier ein riesiges kreatives, unternehmerisches Potenzial bei der Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft.“

Wie aber kann dieses Potenzial ausgeschöpft werden? Das untersuchen nun rund 40 Wissenschaftler aus 14 europäischen Forschungseinrichtungen mit Fallstudien, Umfragen und Datenbankauswertungen im EU-geförderten Großprojekt „Sustainable Lifestyles 2.0: End User Integration, Innovation and Entrepreneurship (EU-InnovatE)“. Mehr als 50 Unternehmen in 15 europäischen Ländern werden die Wissenschaftler unter die Lupe nehmen. Dabei konzentrieren sie sich auf die Branchen Lebensmittel, Bau / Wohnen, Mobilität und Energie.


Zum einen werden die Forscher Start-ups analysieren, die nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Woraus ziehen die Gründer ihre Motivation? Wie war ihr Weg von der Idee bis zur Gründung? Wie finanzieren sie sich? Unter welchen Bedingungen können sie sich am Markt behaupten? Behindert die Politik offene Innovationsprozesse?

Zum anderen werden die Wissenschaftler die Nutzerintegration in mittelständischen und großen Unternehmen untersuchen: Warum beziehen die Firmen welche Konsumenten ein? Mit welchen Instrumenten und zu welchen Fragen? Wie organisieren und finanzieren die Unternehmen diese Prozesse? Was sind die Faktoren für Erfolg und Scheitern?

Neben Wirtschaftswissenschaftlern und Soziologen sind auch Politologen, Historiker und Philosophen an dem Projekt beteiligt. Diese untersuchen, wie die nationale und die EU-Politik sozial-ökologisch motivierte Gründungen und offene Innovationsprozesse fördern oder behindern. Zudem betrachten sie, welche Rolle Konsumenten in den vergangenen 100 Jahren gespielt haben.

Ebenso wie die von ihnen untersuchten Unternehmen wollen die Wissenschaftler Nutzer integrieren: Ihre Erkenntnisse wollen sie in Workshops an unternehmerisch interessierte Konsumenten sowie an Firmen weitergeben.

Technische Universitaät München

„Paketspende“ mit „FairWertung“

Die Deutsche Kleiderstiftung startet passend zu Weihnachten die „Paketspende“: Gut erhaltene gebrauchte Kleidung sowie Schuhe können ab sofort in großen Kartons mit einem selbst ausgedruckten Versandaufkleber kostenfrei verschickt werden. Die „Paketspende“ ist die erste Versandspende, die mit dem Siegel „FairWertung“ ausgezeichnet ist. Dieses beschreibt die ethischen Standards des gemeinnützigen, nachvollziehbaren und umweltschonenden Umgangs mit gebrauchter Kleidung. Die „Paketspende“ ermöglicht es, die Versorgung bedürftiger Familien mit Kleidung und Schuhen komfortabel zu unterstützen. 

„Unsere ‚Paketspende‘ ist eine komfortable Art gebrauchte Kleidung für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden“, sagt Ulrich Müller, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Kleiderstiftung. Der kostenfreie Versand ist für die Spender leicht zu organisieren; es muss kein fester Sammeltermin im Ort eingehalten werden und das Vorgehen ist vielen Konsumenten vom Online-Shopping bekannt, führt Müller weiter aus. Die Deutsche Kleiderstiftung bittet darum, möglichst große Kartons zu packen. „Kleine Pakete haben den Nachteil, dass das Porto im Vergleich zu hoch ist“, erklärt Müller. Wenn man alleine nicht genug gebrauchte Kleidung und Schuhe für einen großen Karton hat, würde es sich anbieten, gemeinsam mit Verwandten, Freunden und Nachbarn die „Paketspende“ zu verschicken. „Es ist überraschend, wie schnell gemeinsam zehn oder 15 Kilo gesammelt werden können“, berichtet er weiter.

Die Idee der „Paketspende“ hätte Müller gehabt, als er an einem Samstag die Menschen am Postschalter beobachtet habe. Fast alle hatten Pakete von Online-Händlern unter dem Arm und schickten scheinbar Waren zurück. „Mit ‚Paketspende‘ beginnt Helfen im nächsten Paketshop“, erklärt Müller. Das Prozedere, Versandschein ausdrucken und Paket zur Post bringen, würden viele Menschen jede Woche praktizieren.


Die Kartons mit den Kleider- und Schuhspenden kommen mit der „Paketspende“ direkt bei der Deutschen Kleiderstiftung in Helmstedt an. Dort werden die Spenden, ebenso die der lokalen Sammelstellen, nach 16 Warengruppen und vier Qualitätsstufen sortiert. Auf diese Weise können Kleiderkammern und soziale Einrichtungen im In- und Ausland passend zu ihrem individuellen Bedarf kostenlos Kleidung und Schuhe ordern. Nicht mehr geeignete Stücke werden zur Finanzierung von Hilfsprojekten verkauft. Dabei werden die ethischen Standards von „FairWertung“ eingehalten. Diese enthalten externe Kontrollen, die fachgerechte Entsorgung von Textilresten sowie die Einholung von Sammelgenehmigungen.

Der Paketaufkleber kann unter www.kleiderstiftung.de  heruntergeladen werden.

Die Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg mit Sitz in Helmstedt sammelt in ganz Deutschland gebrauchte und neue Kleidung sowie Schuhe. Die guterhaltene und sortierte Ware wird an Bedürftige in Deutschland, Europa und Übersee verteilt. Mehr als 30 hauptamtliche Mitarbeiter und 2.500 Kirchengemeinden, diakonische Einrichtungen  sowie gemeinnützige Organisationen sammeln vor Ort Kleidung und Schuhe. Die Fahrzeuge der Deutschen Kleiderstiftung holen die gesammelte Ware ab. Wöchentlich werden mehr als 60.000 Kilogramm Textilien und Schuhe transportiert.

Die Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg ist Mitglied bei FairWertung e.V. und somit der Einhaltung ethischer Standards im Umgang mit gebrauchten Textilien verpflichtet. Durch Geldspenden und den Verkauf der Waren, die nicht verteilt werden können, finanziert sie sich. Gegründet wurde die Deutsche Kleiderstiftung Spangenberg 2012 vom Spangenberg-Sozial-Werk e.V.

Deutsche Kleiderstiftung