Solar-Bonsai für Gadgets

Der französische Designer Vivien Muller hat sich von der Natur inspirieren lassen und einen Solar-Bonsai namens Electree entwickelt. Denkt man an die natürliche Photosynthese, ist das eigentlich eine recht nahe liegende Idee und eine gute noch dazu. Dort, wo bei „normalen“ Bäumen die Blätter sind, hat der Electree Bonsai kleine Solarmodule und diese laden einen integrierten Akku, der dann wiederum elektronische Gadgets wie Handys oder MP3-Player mit Strom versorgen kann.

Der optisch sehr ansprechende Solarbaum besteht aus einzelnen Modulen, die von den Besitzern auf unzählige verschiedene Möglichkeiten zusammen gesetzt werden können. So ergeben sich optisch ganz individuelle Electrees nach dem eigenen Geschmack. Mit 27 Solarmodulen ausgestattet, erreicht der Ladebaum dabei eine ungefähre Höhe von 40 Zentimetern.

Der im Baum integrierte Akku hat eine Kapazität von 13.500 Milliamperestunden und ist nach etwa 36 Sonnenstunden voll aufgeladen. Der Ladevorgang von mobilen Elektrogeräten erfolgt dann über einen USB-Anschluss. Da der Electree möglichst viel (Sonnen-)Licht abbekommen sollte, ist es ratsam ihn zum Beinspiel direkt am Fenster aufzustellen. Dort kann er sich dann – vielleicht ja zwischen natürlichen Pflanzenkollegen – voll und ganz der emissionsfreien Solarstromproduktion widmen.

Leider ist der Electree noch nicht auf dem Markt erhältlich und es wird gerade nach Partnern für Produktion und Vertrieb der ersten 1.000 Stück gesucht. Auf der Crowdfunding Webseite Ulele läuft bis 15. Oktober auch eine Art Vorverkauf, welche die Herstellung von ersten 400 Stück finanzieren soll. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass bis zu diesem Datum mindestens ebenso viele zahlungskräftige Interessenten für je einen Solar-Bonsai gefunden werden, der stolze 299 Euro kostet. Die ersten 100 Kunden hat Vivien Muller für seinen Electree schon gewonnen und bis zum Ende der Aktion sind ja noch ein paar Tage, aber das wird wohl ziemlich knapp werden.

Eine andere und ebenfalls unkonventionelle Erfindung, die Gadgets mit der Hilfe von Solarstrom aufladen kann, ist die von uns bereits vorgestellte Solarstrom-Steckdose IllumiCharger von Ryan Hess.

Matthias Schaffer

Drei Energie-Messen auf einen Blick

Auch in diesem Herbst gibt es wieder einige erwähnens- und besuchenswerte Messen rund um das Thema Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Über eine Auswahl dieser wollen wir hier einen kleinen Überblick verschaffen.

Vom 27. bis 28. September findet in Kassel nunmehr zum dritten Mal der Kongress 100 % Erneuerbare-Energie-Regionen statt. Erwartet werden 750 Teilnehmer aus Kommunen, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Veranstaltung dient in erster Linie der Präsentation der Projektergebnisse der „100 % Erneuerbare-Energie-Regionen“. Dieses Projekt will Regionen und Kommunen identifizieren, begleiten und vernetzen, deren Ziel es ist, ihre Energieversorgung langfristig vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Durch das Projekt werden vor allem Akteure in den 100ee-Regionendurch Kommunikations-, Transfer- und Vernetzungsleistungen unterstützt. Der Kongress hat sich als Plattform für den persönlichen Erfahrungsaustausch bewährt. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Instrumente für einen erfolgreichen Strukturwandel vor Ort“.

In zwölf Foren werden Handlungsoptionen für Entscheider aufgezeigt und diskutiert, unter anderem für die Bereiche Stadt- und Regionalwerke, Speicher, E-Mobilität und effiziente Wärme- und Kälteversorgung. Auf der Ausstellung „Erneuerbare Unterwegs“ zeigen Hersteller und Händler Neuigkeiten rund um Elektromobilität und bieten Probefahrten an. Good-Practice-Beispiele werden ebenso geboten wie eine Vermittlung zwischen Kommunen und Unternehmen.

Vom 30. September bis 2. Oktober findet die Clean Tech Worldauf dem Gelände des Flughafens Tempelhof in Berlin statt. Unter dem Motto erforschen, erfahren, erleben werden auf einer Fläche von rund 300.000 Quadratmetern intelligente Lösungen für die Zukunft der Energieversorgung gezeigt: innovative Mobilitätskonzepte, smarte Energiegewinnung und -verteilung oder energetisch effiziente Gebäudestrukturen. Präsentiert werden auch Zwischenergebnisse des Maßnahmenplans Elektromobilität Berlin. Während der Publikumstage sind in den historischen Hangars des Flughafens neue Mobilitätssysteme, modernste Entwicklung und die Umsetzung intelligenter Energie- und Mobilitätsstrukturen zu sehen. Zudem gibt es den speziell auf den Nachwuchs zugeschnittenen ‚Talent Day‘, bei dem sich Bildungseinrichtungen und Unternehmen treffen und die Karrierechancen von morgen präsentieren.

Vom 5. bis 6. Oktober 2011 findet außerdem in Frankfurt am Main die 4. EnergieEffizienz-Messestatt. Vertreter aus Wirtschaft und Kommunen kommen hier zusammen, um sich über Effizienz-Maßnahmen in den Bereichen Energie, Ressourcen und Material zu informieren. Besuchern soll geldwertes Energieeinsparungspotenzial innerhalb von Unternehmen und Gebäuden aufgezeigt werden, wobei Zielgruppen kleinere und mittlere Unternehmen sind. Über 1.500 Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Kommunen werder zu Messe erwartet. An Messeständen und im Kongress stellen rund 300 Experten aktuelle Lösungen und Trends vor. Das Kälte-Klima-Effizienz-Forum will etwa über Möglichkeiten informieren, mittels geeigneter Wärme- und Kältesysteme in Büros, Supermärkten oder Hotels bis zu 35 Prozent Energie einzusparen. Während des Energie-Management-Forums werden rechtliche Rahmenbedingungen, Zertifizierungsmöglichkeiten und Best-Practice-Beispiele für Entscheidungsträger, Qualitäts- und Umweltmanager oder Energieberater vorgestellt.

Informationen zur Anmeldung, zum Ticketerwerb und zum Programm der einzelnen Messen sind jeweils auf den Websites der Veranstaltungen verfügbar.

Josephin Lehnert

„Intelligent Cities“ - CleanEnergy Project lud zum Branchentreffen nach München

Am 15. September 2011 trafen sich über 40 Mitglieder des CleanEnergy Projects zu einem Networking-Dinner in München, um in entspannter Atmosphäre über das Thema „Intelligent Cities" zu diskutieren. Ralf Hartmann, Geschäftsführer der Cleantech PR-Agentur Globalcom PR-Network und Gründer des CleanEnergy Project-Brachennetzwerks, lud hierfür zum wiederholten Mal in das italienische Restaurant „La Cantinetta“ zu ausgesuchten Speisen und Weinen ein.

Unsere Städte lassen noch vielfältigeDieter Lindauer, Vorstandsvorsitzender, Bundesverband Smart City e.V.; Foto: Peter Hackmann Energiepotenziale ungenützt, lautete das Fazit von Dieter Lindauer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Smart City e.V., in seinem Vortrag über „Herausforderungen grüner Städte in Europa“.

19 Millionen Wohneinheiten wurden, laut Lindauer, in Deutschland vor 1979 erbaut, was einem Anteil von 80 Prozent aller hiesigen Wohneinheiten entspricht. Zur Beheizung benötigen diese zirka 300 Kilowattstunden (entspricht rund 30 Litern Heizöl)  pro Quadratmeter und Jahr.

In einer Smart City dagegen „vollzieht sich die Energiewende mehrheitlich durch Senkung des Wärmebedarfs in den Gebäuden und Deckung des Strombedarfs durch regenerative, dezentrale Energieerzeugung“, so der Vorstandsvorsitzende Lindauer. Außerdem werde Mobilität durch unterschiedliche Fahrzeug- und Antriebsarten vielfältiger und nachhaltiger.

Dr. Harald Will, Geschäftsführer der Solarinitiative München GmbH & Co. KG; Foto: Peter HackmannIn einem weiteren Vortrag beleuchtete Dr. Harald Will, Geschäftsführer der Solarinitiative München GmbH & Co. KG, das Thema „Smart City“ anhand der „Perspektiven & Potenziale der Solarenergie in München“. Dabei zeigte er an einer Reihe von Beispielen die Herausforderungen auf, mit denen sich die Initiative bei der Realisierung diverser Photovoltaikprojekte in der bayerischen Hauptstadt bisher konfrontiert sah. Doch Dr. Will zeigte sich sehr optimistisch, dass sich die Münchner bald nicht nur mit dem Oktoberfest und FC Bayern beschäftigen werden, sondern auch mit nachhaltigen Energien für ihre Stadt.

Das CleanEnergy Project möchte sich bei allen Teilnehmern des Networking-Dinners für den schönen Abend bedanken.

Natalie Hartmann

Sonnenblende 2011

Besser spät als nie scheinen sich im Zuge von Fukushima & Co. nun endlich immer mehr Menschen für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit zu interessieren. Ein neues Umweltbewusstsein tritt ein und damit auch ein neuer Blick auf das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Energie.

Die EMMVEE Photovoltaics GmbH, die under anderem Solarmodule in Deutschland und Indien herstellt, hat nun erneut zu einem Fotowettbewerb unter dem Motto „Sonnenblende“ aufgerufen und „erneuerbare Energien“ als Thema in den Mittelpunkt gerückt. Bis zum 20. Oktober 2011 kann jeder 20 Mal 30 Zentimeter große Abzüge seiner Fotos an folgende Adresse schicken:

 

EMMVEE Photovoltaics GmbH
Kommunikationsabteilung
Franz-Jacob-Straße 4a
10369 Berlin .

Die Motivwahl für die Fotowettbewerbs-Teilnahme unterliegt dabei voll und ganz dem Geschmack des Profi- oder Amateur-Fotografen. Windräder, Wasserbewegungen, Sonnenstrahlen, Biomasse, Solaranlagen, Felder, Wälder oder Geysire  können ebenso spannende Motive wie Kritik in Form von Atomkraftwerks- oder Abgas-Fotos sein. Auch die Bilder des Vorjahreswettbewerbs reichten von technischen Detailaufnahmen bis hin zu dokumentarischen Fotos der eigenen PV-Anlage auf dem Stall-Dach eines Schweineackers.

Zu gewinnen gibt es übrigens ein Jahres-Abo des Eta Green Magazins, Fotobücher über myphotobook, ein Gorilla tube Hardcase für das iPhone, eine Sonnenbrille von ic!berlin und eine Berlin-Reise für zwei Personen.

Der Fotowettbewerb „Sonnenblende“ der EMMVEE Photovoltaics GmbH (in deren Arbeit man auch auf FacebookEinblicke erhält) und myphotobookbrachte bereits 2010 tolle Bilder von Windkraftwerken, dem Zusammenspiel aus Natur und Technik sowie Solaranlagen, beispielsweise im Abendrot, hervor. Und auch 2011 soll aus den besten Bildern wieder ein Sonnenblende-Kalender entstehen.  Spannend wird sein, inwiefern die Ereignisse des letzten Jahres, wie etwa Fukushima, der Abschied von der Glühbirne oder der Fortschritt in Sachen Elektroautos, die Motivwahl verändert hat und ob der Fokus 2011 eher auf der Kritik oder dem Gedanken an eine bessere Zukunft liegt. Die einzige Bedingung lautet nämlich nach wie vor: „Hauptsache erneuerbar“.

Christin Springer

Tag der Regionen am 2. Oktober 2011

Herbstzeit ist Erntezeit! Doch was wird bei uns in der Region jetzt eigentlich so alles geerntet? Bei einem Einkauf im Supermarkt präsentiert sich die Obst- und Gemüseabteilung immer recht ähnlich. Viele Produkte sind das ganze Jahr hindurch erhältlich. Doch welche Früchte werden eigentlich direkt bei uns vor der Haustür angebaut? Um diese Fragen geht es beim alljährlichen bundesweiten „Tag der Regionen“. Dieses Jahr hat sein Aktionszeitraum am 23. September begonnen und läuft bis zum 09. Oktober.

Mit mehr als 1.000 dezentralen Veranstaltungen soll auf Produkte aus der eigenen Region aufmerksam gemacht werden. Der Kerntag ist dieses Jahr der 2. Oktober, ein Sonntag und nicht zufällig auch der kirchliche Erntedanktag. Unter dem Motto „Wer weiter denkt - kauft näher ein“ soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der Kauf regionaler Produkte zur Nachhaltigkeit beiträgt.

Doch die Ziele der Initiative gehen weit darüber hinaus. Die Aktionen sollen die regionale Identität stärken. Denn nur, wer seine Region wertschätzt, ist auch bereit, sich dort zu engagieren und sich für deren Erhaltung einzusetzen. Nicht nur Landwirte und Naturschutzorganisationen sind aktiv, auch Dienstleister aus der Region und das regionale Handwerk stellen sich vor. Gemeinsam informieren sie darüber, auf welche Art und Weise die verschiedenen Produkte hergestellt werden. So lernen die Verbraucher die damit verbundene Arbeit wertschätzen und erkennen, dass gute, sorgfältige Arbeit ihr Geld kostet.

Die regionalen Wirtschaftskreisläufe stärken die Region, sichern dort Arbeitsplätze und beugen in strukturschwachen Regionen einer Abwanderung in die Städte vor. Ebenso tragen sie zur Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft bei. Und nicht zuletzt bietet sich hier auch eine Auseinandersetzung mit erneuerbaren Energien. Denn erneuerbare Energien sind meist regionale Energien. Als Abschottung oder als Bewegung gegen den Fairen Handel, der sich hauptsächlich auf Waren aus Entwicklungsländern konzentriert, soll der Tag der Regionen keinesfalls verstanden werden. Vielmehr soll er dazu anregen, die Möglichkeiten der Region zu nutzen, wo es im Sinne der Nachhaltigkeit sinnvoll ist.

Ähnliche Aktionen finden derzeit auch in den Niederlanden sowie in Schottland und Irland statt. Bei uns in Deutschand haben in vielen Bundesländern die jeweiligen Umwelt- und Landwirtschaftsminister die Schirmherrschaft für den Tag der Regionen übernommen. Weitere Informationen sind auf der Internet-Präsenz der Initiative unter www.tag-der-regionen.de zu finden.

Birte Moritz

CleanEnergy Project führt "Zukunft Solarenergie"-Umfrage durch

Kein Tag vergeht, in dem das Thema Solarenergie nicht in den Medien diskutiert wird. Dabei geht es oft um die Preisentwicklung und staatliche Förderung von Solaranlagen. Bei den Technikthemen stehen die Wirkungsgrade der Photovoltaik-Zellen, die Sonnenenergie in elektrische Energie umwandeln können, im Vordergrund.

Die Photovoltaik-Industrie hat aber auch noch weitere Bereiche entdeckt, um die Leistung zu steigern und die Kosten für jedes mit Solarenergie produzierte Watt senken zu können. Neben den Produktions-, Montage- und Wartungskosten betrifft dies vor allem die Komponenten und elektronische Bauteile.

Zu diesem Thema führt das CleanEnergy Project bis zum 7. Oktober 2011 eine Umfrage durch und bittet hierfür um Ihre Unterstützung.

Als Dankeschön verlosen wir*:
- fünf EyeTV DTT Deluxe, die kleinsten DVB-T Sticks mit Vollausstattung für digitales Fernsehen live am Mac und PC
- fünf Überraschungspakete von LappKabel (http://www.lappkabel.de/)

Fernsehen war gestern!

EyeTV DTT Deluxe 2009 Solution1Mit EyeTV DTT Deluxe, dem kleinsten DVB-T Stick mit Vollausstattung, gibt es digitales Fernsehen live am Mac und PC. Nicht nur ansehen, auch aufnehmen und schneiden ist dank mitgelieferter Software  –  EyeTV 3 für Mac und THC für Windows – sowie der beiliegenden EyeTV Remote möglich. Weitere Infos dazu gibt es unter: www.elgato.com/eyetvdttdeluxe

*Der Rechtsweg ist ausgeschlosen

Natalie Hartmann

Wertstofftonne soll bundesweit eingeführt werden

Wer in Leipzig lebt, kann einen Großteil seines Hausmülls relativ einfach auf legale Weise loswerden. Sei es eine Glühbirne, ein kaputtes Radio, Handy, Bügeleisen oder ein defekter Toaster: Die gelbe Tonne plus des Unternehmens Alba nimmt zum Verpackungsmüll des grünen Punkts zusätzlichen Müll wie beispielsweise Elektrokleingeräte aus Verbundmaterialien, Metallgegenstände und Plastik auf. Das Mischsystem existiert in Leipzig schon seit sieben Jahren und findet auch in weiteren Städten Anklang. Denn in vielen Haushalten lässt sich nicht nachvollziehen, dass ähnliches Material nur aufgrund des grünen Punkts für Verpackungen unterschiedlich getrennt wird. Das einfache System der gelben Tonne plus umgeht dagegen den Gang zum Wertstoffhof beziehungsweise den falschen Einwurf: Immerhin landet vermutlich ein Drittel des Elektroschrotts aus privaten Haushalten im Restmüll.

Dabei sind gerade diese Stoffe besonders wertvoll und ihr Recycling in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland eine lukrative Einnahmequelle. Es ist also nicht verwunderlich, dass sowohl die Kommunen als auch die Privatwirtschaft an der Verwertung interessiert sind.

Planspiel des Umweltbundesamtes

Welches Modell sich am besten für die Verwertung der Wertstoffe eignet, hat nun das Umweltbundesamt herausgefunden. Zu Herbstbeginn stellte es sein Planspiel zur Fortentwicklung der Verpackungsordnung vor. Aufgrund der Ende März beschlossenen Kreislaufwirtschaftsgesetzesnovelle soll ab dem Jahr 2015 auch Metall und Kunststoff flächendeckend gesammelt werden. Damit kommt das Gesetz einer EU-Richtlinie nach.

Die entworfenen Szenarien des Umweltbundesamtes sollten aufzeigen, wie mit einer Wertstofftonne zukünftig mehr Wertstoffe recycelt werden können. Pro Kopf würden mit der Wertstofftonne weitere sieben Kilogramm Kunststoff beziehungsweise Metall pro Jahr der Kreislaufwirtschaft zuführen werden.

Bisher werden Leichtverpackungen über die gelbe Tonne entsorgt. Dazu zählen zum Beispiel Joghurtbecher, Tetrapacks und Konserven. Mit dem neuen Verwertungssystem wären, wie auch schon für die gelbe Tonne plus, Nichtverpackungen eingeschlossen - sei es Spielzeug oder eine ausgediente Bratpfanne. Anders als bei der Plus-Tonne empfiehlt das Umweltbundesamt aber keine Mischung mit Elektroschrott. Der Grund: Enthaltene Schwermetalle und Flammschutzmittel kontaminieren die Gegenstände und auf der anderen Seite wird die Qualität des Elektroschrotts verringert.

In die Szenarien einbezogen wurden die beiden Varianten, bei der einmal die Kommunen und einmal die Privatwirtschaft die Federführung in der Wertstoffsammlung übernehmen.

Eine Möglichkeit wäre es nach dem Planspiel, das bestehende duale System für die Sammlung und Verwertung zu nutzen. In diesem Fall müssten Hersteller und Vertreiber der Leichtverpackungen und ähnlichen Nichtverpackungen die Kosten übernehmen. Das zweite Szenario sieht eine Sammlung der Wertstoffe über die Kommunen vor. Die Nichtverpackungen würden dann über Gebühren finanziert werden.

Gelbe Tonne plus gegen Orange Box

Schaut man nach Berlin, zeigt sich die Bedeutsamkeit des Planspiels: Das Unternehmen für Entsorgung und Recycling Alba sowie die Berliner Stadtreinigung BSR haben die Hauptstadt vor nicht allzu langer Zeit mit Mülltonnen zugepflastert. Die gelbe Tonne plus stand in Konkurrenz zur Orange Box von der BSR. Inzwischen teilen sich beide die Zuständigkeiten. Alba übernimmt nach wie vor die Sammlung des Mülls mit dem grünen Punkt. Die Stadtreinigung darf die weiteren Wertstoffe einsammeln. Verwertet wird der Müll aber weiterhin in den Anlagen von Alba. Entgegen der Empfehlung des UBA-Abschlussberichtes darf auch Holz und Elektroschrott über dieses System entsorgt werden. Zwar ist das Trennsystem sicherlich noch zu verbessern, hört man doch immer wieder von Verbrennung statt prioritärem Recycling. Die Müllgebühren in Berlin und Leipzig sind allerdings gesunken.

Jenny Lohse

Auf der Suche nach Erdwärme

Die Kruste der Erde speichert großen Mengen Wärmeenergie. Die Geothermie stammt aus der Restwärme der Erdentstehung und aus radioaktiven Zerfallsprozessen. Bis zu einer Tiefe von etwa 20 Metern speichert die Erdkruste die Wärme der Sonneneinstrahlung. Die Erdwärme steht jederzeit gleichmäßig zur Verfügung, und ist daher zur Sicherung der energetischen Grundversorgung geeignet.

Je nach Tiefe der Wärmenutzung wird in oberflächennahe und Tiefengeothermie unterschieden.

Oberflächennah wird die Geothermie vor allem in Neubauten als Energie zum Heizen oder Kühlen genutzt. Um der Erde bis in Tiefen von etwa 400 Metern die Wärme zu entziehen, führt man durch Erdbohrungen Sonden mit Soleflüssigkeit in den Boden. Wämepumpen entziehen der Flüssigkeit die Energie.

Je tiefer der Bohrer in den Boden eindringt, um so wärmer wird es. In einem Kilometer Tiefe beträgt die Temperatur rund 35 bis 40 Grad Clesius. Ab etwa 400 Metern beginnt die Nutzung der Tiefengeothermie. Die Energie lässt sich direkt als Wärme oder indirekt zur Stromerzeugung nutzen. Die Temperatur steigt regional sehr unterschiedlich an, sodass sich die aufwändigen Bohrungen nicht in allen Gebieten lohnen. Besonders erfolgversprechend sind zum Beispiel der Oberrheingraben, das süddeutsche Molassebecken und das norddeutsche Becken. Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik hat mit Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ein geothermisches Informationssystem für Deutschland entwickelt. Dieses weißt in zwei Modulen mögliche und tatsächliche Standorte der Tiefengeothermie aus.

Geothermische Potentiale heißt das eine Modul, das detaillierte Informationen über tiefe Grundwassserleiter darstellt, über die sich Erdwärme nutzen lassen könnte. Als Grundlage dienen über 30.000 Bohrungen, die im Rahmen von Erkundungen und bei der Förderung von Erdöl oder Erdgas, Erdwärme, Thermal- oder Mineralwasser vorgenommen wurden. Daneben gibt es das Modul Geothermische Standorte. Dieses System gibt einen Überblick über bestehende Geothermieanlagen in Deutschland. Zu jeder Anlage sind Leistungsdaten abrufbar.

Das Geothermische Informationssystem für Deutschland ist im Internet erreichbar unter http://www.geotis.de. Unter http://www.erneuerbare-energien.de hat das Umweltministerium die Grundlagen der Geothermie in einer Broschüre zusammengefasst.

Susanne Kirsch

Heizen und Kühlen mit SolarEis

Räume und Gebäude auf angenehme Temperaturen zu heizen oder kühlen, verbraucht eine Menge Energie. Heizkosten sind längst zu einem gewaltigen Posten der Wohnkosten angewachsen und dass Klimaanlagen wahre Stromfresser sind, ist hinlänglich bekannt. Natürlich belastet der immense Energieverbrauch nicht nur das Budget, sondern auch die Umwelt, denn von einer flächendeckenden nachhaltigen Stromproduktion sind wir noch meilenweit entfernt.

Das im Jahr 2005 von Alexander von Rohr gegründete Unternehmen isocal aus Friedrichshafen hat ein „SolarEis-System“ entwickelt, das Räume mit Hilfe von Eis heizen oder  kühlen kann und dabei kostenneutral und umweltfreundlich arbeitet. Dabei macht es sich einerseits das hohe Energiespeichervermögen von Wasser und andererseits den Energieerhaltungssatz zu Nutze. Demnach ist nämlich die frei werdende Energie, wenn Wasser zu Eis gefriert, gleich groß wie die Energie, die benötigt wird um es wieder zu Wasser zu schmelzen.

Das Herzstück der interessanten Anlage ist ein künstlich angelegter unterirdischer Speicher in einer Tiefe, wo das ganze Jahr über konstant acht bis zehn Grad Celsius vorherrschen. Im Winter wird diesem so lange die darin enthaltene Energie entzogen, bis das Wasser zu Eis gefriert. Die dabei entstehende Kristallisations- oder Erstarrungswärme kann direkt zum Beheizen von Gebäuden verwendet werden. Im Sommer nimmt das Eis dann die in den Gebäuden angestaute Hitze auf und kühlt sie dadurch ab. So erwärmt sich der Speicher immer weiter und das Eis verwandelt sich nach und nach in warmes Wasser, das wieder für den winterlichen Heizprozess zur Verfügung steht.

Speziell in der Übergangszeit kommt zusätzlich auch noch eine Solaranlage zum Einsatz, die Sonnenwärme direkt in den SolarEis-Speicher einlagert. An sonnenfreien Tagen nutzt außerdem ein auf dem Hausdach montierter Luft-Kollektor die Wärme der Umgebungsluft als Energiequelle. Genau genommen wird das System also sogar mit fünf regenerativen Energiequellen betrieben: Wasser, Eis, Luft, Erdwärme und Sonnenenergie.

Das SolarEis-System von isocal erhielt in der Vergangenheit auch bereits mehrere Auszeichnungen. So wurde es 2011 für den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg nominiert und mit dem VR InnovationsPreis Mittelstand ausgezeichnet. 2010 erhielt das Heiz- und Kühlsystem den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg und den Innovationspreis des DIHK und des Magazins IMPULSE.

Das Potential der umweltfreundlichen und genehmigungsfreien Heiz- und Kühlanlage hat auch die Stadt Stuttgart erkannt und sorgt mittlerweile mit einem 385 Kubikmeter großen SolarEis-Speicher für die richtigen Temperaturen im Stadtarchiv, das inmitten eines Wasserschutzgebietes erbaut ist.

Matthias Schaffer

CCS-Gesetz: Abgelehnt!

Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat das CCS-Gesetz gekippt. Der Gesetzentwurf zur Abscheidung und unterirdischen Lagerung von CO2 hatte bereits im Vorfeld für zahlreiche Proteste gesorgt – sowohl von der Bevölkerung, als auch von immer mehr Bundesländern. Zu unsicher die Länderklausel, zu unabsehbar die Folgen der CO2-Verpressung.

Eine Entscheidung, die das Thema der CO2-Endlagerung jedoch noch nicht ganz aus deutschen Landen verdrängt, denn noch kann die Regierung den Vermittlungsausschuss anrufen. Eine Maßnahme, die von der Länderkammer bereits abgelehnt wurde. Laut Artikel 4 der europäischen CCS-Richtlinien steht es den EU-Mitgliedsstaaten nämlich frei, die Speicherung auf ihrem Hoheitsgebiet auszuschließen. Österreich wehrt sich bereits wirkungsvoll und schließt CO2-Endlager gänzlich aus.

Eigentlich wollte die Regierung die CO2-Speichertechnologie bis 2017 erproben lassen – aus Klimaschutzgründen. Eigentlich keine schlechte Idee, das Kohlendioxid, das von den Kraftwerken in die Luft geblasen wird aufzufangen und unter der Erde endzulagern. Bei der Carbon Capture and Storage-Technologie wird das klimaschädliche Kohlendioxid aus den Abgasen von Kohlekraftwerken abgetrennt. Nachdem es verflüssigt wird, tritt es seinen Weg über Lkw und Pipelines zu den Lagerstätten an, um dort in unterirdische Gesteinsschichten gepresst und gelagert zu werden.

Eine Idee, die aber nur auf den ersten Blick überzeugt, denn die Technik ist längst nicht ausgereift und die Folgen sind kaum absehbar. Kritiker befürchten, dass das in den Gesteinsschichten verpresste Gas entweichen und das Grundwasser verunreinigen könnte. Bürgerinitiativen an den für die CCS-Technologie möglichen Standorten mehrten sich in der Vergangenheit immer deutlicher und auch die einzelnen Länder regte die unsichere Technologie zum Umdenken an. Vor allem die schwammige Länderklausel, die den einzelnen Bundesländern eigentlich ein Veto bei der Lagerung auf ihrem Territorium einräumen sollte, wurde laut Rechtsgutachten vom BUND und Greenpeace entkräftet. Im vorliegenden Gesetzentwurf würde die Länderklausel also nicht vor den Auswirkungen dieser Lager schützen, sondern nur einen Aufschub für die kommenden sechs Jahre bedeuten. Ebenso könnte die Verpressung von CO2 unter der Nordsee von den angrenzenden Bundesländern durch die eingeräumte Länderklausel keineswegs verhindert werden und auch der Bau von Pipelines durch die betroffenen Bundesländer wäre hierdurch nicht möglich. Nur ein komplettes Verbot der CCS-Technologie, so Greenpeace-Klimaexpertin Anike Peters, könnte den Schutz von Mensch und Umwelt mit Sicherheit gewährleisten.

Judith Schomaker

Schlechte Klimabilanz für Biosprit

Bislang wurden Biokraftstoffe als klima- und CO2-neutral eingestuft. Der neue Report der Europäischen Umweltagentur (EAA – European Environment Agency) entkräftet diese Annahme nun. Mehr noch! Aus dem am 15. September 2011 erschienene Papier geht vielmehr hervor, dass Biosprit den CO2-Anteil sogar erhöhen kann, die Intensive Landnutzung fördert, Wälder bedroht und den Welthunger verschärft.

Das Geschäft mit dem Agrosprit boomt. Ein ganzer Industriezweig profitiert vom „klimaneutralen“ Kraftstoff - Kraftstoffhersteller und Autobauer ebenso wie die Landwirte, denen hohe Preise für Biosprit aus Raps generiert werden. Die bisherigen Berechnungen, die der EU-Biokraftstoffpolitik zugrunde liegen, vergessen dabei jedoch, den so genannten ILUC-Factor (Indirect Land-Use Change) mit einzubeziehen. Der neue Report berücksichtigt hingegen auch diese indirekten Klimafolgen durch Verdrängungseffekte in der Landwirtschaft, die bislang nicht in die CO2-Bilanz eingerechnet wurden und rückt die Umweltfreundlichkeit von Biosprit in ein ganz anderes Licht.

Biosprit, dessen Großteil aus Biodiesel besteht, wird hauptsächlich aus Raps, Soja und Palmöl hergestellt. Seine Verwendung soll den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken, ein großer Schritt auf dem Weg, die Klimaziele der EU bis 2020 zu erfüllen. Bisher wurde angenommen, dass Biosprit vom Anbau bis zur Verbrennung im Automotor deutlich weniger CO2 erzeugt, als herkömmlicher Sprit. Eine um 35 Prozent niedrigere Belastung als bei normalem Benzin! Der ILUC Faktor wurde hierbei jedoch nicht berücksichtig, wird er mit einbezogen, wird der Biosprit nämlich zum wahren Umweltsünder. Zwar nehmen die Pflanzen, die zur Biospriterzeugung angebaut werden, aus der Atmosphäre CO2 auf und binden es. Während des Produktionsprozesses relativiert sich diese Einsparung jedoch ganz schnell wieder, denn vom Anbau bis zur Spritgewinnung wird wieder reichlich schädliches Klimagas freigesetzt. Hinzu kommt, dass die für den Biokraftstoffanbau nötigen Flächen wertvolle Wälder zerstören und Flächen für Lebensmittelpflanzen verdrängen.

Im neuen Report der EAA werden diese einzelnen Thematiken deutlich. Nicht nur die nötige Energie, um Biospritpflanzen zu erzeugen stößt hierbei sauer auf, schließlich brauchen Trecker und Co. selbst Diesel, um das Pflanzgut zu pflegen, auch der eingesetzte Dünger macht sich bei der Klimabilanz nicht gut. Zum einen wird bei der Erzeugung schon jede Menge Energie verbraucht, zum anderen gerät ein Teil des Stickstoffdüngers wieder in die Atmosphäre, dann allerdings als Lachgas, was dreihundert Mal so schädlich ist, wie CO2. Zu guter Letzt kommen dann noch die letzten Verarbeitungsschritte mit auf das Klimakonto. Von der Ernte bis zum Verarbeitungsprozedere wird noch mal Energie verbraucht, die bislang nicht in die Bilanz einfloss. Alles in Allem eine Klimabilanz, die nicht viel besser ist, als bei Rohöl!

Judith Schomaker

Mehr erneuerbare Energien für Niedersachsen

Die Landesregierung in Niedersachsen hat am 20. September 2011 einen Entwurf für ein neues Energiekonzept unter dem Titel „Verlässlich, umweltfreundlich, klimaverträglich und bezahlbar - Energiepolitik für morgen“ beschlossen. Einer der Kernpunkte des Konzepts ist der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Energien in Niedersachsen. Dazu gehören Maßnahmen in den Bereichen Windenergie, Bioenergie, Biogas, Biokraftstoffe, Geothermie, Solarenergie, Photovoltaik, Solarthermie und Wasserkraft.

Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz, die Nutzung bestehender Kraftwerke zur Sicherung einer stabilen Energieversorgung, der Ausbau der Stromnetze und die Entwicklung von Smart Grids genannt. Die Kosten der Energiewende, der Stand der Erdgas- und Erdölförderung sowie Innovationen und Energieforschung sind ebenfalls Teil des Konzepts. Zum Schluss zeigt das Konzept die aktuellen energiebezogenen Projekte Niedersachsens auf.

Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander erläuterte, dass Niedersachsen in 2020 25 Prozent des Verbrauchs an Energie aus Erneuerbaren decken könnte: „Nach deren erfolgreichem Ausbau werden wir hier allein 90 Prozent unseres Strombedarfs aus regenerativer Erzeugung beziehen.“ Es holte weit in die Zukunft aus: „Wir können sogar 150 Prozent schaffen - die Offshore-Windenergie mit eingerechnet.“

Das niedersächsische Energiekonzept ist der erste Teil eines Energie- und Klimaprogramms. Zwei weitere werden folgen: Für Anfang 2012 soll die Niedersächsische Klimaschutzstrategie kommen. Ein halbes Jahr später soll das Programm mit der Niedersächsischen Anpassungsstrategie vervollständigt werden. Das Ministerium für Umwelt- und Klimaschutz legt das Konzept jetzt dem zuständigen Ausschuss des Landtags vor. Darüber hinaus werden die Mitglieder der Regierungskommission Klimaschutz informiert. Sie werden daraus tatsächlich landespolitisch umsetzbare Empfehlungen aussprechen.

Der Entwurf für das neue Energiekonzept ist im Internet abrufbar unter http://www.mu.niedersachsen.de.

Susanne Kirsch

Solarstrom-Steckdose: IllumiCharger

In den Industrieländern gibt es wohl kaum jemanden, der nicht das eine oder andere mobile Gerät besitzt. Ob Handys, iPhones, MP3-Player, Kameras – tragbare Elektrogeräte sind fixer Bestandteil einer (notgedrungen) immer flexibler und unruhiger werdenden Gesellschaft, die immer erreichbar und am Ball sein will. Natürlich brauchen all diese Geräte auch Strom und in Summe mit Sicherheit nicht gerade wenig. Eine Möglichkeit der nachhaltigen Energiegewinnung für genau solche Gadgets ist der IllumiCharger.

Es handelt sich dabei um eine fest installierte Wandsteckdose, die durch das Tageslicht mit Strom aufgeladen wird und damit nachts die Akkus von portablen Geräten wie eben Smartphones füllen kann. Außer bei der Anschaffung des IllumiCharger fallen dabei keine Kosten an und Stromrechnung und Umwelt werden geschont.

Das auch optisch äußerst ansprechend designte Solarstrom-Wandladegerät verfügt über zwei USB-Anschlüsse, an die somit zwei Gadgets gleichzeitig angeschlossen werden können. Ein klarer Vorteil des IllumiCharger ist dabei, dass er einfach den ganzen Tag über das ohnehin vorhandene Licht in Strom umwandelt. Er muss nicht extra aufgebaut oder angeschlossen werden, sondern steht jeden Abend automatisch für den Ladeprozess bereit. Das Gerät hat dabei eine Kapazität von 9600 Milliamperestunden und der Ladestrom entspricht dem USB-Standard von fünf Volt bei 500 Milliampere.

Der IllumiCharger wurde auch bereits ausgezeichnet. So landete er bei der Greener Gadgets Design Competition 2010 auf Platz 3, war eine der 50 am meisten unterstützen Ideen der GE Ecomagination Challenge und unter den Top 25 der Opportunity Green Product Design Competition. Wie so viele gute Ideen – gerade im Bereich der erneuerbaren Energiegewinnung – hat es auch die Solarsteckdose bisher nicht auf den Markt geschafft und es wird nach wie vor nach einem Partner für die Serienproduktion gesucht.

Entworfen hat die Solarsteckdose für elektrische Gadgets Ryan Hess, der im Oktober 2009 auch eine solarbeheizte Jacke bei der Kentucky Inventor's Conference vorgestellt hat. Außerdem ist er nicht nur Erfinder, sondern auch ein talentierter Sänger, Songwriter und Musiker, der mit Standing in Elysium und Make It Better bereits offizielle Veröffentlichungen vorweisen kann.

Matthias Schaffer

Neues aus dem IAA-Forschungslabor

Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) hält in diesem Jahr mehr denn je die Elektromobilität Einzug. Fast jeder namenhafte Hersteller präsentiert die eine oder andere Novität auf diesem Gebiet. Das CleanEnergy Project hat sich ein wenig umgesehen im Showroom der Fortbewegung von morgen.

Kein Hersteller verfolgt bis dato so konsequent das Ziel der Serienreife wie BMWmit dem nur 1.250 Kilogramm leichten i3. Mit dem  i3 und auch dem neu vorgestellten i8, die beide 2013 auf den Markt kommen sollen, gelingt es BMW dank der kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffkarosserie, kurz Karbon, eine neue Dimension der elektrischen Fortbewegung aufzeigen. Durch die intelligente Leichtbauweise ist eine größere Batteriekapazität möglich. So reicht denn die Kapazität der Akkus im i3 in der Praxis für 130 bis 160 Kilometer Fahrstrecke. Damit soll er als erstes Premium-Elektrofahrzeug allen Bedürfnissen im Stadtverkehr nachkommen. Der i8 Concept ist die jüngste Evolutionsstufe der Studie Vision Efficient Dynamics und vereint mit seinem Plug-in-Hybridkonzept einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb zu einer Leistung von 354 PS.

Opel präsentiert zur IAA den neuen Ampera, der kurz vor der Markteinführung steht und dessen 150-PS-Elektromotor auf eine Reichweite von 40 bis 80 Kilometer kommt. Bei Bedarf schaltet sich ein 1,4-Liter-Benzinmotor dazu, der das Ganze auf 500 Kilometer erhöht und als Range Extender (Reichweitenverlängerer) dient, der die Batterie für den Elektromotor nachlädt.

VWzeigt seine Elektrostudie Nils, klein und handlich wie sein Name. Der Einsitzer zeichnet sich durch seinen Alu-Leichtbau aus und bringt dadurch lediglich 460 Kilogramm auf die Waage. Ein 34 PS starker Elektromotor an der Hinterachse sorgt für Schwung. Die 5,3-Kilowattstunden-Batterie reicht für 65 Kilometer und macht das Gefährt zu einem geeigneten Pendler-Auto. Neben ESP, Notbremsassistent und reichlich Infotainment verfügt Nils nur über eines nicht: Stauraum. Im Kofferraum hat genau eine Tasche und eine Getränkekiste platz.

Citroenstellt seinen Tubik vor, eine reine Vollhybridstudie mit Flügeltüren, dessen Elektromotor an der Hinterachse auch rein elektrisches Fahren ermöglicht und Reisen neu definieren soll. Zahlreiche mögliche Sitzkonfigurationen wie halb liegend oder gegenüber sitzend und neueste Bordtechnologie machen das Fahrzeug zum motorisierten Wohnzimmer. Die extravagante Designstudie wird aber vermutlich nicht in Serie gehen.

Audikommt mit gleich zwei flügelschwingenden Konzepten daher: dem Elektroauto E-Tron und der Studie Urban Concept Spyder, einer verspielter Cabrio-Studie, deren futuristisches Antlitz eher an einen Retro-Rennwagen denn an einen Stadtflitzer erinnert. Zwei Personen finden in dem dank Karbon-Monocoque-Karosserie nur 500 Kilogramm wiegenden Spyder hintereinander Platz. Zwei E-Motoren im Heck sorgen zusammen mit Lithium-Ionen-Akkus für eine Reichweite von 50 bis 60 Kilometern. Ist die Batterie nach einer Spritztour leer gefahren, lässt sich der kleine Flitzer innerhalb einer Stunde an einer normalen Haushaltssteckdose wieder aufladen.

Mercedes-Benz F125! Forschungsfahrzeug 2011; Foto: DaimlerEinen besonderen Ausblick auf die Mobilität der Oberklasse von morgen liefert indes Mercedes-Benz mit der Null-Emissions-Studie Concept F125!. F steht für Forschungsfahrzeug, wahlweise interpretierbar als ‚Future‘, die 125 würdigt den 125. Geburtstag des Automobils, zu dem dieses nun quasi neu erfunden wurde. Für Vortrieb sorgen im F125 eine weiterentwickelte Wasserstoff-Brennstoffzelle in Verbindung mit einer neuartigen und sehr leistungsfähigen kompakten Lithium-Schwefel-Batterie mit einer Kapazität von zehn Kilowattstunden. Die Brennstoffzelle treibt vier radnahe Elektromotoren an uns sorgt für eine Dauerleistung von 231 PS, in Spitzen sogar 313 PS. Der Verbrauch soll bei 0,79 Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer liegen, bis zu 1.000 Kilometer Reichweite sollen möglich sein. Den Schlüssel hierfür liefert der Tank, der aus einem Hightech-Material mit spezieller Innenbeschichtung besteht, die Wasserstoffmoleküle bindet und dadurch bei nur 30 bar Druck die doppelte Menge Gas aufnehmen kann wie herkömmliche Hochdrucktanks heute. Der Flügeltürer ist in Hybrid-Leichtbauweise gefertigt und hat allerlei technologischen Schnickschnack an Bord, wie er heute theoretisch noch gar nicht verfügbar ist. So öffnen sich die Türen auf ein Handzeichen.

Auch für den Smart gibt Daimler auf der IAA seine neusten Entwürfe zum Besten. Der Smart Forvision ist in Zusammenarbeit mit der BASF entstanden und soll 2014 auf den Markt kommen. Neben futuristischem Aussehen zeichnet sich der Forvision durch transparente Dachelemente aus, in die neben einer Solarzellen- noch eine Leuchtdioden-Funktion per OLED-Technik (Organischen Leuchtdioden) integriert ist. So bietet das Auto eine energiesparende Innenraumbeleuchtung und kann gleichzeitig noch Strom erzeugen, was sich positiv auf das Energiemanagement und somit auf die Reichweite auswirken kann.

Forscher der TU München präsentieren auf der IAA dagegen ein sparsames Elektroauto, das sie in Rekordzeit entwickelt haben. 18 Monate lang entwickelten und bauten 21 Lehrstühle der Technischen Universität München einen fahrbereiten Prototyp namens Mute. Dieser ist ein flacher, kurzer Zweisitzer mit weißer Karbonfaserkarosserie und schmalen Leichtlaufreifen. Die Zielgruppe dieses Microcars sind vor allem Pendler, die in Ballungsgebieten von Großstädten leben.

Auch wenn die Aussichten auf der diesjährigen IAA viel versprechend sind, nach Meinung vieler Experten wird es noch Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich die Elektromobilität auf den Straßen durchsetzt. Als Hauptgrund dafür werden die noch immer zu hohen Batteriekosten und unzureichende Verlässlichkeit genannt. Zudem fehlt es an ausreichend Lademöglichkeiten, nicht jeder potentielle E-Auto-Fahrer hat schließlich mal eben eine eigene Garage mit Starkstrombuchse zum Auftanken parat.

Josephin Lehnert und Antonia Dieterle

Arktisches Meereis auf Rekordminimum geschmolzen

Das Meereis über dem Nordpol hat in diesem Jahr ein beängstigendes Rekordminimum erreicht. Wie das Institut für Umweltphysik der Universität Bremen mitteilte, ist bereits zwei Wochen vor dem Ende der Schmelz-Saison das Meereis Anfang September auf 4,24 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen. Diese Zahl liegt noch unter dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2007 von 4,267 Millionen Quadratkilometern.

Seit dem Beginn der Satellitenbildbeobachtung 1972 geht das sommerliche arktische Meereis kontinuierlich zurück. Die arktische Eisausdehnung erreicht im Sommer nur noch die Hälfte der Fläche der 1970er Jahre. Seit 2008 sind die Nordost- und die Nordwestpassage zudem gleichzeitig eisfrei. Damit zeigen sich hier so gravierend wie fast nirgendwo sonst die Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre.

Die Ausdehnung des arktischen Meereieses liegt normalerweise zwischen 15 Millionen Quadratkilometern im März und fünf Millionen Quadratkilometern im September. Die Arbeitsgruppe von Dr. Georg Heygster unter Leitung von Professor Justus Notholt im Institut für Umweltphysik der Universität Bremen beobachtet seit Jahren die Meereisausdehnung auf Basis von Satellitenbildern. Täglich werden aktuelle Kartenerstellt und ausgewertet. Daher kann man den Rückgang des Meereeises durchgängig zurückverfolgen. Auf natürliche Variabilität kann der Rückgang den Aussagen der Bremer Umweltphysiker nach nicht mehr zurückgeführt werden. Dafür ist der Rückgang des Eises über die Jahre hinweg zu kontinuierlich. Zwar nimmt die Schmelzgeschwindigkeit inzwischen ab, aber die Temperaturen lagen in diesem Jahr im Schnitt 1,5 bis 2,5 Grad über dem Niveau der letzten 30 Jahre, in manchen Regionen sogar bis zu sieben Grad.

Gleichzeitig mit der Fläche schrumpft auch die Dicke des Eises, so dass es immer instabiler wird. Bis 2030 rechnen die Forscher mit einem eisfreien Arktissommer. Das ist eine Katastrophe vor allem für Arktisbewohner. Das Schmelzen des Eises ist ein sich selbst verstärkender Effekt infolge der Eis-Albedo-Rückkopplung. Weniger Eisfläche bedeutet mehr offenes Wasser, das dunkler ist und weniger Sonnenstrahlen reflektiert, dafür mehr Strahlung aufnimmt. Der Erwärmungsprozess wird dadurch verstärkt. Zu einer Meeresspiegelerhöhung kommt es durch den Eisrückzug in der Arktis jedoch nicht, da das Eis auf dem Wasser schwimmt. Man kann dieses Phänomen beobachten, indem man einen Eiswürfel in einem Wasserglas schmelzen lässt. Ein Anstieg des Meeresspiegels ist lediglich durch das Schmelzen des grönländischen Eisschildes zu befürchten, dieser würde dann aber immens sein.

Josephin Lehnert

Portable Windkraft

Tragbare Mini-Solarkraftwerke sind längst auf dem Markt und vor allem für Outdoor-Fans und Abenteurer interessant. Aber gibt es eigentlich auch transportable Windkraftwerke? Das CleanEnergy Project hat sich auf die Suche im Netz gemacht und ist fündig geworden:

Der tschechische Produktdesigner Sergej Kuckir hat eine tragbare Windturbine mit dem Namen Ventus entwickelt. Sie ist in erster Linie für Bergexpeditionen gedacht und soll die in höheren Gebieten vorherrschenden meist guten Windbedingungen direkt in Strom umwandeln. Ventus lässt sich zu einem 65 Zentimeter hohen Paket mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern zusammen falten und wiegt gerade einmal vier Kilogramm. Die Funktionsweise basiert auf einem Savonius-Rotor und auf diese Art wird laut Sergej Kuckir eine Leistung von 400 Watt erreicht. Die von der tragbaren Windturbine Ventus erzeugte Energie wird in einer integrierten Batterie gespeichert und kann beispielsweise zum Betrieb oder Laden von Lampen, Notebooks oder Handys verwendet werden.

Auch Marcos Madia, Sergio Ohashi und Juan Manuel Pantano haben in gemeinschaftlicher Arbeit einen falt- und tragbaren Windgenerator entwickelt. Der sogenannte Eolic kann von zwei bis drei Leuten in nur drei Schritten ein- beziehungsweise ausgeklappt werden und eignet sich nicht nur für Expeditionen oder Ausflüge, sondern kann auch zur Energieversorgung von kleinen Häusern verwendet werden. Außerdem ist bei Eolic auch das Design ganz besonders gelungen und formschön.

Eine ganz andere Größenordnung, aber immerhin noch transportabel, ist die mobile Windturbine von Pope-Design. Die abenteuerliche Konstruktion wird mit Hilfe eines Kranes ausgefahren und ist über 30 Meter hoch. Um transportabel zu bleiben, ist sie direkt auf einem Spezial-Truck montiert. Wenn der Energiebedarf besonders groß ist, besteht auch die Möglichkeit mehrere Exemplare der mobilen Windturbine miteinander zu verbinden.

Eine weitere mobile Windkraftanlage, die wir vor einiger Zeit bereits vorgestellt haben, ist die Mikro-Turbine BreezeBreaker von Fritz Unger. Allgemein scheint im Bereich der transportablen Windkraft die Technik noch nicht so weit entwickelt zu sein, wie das bei Solarenergie der Fall ist. Transportable Turbinen erzeugen bei realistischen Windbedingungen oft zu wenig Strom oder werden sehr schnell unhandlich.

Matthias Schaffer

Ein Bioenergieführer für Remscheid, Solingen, Wuppertal und Mettmann

Im Biomasseaktionsplan „Bioenergie.2020.NRW“ hat Nordrhein-Westfalen seine Ziele zur Nutzung der Bioenergie im Land festgelegt. Ein Kernpunkt ist die Verdoppelung der Wärme- und Stromproduktion aus Biomasse bis zum Jahr 2020. Neue Ideen und Initiativen sind notwendig, um das Thema in der Bevölkerung bekannter zu machen und eine ausreichende Akzeptanz zu erreichen.

Als erste Maßnahme hatte das Land bereits 2009 entschieden, sechs Bioenergiemanager in verschiedenen Regionen zu fördern. Die Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal und der Kreis Mettmann haben zum 1. Januar 2010 für die Dauer von zwei Jahren Dirk Valentin als Zuständiger für alle Fragen rund um die Bioenergie in der Region eingestellt. Eine seiner Aufgaben ist die Erstellung des Branchenführers „Bioenergie in der Region Remscheid, Solingen, Wuppertal und Kreis Mettmann“, der im Herbst 2011 erscheinen wird.

Angefragt sind alle Unternehmen aus Remscheid, Solingen, Wuppertal, Kreis Mettmann und darüber hinaus, die sich mit dem Thema Bioenergie beschäftigen. Dazu gehören Anbieter von Kaminholz, Pellets oder Hackschnitzeln wie Verarbeiter von Grünschnitt und biogenen Abfällen und Landwirte, die Energiepflanzen anbauen. Betreiber von Biogasanlagen und bioenergiebezogene Dienstleister für Beratung, Energiebereitstellung, Maschinenverleih, Holztrocknung und Weiterverarbeitung sollen ebenso in das Branchenbuch. Mit der Broschüre wird der Bioenergiemarkt in der Region übersichtlicher und transparenter. Nur so lassen sich neue Kunden für die Bioenergienutzung gewinnen. Damit sich möglichst alle Unternehmen an dem Projekt beteiligen, ist die Eintragung kostenfrei. Wer in dem Bioenergieführer erscheinen möchte, fordert einen Fragebogen beim Bioenergiemanager unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an. Neben den Basisdaten fragt das Formular eine Beschreibung der Produkte und Dienstleistungen ab. Weitere Infos und Kontaktdaten gibt es auch bei der Energieberatung der Stadt Remscheid unter http://www.remscheid.de.

Susanne Kirsch

Solarkraft auf Rädern

Das Lübecker Unternehmen SolArod hat eine Solarkraftwerk auf Rädern entwickelt. Der Gedanke hinter dieser interessanten Idee ist, dass es durch die Mobilität einer solchen Photovoltaikanlage sehr viel unkomplizierter wird, Strom aus Sonnenlicht zu erzeugen. Dafür verwendete Flächen sind so nämlich nicht auf Jahre hinaus von den Solarmodulen blockiert, sondern können auch problemlos wieder freigeräumt und für andere Zwecke benutzt werden.

So wurde also eine Photovoltaikanlage mit Rädern versehen und SolArod Mobile war geboren. Auf diese Art können die Solarmodule schnell und unkompliziert den Standort wechseln, wenn dies – aus welchen Gründen auch immer – nötig ist.

Eine denkbare Einsatzmöglichkeit sind beispielsweise temporäre Großparkplätze, wie sie Messegelände oder Sportstätten zeitweise für Veranstaltungen benutzen. In den „Ruhephasen“ könnte dort mit dem SolArod Mobile kostenlose Sonnenenergie in Strom umgewandelt werden. Wird die Parkfläche dann für eine Veranstaltung benötigt, können die Solaranlagen zur Seite gefahren werden und der Platz steht wieder zur Verfügung.

Nach demselben Prinzip könnten auch Landwirte ihre Äcker nicht nur als Agrarflächen, sondern auch noch zusätzlich als Standort für Solarkraftwerke verwenden. In der Erntezeit machen sich dann wiederum die Räder bezahlt, denn die Module zur Seite zu fahren ist in problemlos möglich.

Die Größe - und damit verbunden auch die Leistung - der mobilen Solaranlagen kann individuell den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden, denn SolArod Mobile funktioniert nach einem Modulprinzip. Jede fahrbare Grundeinheit ist ein eigenes kleines Kraftwerk und kann beliebig oft mit weiteren Anlagen kombiniert werden.

In der Standardausführung sind die Solarmodule fix auf dem Fahrgestell befestigt. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sie sich horizontal und vertikal dem Sonnenstand anpassen und so die Energieausbeute noch weiter optimieren.

Auch ein weiteres interessantes Produkt von SolArod, das sich ebenfalls mit der bestmöglichen Nutzung von freien Flächen befasst, haben wir vor einiger Zeit schon vorgestellt: Der Solarmodul-Dachziegel SolArod Tile.

Matthias Schaffer

Micro-Cycle: Elektro-Einrad von Ryno Motors

Das amerikanische Unternehmen Ryno Motors hat elektrisches Einrad entwickelt, das nach einer Menge Spaß aussieht. Das sogenannte Micro-Cycle ist eine Art „halbes Motorrad“ und mit zwei E-Motoren ausgestattet, die es Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometer pro Stunde erreichen lassen. Mit voll aufgeladenen Akkus - wobei der Ladevorgang rund 1,5 Stunden dauert - kann damit eine Strecke von etwa 48 Kilometern zurück gelegt werden.

Der Mann hinter dem Elektro-Einrad ist der Amerikaner Chris Hoffman. Er hat das Micro-Cycle – inspiriert von seiner 13-jährigen Tochter - entwickelt und auch die Firma Ryno Motors gegründet, die das Bike in naher Zukunft auf den Markt bringen möchte. Wann das definitiv der Fall sein wird ist noch unklar, aber als Termin für den Marktstart in den USA steht Ende 2011 im Raum und Anfang 2012 sollen erst Asien und dann Europa folgen. Kosten soll das 56 Kilogramm schwere Leichtgewicht 4.200 US-Dollar, also etwa 3.000 Euro.

Auf den veröffentlichten Videos sieht die Fortbewegung mit dem Micro-Cycle nicht nur etwas futuristisch, sondern auch ziemlich intuitiv und einfach aus, wobei sicher eine gewisse Eingewöhnungsphase nötig ist. Lenkung und Beschleunigung erfolgen über Körperbewegungen beziehungsweise die Verlagerung des Körpergewichtes.

Neben dem geräusch- und emissionslosen Elektroantrieb sind weitere Vorteile des Einrades, dass es extrem wendig ist und nur sehr wenig Platz benötigt. Theoretisch wäre also sogar ein Abstellen im Haus oder in der Wohnung möglich und auch unterwegs werden Parkplatzprobleme mit Sicherheit nicht so schnell auftauchen.

Bis März 2012 ist das Micro-Cycle von Ryno Motors übrigens auch als Teil einer Installation bei der Ausstellung  „Sense and the City“ des London Transport Museum zu bewundern.

Matthias Schaffer

Solarzeitalter als Herausforderung für chinesisch-amerikanische Beziehungen

Im Jahre 1954 stellten die drei US-amerikanischen Forscher Pearson, Fuller und Chapin die ersten Solarzellen, welche später zur Stromversorgung von Satelliten und Raumfahrzeugen zum Einsatz kamen, her. Mit diesem Erbe im Rücken waren die USA in der Photovoltaikbranche lange Zeit im Vormarsch. Inzwischen ist die chinesische Konkurrenz ebenso in der Modulherstellung auf der Überholspur. Auch aus diesem Grund brechen viele Firmen auf der anderen Seite des großen Teiches ein. So haben die Unternehmen Evergreen Solar, Solyndra und Spectrawatt dieses Jahr Insolvenz angemeldet. China ist dagegen zur Nummer eins der Solarmodulhersteller aufgestiegen. Allen voran steht Suntech Power. Dessen produzierte Solarzellen ergaben im Jahr 2010 eine Leistung von 1.585 Megawatt.

Des Weiteren sind die erfolgreichen Produzenten JA Solar, Yingli und Trina Solar zu nennen. Einige chinesische Hersteller sind uns vom Namen her geläufig, weil diese inzwischen bekannte Fußballclubs mitsponsern. Man kann davon ausgehen, dass schon Ende dieses Jahres an die 50.000 Megawatt Leistung der weltweit hergestellten Module aus China und anderen asiatischen Ländern stammen werden.

Solarfirmen profitieren durch zinsgünstige Kredite

Interessant ist daher die Frage, wie es die Unternehmen schafften, in dieser Branche so schnell Fuß zu fassen. Eine bedeutende Hilfe kommt dabei von der China Development Bank, einem staatlichen Unternehmen. Für die Kredite haftet die Regierung, was den Einfluss der Volksrepublik auf die Entscheidungen erhöht. Beispielsweise erhielt der chinesische Photovoltaik Hersteller Sunergy Mitte August einen Kredit von 160 Millionen Dollarvon der besagten Bank, um auf dem Markt mithalten zu können. Sie vergibt nämlich sehr günstige Kredite mit einer längeren Frist als es gemeinhin üblich ist. Dies drückt die Preise enorm nach unten, wogegen die Darlehensgarantie der Amerikaner nicht ankommt. An sich ist die Erschwinglichkeit der Module eine gute Sache. Sie macht es anderen Ländern aber schwer, mitzuhalten. Bevor die chinesische Handhabung verteufelt wird, sollte aber bemerkt werden, dass wahrscheinlich auch Europa und die USA in der Vergangenheit ähnlich günstige Kredite vergaben.

Manche Unternehmen wünschen sich schon die Einführung einer Zollgebühr für chinesische Produkte. Andere setzen sich für Provisionen bei der Installierung heimischer Module ein. Denn der Export von Werkstoffen für die Photovoltaik (Polysilikon) nach China findet nach wie vor statt. Vielleicht sollte statt der Handelsdebatte aber in neue Techniken investiert werden.

Dünnschichtmodule als rettender Anker

Denn es halten sich auch Firmen anderer Herkunft in den Top Six der leistungsstärksten Hersteller. Dazu zählen First Solar aus den USA und Solarworld aus Deutschland. Auch wenn einige Produktionsstätten schon ausgelagert wurden. So befindet sich First Solar auf dem dritten Platz, weil es sich auf Dünnschicht Solarmodule spezialisiert hat. Bei den Photovoltaikmodulen sieht man in den USA dagegen nur noch für das Unternehmen Sunpower eine Zukunft. Einer Prognose der Cleantech Beratung Apricumzufolge werden sich Modulhersteller der USA aber noch auf dem Markt profilieren können – insofern sie Dünnschichtmodule produzieren.

Jenny Lohse

Wahrheit oder französische Beschwichtigungstaktik?

Die Tradition der Vertuschung in Frankreich ist lang. Zumindest dann, wenn es um kleinere und größere Zwischenfälle in den insgesamt 58 atomaren Anlagen des Landes geht. Angesichts der Sensibilisierung der Bevölkerung für atomare Zwischenfälle durch das Atomunglück in Fukushima lässt sich der Vorfall, der sich in der vergangenen Woche in der Fabrik Centraco in Marcoule ereignete, allerdings nicht so einfach abtun. Die Bevölkerung der Atom-Nation ist auf der Hut und wendet sich langsam aber sicher gegen die Atomenergie aus dem eigenen Land. Kurz nach Fukushima ergaben Umfragen in der Bevölkerung gar ein erstaunliches Ergebnis. Rund 70 Prozent waren für eine Kehrtwende in der Atompolitik, sie plädierten für den Ausstieg! 

Die Anlage, in der sich das Unglück am 12. September ereignete, ist Teil des größten Nuklearkomplexes in Frankreich und dient dazu, radioaktiv verstrahlte Abfälle zu entsorgen. Zwar wird unmittelbar in der Fabrik, in der ein Kessel explodierte und einen Menschen tötete, kein Plutonium verarbeitet. Durch eine Kettenreaktion hätten jedoch grundsätzlich auch die benachbarten Komplexe gefährdet werden können. Hier stehen nämlich zahlreiche Versuchs-, Entsorgungs- und Produktionsanlagen. Einige von ihnen längst stillgelegt, andere im Abbauprozess, wiederum andere in voller Fahrt, wie der schnelle Brüter „Phenix“. Aber auch Plutoniumwerke, die aus Uran und Plutonium ein Gemisch für Reaktorbrennstäbe herstellen, stehen auf dem Gelände. Doch das ist längst nicht das einzige Problem.

In den beiden größten Wiederaufbereitungsanlagen Frankreichs, Marcoule und La Hague, sind deutlich mehr radioaktive Stoffe auf einen Ort konzentriert, als in den einzelnen Atomkraftwerken selbst. Le Hague war aufgrund von Unfällen, bei denen auch Radioaktivität austrat, in der Vergangenheit des Öfteren in den Schlagzeilen zu finden. Allerdings nie sehr lange, denn solche unschönen Dinge wurden immer schnell mit der Aussage „für Menschen, Umwelt und Natur unschädlich“ verharmlost. Selbst eine Studie, die anlässlich der Anschläge des 11. September einen (ziemlich unwahrscheinlichen) Flugzeuganschlag auf eine solche Anlage durchspielte und eine weitaus größere Verseuchung als Tschernobyl prophezeite, änderte nichts am Festhalten an der Atompolitik.

Auch beim aktuellen Unfall in Marcoule gab das staatliche Atomenergiekommissariat wieder sofort Entwarnung. Fürs Erste sei keine Radioaktivität entwichen. Dennoch durften Arbeiter das Gelände zunächst nicht verlassen und um die Anlage wurde eine Sicherheitszone gezogen. Ein Umstand, der die Bevölkerung ziemlich verunsicherte, zumal auch aussagekräftige Stellen für sie telefonisch erst Stunden später erreichbar waren. Auf einen „kleinen Unfall“ deutet ein solches Verhalten zumindest nicht hin und die Vertuschungstradition dürfte dieses Mal auch nicht so funktionieren, so, wie es vor Fukushima der Fall war.

Ob auch wirklich „alles unter Kontrolle“ ist, wird sich spätestens im kommenden Jahr herauskristallisieren. Denn dann stehen in Frankreich die Wahlen an. Hier wird sich dann zeigen, ob die Bevölkerung hinter der Einstellung ihrer Regierung steht, die auch nach Fukushima weiter an der Atomenergie festhalten will.

Judith Schomaker

Konzepte der Sonnenwärmenutzung

Die Sonne schreibt keine Rechnung! Um ihre Energie zu nutzen, gibt es dabei unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Beispiel in Form von solarthermischen Kraftwerken. Davon gibt es zwei verschiedene Arten: Kraftwerke mit und ohne Strahlungsbündelung. Doch wie arbeiten sie und wo liegen die Unterschiede der beiden Kraftwerksarten?

Solarthermische Kraftwerke, die mit einer Strahlungsbündelung arbeiten, konzentrieren die Sonneneinstrahlung, die auf die nachgeführten Spiegel und Reflektoren auftreffen. Bei Solarkraftwerken, die ohne eine Strahlungsbündelung arbeiten, wird die Einstrahlung der Sonne über die gesamte Fläche genutzt. Wie funktioniert das nun im Einzelnen?

Solarkraftwerke mit Strahlungsbündelung

Bei dieser Art von Kraftwerken nimmt ein wärmeleitendes Arbeitsmedium thermische Energie auf und nutzt diese, um eine Turbine anzutreiben, die dann Strom erzeugt. Unterschiedliche Typen solcher Kraftwerke, wie Parabolrinnensysteme, Solarturmkraftwerke, Paraboloidkraftwerke und Fresnel-Kollektoranlagen, werden bereits kommerziell betrieben oder befinden sich in der Testphase. Für Kraftwerke mit Strahlungsbündelung werden dabei fokussierende Reflektorflächen oder Absorber, etwa Spiegel, benutzt, um eine konzentrierte Bündelung der Sonnenenergie zu ermöglichen. In der Regel werden sie der Sonne nachgeführt und sammeln die Strahlen auf einer groß angelegten Fläche ein (Solarfarmkraftwerke). Solarturmkraftwerke und Paraboloidkraftwerke kommen ohne einen solch großen Flächenbedarf aus. Sie fangen die Sonnenstrahlen ein und bündeln sie durch Punktkonzentratoren auf nur einen Brennpunkt, der auf einen Receiver gelenkt wird. Beim Paraboloidkraftwerk beispielsweise befindet sich im Receiver eine Stirlingeinheit. Er absorbiert die eingefangene Strahlung und gibt sie an den Stirling-Motor ab. Hier befindet sich ein abgeschlossener Kolbenraum, der mit Arbeitsgas, meistens Luft oder Helium, gefüllt ist. Durch die zugeführte Hochtemperaturwärme wird das Arbeitsgas abwechselnd erhitzt und gekühlt, woraus letztendlich ein viertaktiger Arbeitsablauf entsteht. Über ein Kurbelgetriebe wird dabei mechanische Energie erzeugt, die wiederum über einen Generator elektrische Energie bereitstellt.

Solarkraftwerke ohne Strahlungsbündelung

Für Solarkraftwerke, die ohne Strahlungsbündelung auskommen, also die gesamte einfallende Sonneneinstrahlung, ob Direkt- oder Diffusstrahlung, nutzen, gibt es zwei Systeme. Nachgeführte Reflektoren nutzen sie jedoch beide nicht und auch in punkto Wirkungsgrad glänzen sie nicht gerade mit imposanten Zahlen. Bei den Solarkraftwerken ohne Strahlungsbündelung unterscheidet man zwischen Solarteichkraftwerken und Aufwindkraftwerken.

Die Solarteichkraftwerkemachen sich die Absorbtionskraft von Salzseen zunutzen, dessen thermische Energie dann in einem Turbinen-Generator-Block zur Erzeugung von Strom verwendet wird. Der Wirkungsgrad, den ein solches Kraftwerk erreicht, liegt bei maximal 15 Prozent. Aus thermodynamischen Gründen ist ein höherer Wirkungsgrad auch gar nicht möglich. Entsprechend gering ist aber auch der Investitionsaufwand für ein Solarteichkraftwerk, was den geringen Wirkungsgrad wieder relativiert.

Aufwindkraftwerkenutzen die Luft aus, die unter einem großflächigen Dach aus Glas oder Kunststoff von der Sonne erwärmt wird. Die erwärmte Luft steigt dann in einen Kamin auf, der mit Hilfe von Turbinen aus diesem Aufwind elektrischen Strom produziert. Aufwindkraftwerke sind stark von Dauer und Stärke der Sonneneinstrahlung abhängig, aber auch von der Größe der Kollektorfläche und der Höhe des Kamins. Je größer die Dimensionen, desto größer ist auch die Leistung. Allerdings steigen hierdurch auch die Investitionskosten, wobei der, auf die Einstrahlungsenergie der Sonne bezogene Wirkungsgrad relativ gering ist und bei rund einem Prozent liegt. Solche Anlagen arbeiten daher nur in Gegenden mit sehr starker Sonneneinstrahlung tatsächlich wirtschaftlich.

Judith Schomaker

Japan genießt Spitzenposition

Auf dem Automobilmarkt haben die Asiaten die Nase vorn. Das zeigt nicht nur das Öko-Ranking des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), sondern auch die weltweit größte Automobilmesse IAA. Bei deutschen Autobauern scheinen Hybrid- und Elektroautos nur ein Nischenprodukt darzustellen, um das grüne Mäntelchen ein wenig wahren.

Zwar zeigen deutsche Automobilhersteller auf der IAA auch ihre Elektro- und Hybridfahrzeuge, sowie aktuelle Spritsparmodelle voller Stolz, doch dies Präsentation scheint eher als Alibifunktion zu dienen. Die wenigsten der vorgestellten Öko-Autos werden bereits in Serien gebaut. So kündigte Volkswagen an, sein sparsames Ein-Liter-Auto im Jahr 2013 endlich auf den Markt bringen zu wollen – mit einer peinlich geringen Auflage von 500 Stück. Eigentlich war die Serienproduktion schon für das Jahr 2010 angekündigt worden, nachdem die Konzeptstudie schon 2002 begann. Bessere Aussichten gibt es auch bei den Elektroautos nicht. So will Opel seinen Ampera Elektrowagen in diesem Herbst auf den Markt bringen, der BMW i3 muss damit noch bis 2013 warten. Einen gewaltigen Vorsprung genießen hingegen die japanischen Automobilhersteller. Schon jetzt produzieren Nissan und Mitsubishi Elektroautos in Großserien. Etwa den Nissan Leaf, von dem jeden Monat rund 4000 Stück vom Band rollen oder der Misubishi i-MiEV mit immerhin 2100 gefertigten Autos pro Monat.

Auch bei den Spritsparern zeigen sich deutsche Automobilhersteller wenig einfallsreich. Laut Ökoranking finden sich deutsche Fahrzeuge erst auf dem siebten Platz wieder. In allen vier Bewertungskategorien (CO2-Ausstoß, Verbrauch, Lärmbelästigung, Zusammensetzung und Art der ausgestoßenen Schadstoffe) haben auch hier die Japaner deutlich die Nase vorn. Modelle von Lexus, Toyota und Honda belegen die ersten sechs Plätze. Für deutsche Autobauern bedeutet das einen erheblichen Nachholbedarf, sonst dürfte ihnen der größte Automarkt der Zukunft, China, verschlossen bleiben. Der lässt sich nämlich nur mit modernster Umwelttechnik erobern, von der wir allerdings noch weit entfernt sind. Und es wohl auch bleiben werden, wie eine Studie der Deutsche Bank Research und dem Institut der Deutschen Wirtschaft verdeutlicht. Demnach dürfte E-Mobilität auch weiterhin ein Nischendasein fristen. Der Marktanteil der Elektroautos fällt im Jahr 2020 mit nur sechs Prozent an den gesamten Neuzulassungen peinlich gering aus.

Judith Schomaker

Ethischer Schmuck von Ute Decker

Fair-Trade-Gold, recyceltes Silber und umweltfreundliches Bioharz stehen im krassen Gegensatz zu Blutdiamanten und dem rücksichtslosen Einsatz von Quecksilber bei der herkömmlichen Goldgewinnung. Die Schmuckkünstlerin Ute Decker beweist, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität ein harmonisches Resultat hervorbringen. Sie zählt zu den Leitfiguren der Ethical-Jewellery-Bewegung.

Der Schmuck. Die Schmuckskulpturen von Ute Decker erfreuen in ihrer minimalistischen Ausprägung zweifellos das Auge. Organische und architektonische Formen prägen die in limitierter Auflage hergestellten Schmuckstücke. Hier ist tatsächlich alles Gold und Silber, was glänzt. Der Unterschied zu herkömmlich produzierten Schmuckstücken offenbart sich dem Betrachter erst bei genauerer Betrachtung der Preziosen.

So verwendet die in London lebende deutsche Künstlerin etwa ausschließlich recyceltes Silber. Auch das eingesetzte Gold ist mit einem speziellen Stempel versehen, der das seltene Edelmetall als Fair-Trade-Gold kennzeichnet. Anstelle des in der Schmuckbranche üblichen giftigen Kunstharzes vertraut die Künstlerin auf umweltfreundliches Bioharz. Dieses wird aus Sonnenblumen gewonnen.

Ethical Jewellery. Eine steigende Anzahl weitsichtiger Schmuckhersteller legt verstärkt Wert darauf, unbedenkliches oder recyceltes Ausgangsmaterial zu verwenden. Besonders britische Schmuckdesigner widmen sich dieser Thematik und stellen hohe Ansprüche an die Qualität ihrer Rohstoffe. Dazu zählt etwa auch die lückenlose Dokumentation der Zulieferkette auf freiwilliger Basis. Gleichzeitig setzt sich diese Gruppe der Kreativen auch für eine größere soziale Verantwortung gegenüber den Lieferanten der Edelmetalle und Schmucksteine ein.

Fair-Trade-Gold ist an einem speziellen Stempel erkennbar. Bei seiner Gewinnung muss eine Fülle an ökologisch und sozial orientierten Vorgaben erfüllt werden. So ist etwa der Einsatz von Chemikalien zu seiner Gewinnung strengstens untersagt. Kinderarbeit ist ebenso verboten wie die rücksichtslose Ausbeutung der Natur. Noch deckt Fair-Trade-Gold nur einen geringen Teil des weltweiten Goldmarkts ab. Die Nachfrage der Schmuckgestalter übersteigt jedoch bereits heute das momentane Angebot an dem fair gewonnenen Edelmetall mit der Ordnungszahl 79.

Ute Decker ist eine der Vorreiterinnen dieser jungen Strömung innerhalb der Schmuckbranche. Sie bekennt sich zu einem nachhaltigen Umgang mit den Werkstoffen und bringt ihre Einstellung auch formal in der Formgebung ihres Schmucks zum Ausdruck. Die Designerin veröffentlicht laufend Artikel zu diesem brisanten Thema und leistet auch auf ihrer Website wertvolle Aufklärungsarbeit.

Joachim Kern

Solarzellen auf Papier

Wissenschaftler der TU Chemnitz haben Solarmodule vorgestellt, die auf einfaches Papier gedruckt werden können. Dabei kommen spezielle Druckfarben mit elektrischen Eigenschaften zum Einsatz, die bestimmte Strukturen auf Papier bilden, so dass bei Sonnenlichtbestrahlung Strom entsteht. Die 3PV („printed paper photovoltaics") genannte Technologie stellt einen Paradigmenwechsel in der Solartechnologie dar, insbesondere im Hinblick auf Materialkosten – denn Solarzellen sind bislang relativ teuer in der Herstellung.

Herkömmliche Silizium-Solarzellen sind heutzutage biegefest und weisen einen Wirkungsgrad von über zehn Prozent bei rund 25 Jahren Lebensdauer auf. In vielen Bereichen aber sind eine geringere Effizienz und eine kürzere Lebensdauer ausreichend. Wissenschaftler haben sich daher Gedanken gemacht, wie man mit einfachen Verfahren kostengünstig Solarzellen herstellen kann. Denn eins der größten Hindernisse sämtlicher Photovoltaikansätze sind bislang hohe Produktions- und Materialkosten. Einen Lösungsansatz stellt die sogenannte organische Photovoltaik dar, basierend auf einer Mischung aus Polymer- und Fullerenmaterial (BHJ-Zellen). Die Technik haben die Forscher mit dem Papierdruck zur Papiersolarzelle kombiniert.

Bei der Papierdrucktechnologie kommen Tief-, Flexo- und Offsetdrucktechniken zum Einsatz, die sehr kostengünstig sind. In einem speziellen Druckprozess wird natürlich oxidiertes Zink auf Papier aufgebracht, die transparente Gegenelektrode wird mit PEDOT, einem leitfähigen Polymer, gedruckt. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Arved Hübler vom Institut für Print- und Medientechnik der TU Chemnitz haben in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Würzburg bei den so hergestellten Solarzellen einen Wirkungsgrad der Energieumwandlung von 1,3 Prozent erzielt. Auf der Rollendruckmaschine des Institutlabors hat man bereits sehr stabile 3PV-Module gedruckt. In einem nächsten Schritt will man durch laufende Materialoptimierung den Wirkungsgrad der Zellen auf bis zu fünf Prozent steigern.

Dabei weisen die Forscher vor allem auf die Umweltverträglichkeit der Methode hin. Nachdem die Solarzellen ihre Aufgabe erfüllt haben, kann man sie problemlos im Altpapier entsorgen, sie zeigen somit eine positive Umweltbilanz, denn sie erzeugen nicht nur regenerative Energie, sie bestehen zudem aus nachwachsenden Rohstoffen. Die 3PV-Technologie setzt nicht unbedingt auf hohe Effizienz und lange Haltbarkeit, aber auf billige Materialien und kostengünstige Massenproduktion. Dadurch rentiert sich auch eine mittelmäßige Energieeffizienz und geringere Lebensdauer, heißt es.

Als Anwendungsfelder sehen die Forscher unterschiedlichste Möglichkeiten. So wären die Papiersolarzellen zur einfachen Stromerzeugung in abgelegenen Regionen einsetzbar und würden dort helfen, eine autarke Low-Tech-Energiewirtschaft zu entwickeln. Man könnte zudem kleinere elektrische Geräte, sogenannte Smart Objects, mit den Zellen bedrucken und diese so autark betreiben. Auch intelligente Verpackungen seien denkbar, die viele Zusatzfunktionen aufweisen, vom Display bis zum Sensor. Die erforderliche Drucktechnologie ist weitgehend vorhanden. Bereits in wenigen Stunden könnte eine herkömmliche Druckmaschine mit zwei Metern Druckbreite und einer Druckgeschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde eine Fläche bedrucken, die der weltweiten Jahresproduktion der Solarindustrie entspräche, erklären die Wissenschaftler.

Josephin Lehnert

So haben wir es uns nicht vorgestellt

Was keine Menschenkette und keine Großdemonstration geschafft hat – die Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat – so traurig dies ist – es vollbracht: Der Atomausstieg in Deutschland wurde erneut beschlossen. Acht der ältesten Kernkraftwerke sind bereits vom Netz gegangen und bis 2022 sollen allmählich die restlichen nachfolgen. Doch wer glaubt, damit würde Atomenergie aus deutschen Energieleitungen verbannt, der irrt. Denn in unseren Leitungen fließt weiterhin Atomstrom was das Zeug hält.

Seit dem Herunterfahren der Meiler im März dieses Jahres hat sich das Import-Export-Verhältnis auf dem Strommarkt umgekehrt. Die Exporte fuhren entsprechend zurück, dafür hat sich der Stromimport rapide gesteigert. Der Strom kommt jetzt vor allem aus Frankreich und Tschechien – in Form von Atomstrom.

Die Stromexporte von Tschechien nach Deutschland haben sich nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft in diesem Jahr versiebenfacht: 5,6 Milliarden Kilowattstunden flossen zwischen Januar und Juni in deutsche Leitungen. Aus Frankreich wurden 10,4 Milliarden Kilowattstunden importiert, das sind rund 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei handelte es sich größtenteils um Atomstrom.

Da in den kommenden Jahren in Deutschland allmählich immer mehr Kernkraftwerke vom Netz gehen sollen, wittert man in Tschechien gute Geschäfte und plant schon mal den weiteren Ausbau. Derzeit sind dort zwei Atomkraftwerke in Betrieb, die 30 Prozent des Strombedarfs des Landes decken. Bis 2060 ist eine Steigerung auf 60 bis 80 Prozent vorgesehen. Denn das tschechische Energieministerium geht von einem starken Anstieg der Stromnachfrage aus, vor allem durch die Einführung von Elektroautos. Deutschland unterstützt das Vorhaben indirekt, denn für den Strom, den wir beziehen, fließt natürlich Geld – das jenseits der Grenze investiert werden kann, und zwar in neue Atomkraftanlagen. Nun stellt sich die Frage: Was nützt die beste Vorreiterrolle, wenn die Nachbarn fröhlich weiter spalten? Irgendetwas ist da schief gelaufen.

Zwar sollen die neuen Blöcke in Tschechien zur Deckung des Eigenbedarfes dienen, aber es geht ja ums Prinzip. Tschechien ist viel zu nah, als dass man beruhigt die Hände in den Schoß legen könnte und sagen: das betrifft uns nicht. Das Atomkraftwerk Temelin liegt nur 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt; im Übrigen auch nur 50 Kilometer vom Null-Atomenergieland Österreich. Ein Zusammenschluss von Deutschland und Österreich in dieser Sache könnte den eklatanten Atomenergieausbau in Tschechien eventuell stoppen, wenn man nur rigoros genug vorginge. Schließlich könnte man die deutschen Gelder ebenso gut in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren.

Dass auch europäische Atomkraftwerke nicht vor Unfällen gefeit sind, zeigt der jüngste Zwischenfall im französischen Kernkraftwerk Marcoule vom Montag. Infolge einer Explosion besteht die Gefahr, dass radioaktives Material in die Atmosphäre entweicht. In der seit Jahren stillgelegten Anlage wird in einem Forschungsreaktor das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX produziert. Insgesamt 58 Kernkraftwerke sind in Frankreich am Netz, von einem Atomausstieg will man in dem fortschrittlichen Land leider nichts wissen. Also liegt es an Deutschland, das Problem zu lösen. Bleibt zu hoffen, dass dies auch passiert und der Importanteil zurückgefahren werden kann, so dass sich der Atomausstieg nicht als gutgemeinte aber leider fehlgeschlagene Farce entpuppt.

Josephin Lehnert

Der Biketower – eine vollautomatische Parkgarage für Elektroräder

Die Firma e-bike-mobility aus Markdorf am Bodensee hat für Städte, Kommunen und Unternehmen einen „Biketower" entwickelt, der nicht nur eine platzsparende Garage für bis zu 112 E-Bikes und Fahrräder darstellt. Er fungiert auch gleichzeitig als vollautomatisches Verleihsystem und effiziente Ladestation für Elektrofahrräder.

Der Biketower ist eine modular aufgebaute Stahlkonstruktion mit bis zu sieben Etagen, die gerade einmal eine Grundfläche von 28,5 Quadratmetern benötigt. Die Fahrräder oder E-Bikes werden in eine Sicherheitsschleuse gestellt und automatisch an ihren Platz befördert. Dort kann ihr Akku nach Bedarf in einer dafür vorgesehenen Ladestation aufgeladen werden. Die Entnahme der Räder erfolgt ebenfalls eigenständig durch den Fahrradeigentümer oder Mieter. Die Abrechnung der Park-, Miet- oder Ladegebühr erfolgt über EC- oder Kreditkarte.

Gerade für Pendler bietet der Fahrradturm eine Möglichkeit, mehrere öffentliche Verkehrsmittel umweltfreundlich miteinander zu kombinieren. So können sie beispielsweise ein Fahrrad oder E-Bike sicher am Bahnhof abstellen beziehungsweise ausleihen.

Bketower-Meckenbeuren-bei-Tag-72-dpiDie Investitionskosten für einen Biketower sind aufgrund von Fördermitteln und sonstigen Einnahmen überschaubar: „Die Investitionen der Kommunen werden durch Fördermittel für die Errichtung der modernen Infrastruktur, durch Eigenleistung und durch Sponsoren getragen", beschreibt Geschäftsführer Bernd Reutemann das Konzept. Außerdem lässt sich der Biketower dank moderner LED-Technologie illuminieren und so zum attraktiven Werbeträger umfunktionieren.

Auch an die umweltfreundliche Energieerzeugung wurde gedacht: Wer möchte, kann den Biketower mit auf dem Dach angebrachten Photovoltaikmodulen erwerben.

Die Gemeinde Meckenbeuren ist derzeit die erste Kommune Europas, die einen Biketower in Betrieb genommen hat. In den kommenden Monaten ist der Aufbau einer breiten Infrastruktur der Biketower geplant.

Das Konzept des Biketowers wurde im Rahmen der Leitmesse Eurobike mit dem Eurobike Green Award 2011 ausgezeichnet.

Corinna Lang

Förderungen für energieeffiziente Immobilien in 2011

Heutzutage gibt es eine Reihe von Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten im Zusammenhang mit dem Erwerb oder dem Bau von Energiesparhäusern. Meistens handelt es sich dabei um besonders zinsgünstige Kredite, es kann darüber hinaus aber auch noch Förderungen in Form bestimmter Zuschüsse geben. Grundsätzlich gibt es für den Eigentümer des Energiesparhauses vorrangig drei Anlaufstellen, die bezüglich der Förderung und Finanzierung in Frage kommen können.

Die beiden ersten Anlaufstellen sind die Bundesländer und die Gemeinden/Kommunen. Denn in einigen Bundesländern und in diversen Gemeinden und Kommunen gibt es verschiedene Finanzierungsprogramme, die die Vergabe günstiger Kredite für Energiesparhäuser vorsehen. Diesbezüglich muss man sich im Einzelfall bei der zuständigen Gemeinde beziehungsweise beim Bundesland erkundigen. Die dritte Anlaufstelle ist die KfW-Bank, bei der auf jeden Fall eine günstige Finanzierung zu erhalten ist, wenn das Haus die notwendige Voraussetzung erfüllt. Diese Voraussetzung zum Erhalt des KfW-Darlehens besteht lediglich darin, dass das Objekt einen vorgegebenen Mindest-Energiestandard einhalten muss. Konkret muss es sich mindestens um ein KfW-Effizienzhaus 70 handeln.

Welche Vorteile und Konditionen sind bei der KfW-Förderung zu beachten?

Die KfW-Bank bietet im Zusammenhang mit dem Bau/Erwerb eines Energiesparhauses mit dem Programm 153 "Energieeffizient Bauen" ein spezielles Förderprogramm an. Das Programm beinhaltet einerseits günstige Kredite und andererseits einen Tilgungszuschuss. Die im Zuge des Programms vergebenen KfW-Kredite haben eine maximale Höhe von 50.000 Euro je Wohneinheit und bis zu 100 Prozent der Baukosten (ohne Grundstückskosten) können mittels dieser Darlehen finanziert werden. Der bereits angesprochenen Tilgungszuschuss richtet sich von seiner Höhe her nach der Energieeffizienz, die das zu finanzierende Haus erreicht. Maximal beträgt der Zuschuss zehn Prozent, also im besten Fall 5.000 Euro je Wohneinheit.

Ein weiterer Vorteil der Finanzierung des Energiesparhauses über die KfW-Bank ist, dass jederzeit kostenlose Sondertilgungen möglich sind. Ferner gibt es einige tilgungsfreie Anlaufjahre, sodass in der ersten Zeit die mitunter bestehende doppelte Belastung aus Mietzahlung und Tilgung entfällt. Ein weiterer große Vorteil des KfW-Darlehens sind die sehr geringen Zinssätze, die der Kreditnehmer zahlen muss. Bei einer Zinsbindung von zehn Jahren ist zum Beispiel aktuell (Stand: September 2011) nur ein Zinssatz von 2,52 Prozent (effektiv) zu zahlen. Damit liegt der Zinssatz der KfW-Bank mehr als ein Prozent unter den durchschnittlichen Zinsen, die "normale" Banken für ein Hypothekendarlehen veranschlagen.

Sandra Elsbach

Quelle: ForwardDarlehen.org – Das Service- und Ratgeberportal für die Finanzierung von Immobilien.

Ecovillaggio Solare- Leben und Wohnen auf der Sonnenseite

Im Herzen Umbriens, mitten in Italien entsteht derzeit ein Dorf, das sich zukünftig völlig unabhängig von herkömmlichen Energiequellen selbst versorgen soll. Als Projekt zur wissenschaftlichen Erforschung von neuen Öko-Technologien angelegt, bietet es seinen Bewohnern neben einer herrlichen landschaftlichen Umgebung auch Kostenersparnisse, da eine autonome Energieversorgung durch die effektive Nutzung von Sonnenenergie, Biomasse, Wärmedämmungssystemen und einem auf umweltfreundlichen Materialien basierendem Abwasserklärsystem den Dreh- und Angelpunkt der gesamten Idee des Ecovillaggio Solare bildet. Die Pflanzenkläranlage reinigt mittels Kies-, Bakterien- und Pflanzenschichten das Abwasser auf besonders schonende Art und ganz ohne chemische Zusätze oder umweltschädliche Substanzen.

Erwirbt man eine Wohneinheit, sind 200.000 Quadratmeter gemeinsamen Waldes im Preis inbegriffen, ebenso wie ein Anteil am beheizten Schwimmbad und an der großen Festhalle. Eingebettet in Wälder und Wiesen sind 56 Häuser geplant. Alte Landhäuser und Mühlen werden umgebaut und neue Wohngebäude errichtet. Einige sind bereits fertig gestellt und sichern das ganze Jahr über ideale Temperaturen, bei einer Energieersparnis von 70 Prozent durch den sehr hohen Grad an Wärmedämmung. 2.200 bis 2.800 Euro Pro Quatratmeter kostet hier das eigene Leben oder auch einfach nur der Urlaub.

Zur Planung der Wohnanlage haben weltweit anerkannte Experten auf dem Gebiet ökologisch sinnvoller Bauweisen, wie der Architekt Sergio Los, Vater der italienischen Bioarchitektur, beigetragen. Eine der vielen Besonderheiten ist beispielsweise die Versorgung mit Trinkwasser: durch ein waagerechtes Brunnensystem, das schon vor 7.000 Jahren von Nomadenstämmen der Sahara entwickelt wurde, wird das Wasser aus dem Boden gewonnen und in das Trinkwassersystem eingespeist. Pietro Laureano, Architekt, Stadtplaner und Unesco-Berater für Dürrgebiete und gefährdete Ökosysteme, hat diese Art der Wassergewinnung für das Ecovillaggio in Umbrien angepasst. Innovative und fortschrittlich denkende Köpfe schaffen in Zeiten der Krise eine zukunftsweisende und nachhaltige Perspektive für verantwortungsbewusste und alternative Wohn- und Lebensweisen.

Melissa Puscher

Solar-Wäschetrockner von Miele und Solvis

Elektronische Wäschetrockner sind bekanntlich ziemliche Stromfresser und – da die verbrauchsfreie Alternative namens Wäscheleine quasi zum Nulltarif zur Verfügung steht – auch in ihrer Sinnhaftigkeit zumindest hinterfragbar. Der Elektro-Hausgeräte-Hersteller Miele hat nun gemeinsam mit dem Solarheizsystemhersteller Solvis auf der IFA 2011 einen Wäschetrockner vorgestellt, der mit Solarenergie beheizt wird und im Herbst 2012 auf den Markt kommen soll.

Die Weltneuheit geht dabei nicht den Umweg über die Herstellung von elektrischem Strom, sondern nutzt die Sonnenwärme direkt zum Trocknen. Da – wie auch bei Waschmaschinen oder Geschirrspülern – die Wärmeerzeugung den Großteil der Energie verbraucht, ist eine solche Herangehensweise auch durchaus sinnvoll.

Im Detail erwärmt eine durch die Sonnenkollektoren laufende Flüssigkeit das Wasser im – mit dem Solartrockner kombinierten – Solvis-Solar-Schichtspeicher. Dieser nimmt das Wasser nicht nur einfach auf, sondern schichtet heißes Wasser nach oben, warmes Wasser in die Mitte und kaltes Wasser nach unten. Das ermöglicht eine deutlich effiziente Wärmeerzeugung, als wenn das – durch die Sonnenkollektoren erhitzte – Wasser einfach mit dem im Speicher vermischt werden würde.

Das heiße Wasser aus dem oberen Teil des Schichtspeichers wird dann direkt zur Erwärmung von Luft verwendet, die für den Trockenprozess zur Verfügung steht. Kühlt das Wasser ab, fließt es zurück in den Speicher und wird erneut aufgeheizt – der Kreislauf beginnt von vorne. Auch das kühle Wasser im Speicher hat eine Funktion: Es wird zur Kondensation der  – durch den Trocknungsvorgang – feuchten Luft verwendet.

Laut einer gemeinsamen Studie von Miele und Solvis, die gemeinsam mit dem Wäschetrockner auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) 2011 präsentiert wurde, sind mit dem innovativen Trocknersystem deutliche Energie- und Kostensenkungen möglich. Waren schon Wärmepumpentrockner in ihrer Energiebilanz sehr viel sparsamer als die herkömmlichen Abluft- oder Kondensationstrockner, ist demnach mit dem Solartrockner noch einmal eine 50-prozentige Strom-Ersparnis gegenüber Wärmepumpe und sogar bis zu 80 Prozent gegenüber den althergebrachten Abluft- oder Kondenstrocknern möglich.

Matthias Schaffer

Lokale Stromnetze nicht ausreichend vorbereitet

Im Rahmen der Frauenhofer Systemforschung Elektromobilität mit dem Schwerpunktthema „Energieerzeugung und Netzintegration" wurden die deutschen Stromnetze auf ihre Belastbarkeit hin untersucht. Anlass waren die Pläne der Bundesregierung, bereits 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen.· Experten aus mehr als 30 Instituten kamen dabei zu dem Ergebnis, dass insbesondere die Niederspannungsnetze nur bedingt für die Strombeladung durch viele E-Fahrzeugen geeignet sind. Maximal zehn Prozent an E-Fahrzeugen seien bei gleichzeitiger Ladung zulässig, bevor Betriebsmittel, zum Beispiel Transformatoren, überlastet würden. Mit einem intelligenten Beladungsmanagement seien bis zu 30 Prozent möglich.

Basis für die Simulation war ein so genanntes CIGRE-Modell, welches mit verschiedenen Elementen aus dem Niederspannungsbereich erweitert wurde. Anschließend wurden verschiedene Szenarien, zum Beispiel verschiedene Ladegeschwindigkeiten oder Bebauungsstrukturen, simuliert. Bei so gut wie keinem Szenario war – auch bei intelligenter Ladetechnologie - eine hundertprozentige Durchdringung mit Elektrofahrzeugen möglich, ohne die Betriebsmittel zu überlasten.

Bei den Simulationen des Frauendorfer-Anwendungszentrum Systemtechnik (AST) wurden auch der zukünftige Energiemix im Jahr 2020 und 2030 berücksichtigt, der einen wesentlich höheren Anteil an erneuerbaren Energien als heute beinhaltet und damit auch eine bessere CO2-Bilanz von E-Fahrzeugen verspricht.

Derzeit allerdings, so Dr. Peter Bretschneider, Leiter des Geschäftsbereiches Energiesysteme, sei man noch weit von einer Marktdurchdringungsrate von mehr als zehn Prozent entfernt. Andererseit würden die vorliegenden Ergebnisse schon heute zeigen, dass für einen hohen Anteil von Elektrofahrzeugen auch übergeordnete Netze, wie zum Beispiel das Mittelspannungsnetz, für die Beladung berücksichtigt werden sollten.

Alexandra Zanias

"Ökostrom ist doch gar nicht grün!"

Die kindliche Neugierde bringt einen ja mitunter nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken. So wie neulich, als ich gedankenversunken mit meinem Sohn auf der Autofahrt zur Oma war!

Das Radio läuft. Kurz vor zwölf Uhr. Es ist mal wieder Zeit für die Werbung. Da dudelt auch schon das entscheidende Stichwort aus den Lautsprechern, das mich noch eine Weile beschäftigen sollte: Entscheiden sie sich jetzt für grünen Strom. Die prompte Reaktion meines Sprosses: „Strom ist doch gar nicht grün!“ Der ist doch unsichtbar, den kann man gar nicht sehen.“ Kluges Kerlchen, schön, dass er nicht alles glaubt, was die Werbung uns so suggeriert! Aus elterlicher Sicht sehr erfreulich, vor allem, wenn es um das neueste Spielzeug oder um irgendwelche supergesunden Kindersnacks geht.

Die nächsten zehn Minuten verbringe ich also damit, meinem knapp sieben Jahre alten Sohnemann zu erklären, was es mit dem „grünen Strom“ denn nun auf sich hat. Es also nicht an der Farbe liegt, sondern daran, wo er herkommt und wie er gewonnen wird. Kein besonders schweres Unterfangen, schließlich wohnen wir in einer Gegend, in der Windräder, Biogasanlagen und Photovoltaik an jeder Ecke lauern. Zu erklären, dass es auch „dreckigen“ Strom gibt, der alles andere als Grün ist, wird da schon schwieriger. Trotzdem versteht er schnell, dass es eindeutig besser ist, wenn der Strom "in grün" aus der Steckdose kommt.

Schön und gut, meine Erklärung vom „grünen Strom“, damit gibt er sich allerdings nicht zufrieden. „Mama, gibt es denn da zwei Rohre, mit denen der Strom in die Steckdose kommt? Eins für den grünen und eins für den dreckigen?“ Ja, da stehe ich ersteinmal auf dem Schlauch! Keine Chance, einem so kleinen Gehirn so komplizierte Zusammenhänge zu erklären. Ich versuche es mit einer kindgerechten, bildlichen Erklärung. Na dann los! „Stell dir einen großen Topf vor, in den der ganze Strom reinkommt, der dreckige und auch der grüne. Dann wird die ganze Stromsuppe durchgerührt und durch die Rohre geschossen, damit er zu Hause aus der Steckdose kommt.“ Ein fragender Blick und Stille, was mich am Effekt meiner Bildersprache zweifeln lässt.

Ich merke, wie der kleine Kopf zu rauchen anfängt. Na gut, war diese Erklärung vielleicht doch nicht geeignet? Anscheinend schon, denn nach einer Weile kommt das „OK, verstanden“. Schön denke ich und hake die Sache ab. Mein Sohn hat mir also die Absolution erteilt und ich gehe wieder anderen Gedanken nach. Eine ganze Zeit lang später - Hat ihn das wirklich so lange beschäftigt? – dann die ernüchternde Erkenntnis eines kleinen Kindes: „Mama, du hast Recht, was du mir einmal gesagt hast. Die in der Werbung veräppeln uns wirklich nur.“ Kindermund tut eben Wahrheit kund.

Judith Schomaker

Bio-Erdgas-Fahrzeuge für den Bundestag

Als medienwirksame Unterstützung des Energiekonzeptes der schwarz-gelben Regierung werden die Bundestags-Abgeordneten in Berlin ab sofort mit Bio-Erdgas-Fahrzeugen chauffiert. Am 6. September wurde die neue Fahrzeugflotte – bestehend aus 37 neuen Mercedes-Benz E 200 NGT - in Berlin-Mitte präsentiert. Die Autos werden mit reinem Bio-Erdgas betrieben und emittieren 38 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer. Im Vergleich zu Dieselmodellen sind sie außerdem leiser und tragen kaum zur Stickoxid- und Feinstaubbelastung bei.

Zum Betanken der neuen Fahrzeuge können die Chauffeure der Abgeordneten auf Bio-Erdgas aus insgesamt 27 Zapfsäulen von Erdgas mobil im Großraum Berlin zurück greifen. Das entspricht dem bundesweit am besten ausgebauten Erdgas-Tankstellennetz.

Wo sich die Tankstellen genau befinden, lässt sich für Interessierte ganz einfach mit dem Tankstellenfinder von Erdgas mobil herausfinden. Dort gibt es auch einen Routenplaner und eine Übersichtskarte aller Erdgas-Tankstellen in ganz Deutschland als Download. Von den darin aufgeführten 901 Erdgas-Tankstellen wird mittlerweile an 160 Bio-Erdgas in verschiedenen Anteilen zwischen zehn und 100 Prozent beigemischt.

Die offizielle Erst-Betankung der Mercedes E-Klasse wurde – selbstverständlich fotografisch festgehalten - an der Erdgas-Tankstelle Chausseestraße von Dr. Joachim Pfeiffer - dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion - und Martin Burkert - Bundestags-Mitglied der SPD-Fraktion im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung - vorgenommen. Burkert bezeichnete die Umstellung als einen „großen Schritt in die richtige Richtung“ und Pfeiffer sah „nur Gründe, die dafür sprechen“.

Mit den 37 neuen Autos fährt die Fahrzeug-Flotte des seit über zwölf Jahren für den Bundestag zuständigen Fuhrpark-Betreibers RcVin Dienste GmbH nun zu 25 Prozent mit Bio-Erdgas. Der Einsatz des in Deutschland aus Abfallstoffen hergestellten Treibstoffes senkt somit die Gesamt-CO2-Emissionen des Fuhrparks auf etwa 120 Gramm pro gefahrenen Kilometer.

Matthias Schaffer

Ökostrom hoch im Kurs - Wie die steigende Nachfrage gedeckt wird

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahre 1998 haben rund ein Viertel der deutschen Verbraucher ihren Stromanbieter gewechselt. Vor allem die großen Ökostromanbieter können zufrieden sein: Laut des deutschen Naturschutzrings gibt es inzwischen mehr als eine Million Ökostromkunden. Lichtblick konnte dabei die meisten Interessenten für sich gewinnen. Bei über 40 Millionen Privathaushalten in Deutschland gibt es aber noch ein großes Potential.

Mit der erhöhten Nachfrage von Ökostrom ändern sich sowohl der Energiemix als auch der Pool an Anlagenbetreiber. Bisher macht die Wasserkraft bei den erneuerbaren Energien noch den Löwenanteil aus. Weil das Wasserkraftpotential in Deutschland so gut wie ausgeschöpft ist, holen wir uns zusätzlichen Ökostrom vor allem aus Norwegen und Österreich.

Während der energetische Schwerpunkt des Unternehmens Lichtblick auf den norwegischen Wasserkraftwerken liegt, bezieht die Genossenschaft Greenpeace energy 75 Prozent ihres Strommixes aus österreichischen Wasserkraftwerken. Hinzu kommt Strom aus Windparks (Lichtblick: Norwegen, Dänemark) und von einzelnen Windrädern (Greenpeace energy: Deutschland). Auch der Strommix der Elektrizitätswerke Schönau besteht zu 95 Prozent aus norwegischer Wasserkraft. Der restliche Prozentsatz ergibt sich überwiegend durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Baden-Württemberg.

Einige wenige Wasserkraftwerke bemühen sich dabei um Ausgleichsmaßnahmen wie Fischaufstiegs- und Abstiegshilfen. Das Unternehmen Lichtblick wird beispielsweise vom Wasserkraftwerk Freudenau beliefert, welches immerhin einen Umgehungsbach für Fische erbauen ließ. Dennoch bedrohen neue Pumpspeicherwerke die letzten freien Fließgewässer.

Auch wenn bei der Energieumwandlung immer in die Natur eingegriffen wird, sollten die negativen Auswirkungen der Stromerzeugung so weit wie möglich verringert werden. Der Energieversorger Naturstrom setzt deshalb auf eine dezentralere Produktion und hat seit diesem Jahr das Ziel, die Herkunft seines Stroms auf Deutschland zu beschränken. Im Jahre 2010 stammten 72 Prozent des 'Naturstroms' von deutschen und österreichischen Wasserkraftwerken. Windanlagen aus Deutschland machten sogar schon 28 Prozent aus.

Vor- und Nachteile der Direktvermarktung

Die Aktiengesellschaft Naturstrom verfolgt somit ein anderes Konzept als die übrigen Ökostromanbieter. Denn sie kauft den Strom direkt von den Anlagenbetreibern ab – der Preis liegt dabei über dem EEG-Vergütungssatz, damit die Erzeuger bei der Direktvermarktung mitmachen. Durch die höheren Preise genießt Naturstrom das sogenannte Grünstromprivileg: Das Unternehmen ist von der EEG-Umlage befreit, weil mehr als die Hälfte der Zulieferer Anlagen betreiben, die eigentlich in den Geltungsbereich des EEG fielen.

Leider entwickeln sich auch daraus wieder Probleme. Denn die EEG-Umlage wird teurer, da ausgerechnet jener Ökostrom aus dem EEG-System heraus gekauft wird, der am preiswertesten herzustellen ist. Aus diesem Grund will die Regierung das Privileg ab nächstem Jahr an strengere Bedingungenknüpfen.

Eine Lösung könnte die Preisanhebung für Endkunden sein, die wirklich nachhaltigen Strom beziehen wollen. Zudem müssen die Ökostromanbieter weiterhin in erneuerbare Energien investieren, um mit der Nachfrage auch die Entwicklung voranzutreiben.

So unterstützt Lichtblick die Kraft-Wärme-Kopplung, den Bau von Photovoltaikanlagen und Kleinwasserkraftwerken. Greenpeace energy investiert in die Windkraft. Und die Elektrizitätswerke Schönau animieren unter anderem zum Energie sparen – auch sehr ungewöhnlich für ein Energieversorgungsunternehmen.

Jenny Lohse

Stromeinsparung auf Basis der Supraleitung

1972 erhielten Leon Cooper et.al den Nobelpreis für die Entdeckung der Supraleitung. Bei einer Supraleitung tendiert der elektrische Widerstand gegen null, wodurch kaum Energieverluste auftreten. Erreicht wird eine Supraleitung zum Beispiel dadurch, dass Elektronen bei minus 273 Grad Celsius Paare bildet (die so genannten Cooper-Paare). Diese Temperatur kann mit flüssigem Helium erreicht werden. 1987 erhielten die beiden Physiker Georg Bednorz und Alex Müller den Nobelpreis für die Entdeckung keramischer Hochtemperatursupraleiter (Hochtemperatur-Cuprate). Diese Materialien ermöglichen eine Supraleitung schon bei zirka minus 160 Grad Celsius und werden in Industrie und Forschung weltweit eingesetzt. Die Kühlung erfolgt bei diesem Modell mittels flüssigen Stickstoffs.

Sozusagen als Nebenprodukt der Forschungen über Hochtemperatursupraleitungen wurde ein Gerät entwickelt, bei dem – unter Verwendung bestimmter Materialien – bei Zimmertemperaturen genügend Cooper-Paare gebildet werden, um den Widerstand herabzusetzen und so den Stromverbrauch um mindestens fünf Prozent zu reduzieren. Dieses von der südkoreanischen Firma Keseco entwickelte Gerät namens “Ultra”  wurde vor 16 Jahren weltweit patentiert und in jahrelanger Forschungsarbeit zur Marktreife gebracht. Vor neun Jahren kam das Gerät in Südkorea auf den Markt und wurde über Asien, Süd- und Nordamerika nach Europa eingeführt.

Besonders Produktionsunternehmen, mit einem großen Anteil elektrisch betriebener Maschinen, können mit „Ultra“ zwischen sieben und zwölf Prozent Strom einsparen. Bei reinen Verwaltungsgebäuden, die hauptsächlich Strom für Licht und IT benötigen, liegt die Einsparung bei fünf bis 6,5 Prozent. Die Amortisation der Investition ist bei Unternehmen mit konstantem Stromverbrauch schneller erreicht als bei Firmen mit hohen Stromspitzen, da diese für gewöhnlich ein größer dimensioniertes Gerät benötigen. Dafür beträgt der Einspareffekt bei Unternehmen mit hohen Stromspitzen bis zu 15 Prozent.

Im Normalfall liegt die Investition für das System zwischen einer und zwei Monatsstromrechnungen und der ROI zwischen zehn und 24 Monaten.

Neben der Strom- und damit Kosteneinsparung hat „Ultra“ auch den Vorteil, dass durch die Reduzierung des Widerstandes in der Leitung die Wärmeentwicklung geringer ist und so die elektrischen Geräte mehr geschont werden.

Roland Haagen

RWE Innogy mit Windkraft ins Braunkohlerevier

Die RWE-Tochter-gesellschaft Innogy – Deutschlands größter Windkraftbetreiber – will in Nordrhein-Westfalen im Braunkohlerevier in den Bau neuer Windkraftanlagen investieren. Das kündigte Innogy-Vorstandsvorsitzender Fritz Vahrenholdt an. Bis 2014 sollen Anlagen zur regernativen Stromerzeugung mit einer Kapazität von 200 Megawatt entstehen – 90 Prozent davon Windkraftanlagen, die restlichen zehn Prozent werden Biogasanlagen sein. Derzeit liegt die Kapazität von RWE Innogy im Bereich erneuerbare Energien bei rund 120 Megawatt in NRW. Bis 2020 ist nochmals eine Steiergung auf dann 500 Megawatt vorgesehen.

Zunächst will man Flächen der Schwester RWE Power im Braunkohlerevier nutzen, zum Beispiel Rekultivierungsflächen aus dem Tagebau als Standort für Windenergieanlagen. Drei konkrete Projekte sind bereits in Planung. In der Gemeinde Tietzen soll ein Windpark mit 20 Megawatt Leistung entstehen, der bereits im Sommer 2012 Strom erzeugt.

In der Gemeinde Jüchen entsteht ein Park aus vier drei-Megawatt-Anlagen auf der Rekultivierungsfläche des Tagebaus Garzweiler. Die Turbinen der drei-Megawatt-Klasse stellen die jüngste Generation von Onshore-Windrädern dar. Die Anlagen sind 180 Meter hoch. Der Abraum des ehemaligen Tagebaus ist zudem zu hohen Halden aufgeschüttet – bis zu 100 Metern. Da der Wind mit zunehmender Höhe stärker ist, steigert das zusammen den Ertrag der Windkraftanlagen erheblich – mit jedem Meter Höhe um einen Prozent. Dadurch ist es möglich, mit nur wenigen Anlagen eine hohe Ausbeute zu erzielen. Die Nutzung von Rekultivierungsflächen hat noch einen weiteren Vorteil. Die Standorte sind weit von Ansiedlungen entfernt, so dass Anwohner nicht gestört werden. Für die beiden Windparks ist ein Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro veranschlagt.

Für den Bau von Biogasanlagen setzt man auf die Kooperation mit heimischen Landwirten. Zur Biogaserzeugung sollen Pflanzen, die auf regionalen Anbauflächen wachsen, genutzt werden. Man will auf einen breit gefächerten Rohstoffmix aus Mais- und Ganzpflanzensilage, Zuckerrüben, Luzerne und Gülle zurückgreifen. Eine erste 7,4-Megawatt-Biogasanlage ist in Bergheim Paffendorf geplant. Das Rohbiogas soll nach entsprechender Aufbereitung und Veredelung als Biomethan in das Erdgasnetz eingespeist oder in KWK-Anlagen eingesetzt werden. Die Investitionen liegen bei 13 Millionen Euro.

Viele Projekte werden in Zusammenarbeit mit den Kommunen im Rahmen von Green Gecco realisiert. Green Gecco ist ein Gemeinschaftsunternehmen, bei dem sich 29 Stadtwerke und RW Innogy zusammengeschlossen haben, um Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung in ganz Europa zu errichten.

Josephin Lehnert

Neuer Online-Shop für automatisiertes Stromsparen

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht gerne Strom sparen würde. Zugegeben, das liegt längst nicht immer an dem innigen Wunsch, der Umwelt und dem Klima etwas Gutes zu tun, sondern vielmehr dem eigenen Geldbeutel. Aber egal aus welchen Gründen es passiert: Strom zu sparen ist sinnvoll. Das Leipziger Startup symström GbR bietet auf der Webseite "stromgraf" Produkte an, mit denen sich verschiedenste Stromsparmaßnahmen automatisieren lassen und der Stromverbrauch bildlich dargestellt werden kann.

Laut Johannes Kriesel – einem der beiden Gründer von symström – wurden „nur Produkte ins Sortiment aufgenommen, die in unseren Tests gezeigt haben, dass sie geeignet sind, den Verbraucher effektiv beim Energiesparen zu unterstützen“. Im Detail sind das unter anderem Displays, auf denen der Stromverbrauch dargestellt wird, Stecker die elektrische Geräte über eine Funkverbindung automatisch oder per Knopfdruck ausschalten können, sowieThermostatventile, die sich mit einem Computer oder Smartphone programmieren lassen. Auch Pakete aus mehreren Produkten werden angeboten. Unter den Herstellern befinden sich sowohl bekannte Namen wie RWE Effizienz oder Gira, aber auch neue Unternehmen wie Wattcher, Plugwise oder Green Energy Options.

Da laut Tino Nietsch – dem zweiten Gründer von symström – allerdings nicht alle Produkte für jeden Haushalt gleich gut geeignet sind, ist es dem Unternehmen besonders wichtig ihre Kunden „bei der richtigen Wahl zu unterstützen, zum Beispiel mit übersichtlichen Produktvergleichen“. Und die Webseite von stromgraf ist in der Tat sehr übersichtlich gestaltet. Neben dem allgemeinen Bereich Welt sind die Produkte auf die Bereiche Haus und Wohnung verteilt und werden umfassend erklärt. Über Buttons kann man jedes Produkt mit anderen vergleichen, oder direkt eine Frage an den stromgraf richten. Praktisch ist auch, dass die Betriebsanleitungen als PDF-Downloads angeboten werden.

Ob es denn nun unbedingt gleich die Produkte von symström beziehungsweise stromgraf sein müssen, oder nicht für den Anfang einfache Maßnahmen, wie die Anschaffung von Steckdosen mit Ausschaltefunktion oder das Vermeiden von Geräten im Standby-Modus, sinnvoller sind, muss jeder Haushalt für sich selbst entscheiden. Wer sich allgemein zum Thema Stromsparen noch weiter informieren möchte, findet im Internet viele Seiten dazu, wie beispielsweise: Strom-Magazin, Stromeffizienz oder eine PDF-Datei mit Tipps zum Stromsparen im Haushalt von der Verbraucherzentrale für Energieberatung.

Matthias Schaffer

Bill Gates und die Solar-Toilette

Der Umwelt-wissenschaftler Michael R. Hoffmann vom amerikanischen California Institute of Technology hat eine Toilette entwickelt, die mit Hilfe von Solarkraft Energie aus Fäkalien gewinnen kann. Diese Idee scheint Microsoft Gründer Bill Gates derart begeistert zu haben, dass er das Projekt über seine Bill & Melinda Gates Foundation mit 400.000 US-Dollar unterstützt. Die Förderung ist Teil der "Reinvent the Toilet Challenge" und Hoffmans Toilette eines der acht Projekte, die mit insgesamt 40 Millionen Dollar von der Privat-Stiftung in dem Bereich "Water, Sanitation, & Hygiene" unterstützt werden. Da laut WHO-Schätzung unglaubliche 2,6 Milliarden Menschen – also rund 40 Prozente der Weltbevölkerung - einen unzureichenden Zugang zu sanitären Einrichtungen haben, ist das eine durchaus sinnvolle und wichtige Investition.

Bei der finanziell geförderten Solar-Toilette werden die Fäkalien in einem Behälter gesammelt und mit der Energie aus Solaranlagen erhitzt. In einer elektrochemischen Reaktion wird dann aus den Abwässern Wasserstoff abgeschieden, der, in speziellen Brennstoffzellen verbrannt, auch in sonnenlosen Zeiten Energie bereitstellt. Die auf diese Art erzeugte und gespeicherte Energie könnte zur Selbstreinigung oder Beleuchtung der Toilette verwendet werden. Die so gut wie wartungsfreie Solar-Toilette soll bis zu 500 „Besuche“ pro Tag verarbeiten können. Da sie transportabel ist, kann sie problemlos überall aufgestellt werden und so hoffentlich einen Beitrag zur Verbesserung der weltweiten sanitären Missstände beitragen.

Während ein funktionierender Prototyp laut Michael R. Hoffmann rund 2.000 Dollar kostet, würden die Kosten bei einer Massenproduktion sehr viel geringer ausfallen. Das Geld der Bill & Melinda Gates Foundation wird unter anderem zur Herstellung eines solchen Prototyps verwendet.

Die Meldung, dass der Wissenschaftler vom California Institute Of Technology eine derartige Toilette entwickelt hat, war nicht sonderlich überraschend, denn die Idee, aus Fäkalien Strom zu gewinnen, scheint tatsächlich recht verbreitet zu sein. Das CleanEnergy Project hat bereits drei Projekte dieser Art vorgestellt: Das Park Spark Project betreibt Straßenlaternen mit Hundekot, Energie-Urinale sollen Strom für Musikfestivals erzeugen und die TU Berlin arbeitet mit Ingenieure ohne Grenzen an einer Technologie, die Biokohle aus menschlichen Exkrementen gewinnt.

Matthias Schaffer

Taiwan auf dem Weg in die elektromobile Zukunft

Auf Taiwans Straßen sollen 2011 die ersten Elektroautos rollen. Die Infrastruktur dafür wird derzeit aufgebaut. Auf Taiwans Straßen sind bereits zahlreiche Elektro-Motorroller unterwegs, deren Absatz sich in den nächsten drei Jahren deutlich erhöhen dürfte: Ladestationen mit austauschbaren Batterien und finanzielle Anreize sollen Käufer überzeugen.

Taiwans Aktivitäten, die Elektrofahrzeugindustrie zu fördern, haben 2011 neuen Schwung erhalten. Bis Ende des Jahres sollen in Taipei und Taichung Pilotprojekte starten, die das Konzept der Elektromobilität einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen sollen. Die dafür erforderlichen Investitionen werden hauptsächlich von der Industrie getragen.

Elektrofahrzeuge made in Taiwan

Dabei kann Taiwan auf im eigenen Land entwickelte Elektrofahrzeuge zurückgreifen. Zudem entwickeln und produzieren einheimische Teilehersteller wichtige Komponenten für die Elektrofahrzeugbranche. Maßgeblich beteiligt ist das Unternehmen Yulon beziehungsweise der japanische Partner Nissan, die sowohl in Taipei als auch in Taichung jeweils 100 Elektroautos bereitstellen. Etwa 150 Ladestationen sollen dafür in beiden Städten aufgebaut werden. Beide Pilotprojekte sind bis 2013 angesetzt.

Nach den Plänen der Regierung sollen 2013 mindestens 3.000 Elektrofahrzeuge auf Taiwans Straßen fahren. Dazu hat sie im April 2010 unter Federführung der Environmental Protection Administration (EPA) den "Smart Electric Vehicle Development Strategy and Action Plan" verabschiedet. Um auch Individualkäufern die Anschaffung von Elektroautos schmackhaft zu machen, sollen finanzielle Anreize geschaffen werden.

Elektromotorroller groß im Kommen

Schneller als der Elektroautomarkt könnte sich die Nachfrage nach elektrischen Motorrollern entwickeln. Motorräder sind in Taiwan die im Individualverkehr am stärksten verbreiteten Transportgefährte: Auf der Insel waren Ende 2010 rund 15 Millionen Zweitakter registriert. Sie verursachen eine große Umweltbelastung durch Abgase und Lärm, weshalb die Anschaffung von Elektromotorrollern staatlich gefördert wird.

Bis 2013 ist der Absatz von zirka 160.000 elektrischen Motorrollern in ganz Taiwan anvisiert, die mit austauschbaren Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet sind. Damit entfällt das Aufladen und die Wartung der Batterien. Um den Absatz von Elektrorollern anzutreiben, wird die EPA Batterieaustauschstationen subventionieren. Das Unternehmen City Power Co., Ltd. soll in den nächsten drei Jahren rund 3.000 solcher Stationen in Taiwan einrichten.

Daniel Seemann

Greenerator: Investor wanted!

Expert talk with Jonathan Globerson, industrial designer from Sunny Isles Beach, Florida. Our topics: Globerson's search for a business investor, ways for dwelling residents to produce their own renewable energy and the future of the green generator.

In the autumn of 2010 industrial designer Jonathan Globerson showcased the Greenerator (the CleanEnergy Project reported). Now the US American is looking for a business investor to bring the Greenerator to the market. The residential, green generator is a compact device, that combines solar and wind energy to produce renewable energy right on your apartment's balcony. In optimal conditions the Greenerator would produce about 1,000 kilowatt-hours annually.

Mr. Globerson, you developed the Greenerator. What exactly is its function? How does it work?

The Greenerator is a compact solar panel and wind turbine that can be installed right on an apartment balcony. It enables dwelling residents to produce their own renewable energy without relying on external resources.

It comes disassembled in a box with assembling instructions. It would be simple enough to build by anyone that knows how to handle a wrench.

The prototype already exists. Now you are looking for investors to bring the project up in the air. What's your idea of the perfect investor for the Greenerator?

The perfect investor for the Greenerator would be a company or an individual which either has experience in the renewable energy field, or would like to expand into this fast growing sector. I have perfected the device to be more stable and efficient than the current design. All I need now is funding to make it happen!

Can you already estimate, how much the Greenerator will finally cost in the shops?

The retail price I am shooting for is about 1,000 US-Dollar.

Foto: Jonathan GlobersonHow much energy can the Greenerator produce? What are the average household's savings?

In optimal conditions, the Greenerator would produce about 1.000 kilowatt-hours annually, combining both solar energy and wind energy.

For a US resident it is about a nine percent of it's home electric bill. For a European resident it would be about double savings (20 percent or more), since they use less electricity.

How can a household use the produced energy?

There are two available methods which the average household would be able to use the produced energy. The first method would be reserving the energy produced by the Greenerator in batteries. This would allow to power minor appliances directly – such as a desktop computer, a TV or any other small appliance.

The second method would be grid-tied. This way you would be able to use the electricity directly from the wall socket into appliances around the house. At times when you consume less energy than produced by the device, you would be selling electricity back to the electric company.

What is your objective for the Greenerator?

It allows building residents the ability to harvest green sustainable energy from nature. It is the perfect solution for western countries and developing countries. It may also be helpful in places where the electric grid is unstable or unavailable.

The energy produced by the Greenerator may be preserved in batteries and used for small appliances, emergencies or blackouts. It may also be grid connected and save the energy costs of an average apartment.

Mr.Globerson, thank you for the interview.

You will find all ways to contact Jonathan Globerson on the contact form of the designer's website.

Joachim Kern

Speicherwunder Windgas – Greenpeace Energy machts vor

Die neueste Erfindung aus dem Erneuerbare-Energien-Labor heißt Windgas. Das ist ein innovatives und voll ökologisches Gasprodukt, das helfen soll, das Speicherproblem der regenerativen Energien zu lösen. Greenpeace Energy hat das neue Wundergas bereits im Angebot.

Der Begriff macht zunächst stutzig. Wie kann denn aus Wind nur Gas werden? Aus Wind natürlich gar nicht, aber Windenergie kann Gas erzeugen – und dadurch gespeichert werden. Bislang ist das größte Problem der erneuerbaren Energien die ungleichmäßige Bereitstellung. Bläst der Wind zu stark, ist überschüssiger Strom vorhanden, bläst er zu wenig, kommt es zu Versorgungsengpässen. Die Lösung heißt Zwischenspeicherung, aber bislang haperte es an geeigneten Speichermedien. Windgas kann eine Lösung sein. Es ist auch unter dem Namen EE-Gas bekannt, das wir bereits vorgestellt haben und inzwischen kleinmaßstäblich erfolgreich produziert wurde. EE-Gas muss nicht unbedingt aus Windenergie gewonnen werden. Auch andere Energiequellen, beispielsweise Sonnenenergie, sind möglich. Dann spricht man logischerweise von Solargas.

Elektrische Energie lässt sich relativ einfach in Gas umwandeln. Mittels Strom kann man Wasser in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) spalten. Die Reaktion heißt Elektrolyse. Der gewonnene Wasserstoff reagiert in einem zweiten Schritt mit Kohlendioxid (CO2). Ergebnis ist synthetisches Methan (SNG). Das ist nun zwar nichts neues, weder der sogenannte Sabatier-Prozess (nach dessen Erfinder Paul Sabatier) noch SNG. Neu ist jedoch die Überlegung, so gewonnenes Gas in das Erdgasnetz einzuspeisen und für die Umwandlung überschüssige Energie, etwa aus Windkraftanlagen zu nutzen. Zwar ist die Umwandlung mit einem Energieverlust verbunden, das ist aber immer noch besser als ganz auf den Strom zu verzichten. Außerdem kann der zweite Umwandlungsschritt auch weggelassen und reiner Wasserstoff direkt eingespeist werden. Da Wasserstoff jedoch Korrosionen verursacht, ist dies nur zu maximal fünf Volumenprozent möglich und die Methanisierung der idealere Weg.

Dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik (IWES) zufolge – das die Techologie bereits unter Beweis gestellt hat -  könnten konventionelle Kraftwerke ersetzt werden. 170 Terrawattstunden aus erneuerbaren Energien müssten jährlich eingespeist werden, um das zu verwirklichen. Die Kapazitäten dafür seien im Gasnetz vorhanden, das bis zu über 500 Terawattstunden speichern kann. Alle derzeit in Deutschland betriebenen Pumpspeicherkraftwerke speichern zusammen nur 0,6 Terawattstunden. Die Strom-Gasnetz-Kopplung könnte eine gigantische Speicherinfrastruktur schaffen.

Seit Neuestem hat Vorreiter Greenpeace Energy Windgas als „proWindgas" im Angebot. Dort wird es als ökologisch sinnvolle Alternative zu Biogas angepriesen, da Biogas nicht selten mit Massentierhaltung und Intensivlandwirtschaft verbunden und daher ökologisch nicht zu 100 Prozent unbedenklich ist. Zunächst beginnt die Lieferung mit Erdgas, nach und nach soll dann immer mehr Windgas beigemischt werden. 6,75 Cent kostet die Kilowattstunde, darin enthalten sind 0,4 Cent Förderbeitrag, der in den Ausbau der Windgastechnologie fließt.

Josephin Lehnert

Ein Dachziegel als Solarmodul

Waren Solarmodule auf Hausdächern vor einigen Jahren noch eher eine Rarität und nur mit gut gefülltem Geldbeutel zu bezahlen, ist die Nutzung von Sonnenenergie heute auch für Privathaushalte längst eine interessante Alternative geworden. 2012 soll nun eine fortgeschrittene Variante – nämlich Dachziegel mit integrierten Solarzellen – auf den internationalen Markt kommen. Das plant zumindest das Unternehmen SolArod Vertical Photovoltaic Systems i.G, das die spannende Innovation in Zusammenarbeit mit der Firma Vetro Polska Sp. z o.o. und den polnischen Inhabern der europäischen Schutzrechte ESI Industries vertreiben will.

Der große Vorteil von den SolArod Tile genannten Dachziegeln liegt dabei in der optischen Anpassungsfähigkeit an die baulichen Gegebenheiten oder Wünsche. Einerseits kann mit den Solarziegeln jeder noch so kleine Winkel des Daches zur Stromerzeugung genutzt werden und andererseits müssen keine Häuser mehr mit Solarpaneelen optisch beeinträchtigt werden. Den aus handelsüblichem Ton im „Biberschwanz-Design" hergestellten SolArod Tile wird es nämlich in vielen verschiedenen Farben geben. Somit könnte man mit dem Solardachziegel sogar „historische Dachbauten eindecken, bei denen die nachträgliche Installation von Solarmodulen auf den Dachflächen nicht genehmigungswürdig war", wie es SolArod-Mitbegründer Mattias Mewes auf den Punkt bringt.

Aber natürlich sehen die SolArod Tiles nicht nur gut beziehungsweise unauffällig aus, sondern erzeugen in erster Linie Strom aus Sonnenenergie. Dabei wird es zwei Versionen des Ziegels geben: Die schwächere wird eine Leistung von etwas mehr als vier Wattpeak pro Dachziegel haben und die stärkere rund acht Wattpeak.

Mir gefällt die Idee der Strom erzeugenden Dachziegel auch aus dem Grund sehr gut, da ich es immer sehr elegant finde, Dinge mit einer zusätzlichen Funktion zu belegen. Unbestritten sind Dachziegel mit integrierten Solarzellen eine sehr viel geschicktere Lösung, als Dächer mit Ziegeln zu decken und dann Solarpaneele darauf zu verankern oder freie Landschaften nur für die Unterbringung von Photovoltaianlagen zu verwenden. Denn gerade in den Industrieländern ist Platz beziehungsweise nutzbares Land ohnehin sehr knapp bemessen. Eine weitere spannende Idee, wie bereits vorhandener Platz zusätzlich zur Stromgewinnung verwendet werden kann, sind übrigens die unlängst hier vorgestellten Solar-Unterstände Eco-Shell.

Bleibt nur zu hoffen, dass es viele Firmen SolArod gleich tun und den Versuch wagen derartige Ideen dem Endkonsumenten überhaupt erst zugänglich zu machen. Ich denke, dass ausreichendes Interesse dafür mittlerweile auf jeden Fall vorhanden wäre.

Matthias Schaffer

Wie kommt die Zeitung in den Tank?

Die Gewinnung von Bio-Kraftstoffen verursacht in der Regel hohen Druck, große Hitze und aggressive Giftstoffe, eine Herstellung, die energie-, zeit- und kostenintensiv ist. Ein hoher Energieaufwand ist auch nötig, um aus Cellulose Kraftstoff zu gewinnen. Das geschieht durch die Zerlegung der Cellulose in ihre Bruchstücke, unter anderem Zucker. Dieser Zucker lässt sich dann vergären, um Ethanol zu schaffen, mit dem Kraftfahrzeuge direkt oder mit Benzin vermischt angetrieben werden können. Alleine aus Altpapier ließen sich so jedes Jahr bis zu 83 Milliarden Liter Biosprit herstellen, auch Hausmüll enthält zahlreiche cellulosehaltige Inhaltsstoffe, aus denen der Biotreibstoff gewonnen werden könnte.

Butanol – eine günstige Alternative

Auf eine deutlich „grünere" und günstigere Möglichkeit, um alte Zeitungen in den Tank zu bringen, sind jetzt Forscher der Tulane-Universität in New Orleans gestoßen. Der Bakterienstamm der Clostridien TU-103 kann durch Verstoffwechselung von Cellulose Butanol herstellen. Ein Treibstoff, der deutliche Vorteile gegenüber Ethanol genießt. Er kann direkt, ohne Modifikation des Motors, getankt werden, lässt sich durch bestehende Pipelines transportieren, enthält mehr Energie und weist außerdem ein geringeres Korrosionspotenzial als Ethanol auf. Und auch die fleißigen Bakterien der Forscher warten mit Vorteilen gegenüber anderen butanolproduzierenden Bakterien auf, denn sie kommen mit Sauerstoff gut zurecht. Die Zeit der aufwendigen sauerstofffreien Butanolproduktion scheint mit den TU-103 also vorbei zu sein, was die Produktionskosten von Bio-Butanol deutlich verringern würde.

Butanolherstellung lässt Müllberge schrumpfen

Momentan hoffen die Forscher, die auf ihren Herstellungsprozess bereits ein Patent angemeldet haben, darauf, die noch recht magere Ausbeute zu erhöhen. Für die Gewinnung von zwölf bis 23 Gramm Butanol brauchen sie derzeit rund 100 Gramm Zellulose. Diese könnte im Übrigen auch von anderen zellulosehaltigen Materialien stammen, wie etwa in pflanzlichen Abfällen. Wie viel Biosprit sich aus den immerhin 323 Millionen Tonnen nutzbaren Zelluloseabfalls, die alleine in den USA jedes Jahr zusammenkommen, gewinnen lässt, können die Forscher allerdings noch nicht genau beziffern. Dass sich eine Nutzung der Abfälle positiv auf den Umfang der Mülldeponien auswirkt bezweifeln sie jedoch nicht.

Judith Schomaker

Wegwerfware Lebensmittel

Das Angebot in deutschen Supermärkten ist gigantisch, bis zu 40.000 Produkte sind in großen Märkten zu finden. Längst nicht alles kommt aus heimischen Landen, vieles hat eine halbe Weltreise hinter sich, bevor es auf der Ladentheke landet. Kein Wunder, dass Käufer die Qual der Wahl trifft und dazu verleitet, viel zu viel einzukaufen.

Die Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO sind erschrecken. Rund zehn bis 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von fast 20 Milliarden Euro landen in Deutschland jedes Jahr auf dem Müll. Umgerechnet sind das pro Haushalt und Jahr etwa 400 Euro, die in der Tonne landen. Noch erschreckender ist die Zahl der in den gesamten Industriestaaten jährlich weggeworfenen Lebensmittel: 220 Millionen Tonnen!

Und der Lebensmittel-Müllberg wird immer größter, Umwelt und Klima immer mehr belastet. Eine unnötige Verschwendung von Ressourcen, dessen Auswirkung auf die Umwelt längst nicht das größte Problem ist, sondern angesichts des Welthungers auch einen großen ethischen Konflikt darstellen. Kaum fassbar, dass die Verschwendung von Lebensmitteln in einer so fortschrittlichen Gesellschaft fast gänzlich unhinterfragt wird.

Überall entlang der Wertschöpfungskette entstehen vermeidbare Abfälle. Was bei der Erzeugung beginnt, zieht sich über die Lebensmittelverarbeitung und den Handel bis hin zum letzten Glied der Kette, den Verbraucher. Erstmals sollen innerhalb einer umfassenden Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums nun genaue Zahlen ermittelt werden, auch die Gründe für die steigenden Lebensmittel-Müllberge soll die Studie untersuchen. Bis Ende des Jahres werden die ersten Ergebnisse erwartet.

Eine Umfrage des Ministeriums ergab bereits, dass der Hauptgrund für das Wegwerfen von Nahrungsmitteln ein Verderb und das überschrittene Verfallsdatum von Lebensmitteln ist. Bei rund 84 Prozent der Befragten landen Nahrungsmittel aus diesem Grund im Müll, bei 19 Prozent ist es die zu groß dimensionierte Verpackung und bei 16 Prozent der Befragten entscheidet einzig und allein der Geschmack über den Weg in den Müll. Dabei würde eine richtige Planung des Einkaufs nicht nur Abfall sparen und die Umwelt schonen, sondern auch gleichzeitig den Geldbeute entlasten.

Zudem lässt sich Biomüll, richtig eingesetzt, zur Energieerzeugung nutzten. Brot zum Beispiel hat einen ähnlichen Brennwert wie Holz. Rund zwölf Prozent der täglich produzierten Backwaren kommen als Retoure zurück, ein Teil geht am nächsten Tag als „Brot vom Vortag" zum reduzierten Preis über die Ladentheke oder wird von Armen- und Obdachlosentafeln genommen. Was dann noch übrig bleibt, wird zu Paniermehl verarbeitet, der Rest geht in den Tierfuttercontainer – rausgeschmissenes Geld und traurige Verschwendung. Nicht so beim Hildener Bäcker Roland Schürer, der sein Restebrot verheizt und damit den CO2-Ausstoß in seinem energieintensiven Bäckergeschäft um rund 91 Prozent senkt.

Ob es nun ethisch korrekt ist, sei dahingestellt. So lange beim Endverbraucher kein Umdenken erfolgt und er auch kurz vor Ladenschluss noch auf sein „Lieblingsbrot" besteht, wird der Bäcker wohl auch weiterhin zu viel Brot produzieren – das dann aber zumindest beim Energiesparen hilft.

Judith Schomaker

Italien: Solarkraftwerke auf Pump

Ein Bankenkonsortium aus KfW IPEX-Bank, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Deutsche Bank und Helaba Landesbank Hessen-Thüringen hat die Fremdfinanzierung von fünf großen Photovoltaikanlagen in Italien ermöglicht. Das Konsortium hat hierzu Kreditmittel in Höhe von über 110 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Fremdfinanzierung wurde unter Einbindung zinsgünstiger Refinanzierungsmittel aus dem Finanzierungsprogramm für erneuerbare Energien der KfW strukturiert.

Strom für über 10.000 Haushalte

Italien zählt zu den wachstumsstärksten Photovoltaik-Märkten der Welt. Die fünf neuen Solarkraftwerke verfügen über eine Kapazität von 30,4 Megawatt. Während die neuen Anlagen Piazza Armerina (3,594 Megawatt) und Troina (5,266 Megawatt) im Zentrum Siziliens liegen, befinden sich die Kraftwerke Carlino 1 (5,535 Megawatt), Carlino 2 (9,915 Megawatt) und Carlino 3 (6,086 Megawatt) im Norden des Landes in der Provinz Udine, Teil der Region Friaul-Julisch Venetien.

Auf einer Fläche von insgesamt 129 Hektar wurden 145.000 polykristalline Solarmodule führender Hersteller verbaut. Die fünf Solarparks produzieren 47 Millionen Kiloattstunden Strom aus umweltfreundlicher Sonnenenergie, ausreichend für die Versorgung von umgerechnet 10.500 Vier-Personen-Haushalten. Alle Projekte sind bereits seit Ende April 2011 an das italienische Stromnetz angeschlossen und unterliegen somit den Regelungen der Einspeisevergütungen Conto Energia 2 und Conto Energia 3.

Frisches Geld von der Börse

Generalunternehmer für den Bau der fünf Solaranlagen sowie verantwortlich für deren Betrieb und Servicewartung sind die a+f Italia S.r.l. und die a+f GmbH, beides Tochterunternehmen des Bielefelder Maschinenbauers Gildemeister. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen der fünf Solaranlagen auf 180 Millionen Euro. Die Eigenmittel sind von der KGAL, Initiator der Finanzierung, über die zwei bereits erfolgreich platzierten, geschlossenen Fonds „European Solar Power Funds Nr. 1“ und „InfraClass Energie 5“ eingebracht worden.

Daniel Seemann

Öko - Lebe wild und emissionsfrei!

In dem Buch „Öko – Lebe wild und emissionsfrei!“ erzählt Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der taz und Bruder von Ökosex Kolumnist Martin Unfried, von seiner ganz persönlichen Entwicklung vom gedankenlosen Genießer zum umweltbewussten Konsumenten – oder, wie er selbst es ausdrückt – zum „bewussten und hedonistischen Neuen Öko“.

Dabei setzt sich Unfried auf äußerst unterhaltsame Weise kritisch mit seinen eigenen kognitiven Dissonanzen auseinander und schildert eindrücklich die Schwierig- und Widersprüchlichkeiten, die einem auf der Suche nach einem umweltfreundlichen Leben leider nicht immer erspart bleiben: Ist es unmoralisch, Bioprodukte im Supermarkt statt im Bioladen zu kaufen, und ist die monetäre Kompensation der durch Flugreisen verursachten CO2-Emissionen gut oder schlecht?

Mit viel Humor beschreibt der Autor in dem Buch die Beziehung zu seinem Kühlschrank „A++“, wie ein spritsparendes Auto sein Leben verändert hat und warum Ökostrom-Gitarren besser klingen. Neben seinen eigenen Erzählungen lässt der Autor in Interviews auch „Öko-Experten“ wie den Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, Lichtblick Geschäftsführer Gero Lücking und Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, zu Wort kommen.

„Öko – Lebe wild und emissionsfrei!“ macht nicht nur Spaß beim Lesen, es steckt auch voller Tipps und Anregungen für ein umweltfreundlicheres Verbraucherverhalten – ohne jedoch jemals belehrend zu wirken. „Das Leben als Neuer Öko ist besser als das alte als gleichgültiger Hedonist. Ich spüre, dass ich weniger gelebt werde und mehr lebe, seit ich genauer weiß, was ich will und wozu“, bringt Unfried den Sinn seiner persönlichen Energiewende auf den Punkt. Was soll man dem noch hinzufügen?!

„Öko“ erschien 2008 im DuMont Buchverlag und ist seit April 2011 auch als Taschenbuchausgabe für 8,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Corinna Lang

Solar-Dreirad im Selbstbau

Solar-Mobile sind zwar stark im Trend, aber bezahlbare Angebote leider derzeit noch Mangelware. Der pakistanische Student Farrukh Khan hat  sich diesem Problem tatkräftig gewidmet und in gerade einmal 18 Tagen an der University of Engineering and Technology Lahore ein solarbetriebenes Dreirad gebaut.

Im Vergleich zu den sonst üblichen Marktpreisen von Solar-Fahrzeugen erscheinen die dabei entstandenen Kosten von gerade einmal 46.470 Pakistanische Rupien - umgerechnet etwa 370 Euro - für das 60 Kilogramm schwere und 2,13 Mal 1,06 Mal 1,37 Meter große Gefährt geradezu lächerlich. Wer nun auch so ein Gefährt möchte, wird vielleicht enttäuscht sein zu erfahren, dass das Solar Powered Reverse Trike namens „Solaron“ nicht im Handel erhältlich ist. Handwerklich Begabte können aber - dank einer von Farrukh Khan auf instructables.com veröffentlichten detaillierten Bauanleitung– selbst zur Tat schreiten und sich ihr eigenes Solar-Dreirad bauen.

Das fertige Solaron verfügt über einen 24 Volt Elektromotor und erreicht laut Angaben des 21-jährigen Studenten eine Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde. Das an einen Baldachin erinnernde Dach des „umgekehrten“ Dreirads ist mit 40-Watt-Photovoltaikzellen bestückt und lädt automatisch die eingebauten zwölf Volt und 80Amperestunden Akkus mit sauberem Solarstrom. Mit einer vollständig geladenen Batterie kann es dann geräusch- und emissionslos etwa 70 Kilometer weit fahren.

Ich finde, dass Farrukh Khan mit seinem Solaron ein wirklich beeindruckendes Gefährt gelungen ist. Dass er eine derart detaillierte Schritt-für-Schritt-Bauanleitung mit vielen Fotos kostenlos ins Netz stellt, zeigt außerdem, dass es dem Studenten um die Sache an sich geht und nicht darum möglichst schnell Geld aus seiner Erfindung zu machen.

Matthias Schaffer

Mehr Flächen für Solarenergie in der Türkei

Das türkische Energieministerium hat insgesamt 27 Provinzen im Süden der Türkei als geeignete Gebiete für den Ausbau der Solarenergie ausgewiesen. Auf diesen Arealen können Investoren bis zu 600 Megawatt an Photovoltaik-Solarparks bis 2013 errichten. Zur Orientierung hat das Ministerium entsprechende Unterlagen auf seiner Website veröffentlicht, in denen die ausgewählten Regionen und ihre geplanten Anschlusspunkte an das türkische Stromnetz verzeichnet sind.

Vereinfachtes Lizenzverfahren für Photovoltaik-Projekte

Die Publikation der Dokumente ist laut der Investment Support and Promotion Agency (Invest in Turkey) ein „wichtiger Schritt für das Lizenzverfahren der geplanten Photovoltaik-Projekte“. Der Erhalt einer Lizenz ist die Grundvoraussetzung für den Bau und Betrieb einer Stromerzeugungsanlage in der Türkei. Für Solarprojekte bis 50 Megawatt übernimmt die Regulierungsbehörde EPDK den Genehmigungsprozess.

Seit Anfang des Jahres haben sich die Rahmenbedingungen für Photovoltaik-Projekte in der Türkei deutlich verbessert. Kurz vor dem Jahreswechsel 2010/2011 beschloss das türkische Parlament eine geänderten Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das den Basistarif für Photovoltaik-Installationen auf umgerechnet zirka 8,9 Eurocent pro Kilowattstunde anhebt. Darüber hinaus werden Photovoltaik-Anwendungen, bei denen im Land gefertigte Komponenten zum Einsatz kommen, mit einem zusätzlichen Bonus vergütet.

Ausbau von Wind- und Sonnenenergie

Der türkische Staat garantiert die Abnahme des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Bis 2023 plant das Land am Bosporus, bis zu 30 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken. Hierzu sind überwiegend der Ausbau der Windenergie und der Solarenergie geplant.

Daniel Seemann

Neuen Lösungsansatz für Umgang mit Trittbrettfahrern

Auch beim Klimaschutz ist man vor Trittbrettfahrern nicht gefeit. So gibt es immer wieder Länder, die trotz internationaler Bemühungen, die Treibhausgasemissionen zu verringern, weiter ungehemmt CO2 aussoßen. Sie rechnen damit, dass andere für sie die Aufgabe des Klimaschutzes übernehmen. Bis jetzt profitierten sie vom Klimaschutz, den andere Länder durch CO2 einsparende Maßnahmen finanzieren. Damit schrecken sie viele Nationen davon ab, etwas gegen die Erderwärmung tun zu wollen. Anders als bei den Trittbrettfahrern würden sich für pflichtbewusst handelnde Staaten nämlich wirtschaftliche Nachteile einstellen. Bisherige Untersuchungen schätzten daher die Chancen für mehr Zusammenarbeit beim Schutz des Weltklimas eher pessimistisch ein.

Eine neue Möglichkeit, gegen das Phänomän der Trittbrettfahrer vorzugehen kommt nun aus dem Bereich der Spieltheorie. Im Rahmen einer Studie des Potsdamer Forschungs- und Technologieverbundes zu Naturgefahren, Klimawandel und Nachhaltigkeit (PROGRESS) kamen Jobst Heitzig und sein Wissenschaftlerteam zu einem deutlich optimistischeren Ergebniss. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in einem neuartigen Strafkonzept, sollte sich ein Land nicht an die Reduktionsziele halten.

„Stößt ein Land in einer Verpflichtungsperiode mehr CO2 aus als vereinbart, könnten die anderen Staaten in der nächsten Verpflichtungsperiode in einem bestimmten Maß dasselbe tun“, so Heitzig. Trittbrettfahrer könnten dann nicht mehr darauf zählen, dass andere für sie die Aufgabe des Klimaschutzes übernehmen und hätten laut Heitzig einen Anzreiz, einen eigenen Beitrag zu leisten.

Für Strategie spreche, dass sie flexibel und dynamisch einsetzbar wäre und nicht mit einem Abbruch der Kooperation, Strafzöllen oder ähnlichem sondern nur mit graduellen Veränderungen drohe. Die Emissionsbilanz könnte sich laut den Wissenschaftlern zwar kurzfristig verschlechtern, würde sich aber langfristig stabilisieren. Jedoch betonten sie auch, dass die Analysen „eine ganze Reihe Annahmen enthalten“. Es wird vorausgesetzt, dass alle Akteure sich weitgehen rational verhalten und vor allem im wesentlichen das Ziel des Klimaschutzes teilen. Außerdem sei das Modell der internationalen Klimapolitik für dieses Modell stark vereinfacht worden.

„Es ist eine Modellstudie, die von einem im schlimmsten Falle rein eigennützigen Verhalten der Akteure bei ihrer langfristigen Kosten-Nutzen-Optimierung ausgeht“, so Heitzig.

Innerhalb des PROGRESS-Forschungsbereiches Transdisziplinäre Konzepte und Methoden sollen die in der vorliegenden Studie dargestellten Ansätze weiter entwickelt und auf andere Themengebiete angewendet werden.

Alexandra Zanias

Elektro-Bike und Wind-Auto: Fahrzeuge für ein besseres Klima

Der Personen- und Güterverkehr ist einer der größten Klimakiller und in Deutschland mittlerweile für etwa ein Fünftel der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. Dass dieser beängstigende Zustand nicht auf einem Mangel an Alternativen beruht, möchte ich mit diesem Beitrag belegen und ein paar spannende Fortbewegungsmöglichkeiten vorstellen, die – von der Herstellung mal abgesehen – keinerlei Emissionen verursachen.

Eine spannende und optisch äußerst eigenwillige Idee ist beispielsweise das Car of Light des Designers Jong Won Lee. Es wird zu 100 Prozent aus in dem Gefährt integrierten Akkus angetrieben und diese wiederum werden über Solarzellen auf dem Dach aufgeladen.

Der Betrieb des Solarautos ist also absolut emissionsfrei und somit eine Wohltat für Klima und Umwelt. Mit seinem futuristischen Design ist das Car of Light aber auch ein optisches Highlight und wird hoffentlich irgendwann tatsächlich auf den Straßen zu sehen sein.

Ebenfalls auf Sonnenenergie, allerdings in Form von Windkraft, setzt der Wind Explorer. Anfang 2011 durchquerten Stefan Simmerer und Dirk Gion mit dem von ihnen entwickelten – und weltweit ersten – Windauto den australischen Kontinent. Von den etwa 4.800 Kilometern durch den fünften Kontinent legten die beiden Abenteurer rund 2.280 Kilometer mit Strom aus einer mobilen Windkraftanlage, die inkludierte Lithium-Ionen-Batterien lädt, zurück. Für weitere zirka 2.100 Kilometer wurde der Wind Explorer mit Steckdosenstrom aus dem australischen Netz betankt, was Kosten von gerade einmal zehn Euro verursachte. Für den wohl spaßigsten Teil der Reise verwandelte sich das gerade einmal 200 Kilogramm schwere Auto in ein Kite-Mobil und wurde für rund 420 Kilometer von einem Lenkdrachen gezogen.

Ein "grünes" Gefährt auf zwei Rädern ist die im Bild oben abgebildete Sora von Lito Green Motion. Es handelt sich dabei um ein vollelektronisches Motorrad, das über einen zwölf-Kilowattstunden-Lithium-Polymer-Akku betrieben wird und damit Strecken von bis zu 300 Kilometern zurück legen kann. Und wer nun denkt, dass ein solches Öko-Bike sicher ein lahme Gurke ist, dem sei mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde das Gegenteil bewiesen.

Eine weitere umweltfreundliche, aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 29 Kilometer pro Stunde in der Tat auch deutlich langsamere Fortbewegungsmöglichkeit ist der von BMW für Olympia 2012 angekündigter Elektro-Scooter. Unter dem Namen BMW Pedelecwill der Autohersteller bei der von ihm gesponsorten Sportveranstaltung in Großbritannien rund 200 Stück des klappbaren Elektro Fahrrades zur Verfügung stellen. Das soll Parkplätze und Treibstoff sparen und mit Sicherheit auch für zusätzliche Presse sorgen. Mit der darauf folgenden Markteinführung des Pedelecs will sich BMW in dem wachsenden Markt für Elektro Scooter etablieren.

Weitere interessante Ideen für grüne Mobilität, die ich hier bereits vorgestellt habe, sind der Öko-Campingbus Ecco, das luftbetriebene Hochgeschwindigkeits-Motorrad Saline Airstream und das superschnelle Solar-Auto Sunswift IVy. Wer da noch zu Fuß geht, ist selber schuld!

Matthias Schaffer