TU Berlin entwickelt neuartige Pflanzenheizung

Wärmeversorgung verschlingt in Deutschland gewaltige 40 Prozent des Gesamtenergiebedarfes. Da winterliche Sonnentage hierzulande leider die Ausnahme sind, kann davon gerade einmal ein Prozent mit Solarenergie abgedeckt werden. An der TU Berlin hat Dr. Martin Buchholz vom Fachgebiet Gebäudetechnik und Entwerfen gemeinsam mit Kollegen eine neuartige Pflanzenheizung entwickelt, die unabhängig von der Jahreszeit Wärme erzeugt und speichert.

Die Pilotanlage ist in einem Niedrigenergiehaus in Dahlem zu finden. Herzstück des neuen Heizungssystems ist ein schwarzer Plastik-Füllkörper, durch den eine Salzlösung rieselt. Der zwei Meter hohe Absorber verfügt über ein Volumen von einem Kubikmeter und eine Oberfläche von 80 (!) Quadratmetern und ist direkt mit einem Gewächshaus verbunden, in dem Schilf leicht verschmutztes Abwasser verdunstet.

Aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaft nimmt das Salz die Feuchtigkeit aus der Luft auf und wandelt den Dampf aus dem Gewächshaus in Wasser um. Bei diesem Phasenwechsel wird Wärme-Energie frei und die Salz-Wasser-Lösung erwärmt sich auf Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius. Nun kann die warme Sole entweder direkt zum Heizen in das Gebäude geleitet, oder in Tanks gespeichert werden. Durch die Zuführung von (durch Erdwärme) vorgewärmter Außenluft wird dann die - ohnehin schon preiswerte - Salzlake wieder aufbereitet und kann erneut Pflanzen-Wasserdampf in Wärme verwandeln.

Laut Dr. Martin Buchholz funktioniert diese Art der Heizung nicht nur mit Schilf oder anderen wintergrünen Pflanzen wie Bambus, sondern überall, wo ausreichend Dampf oder Feuchtigkeit entsteht. In Haushalten wären denkbare Möglichkeiten der elektrische Wäschetrockner oder der Dampf, der beim Duschen und in der Küche beim Kochen entsteht. In der Industrie ließe sich diese neue Art der Heizung beispielsweise bei der Herstellung von Milchpulver, Papier oder Spanplatten, oder in Schwimmbädern integrieren. Auch in Kühltürmen von großen Kraftwerken könnte mit der Salz-Wasser-Lösung eine zusätzliche und bisher ungenutzte Heizenergiequelle erschlossen und per Pipeline oder Lkw in die Städte transportiert werden.

Alles in allem scheint es sich bei der Pflanzenheizung der TU Berlin um ein Heizungssystem mit großem Potential zu handeln, das vielleicht ja auch von der Industrie erkannt wird. Eine andere sehr interessante Form der Heizung, die bereits auf dem Markt erhältlich ist, ist das von mir vor einiger Zeit hier vorgestellte SolarEis-System der isocal HeizKühlsysteme GbmH.

Matthias Schaffer

Nachhaltige Kunst aus Wüstensand: Solar Sinter

Oft sind es gerade Künstler, die auf Missstände aufmerksam machen und mit gutem Beispiel voran gehen, wenn es um eine bewusste und nachhaltige Lebensweise geht. So verwundert es auch nicht, dass es Kunstprojekte gibt, die sich Themenbereichen wie alternativer Energiegewinnung widmen. Ein solches Beispiel ist der "Solar Sinter" von Markus Kayser.

Unter „Sintern“ versteht man ein Herstellungsverfahren, bei dem feinkörnige Stoffe geschmolzen und auf diese Art in einen festen Aggregatzustand gebracht werden. Und bei dem Solar Sinter handelt es sich um einen solarbetriebenen 3D-Drucker, der aus Wüstensand Glas-Skulpturen herstellen kann.

Bei der beeindruckenden und optisch perfekt in Szene gesetzten Präsentation seiner Entwicklung vermittelt der in London lebende Absolvent des Royal College of Art einen guten Eindruck davon, wie der Solar Sinter funktioniert. Mit der Hilfe von zwei Photovoltaikmodulen wird im ägyptischen Teil der Sahara Strom für die beweglichen und vollautomatischen Teile der Konstruktion erzeugt und eine große Linse schmilzt schichtweise aufgetragenen Quarz-Sand. Am Ende entsteht auf diese Art eine Skulptur, die ihre stabile Form nur durch Sonnenenergie und Wüstensand bekommt.

Der Solar Sinter ist nicht das erste Projekt von Markus Kayser, das sich mit dem Thema Solarenergie befasst. Mit dem Sun Cutter hat er auch schon eine Art Laserschneidegerät entwickelt, das nur durch die Kraft der Sonne betrieben wird. Mit einer ballförmigen Linse fokussiert der - in der der Nähe von Hannover geborene - Produktdesigner und Künstler Wüstensonnenstrahlen auf bis zu 0,4 Millimeter dicke Sperrholzplatten und Papierkarten und schneidet damit Formen und Konturen in die Materialien. So entstehen beispielsweise spannende Sonnenbrillen mit Unikats-Garantie und man sieht eindrucksvoll, wie viel Energie in den Strahlen der Sonne eigentlich wirklich steckt.

Wie auch schon bei dem Video des Solar Sinter erkennt man auch hier, dass Markus Kayserkein Wissenschaftler, sondern Designer und Künstler ist. Eine sehr gelungene und absolut sehenswerte Präsentation und zwei spannende Solar-Maschinen!

Matthias Schaffer

T2o: Der Elektro-Scooter aus Bambus

Der französische Designer Antoine Fritsch hat einen Elektro-Roller entwickelt, dessen Rahmen völlig aus umweltfreundlichem Bambus hergestellt ist. Bei dem sogenannten T2o-Scooter handelt es sich auf jeden Fall um ein sehenswertes Gefährt, das aufgrund seines simplen und geschmackvollen Designs nicht nur als Spielzeug taugt, sondern - vor allem in der Stadt - durchaus auch eine überlegenswerte Fortbewegungsalternative für Erwachsene sein könnte.

Neben dem Hauptmaterial Bambus kommen bei dem T2o auch Kork für den Sitz und die Griffe, sowie Stahl und Aluminium für Lenker, Speichen, etc. zum Einsatz. Der Elektromotor des Tretrollers ist mit dem Hinterrad verbunden und die technischen Komponenten wie die Batterie sind direkt unter einer Klappe in der Standfläche untergebracht. Der Elektro-Scooter erreicht die - für ein derartiges Gefährt ziemlich beeindruckende - Höchstgeschwindigkeit von rund 35 Kilometer pro Stunde.02-t2o

Um diese zu erreichen, darf man allerdings als Fahrer oder Fahrerin selbst nicht ganz untätig sein. Das Beschleunigungsprinzip funktioniert nämlich genau wie bei einem Tretroller ohne Batterie und bedarf somit fleißiger Beinarbeit. Um die erreichte Geschwindigkeit auch zu halten, greift dann der eingebaute Elektro-Motor hilfreich mit ein, über den leider keine näheren Details bekannt gegeben wurden. Lediglich von der ebenfalls ziemlich hohen Reichweite von 40 Kilometern ist auf der Webseite des französischen Designers die Rede.

Bisher ist der 180 Zentimeter lange und 120 Zentimeter hohe Elektro-Bambus-Tretroller lediglich ein Konzept-Prototyp, der wohl – wie so viele andere Ideen - darauf wartet, von finanzkräftigen Unternehmern auf den Markt gebracht zu werden. In diesem Fall könnte man sogar eine eigene Serie daraus machen, denn neben dem T20-Bambus-Scooter gibt es von Antoine Fritsch auch noch eine völlig unmotorisierte Fahrrad-Variante namens B2o. Der Rahmen des Bikes ist ebenfalls aus Bambus hergestellt und es sieht – wie auch der T2o-Scooter – wirklich sehr stilvoll und formschön aus. Und außerdem schont es nicht nur die Umwelt und das Klima, sondern trainiert auch gleich noch Muskeln und Kondition.

Matthias Schaffer

CleantechEve – Networking für die Umwelt

Am 25. Oktober trafen sich zum 40. Mal Vertreter und Interessierte aus der Cleantech-Branche – darunter Projektmanager, Jungunternehmer, Berater und Investoren – auf dem CleantechEve des renommierten Technologienetzwerks, Munich Network, in München.

Ziel der offenen Runde, die jeden letzten Dienstagabend im Monat stattfindet, ist es, Erfahrungen auszutauschen,  Markttrends und Geschäftsmöglichkeiten aufzuspürenden sowie die unternehmerische Umsetzung von sauberen Technologie-Innovationen voranzubringen. Ferner haben bei jedem Treffen Kapital suchende Start-up-Unternehmen Gelegenheit, ihre Geschäftsmodelle in einem fünf-Minuten-Pitch zu präsentieren.

Auf der zurückliegenden Veranstaltung nutzten sowohl Günther Bonin von „one earth – one ocean e.V.“ (OEOO) als auch Dominikus Brettner von der Firma „recotrol“ diese Chance und legten ihr jeweiliges Konzept dar.

one earth – one ocean e.V.:Der OEOO ist ein gemeinnütziger Verein, der mit neuen Technologien den Plastikmüll aus den Meeren sammeln, sortieren und zerkleinern möchte, um ihn anschließend direkt vor Ort umweltschonend in Öl umzuwandeln oder wieder in den Produktionszyklus zurück zu führen. Denn bereits heute schwimmen fünf riesige Teppiche aus Plastik auf den Weltmeeren – der größte davon befindet sich im Pazifik und ist so groß wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Luxemburg, Ungarn und Tschechien zusammen. one-earth

Mit verschiedenen Katamaranen – darunter beispielsweise der so genannte „Seehamster“ beziehungsweise die „Seekuh“ – und Schwimmkränen will die Organisation nun die Gewässer reinigen. Während der Seehamster stationär vor Flussmündungen und nachschleppbar in Seen und auf Meeren eingesetzt werden kann, werden die mit regenerativer Energie betriebenen Seekühe vollautomatisch das Plastik selbstständig aus den Gewässern fischen.

Logo von "recotrol"recotrol GmbH: Die recotrol GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, den weltweit ersten Pflanzendiesel zu produzieren, der zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und in jedem handelsüblichen Dieselmotor ohne Umrüstung verwendet werden kann. Der Pflanzenkraftstoff soll primär für den Antrieb von Lkws eingesetzt werden, da es für Schwertransporter innerhalb der nächsten Jahrzehnte keine umweltfreundliche sowie kostengünstige Alternative zum Dieselmotor geben wird. recotrol strebt an, im Jahr 2015 4.000 Lkws mit ihrem Pflanzendiesel (100 Millionen Liter) versorgen zu können.

Unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass der Pflanzenkraftstoff von recotrol eine bessere Öko-, Energie- sowie CO2-Bilanz als mineralischer Diesel aufweist. Außerdem ist er günstiger als dieser und wird zu zuverlässigen Festpreisen angeboten werden.

Networking und Vortrag:Im Anschluss an die beiden Pitches wurde jeder der Anwesenden gebeten, sich und seine Funktion kurz vorzustellen, sodass sich die Teilnehmer während der Imbisspause gezielt vernetzen konnten.

Im zweiten Programmteil des Abends informierte Manja Jänsch, Managerin bei der Ernst & Young GmbH, über das 6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung, das für die Förderung von Forschung und Entwicklung zukunftsfähiger Umwelt- und Energietechnologien im Zeitraum 2011 bis 2014 rund 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellt.

Der nächste CleantechEve findet erst wieder am 31. Januar 2012 statt. Nähere Informationen dazu finden Sie unter www.munichnetwork.com. Dort können Sie sich in Kürze auch für den nächsten CleantechEve anmelden. 

Corinna Lang

Neue Chance für energetische Sanierungsförderung

Das Gesetz zur Steuererleichterung für energetische Gebäudesanierer kommt vor den Vermittlungsausschluss. In der Koalition sieht man Chancen, das Gesetzt, das im Juli durch den Bundesrat gekippt wurde, doch noch durchzubringen.

Die sogenannte energetische Gebäudesanierung birgt ein unschätzbares Potenzial an Energieeinsparungen und damit zur Minderung von Treibhausgasen. Gut ein Drittel des Primärenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf die Nutzung von Gebäuden, wobei die Raumheizungen den weitaus größten Anteil einnehmen. Eine umfassende Sanierung - das bedeutet eine Dämmung von Außenwänden, Kellerdecken und Dach, Erneuerung von Fenstern und Einbau neuer, moderner Heizungsanlagen - senkt nicht nur die Heizkosten ganz beachtlich, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei.

Ein Gebäude, das nach energetischen Vorgaben saniert wird, kann seinen Energiebedarf um bis zu 85 Prozent senken. Bisher wurden allerdings erst rund ein Prozent des Gebäudebestands energetisch saniert. Daher wollte die schwarz-gelbe Koalition bereits im Juli dieses Jahres eine steuerliche Erleichterung für Gebäudesanierungen einführen. Haus- und Wohnungsbesitzer sollte dies ermöglichen, eine Sanierung von 2012 an über einen Zeitraum von zehn Jahren in Höhe von je zehn Prozent steuermindernd geltend zu machen. Bei vermieteten Gebäuden sollten Abschreibungen möglich sein.

Der Steuervorteil wurde jedoch von den Ländern im Bundesrat abgelehnt. Grund waren vor allem Steuermindereinnahmen, die durch das Gesetz entstanden wären. Diese würden sich schrittweise bis 2022 auf über 1,5 Milliarden Euro auftürmen. Die Steuerausfälle wären von Ländern und Gemeinden zu tragen. Der Finanzausschluss im Bundesrat fordert einen Ausgleich der Steuerausfälle durch die Bundesregierung.

Weiter wurde bemängelt, dass nur die Hausbesitzer, nicht jedoch die Mieter von dem Steuerbonus profitieren. Der Bundesrat fordert eine Änderung des Mietrechts. Er schlägt vor, dass die Steuerentlastungen von Vermietern bei einer Sanierung bei pauschal 30 Prozent angesetzt werden sollen, dieser kann dann entsprechend weniger Sanierungskosten in einer Mieterhöhung geltend machen. Zudem monieren die Kritiker des Gesetzes, wie beispielsweise die Deutsche Steuer-Gewerkschaft, dass es nicht der richtige Weg sei, mit "Steuern zu steuern". Schließlich gebe es Hausbesitzer, die keine Einkommensteuer zahlen, beispielsweise Rentner. Diese könnten daher die Sanierungskosten auch nicht abschreiben. Gutverdiener hingegen würden rund die Hälfte der Sanierungskosten vom Finanzamt erstattet bekommen. Das stelle eine nicht nachvollziehbare Ungleichbehandlung dar. Empfehlenswerter sei eher eine Direktförderung, etwa eine Aufstockung der KfW-Förderung.

Umwelt- und Verbraucherverbände sowie die Bauwirtschaft hatten die Ablehnung durch den Bundesrat indes scharf kritisiert. Das Bundeskabinett will zu dem Gesetz nun den Vermittlungsausschuß anrufen. Ein dahingehender Versuch durch die Grünen war zuvor im September im Bundestag gescheitert. Im Kanzleramt rechnet man sich gute Chancen für eine Einigung aus. 

Josephin Lehnert

Prognosesystem für eingespeisten Solarstrom spart Geld

Mit den zahlreichen Neuinstallationen von Photovoltaikanlagen sind die Netzbetreiber auf genaue Prognosesysteme angewiesen. Waren letztes Jahr noch standardisierte Modellrechnungen die Regel, kann nun auf genaue Messdaten zurück gegriffen werden. Den Werten liegt unterschiedliche Software zugrunde, zum Beispiel von Enercast, Suncast, Meteocontrol und Meteoblue.

Das Unternehmen Energy und Meteo Systems, das Suncast sowie die Windprognose Previento erstellte, zählt die großen Netzbetreiber zu seinen Kunden. Auch Meteocontrol berät diese Firmen.

Seit April dieses Jahres sind die Verteilnetzbetreiber in der Pflicht, neu installierte Anlagen schneller zu melden, Ertragsprognosen für den nächsten Tag zu erstellen und die eingespeiste Strommenge alle 15 Minuten hochzurechnen. Deshalb bietet das Unternehmen Enercast auf seinem Online Portal inzwischen eine erneuerbare Energien Landkarte an, auf der Leistung und Herkunft von Sonnen- sowie Windenergie visualisiert werden. Die errechnete Einspeisung der nächsten 72 Stunden kann somit verfolgt werden.

Ermittlung der zukünftig eingespeisten Strommenge

Notwendig für das Bestimmen annähernd realistischer Werte ist sowohl die Prognose der Wetterdienste als auch die Ist-Leistung der Anlagen. Diese Information kann der Hersteller von Wechselrichtern liefern. Enercast nutzt Wettermodelle und Satellitenbilder, denn nicht alle Photovoltaikanlagen besitzen eine direkte Leistungsvermessung. Zudem sind Informationen von Referenzanlagen vonnöten. Bei der Datensammlung hilft das Sunny Portal, welches seit diesem Jahr online ist. In der Datenbank sind 24.000 Anlagen registriert. Damit wären schon 13 Prozent der Solarleistung geortet. Die Werte dieser Referenzanlagen werden hochgerechnet, um die produzierte Strommenge aus den 800.000 Solaranlagen in Deutschland anzugeben. Hier ist die Unterstützung des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik gefragt, da es die Algorithmen zur Stromberechnung liefert.

Prognosesystems bietet zahlreiche Vorteile

Im Endeffekt entlasten die Prognosen auch den Endkunden finanziell. So müssen die Netzbetreiber weniger Regelenergie kaufen und die Kraftwerke nicht kurzfristig runtergefahren werden. Eine Stromüber- oder -unterproduktion wird verhindert. Des Weiteren wird mit der Vorhersage des nächsten Tages der Verkauf an der Börse erleichtert, da hier die Strommenge der Folgetage gehandelt wird. Doch am Stromhandel und damit dem Prognosesystem sind nicht nur die Netzbetreiber interessiert. Auch Stromproduzenten können ihren Strom direkt vermarkten.

Um die Abweichungen zwischen errechneten und tatsächlichen Einspeisemengen weiter zu verringern, fördert das Bundesumweltministerium das Forschungsprojekt "Verbesserung der Netzintegration von Strom aus Photovoltaikanlagen durch optimierte Vorhersage und Echtzeit-Hochrechnung der solaren Einspeisung". Beteiligt sind das Unternehmen Energy und Meteo Systems sowie die Übertragungsnetzbetreiber. Das Projekt soll bis zum Jahr 2013 andauern.

Jenny Lohse

Erstes Wasserstoff-Hybridkraftwerk ist in Betrieb

In Prenzlau in der Uckermark ist am 25. Oktober das erste Wasserstoff-Hybridkraftwerk in Betrieb gegangen. Drei Windturbinen mit je zwei Megawatt Nennleistung erzeugen Strom, der dann teilweise in einen 500-Kilowatt-Druck-Elektrolyseur fließt und durch Elektrolyse von Wasser Sauerstoff und Wasserstoff erzeugt. Strom, der aktuell nicht für die Elektrolyse gebraucht wird, fließt in das allgemeine Stromnetz. Die Speicherung des Wasserstoffs erfolgt in vorhandenen Erdgastanks.

Wenn die Stromnachfrage groß und das Windenergieangebot gering ist, speist man den gespeicherten Wasserstoff in einem Gemisch mit Biogas in zwei 350 Kilowatt-Blockheizkraftwerke (BHKW) ein. Jedes BHKW produziert etwa 2.700 Megawattstunden Strom und 2.250 Megawattstunden Wärme.

Die überschüssige Wärme aus den Blockheizkraftwerken soll in das Wärmenetz der Stadt Prenzlau fließen und kann bis zu 80 Einfamilienhäuser beheizen. Der Strom wird bedarfsgerecht in das europäische Stromnetz eingespeist. Der Wasserstoff sorgt auch für den Antrieb von Fahrzeugen. Ab Ende 2011 soll zum Beispiel eine Tankstelle am Flughafen Berlin-Brandenburg für eine Wasserstofflieferung in die Hauptstadt sorgen.

Bei dem Hybridkraftwerk handelt es sich um eine reine Pilotanlage, die mit „gewöhnlichen“ Kraftwerke nicht vergleichbar ist, und dem Austesten der neuen Technologie dient. Rund 21 Millionen Euro fließen insgesamt in das Projekt. Die Förderung kommt aus der Gemeinschaftsaufgabe Ost und dem 7. Rahmenplan für Forschung und Entwicklung Brandenburg. Das Unternehmen Enertrag aus Dauerthal steuert zwei Millionen Euro für die Erforschung und Entwicklung des Kraftwerkes bei. Es sollen zehn qualifizierte Arbeitsplätze gesichert und sechs neue geschaffen werden. An dem Vorhaben beteiligt sind unter anderem die Deutsche Bahn, Vattenfall und Total.

Enertrag hat umfassende Informationsmaterialien auf seine Webseite gestellt. Dort werden unter anderem verschiedene Betriebsmodi erklärt, in denen das Hybridkraftwerk gefahren werden kann.

Susanne Kirsch

Alles über Biogas

„Biogas - Pflanzen, Rohstoffe, Produkte“ - so heißt die aktualisierte Broschüre der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Die inzwischen 7. Auflage bietet einen Rundumschlag durch alle wichtigen Themen in Sachen Biogas. Der Einstieg gelingt über Werte zur Bedeutung der Bioenergie und des Biogases innerhalb der erneuerbaren Energien und die Bestandsentwicklung der Biogasanlagen in Deutschland.

Im laufenden Jahr sollen rund 7.000 Megawattelektrisch in Deutschland installiert sein, schätzt die FNR. Eine Übersicht über die Nutzung von Biogas in Form von Strom oder Wärme oder als Biomethan und Kraftstoff zeigt die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Die Autoren gehen ausführlich auf die biologischen Prozesse ein und erläutert in einer verständlichen Form den Abbau organischer Substanz bei der Biogasgewinnung. Dabei kommen die Ausgangssubstrate und ihre Bedeutung in Deutschland nicht zu kurz.

Ausführlich erklärt werden die Verfahren und die Anlagentechnik. Dazu gehören Ausführungen zu den einzelnen Bestandteilen einer Anlagen über die Gasaufbereitung und Einspeisung bis hin zur Aufbereitung und Nutzung der Gärreste. Für den Anlagenplaner und -betreiber spielen die rechtlichen Rahmenbedingungen eine entscheidende Umsetzung für die Errichtung und den anschließenden erfolgreichen Betrieb. Dabei ist neben vielen anderen Vorschriften das Baurecht und Immissionsschutzrecht von Bedeutung.

Eine Übersicht über die Kriterien, die für eine Genehmigung erfüllt werden müssen, erleichtert den Einstieg in das Thema. Auf den wenigen Seiten kann das Thema nicht erschöpfend behandelt werden und so verweisen die Autoren für weitergehende Informationen auf die zuständigen Behörden. Ein zentraler Punkt für die Finanzierung einer Biogasanlage ist die Förderung. Der Artikel stellt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor und bespricht die Änderungen der letzten Jahre und der neuesten Fassung, des EEGs 2012. Eine Tabelle schafft eine Übersicht über die erreichbaren Vergütung im EEG. Eine Abhandlung über die Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage rundet die Erklärungen zum Schluss ab. Es schließen sich wichtige Adressen, Faustzahlen, gängige Abkürzungen und eine Literaturübersicht an.

Die 40-seitige Broschüre eignet sich als fachliche Übersicht für den interessierten Laien ebenso wie für den Einstieg ins Thema für zukünftige Betreiber. Die kostenfreie Broschüre gibt es bei der FNR zum Downloaden.

Susanne Kirsch

Stromerzeugung durch Windturm

Zwei Schweizer Tüftler mischen derzeit die Windbranche auf, wobei Tüftler vielleicht nicht der richtige Ausdruck sein dürfte. Vielmehr sind Patrick Richter und Karl Bahnmüller auf dem Weg, die Stromgewinnung mit Hilfe der Windkraft zu revolutionieren – mit ihrem neuen Windturm. Der dreht sich nämlich langsamer als herkömmliche, dreiflügelige Windräder, und soll dabei leiser, günstiger und effizienter arbeiten. Nach zahlreichen Tests ist jetzt der erste Prototyp im Bau, mehr noch, in 2014 soll die Serienreife des Windturms erlangt werden.

Die besten Ideen entstehen durch Zufall, so auch die Idee zum strombringenden Windturm der beiden Schweizer. Eigentlich sollte „nur“ ein Kinderkarussell mit Windkraft angetrieben werden. Bahnmüller, der selbst lange Zeit als Leiter einer Konstruktionsabteilung gearbeitet hatte, verfolgte allerdings größere Dimensionen, als den alternativen Antrieb eines Spielgeräts. Zusammen gelangten Richter und Bahnmüller dann zum Prototyp einer neuen Dimension der Windkraft und gründeten im vergangenen Jahr die Agile Wind Power AG.

Vier Meter hoch und vier Meter im Durchmesser ist der Prototyp ihres Windturms, der für den kommerziellen Einsatz allerdings noch deutlich wachsen soll. Hierzu werden drei Turbinen mit einem Durchmesser von 12,5 Metern übereinander montiert, die eine Gesamthöhe, samt Turm, von 75 Metern haben sollen. Die erste Turbine der beiden Erfinder durchlief bereits im Jahr 2009 mehrere Tests. Beste Voraussetzungen fanden Richter und Bahnmüller hierfür im Windkanal des Luftfahrtunternehmens Ruag AG, mit dem Ergebnis, dass ihr Windturm auf gleichem Raum mehr Leistung bringt, als Windkraftanlagen mit gewöhnlichen Dreiblatt-Rotoren. Bei Windgeschwindigkeiten von 15 Metern pro Sekunde hat ihr Turm eine Nennleistung von 0,5 Megawatt.

Im Visier haben die beiden Schweizer dabei den Ausbau der Nennleistung auf 2,7 Megawatt, was durch einen größeren Durchmesser von etwa 30 Metern erreicht werden soll. Verantwortlich für die Leistungsausnutzung ist bei ihrem Konzept die Anordnung der Turbinen. Da sie übereinander liegen, können sie in den unterschiedlichen Turmhöhen gleichzeitig die verschiedene Windrichtungen zur Stromerzeugung ausnutzen – und das zu deutlich günstigeren Preisen als bei klassischen dreiflügeligen Windkraftanlagen. Installiert kostet eine Kilowattstunde rund 800 Euro, wobei die Anlage zugleich mehr Strom produziert als ihr Pendant mit drei Rotoren. Die Konkurrenzfähigkeit sehen die beiden Erfinder, die ihre Anlage in der Schweiz – und bald auch international – patentiert haben lassen aber nicht nur in Preis und Leistung. Ihr Windturm arbeitet deutlich leiser als herkömmliche Windkraftanlagen, was das Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagenstandorte deutlich vereinfachen könnte.

Judith Schomaker

Was ist nur mit Obama los?

Zum Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama waren die Erwartungen ebenso hoch wie die Versprechungen heilig – Obama erklärte die Umwelt- und Klimaschutzbemühungen zu seinen vordersten Zielen. Eine halbe Million grüner Jobs stellte er in Aussicht. Die Kapazitäten für erneuerbare Energien wollte er verdoppeln. Zwei Millionen Privathäuser sollten energieeffizient saniert werden. Jetzt – drei Jahre später – ist abgesehen von Resignation wenig davon übrig geblieben. Die starre Ideologie und Untätigkeit, die Obama einst der Vorgängerregierung vorwarf, haben inzwischen auch den Optimismus-Präsidenten erfasst.

Das Klima- und Energiegesetz, mittels dessen man den Ausstoß von Treibhausgasen dramatisch senken wollte, ist gescheitert – vertagt aufgrund fehlender Zustimmung im Senat. Republikaner versperrten sich vor allem gegen bindende Obergrenzen für Treibhausgasemissionen und ein Emissionshandelssystem nach europäischem Vorbild – cap and trade.

Die Bemühungen der US-Umweltbehörde EPA, schärfere Ozon-Grenzwerte zu erlassen, hat Barack Obama erst vorigen Monat rigide zunichte gemacht. Er befürchte neuerliche Belastungen und Unsicherheiten in der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Situation. Die Eindämmung der Ozon-Grenzwerte gefährde Arbeitsplätze. Die Gefährdung der Gesundheit seiner Bürger scheint ihm demgegenüber weniger Sorgen zu bereiten.

Inzwischen wurde sogar der Bau einer 3.200 Kilometer langen Ölpipeline von Kanada quer durch die USA genehmigt, durch die Öl aus kanadischen Ölsandvorkommen fließen soll – jener Ölsande die gegenwärtig massiv in der Kritik stehen, immense Umweltzerstörungen in Kanadas Nadelwaldgebieten zu verursachen und deren Erdölvorkommen mehr als dreimal so treibhausgasintensiv sind wie herkömmliches Erdöl. In seinem Wahlkampf hatte sich Obama noch gegen das Pipeline-Projekt ausgesprochen.

Obama setzt Weltklima aufs Spiel

Die USA verschließen die Augen vor der sich anbahnenden Klimakatastrophe. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard äußerte sich kürzlich sehr besorgt im Blick auf die Ignoranz der USA den Klimaveränderungen gegenüber. Ein enger Vertrauter Obamas sagte bei einem Besuch in Berlin: „Saubere Energie ist in Amerika zu einem schmutzigen Wort geworden“ und damit liegt er gar nicht so verkehrt. Immer weniger US-Bürger glauben an die Erderwärmung. Dabei ist der Handlungsbedarf so akut wie nie zuvor. Der globale CO2-Ausstoß steigerte sich im vergangenen Jahr trotz Weltwirtschaftskrise auf 33 Milliarden Tonnen – ein neuer Rekordwert und im Vergleich zu 1990 ein Plus von 45 Prozent. Die US-Amerikaner sind beim Pro-Kopf-CO2-Ausstoß ganz vorn mit dabei. Und die Bemühungen, diesen zu senken, sind bislang mager und wenig fruchtbar.

In den USA stehen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von geschätzten 1,6 Gigawatt – in Europa sind es bereits rund 16 Gigawatt. Die Aussichten auf ein neues Kyoto-Protokoll – das bislang einzige weltweit verbindliche Abkommen zur Treibhausgasminderung (das die USA im Übrigen nie ratifiziert haben) - sind düster: die  bisherigen Vereinbarungen laufen Ende 2012 aus und eine Neuauflage ist unsicher angesichts der Positionen etwa Chinas oder Indiens. Der nächste Klimagipfel in Durban, Südafrika, steht bevor. Beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen scheiterten die Verhandlungen zu einem weltweiten Klimaschutzabkommen - auch aufgrund Obamas Kompromissbereitschaft. Wenn nicht in naher Zukunft endlich allgemein verbindliche Abmachungen getroffen werden, um die CO2-Emissionen der großen Verschmutzer zu deckeln, wird der Klimawandel in immer größerem Tempo weiter voranschreiten und immer größere Lawinen lostreten. Unter dem Strich werden die Folgen des Klimawandels weit teurer sein als die seiner Vermeidung, das sollte vielleicht auch einem Präsidenten klar sein, der schließlich nicht nur seinen Ruf, sondern zugleich auch das gesamte Weltklima aufs Spiel setzt. 

Josephin Lehnert

Strom wird immer teurer

Wie schon in den letzten zwölf Jahren werden auch zum kommenden Jahreswechsel die Strompreise wieder ansteigen. Kunden müssen mit einer Strompreiserhöhung von rund vier Prozent zum Jahr 2012 rechnen - immerhin deutlich weniger, als zum Ende des vergangenen Jahres.

Damals zog der Strompreis im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent an. Grund dafür, dass Stromkunden immer tiefer in die Tasche greifen müssen, sind vor allem die höheren Umlagen für die Erneuerbaren, die notwendigen Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur, aber auch die gestiegenen Großhandelspreise. Energielieferanten schlagen, sobald ihre Anlagen nicht mehr ausgelastet sind, nämlich mit höheren Kosten zu, um vormals getätigte Investitionen zu refinanzieren.

Im Gegensatz zum Brüsseler Entwurf für den „Energie-Fahrplan 2050“, hält Deutschland weiterhin an hohen Subventionen für Sonnenstrom und Co. fest. Die Ansätze der EU sehen mit fortschreitender Technologie hingegen auch sinkende Kosten für ebendiese und daher ein Absenken der finanziellen Förderung für sinnbringender. Die Umstellung auf eine klimafreundliche Energieversorgung soll die privaten Haushalte künftig immerhin mit bis zu 15 Prozent ihres Einkommens belasten.

Dabei zeigen die neuesten Berechnungen des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), dass die EEG-Umlage künftig den Strompreis nur noch gering belastet. Ab 2012, so die Berechnungen, würde jede Erweiterung der Solarstromleistung um ein zusätzliches Gigawatt mit nur 0,03 Cent je Kilowattstunde Strom in den Umlagekosten zu Buche schlagen. Zumindest auf dem Solarstromsektor liegt die EU-Kommission in Brüssel mit ihren Ansätzen daher gar nicht so verkehrt, denn auch ohne Förderung kann sich die Sonnenenergie in Zukunft selber tragen.

Zu dem Schluss kommt zumindest das Beratungsunternehmen Roland Berger. Schon 2013 soll nach Prognosen von Berger der eigen produzierte Strom günstiger sein, als viele Stromtarife der Energieversorger. Ab dem Jahr 2017 können Solaranlagen auf Hausdächern, zumindest bei hohem Eigenstromverbrauch, dann gänzlich ohne finanzielle Förderprogramme rentabel arbeiten.

Judith Schomaker

Ozonloch 2011 erstmals auch über der Arktis

Seit Anfang der 80er-Jahre wird immer im Frühjahr ein Loch in der schützenden Ozonschicht über dem Südpol der Erde beobachtet. 2011 "schmolz" die Ozonschicht nun auch über der Arktis derart dramatisch, dass Wissenschaftler erstmals in der Geschichte auch dort von einem Ozonloch sprachen. In einem Beitrag des Nature-Magazins wurden nun die Gründe dafür und das Ausmaß der Katastrophe näher beleuchtet.

Demnach forcierten in diesem Jahr extrem tiefe Temperaturen am Nordpol die Bildung von polaren Stratoshpärenwolken aus Wasser, Schwefelsäure und gefrorener Salpetersäure. In diesen Wolken wandeln sich langlebige Chlorverbindungen unter anderem zu Chlormonoxid-Radikalen um, die das Ozon aggressiv angreifen. Noch ist zwar nicht vollständig geklärt, wie es zu derartigen Tiefsttemperaturen von unter minus 80 Grad überhaupt erst kommen konnte, denn in Bodennähe hat die Arktis eigentlich mit einem starken Temperaturanstieg zu kämpfen, aber es scheint sich um ein Phänomen zu handeln, das uns auch in den nächsten Jahren blühen wird.

Ein weiterer Grund für das Ozonloch über der Arktis war ein besonders kräftiger Polarwirbel in der Region. Es handelt sich dabei um ein Tiefdruckgebiet, das über längere Zeit stabil bleibt und in den hohen Luftschichten über Nord- und Südpol zu finden ist. Während der Polarwirbel normalerweise über der Antarktis deutlich heftiger ausfällt als im Norden, war es 2011 genau umgekehrt. Als Folge wurde die Atmosphäre dort stärker vermischt und die Ozonschicht noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen.

In Kombination führte das in der Stratosphäre zu einem extremen Verlust der Ozonschicht, der laut den Forschern in dem Bereich zwischen 18 und 20 Kilometern Höhe besonders drastische Werte von etwa 80 Prozent erreichte. Auch die Fläche des Ozonloches über der Arktis war gewaltig: Zeitweise erreichte es eine Ausdehnung von zwei Millionen Quadratkilometern und die Ausläufer reichten sogar bis nach Deutschland. Besonders betroffen von den Folgen, wie der ohne schützende Ozonschicht besonders gefährlichen UV-Strahlung, waren Osteuropa und Russland.

Obwohl der industrielle Gebrauch von Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) nach Bekanntwerden des Ozonloches über der Antarktis drastisch gesenkt wurde, ist übrigens auch dort das Ozonloch weiter gewachsen. Und nun gibt es also auch am Nordpol ernsthaften Grund zur Sorge.

Matthias Schaffer

Keep the Oceans Clean!

Skeleton Sea, eine Gruppe von Surfern, die mit ihrer Abfallkunst auf die Verschmutzung der Meere und die schrecklichen Auswirkungen von vor allem Plastik auf Lebensräume und Lebewesen aufmerksam machen wollen, unterstützen aktuell das Volvo Ocean Race Team bei ihrer Keep the Oceans Clean! Initiative. Das Volvo Ocean Race 2011/12 startet am 29. Oktober in Alicante und macht in neun Monaten unter anderem in Abu Dhabi, Lissabon oder Miami Halt.

Die Hochseeregatta findet bereits das 11. Mal statt und wird von sechs Yachten in Angriff genommen. Während der Segelregatta, die 39.000 Seemeilen umfasst und damit die längste und schwierigste Regatta der Welt ist, werden die Teams gemeinsam mit Schülern und Freiwilligen an allen zwölf Stops zwischen Kapstadt und Galway eine Strandreinigungsaktion starten. Je ein Skeleton Sea Künstler wird ebenfalls vor Ort sein und im Rahmen eines Aktivisten-Workshops eine Abfall-Strand-Skulptur fertigen und diese in ihre eigene Ausstellung von Skulpturen integrieren.

Der erste Workshop am Strand von Postiguet bei Alicante, beginnt am 26. Oktober, also bereits drei Tage vor dem in-See-stechen. João Parrinha aus Portugal, Luis de Dios aus Spanien und Xandi Kreuzeder aus Deutschland wollen dabei besonders die Installation „Albatross Exhibitionist“ und das damit aufgezeigte Verenden der Albatrosse durch Nahrungsmittelirritation aufgrund von Plastikmüll in den Mittelpunkt rücken.

Albatross Exhibitionist from skeleton sea on Vimeo.

In jeder Race City wird es ein Ausstellungszelt geben, in dem die Besucher auch den Film über das qualvolle Sterben ganzer Albatrosse-Generationen durch Plastikmüll anschauen können. Vielleicht brennen sich die Bilder ja so ein bisschen realistischer bei den Menschen ein, lassen sie aufwachen und endlich ihren Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt leisten. „Für jeden von uns ist es wichtiger denn je, dass er seinen Teil zum Umweltschutz beiträgt. Wer Abfall vom Starnd mitnimmt leistet bereits einen kleinen Beitrag. Wenn wir durch unsere Aktivitäten unsere Botschaft weiter verbreiten können und immer wieder neue Leute erreichen, ist das schon alle Mühen wert", erklärt Xandi Kreuzeder von Skeleton Sea.

Toter Jungvogel mit Müll-Mageninhalt; Foto: Skeleton SeaJacqui Smith, Projektkoordinator von Keep the Oceans Clean!, fügt hinzu: „Das Volvo Ocean Race bietet uns die perfekte Plattform, um mit dieser Initiative auf die zentrale Rolle eines sauberen Ozeans und die Wichtigkeit diesen zu schützen hinzuweisen. Ganz gleich wo wir auch leben – der Ozean ist für unsere Existenz von zentraler Bedeutung. Wir müssen den Ozean respektieren, uns um ihn kümmern und uns dafür einsetzten, dass sein blaue Schönheit, die mehr als 70 Prozent unserer Erde bedeckt, erhalten bleibt. Wenn wir die einfache Botschaft ‚keep the oceans clean’ durch Beachcleanings und Workshops verbreiten, können wir die Menschen dazu ermutigen den Ozean zu schützen und über ihr Verhalten, dass das maritime Leben gefährdet, nachzudenken. Nur so kann sich nachhaltig etwas verändern.“

Bei der Keep the Oceans Clean! Initiative des Volvo Ocean Race geht es, genau wie bei den Surfern des Skeleton Sea Teams, also um weitaus mehr als Eigennutz. Natürlich sind ihre Sportgeräte, nämliche die Boards und Regatta-Boote, sowie die Sportareale durch die Verschmutzung stark gefährdet, aber das steht hier nicht im Vordergrund. Vielmehr nutzen die Wassersportler gemeinsam ihre Positionen und öffentliche Aufmerksamkeit für eine Botschaft von globaler Bedeutung, die so simpel wie dramatisch ist: Keep the Oceans Clean!

Christin Springer

Vertikale Gärten im XL-Format

Das schwedische Unternehmen Green Fortune integriert Pflanzen und Grünflächen in den urbanen Lebensraum. Unterschiedliche Systeme beweisen, dass die Natur durchaus Platz in unserem Alltag hat und diesen deutlich aufwertet. Die Zukunftsvision Urban Cultivation zeigt eine begrünte Großstadt im Jahr 2025.

Die Plantwall. Vertikale Begrünung sowie eine grün orientierte Innenarchitektur erobern seit einigen Jahren langsam und unauffällig den urbanen Lebensraum (das CleanEnergy Project berichtete). Neben der deutlichen Verbesserung des Raumklimas, etwa durch die Anreicherung der Luft mit Sauerstoff oder die deutliche Reduzierung des Umgebungslärms, bewirken liebevoll gestaltete Arrangements stets auch eine ästhetische Aufwertung der jeweiligen Umgebung.

Dass eine simple Vergrößerung eines Objekts in einigen Fällen tatsächlich eine Verbesserung darstellt, beweist die Plantwall des schwedischen Unternehmens Green Fortune. Das Team in Stockholm arbeitet seit 2004 an unterschiedlichen Lösungen, Grünflächen und Pflanzen auf optimale Art und Weise in private sowie in öffentliche Lebensräume zu integrieren.

Die Plantwall selbst beeindruckt durch ihre vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. In Form und Größe ist das System flexibel, da die entsprechende Rückwand maßgeschneidert und somit an die jeweilige Umgebung angepasst wird. Auch die Zusammenstellung der Pflanzen ist beliebig variierbar. Der Bogen spannt sich dabei von schlichtem Grün bis hin zu einer üppigen, naturnahen Wandbegrünung. Einmal fertig installiert, erfolgen Beleuchtung, Düngung und Bewässerung der gesamten Pflanzenwand automatisch.

Weitere Systeme und eine begrünte Stadt. Ideen scheinen bei Green Fortune ebenso rasch zu sprießen, wie die Pflanzen in den diversen Varianten zur Begrünung. Während das System Plantwire hauptsächlich für großvolumige Innenräume konzipiert ist, richten sich die beiden Konzepte Tubegarden und Streamgarden eher an jene Menschen, die ihr privates Umfeld durch zusätzliches Grün aufwerten wollen.

Urban Cultivation hingegen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Vision des Teams aus Schweden. Darin wird die Stadt Stockholm im Jahr 2025 präsentiert. Bisher ungenutzte Dachflächen sind dabei in Gewächshäuser, Erholungsräume und Parklandschaften umgewandelt. Dieses Projekt zeigt eine Zukunft, in der Pflanzen deutlich besser in unser urbanes Alltagsleben integriert sind. Zugleich stellt Urban Cultivation auch einen Entwurf für ein zukünftiges Leben in der Großstadt dar.

Joachim Kern

eCarTec: Hype um Elektromobilität flaut ab

„Nach weit mehr als 100 Jahren Entwicklungs-geschichte des Verbrennungsmotors im Straßenverkehr läutet die Elektromobilität eine weltweite technologische Zeitenwende im Verkehrsbereich ein. Die Elektrifizierung der Antriebe ist eine ganz wesentliche Stellschraube für eine zukunftsfähige Mobilität.“ Mit diesen Worten wird man auf der Homepage der eCarTec, der Internationalen Leitmesse für Elektromobilität, begrüßt. Die Messe selbst, die vom 18. bis 20. Oktober 2011 zum 3. Mal in München stattfand, transportierte jedoch eine andere Botschaft.

Laut Veranstalter haben in diesem Jahr 503 Unternehmen aus 24 Ländern ihre Neuheiten zum Thema Elektromobilität präsentiert – darunter Elektrofahrzeuge, Speichertechnologien sowie Antriebs- und Motorentechnik. Bei einem Blick durch die zweieinhalb Messehallen der eCarTec gab es – neben Ladesäulen, Batterien, Elektrobikes und -rollern – ebenfalls einige skurrile, futuristische Automobile zu sehen. Auch ein paar Segways, Elektroskateboards sowie ein Elektromotorboot waren mit von der Partie. Einen serienreifen Pkw, der in der Lage wäre, den derzeitigen Fahrzeugbestand adäquat abzulösen, suchte man jedoch vergeblich. Wie im Workshop ’Financing eMobility’, der am 19. Oktober im Rahmen der eCarTec stattfand, aufgezeigt wurde, ist das auch eigentlich kein Wunder.

Elektromobil als eCarTec, Foto: Corinna LangElektromotorboot auf eCarTec; Foto: Corinna LangElektromobil als eCarTec, Foto: Corinna Lang

Zu Beginn des Workshops erläuterte Dr. Michael Hajesch, von project i, Innovationsprojekte E-Mobilität der BMW Group, zwar recht eindrücklich den ganzheitlicher Ansatz der Bayerischen Motorenwerke für eine elektrische Mobilität der Zukunft. So berücksichtigt BMW bei seinem Konzept nicht nur die Verwendung umweltverträglicherer Materialien und Produktionsprozesse. Das Unternehmen bereitet sich auch auf neue Mobilitätsangebote vor, die den Besitz eines eigenen Autos überflüssig machen. Doch Markus Bachmeier, Clean Energy and Innovation Manager bei The Linde Group, räumte anschließend mit der in den Medien stark verbreiteten Annahme auf, Elektromobilität wäre der Antrieb der Zukunft. Elektroautos kämen auch künftig kaum über Reichweiten von 200 Kilometern hinaus. Das sei, laut Bachmeier, selbst das Credo der Elektromobil-Experten. Wolle man den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge erheblich verringern und dabei keine Einbußen in Bezug auf die Reichweite und Betankungszeit verzeichnen, würden sich dagegen Brennstoffzellenautos, die mit Wasserstoff betrieben werden, anbieten. Das Problem sei hier jedoch noch das „Henne-Ei-Dilemma“ von Wasserstoffinfrastruktur und Konsumentennachfrage.

Dr. Michael Hajesch, von project i, Innovationsprojekte E-Mobilität der BMW Group; Foto: Corinna LangMarkus Bachmeier, Clean Energy and Innovation Manager bei The Linde Group; Foto: Corinna LangThomas Korn, Vice President of Product Management and Technology der Firma Alset; Foto: Corinna Lang

Dass sich aber auch dieses Problem relativ einfach lösen lässt, zeigte Thomas Korn, Vice President of Product Management and Technology der Firma Alset, in seinem Vortrag im Anschluss auf. Er plädierte für den Einsatz bivalent betriebener Wasserstoffverbrennungsmotoren, die sowohl mit Benzin als auch mit Wasserstoff fahren können. Schließlich dominieren Verbrennungsmotoren seit mehr als einem Jahrhundert den Automobilsektor und werden auch in den kommenden Jahrzehnten einen erheblichen Marktanteil ausmachen. “Mit dem Einsatz von Wasserstoffverbrennungs-Technologien ist es möglich, den Übergang zu einer grünen Mobilität voranzubringen“, erklärte Korn. „Die Technologie kann bereits heute effektiv und unter Berücksichtigung gängiger und kostengünstiger Materialien in sämtlichen Fahrzeugen eingebaut werden. Sie lässt sich auch problemlos in die üblichen Automobilherstellungsprozesse integrieren. Dadurch erlaubt sie eine sehr kurze Implementierungsphase und ermöglicht einen zeitnahen Return on Investment für die gesamte Wertschöpfungskette, also sowohl für Autohersteller, Lieferanten, Wasserstoff-Produzenten und -Händler sowie für die Endkunden.“ Der Einsatz von Wasserstoffverbrennungsmotoren beschleunige den Ausbau sowohl der Wasserstoffinfrastruktur als auch der Wasserstofffahrzeugindustrie insgesamt. Auf diese Art und Weise fördert die Technologie verstärkt den früheren Markteintritt von Brennstoffzellenelektrofahrzeugen.

Reine Elektromobile haben mit Sicherheit ihre Berechtigung als Nischenprodukt. Gerade im Bereich Kleinstfahrzeuge für den urbanen Raum machen sie durchaus Sinn. Größere Elektroautos werden in ein paar Jahren aber wahrscheinlich wieder vom Markt verschwunden sein – noch bevor sie überhaupt einen merklichen Marktanteil erreicht haben.

Corinna Lang

Biotruck Expedition – Auf Abfall rund um die Welt

Andy Pag verzichtet für seine Überzeugung auf so Einiges. Der Abenteurer ist in einem aus Abfall gebauten Biotruck, der nur durch altes Speiseöl angetrieben wird, über 30.000 Kilometer durch 25 Länder rund um den Globus gefahren. Dass ein solcher Trip ein Leben fernab von jeglichem Luxus bedeutet, versteht sich von selbst. Doch unterwegs wurde der Engländer nicht nur beinahe in Indien wegen unerlaubtem Besitz eines Satelliten-Telefons zu zehn Jahren Haft verurteilt, sondern ihm begegnete in Indonesien mit der amerikanischen Journalistin Christina Ammon auch seine jetzige Freundin, die den abenteuerlichen Trip sogar mit ihm gemeinsam beendete.

Die Grundlage für den von Page selbst gebauten Biotruck war ein 22 Jahre alter Mercedes-Schulbus vom Schrottplatz, den der Bastler mit anderen Dingen vom Müll so ausbaute, dass sich das Auto für die Weltreise eignete.

Laut Webseite der Biotruck-Expedition haben Wissenschaftler errechnet, dass die schlimmsten von Menschen verursachten Klimaschädigungen abgefangen werden könnten, wenn jeder Mensch seinen persönlichen CO2-Fußabdruck  bis 2050 auf zwei Tonnen pro Jahr reduzieren würde. Vor allem in den Industriestaaten würde das allerdings eine Reduktion um bis zu 90 Prozent bedeuten. Mit ihrem Biotruck-Trip wollen Andy Pag und Christina Ammon beweisen, dass es möglich ist, einmal rund um die Welt zu reisen und dabei weniger als zwei Tonnen CO2 pro Person zu emittieren. Außerdem wollten die Beiden herausfinden, was andere Menschen machen um klimabewusster zu leben und sie vielleicht sogar motivieren, etwas an ihrem Verhalten zu ändern.

Für Andy Pag ist die Biotruck-Expedition übrigens nicht das erste Unterfangen dieser Art. Im Jahr 2007 fuhr der Abenteurer bereits mit einem schokoladenbetriebenen Lorry nach Timbuktu. Der Biodiesel für das Gefährt wurde aus Kakaobutter-Abfällen hergestellt. 2008 organisierte Pag dann die Grease to Greece Rallye, bei der Fahrzeuge, die mit altem Frittier-Öl angetrieben wurden, quer durch Europa tourten. Bleibt abzuwarten, was dem kreativen Klima- und Umweltaktivisten als Nächstes einfällt.

Matthias Schaffer

Studien zu erneuerbaren Energien auf einen Blick

Der neue Studienradar Erneuerbare Energien ist online. Das Portal informiert Wissenschaftler, Journalisten, Politiker und engagierte Bürger über Studien zu systemanalytischen, ökonomischen, politischen, ökologischen und gesellschaftlichen Aspekten der erneuerbaren Energien. Laut Internetseite sind derzeit 88 Projektinformationen zu Energiesystemen, 79 zu Ökonomie; 60 zu Politik und 22 Einträge zu Umwelt und Soziales abrufbar. Viele Studien sind mehrfach eingeordnet.

Die Datensätze enthalten in einem Überblick neben dem Titel, Herausgebern und Autoren, das Veröffentlichungsjahr und einen Link zur Quelle. Die Studien datieren bis in das Jahr 2009 zurück. Teilweise sind die Datensätze redaktionell aufbereitet und bieten unter anderem Ausführungen zu Zielsetzung und Fragestellung der Studie, zentrale Annahmen, Thesen und Ergebnisse sowie Methodik und Grafiken. Der Internetnutzer kann dadurch Forschungsarbeiten unterschiedlicher Institute und Auftraggeber einander gegenüberstellen und vergleichen. Jährlich sollen nach Angaben des Betreibers, der Agentur für Erneuerbare Energien, 50 Beschreibungstexte hinzukommen.

Auf einer Deutschlandkarte sind wissenschaftliche Institute, Unternehmen und Organisationen, die zu erneuerbaren Energien forschen und beraten, vermerkt. „Sie schließt unterschiedlichste Disziplinen ein, von der technologischen Forschung bis zu den Wirtschafts- und Politikwissenschaften“, heißt es zu der Karte. Unter dem Stichwort Fördermittel informiert das Portal in wenigen Grundzügen über die Forschungsförderung in Deutschland und der Europäischen Kommission. In der Mediathek befinden sich Grafiken zu Themen wie Abschaltung der Kernenergie oder Beschäftigungseffekte der erneuerbaren Energien.

Die Redaktion des Studienradars Erneuerbare Energien möchte die Mediathek durch Grafiken erweitern, die zentrale Aussagen verschiedener Studien vergleichen. Das Projekt "Studienradar Erneuerbare Energien - Energiepolitische Forschung kompakt" wird gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).

Susanne Kirsch

Kann Solarstrom aus Griechenland zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?

Als die deutsche Presse im Juni 2011 verlauten ließ, Finanzminister Wolfgang Schäuble habe sich dafür ausgesprochen, die griechische Wirtschaft wieder flott zu bekommen, indem sie große Mengen Solarenergie nach Deutschland exportiere, glaubte mancher an ein populistisches Lippenbekenntnis. Doch sowohl der deutschen als auch der griechischen Regierung scheint es ernst zu sein: Unter dem Namen „Helios-Projekt“ planen die beiden Länder die in Griechenland installierte Leistung der Photovoltaik von derzeit 270 Megawatt bis 2020 auf 2,2 Gigawatt zu steigern - bis 2050 sollen es sogar zehn Gigawatt sein.

20 Milliarden Euro soll das Projekt kosten und eine Fläche von 200 Quadratkilometern Land einnehmen. Die erzeugte Energie soll dabei nicht nur einen entscheidenden Teil des griechischen Strombedarfs decken, sondern darüber hinaus auch nach Deutschland exportiert werden. Um den Bau der Photovoltaikanlagen anzuschieben, hat Athen bereits Investitionen von über 1,1 Milliarden Euro zugesagt.

Die deutsche Solarwirtschaft will fünf Prozent zu den Gesamtkosten beisteuern. Sie hofft, sich durch das Gigaprojekt aus ihrer aktuellen Krise befreien zu können. Daher war es auch kaum verwunderlich, dass ein Großteil der Unternehmer, die Wirtschaftsminister Rösler bei seiner Anfang Oktober unternommenen Griechenland-Reise begleiteten, der Solarbranche angehören. „In Griechenland gibt es ein großes Interesse an Solarenergie. Dies war in vielen spannenden Gesprächen deutlich spürbar“, erklärt Moritz von Plate, Geschäftsführer der Solarlite GmbH und Teilnehmer der Delegationsreise.

Laut des griechischen Umweltministeriums sollen Griechenlands Netze schon jetzt für zwei  bis 2,5 Gigawatt zusätzlichen Sonnenstrom bereit sein. „Mit potentiellen Kuppelstellen an den Grenzen von Italien, Slowenien und Ungarn könne der Strom Richtung Nordeuropa transportiert werden“, heißt es auf photon.de. Angeblich sollen laut griechischem Ministerium zur Errichtung von PV-Anlagen staatliche Ländereien 25 Jahre lang an Investoren verpachtet und die Genehmigungen schnell und unbürokratisch erteilt werden.

Corinna Lang

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Als die deutsche Presse im Juni 2011 verlauten ließ, Finanzminister Wolfgang Schäuble habe sich dafür ausgesprochen, die griechische Wirtschaft wieder flott zu bekommen, indem sie große Mengen an Solarenergie nach Deutschland exportiere, glaubte ein mancher an ein populistisches Lippenbekenntnis. Doch sowohl der deutschen als auch der griechischen Regierung scheint es ernst zu sein: Unter dem Namen „Helios-Projekt“ planen die beiden Länder die in Griechenland installierte Leistung an Photovoltaik von derzeit 270 Megawatt bis 2020 auf 2,2 Gigawatt zu steigern - bis 2050 sollen es sogar zehn Gigawatt sein.



20 Milliarden Euro soll das Projekt kosten und eine Fläche von 200 Quadratkilometern Land einnehmen. Die erzeugte Energie soll dabei nicht nur einen entscheidenden Teil des griechischen Strombedarfs decken, sondern darüber hinaus auch nach Deutschland exportiert werden. Um den Bau der Photovoltaikanlagen anzuschieben hat Athen bereits Investitionen von über 1,1 Milliarden Euro zugesagt.



Die deutsche Solarwirtschaft will fünf Prozent zu den Gesamtkosten beisteuern. Sie hofft, sich durch das Gigaprojekt aus ihrer aktuellen Krise befreien zu können. Daher war es auch kaum verwunderlich, dass ein Großteil der Unternehmer, die Wirtschaftsminister Rösler bei seiner Anfang Oktober unternommenen Griechenland-Reise begleiteten, der Solarbranche angehören. „In Griechenland gibt es ein großes Interesse an Solarenergie. Dies war in vielen spannenden Gesprächen deutlich spürbar“, erklärt Moritz von Plate, Geschäftsführer der Solarlite GmbH und Teilnehmer der Delegartionsreise.



Laut des griechischen Umweltministeriums sollen Griechenlands Netze schon jetzt für zweibis 2,5 Gigawatt zusätzlichen Sonnenstrom bereit sein. „Mit potentiellen Kuppels



Als die deutsche Presse im Juni 2011 verlauten ließ, Finanzminister Wolfgang Schäuble habe sich dafür ausgesprochen, die griechische Wirtschaft wieder flott zu bekommen, indem sie große Mengen an Solarenergie nach Deutschland exportiere, glaubte ein mancher an ein populistisches Lippenbekenntnis. Doch sowohl der deutschen als auch der griechischen Regierung scheint es ernst zu sein: Unter dem Namen „Helios-Projekt“ planen die beiden Länder die in Griechenland installierte Leistung an Photovoltaik von derzeit 270 Megawatt bis 2020 auf 2,2 Gigawatt zu steigern - bis 2050 sollen es sogar zehn Gigawatt sein.

20 Milliarden Euro soll das Projekt kosten und eine Fläche von 200 Quadratkilometern Land einnehmen. Die erzeugte Energie soll dabei nicht nur einen entscheidenden Teil des griechischen Strombedarfs decken, sondern darüber hinaus auch nach Deutschland exportiert werden. Um den Bau der Photovoltaikanlagen anzuschieben hat Athen bereits Investitionen von über 1,1 Milliarden Euro zugesagt.

Die deutsche Solarwirtschaft will fünf Prozent zu den Gesamtkosten beisteuern. Sie hofft, sich durch das Gigaprojekt aus ihrer aktuellen Krise befreien zu können. Daher war es auch kaum verwunderlich, dass ein Großteil der Unternehmer, die Wirtschaftsminister Rösler bei seiner Anfang Oktober unternommenen Griechenland-Reise begleiteten, der Solarbranche angehören. „In Griechenland gibt es ein großes Interesse an Solarenergie. Dies war in vielen spannenden Gesprächen deutlich spürbar“, erklärt Moritz von Plate, Geschäftsführer der Solarlite GmbH und Teilnehmer der Delegartionsreise.

Laut des griechischen Umweltministeriums sollen Griechenlands Netze schon jetzt für zwei  bis 2,5 Gigawatt zusätzlichen Sonnenstrom bereit sein. „Mit potentiellen Kuppelstellen an den Grenzen von Italien, Slowenien und Ungarn könne der Strom Richtung Nordeuropa transportiert werden“ heißt es auf photon.de. Angeblich sollen laut griechischem Ministerium zur Errichtung von PV-Anlagen staatliche Ländereien 25 Jahre lang an Investoren verpachtet und die Genehmigungen schnell und unbürokratisch erteilt werden.

Corinna Lang

tellen an den Grenzen von Italien, Slowenien und Ungarn könne der Strom Richtung Nordeuropa transportiert werden“ heißt es auf photon.de. Angeblich sollen laut griechischem Ministerium zur Errichtung von PV-Anlagen staatliche Ländereien 25 Jahre lang an Investoren verpachtet und die Genehmigungen schnell und unbürokratisch erteilt werden.



Corinna Lang

Neuer Standard für CO2-Bilanzierung: Greenhouse Gas Protocol Scope 3

Unternehmen müssen neuerdings die Klimabilanz ihrer Produkte über den gesamten Lebensweg hinweg ermitteln – von der Herstellung über den Konsum bis hin zur Verwertung. Denn seit Anfang Oktober gelten mit dem Greenhouse Gas Protocol Scope 3 international verbindliche Regeln zur CO2-Bilanzierung in Unternehmen für Scope-3-Emissionen. Das bedeutet, dass von nun an auch unternehmensbezogene Treibhausgasemissionen entlang von Wertschöpfungsketten nach einheitlichen Standards ermittelt werden – „von der Wiege bis zur Bahre“.

Das Greenhouse Gas Protocol (Treibhausgas-Protokoll) ist ein weltweit gültiges Instrument zur Berichterstattung über Treibhausgasemissionen. Entwickelt wurden die Standards vom World Resource Institute (WIR) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Unternehmen nutzen die Standards für das Management ihrer Treibhausgasemissionen.

Bislang galten nur zum Bericht über direkte Emissionen aus eigenen Anlagen (Scope-1-Emissionen) sowie über indirekte Emissionen durch Energieerzeugung (Scope-2-Emissionen) allgemeingültige Regelungen. Die Berichterstattung indirekter Emissionen entlang von Wertschöpfungsketten (Scope 3) hingegen war freiwillig und ohne verbindliche Vorgaben.

Mit dem neuen Corporate Value Chain (Scope 3) Accounating & Reporting Standard hat sich das nun geändert. Schon im Vorjahr wurden die ergänzenden Standards zur Diskussion gestellt. Sie beinhalten in 15 Kategorien die einzelnen Produktionsschritte von Gütern, beginnend bei der Gewinnung von Rohstoffen über den Transport, zum Beispiel der Rohstoffe oder später der fertigen Güter, bis hin zur Entsorgung am Ende des Lebenswegs eines Produkts. Auch die Emissionen der Lieferketten oder verbundener Dienstleistungen werden bilanziert. Das soll Unternehmen dazu ermutigen, Zulieferer und Dienstleister zu wählen, die sich durch eine günstige CO2-Bilanz auszeichnen. Die von WIR und WBCSD vorgegebenen Richtlinien schreiben nur vor, auf welche Weise die Emissionswerte errechnet werden; eine Überwachung ist durch die Initiative nicht gegeben - dafür sollen unabhängige externe Institute hinzugezogen werden.

Mit den Bilanzierungsstandards allein ist es jedoch nicht getan. Was es braucht sind auch nationale Ökobilanz-Vorgaben und Initiativen, die sich nicht nur auf CO2 konzentrieren. Diese Ansicht vertritt etwa Ludwig Glatzner, Experte für Treibhausgasmanagement beim BUND. Denn geändert hat sich in Sachen Treibhausgasemissionen und Klimawandel bis jetzt noch viel zu wenig.

Josephin Lehnert

Norwegen bietet Speichermöglichkeit für Ökostrom

Wenn es um die Speicherbarkeit alternativ gewonnener Energien geht, tun sich nach wie vor noch wahre Abgründe auf. Der Ausbau erneuerbarer Energien scheint aufgrund der fehlenden Speichermöglichkeiten zum Scheitern verurteilt zu sein, wird nicht schnellstmöglich nach Lösungen geforscht. Besonders in den witterungsabhängigen Schwankungen der Solar- und Windenergiegewinnung scheint die größte Herausforderung zu liegen.

Sowohl Überproduktionen, als auch Zeiten mit nur schwacher Stromproduktion, etwa Windflauten oder Nachtstunden, machen dem Umstieg auf eine reine Ökostromgewinnung zu schaffen. Noch können die Überproduktionen aufgrund der fehlenden Infrastruktur die Zeiten der schwachen Stromproduktion nicht auffangen.

Alleine bis zum Jahr 2020 wird in Deutschland eine Speicherkapazität für Ökostrom von rund sieben Gigawatt benötigt. Derzeit würde rund die Hälfte als Speicher für alternativ gewonnenen Strom gebraucht werden. Ein Lösungsansatz für diese Problematik kommt aus dem hohen Norden.

Der norwegische Stromkonzern Stratkraft scheint eine simple Lösung für die fehlenden Speichermöglichkeiten hierzulande bei sich im Land gefunden zu haben. Der in Hochzeiten produzierte, überschüssige Strom könnte in norwegischen Stauseen gespeichert werden. Immerhin haben die bestehenden Wasserkraftwerke in dem skandinavischen Land das Potenzial, bis zu 20 Gigawatt Leistung zurück ins Ausland zu liefern. Durch ein Aufrüsten der bestehenden Wasserkraftwerke zu Pumpspeicherkraftwerken und den Einsatz stärkerer Pumpen könnte sogar noch mehr Strom zwischengespeichert werden – angesichts der benötigten sieben Gigawatt also des Rätsels beste Lösung. Oder etwa nicht?

Per Stromkabel, das durch die Nordsee verlaufen soll, wird der überschüssige Strom zu unseren skandinavischen (fast-) Nachbarn geleitet. Hier dient er dazu, elektrische Pumpen zu betreiben, die Wasser hinauf in riesige Stauseen pumpen. Wird nun in Deutschland Strom benötigt, da gerade eine Windflaute herrscht und auch aus Photovoltaikanlagen nicht genügend Strom zur Verfügung steht, soll das Wasser der Stauseen wieder abgelassen werden und dabei Turbinen und Generatoren zur Stromgewinnung antreiben. Eine nette Idee, denn auch die nötigen Investitionen für die Umsetzung dieses Projektswürden sich nach Angaben der Verantwortlichen in Grenzen halten.

Ein winziges Problem bliebe da allerdings noch auszumerzen – dem Netzbetreiber sind die Partner beim Bau einer der beiden Stromautobahnen durch die Nordsee abgesprungen. Vielleicht sollten sich deutsche Partner nun einschalten, um das Projekt möglichst schnell wieder in die Gänge zu bringen. Schließlich ist es unser Strom, der in Norwegen gespeichert werden soll.

Judith Schomaker

BoAplus soll 1.100 Megawatt Strom in Bergheim-Niederaußem erzeugen

RWE Power plant in Bergheim-Niederaußem den Bau einer neuen Generation eines Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoAplus). Das Kraftwerk soll über eine installierte elektrische Leistung von 1.100 Megawatt verfügen. Um das Projekt auf den Weg zu bringen, hat der Konzern einen Antrag auf Änderung des Regionalplans bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Mit einer Inbetriebnahme plant RWE Power in den Jahren 2017/2018.

BoAplus verfügt durch ein integriertes Feuerungskonzept über einen Wirkungsgrad von rund 45 Prozent. Ein großer Anteil des Brennstoffs Braunkohle wird zunächst in einem Wirbelschichtverfahren getrocknet und erst dann verfeuert. Zwei kleine Kessel von je 550 Megawatt Leistung treiben eine Turbine an.

Die Anlage lässt sich in einer Spannweite von 350 bis 1.100 Megawatt fahren. Bei Bedarf lässt sich die Leistung des Kraftwerks pro Minute um 30 Megawatt steigern oder senken. Dadurch kann die Anlage auf Schwankungen im Stromnetz, die durch die Einspeisung von Sonnen- und Windenergie auftreten, auffangen.

Wenn nur ein Kessel läuft, ist eine Absenkung auf 175 Megawatt möglich. Neu bei der BoAplus-Anlage ist die Möglichkeit, Biomasse mitzuverbrennen. Bis zu zehn Prozent des benötigten Brennstoffs, das sind 700.000 Tonnen, können so pro Jahr in Form von Biomasse eingesetzt werden. Geplant ist, die Biomasse per Bahn oder über Umgehungsstraßen ans Kraftwerk heranzuführen. Damit bleibt die Belästigung der Anwohner so gering wie möglich. Das BoAplus-Kraftwerk wird für eine Kraft-Wärme-Kopplung ebenso wie für die CO2-Wäsche vorbereitet.

RWE Power denkt bei den Planungen auch an die Außenwirkung. Die Anlage wird sich auf 23 Hektar Richtung Rheidt-Hüchelhoven ausdehnen. Ein Hybridkühlturm sorgt dafür, dass die Dampfschwaden gering bleiben. Der Kühlturm ist nur 100 Meter hoch. Die Verschattung soll damit möglichst klein bleiben. Bislang ist BoAplus nur eine Idee auf dem Papier. Wenn dieser Plan umgesetzt wird, steht eine Investitionssumme von rund 1,5 Milliarden Euro an.

Selbst wenn die neue Anlage von REW Power verwandte Anlagen energetisch gesehen um Längen schlägt, bleibt die Frage, warum REW nicht gleich auf eine 100-prozentige erneuerbare Energieanlage setzt. So äußerste sich beispielsweise auch Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND in NRW, kritisch zu dem Projekt: „Braunkohlenkraftwerke sind eine Energieerzeugungstechnologie von vorgestern.“ Braunkohle sei und bleibe der klimaschädlichste Energieträger. Manche Anwohner des Kraftwerks sehen das Projekt kritisch, denn die Beschattung stellt je nach Wetterlage eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität im Ort dar. 

Susanne Kirsch

Energie-Quiz vermittelt Wissen

Kinder sind die Erwachsenen von Morgen. Um so wichtiger ist es, sie frühzeitig für eine saubere Energieerzeugung und ein nachhaltiges Leben zu sensibilisieren. Schon im Kindergarten sollten sie daher den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur lernen. In der Schule folgen dann Unterrichtseinheiten die tiefergreifende Thematiken und Zusammenhänge behandeln und das entsprechende Wissen vermitteln.

Die EnergieAgentur.NRW hat zu diesem Zweck erneut ein Energie-Quiz herausgegeben, dass spielerisch Wissen vermittelt und mit entsprechenden Gewinnchancen gute Anreize schafft.

Lehrer und Erzieher werden von der EnergieAgentur.NRW längst dabei unterstützt, Kindern und Jugendlichen den sorgsamen Umgang mit Ressourcen, sowie ein energiebewusstes Verhalten zu vermitteln. Ob mit Projektwochen für Schulen und Kindergärten, Schülerakademien, Wettbewerben oder Wanderausstellungen, der Fokus liegt auf den spannenden Erfahrung, die Kinder in diesem Bereich sammeln können. Wissen spielerisch zu vermitteln ist auch die Aufgabe, die das neue Energie-Quiz übernimmt. 28 Fragen mit entsprechenden Erläuterungsseiten, die nach der Idee der Firma Sun-Concept von der EnergieAgentur.NRW entwickelt wurde.

Bei dem Fragespiel „Energieexperten“ liegt das Hauptaugenmerk aber nicht nur auf dem Sieg. Vor allem durch Daten und Fakten sollen den Jugendlichen die aktuellen Themen wie erneuerbare Energien, Klimawandel und Energieeffizienz nahe gebracht werden. Doch nicht nur für die Schüler ist das Quiz ein interessantes Informationsangebot. Auch Lehrkräfte profitieren von dem aufbereiteten Material und können mit dem begleitenden Handbuch auch die unterschiedlichsten Fächer ein wenig „energiefreundlicher“ aufbereiten. Als Nachschlagewerk und für themenbezogene Projekte lässt sich das Material ebenfalls perfekt nutzen.

Neu eingeführt wurde von der EnergieAgentur.NRW im Rahmen des Quiz` eine Ausgabe für die Primarstufe, sodass auch die jüngsten Schulkindern schon den Bezug zu Energiethemen herstellen können. Für die weiterführenden Stufen wurde zudem die Version „2.0 Sekundarstufe“ aktualisiert. Das Quizangebot ist zwar auf die Arbeit an Schulen ausgerichtet und wird von der Agentur für nordrhein-westfälische Schulen kostenlos bereitgestellt, beschränkt sich aber nicht ausschließlich auf den Schuleinsatz. Auch Unternehmen, Organisationen oder Kirchengemeinden profitieren von den Wissen vermittelnden Quizfragen, die mitunter recht knifflig sind. Schließlich weiß längst nicht jeder, wie ein Thermostatventil funktioniert und den Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie können die wenigsten auf Anhieb beschreiben.

Judith Schomaker

Nemos: Offshore-Windpark mit integriertem Wellenkraftwerk

Jan Peckolt gewann 2008 gemeinsam mit seinem Bruder Hannes die Segel-Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in China. Der Wirtschaftsingenieur ist aber nicht nur sportlich talentiert, sondern hat im Rahmen seiner Diplomarbeit ein innovatives Energiekonzept namens Nemos entwickelt, bei dem Offshore-Windparks zusätzlich auf die Kraft von Meereswellen zurückgreifen und dadurch einen deutlich gleichmäßigeren Gesamtenergieeintrag erzielen. Laut einer an einem amerikanischen Standort durchgeführten Studie könnten die Schwankungen um etwa 20 Prozent reduziert werden. Durch die bessere Auslastung von Seekabeln werden zusätzlich Kosten gespart.

Doch die Idee beruht nicht nur auf der Kopplung von Wind- und Wellenkraftwerken, sondern Peckolt ist auch eine erhebliche Weiterentwicklung heute gängiger Wellenkraftwerke gelungen. Im Detail besteht seine Nemos-Anlage aus einem – mit drei Seilen am Meeresgrund befestigten – Auftriebskörper. Durch die Kraft der Wellen wird dieser bewegt und überträgt die Energie über die Seile an einen Generator, der am Turm der Windkraftanlage befestigt ist

Während bisherige Systeme deutlich unter 50 Prozent der Wellenenergie verwerten konnten, hat das von Peckolt optimierte Verfahren einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent. Da die Konstruktion grundsätzlich eher einfach ist, entstehen außerdem nur sehr geringe Materialkosten. An einer Offshore-Windanlage können fünf Schwimmkörper befestigt werden und die von ihnen erzeugte Energie kann den Strombedarf von etwa 1.000 Haushalten decken.

Jan Peckolt wurde für seine Entwicklung am 11. Oktober mit dem RWE-Zukunftspreis 2011 ausgezeichnet und erhielt dafür 12.000 Euro Preisgeld. Aus 75 Studienabschlussarbeiten entschied sich eine Jury unter Vorsitz von Ingo Alphéus, dem Leiters der RWE Effizienz Gmbh, für sein zukunftsträchtiges Projekt. In seiner Laudatio bezeichnete es Alphéus als „durchdachtes, schlüssiges Konzept, das einfach, aber wirksam und nah an einer Umsetzung“ ist.

Gefallen an Nemos sollen auch bereits mehrere Unternehmen gefunden haben. So haben unter anderem ein Energieversorger und ein großer Technologiekonzern aus dem DAX ihr Interesse an dem neuartigen Energiekonzept bekundet. Das ist insofern wichtig, als für eine zeitnahe Umsetzung ein vernünftiger finanzieller Background notwendig ist. Und was den Zeitplan angeht, hat Jan Peckolt schon sehr konkrete Vorstellungen: „Ziel ist der Aufbau einer Pilotanlage 2013/2014 in der Nordsee.

Matthias Schaffer

Lateinamerika: Umwelttechnologie – Markt mit Zukunft

Die Länder Lateinamerikas sind ein wichtiger Wachstumsmarkt für Umwelttechnologien und Klimaschutzprojekte. Mit groß angelegten Programmen investieren sie in die Modernisierung ihrer Infrastruktur und werden dadurch zu Hoffnungsträgern der gesamten Weltwirtschaft und speziell für ein exportorientiertes Land wie Deutschland.

Beispielsweise Brasilien – das Gastgeberland der Sommerolympiade 2016 in Rio de Janeiro – setzt bei dem massiven Ausbau von Verkehrswesen, Telekommunikation und Umweltinfrastruktur auf die internationale Zusammenarbeit mit Partnerländern und ist dadurch auch ein interessanter Markt für die Verwirklichung von Klimaschutzzielen. Aus diesem Grund wird im November auch eine Delegation des Deutschen Wirtschaftsministeriums nach Brasilien reisen.

Um über die Durchführung von Klimaschutzprojekten und Marktpotenziale im Bereich erneuerbare Energien zu informieren, hatte am 6. Oktober auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft HA Hessen Agentur GmbH zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Aktionslinie Hessen-Umwelttech und der Transferstelle-Emissionshandel-Hessen nach Darmstadt geladen.

Ministerialrat Rüdiger Schweer aus der Energie- und Klimaschutzabteilung des Hessischen Umweltministeriums sprach bei der Eröffnung der Veranstaltung davon, dass Deutschland noch große Chancen hat, „effizienten Klimaschutz im Rahmen des Kyoto-Protokolls in Ländern wie Brasilien oder Chile zu verwirklichen“. Auf diese Art ließen sich „Technologie- und Exportförderung mit regionalen und globalen Klimazielen verbinden“, wozu in der Zukunft auch vermehrt Aufforstungs- und Waldschutzprojekte zählen.

Um derart große Herausforderungen besser meistern zu können, hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Initiative deve-loPPP.de ins Leben gerufen und will damit speziell die Kooperation zwischen Entwicklungspolitik und Wirtschaft besser unterstützen. Außerdem wurde eine Vermarktungsplattform für Emissionszertifikate, der KfW-Klimaschutzfonds, vorgestellt. Durch den Kauf von Zertifikaten sollen Projekte zur CO2-Minderung in Entwicklungs-, Transformations- und Schwellenländern ermöglicht werden.

Fakt ist, dass sich speziell in der gegenwärtigen Situation der Weltwirtschaft die Entwicklung der lateinamerikanischen Länder positiv auf die Konjunktur auswirkt. Gerade deutsche Unternehmen könnten davon mit der richtigen Herangehensweise und den richtigen Ideen profitieren. Ein konkretes Beispiel dafür liefert der bereits im Juni hier veröffentlichte Beitrag über geplante Windparks in Lateinamerika.

Matthias Schaffer

Es gibt noch Fördermittel im Marktanreiz-Programm für Erneuerbare Energien

Wer in diesem Jahr in Solarkollektoren, Biomassekessel oder Wärmepumpen investieren will, kann Fördermittel beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen. Bislang wurden nur wenige Gelder abgerufen und so haben zum Beispiel Privatpersonen, Unternehmen, kommunale Einrichtungen und gemeinnützige Investoren bis Ende des Jahres die Möglichkeit, eine Förderung für Investitionen in Technologie zur Nutzung erneuerbarer Energie zu beantragen.

Die Förderbeträge sind beachtlich. Solarkollektoren zur kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung erhalten eine Förderung von 120 Euro pro Quadratmeter. Der Bonus für den zusätzlichen Austausch eines alten Heizkessels ohne Brennwertnutzung gegen einen neuen Brennwertkessel liegt bei 600 Euro. Gelder gibt es auch, wenn neben der Sonnentechnologie eine Biomasseheizung oder eine Wärmepumpe eingebaut wird.

Effiziente Wärmepumpen und Biomasseanlagen sind nur dann förderfähig, wenn mindestens eine Umwälzpumpe der Effizienzklasse A im Heizkreis eingebunden ist. Diese Bedingung gilt auch für die Gewährung des Kesseltauschbonus. Diese Förderungen gibt es nur für Projekte in Bestandsgebäuden. Die BAFA-Förderung ist teilweise mit Programmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau kombinierbar.

Eine Kombination ist nach Angaben der BAFA bei den Programmen „Energieeffizient Sanieren – Effizienzhaus“, „Energieeffizient Sanieren – Kommunen“ und „Sozial Investieren – Energetische Gebäudesanierung“ möglich. Es muss sich um eine Sanierung zum KfW-Effizienzhaus handeln. Die aktuellen Förderbedingungen gelten laut BAFA bis zum 30. Dezember 2011. Danach ändern sich die Konditionen. Auf der Internetseite der BAFA zeigt eine Förderampel, ob noch genug Geld in den Töpfen ist.

Für den Laien ist der Förderdschungel kaum zu durchschauen. Die Internetseiten der BAFA und der KfW geben detailliert Auskunft über die Voraussetzungen für eine Förderung. (Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich auf der Webseite der BAFA).

Susanne Kirsch

Boomzeiten für Pellet-Heizungen

Statistisch gesehen haben rund 15 Millionen Heizungen in Deutschland die Altergrenze von zehn Jahre überschritten. Angesichts der über 40 Millionen Haushalte dürfte demnach fast jede zweite Heizung bald gegen eine moderne Heizungsanlage ausgetauscht werden. Das stimmt die Pellet-Branche froh, denn sie rechnt damit, dass viele diese Gelegenheit nutzen und Erdöl und Erdgas den Rücken kehren.

Keine unrealistische Annahme der Branche, wirft man einen Blick auf die steigenden Öl- und Gaspreise. Und auch ein Rückblick auf die vergangenen Jahre untermauert diese These. In den letzten zehn Jahren stiegen die Produktionszahlen für Pellets weltweit um 20 Prozent.

Alleine im Jahr 2010 wurden 16 Millionen Tonnen dieses Brennstoffs produziert, bis 2020 wird eine Verdreifachung erwartete.

Der Grund für diesen Boom ist sicherlich der Preis. Denn schon heute ist das Heizen mit Pellets etwa 35 Prozent günstiger als die Öl- oder Gasheizung. Und auch in Sachen Umweltfreundlichkeit können sich die kleinen Presslinge sehen lassen. Eigens für die Herstellung von Holzpellets müssen nämlich nicht extra Bäume gefällt werden. Die Späne entstehen als Nebenprodukt im Sägewerk und werden zu Pellets gepresst. Wenn das Prinzip der Rohstoffe „aus der Region für die Region“ beachtet wird, glänzen Pellets zudem noch mit einer hohen ökologischen Verträglichkeit und kurzen Transportwegen, was die Umweltbilanz nochmals positiv beeinflusst.

Bei so vielen Vorteilen lassen aber auch die Nachteile dieses Brennstoffs nicht lange auf sich warten. Durch die geringe Dichte von Pellets ist ein erhöhter Platzbedarf zur Lagerung erforderlich. Eine 15 Kilowatt-Anlage benötigt zirka drei bis vier Tonnen des Brennmaterials. Für das Beheizen eines normalen Einfamilienhauses mit Holzpellets muss demnach mit einer Lagerfläche von etwa fünf bis sieben Kubikmetern gerechnet werden. Wer im Winter also im Warmen sitzen möchte, muss sich mit ausreichend Brennmaterial eindecken. Hieraus ergibt sich zwangsläufig eine Vorfinanzierung, ähnlich wie bei der Ölheizung. Das größte Problem der Pelletheizung sind allerdings die hohen Investitionskosten. Im Vergleich zur normalen Heizung liegen sie etwa doppelt so hoch. Für eine Pellets-Zentralheizung mit einer Leistung von 15 Kilowatt muss derzeit mit rund 15.000 Euro gerechnet werden.

Judith Schomaker

Mein Haus, mein Auto, mein Leaf to Home

Was hat der drittgrößte Autohersteller der Welt mit einem Haus zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts, denn bislang hat sich der japanische Nissan-Konzern auf die Herstellung von Kraftfahrzeugen beschränkt. Jetzt überraschen die Japaner mit einer Art überdimensionalem Wohnmobil. Auf der größten japanischen Elektronikmesse CEATEC stellt der Autobauer seine neueste Kreation vor: Das "Leaf to Home".

Ein Haus, das in Verbindung mit dem Elektroauto Leaf zum unabhängigen Öko-Heim wird und auch noch mobil ist. Es mutet an wie ein Raumschiff aus einem Science Fiction Film: Ein großer Container auf Kufen mit einer gewaltigen Fensterfront im Fond

Unter dem gewöhnungsbedürftigen Eigenheim ist genügend Platz für Nissans Stromer Leaf, der im nächsten Jahr für 35.000 Euro auf den Markt kommen soll. Mit ihm zusammen arbeitet das Nissan-Haus Hand in Hand – und ist dabei vom Stromnetz völlig unabhängig. Die notwendige Energie für Haus und Auto wird mittels Solarpaneelen auf dem Hausdach selbst erzeugt.

Unter dem Haus kann in einer Art Carport das 109 PS starke Elektroauto Leaf geparkt und per Stecker mit dem Stromkreislauf des Hauses verbunden werden. So kann der Leaf, der laut Hersteller über eine Reichweite von mehr als 160 Kilometer verfügt, entweder direkt mit der Energie des Hauses gespeist werden, aber auch selber als Energielieferant dienen. Zum futuristischen Aussehen und der Stromautarkheit hat sich Nissan zudem noch etwas ganz Besonderes für sein “Kan-kan- kyo-Haus” ausgedacht. Es ist mobil und macht einen spontanen Standortwechsel problemlos möglich.

Ob sich diese Form des Eigenheims durchsetzt, bleibt allerdings fraglich. Nicht nur wegen der gewöhnungsbedürftige Optik, sondern auch wegen der Kosten, denn das Nissan-Haus wird sicherlich nichts für den schmalen Geldbeutel!

Judith Schomaker

Auf ein Wort mit Carl-A. Fechner

Für Klimaschutz und Nachhaltigkeit interessiere ich mich seit...

Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Früher war ich sehr stark in der Friedensbewegung aktiv und sah damals noch keine Verbindung zwischen den Themenbereichen...

Die größte Herausforderung an meinem Job ist…

unseren hohen ideellen Anspruch mit den ökonomischen Zwängen einer Filmproduktion in Einklang zu bringen.

Mein Motto lautet…

Was du wirklich willst, schaffst du auch.

Der Umwelt zuliebe verzichte ich…

möglichst auf Autofahrten länger als 100 Kilometer, weitestgehend auf Fleischkonsum, aufs Rauchen, auf das Wegwerfen von Nahrungsmitteln, wo immer möglich auf den Kauf von Gegenständen, die sinnlos sind und nicht nachhaltig hergestellt werden.

Nicht verzichten möchte ich auf…

Geschwindigkeit, Taxis, Skifahren, Möglichkeiten, mein ziemlich dynamisches Leben etwas angenehmer zu gestalten.

Mein größtes Vorbild in Bezug auf Nachhaltigkeit ist…

Hermann Scheer als politischer Vordenker, die Firma juwi AG als Unternehmen.

In meiner Freizeit…

beschäftige ich mich überwiegend mit meinem 7-jährigen Sohn und meiner 10-jährigen Tochter. Wir spielen wie die Wilden Fußball, fahren Fahrrad oder im Winter Ski und diskutieren die großen Themen dieser Zeit.

Das Buch, das zurzeit auf meinem Nachttisch liegt…

ist „Der energetische Imperativ“ von Hermann Scheersowie „Faktor 5“ von Ernst Ulrich von Weizsäcker

Ich wollte schon immer einmal…

einen großen Film machen, mindestens drei Kinder haben, eine durch und durch liebevolle Beziehung haben, in einem Passivhaus leben, durch die Sahara fahren, fliegen, klettern, segeln, das Geschehen der Welt zumindest ein kleines bisschen zum Positiven verändern, Menschen eine Perspektive geben, auch beruflich. Und alles ist eingetroffen!

Für die Zukunft wünsche ich mir…

größere finanzielle Unabhängigkeit, so dass meine Arbeit noch mehr Wirkung entfalten kann. Also entweder den riesigen finanziellen Erfolg eines Films oder einen Mäzen...

Carl-A. Fechner ist geschäftsführender Gesellschafter der fechnerMEDIA GmbH, deren Schwerpunkt auf der Produktion von Dokumentarfilmen zum Thema Nachhaltigkeit liegt. Als Redaktionsleiter ist Fechner verantwortlich für Inhalt und künstlerische Gestaltung der fechnerMEDIA Filme und Medienkampagnen. Sein wohl berühmtester Film ist die Kino-Dokumentation „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“.

Corinna Lang

Solarladegeräte: Quirky Ray und etón Mobius

Speziell für elektrische Gadgets sind mobile Solarladegeräte eine praktische und auf lange Sicht auch preiswerte Alternative zum „herkömmlichen“ Ladevorgang über die Steckdose. Außerdem ist die Stromerzeugung mit Sonnenenergie klima- und umweltfreundlich. Dass in diesem Bereich eine steigende Nachfrage zu verzeichnen ist, haben auch verschiedenste Unternehmen entdeckt und so werden fast wöchentlich neue Solarladegeräte vorgestellt.

Eine interessante Variante ist beispielsweise Quirky Ray, der vor allem durch eine clevere Platzierungsidee glänzt. Das Ladegerät ist nämlich rund um die Solarpaneele mit einem Saugnapf ausgestattet und kann damit direkt auf der Fensterscheibe in Richtung Sonne platziert werden. Alternativ lässt sich das Gerät auch auf einer Unterlage aufstellen und in verschiedenen Winkeln ausrichten. Der Anschluss von Gadgets wie Handys oder MP3-Playern erfolgt über USB-Anschluss

und der integrierte Akku kann genug Energie speichern, um damit ein Mobiltelefon aufzuladen. Der von Brandon Craven entwickelte Quirky Ray ist bisher nur über einen Vorverkauf erhältlich und kostet dort umgerechnet knapp 30 Euro.

Ein weiteres spannendes Solar-Gimmick ist von der im kalifornischen Palo Alto ansässigen etón Corporation erschienen. In unserem Beitrag über Outdoor-Solargeräte, wurde die mobile Solarladestation für das iPhone 4 bereits angekündigt und ist nun auf dem Markt erhältlich.

Es handelt sich dabei um ein extra Gehäuse namens Mobius, das auf der Rückseite mit Solarpaneelen ausgestattet ist. Die Grundfunktionen des iPhones bleiben dabei selbstverständlich zugänglich, denn an den entsprechenden Stellen des Gehäuses befinden sich Aussparungen für die Anschlüsse oder die im Telefon integrierte Kamera.

Eine Stunde Solarladevorgang mit dem Mobius soll das iPhone 4 mit genug Energie für 25 Gesprächsminuten oder 20 Minuten Internet versorgen. Bei bereits voll aufgeladenem Akku erhält das iPhone im Laufe des Betriebes durch die Solarpaneele sogar zusätzliche Power für fünf Stunden Gespräche oder acht Stunden Internet.

Für die zusätzliche kostenlose Solarenergie muss allerdings in Kauf genommen werden, dass das iPhone durch das Gehäuse etwas wuchtiger wird. Erhältlich ist die Mobius Solarladestation der etón Corporation für das iPhone 4 beispielsweise bei Amazon und sie kostet umgerechnet rund 55 Euro.

Weitere interessante Solarladegeräte für Gadgets sind der Solar-Bonsai Electree oder die Solarstrom-Steckdose IllumiCharger.

Matthias Schaffer

Start für solares Megaprojekt in der englischen Megastadt

Ein charakteristisches Merkmal des derzeitigen Londoner Stadtbildes ist ein wenig dezentes Potpourri aus historischen Bauwerken und modernen Glastürmen. Durch ein neues Projekt wachsen die verschiedenen Epochen architektonisch noch weiter zusammen: Die seit dem 19. Jahrhundert bestehende Blackfriars Bridge wird seit Anfang Oktober dieses Jahres mit neuen Dach- sowie Photovoltaikmodulen ausgestattet. Die Konstruktion soll der namensgleichen U-Bahn-Station dienen und 50 Prozent ihres Energiebedarfs decken.

Auf die Idee, den Übergang eines Flusses energetisch zu nutzen, sind auch schon die Australier gekommen. Im Jahre 2009 wurde die Installation von 84 Photovoltaikmodulen auf der Kurilpa Footbridge in Brisbane feierlich eingeweiht. Mit einem Ertrag von 38 Megawattstunden pro Jahr kann die Brücke beleuchtet und der restliche Anteil ins Netz gespeist werden.

Bis Mitte nächsten Jahres darf sie sich noch mit dem Titel der einzigen Photovoltaikbrücke der Welt schmücken. Ab dann werden die Solarmodule über der Themse, 4.400 an der Zahl, voraussichtlich eine Leistung von 1.103 Megawatt aufweisen und pro Jahr 900 Megawattstunden generieren. Womit die Hauptstadt Englands die weltweit längste Photovoltaikbrücke besitzen würde.

Für Planung und Einbau ist das britische Unternehmen Solarcentury zuständig, das im Jahre 1998 gegründet wurde und seinen Sitz in London hat. Die betreffenden Module stammen von der japanischen Firma Sanyo Electric. Solarcentury besitzt zwar eigene Module, stellt aber auch Systeme der Unternehmen Sharp, Sanyo, Sunpower, Yingli und Suntech bereit. Das ungewöhnliche Design erzwingt den Einsatz kleinerer Solar Wechseltrichter, damit viele Module auf das Dach passen. Denn der Spielraum für die Fläche ist sehr klein. Aus diesem Grund wird der Einbau nach der Installation der ersten vier Dachplatten erneut geprüft. Im Dezember soll das Projekt dann fortgeführt werden. Das Department für Transportsicherheit und Umwelt Fonds unterstützt die Errichtung finanziell.

Dieses Jahr konnte ein ähnliches Projekt fertig gestellt werden. Das Dach eines Bahntunnels in Belgien wurde mit 16.000 Photovoltaikmodulen ausgestattet.

Die Vernetzung von Transportwegen und energetischer Flächennutzung wird weiter zunehmen. Zumal die öffentliche Akzeptanz regenerativer Energien mit der zentral gelegenen Blackfriars Bridge sicherlich ansteigt. So könnte sich London mehr und mehr als grüne Stadt präsentieren. Die “Cutting-Edge Green Tour” bietet in London bereits eine Alternative zum konventionellen Stadtrundgang. Ab 2012 finden vielleicht schon Führungen in der Blackfriars Station statt, um neben den Solarmodulen die Sammlung von Regenwasser und Röhren für den natürlichen Lichteinfall vorzuführen.

Jenny Lohse

e-Genius: Stuttgarter Elektroflieger preisgekrönt

Das vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart entwickelte Elektroflugzeug e-Genius konnte bei der Green Flight Challenge der CAFE Foundation gleich zwei Preise ergattern. Bei dem in Santa Rosa im US-Bundesstaat Kalifornien vom 25. September bis zum 3. Oktober 2011 abgehaltenen Wettbewerb wurde der Bau von möglichst umweltfreundlichen Flugzeugen ausgezeichnet.

Zur Teilnahme berechtigt waren dabei Flugzeuge, die mit Benzin, Biodiesel, Wasserstoff oder Strom betrieben werden. Auf einer Strecke von 320 Kilometern durfte der Treibstoffverbrauch je Insasse eine US-Gallone (zirka 3,8 Liter) Benzin – oder eben das jeweilige Äquivalent – nicht überschreiten. Außerdem war eine Mindestfluggeschwindigkeit von 160 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben.

Das von einem 60 Kilowatt starken Elektromotor angetriebene Flugzeug e-Genius der Universität Stuttgart belegte hinter dem Doppelrumpfflieger Taurus G4 des slowenischen Flugzeugherstellers Pipistrel den zweiten Platz und sicherte seinen Erbauern somit ein Preisgeld von 120.000 US-Dollar. Außerdem gewann das Elektroflugzeug mit einer Startlautstärke zwischen 56 und 62 Dezibel den Lindbergh Electric Aircraft Price (LEAP) für das leiseste Flugzeug des Wettbewerbs und damit noch einmal 10.000 US-Dollar extra, die von Erik Lindbergh – dem Enkel des Luftfahrtpioniers Charles Lindbergh – überreicht wurden.

e-Genius ist die Weiterentwicklung des Brennstoffzellenflugzeugs Hydrogenius und bietet bei einer Flügelspannweite von 16,9 Metern und einer Gesamtlänge von 8,10 Metern Platz für zwei Personen. Die Entscheidung, statt der Brennstoffzelle auf günstigere Akkus zu setzen, wurde speziell für die Teilnahme an der Green Flight Challenge getroffen, lässt sich aber auch besser mit den Plänen des Instituts für Flugzeugbau der Universität Stuttgart verbinden, ihr Elektroflugzeug e-Genius als Touring-Motorsegler auf den Markt zu bringen.

Ein interessantes Detail am Rande ist, dass die Green Flight Challenge der CAFE Foundation neben der US-Weltraumbehörde NASA von Google gesponsert wurde. Das Unternehmen stand in der Vergangenheit mehrfach in der Kritik wegen seines hohen Energieverbrauchs und hatte unlängst mit der erstmaligen Veröffentlichung der Stromverbrauchsdaten reagiert. Sponsoring „grüner“ Events ist ein Teil der imageverbessernden Strategie des Konzerns.

Matthias Schaffer

Innovations- und Technologiezentrum für erneuerbare Energien in Bonn eröffnet

Bundesumwelt-minister Norbert Röttgen und Adnan Z. Amin, der Generaldirektor der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA), haben am Freitag, 7. Oktober 2011, in Bonn das Innovations- und Technologiezentrum (IITC) der IRENA eröffnet. Die von der Bundesregierung geförderte Beratungseinrichtung soll wissenschaftliche Szenarien zur Förderung erneuerbarer Energien in Industrieländern, aber insbesondere auch in Entwicklungs- und Schwellenländern erarbeiten und in Zusammenarbeit mit dem IRENA-Hauptsitz in Abu Dhabi zum weltweiten Umstieg auf Ressourcen schonende Technologien beitragen. Mit den Technologie- und Innovationsanalysen des IITC kann IRENA Unterstützung beim Aufbau geeigneter Rahmenbedingungen anbieten, Kompetenzen ausbauen und neue Finanzierungsmodelle entwickeln.

„Bei einer stetig wachsenden Weltbevölkerung und deren berechtigtem Wunsch nach Wohlstand brauchen wir ein Wachstum, das vom Ressourcenverbrauch entkoppelt wird. Fortschritt muss so gestaltet werden, dass künftige Generationen nicht nur ausreichend mit Energie und Ressourcen versorgt werden, sondern dass ihnen weiterhin Gestaltungsspielräume bleiben", erklärte Bundesumweltminister Röttgen und fügte hinzu: "Die erneuerbaren Energien sind ein ganz entscheidender Motor für dieses neue Wachstum. Mit IRENA und insbesondere mit dem IITC wird ein wichtiges internationales Signal dafür gesetzt, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur nationale Angelegenheit, sondern eine Frage von erheblicher geopolitischer Bedeutung ist: Gerade die Unterstützung von Schwellen- und Entwicklungsländern bei der Nutzung und beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch ein Beitrag für mehr globale Gerechtigkeit, denn die ärmsten Länder erhalten dadurch erstmals Zugang zu Energie und die Chance für Wertschöpfung und Wachstum.“

Förderung der Entwicklung erneuerbarer Energien

Das Innovations- und Technologiezentrum beschäftigt sich unter anderem mit Technologiepolitik, um das Tempo für die Entwicklung von technologischen Innovationen zum Ausbau der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Ziel ist, das enorme Potenzial der regenerativen Energien zu steigern, diese schneller wettbewerbsfähig zu machen und neue Märkte zu erschließen. Die Bundesregierung stellt jährlich zwischen zwei und drei Millionen Euro für das IITC bereit. Diese Gelder stehen zusätzlich zu dem Jahresbeitrag von 1,3 Millionen US-Dollar für IRENA zur Verfügung.

IRENA ist die erste internationale Organisation, die sich ausschließlich dem Ausbau der erneuerbaren Energien widmet. Die Organisation steht allen Mitgliedsstaaten, Entwicklungs- wie Industrieländern, mit Fachexpertise beratend zur Seite.

Die Organisation wurde im Januar 2009 in Bonn von 75 Staaten gegründet. Inzwischen hat sich die Zahl der Unterzeichner des Gründungsstatuts auf 150 verdoppelt. Diese Entwicklung spiegelt das weltweit wachsende Interesse an den erneuerbaren Energien und die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung wieder. Hauptsitz von IRENA ist Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), wo die Organisation im April 2011 ihre Arbeit aufgenommen hat.

Auf Seiten der Bundesregierung haben das Bundesumweltministerium und das Bundesentwicklungsministerium, in enger Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, den Gründungsprozess von IRENA vorangebracht.

Natalie Hartmann

Elektroautos: Electric Blue Streamliner bricht Weltrekord

Der Electric Blue Streamliner hat auf dem Bonneville-Speedway in der Großen Salzwüste von Utah einen Geschwindigkeits-Weltrekord für Elektrofahrzeuge in der Klasse E1 mit einem Gesamtgewicht unter 500 Kilogramm aufgestellt. Das von über 130 Studenten der amerikanischen Brigham Young University in einem Zeitraum von insgesamt sieben Jahren gebaute und immer weiter verbesserte Elektroauto erreichte dabei die beeindruckende Höchstgeschwindigkeit von 280 Kilometer pro Stunde und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde.

Da der Electric Blue Streamliner im letzten Jahr bei dem zweiten Qualifizierungslauf durch einen Unfall stark beschädigt wurde, war die Freude über den geglückten Rekordversuch unter den Teammitgliedern umso größer. Der für das Projekt zuständige und jüngst in Rente gegangene Professor Perry Carter bezeichnete ihn sinngemäß als Sahnehäubchen auf seiner 31-jährigen Lehrtätigkeit an der Brigham Young University. Der ehemalige Student Jeff Baxter sprach gar von „sieben Weihnachtsmorgen“ auf einmal!

Die Karosserie von Electric Blue besteht aus Leichtbau-Materialien wie Karbonfasern. Eine der größten Herausforderungen bei der Konstruktion des Elektroautos war es, einerseits die zulässigen 500 Kilogramm Höchstgewicht der E1-Klasse nicht zu überschreiten und andererseits ein ausreichend stabiles Fahrgestell für die schweren Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus zu entwerfen.

Der Electric Blue Streamliner ist zwar verdammt schnell und mit seinem Elektromotor bei nachhaltiger Stromerzeugung auch umwelt- und klimaverträglich, aber bei einer Bodenfreiheit von gerade einmal 2,5 Zentimetern wird schon die kleinste Unebenheit der Straße zum Hindernis. Außerdem hat der blau-weiße Einsitzer einen Wenderadius von sagenhaft unpraktischen 182 Metern! Auf üblichen Straßen wird er also mit Sicherheit niemals fahren können. Das macht aber nichts, denn mit so einem Wirbelwind wäre es ohnehin viel zu schwer sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten.

Zwei weitere Fahrzeuge, die nachhaltig angetrieben werden und trotzdem extrem schnell sind, wurden hier im CleanEnergy Project Online-Magazin bereits vorgestellt: Das mit Luft betriebene Hochgeschwindigkeitsbike Saline Airstream von fünf Studenten der International School of Design sowie Sunswift IVy, das schnellste Solar-Auto der Welt.

Matthias Schaffer

Chice Schuhe, die aufblühen

Für gewöhnlich bestehen Sportschuhe oder Sneakers beinahe zur Gänze aus umweltbelastenden Kunststoffen. Dennoch finden sich in jedem noch so nachhaltig orientierten Haushalt zumindest einige Paar der leichten Freizeitschuhe. Dass es auch anders geht, beweist Oat Shoes. Die Schuhmode aus den Niederlanden ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar und blüht tatsächlich auf; nicht nur im übertragenen Sinn.

Ab auf den Komposthaufen.Auch ein kritischer Blick auf die Oat Shoes lässt nicht erahnen, dass das stylishe Schuhwerk am Ende seiner Lebensdauer bedenkenlos auf den Komposthaufen geworfen werden kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sneakers bestehen Oat Shoes aus komplett unschädlichen Materialien.

Dazu zählen unter anderem Naturprodukte wie Hanf, Kork und biologische Baumwolle. Der nicht gänzlich zu vermeidende Kunststoff ist zumindest biologisch abbaubar.

Die Rohmaterialien bezieht der niederländische Hersteller von Zulieferbetrieben aus Europa. Einzig für Hanf scheint es derzeit hierzulande keinen zuverlässigen Lieferanten zu geben. Der Produzent ist jedoch zuversichtlich, auch dieses Material in Bälde ausschließlich aus Europa beziehen zu können.

Natürliche Materialien, die zu einem formschönen Schuh verarbeitet werden, verursachen naturgemäß eine deutlich geringere Belastung unserer Umwelt als herkömmliche Schuhe. Gemäß den Angaben von Oat Shoes werden bei diesem innovativen Herstellungsverfahren rund 99 Prozent Wasser sowie 60 Prozent CO2 gegenüber der üblichen Produktionsmethode für Freizeitschuhe aus Segeltuch eingespart.

Der Trick mit den Blumen. In der Lasche der Oat Shoes verbirgt sich ein weiteres Geheimnis. Darin eingearbeitet befindet sich ein kleiner Beutel, der die Samen von unterschiedlichen Wiesenblumen enthält. Werden die kaputten Schuhe später einmal in normaler Erde oder einem Komposthaufen eingegraben, dann beginnt der natürliche Prozess des Zersetzens. Herrschen ideale Konditionen im Erdreich, so zerfallen alle Bestandteile der Oat Shoes innerhalb von rund sechs Monaten.

Dieser Vorgang wiederum legt die unterschiedlichen Blumensamen frei. So kann es also durchaus geschehen, dass just an jener Stelle, wo der Besitzer seine alten Schuhe in der Erde vergraben hat, einige Monate später ein kleiner Blumenteppich aus Gänseblümchen, Klatschmohn und anderen Wiesenblumen zu sprießen beginnt.

Der Preis der Oat Shoes, sie sind bereits ab 139,00 Euro erhältlich, zaubert jedem umweltbewussten Sneakersfan ein Lächeln ins Gesicht. Die Freizeitschuhe sind in ausgewählten Fachgeschäften oder direkt im eigenen Onlineshop erhältlich. Aktuell werden die "Blumenschuhe" in unterschiedlichen Farben und Formen sowie mit verschiedenen Oberflächenmaterialien nur innerhalb Europas ausgeliefert. Ob dies nun an den Bemühungen des Herstellers liegt, durch die sprießende Blütenpracht nicht in bestehende Ökosysteme eingreifen zu wollen, oder an der eventuell ausbaufähigen Logistik, sei dahingestellt.

Joachim Kern

Deutscher Naturschutzring befürwortet Einsatz von Windrädern im Wald

Die Leistungsfähigkeit von Windkraftanlagen steigt stetig: In nur 20 Jahren erhöhte sich der Ertrag von Windenergieanlagen um das 100-fache. Ursache der Steigerung sind sowohl höhere Masten als auch größere Rotorblätter. Der technische Fortschritt macht die Windkraft auch im Binnenland wirtschaftlich attraktiv. Da Deutschland zu rund einem Drittel mit Wald bedeckt ist, werden auch zunehmend baumreiche Gebiete für die Windkraft in Betracht gezogen oder schon genutzt.

Wälder bieten andere Voraussetzungen und weisen zumeist einen natürlicheren Lebensraum als Freiflächen auf. Werden die Standorte nach naturschutzrechtlichen Kriterien ausgewählt, sind auch die Naturschutzverbände von der Energiegewinnung im Wald nicht grundsätzlich abgeneigt.

Das Bundesministerium für Umwelt organisierte zusammen mit dem Deutschen Naturschutzring Mitte September eine Tagung zum Thema “Windenergie im Wald“. Einbezogen wurden verschiedene Interessengruppen, unter anderem aus Verwaltung, Kommunen, Fachbüros und Naturschutzverbänden. Neben dem DNR schließt auch der BUND die Nutzung der Windenergie im Wald nicht aus.

Wald besitzt großes Potential zur Nutzung der Windenergie

Der Grund für den Zuspruch der Naturverbände ist einfache Mathematik: Bis zum Jahr 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien 30 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland ausmachen. Wenn die Windkraft weiter zulegen soll, müssen also mehr Standorte geschaffen werden. Selbstverständlich steht der Schutz des Waldes für die oben genannten Vereine an erster Stelle. Die Beeinträchtigung von Schutzgebieten und wertvollen, naturnahen Biotopen ist tabu. Wirtschaftswälder dagegen, die keinen Schutzstatus besitzen, könnten mit der Einbindung von Windrädern profitieren. In Kiefern- und Fichtenforsten kann auf diese Weise die Wirtschaftlichkeit erhöht werden. Das Bundesamt für Naturschutz kann sich den Einsatz von Windkraftanlagen auch in Naturparks und Landschaftsschutzgebieten vorstellen.

Ein Großteil unserer Wälder wird forstwirtschaftlich genutzt. So betrug die Wirtschaftswaldfläche Deutschlands im Jahre 2010 95 Prozent der heimischen Waldfläche. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystematik sind 13,6 Prozent der Waldfläche für die Windkraftanlagen geeignet. Das entspricht vier Prozent der Bundesfläche.

Forschungsbedarf zu Auswirkungen der Windräder im Wald

Besorgt sind die Verbände vor allem wegen der Gefahr der Zerschneidung der Landschaft. Denn der Bau von Transportwegen benötigt mehr Fläche als die Windkraftanlage an sich, die 0,2 Hektar beansprucht. Deshalb ist die Nähe zu bereits bestehender Infrastruktur ein Pluspunkt. Auch haben intensiv genutzte Wälder bereits breite Wege zum Transport, die genutzt werden können. Zudem kann der Einsatz von 200 Meter hohen Windrädern die Beeinträchtigung auf den Lebensraum Wald vermindern, da sich die Anlagen über den Baumwipfeln befinden.

Um die Störung des Waldes so gering wie möglich zu halten, setzen alle Beteiligten auf eine verstärkte Forschung nach den Auswirkungen. Auch das Bundesamt für Naturschutz hält es für notwendig, mehr Kenntnisse zu Lärm und Kollisionsgefahr zu erlangen. Die gewonnenen Informationen sind in die Verträglichkeitsprüfung aufzunehmen. So können gefährdete Vögel wie der Rotmilan und Schwarzstorch die Bewegung der Rotoren schlecht einschätzen. Es ist deshalb darauf zu achten, dass der Abstand von einem Kilometer zwischen Horst und Rotor eingehalten wird. Überhaupt empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz das gleiche Verfahren der Standortfestlegung wie außerhalb des Waldes: Über Abstandsregelungen.

Wenn die Umsetzung gelingen soll, muss auch die örtliche Bevölkerung verstärkt einbezogen werden. Das Projektentwicklungsunternehmen juwi sieht die Pachtgebühren als passende Beteiligung, da sich die Wälder meist in öffentlicher Hand befinden. Das Unternehmen hat die Windräder in den Wäldern bereits etabliert. So sind schon an die 100 Anlagen in baumreichen Höhenlagen zu zählen. Rheinland-Pfalz gab diese Prozedur bereits im Jahr 2004 frei.

Jenny Lohse

Wirtschaftswachstum trotz ökologischer Grenzen?

„Wenn die ganze Welt auch nur die Hälfte der Ressourcen verbrauchen würde wie die USA, wären Kupfer, Zinn, Silber, Chrom, Zink und eine Reihe anderer ‚strategischer Mineralien' innerhalb von weniger als vierzig Jahren erschöpft. Würden alle anderen ebenso viel verbrauchen wie die USA heute, wäre das in weniger als zwanzig Jahren der Fall.“

Von dieser Annahme geht der Leiter der Wirtschaftlichen Führungsgruppe der Kommission für Nachhaltige Entwicklung (Großbritannien), Tim Jackson, in seinem Buch „Wohlstand ohne Wachstum – Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt“ aus. Dabei konzentriert er sich auf die Frage, wie Wohlstand in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und einem derart starken Bevölkerungswachstum, wie wir es derzeit verzeichnen, aussehen kann.

Einen Schwerpunkt bei seinem Versuch, ein Konzept zu entwickeln, das Wachstum und ökologische Grenzen vereint, legt Jackson auf die Begrenzung des Konsumismus. Dieser bezeichnet das übersteigerte Konsumverhalten in kapitalistischen Gesellschaften. Allerdings räumt der Autor selbst ein, dass der Grund, warum Konsumgüter in unserer Gesellschaft so viel Wert beigemessen wird, darin liegt, „dass wir dazu neigen, materielle Dinge mit gesellschaftlicher und psychologischer Bedeutung aufzuladen“. Was er auch direkt als „eine verheerende Erkenntnis“ tituliert, die durch zahlreiche Belege aus der Konsumforschung und der Anthropologie gestützt wird.

Ein Wertewandel „der es den Menschen ermöglicht, ein gutes Leben zu führen, mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft zu schaffen, mehr Wohlbefinden zu erfahren und trotzdem die materielle Umweltbelastungen zu reduzieren“ (Jackson) wäre sicherlich wünschenswert. Und auch dem Glück eines Menschen würde eine Verlagerung der Werte weg von materiellen hin auf immaterielle Dinge – wie die Integration in Familie und Gesellschaft, Muße oder Spiritualität – mit Sicherheit keinen Abbruch tun. Im Gegenteil: Zeigen uns doch verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse, dass ab einem bestimmten Grad an materiellem Wohlstand das Glücksgefühl nicht mehr in Zusammenhang mit einem steigenden Einkommen zunimmt.

Doch aus unserer Erfahrung wissen wir, dass sich Konsum und Wirtschaftswachstum (das beispielsweise technischen Fortschritt anregt) gegenseitig verstärken. Wodurch der Vorschlag, ein Wertwandel könne den überhand nehmenden Konsum begrenzen, eher in die Kategorie „romantische Vorstellung“ statt „realistischer Lösungsansatz“ fällt.

Kontroverse: Aussagekraft des Bruttoinlandsprodukts

Titel Jackson Growth fb1Tim Jackson scheint sich dessen jedoch wohl bewusst und wartet mit einer ganzen Reihe vernünftiger Handlungsempfehlungen für Politiker auf, „die sich um konkrete Schritte in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft bemühen“. So schlägt er unter anderem eine Steuerreform vor, die nicht-nachhaltige Produkte besteuert und dadurch nachhaltige Produkte begünstigt, plädiert für Obergrenzen für den Ressourcenverbrauch und Emissionsausstoß und fordert Investitionen in Vermögenswerte und Infrastruktur (energetische Sanierungen, erneuerbare Energien, Smart Grid, ÖPNV, Naturschutz), eine Regulierung der Arbeitszeiten für mehr Gerechtigkeit sowie eine Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die sich am Bruttoinlandsprodukt (BIP) orientiert. Das BIP könne nämlich, so Jackson, einige Dinge nicht berücksichtigen, wie zum Beispiel: Veränderungen im Vermögensbestand; reale Wohlfahrtsverluste, die sich aus der ungleichen Verteilung von Einkommen ergeben; die Erschöpfung materieller Ressourcen; die externen Kosten von Umweltverschmutzung und langfristiger Schädigung der Umwelt.

Auch der promovierte Betriebswirtschaftler Michael Kaiser räumt in seinem Buch „Die Westerwelle“ ein, dass das BIP alleine noch keine unmittelbare Aussage zu individuellem Wohlstand und individueller sozialer Versorgung der Menschen einer Volkswirtschaft sei. „Das gilt erst recht für schwer oder gar nicht monetär bewertbarer Faktoren wie Lebensqualität, sozialer Frieden, Rechtssicherheit, Luftqualität, Zustand der Erholungsgebiete und Umgang mit den natürlichen Ressourcen“, schreibt Kaiser. Dennoch ist er der Überzeugung: „Es gibt nur einen begründeten Verdacht, dass es hier eine positive Korrelation zu einem steigenden BIP gibt, auch empirisch gestützt, bei einem Vergleich der Lebens- und Umweltbedingungen ganz allgemein zwischen entwickelten und sich noch entwickelnden Volkswirtschaften.“ Daher kommt der Autor letztendlich zu dem Schluss, dass, wenn wir auf Perfektionismus verzichten und uns einig sind, „dass die empirische Erkenntnis, dass in Ländern mit hohem Bruttoinlandsprodukt in der Regel auch die Verteilung des Erwirtschafteten, die Behandlung der natürlichen Ressourcen, Demokratie und Rechtssicherheit, also Lebensqualität ganz allgemein entwickelter und breiter gestreut sind, nicht einer gewissen inneren Logik entbehrt“, wir ein recht ordentliches Instrument zur Bewertung einer Volkswirtschaft haben.

Die Westerwelle, Michael Kaiser; Cover: Re Di Roma-VerlagNicht mehr sondern besser

Des Weiteren ist Kaiser der Ansicht, dass die Kritik am Wirtschaftswachstum auf einem weit verbreiteten Missverständnis beruhe, „bei welchem sich das Wachstum einer Volkswirtschaft wie das Wachstum eines großen Tieres vorgestellt wird, das dabei immer mehr Raum, Ressourcen und andere Lebewesen verschlingt, und natürlich ist es richtig, dass bei diesem Bild eine Wachstumsgrenze – spätestens die objektive Größe des Planeten und seine Aufnahmekapazität – und ein Wachstumskollaps – etwa der Verbraucher der gesamten verfügbaren Atemluft irgendwann vorprogrammiert sind.“

Das Bild sei jedoch falsch, so Kaiser. Die Volkswirtschaft als solche wachse nicht, da die Leute für gewöhnlich nicht plötzlich das Doppelte essen und trinken, nicht auf einmal zwei Häuser gleichzeitig bewohnen und auch nicht zeitgleich Zug und Auto fahren würden. Stattdessen ginge mit einem Wirtschaftswachstum ein Wachstum an Wohlstand einher, also „das Wachstum an Effizienz der Herstellung und an Nutzen des hergestellten Gutes“. Ab einem gewissen Punkt entstehe weiterer Reichtum nur durch Veredelung und Verfeinerung der hergestellten Güter, was bedeute, dass veraltete Güter durch neue Güter ersetzt würden. „Es wachsen also nicht die Bedürfnisse, sondern die Art ihrer Befriedigung verbessert sich“, lautet das Urteil des Betriebswirtschaftlers.

Bleibt fraglich, ob Kaiser in seine Überlegungen auch das exponentielle Bevölkerungswachstum beziehungsweise den Progress der Schwellen- und Entwicklungsländer einbezogen hat…

Corinna Lang

„Wohlstand ohne Wachstum“ von Tim Jackson gilt alsdas Grundlagenwerks der Postwachstumsökonomie. Das Buch erschien 2011 im oekom verlag und ist für 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Heinrich-Böll-Stiftung.

Michael Kaisers Buch „Die Westerwelle“, das auf unterhaltsame Art und Weise den Laien über wirtschaftspolitische Zusammenhänge informiert,  erschien ebenfalls 2011 und kann für 14,95 Euro über den Re Di Roma-Verlag bezogen werden.

Corinna Lang

Tron Light Cycle: Elektro-Motorrad mit Filmoptik

Die amerikanischen Motorradbauer Parker Brothers Choppers rühmen sich in ihrem Slogan damit, dass sie alles bauen können, wovon man träumen kann. Das klingt zwar erst mal ziemlich angeberisch, aber wenn man das Tron Light Cycle der Motorradfreaks betrachtet, wird einem schnell klar, dass die Amerikaner damit wohl tatsächlich nicht zu tief stapeln dürften.

Nachdem die erste Version des sperrigen Gefährtes mit den dicken Reifen und der einzigartigen Beleuchtung noch mit einem herkömmlichen Verbrennungsmotor ausgestattet war, fährt die neue mit einem 96 Volt Elektromotor und Lithium-Ionen-Akkus, die auch die Lichtspiele des Motorrades mit Energie versorgen. Das Tron Light Cycle erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 160 Kilometer pro Stunde und kann nach einem 15 bis 35-minütigen Ladevorgang eine Strecke von etwa 160 Kilometer zurücklegen.

Bequem sieht die Fahrposition zwar nicht unbedingt aus, aber wen interessiert das bei einem solchen Gefährt schon?! Die einzigartige Optik des elektronischen Lichtmotorrades ist übrigens von dem Science-Fiction-Disney-Kinofilm Tron Legacy inspiriert, wie man in den letzten Sekunden des folgenden Filmtrailers sehr gut erkennen kann.

Wer nun von dem futuristischen Tron Light Cycle der Parker Brothers derart begeistert ist, dass er es gerne besitzen würde, der wird sich über folgende Nachricht freuen: Noch bis 7. November 2011 hat man auf der Webseite der Brüder die Möglichkeit sein eigenes Lichtmotorrad zu gewinnen! Dafür muss man sich lediglich auf der Gewinnspiel-Seite registrieren und dann auf dem Youtube-Channel der amerikanischen Motorradbauer ein Video hochladen, in dem man möglichst überzeugend erklärt, warum man das Tron Light Cycle verdient. Die Videos der Semi-Finalisten werden dann auf der Webseite der Öffentlichkeit präsentiert und diese ermittelt per Online-Voting den glücklichen Gewinner.

Ein Auto, das perfekt zu dem Gefährt der Parker Brothers passen würde, ist das Car of Light von Jong Won Lee. Im Gegensatz zu dem Tron Light Cycle ist es bisher allerdings nur als Entwurf zu bewundern.

Matthias Schaffer

Die Solaranlage zum selbst bauen

Minijoule, der kompakte Bausatz für die Selbstinstallation einer eigenen Solaranlage, verspricht eine einfache Montage, die auch Laien bewerkstelligen können. Ganz darf diesem Versprechen allerdings nicht geglaubt werden. Im Prinzip beinhaltet das Starterpaket jedoch sämtliche Komponenten einer vollwertigen Solaranlage und eignet sich somit für die unabhängige Stromproduktion zu Hause. Den letzten Schritt der Installation sollte jedoch ein fachkundiger Elektriker übernehmen.

Das Paket. Der Weg zur eigenen Stromproduktion beginnt beim deutschen Unternehmen Minijoule im eigenen Onlineshop, genauer gesagt mit dem entsprechenden Starterpaket. Dieses beinhaltet ein Solarmodul, die passende Unterkonstruktion aus Stahl, einen kompakten Wechselrichter sowie das notwendige Installationskabel.

Das monokristalline Modul selbst weist eine Größe von 1,28 Quadratmeter auf, besitzt 72 Zellen und erzielt eine Leistung von 185 Watt. Ebenso im Starterpaket enthalten ist eine selbsttätige Freischaltstelle, die für das Verbinden des Systems mit dem öffentlichen Stromnetz erforderlich ist.

Auspacken. Aufbauen. Anschließen. Nun geht eigentlich alles ziemlich einfach. Die Do-it-yourself-Anlage ist solcherart konstruiert, dass auch technische Laien die einzelnen Komponenten selbst montieren können. Als mögliche Standorte kommen unter anderem ebene Flächen, Flachdächer oder passende Wände infrage.

Den einmaligen Anschluss des flexiblen Systems an den bereits vorhandenen Stromanschluss im Haushalt beziehungsweise im Haus sollte jedoch ein ausgebildeter Elektriker übernehmen. Dabei wird die neue Stromerzeugungsanlage mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden. Erst nach diesem Schritt kann der selbst produzierte Strom auch tatsächlich in Anspruch genommen werden.


Einmal fertig montiert und angeschlossen kann Minijoule jederzeit beliebig erweitert werden. Gerade diese unkomplizierte Möglichkeit zur Erweiterung macht die Solaranlage für Private sehr interessant. Ein eigenes Rechenprogramm auf der Website des Unternehmens stellt übersichtlich die einzelnen Möglichkeiten der Erweiterung dar, listet automatisch die notwendigen Komponenten auf und ermittelt zugleich die Kosten des geplanten Ausbaus.

Der Preis. Das Starterpaket ist im Onlineshop des Unternehmens ab 949,00 Euro erhältlich und kann entsprechend den eigenen Anforderungen adaptiert werden. Bei der erstmaligen Verbindung der Anlage mit dem öffentlichen Stromnetz durch einen Elektriker entstehen einmalige Kosten für die Arbeit des Fachmanns.

Für die Erweiterung der Anlage ist bereits das separat erhältliche Basispaket ausreichend. Dieses ist um rund 250,00 Euro günstiger als das Starterpaket. Der Anschluss und die Inbetriebnahme des Ausbaus sollten auch für technische Laien problemlos möglich sein.

Joachim Kern

Sanya Skypump: Straßenlaterne als Ladestation

Elektrofahrzeuge können ein Baustein in Richtung einer umwelt- und klimaverträglicheren Zukunft sein. Das macht aber nur Sinn, wenn die für den Ladevorgang verwendete Energie auch tatsächlich aus nachhaltigen Quellen stammt und ein flächendeckendes Netz aus Ladestationen vorhanden ist. Das auf Windkraft spezialisierte und in New York ansässige Unternehmen Urban Green Energy hat ein System entwickelt, das genau in diese Richtung geht: eine solar- und windbetriebene Straßenlaterne, die neben Licht auch Strom für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellt.

Dafür kombiniert das Unternehmen gewissermaßen mehrere Einzelprodukte zu einem Gesamtkunstwerk. Die Laterne besteht nämlich aus der Straßenlaterne Sanya - die durch eine Solaranlage und eine der Windturbinen eddy, eddyGT oder UGE-4K betrieben wird - und der von GE Energy hergestellten GE WattStation.

Diese beinhaltet die nötige Elektronik, um Elektrofahrzeuge anzuschließen und mit dem durch Sonnen- und Windkraft gewonnenen Strom zu laden. Und ganz nebenbei kann mit der sehr flexiblen und platzsparenden Energiestation auch noch die Straße beleuchtet werden.

Im Gegensatz zu vielen, in letzter Zeit hier im CleanEnergy Project Online-Magazin vorgestellten Stromerzeugern, ist die Sanya Skypump bereits erhältlich – eine Landkarte mit Händlern gibt es auf der Webseite von Urban Green Energy. Dort kann man sich dann auch gleich seine eigene Sanya Skypump virtuell bauen, denn diese ist in mehreren Varianten erhältlich. Mit Hilfe eines Online-Konfigurators kann zwischen einer, an das Stromnetz angeschlossenen oder batteriebetriebenen Anlage, den drei Turbinen eddy, eddyGT und UGE-4K, jeder beliebigen Farbe und zwischen den Größen drei, sieben, 13 und 20 Meter ausgewählen werden. Die auf diese Art erstellte Straßenlaterne kann dann über ein Formular direkt an Urban Green Energy geschickt werden, die sich dann mit weiteren Informationen und einem Angebot melden.

Ein Straßenlaternenprojekt der etwas anderen Art ist übrigens das Park Spark Project von dem Künstler Matthew Mazzotta. Er hat in einem Park der US-Stadt Cambridge in Massachusetts  eine Anlage errichtet, die mit der Hilfe von Hundekot Energie für die Beleuchtung erzeugt!

Matthias Schaffer

3D-Nanostruktur in Batterie soll Akkumarkt revolutionieren

Ein echtes Überraschungspaket ist die neu Batterie von Professor Braun und seiner Forschergruppe. Der Professor für Materialwissenschaften und Ingenieurwesen an der Universität von Illinois will mit seiner neuen Technologie das Denken in Sachen Batterietechnik grundlegend verändern. Eine Technologie, die nicht an eine bestimmte Art von Batterien gebunden ist, sondern die Batterietechnik in mehreren Dimensionen betrachtet.

Der erste Schritt in eine ganz neue Batterietechnik ist getan, zumindest im Labor. Auf den ersten Blick verrät die neue Batterie von Professor Braun und seinem Team jedoch nicht, was wirklich in ihr steckt. Das, was bei ihm im Labor steht, sieht aus, wie ganz gewöhnliche Batterien. Erst im Inneren tritt die Überraschung zum Vorschein – eine dreidimensionale Nanostruktur, die es möglich macht, Batterien in Minuten, gar Sekunden aufzuladen, ohne Leistungseinbußen. Eine bahnbrechende Idee, die viele Anwendungsgebiete revolutionieren könnte. Etwa die Unterhaltungselektronik oder auch die Elektromobilität, denn gerade hierbei besteht eines der größten Probleme in der langen Ladezeit. Die neue Methode könnte die Ladezeit von Elektrofahrzeugen so drastisch reduzieren, dass man in Zukunft ebenso schnell Strom nachladen könnte, wie Autos mit Benzin zu betanken!

Möglich machen das die neuen Strukturen für die Batterie-Kathoden, die es erlauben, ohne Kapazitätsverlust bei der Energiespeicherung die Be- und Endladezeiten drastisch zu verringern. Das Problem bei herkömmlichen Akkus ist vor allem, dass sie zwar schnell entladen, aber nicht schnell beladen werden können. Batterien, die zwar große Energiemengen aufnehmen können, können diese wiederum nicht schnell liefern und auch nicht schnell wieder aufnehmen. Außerdem verschlechtert sich die Leistung von typischen Nickel-Metallhydrid-(NiMH) oder Lithium-Ionen-(Li-Ion)-Akkus mit jeder schnellen Be- und Endladung. Die Forschergruppe ist in ihrem Labor nun auf eine Umwindung dieses Problems gestoßen. Durch das Aufbringen eines dünnen Films aktiven Materials im Inneren der Batterie können die Lade- und Endladevorgänge extrem beschleunigt werden - bis zu 100 Mal schneller, als bei herkömmlichen Batterien. Allerdings fehlt einem gewöhnlichen, aktiven Material das Volumen, um genügend Energie speichern zu können.

Auch hier scheint das Team eine Lösung gefunden zu haben, ein Film in dreidimensionaler Struktur, der neben der Schnellladung auch die entsprechend hohe Kapazität mitbringt. Erreicht wird dieser durch eine neuartige dreidimensionale Struktur, diese wiederum durch eine Oberflächenbeschichtung, die als winzige Kugel startet und sich dann zu einem Gitter ausbildet. Die Zwischenräume haben die Forscher mit Metall gefüllt, sodass aus den geschmolzenen Kugeln ein poröses, schwammartiges 3D-Gerüst entsteht. Durch das „Elektropolieren“, wobei durch gleichmäßiges Ätzen der Gerüstoberfläche die Poren vergrößert werden, wird ein offenes Netz erzeugt. Zum Schluss wird der Rahmen dann mit einer dünnen Schicht aktiven Materials überzogen. So entsteht eine bikontinuierliche Struktur der Elektroden mit kleinen Verbindungen, die es den Lithium-Ionen erlauben, sich schnell zu bewegen und zudem von der guten elektrischen Leitfähigkeit des Metallrahmens zu profitieren. Die Forschungen sind dabei nicht nur auf Li-Ionen-Batterien beschränkt, sondern sollen eine universell einsetzbare Technologie für sämtliche Batteriearten bereitstellen.

Judith Schomaker

Elektroauto-Leihsystem in Frankreich startet

Eigentlich ist es ja eine grandiose Idee, mit der Frankreich die Elektromobilität vorantreiben will. Wären da nicht die zwei, mehr als kleinen Haken, die die Idee plötzlich gar nicht mehr so gut dastehen lässt. Elektroautos sind aus der Mobilität der Zukunft kaum noch wegzudenken. Klimafreundlich, leise und mit geringen Betriebskosten behaftet, sollen sie das Fortbewegungsmittel schlechthin werden, wäre da nicht der hohe Kaufpreis und die lange Ladedauer. Ein Problem, das Frankreich mit seinem Selbstbedienungsleihsystem für Elektroautos zu umgehen versucht.

In Paris können sich Autofahrer ab sofort bei Autolib selbst bedienen, wenn es um das Fahren mit einem umweltfreundlichen Elektroauto geht. An den 33 Stationen des Verleihsystems können sie nach der Registrierung ganz nach Wunsch für ein Jahr, eine Woche oder einen Tag ein Elektrovehikel ausleihen.

Abgegeben werden kann das Leihfahrzeug dann nach Belieben – irgendwo an einer der Stationen. Servicemitarbeiter von Autolib bringen die retournierten Elektrofahrzeuge dann an die ursprüngliche Verleihstation, somit stehen dann jeder Station wieder genügend Leihfahrzeuge zur Verfügung. Ein toller Service, denn mit langen Wartezeiten für das Aufladen der Elektroautos nach geleisteten Diensten hat der Kunde nichts zu tun. Immerhin bis zu 250 Kilometer können die Bluecars mit einer „Tankfüllung“ zurücklegen, dafür sorgt ein Lithium-Polymer-Akku. Auch um Wartung und Versicherung der derzeit 60 Elektroautos kümmert sich die Verleihfirma. Bis Dezember soll der Fuhrpark auf 250 Fahrzeuge aufgestockt werden, Mitte des kommenden Jahres sollen den Kunden dann 5.000 Elektroautos zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt baut Frankreich hiermit seine Vorreiterstellung in Sachen Elektromobilität aus, das Land gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Wären da nicht die beiden Haken, die der Umweltfreundlichkeit dieser Idee ordentlich zu schaffen machen und Umweltschützer auf den Plan rufen.

Der Strom, der diese Autos speist, wird nämlich nicht aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen, sondern stammt aus den zahlreichen Atomkraftwerken Frankreichs. Das ist günstig, aber nicht gut und wirft ein schlechtes Licht auf die umweltfreundlichen Elektrofahrzeuge. Außerdem könnte ein weiteres Problem hinzukommen, nämlich dann, wenn sämtliche Elektroautos alle zur selben Zeit an die Zapfstation geschaltet werden. Dann müssten Kohle- und Gaskraftwerke den erhöhten Strombedarf mitdecken, was wiederum zu Lasten der CO2-Bilanz gehen würde. Auch Schnelllade-Stationen könnten die Netzkapazitäten rasch an ihre Grenzen bringen und Stromzukäufe aus dem Ausland nötig machen. Weiterhin bemängeln Umweltschützer den unnütz hohen Stromverbrauch, der durch den Rückfahrservice an die ursprünglichen Verleihstationen entsteht. Ein Carsharing-System ohne Retournierung würde aus dieser Sicht deutlich mehr Sinn machen.

Judith Schomaker

Strom aus (Ab-)Wärme mit neuer Legierung

Wissenschaftler des College of Science & Engineering der University of Minnesota haben eine neuartige Legierung entwickelt, mit der es möglich ist, Wärme direkt in Elektrizität umzuwandeln. Die Technologie befindet sich zwar noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium, aber erste Ergebnisse sind wohl äußerst vielversprechend und lassen auf ein enormes Zukunftspotential hoffen.

Zur Stromerzeugung lässt sich das neue Material theoretisch überall einsetzen, wo Abwärme entsteht. Als Beispiel nennen die Forscher das heiße Auspuffrohr eines Kraftfahrzeugs. Wird dieses mit der Legierung überzogen, könnte die Abwärme beispielsweise zum Aufladen der Akkus eines Hybrid-Fahrzeuges verwendet werden. Dabei werden keinerlei zusätzliche Schadstoffe in die Atmosphäre abgegeben und eine vergleichbare Art der Stromerzeugung gibt es bisher nicht.

Bei dem innovativen Stoff handelt es sich um die multiferroische Legierung Ni45Co5Mn40Sn10, die durch die Kombination von Elementen auf atomarer Ebene erschaffen wurde. Als „multiferroisch“ werden Materialien bezeichnet, die seltene elastische, magnetische und elektrische Eigenschaften in sich vereinen. Im konkreten Fall von Ni45Co5Mn40Sn10 verwandelt sich die Legierung durch die Zufuhr von Wärme von einem festen Zustand in einen anderen und wird dabei magnetisch. Im folgenden Video, das von den Wissenschaftlern im Labor aufgezeichnet wurde, kann man diese verblüffende Veränderung sehr gut erkennen.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass nur eine sehr geringe Temperaturänderung nötig ist, um den Effekt auszulösen. Die erzeugte magnetische Kraft ist hingegen sehr stark und kann dann auf dem altbekannten Weg in einer Spule zur Erzeugung von elektrischem Strom verwendet werden.

Weitere konkrete Nutzungsmöglichkeiten der – in dem Wissenschaftsjournal „Advanced Energy Materials“ vorgestellten – Erfindung sehen die Wissenschaftler Vijay Srivastava, Yintao Song, Kanwal Bhatti und R. D. James des College of Science & Engineering der University of Minnesota in der Nutzung von Abwärme von Computern oder Industrieanlagen.

Matthias Schaffer

Laden per Touchscreen: Solardisplay von Wysips

Das französische Startup Wysips hat eine hauchdünne Folie entwickelt, die elektronische Geräte wie Handys oder Laptops direkt mit Solarstrom versorgen kann. Diese werden dadurch völlig unabhängig von Steckdosen oder Ladegeräten, was einerseits einen deutlichen Komfortgewinn und andererseits auch ein enormes Energie-Einsparungspotential bedeutet.

Der Mann hinter dieser Idee ist der Astrophysiker Joël Gilbert. Für die Solarfolie ließ er sich von Holografie-Covers – wie sie teilweise bei Büchern oder DVDs verwendet werden – inspirieren. Bei der Solar-Variante wird eines der zwei Bilder gegen dünne Photovoltaikstreifen getauscht. Die Erfindung hat das Potential zu einer wirklich großen Sache zu werden, denn der Einsatzmöglichkeiten der Folie sind theoretisch kaum Grenzen gesetzt. Denkbar sind beispielsweise Solarstrom erzeugende Handy- und Computerdisplays,  Textilien, Zelte, Planen, Werbeschilder und vieles mehr.

Die Solarmodul-Folie ist nicht einmal 0,1 Millimeter dünn und soll ein Mobiltelefon innerhalb von sechs Stunden komplett aufladen können. Die Voraussetzung dafür sind allerdings Outdoor-Lichtverhältnisse, was über einen derart langen Zeitraum für die meisten Handybenutzer wohl kein allzu realistisches Szenario ist. Bei künstlichem Licht funktioniert der Ladevorgang zwar auch, dauert aber fünf bis zehn Mal so lange. Die Technologie wird allerdings laufend weiter verbessert und die nächste Generation soll nach einer Stunde Aufladen schon 30 Minuten Telefonieren möglich machen. Besonders effektiv kann die Folie bei großen Geräten – beispielsweise Handys mit Touchscreens – eingesetzt werden.

Nahezu unschlagbar ist auch der Preis der Wysips-Folie, denn ein Mobiltelefon mit der Folie auszustatten kostet wohl gerade einmal ein US-Dollar! Erste, mit der innovativen Ladefolie bestückte Geräte sollen schon 2012 auf den Markt kommen und es bleibt abzuwarten, ob sich die Technologie auch wirklich durchsetzen kann.

Der Name Wysips steht übrigens für “What You See Is Photovoltaic Surface” und das Startup wurde für die Solarfolie auch schon ausgezeichnet. So erhielt das französische Unternehmen unter anderem 2011 einen CTIA Emerging Technology Award in der Kategorie “Green Telecom & Smart Energy Solutions, Apps & Hardware”.

Matthias Schaffer

Der Windquirl-Park

Am technologischen Institut der Technischen Hochschule Kalifornien (Caltech) haben Wissenschaftler in einem Feldexperiment vertikal ausgerichtete Windräder gebaut, die mindestens die zehnfache Leistung herkömmlicher Anlagen auf der gleichen Fläche erreichen, kostengünstig in der Herstellung und Wartung sind und außerdem geringere Umweltauswirkungen haben.

Bisher geht man bei der Errichtung von Windkraftanlagen davon aus, dass die Ertragskraft der Turbinen mit zunehmender Höhe steigt. Prof. John Dabiri vom Caltech in Kalifornien ließ sich jedoch von der Hypothese leiten, dass vertikale Turbinen Wind besser nutzen können. Im „Caltech Field Laboratory for Optimized Wind Energy“ (FLOWE) baut er vertikale, quirlförmige Windturbinen, die er Eggbeaters (Schneebesen) nennt, und die nur zehn Meter hoch sind, statt wie herkömmliche Windräder um die 100 Meter. Mit diesen Mini-Rädern erzielt er jedoch eine höhere Ausbeute als man es von herkömmlichen Windkraftanlagen kennt. Dabiris Trick: Er stellt die Turbinen so dicht wie möglich nebeneinander, so dass sie miteinander interagieren. Die einzelnen Turbinen können auf weniger als fünf Meter beieinanderstehen – in normalen Windparks mit horizontalen Rotoren, wo Abstände von etwa 500 Metern an Land und bis zu 1.000 Meter Offshore üblich sind – undenkbar. Die Turbinen würden sich gegenseitig den Wind nehmen und störende Turbulenzen erzeugen. In Dabiris Park jedoch sind Turbulenzen erwünscht. Er stellt jeweils zwei benachbarte Turbinen so auf, dass sie entgegengesetzt rotieren. Zwischen den Turbinen entsteht ein Sog, durch den sich die Energieausbeute erhöht.

Prof. Dabiri ist der Meinung dass die Praxis, immer höhere und größere Windräder zu bauen, die Kosten unnötig in die Höhe treibt und außerdem die Umwelt belastet. Die kleinen Vertikal-Windräder sind einfacher zu warten, da schwere Bauteile wie Generator und Getriebe nicht an der Spitze sondern im Fuß installiert sind. Zudem fällt die Mechanik weg, mit der Rotoren in Windrichtung gedreht werden – denn durch die vertikale Bauweise wird die Windrichtung obsolet. Ein einzelnes vertikales Windrad liefert maximal 1.200 Watt elektrische Leistung. Verglichen mit den 'großen Brüdern' ist das wenig, aber bezogen auf die Fläche ist die Ausbeute enorm. Kommt ein Windpark mit sechs-Megawatt-Turbinen bislang auf eine Leistungsdichte von etwa 14 Watt je Quadratmeter, so sind es im Testfeld in Kalifornien zwischen 20 und 50 Watt je Quadratmeter Fläche. Dass dies tatsächlich funktioniert, hat der Praxistest bewiesen. Gleichwohl gibt es auch Skeptiker, die an der alltagstauglichkeit der vertikalen Windkraft zweifeln. Dabiri jedoch glaubt an sein Konzept und testet in einem nächsten Schritt, ob sein Experiment auch mit 18 Turbinen funktioniert. Am wichtigsten ist seiner Meinung nach die weitere technische Entwicklung und Optimierung der Vertikal-Turbinen, die ja noch in der Kinderschuhen steckt. Inspirieren ließ sich Dabiri beim Bau seines Alternativ-Windparks im Übrigen von Fischen, die sich in Schwärmen bekanntermaßen viel effizienter fortbewegen als einzeln.

Josephin Lehnert