Neue Polnisch-Schwedische Biogasproduktion

Die Ostseestädte Sopot und die Trelleborg aus Polen beziehungsweise Schweden wollen gemeinsam eine Biogas-Produktion aufbauen. Wie das polnische Fachportal „Nowy Przemysl” berichtet, sollen dafür Algen verwendet werden, die das Meer an die Strände gespült hat. Dieses Projekt ist damit in doppelter Hinsicht sinnvoll. Zum einen werden die übermäßigen Algen von den Stränden entfernt, die nicht nur eine Belastung für die Umwelt sind, sondern auch für die gesamte Tourismusindustrie. Gerade Sopot ist sehr auf den Fremdverkehr angewiesen. Zum anderen werden die umweltschädlichen Algen für die Herstellung von Energie verwendet.

„Wir geben jedes Jahr eine halbe Million Kronen (51.000 Euro) dafür aus, um unsere Strände von den Algen zu säubern”, sagte Linda Wolski, die schwedische Projektleiterin. „Wir glauben, dass wir nun nicht nur die Umwelt schützen, sondern nun auch besser wirtschaften können”, erklärte die Expertin. Sie und andere Vertreter aus beiden Städten werden sich in der laufenden Woche in Trelleborg zu ersten Gesprächen treffen, berichtet „Nowy Przemysl”.

Trelleborg wird die Maschinen testen, mit deren Hilfe die Städte die Algen von den Stränden aufsammeln wollen. Bei dem Projekt werden die Schweden die führende Rolle einnehmen, da sie über mehr Erfahrung mit der Produktion von Energie aus Biogas verfügen. „Wir führen bereits erste Labor-Studien durch und rechnen damit, dass die Produktion dann im kommenden Jahr startet”, fügte Wolski hinzu. Dabei ist sogar die EU hellhörig geworden. Die Gemeinschaft wird das polnisch-schwedische Projekt mit mindestens 1,2 Millionen Euro unterstützen. Diese finanziellen Mittel stammen aus dem EU-Programm „Südliche Ostsee”, das länderübergreifende Projekte der Anrainerstaaten fördert.

Sebastian Becker

Mobilmachung für das Solarzeitalter

Die Zeichen, die im März dieses Jahres auf Asiens größter Solarmesse, der PV Expo im Messezentrum „Tokyo Big Sight“, zu bemerken waren, ließen nur einen Schluss zu: Japan schickt sich an, in die Topliga der Solarzellenhersteller zurück zu kehren, nachdem es die Marktführerschaft erst an Deutschland und dann an die USA und an China verloren hatte.

Allerorten, ob bei den traditionellen Hersteller oder den Newcomern im Solarzellengeschäft, wurde merklich aufgerüstet: Panasonic kündigte an, durch den Kauf von Sanyo mittelfristig unter die Top 3 der Solarzellenhersteller der Welt vorzustoßen. Sharp will so schnell wie möglich seine Produktionskapazität auf über ein Gigawatt ausbauen. Auch Kyocera verkündete, bis 2012 in produktionstechnischer Hinsicht die ein-Gigawatt-Grenze zu durchbrechen.

Und Mitsubishi Electric ließ verlauten, in den kommenden zwei Jahren seinen Zellenausstoß auf 600 Megawatt zu verdreifachen. Zu guter Letzt versprach Showa Shell, unter dem Namen Solar Frontier, 2011 das größte Dünnschichtsolarzellenwerk der Welt mit 900 Megawatt Jahresproduktion zu eröffnen und sich damit einen Weltmarktanteil von zehn Prozent zu sichern.

Doch was bedeutet dieser Trend für die deutsche Solarindustrie? Die Voraussetzungen scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich positiv: Die Einspeisetarife werden hierzulande gesenkt und wenn man den Worten einiger Politiker glaubt, sind sowieso die Chinesen und ihre preiswert hergestellten Solarmodule daran Schuld, dass ein deutsches Vorzeigeunternehmen wie beispielweise Q-Cells zurzeit rote Zahlen schreibt.

In Wirklichkeit machen die Modulkosten aber nur rund 50 Prozent des Kaufpreises aus, der Rest geht an die Handwerker. Und dass die Lohnkosten in China nun einmal niedriger sind als in Deutschland, ist kein wettbewerbstechnisches, sondern eher ein strukturelles Problem.

Die Expansion chinesischer Hersteller ist im Gegenteil ein Segen für Deutschland, denn die Asiaten kaufen ihre Produktionsanlagen oft bei deutschen Maschinenbauern. Außerdem sieht es wohl so aus, dass die Chinesen bis auf weiteres auf Siliziumzellen und nicht auf organische und andere Dünnschichttechniken setzen werden. Das verspricht auch in Zukunft volle Auftragsbücher für deutsche Solarfirmen.

Europa sollte seine Ambitionen auf dem Solarmarkt eher an Asien ausrichten, anstatt im Jammertal zu verschwinden. Die Japaner, die neben hohen Kosten auch noch unter dem Höhenflug des Yen-Kurses leiden, haben die Herausforderung jedenfalls schon angenommen.

Daniel Seemann

Sonnenenergie für die Nacht

Bisher galt für erneuerbare Energien von Seiten ihrer Kritiker, dass ihre Erzeugung und Verfügbarkeit witterungsbedingt und damit auch unzuverlässig seien: Sonne und Wind würden natürlicherweise nur dann Strom liefern, wenn es der Natur beliebt – und wenn nicht, dann müssten eben fossile Brennstoffe in die Bresche springen. Und daher seien diese auch in Zukunft unabdingbar. Punkt.

Dieses Dogma könnte nun aufgeweicht werden, wie das Magazin „Technology Review“ in seiner neuen Ausgabe in einer aktuellen Analyse des Sonnenstrom-Markts mitteilt.

Wie bereits berichtet, ist in Spanien eine Photovoltaikanlage entstanden, die auch dann Strom liefern kann, wenn die Sonne nicht scheint: Zwei 50 Megawatt-Solarthermie-Kraftwerke nahe der südspanischen Stadt Granada, Andasol 1 und 2 genannt, sammeln die Energie in gigantischen Wärmespeichern gefüllt mit flüssigem Salz, was es den Kraftwerken ermöglicht, noch weitere sieben Stunden nach Sonnenuntergang Strom zu produzieren.

Doch das Salz hat auch seine Nachteile: Es ist relativ teuer, und es darf niemals auskühlen und erstarren, denn das würde den Speicher zerstören und die Wärmetransportfähigkeit des Salzes rapide absinken lassen – es ließe sich dann also nur noch unter energetisch sehr aufwendigen Umständen schmelzen.

Notwendig ist daher eine „Gasheizung“, die das Salz notfalls auf Betriebstemperatur hält. Die müsste dann natürlich selbstredend mit Biogas betrieben werden, um den Nachhaltigkeitsaspekt der ganzen Idee nicht im Endeffekt zu gefährden.

Doch die Auswahl des Speichermaterials beschränkt sich nicht mehr nur auf Salz. Auch Wasser eignet sich bekanntlich als Wärmespeicher. Der Nachteil: Wasser würde bei den für eine äquivalent hohe Energieerzeugung notwendigen Temperaturen längst verdampft sein oder müsste durch dicke, druckfeste Wände gebändigt werden.

Eine weitere Option hat das Solarinstitut der Fachhochschule in Jülich ausprobiert: Dort wurde ein 1,5 Megawatt starkes Solarkraftwerk entwickelt, bei dem im Halbkreis angeordnete Spiegel das Sonnenlicht auf die Spitze eines Turms zurückwerfen. Die Wärmespeicher sind hier aus Keramik. Doch auch dieses Material ist ziemlich teuer und daher kaum für die Massenproduktion geeignet.

Bei ihrer weiteren Suche nach einer Alternative stießen die Jülicher Forscher dann auf ein weiteres Speichermedium, das in der Natur in riesigen Mengen vorhanden und daher praktisch kostenlos zur Verfügung steht: Sand.

Der Speicher arbeitet nach dem Prinzip der Sanduhr: Von oben rieselt kühler Sand nach unten in einen Auffangbehälter. Von den Seiten wird heiße Luft durch den Sand hindurch geblasen und gibt dabei Wärme an die Sandkörner ab. Diese Art Wärmespeicher soll insgesamt etwa 30 Prozent preiswerter sein als die Keramikversion, so die Forscher.

Daniel Seemann

Europäisches Parlament verabschiedet neue Energieeffizienzstandards

Vergangene Woche hat das Europäische Parlament mit breiter Mehrheit ein Gesetzespaket verabschiedet, mit dem die Energieeffizienz von Häusern und energieintensiven Haushaltsgeräten verbessert werden soll.

Zu dem Paket gehört eine Anpassung der bisherigen Energieeffizienzklassen, mit denen bereits Haushaltsgeräte wie Kühlschränke gekennzeichnet sind. Die Palette, die bisher von „A“ bis „G“ reicht, wird an die technische Entwicklung angepasst. Somit sollen Klassen wie „A+++…“ vermieden werden.

Außerdem befasst sich eine Arbeitsgruppe mit der Produktpalette, die von dem Labeling betroffen ist. Ausgeweitet wird das Labeling-System zum Beispiel auf industriell genutzte Produkte wie Kühlräume und Industriemotoren sowie auf energiebezogene Bauprodukte wie Fenster und Türen. Künftig muss die Energieklasse zudem bei Werbung angegeben werden, wenn Preis oder Energieverbrauch beworben werden. Sobald die neuen Regeln in einem Amtsblatt veröffentlicht werden, müssen sie innerhalb eines Jahres in nationales Recht übernommen werden.

Ab 2020 soll auch der Energieverbrauch von neuen Häusern drastisch reduziert werden. Unter anderem soll der Energieverbrauch in erheblichem Maße aus erneuerbaren Energien erfolgen. Dazu werden die Mitgliedsstaaten aufgefordert, ihre Bauvorschriften zu überarbeiten. Auch bei größeren Renovierungen, deren Investitionen die Schwelle von 20 Prozent des Gebäudewertes übersteigen, sind künftig Vorschriften bezüglich der Energieeffizienzsteigerung zu erwarten. Die genaue Ausgestaltung wird den nationalen Regierungen überlassen.

In einer Pressemitteilung gibt das Europäische Parlament an, durch diese Maßnahmen ihre Klimaschutzziele erreichen zu wollen. Im Copenhagen-Accord hat sich die EU verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber dem Referenzjahr 1990 um mindestens 20 Prozent zu senken. Der Gebäudesektor ist in der EU der größte Energieverbraucher. Da die Maßnahmen im privaten Gebäudesektor allerdings erst ab 2021 verbindlich werden, ist fraglich, welchen Effekt die Regelung tatsächlich auf die Klimaschutzziele bis 2020 haben kann.

Oliver Hölzinger

München wird am 12. Juni zur Hauptstadt nachhaltiger Geldanlagen

Geldanlagen mit ökologischer und sozialer Zusatzrendite zeigt am 12. Juni  die Verbraucherausstellung „Grünes Geld München“ im Künstlerhaus am Lenbachplatz. Der Eintritt zu der Ausstellung mit umfangreichem Vortragsprogramm ist frei.

Rendite erzielen und Gutes tun: Das wünschen sich viele Anlegerinnen und Anleger. Von den vielfältigen Möglichkeiten nachhaltiger Geldanlagen können sich Münchner Anleger und Anlegerinnen auf der Messe „Grünes Geld“ ein Bild machen. Am 12. Juni gastiert die Verbrauchermesse erstmals in München und zeigt einen Branchenquerschnitt der nachhaltigen Banken, Emissionshäuser und Finanzberater. Geldhäuser wie die GLS Gemeinschaftsbank, die UmweltBank, aber auch die HypoVereinsbank präsentieren Finanzangebote mit ökologischer, sozialer oder ethischer Ausrichtung.

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Südkorea: Der Tiger wird grün

Bereits 2009 hatte ihn der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak angekündigt, jetzt soll er bald Wirklichkeit werden: der so genannte neue grüne Sozialvertrag. Mit einer nationalen Strategie will der konservative Ex-Wirtschaftsboss die kleine Halbinsel zur Öko-Großmacht machen.

Ein ambitionierter Plan, der es in sich hat: Anfangen will Lee mit der Begrenzung von Kohlendioxidemissionen uns ihrer statistische Erfassung noch in diesem Jahr. Er verfolgt damit das Ziel, den CO2-Ausstoß des Landes bis zum Jahr 2020 um vier Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken.

Das hört sich nicht nach viel an, ist aber für ein Land, das erst kürzlich den Status „Schwellenland“ überwunden hat und sich in einer Hochwachstumsphase befindet, nicht gerade gering.

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Der Lithium-Run beginnt!

Bis zum Jahr 2030 sieht die Bundesregierung in ihrem nationalen Entwicklungsplan für Elektromobilität rund fünf Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Der „neue“ Antrieb soll dann die benzinbetriebenen Autos ersetzen. Keine schlechte Idee angesichts der knapper werdenden Ölvorräte und der starken Umweltbelastung. Dabei ist die elektrobetriebene Mobilität eigentlich nichts wirklich Neues - schon Jahrzehnte vor Otto und Diesel fuhren die Menschen mit Elektromobilen. Allerdings verdrängte der Verbrennungsmotor die leisen Stromer schnell von den Straßen, das altbekannte Problem der Speicherung der elektrischen Energie an Bord war schon damals eine unbezwingbare Hürde.

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Kunst trifft Umwelt und regenerative Energien

Erneuerbare Energien sind ein wichtiges Thema. Aber noch nicht für jeden – und das reicht dem im Leipziger Umland lebenden Künstler Udo A. Heinrich nicht. Immer wieder, dies jedoch mit Leichtigkeit und Einfallsreichtum, macht er daher auf Sonnen-, Windenergie & Co. aufmerksam.

Eines der jüngsten Objekte des Jahres trägt den Titel „WIE“. Der Künstler widmet es insbesondere der Dynamik des Windes.

Auf vier 80 Zentimeter mal 80 Zentimeter großen Leinwänden, zu einem wandelbaren Werk von 160 Zentimeter mal 160 Zentimeter Größe montiert, ist jeweils auf dunklem, changierendem Grund eine feine Spirallinie zu erkennen. Wie die Spirale sich ins Unendliche verliert, so lässt sich auch Windkraft unendlich nutzen, bei ständiger Erneuerung. Auf der Spirale sitzen chromfarbene Schattenbilder von Windradflügeln, versetzte Momentaufnahmen, die die Bewegung der Räder vermitteln und durch die Anordnung in die Tiefe des Bildes und die Weite der Möglichkeiten führen.

Besondere Aufmerksamkeit ziehen die im Zentrum der Spirale montierten, verchromten Windräder auf sich. Die Flügel nehmen jeweils fast das gesamte Einzelbild ein. Bewegt wird das Rad durch Solarstrom - gewonnen aus einer auf dem Rand des Bildes angebrachten Solarzelle (auf dem Foto ist die Solarzelle zu Demozwecken ausnahmsweise oben rechts zu sehen, also noch nicht auf dem Rahmen befestigt) - der einen auf der Rückseite des Bildes montierten Spezialmotor antreibt.

Sowohl in der Natur, als auch in der Technik kommen Spiralen als Bewegungsbahnen vor – so ist schon damit der Bezug des Kunstwerks als Mittler zwischen Umwelt und Technik gegeben.

Dieses Hybridwerk aus Malerei und Installation ist Teil einer Themenreihe, die der Künstler als „Action Art” bezeichnet. Auf der einen Seite bewegt sich ein Teil der Kunstwerke. Auf der anderen Seite sollen die Kunstwerke das Auseinandersetzten mit der Umweltthematik beim Betrachter in Gang bringen.

ahpr

Germany Is Calling for Sustainable Development Experts

Germany, one of the more frequently discussed countries when it comes to investment in renewable energy projects through its highly touted feed-in-tariff, seeks to attract a new crop of young scientists to partner with German research institutions and corporations.

The Federal Ministry of Education and Research is sponsoring a competition called “Green Talents: International Forum for High Potentials in Sustainable Development.” They are seeking 15 outstanding scientists, 35 years of age or younger, in the following fields:

(1) Cleaner production in industry;
(2) Climate protection, adaptation to climate change, energy efficiency and CO2 reduction;
(3) Material and resource efficiency, sustainable resource management;
(4) Sustainable land-use management;
(5) Water technologies and water resources management; and
(6) Innovations in the service sector that are related to sustainability and sustainability strategies, policy-making, business and society.

Winners of the competition will be able to participate in a 10 day international forum this fall. During the forum, winners will travel throughout Germany visiting some of the leading universities, research institutions, and companies. Winners will be able to meet one on one with leading experts and have an opportunity to present their own research.

The Green Talents competition not only provides winners of the competition with exposure and opportunity to learn from experts in Germany, but also provides for a funded prolonged stay (up to three months) at a university, research institution, or company to further develop their research project.

The application deadline of June 20, 2010 is rapidly approaching. More information about the competition and application requirements can be found at www.greentalents.de.

Walter Wang

Article appearing courtesy of CleanTechies

Die große Windkraftblase

China plant wie berichtet, bis zum Jahr 2020 100 Milliarden Dollar in die Offshore-Windkraft zu investieren und eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt zu installieren. Ein gigantischer Wachstumsmarkt, der wie alle investitionsintensiven Märkte anfällig für eine spekulative Überhitzung werden kann.

Lu Zhenhua, ein Reporter vom chinesischen „21st Century Business Herald“, der gerade einen Umweltjournalismuspreis des britischen „Guardians“ gewonnen hat, hat nun in einem Report eine gigantische Blase in der chinesischen Windindustrie aufgedeckt.

Die Branche, die sich in China seit Monaten im Turbowachstum befindet, wird wahrscheinlich nach der Realisierung aller geplanten Projekte allein in der Provinz Gansu im Nordwesten Chinas bald mehr Elektrizität produzieren als der bekannte Drei-Schluchten-Staudamm mit seiner enormen Wasserkraft.

Lu Zhenhua zitiert in seinem Bericht den Chef des chinesischen Windenergie-Verbands, der diese Entwicklung nicht leugnet und schon jetzt von „Überhitzung“ spricht. Der Grund: Alle Investoren der Branche hoffen auf staatliche Subventionen und lukrative Einspeisevergütungen. Bleiben diese aus, so würden die unbegrenzt verfügbaren Winde nach Worten des Reporters nicht automatisch ein „grenzenloses Wachstum“ auslösen.

Aber selbst wenn in China die Subventionen weiter stetig fließen werden, besteht bei staatlicher Unterstützung immer die Gefahr, dass Innovationen gestützt werden, die wirtschaftlich eigentlich nicht überlebensfähig sind. Der Absturz könnte deshalb umso größer sein, wenn diese eines Tages plötzlich ausblieben.

Allein in China ist die Zahl der Anbieter von Windturbinen von sechs im Jahr 2004 auf fast 70 im letzten Jahr angestiegen. Vielen von Ihnen fehlt das nötige Know-how, was zu einem Qualitätsverfall auf dem Windturbinenmarkt in China geführt hat, wie Lehman, Lee & Xu, die drittgrößte Beratungsfirma für Wirtschaftrecht in China, berichtet.

Ein weiteres Problem könnte das Überangebot von Windkrafttechnologie auf dem Weltmarkt werden, der zu sinkenden Preisen in der Branche geführt hat. Dazu kommt der Wegfall von Handelsbeschränkungen für Produkte aus dem Windenergiebereich in China, wodurch sich chinesische Produkte auf diesem hochtechnologisierten Gebiet auch auf dem heimischen Markt verstärkt gegen ausländische Produkte durchsetzen werden müssen.

Daniel Seemann

Wind on the Grid

Das Projekt Wind on the Grid wurde im April 2010 erfolgreich abgeschlossen. Es wurde aus Fördermitteln des sechsten EU Rahmenprogramms für Forschung und technologische Entwicklungfinanziert und testete die massive Einspeisung von Windenergie aus Windparks in Spanien und Portugal in das europäische Stromnetz unter realen Bedingungen. Neben Energieversorgungsunternehmen aus Portugal und Spanien, sowie Unternehmen aus Tschechien, Dänemark, Slowenien und Deutschland, war auch das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) an dem Projekt beteiligt.

Aufgabe des IWES war es, zwei Steuerprogramme zur Regulierung der Netzeinspeisung zu entwickeln. Insgesamt wurde Windenergie aus elf Windparks mit einer Gesamtleistung von 311 Megawatt eingespeist, davon stehen fünf in Portugal und sechs in Spanien. Die Windparks wurden in sogenannten Clustern mit dem Wind Farm Cluster Management System (WCMS) zusammengefasst. Mit dem ebenfalls vom IWES entwickelten Wind Power Management Systemwurde mit Hilfe von neuronale Netzendie erwartete Windleistung berechnet. Dabei wurden vor allem Versorgungssicherheit und Netzsicherheit sowie ökonomische Auswirkungen der Einspeisung untersucht, weil durch die massiven Leistungsschwankungen auch die Strompreise variabel sind. Durch die Clusterung der Windparks können aber sowohl Einspeiseleistung als auch Strompreise konstant gehalten werden.

Weil ein einzelner Windpark, aufgrund von Windflauten, nicht für eine konstante Netzleistung  sorgen kann, ist es sinnvoller mehrere Windparks miteinander zu koppeln, um die Netzeinspeisung konstant zu halten und um einen günstigen Strompreis zu garantieren. Das Projekt war so erfolgreich, dass erwogen wird, die vom IWES entwickelten Programme zu kommerziellen Zwecken einzusetzen.

Die erfolgreiche Clusterung von Onshore-Windparks könnte auch hilfreich für die Clusterung von Offshore-Windparks genutzt werden, da die Voraussetzungen ähnlich sind. Mit der Entscheidung der Bundesregierung, zukünftig vor allem in die Windenergie zu investieren, sind dafür alle Wege offen.

Matuzalem Rodriguez

Den Umstieg gewagt

Seit 1998 der deutsche Strommarkt liberalisiert wurde, steht es dem Stromkunden frei, seinen persönlichen Versorger zu wählen. Stehen einige Menschen dem Wechsel zu einem Ökostromanbieter – als Gründe werden gerne erhöhte Preise oder die Angst vor einer unsicheren Stromversorgung angegeben – noch skeptisch gegenüber, haben sich viele andere schon zum Umstieg entschlossen.

Die vier deutschlandweit am Markt etablierten und von den großen Strommultis weitgehend unabhängigen Ökostromanbieter konnten seit ihrer Gründung einen beständigen Anstieg der Kundenzahlen verzeichnen. So beliefert die Naturstrom-Gruppe aktuell 65.000 Kunden mit Strom aus erneuerbaren Energien und ist doch der kleinste der vier Ökostromhändler.

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) konnten bis August letzten Jahres schon rund 86.000 Kunden überzeugen. Zu Greenpeace Energy – im Januar 2000 mit 186 Kunden gestartet – wechselten bis März 2010 rund 95.000 Menschen. Der weitaus größte unter den noch immer vergleichsweise „kleinen“ Ökos ist LichtBlick. Das Unternehmen beziffert die Anzahl seiner Kunden aktuell mit über 500.000.

Der Deutsche Bundestag bezieht seinen Strom inzwischen genauso aus erneuerbaren Energien wie das Umweltministerium sowie verschiedene Kommunen und Kirchengemeinden. Dennoch besteht kein Anlass zum Ausruhen. Viele Umweltorganisationen versuchen weiter der Marktmacht der großen Stromversorgungsunternehmen entgegenzuwirken und interessierten Personen durch gezielte Informationsarbeit den Umstieg zu erleichtern. Eine 100-prozentige Stromversorgung aus Wind, Wasser, Sonne, Biomasse und Geothermie, wie sie zum Beispiel auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) aktuell fordert, bedarf noch vieler kleiner und großer Taten. Der Wechsel des Stromanbieters ist wohl der erste und wichtigste persönliche Schritt.

Ulrike Rosenfellner

"Dirtytech" – Das Risiko der Tiefseeölbohrungen

Das Thema beherrscht derzeit die Medien: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Auslöser ist der verheerende Unfall auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“, die größtenteils Öl für den Konzern BP gefördert hat. Da stellt sich die Frage, wie sicher solche Ölbohrungen in der Tiefsee sind.

Bisher wurde Öl hauptsächlich in küstennahen Gewässern gefördert, also in flachem Gewässer. Allerdings verlangt die ungebremste Nachfrage nach dem „schwarzen Gold“ danach, immer neue Ölvorkommen zu erschließen. Da die küstennahen Vorkommen bald ausgebeutet sein werden, wagt man sich in tiefere Gewässer, in denen noch gewaltige Vorkommen vermutet werden.

Allerdings sind solche Bohrungen, wie einem das Beispiel der „Deepwater Horizon" eindrucksvoll vor Augen führt, nicht ohne Risiko. Die Bohrungen nach Öl in Tiefen von 1.500 Metern und mehr unter dem Meeresspiegel sind erst seit relativ kurzer Zeit überhaupt technisch realisierbar. Entsprechend gibt es in der Anwendung dieser Verfahren kaum Erfahrungswerte und man bewegt sich am technischen Limit. Die Bedingungen in solchen Tiefen sind durch starke Vibrationen, extreme Temperaturen und hohen Druck geprägt. Mit Blick auf das höchst profitable Geschäft mit dem Öl sind die Risiken, die mit innovativen und neuen Techniken immer einher gehen, offensichtlich unterschätzt worden.

Nach eigenen Angaben belaufen sich die Kosten in Folge des Bohrunglücks für BP bisher auf über 600 Millionen US-Dollar. Da erst zirka 40 Prozent des ausströmenden Öls kontrolliert abgepumpt wird und eine vollständige Abdichtung der Lecks nach mehreren Fehlversuchen nicht absehbar ist, wird der rein monetäre Schaden für BP in die Milliarden gehen. Die ökologischen Auswirkungen sind kaum zu beziffern. Entsprechend stürzt der Aktienkurs von BP ab.

Nachdem auch Versäumnisse bei der Genehmigung der Plattform und bei der Sicherheitstechnik ans Licht kommen, sieht sich der Konzern, der in der Finanzwelt in zahlreichen Nachhaltigkeitsindizes geführt wird, in der Vertrauenskriese. Eine wichtige Dimension der Nachhaltigkeit ist auch das Vermeiden großer Risiken.

Oliver Hölzinger

iPhone in neuem Gewand

100 Prozent Bambus, eine durchdachte Formgebung und kreatives Design erheben das iPhone zu einem kleinen Kunstwerk. "Grove", der Hersteller der Schutzhüllen, setzt dabei auf kunstvolle Gestaltung und natürliche Materialien. Als kleines Extra gibt es eine durchdachte Lösung für Verpackung und Versand dazu.

Die neuen Cover für iPhones stechen eindeutig aus den ansonsten angebotenen Hüllen heraus. Innovative und außergewöhnliche Lösungen auf diesem Gebiet gibt es bereits viele. Von der biologisch abbaubaren Kunststoffhülle bis zur Vollholzversion ist momentan so ziemlich jede Variante erhältlich. Die Produkte des Unternehmens aus den USA fallen jedoch unter anderem durch die unbegrenzten Gestaltungsmöglichkeiten aus dem Rahmen des ansonsten Üblichen heraus.

Wie kaum einem anderen Unternehmen gelingt es Grove, den Wunsch der Menschen nach individuellen und zugleich umweltfreundlichen Lösungen zu befriedigen. Die eigentliche Schutzhülle aus Bambus wird in drei unterschiedlichen Farbtönen angeboten. Sieben weitere Farben stehen zur Auswahl, wenn es um die Gestaltung der Einfassung geht. Steht die Farbgebung der neuen Schutzhülle einmal fest, so kann der Käufer entweder aus zwei Standardmotiven wählen oder sich für eines der zehn Kunstmotive entscheiden. Amerika wäre jedoch nicht Amerika, wenn nicht spätestens an dieser Stelle das Wort "customize" fallen würde.

Individuelle Gestaltungsvorschläge können einfach und unkompliziert über die Website von Grove direkt an das Team geschickt werden. Die Schutzhüllen werden daraufhin an die Wünsche der Kunden angepasst. Damit die fertigen Einzelstücke auch umweltfreundlich verschickt werden können, haben sich Joe Mansfield, Ken Tomita und Chris Rizzo etwas Besonderes einfallen lassen.

Das fertige Cover aus Bambus wird besonders umweltschonend verpackt. So ersetzen etwa Hobelspäne die ansonsten üblichen Styroporflocken. Für zusätzlichen Schutz sorgt eine weitere Hülle aus Bambus. Diese besteht aus dem Ausgangsmaterial für die eigentliche iPhone-Hülle und kann als Bilderrahmen weiterverwendet werden.

Erhältlich sind die von Hand gefertigten Schutzhüllen für das iPhone 3G sowie für das iPhone 3GS im eigenen Onlineshop ab zirka 73 Euro.

Joachim Kern

Biogas: Fluch oder Segen?

Deutschland steht mit 22.370 Gigawattstunden im Jahr 2006 an der Spitze der Energiegewinnung aus Biogas. Kein Wunder, unterstützt doch das Erneuerbare-Energien-Gesetzt (EEG) die Entwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen. So soll das Klima geschont und die Umwelt geschützt werden.

Für die Produktion von Biogas wird Silomais großflächig angebaut. Mais ist anspruchslos und hat einen hohen Biomasseertrag. Der Mais wird geerntet, siliert (durch Milchsäuregärung konserviert) und dann entweder als Futtermittel oder für die Biogasproduktion verwendet. Durch den neu eingeführten NaWaRo-Bonus werden der Anbau und die Verwendung des Mais nachhaltig beeinflusst.

Es wird immer weniger Mais als Futtermittel angebaut. Stattdessen wird vermehrt Energiemais angebaut. Die Anbauflächen sind von 70.000 Hektar im Jahr 2005 auf 140.000 Hektar im Jahr 2006 gestiegen.  Dies hat nicht nur für die Natur negative Konsequenzen. Es ist bekannt, dass die Biodiversität in Maismonokulturen weitaus geringer ist, als auf Grünlandflächen oder in Weizenfeldern. Durch verengte Fruchtfolge, Bodenerosionen und Grundwasserbelastung erfolgen eine Verschlechterung der Böden und ein Verlust an wichtigen Lebensräumen.

Aufgrund der starken Konkurrenz zwischen Energieerzeugung und Futtermittelproduktion steigen die Pachtpreise an und es müssen neue Flächen erschlossen werden, die landwirtschaftlich genutzt werden können. Dies verstärkt den Druck auf Naturschutzflächen und lässt die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei Naturschutzbehörden sinken. Grundsätzlich ist die Energiegewinnung aus Biogas positiv zu bewerten, da das Methan, das in der landwirtschaftlichen Produktion als Abfallstoff entsteht, ungenutzt in die Atmosphäre gelangen würde. Durch die Weiterverwendung in Biogasanlagen wird das Klima geschont. Jedoch sollte die Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen nicht auf Kosten der Umwelt oder des Menschen erfolgen.

Felicitas Wagner

Europäische Mobilitätswoche 2010

Die ersten autofreien Sonntage wurden anlässlich der Ölkrise 1973 als etwas ungewöhnliche Sparmaßnahme eingeführt. Heute stehen autofreie Sonntage als Symbol für ein verbessertes Klima und sollen den teilnehmenden Städten die Gelegenheit geben, Möglichkeiten auszudrücken, wie sie mit dem Bereich Umwelt umgehen. Seit Ende der 80er Jahre entwickeln sich diese Aktionen zunehmend zu Erlebnistagen rund um das Thema Umwelt und Klima und nehmen in ihrer Häufigkeit stetig zu.

Erstmals im Jahr 2002 wurde die Europäische Mobilitätswoche(EMW) ins Leben gerufen. Jedes Jahr vom 16. bis 22. September dreht sich alles um nachhaltige Mobilität und ein besseres Städteklima, bei welcher die Bevölkerung über die Auswirkungen des Verkehrsverhaltens sowohl auf die Umwelt, als auch auf Gesundheit und Lebensqualität sensibilisiert wird. Höhepunkt der Mobilitätswoche bildet der letzte Tag, der mit einem autofreien Tag einhergeht.

Koordiniert wird die EMW von der europäischen Geschäftsstelle des Klima-Bündnisses, das von einem international zusammengesetzten Vorstand geleitet wird und dessen Mitglieder sich die Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen zum Ziel gesetzt haben. Als Interessenvertreter ihrer Mitglieder sehen sie sich als Schnittstelle auf internationaler politischer Ebene wenn es um den Bereich Klimaschutz, Biodiversität und indigene Völker geht. Durch die Erarbeitung und Umsetzung verschiedener Klimastrategien aus dem Sektor Energie und Verkehr, aber auch in punkto Regenwald- und Tropenholzabbau, werden diese Ziele in die Praxis umgesetzt.

Einen wichtigen Beitrag zum Strategieziel trägt dabei die Europäische Mobilitätswoche, die bereits im letzten Jahr mit 2.200 teilnehmenden Städten und Gemeinden einen neuen Teilnehmerrekord aufstellen konnte. Auch in diesem Jahr können sich Interessenten wieder online für die Aktion anmelden und ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Mobilität vorstellen. Hierbei steht die Reduzierung des motorisierten Stadtverkehrs durch nachhaltige Beförderungs- beziehungsweise Fortbewegungsmittel im Vordergrund und soll den Bürgern auf kreative Weise verdeutlichen, wie das Verkehrsverhalten zum Klimaschutz beitragen und zudem noch jede Menge Spaß machen kann.

Judith Schomaker

Sonnenflieger

Flugzeuge am Himmel gehören für uns mittlerweile zum Alltag. An die umweltschädigende Wirkung des heutigen Flugverkehrs wird dabei viel zu selten gedacht. Dabei ist das ausgestoßene CO2 vermutlich noch nicht einmal das größte Problem. Die von den Flugzeugen verursachten Kondensstreifen stehen im Verdacht, die Bildung von Zirruswolken zu beeinflussen. Diese bilden eine zusätzlich isolierende Schicht, welche den Treibhauseffekt stärker beeinflusst als alle anderen von Menschen verursachten Treibhausgase.

Eine Alternative bieten Solarflugzeuge. Flugzeuge, die ausschließlich mit der Kraft der Sonne abheben und fähig sind, über längere Zeit in der Luft zu bleiben. Die Sonnenflieger gibt es zwar schon längere Zeit, doch jetzt ist es gelungen ein Flugzeug zu bauen, das die Spannweite eines Airbusses besitzt. Einen großen Schritt machte das Team von „Solar Impulse“ aus der Schweiz mit dem ersten Testflug Anfang April. In zwei Jahren wollen sie einmal um den gesamten Globus fliegen.

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Prognose 2050: Solarstrom deckt nur ein Viertel des weltweiten Bedarfs

Die Erde im Jahr 2050: Weltweit ist der Energieverbrauch jahrzehntelang weiter angestiegen, die nationalen und internationalen Energieeffizienzprogramme haben nicht gegriffen und alle Ideen zum Energiesparen konnten sich nicht wirklich durchsetzen.

Durch Solarenergie wird eine Stromproduktion von 9.000 Terwattstunden möglich gemacht, was ungefähr 50 Prozent des heutigen weltweiten Stromverbrauchs entspricht. Doch durch die oben beschriebene Entwicklung entspricht dieser Wert im Jahr 2050 nur noch einem Viertel des weltweiten Strombedarfs.

Dieses Szenario entwarf die Internationale Energieagentur (IEA) jüngst auf der „Mediterranean Solar Plan Conference“ im spanischen Valencia, wo Vertreter der Organisation ihre „Roadmaps“ für die solare Stromversorgung der Zukunft vorstellten.

Doch damit diese Vision Wirklichkeit wird, müssen noch einige Voraussetzungen geschaffen werden, damit Strom aus Sonnenenergie einen wesentlichen Anteil zur Grundlastversorgung beitragen.

Erstens fordert die IEA stabilere politische Rahmenbedingungen für den Ausbau der Solarenergie. Dies konterkariert die gegenwärtig von der Bundesregierung getroffenen Entscheidung, mit der Förderung erneuerbarer Energie- und Wärmeerzeugung Schluss zu machen.

Zweitens sollten Solargeneratoren nach ihren jeweiligen optimalen Einsatzbereichen differenziert eingesetzt werden. Hiermit greift die IEA eine technologische Entwicklungstendenz auf, die immer mehr auf die Produktion von Solarpanels für die verschiedensten Lebensbereiche setzt: Angefangen von großflächigen Solarfeldern in der Wüste über die Solaranlage auf dem Hausdach des Eigenheims bis hin zu Kleinstsolarpanels für die Versorgung von beispielsweise dem eigenen MP3-Player.

Drittens soll zukünftig netzgebundene Photovoltaik vor allem den regionalen Bedarf bedienen. Das würde vor allen Dingen die Kommunen stärken, die ihre Stromproduktion so einem größeren Abnehmerkreis zur Verfügung stellen könnten. Voraussetzung: Der Aufbau eines sogenannten „smart grids“, der den Transport von aus erneuerbarer Energie hergestelltem Strom über größere Distanzen erlaubt.

Viertens sollen mehr sogenannte „Solarinselsysteme“ in Regionen ohne Stromnetz gebaut werden, wo bisher fossil betriebene Generatoren für die Stromversorgung sorgten. Allein damit könnte schon ein größerer Anteil des Weltenergiebedarfs abgedeckt werden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung laut IEA sei der Bau von Solarkraftwerken, die mit Wärmeträgerflüssigkeit arbeiten und so Solarenergie auch nachts nutzbar machen. Solche Kraftwerke könnten bereits zwischen 2025 bis 2030 Solarstrom zu Marktpreisen produzieren.

Daniel Seemann

Einführung einer CO2-Steuer geplant

China gilt nicht nur neben den USA als größter Emittent von CO2 weltweit, sondern ist wie sein pazifischer Nachbar auch seit Neuestem für umweltfreundliche Gesetzgebungsinitiativen in die Schlagzeilen geraten.

Jetzt setzt das Reich der Mitte einmal wieder neue Maßstäbe: Nach einem Bericht der Internetplattform „Business Green“ soll Chinas Schwerindustrie ab dem Jahr 2010 mit einer neuen Steuer auf das Treibhausgas CO2 zu mehr Effizienz, Klima- und Umweltschutz gebracht werden.

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Wirtschaft, Verbraucher oder Politik - wer rettet das Klima?

Klimaschutz, erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität - diese Themen standen im so genannten „Zentrum Umwelt und Ressourcen“ des 2. Ökumenischen Kirchentags im Mittelpunkt verschiedener Podiumsdiskussionen, die mit hochkarätigen Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik besetzt waren.

„Wer rettet das Klima: Technik oder Lebensstile?“ lautete beispielsweise am frühen Donnerstagnachmittag die Frage, zu der der renommierte Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker im Vorfeld der Diskussion einen einleitenden Impulsvortrag hielt. Er plädierte darin für die Entkoppelung von Wohlstand und Emissionen und verwies auf den Faktor Fünf-Ansatz, der besagt, dass sich Wohlstand und Lebensqualität deutlich steigern lassen, wenn die Rohstoffe fünf Mal besser genutzt werden, als bisher.

Den Glauben, der Klimawandel ließe sich allein mit Hilfe von Technologien beziehungsweise ausschließlich durch klimabewusste Lebensstile in den Griff bekommen, bezeichnete von Weizsäcker als Illusion. Nur wenn beide Ansätze gleichzeitig verfolgt würden, sah er eine Chance, das Klima zu retten.

Im Anschluss an die Veranstaltung diskutierten unter anderem Dr. Joachim Nitsch, Berater des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Ursula Sladek, Geschäftsführerin der Elektrizitätswerke Schönau und Josef Göppel, Mitglied des Deutschen Bundestags und Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Umweltausschuss, über die Frage, welcher Energie-Mix für Deutschland am sinnvollsten sei. Dabei wies Göppel auf die Ungerechtigkeit hin, dass PV-Anlagenbetreibern, wegen Renditen von bis zu zehn Prozent, die Förderung gekürzt wird, ein Energieunternehmen wie RWE, das 2009 27 Prozent Rendite erzielte, jedoch ungeschoren davon kommt.

Am Freitagvormittag debattierten Prof. Dr. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Claus Leggewie und Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen über die sozialen Folgen des Klimawandels. Edenhofer betonte, der Klimawandel sei durchaus real und hauptsächlich vom Menschen verursacht und drängte auf ein globales Klimaabkommen in den nächsten zehn Jahren. Bundesumweltminister Röttgen bekräftigte den Willen der Bundesregierung, „nicht mehr Vorreiter, sondern Antreiber“ einer zukunftsorientierten Klimapolitik zu sein. Lob für sein Engagement erntete der Politiker von Leggewie, der die Bundesregierung dazu aufforderte, das Thema Nachhaltigkeit endlich ressortübergreifend, also auch im Außen- und Entwicklungsministerium, in Angriff zu nehmen.

Über „Visionen ressourcenschonender Mobilität“ diskutierten am Samstag unter anderem Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, Prof. Dr. Heiner Monheim, Geograph und Stadtplaner sowie Dr. Peter Ramsauer, Bundesverkehrsminister. Während Monheim für nachhaltigere Verkehrskonzepte plädierte, forderte Grube, dass die Bahn als umweltfreundliches und effizientes Verkehrsmittel, im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln, nicht mehr länger steuerlich benachteiligt werde. Ramsauer sprach sich indessen für den Ausbau der Elektromobilität aus.

Corinna Lang

Mehr als 100 Prozent

Eine Stromversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien ist laut dem neuesten Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen für Gesamtdeutschland möglich. Die Verbandsgemeinde Alzey-Land demonstriert das bereits sehr eindrucksvoll für ihre Region und wurde für ihr Engagement in Sachen nachhaltige und sichere Energieversorgung in Rheinland-Pfalz jetzt zur „Energie-Kommune“ im Wonnemonat Mai ernannt.

Deutschland ist ein Land voller Energien - das Erreichen der Klimaschutzziele durch gemeinschaftliches Handeln möglich. Nach diesem Vorbild agiert Alzey-Land in Rheinhessen, deren Grundsatzbeschluss den Ausbau der erneuerbaren Energien innerhalb der Bauleitplanung festschreibt. Nicht jede Kommune hat so gute Voraussetzungen wie die Verbandsgemeinschaft, die neben einem hervorragenden Weinanbaugebiet auch über jede Menge waldloser Hügel mit einem ordentlichen Windpegel verfügt. Schon heute deckt deren Windenergie 90 Prozent des Strombedarfs der 24.000 Einwohner. Zusammen mit Solar- und Biogasanlagen kommen die Alzeyer auf mehr als 100 Prozent Strombedarfsdeckung aus erneuerbaren Energien. Die Kommune nimmt mit ihrem umwelt- und klimafreundlichen Verhalten eine Vorreiterfunktion ein und sieht sich in der Verantwortung. Schließlich hat nicht jede Stadt oder Gemeinde ein solch gutes Ausgangspotenzial und so stellen sich die Alzeyer mit großem Engagement der wichtigen Aufgabe, freiwillig mehr zu leisten, als andere. Als eine der ersten Kommunen in Rheinland-Pfalz steigt Alzey-Land derzeit in das Repowering ein, um alte Windenergieanlagen durch neue, leistungsfähigere zu ersetzen und so die Stromausbeute noch weiter in die Höhe zu schrauben.

Der Titel „Energie-Kommune“ wird von der Agentur für Erneuerbare Energien vergeben, die damit vorbildliche kommunale Energieprojekte würdigt und auf ihrem Infoportal ausführlich vorstellt. Träger der Agentur sind Unternehmen und Verbände aus der erneuerbaren Energien Branche in Zusammenarbeit mit den Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft unter Schirmherrschaft des ehemaligen Umweltministers Prof. Dr. Klaus Töpfer. Unter der Kampagne „Deutschland hat unendlich viel Energie“ haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, auf die Chancen und Vorteile der nachhaltigen Energieversorgung mittels erneuerbarer Energien aufmerksam zu machen und partei- und gesellschaftsübergreifende Aufklärungsarbeit zu leisten.

Judith Schomaker

Irrwege

Ein Kommentarvon Thomas Ludwigzum Elektroauto-Gipfel

Angela Merkel hatte sich am 3. Mai mit Größen der Auto- und Energiebranche zum Elektromobilitätsgipfel getroffen. Es sollte der Startschuss zur deutschen Großoffensive werden. Dachte man. Die Ergebnisse enttäuschten. Neue Fördergelder verteilte die Bundeskanzlerin nicht. Ansonsten standen Show-Effekte im Vordergrund.

Der Bund blieb in seinen Aussagen genauso vage wie die Industrie. Die Frage etwa, wer genau was bis wann fördert und entwickelt, wurde in Arbeitsgruppen abgeschoben. Eine deutsche Untugend: tagen, schwierig machen, Schere in den Kopf, statt handeln.

Während Japaner bereits marktreife - aber freilich immer noch sehr teuere - Elektroautos präsentieren, während Amerikaner, Chinesen und Franzosen in Forschung und Entwicklung klotzen, beschwor man in Berlin die große Tradition deutschen Automobilbaus. Wir stehen aber vor einem der größten Paradigmenwechsel in der Automobilität. Da kommen wir mit Traditionen und früheren Erfolgen nicht weiter. Ich denke, dass wir dringend mehr Lobbyisten für E-Mobility brauchen, die mit Vehemenz, Kompetenz, Visionen und glühenden Herzen den neuen Weg bereiten.

Jetzt kommt „Biosprit“ E10, wann kommt E30?

Ein Haupttreiber zur baldigen Einführung der Elektromobilität sollte die dadurch erreichte Minimierung des Umweltkillers „Biosprit“ sein. Neueste Studien der britischen Regierung besagen, dass schon in nur 20 Jahren die Erdölexploration eine stark fallende Tendenz aufweisen wird. Das Ende der privatwirtschaftlichen Nutzung von Erdölprodukten ist also schon zu sehen. Dies forcieren unter anderem die enormen Verbräuche der Schwellenländer. Allein die Zahlen in China sprechen für sich:

• Anzahl der Pkw im Jahr 2008: zirka 35 Millionen – geschätzte Anzahl für 2013: zirka 86 Millionen
• Verbrauch an Benzin im Jahr 2008: zirka 64 Milliarden Liter – geschätzter Verbrauch für 2013: zirka 157 Milliarden Liter

Die EU fordert wohl deshalb eine Anhebung des Grenzwertes von in Benzin enthaltenem Biosprit, auf zehn Volumenprozenten bis Ende 2010. Trotzdem müssen wir aber realisieren, dass schon der Benzinpreis für den Privatkunden eine recht unangenehme und für ihn wahrscheinlich kaum noch bezahlbare Richtung einschlagen wird.

Wir brauchen ganzheitliche Alternativen

Die Antwort heißt E-Mobility – weg vom Otto Motor, hin zum Elektromotor. Als Benzinersatz spielt Biokraftstoff in den USA und Europa heute bereits eine wichtige Rolle. Mineralölfirmen prognostizieren bereits schon mittelfristig einen Anteil von dann 30 Prozent. Das auch als Kraftstoffethanol bekannte Produkt wird dort vor allem aus Mais hergestellt, der in den USA und in Mexiko in großen Mengen angebaut wird. Die Produktion von Ethanol war deshalb bisher für Mais optimiert. In Europa ist es Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen. Mexiko muss nun aber perverser Weise Verzehrmais importieren.

Völlig aus dem Ruder gerät die globale Wasserbilanz durch neuere Entwicklungen bei den Biokraftstoffen. So werden für die Herstellung von einem Liter Bioethanol als Kraftstoff aus Mais zirka 3.000 Liter Wasser benötigt! Da immer mehr Mais für diese Zwecke angebaut wird, hat sich dessen Preis auf dem Weltmarkt fast verdreifacht. Eine Beimischung von zirka 30 Prozent Ethanol zum Benzin bedeutet einen Bedarf von zirka 330 Milliarden Litern. Um diesen Bedarf zu erzeugen brauchen wir also rund 990 Billionen Liter Wasser.

Ich denke, dass wir mit dem Konzeptansatz: weg vom Ottomotor, hin zum Elektromotor absolut richtig liegen.

Nachfolgende Vorteile ergeben sich für uns aus der E-Mobility:

1. Wir machen uns bezüglich fossiler Brennstoffe von Einflüssen der Industrie, der Politik und den Förderländern frei – wir produzieren Strom selbst, und exportieren sogar.
2. Wir lindern Hunger in den Schwellen- und Entwicklungsländern, und vermeiden irreversible Schäden an der Umwelt (Anbau von Getreide, Mais, Soja, etc.). Allerdings nicht zur Herstellung von Nahrungsmittel, sondern zur Herstellung von Kraftstoffen.
3. Keine Feinstaub- und CO2-Emissionen, kein Gestank, kein Lärm .
4. Kaum noch Wartungskosten
5. Der Betrieb und Unterhalt von Autos wird billiger
6. Wer heute beim Bau von Parkhäusern die Vorbereitung auf E-Mobility, also die Implementierung von Stromladesäulen vergisst,oder bei Bestandsgebäuden nicht nachrüstet, muss wissen, das er ein Gebäude plant oder betreibt, das in zirka zehn Jahren kaum noch Wert hat.
7. Last but not least - unendlich viel Fahrspaß!!!! Ich durfte fast alle Autos mit Elektroantrieb fahren. Deshalb kann ich sagen, sie sind dem Otto Motor in punkto Agilität weit überlegen. Nicht nur der Tesla, sondern auch alle anderen, im Klassenvergleich. Und auch viel entspannter zu fahren. Es macht Spaß die Umwelt zu retten.

Deutschland sucht Bioenergie-Dörfer

Auf der Suche nach Energie-Selbstversorgern hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) den Wettbewerb „Bioenergie-Dörfer 2010“ ins Leben gerufen. Gefragt sind Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern, die mindestens die Hälfte des Jahreswärme- und -strombedarfs aus regionaler Biomasse erzeugen. Bewertet werden der Anteil regional erzeugter Bioenergie am Jahresgesamtenergieverbrauch, die Konfiguration der Bioenergieanlagen, die regionale Wertschöpfungskette, gesellschaftliche Prozesse sowie Bioenergie im Marketing. Drei Dörfer werden ausgewählt und mit einem Preisgeld von 10.000 Euro belohnt.

Auf der eigens eingerichteten Webseite www.wege-zum-bioenergiedorf.de sind bislang 29 Bioenergiedörfer verzeichnet. Die Deutschlandkarte zeigt die weit gestreute Verbreitung. Nur im Süden von Baden-Württemberg gibt es mehrere Bioenergiedörfer. So zum Beispiel Mauenheim im Landkreis Tuttlingen. Seit 2006 sind 67 Gebäude an das Wärmenetz angeschlossen, das durch eine Biogasanlage (vier Millionen Kilowattstunden Strom und 3,5 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr) und ein Hackschnitzelwerk (ein Megawatt) gespeist wird. Gefüttert wird die Biogasanlage mit Mais, Ganzpflanzensilage, Kleegras, Luzerne und Rindermist. Eine Photovoltaikanlage im Ort produziert im Jahr über 70.000 Kilowattstunden Strom.

Sehr bekannt ist das Bioenergiedorf Jühnde in Niedersachsen. Herzstück sind die Biogasanlage und das Biomasseheizkraftwerk. In der Biogasanlage, die vier Millionen Kilowattstunden Strom und 2,8 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr produziert, wird, Weizen, Roggen Triticale, Mais, Sonnenblumen und Gülle vergoren. Ein Nahwärmenetz verteilt Wärmeenergie an zirka 135 Abnehmer.

Um die Idee der Bioenergiedörfer weiter voran zu treiben, lädt das Ministerium interessierte Gemeinden ein, bis zum 18. Juli 2010 die Bewerbungsunterlagen einzureichen. Die Wettbewerbs-Jury besteht unter anderem aus Vertretern der Landwirtschaft, Verbänden und Universitäten. Die Auswertung soll bis Mitte September 2010 erfolgen. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow setzt den Wettbewerb um.

Susanne Kirsch

Sachverständigenrat spricht sich für 100 Prozent erneuerbaren Strom bis 2050 aus

Vergangene Woche hat der Sachverständigenrat der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) in einer Stellungnahme bekannt gegeben, dass er 100 Prozent Strom aus regenerativen Energiequellen nicht nur für möglich, sondern auch für ökonomisch sinnvoll hält.

Um diese Energiewende zu schaffen, seien jedoch entscheidende Weichenstellungen seitens der Bundesregierung notwendig. Der SRU spricht sich in der Stellungnahme unter anderem sowohl gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, als auch den Neubau von Kohlekraftwerken aus. Diese Techniken würden einem Ausbau der erneuerbaren Energien entgegenstehen.

Um die Schwankungen bei Wind- und Solarkraftwerken auszugleichen seien jedoch Kooperationen mit skandinavischen Ländern wie Schweden und Norwegen anzustreben. Diese verfügen über die nötigen Speicherungspotenziale in Form von Pumpspeicherkraftwerken. Ein europäischer Verbund mit Nordafrika sei ebenfalls denkbar. Dieses Szenario wird auch durch ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers untermauert. Zudem müssen die Stromnetze ausgebaut werden, um den Transport der großen Strommengen sicherzustellen (siehe dazu auch den Artikel „Stromnetz wird zum Nadelöhr für den Ausbau der erneuerbaren Energien“).

In der Stellungnahme, die sich unter anderem auf Modellrechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stützt, wird darauf hingewiesen, dass eine komplette Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien wahrscheinlich sogar Kostenvorteile gegenüber einem Mix aus erneuerbaren und CO2-armen konventionellen Erzeugungstechniken aufweisen dürfte.

Im Herbst dieses Jahres will die Bundesregierung ein Energiekonzept vorstellen, das wegweisend für den Energiemix der nächsten Jahrzehnte sein soll. Dann wird sich zeigen, ob die Regierung die Wende angeht. Die wissenschaftlichen Stimmen sprechen in dieser Frage eine eindeutige Sprache.

Oliver Hölzinger

Strom unter den Füßen

Die erste Revolution fand bekanntlich in Frankreich statt. Was zurzeit in der südfranzösischen Stadt Toulouse vor sich geht, kann ebenfalls durchaus revolutionär genannt werden: Ein Teil der städtischen Gehsteige wurde so präpariert, dass die von den Passanten beim Flanieren erzeugte Energie in Elektrizität für den Betrieb der Straßenbeleuchtung umgewandelt wird.

Die Demonstrationsanlage besteht aus in den Boden eingelassenen Plexiglasplatten, die mit Mikrosensoren versehen sind. Durch das Gewicht der Passanten werden die Platten um einen Zentimeter nach unten gedrückt – die Abwärtsbewegung sorgt schließlich für die Stromerzeugung. Geht eine einzige Person in normalem Tempo über die acht Meter lange Teststrecke, sorgt sie für eine Leistung von 50 Watt – genug Strom für den Betrieb der Lampen, die den Gehweg erhellen.

Flanieren mehr Passanten über das „intelligente Trottoir“, als für den Betrieb der Beleuchtung momentan nötig, wird die geschaffene Energie in Batterien gespeichert. So kann die Straße auch in den Abendstunden, wenn weniger Leute unterwegs sind, entsprechend beleuchtet werden.

Die örtlichen Behörden der Stadt, die bis jetzt 15.000 Euro investiert hat, sprechen von einer Weltpremiere. Doch der Einsatz der Technologie ist nicht ganz neu: Die Module, die sich in der Teststrecke im Zentrum der Stadt unter den Gehwegplatten befinden, wurden vom niederländischen Unternehmens Sustainable Dance Club (SDC) entwickelt.

Ursprünglich waren sie für den Einsatz in Nachtclubs gedacht und werden beispielsweise in der Öko-Disco „Watt" in Rotterdam eingesetzt. Der Clou: Die Tanzenden können live miterleben, wie viel Strom sie gerade erzeugen. Denn je intensiver die Bodenplatten des Dancefloors leuchten, desto mehr Strom wird gerade erzeugt.

Toulouse ist zwar die erste, aber nicht die einzige europäische Stadt, die das Potential dieser Technologie erkannt hat. Die niederländische Stadt Rotterdam plant, das nicht eben kleine Stadion des lokalen Fußballvereins mit den Gehwegplatten auszustatten.

Legendäres Beispiel ist auch eine Partyreihe im Berliner Technoclub „Tresor“: Bei der „ersten klimaneutralen Clubnacht“ im 2007 wiedereröffneten Techno-Club, bezeichnenderweise ein ehemaliges Kohlekraftwerk, wurde die „High Voltage Party“ zelebriert. Ziel der Veranstalter war es, zu zeigen, dass es möglich ist, auch im Freizeitbereich klimaneutral zu leben. Der gesamte Energiebedarf der Party wurde dementsprechend ausschließlich von den tanzenden Gästen erzeugt.

Daniel Seemann

Computer – nicht immer sauber und fair

Fast jeder von uns hat einen. Aus unserem Alltagsleben ist er nicht mehr wegzudenken. Und beim Neukauf gibt es klare Anforderungen, die wir in den Vordergrund stellen. Innovativ, effektiv, gut designed soll er sein, der neue Computer. Woran kaum jemand denkt, ist was hinter den Kulissen geschieht.

Bei der Computerherstellung geht es nicht immer fair zu, denn in den Coltan-Minen im Kongo gehört Kinderarbeit bei Rohstoffgewinnung zur Tagesordnung. Columbit-Tantalit, kurz Coltan genannt,  wird für die Produktion von Computern, aber auch Mobiltelefonen und Spielkonsolen benötigt. Das Erzgemisch ist Temperatur- und Korrosionsbeständig und deshalb vor allem bei den Produzenten digitaler Geräte heiß begehrt. Doch geschätzte 80 Prozent der weltweiten Coltanvorkommen liegen in der Demokratischen Republik Kongo.

In dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land sind etwa ein Drittel der Arbeiter Kinder und Jugendliche, die unter gesundheitsschädlichen und teils lebensbedrohlichen Bedingungen arbeiten.

Bei der Coltangewinnung ist nicht nur der soziale Aspekt heikel, auch die umweltpolitischen Gesichtspunkte spielen eine große Rolle. Große Mengen tropischen Regenwaldes werden gerodet, um Platz für die Minen zu schaffen. Die Vernichtung des Urwaldes betrifft zum einen direkt das Klima, zum anderen sorgt sie gleichzeitig für den Verlust einer Vielzahl seltener Pflanzen und Tierarten, von denen noch viele unentdeckt oder nur wenig erforscht sind. Allarmierend ist die Situation für die vom Aussterben bedrohten Grauer- und Berggorillas, deren letztes Rückzugsgebiet der Urwald ist. Allein bis 2001 soll die Hälfte aller Grauer-Gorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark, wo sie einst von Dian Fossey studiert wurden, als direkte oder indirekte Folge des Coltan-Abbaus getötet worden sein.

Die vielfältigen Probleme, die bei der Coltangewinnung entstehen können, sind in den letzten Jahren nicht unbemerkt geblieben. So hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover  eine geochemische Methode entwickelt, um die genaue Herkunft von Coltan-Erzen zu bestimmen. Eine Datenbank mit insgesamt 25.000 Datensätzen zu verschiedenen Lagerstätten half dabei, einen „Coltan-Fingerabdruck“ zu entwickeln, der in Zukunft als Herkunftsnachweis dienen soll.

In einem weiteren Pilotprojekt will die BGR gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Zertifizierung von Coltan-Erzen voranbringen. Dabei sollen sich Verarbeiter in Europa und Rohstoffhändler aus Afrika verpflichten, eine transparente, faire und nachhaltige Rohstoffwirtschaft unter Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards  zu betreiben. Ein zertifiziertes Siegel nach dem Vorbild von bereits etablierten Projekten wie „Fair Trade“ wäre im Bereich der mineralischen Rohstoffe neuartig.

In Zukunft wird man also weiterhin beim Computerkauf auf Funktionalität und Design achten können. Doch dann wird einem zusätzlich ein kleines Siegel dabei behilflich sein, die richtige Entscheidung zu treffen.

Mariana Pagiati

Schwarze Schatten über Spaniens Solarparadies

Nach dem Aus für die Solarförderung in Deutschland muss nun auch die Photovoltaikbranche im Vorzeigeland für die Erzeugung von Sonnenenergie, Spanien, unter den Folgen der Finanzkrise leiden.

Wie die Bundesregierung wollen nun auch die auf der Iberischen Halbinsel regierenden Sozialisten (PSOE) die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien kappen. Allein im Jahr 2009 wurde die Einspeisung von Ökostrom in das spanische Stromnetz mit 6,2 Milliarden Euro gefördert.

Der Förderstopp  soll sogar rückwirkend geschehen. Die Subventionen für Solarstrom wurden bisher auf den Strompreis umgelegt, weshalb der Strompreis für die spanische Industrie laut dem spanischen Industrieminister Miguel Sebastián 17 Prozent über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Damit hat die spanische Regierung einen Sturmlauf der Entrüstung aller Verbände der spanischen Photovoltaikbranche ausgelöst, die auf die bis 2012 festgesetzten Beträge verweisen. Die Regierung kann sich bei der möglichen rückwirkenden Absenkung von Vergütungen aber auf ein Urteil des Obersten Gerichtshof vom 9. Dezember 2009 berufen.

Allein im Jahr 2008 wurden in Spanien mehr als 2.600 Megawatt Solarenergieleistung neu installiert. Doch allen Beteiligten ist klar, dass bisherige Vergütungen in dem Sonnenland nicht zu halten sind. Vergütungen von bis zu 34 Cent pro Kilowattstunde sind angesichts gesunkener Anlagenkosten immer noch sehr hoch. Zum Vergleich: Vor dem Beginn der Solarförderung in Spanien lag dieser Wert bei 22 Cent pro Kilowattstunde.

In der gegenwärtigen Finanzkrise hat die spanische Regierung bereits über eine restriktiv gehandhabte Genehmigungspraxis die Bremse angezogen, um die Kosten zu begrenzen. Ob Kürzungen in einem stetig expandierenden Sektor wie den erneuerbaren Energien, und hier speziell bei der Solarenergie, ein politisch weitsichtiger Schritt ist, bleibt fraglich.

Gerade in einem Moment, wo Großmächte wie China und die USA anfangen, verstärkt auf erneuerbare Energien bei der heimischen Energieerzeugung zu setzen, sollte Europa aufpassen, hier nicht den Anschluss zu verlieren und die eigene Rolle in einem zukünftig weiter wachsenden Exportmarkt aufs Spiel zu setzen.

Daniel Seemann

Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee

Im April wurde der weltweit erste Hochsee-Windpark 45 Kilometer nördlich der Nordseeinsel Borkum offiziell in Betrieb genommen. Alpha Ventustrat damit seinen Dienst nach mehrmonatiger Verzögerung endlich an und soll bis zum Jahr 2030 mit zwölf Windkraftanlagen eine Leistung von 25.000 Megawatt auf See erzeugten Windstroms bringen. Ein Pilotprojekt, aus dessen Betrieb gewonnene Erfahrungen zukünftig weiteren Offshore-Windparks dienlich sein soll.

Insgesamt sind allein in Nord- und Ostsee bereits 29 Windparks genehmigt, 1.894 einzelne Windräder können somit im technologisch anspruchsvollen Offshore-Bereich errichtet werden. Zwei dieser Windparks befinden sich bereits im Bau. Der Bard Offshore 1, ebenfalls in der Nordsee, 89 Kilometer nordwestlich von Borkum und Baltic 1, der erste Windpark vor der deutschen Ostseeküste, etwa 16 Kilometer vor der Mecklenburg-Vorpommerschen Küste.

Bard Offshore 1
Auf einer Fläche von 59 Quadratkilometern sollen 80 einzelne Windkraftanlagen mit einer jeweiligen Leistung von fünf Megawatt jährlich 1,6 Milliarden Kilowattstunden Strom produzieren. Das reicht für etwa 400.000 Mehrfamilienhaushalte. Mit dem Bau wurde im März 2010 begonnen, Fertigstellung des Projekts ist für Mitte 2011 angedacht, wobei schon im Frühsommer 2010 die ersten Anlagen ans Netz gehen sollen. Wie schon beim Vorreiter Alpha Ventus 1 verläuft die Netzanbindung über die Insel Norderney, allerdings kommt beim Bard Offshore 1 die bislang längste Hochspannungsgleichstromverbindung zum Einsatz.

Baltic 1
Nur neun Quadratkilometer Fläche in Form eines Dreiecks werden für die Errichtung der 21 Windräder des ersten Ostseewindparks benötigt. Die symbolische Grundsteinlegung erfolgte am 6. Mai diesen Jahres, Inbetriebnahme der einzelnen Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 2,3 Megawatt ist für Ende 2010 geplant. 180 Millionen Kilowattstunden Strom können dann erzeugt werden und mehr als 50.000 Haushalte mit Strom versorgen.

In der Umweltdebatte spielt das Thema Offshore-Windparks eine zunehmende Rolle und auch die Stimmen zahlreicher Umweltschützer betrachten die Meeres-Windparks als riskantes und zu wenig geprüftes Unterfangen. Sie befürchten negative Auswirkungen auf die Meeressäuger und eine potenzielle Gefahrenquelle für Zugvögel. Insgesamt stuft die deutsche Windindustrie ihre internationalen Marktchancen jedoch als sehr gut ein und sehen im Ausbau der Offshore-Windparks ein zentrales Instrument für die zukünftige Energieversorgung.

Judith Schomaker

Ewigkeitslasten der Steinkohle mit grünem Potenzial

Auch nach dem geplanten Auslaufen des deutschen Steinkohlebergbaus müssen noch „ewig“ enorme Mengen an Grubenwasser zutage gepumpt werden, da sonst unter anderem eine Verseuchung des Grundwassers droht. Der Betreiber der Bergwerke, die RAG, sieht jedoch Potenzial für eine sinnvolle Nutzung der Geothermie.

Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigt, dass auch nach dem geplanten Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau jährliche Kosten für den Steuerzahler in Millionenhöhe entstehen.

Die so genannten „Ewigkeitskosten“, die - wie der Name vermuten lässt - auf unbestimmte Zeit anfallen werden, dürften sich Jahr für Jahr auf voraussichtlich über 100 Millionen Euro summieren. Verantwortlich dafür sind insbesondere Kosten in Verbindung mit der fortlaufenden Grubenwasserhebung.

Während Steinkohle unter Tage abgebaut wird, müssen große Mengen an Grubenwasser abgepumpt werden. Nach Einstellung der Bergbautätigkeiten wäre diese Maßnahme grundsätzlich unnötig. Allerdings hat sich herausgestellt, dass durch einen vollständigen Anstieg unter anderem das Grundwasser mit Schwermetallen verseucht werden und es zu einer Anhebung der Erdoberfläche kommen kann, was zu erheblichen Beschädigungen von Gebäuden (Bergschäden) im Ruhrgebiet führe. Dieses unkalkulierbare Risiko kann in der bevölkerungsreichen Region nicht eingegangen werden.

Allerdings zeichnet sich ab, dass aus der Not eine Tugend werden könnte. Das Grubenwasser ist nämlich je nach Tiefe der Stollen 30 bis 40 Grad warm und eignet sich somit zum Beheizen von Gebäuden an der Oberfläche. Da das warme Grubenwasser ohnehin an die Oberfläche gepumpt werden muss, ist das Potenzial der geothermischen Nutzung für die Region hoch. Nun hängt es maßgeblich davon ab, ob sich die RAG und die regionalen Energieversorger auf ein breit angelegtes Konzept zur Nutzung dieser Energiequelle einigen können. Dadurch könnte zumindest ein Teil der „Ewigkeitskosten“ für den Steuerzahler vermieden werden.

Oliver Hölzinger

Gute Marktprognose für Photovoltaik

Genau sechs Tage ist es her, dass der europäische Photovoltaik-Industrieverband EPIA seine alljährliche Prognose des weltweiten Marktes veröffentlichte. Das Ergebnis zeigt ein enormes Wachstum der Photovoltaik-Branche, indem ein starker Anstieg der weltweit installierten Leistung prognostiziert wird. Allein für das Jahr 2010 wird ein Leistungszuwachs von 8,2 bis 12,7 Gigawatt erwartet, der bis zum Jahr 2014 auf 13,7 bis 30 Gigawatt klettern soll. Ob die Finanzkrise eine Auswirkung auf die Investitionsfreude am Photovoltaikmarkt hat und in wie weit sich die entsprechenden Förderprogramme, die in den einzelnen Ländern durchgesetzt werden, auf die Prognose auswirken, muss jedoch noch eingehend geprüft werden.

Zwar wird bei der deutschen Einspeisevergütung ordentlich gekürzt und auch die neu installierte PV-Leistung wird in den folgenden Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit ersteinmal zurückgehen, trotzdem erwartet das EPIA, dass Deutschland weiterhin den Photovoltaikmarkt anführen und damit nach wie vor den größten Marktanteil Europas ausmachen wird. Die am 6. Mai 2010 von der Regierung beschlossene Novelle des Erneuerbare-Energie-Gesetzes reagiert mit ihrem politischen Werkzeug auf die Preissenkung von PV-Anlagen durch die Massenproduktionen, geht aber dennoch von einem stärkeren Ausbau des Photovoltaikmarktes aus als bislang erwartet. Gekürzt wird vor allem bei den Aufdach- und Freiflächenanlagen, um 16, beziehungsweise 15 Prozent, für Ackerflächen soll die Förderung ganz entfallen. Steigt die installierte Leistung hierzulande um mehr als 3,5 Gigawatt, so folgt im Jahr 2011 eine weitere Kürzung um ein Prozent, bei einer Steigerung von mehr als 4,5 Gigawatt kommt nochmals eine Kürzung von ein Prozent hinzu.

Dicht gefolgt wird Deutschland in der Liga der Marktführer von Italien, welches im Jahr 2009 mit 730 Megawatt neu installierter Leistung weltweit den zweiten Platz belegte. Der Bericht des EPIAgeht davon aus, dass es in Italien auch weiterhin zu einem starken Wachstum auf dem Photovoltaikmarkt kommen wird. Gründe hierfür sieht der Industrieverband vor allem in der hohen Sonneneinstrahlung des Landes und durch die sehr erfolgreiche Förderpolitik - das „Conto Energia“ - der Italiener. Weiteres Wachstumspotenzial sieht EPIA bei Spanien und Griechenland, wobei der einstige Marktführer Spanien im vergangenen Jahr ein Tief mit nur 69 Megawatt neu installierter Leistung durchschritt, sich aber in den nächsten Jahren wieder erholen dürfte. In Griechenland legt der EPIA-Bericht hingegen hohe Erwartungen an die zukünftige Entwicklung. Zwar ringen die Griechen noch immer mit Problemen im Bereich des Netzanschlusses, doch die Branche an sich verfügt über relativ große Aufträge und eines der größten Solarpotenziale Europas. Für weitere europäische Länder hingegen hält sich die Wachstumsprognose des Berichts deutlich zurück, was vornehmlich in den unstetigen Förderprogrammen einzelner Länder zu begründen liegt. Außereuropäisch gelten die USA, Japan und China als konstante Wachstumsmärkte in der Solarbranche, wobei China bereits auf dem Weg zum neuen Weltmarktführer gesehen wird, das wird jedoch stark von der Landespolitik abhängen.

Judith Schomaker

Klimafreundliche Geldanlage ist im Trend

Meist ist in den Medien nur von den immensen Kosten des Klimaschutzes die Rede, aber durch die Umstellung auf erneuerbare Energien entstehen auch völlig neue Märkte, wie der des klimafreundlichen Investments. Und dieser Markt wird von Experten in Deutschland bereits auf bis zu 80 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt, Tendenz stark steigend. Für die kommenden Jahrzehnte wird Geldanlagen mit Klimaschutzbezug gar ein weltweites Potential von 150 Billionen US-Dollar prophezeit.

Aktuell sind weltweit zwar noch weniger als drei Prozent des angelegten Geldes in nachhaltige Finanzprodukte investiert, aber Nachfrage und Angebot steigen stetig. Laut einer im Dezember 2009 veröffentlichten Umfrage der DZ-Bank sind über 50 Prozent der deutschen Privatanleger

an einem Ökoinvestment interessiert und über ein Viertel hat bereits Geld klimafreundlich angelegt. Dass aber über die Hälfte der interessierten Anleger noch nicht in diesem Bereich investiert hat, liegt laut der Umfrage zum Großteil an dem schlechten Informationsangebot oder schlicht und einfach daran, dass ihnen ihre Bank noch kein ökologisches Anlageprodukt angeboten hat.

Demnach sind interessierte Anleger weitestgehend sich selbst überlassen und werden dabei mit der Frage konfrontiert, wie sie umweltfreundliche Investmentprodukte überhaupt erkennen können. Und das ist – da es noch kein allgemeingültiges Qualitätssiegel für ökologische Investments gibt – alles andere als einfach. Denn letztlich will man mit grünem Investment keine Mogelpackungen unterstützen, die mit einem gewaltigen Marketingbudget Greenwashing betreiben, sondern Unternehmen, die tatsächlich die Umwelt schützen und etwas gegen den Klimawandel tun.

Wer also selbst klimafreundlich investieren möchte, findet dazu natürlich auch im Internet Informationen und Hilfestellungen. Beispielsweise hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen auf seiner Webseite Verbraucher fürs Klima eine eigene Unterkategorie, die sich dem Thema Klimafreundliche Geldanlage widmet. Dort kann auch der sehr informative Ratgeber „Klimabewusste Geldanlage“ als PDF-Datei heruntergeladen werden. Empfehlenswert ist außerdem der Branchendienst ECOreporter. Umfassende Informationen zum Thema nachhaltige Altersvorsorge findet man bei EcoTopTen, einem Portal des Öko-Instituts e.V. und des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE).

Matthias Schaffer

Jatropha: Wundernuss oder doch nur Abführmittel?

Der Anbau von Weizen, Mais oder Ölpalmen für die Biotreibstoff-produktion ist aufgrund seiner potentiell negativen ökologischen und sozialen Nebenwirkungen nach wie vor umstritten. Viele Wissenschaftler und Politiker sind weiter auf der Suche nach Rohstoffquellen, aus denen Biosprit in Zukunft nachhaltig und im großen Maßstab produziert werden kann. Auch wenn die EU mit ihrer Richtlinie für erneuerbare Energie (2009/28/EG) Nachhaltigkeitskriterien für die Herstellung von Biokraftstoffen definiert hat, geht die Suche nach geeigneteren Pflanzen weiter.

In den tropischen und subtropischen Klimazonen der Erde erlebt seit ein paar Jahren die Produktion von Biodiesel aus Jatrophaöl einen regelrechten Boom. Von Befürwortern wird die Jatropha-Pflanze, zu Deutsch Purgiernuss, gerne auch als „Wundernuss“ bezeichnet.

Weltweite Beachtung erfuhr die ursprünglich aus Südamerika stammende Ölpflanze Ende 2008, als sich eine Boing 747 von Air New Zealand für zwei Stunden mit Hilfe eines 50:50-Gemischs aus Kerosin und Jatrophaöl in die Lüfte über Auckland erhob. Indien steckt aktuell große Summen in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, um die Biodieselproduktion im eigenen Lande auf nachhaltige Beine zu stellen. Ebenso rechnen viele Konzerne mit dem Durchbruch von Jatropha auf dem Markt der Biotreibstoffe. Neben großen Automobilherstellern wie DaimlerChrysler engagiert sich auch der Energiekonzern EnBW auf diesem Gebiet.

Dabei ist eigentlich noch wenig über das Potential der Pflanze bekannt. Erfahrungen mit dem kommerziellen Anbau als Feldfrucht fehlen bisher zum großen Teil. Angesehene Forschungseinrichtungen im Agrarsektor, wie die Universitäten Stuttgart-Hohenheim oder Wageningen versuchen derzeit mehr Wissen über diese Pflanze zu akkumulieren, um die Risiken ihrer Markteinführung minimieren zu können.

Die große Aufmerksamkeit verdankt Jatropha curcas, neben anderen positiven Eigenschaften, vor allem folgenden grundlegenden Attributen: Der Strauch wächst auf äußerst kargen Böden, verträgt Trockenheit sehr gut und ist für Mensch und Tier giftig. Sie steht somit nicht in Flächen- oder Nutzungskonkurrenz zur Lebensmittelproduktion, so die Befürworter. Jatropha kann also die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung in vielen Landstrichen Asiens, Afrikas und Südamerikas zum Summen bringen, und das auf möglichst ökologische Art und Weise.

Doch einige NGO's warnen bei aller Euphorie auch vor potentiellen negativen Auswirkungen. Angekreidet wird zum Beispiel die geringe Energieausbeute pro Hektar. Steigt die Nachfrage nach Jatrophaöl weiter, wird der Flächenbedarf zu groß werden. Aufgrund der attraktiven Abnahmepreise ist auch davon auszugehen, dass viele Kleinbauern vom Nahrungsmittel- auf den Jatropha-Anbau umsteigen werden, womit das Argument der nicht vorhandenen Flächenkonkurrenz ausgehebelt würde.

In einem Artikel der Schweizer Wochenzeitung (WOZ) fasst es die Wissenschaftlerin Franziska Müller-Langer vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) folgendermaßen zusammen: „Man muss Jatropha als eine Pflanze für lokale Anwendungen im Kleinen sehen, für Lampenöle, Seifen und Ähnliches. Da ist sie sehr sinnvoll. Aber im großtechnischen Maßstab kann es schnell in eine ungewollte Richtung gehen.“

Ulrike Rosenfellner

Erster Offshore-Windkraftpark in den USA

Ende April hat die US-Regierung den ersten Offshore-Windpark namens „Cape Wind" vor der amerikanischen Küste genehmigt. Insgesamt 130 Windräder mit einer Leistung von rund 468 Megawatt sollen dafür bis 2012 an der amerikanischen Ostküste gebaut werden.

Das milliardenschwere Projekt wird zwischen der Halbinsel Cape Cod sowie den Ferieninseln Nantucket und Martha's Vineyard vor der Küste des US-Bundesstaates Massachusetts umgesetzt.

Damit wollen die Amerikaner den Chinesen nacheifern, die wie berichtet bis zum Jahr 2020 100 Milliarden Dollar in die Offshore-Windkraft investieren und eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt installieren wollen.

Der deutsche Konzern Siemens hat den Auftrag bekommen, die Turbinen zu liefern. Nach der Faustformel, dass ein Megawatt Leistung etwa eine Million Euro kostet, dürften die Turbinen rund 450 Millionen Euro Umsatz für das Unternehmen bedeuten. Entsprechend will Siemens im Juni dieses Jahres in Boston ein Büro für sein US-Geschäft mit der Offshore-Windkraft eröffnen.

Das Genehmigungsverfahren musste von Anfang an gegen einigen Widerstand aus Cape Cod ankämpfen, wie der englische Guardian berichtet. Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit. Insbesondere ortsansässige Fischer, Umweltgruppen und Stämme amerikanischer Ureinwohner wie die Wampanoag hatten heftig gegen das Vorhaben protestiert. Letztere hatten geltend gemacht, die Windturbinen könnten spirituelle Zeremonien stören – etwa die Begrüßung des Sonnenaufgangs mit ungehindertem Blick aufs Wasser.

Aber auch die Kennedy-Familie, einflussreiche Industrielle und Tourismusvertreter machten Wind gegen das Vorhaben. Und das nicht ganz uneigennützig: Cape Cod ist vor allen Dingen für seine prächtigen Villen bekannt, die den Reichen und Schönen der amerikanischen High Society gehören.

Die Behörden genehmigten den Bau nur, weil der „öffentliche Nutzen" der Windkraftanlagen überwiege. Allerdings müssen strenge Auflagen eingehalten werden, um eventuelle Schäden an traditionellen, kulturellen oder historischen Erben so gering wie möglich zu halten.

Daniel Seemann

Hoffnung durch Handeln: Die Deutsche Umweltstiftung

Reden ist Silber, Handel ist Trumpf.

Die Projektliste der Deutschen Umweltstiftung liest sich wie eine Menükarte. „Vorspeise, Hauptgang, Nachtisch“ und sollte auch als solche verstanden werden.

Aufmerksamkeit erregen, weiterbilden, zum aktiv werden ermuntern, und Erfolge präsentieren. Was die Umwelt(an)Stifter mit ihrer, wie sie sagen „nur“ ehrenamtlichen Arbeit leisten, ist weit mehr als „nur“ vorbildliches ehrenamtliches Engagement. Es regt an, mitzumachen, sich selbst zu betätigen und Aktionen zu initiieren.

Diskutieren ist gut, aber lediglich der erste Schritt, sich mit den wesentlichen Aufgaben in unserem nahen und nächsten Umfeld zu beschäftigen. Aber reden allein ändert eben nicht so viel, wie tatkräftiges Anpacken, und dazu motiviert die Deutsche Umweltstiftung!

Durch Tagungen, Schul- und Fotowettbewerbe, Ausstellungen und eine Vielzahl gezielter Maßnahmen und Projekte werden immer mehr Mitstreiter zum Handeln in Eigeninitiative gefördert und konkret unterstützt. Mit den Zuwendungen, die sie erhalten, sprechen die Umweltstifter Menschen auf allen Ebenen an und geben Hilfestellung etwas für unsere Umwelt zu bewegen.

Der Hintergrund der Deutschen Umweltstiftung:

Die 1982 gegründete Deutsche Umweltstiftung konzentriert sich in erster Linie auf Vernetzung von Umweltaktivisten aus fast allen gesellschaftlichen Gruppen. Gemeinsam ist ihnen die Überzeugung, dass die offizielle Umweltpolitik in Deutschland, in Europa und weltweit nach wie vor kaum in der Lage ist, den Schutz von Natur und Umwelt sicherzustellen.

Zu den Initiatoren/Stiftern gehören unter anderem Dr. Erhard Eppler, Günter Grass, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Horst Stern, Hubert Weinzierl und Heide Wieczorek-Zeul.

Träger der Deutschen Umweltstiftung sind inzwischen über 1.000 Einzelpersonen, die das Stiftungsvermögen durch einmalige Beträge langsam aufgebaut haben. Bewusst wird auf öffentliche Gelder verzichtet, um so die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu wahren und ungebunden und unbeeinflusst arbeiten zu können.

Autoren gesucht!

Die Deutsche Umweltstiftung wird ihren bislang jährlich erscheinenden Stifterrundbrief ab Mitte 2010 als monatliches Print- und Online-Magazin herausgeben. Damit vervielfacht sich der Raum für qualifizierte, externe Beiträge zu allen Aspekten des Umweltschutzes und der Umweltbildung. Deshalb werden ab sofort einmalige oder regelmäßige Gastautoren gesucht.

Die Beiträge sollten eine Länge von 2.000 Anschlägen nicht überschreiten und nicht zu akademisch formuliert sein. Begleitendes Bildmaterial, Grafiken und weiterführende Weblinks sind ausdrücklich erwünscht. Autorenfotos sind möglich. Die Redaktion behält sich eine Ablehnung der Beiträge vor, Kürzungen und redaktionelle Bearbeitung erfolgt ausdrücklich nur mit Zustimmung der Autoren. Die vollständigen Urheberrechte der - nicht honorierten - Beiträge verbleiben vollumfänglich bei den Autoren.

Jörg Sommer, Vorstandssprecher der Deutschen Umweltstiftung und seine Kollegen freuen sich auf Ihre Beiträge und beantworten gerne weitere Fragen.

Jan Glänzer

Intelligente Stromzähler lohnen sich im Durchschnitt nur für Vielverbraucher

Seit Januar 2010 müssen Energieversorger in Deutschland gemäß dem novellierten Energiewirtschaftsgesetz intelligente Zähler – sogenannte Smart Meter – in Neubauten und bei größeren Renovierungen einbauen. Darüber hinaus müssen sie ihren Kunden auf Wunsch eine monatliche, vierteljährliche oder halbjährliche Abrechnung bereitstellen sowie ab 2011variable Tarife anbieten. Doch wie sieht die aktuelle Lage am Markt aus?

Die Forschungsgruppe Energie- und Kommunikationstechnologien EnCT GmbH aus Freiburg hat hierzu erstmalig eine umfassende Analyse über den deutschen Markt erstellt. Untersucht wurden Smart-Metering-Produkte, die aus einem intelligenten Zähler, einem zeitvariablen Tarif, einer Feedback-Möglichkeit – Internetportal oder Display – und optional einer monatlichen Rechnung bestehen. Auf Basis der jeweiligen Produktangaben wurden Simulationen durchgeführt, mit der die Vorteilhaftigkeit der Tarifmodelle für drei Kundengruppen bewertet wurden: einen Ein-Personenhaushalt (Jahresenergieverbrauch von 2.000 Kilowattstunden), einen Zwei-Personenhaushalt (Jahresenergieverbrauch von 3.400 Kilowattstunden) und einen Vier-Personenhaushalt (Jahresenergieverbrauch von 4.800 Kilowattstunden). Weiterhin wurden drei Möglichkeiten zur Einsparung und Lastverlagerung berücksichtigt: erstens, dass die Kunden auf die Anreize nicht reagieren, zweitens, dass sie in einem mittleren Umfang sowie drittens in einem starken Umfang darauf reagieren. Die Ergebnisse wurden dann mit einem Standardprodukt des jeweiligen Anbieters verglichen.

Die Studie zeigt: Deutsche Energieversorgungsunternehmen sind noch zögerlich bei der Einführung intelligenter Energieprodukte. Erst etwa 15 von zirka 800 Energieversorgern in Deutschland bieten ein Smart-Metering-Produkt an. Mit Ausnahme eines Anbieters, der deutschlandweit auftritt, werden die Produkte alle in der angestammten Versorgungsregion angeboten. Die Tarifmodelle enthalten dabei zwei bis vier Preisstufen. Die Analyse und Tarifsimulation von EnCT ergab weiterhin, dass sich für Kunden mit einem niedrigen Energieverbrauch die Smart-Metering-Produkte nicht lohnen, da sie die im Durchschnitt um 65 Euro höheren Grundgebühren durch Verhaltensänderungen nicht kompensieren können. Haushalte mit einem jährlichen Stromverbrauch von 2.000 Kilowattstunden oder weniger müssen im Vergleich zu den Standardprodukten Mehrkosten von durchschnittlich vier bis elf Prozent in Kauf nehmen. Kunden mit einem Jahresenergieverbrauch größer als 3.400 Kilowattstunden können die Mehrkosten durch Verbrauchsreduzierung und Lastverlagerungen zum Teil nicht nur kompensieren, sondern ihre Energiekosten sogar im Durchschnitt senken. „Diese Ergebnisse gelten nur für Durchschnittswerte. Im Einzelfall sind Smart-Metering-Produkte allerdings auch für Geringverbraucher attraktiv“, fasst Dr. Harald Schäffler, Geschäftsführer von EnCT und Herausgeber der Studie, zusammen.

Generell lohnt sich der Einsatz intelligenter Stromzähler, da er für mehr Transparenz sorgt und dem Kunden die Möglichkeit bietet, seine Energie effizienter zu nutzen und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Doch finanziell müssen die Produkte noch attraktiver werden. „Für den Massen-Roll-Out sind die derzeitigen Smart-Metering-Produkte noch nicht geeignet“, zieht Schäffler Bilanz. Damit schließt er sich dem Bericht der Bundesnetzagentur vom März 2010 an, für den EnCT zwei Gutachten erstellt hat.

Constance Mörch

Damit ihr Hoffnung habt

Vom 12. bis 16. Mai 2010 findet in München der 2. Ökumenische Kirchentag statt. Unter dem biblischen Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt.“ wird auch der Klimaschutz ein großes Thema auf der Veranstaltung sein.

KlimaKultur

Der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) möchte als Multiplikator die Chance nutzen, die Bevölkerung für den Klimaschutz zu sensibilisieren und zum verantwortlichen Handeln zu motivieren. Aus diesem Grund hat er, zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, das Projekt „KlimaKultur - Integriert, engagiert, neue Wege denken“ ins Leben gerufen.

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Das Mobiltelefon aus Marmor

Das CPT001 Concept Phone ist ein weiterer innovativer Zugang zu natürlichen Werkstoffen. Nach der Verwendung von Perlmut und Meteorgestein versetzt "Mobiado", ein Telefonhersteller aus Kanada, die Grenzen der Innovation erneut ein Stück weiter. Die dort herrschende Philosophie, Dinge gezielt anders zu gestalten, hat bereits so manchen Umdenkprozess eingeleitet.

Während der Planung und Produktion neuer Mobiltelefone denken die Mitarbeiter von Mobiado oftmals außerhalb bislang gültiger Normen. Hier werden Werkstoffe zum Bau neuer Telefone herangezogen, die zwar nicht immer ganz umweltfreundlich, jedoch stets außergewöhnlich sind. Aluminium aus dem Flugzeugbau wird hier mit derselben Selbstverständlichkeit verwendet wie Meteorgestein, Holz, Saphir, Gold  oder Perlmut. Gerade diese bei Mobiltelefonen vollkommen unerwarteten Materialien haben dazu geführt, auch bei der Herstellung anderer Gegenstände die Auswahl der Ausgangstoffe zu überdenken.

Mit dem CPT001 Concept Phone möchte Mobiado bewusst Erinnerungen an die großen Marmorstatuen der Renaissance heraufbeschwören. Gleich wie einstmals die tonnenschweren Standbilder vergangener Epochen wird auch das handliche Mobiltelefon aus einem einzelnen Marmorstück gefertigt. Von seinen historischen Vorbildern unterscheidet sich das CPT001 jedoch unter anderem durch einen Touchscreen aus Saphir sowie durch Verzierungen, Knöpfe und eine mechanische Uhr aus gediegenem Gold. Eingebettet in die Hülle aus massivem Marmor befindet sich modernste Elektronik, die keinen Komfort vermissen lässt.

Gerade Linien, kreisförmige Bedienelemente und ein glatte Oberflächen weisen das neue Telefon eindeutig als Mitglied der Mobiado-Familie aus. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch, anders als die anderen Telefone des Herstellers aus Vancouver, ein Konzept und somit eine reine Designübung.

Dennoch beweist dieser Entwurf eines ganz eindrucksvoll: Das Denken abseits vielbegangener Wege führt oftmals zu unerwarteten Lösungen. Vielleicht finden wir den natürlichen Werkstoff Marmor demnächst an ebenso unerwarteten Ort wieder, wie bei dem Mobiltelefon von Mobiado.

Joachim Kern

Bundesregierung macht Schluss mit Erneuerbare-Wärme-Förderung

Die gute Nachricht vorweg: Der Wonnemonat Mai bringt auch dieses Jahr aller Voraussicht nach Sonnenschein satt für alle, die sich während des langen, dunklen Winters nach blauem Himmel, Wärme und eben viel Sonne gesehnt haben. Ein Traumsommer wartet auf uns, jedenfalls wenn man dem 100-jährigen Kalender Glauben schenkt.

Die schlechte Nachricht: Ausgerechnet im Lichte dieser sonnigen Aussichten hat die Bundesregierung vor ein paar Tagen einen sofortigen Förderstopp für Solarkollektoren beschlossen. Gleiches gilt für Biomasseheizungen und Wärmepumpen, bei denen sogar rückwirkend Anträge, die aus dem vergangenen Jahr vorliegen und noch nicht bewilligt worden sind, nicht mehr genehmigt werden sollen. Begründet wird dieser Schritt mit der Haushaltssperre durch die Finanzkrise.

Von der Haushaltssperre betroffen ist auch das gemeinsame Förderprogramm des Bundesumweltministeriums (BMU) mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Auch hier herrscht für neue Anträge ein Annahmestopp.

Die Entscheidung ist gefallen, obwohl sich das BMU in den vergangenen Wochen intensiv um eine Aufhebung der Haushaltssperre bemüht und einen entsprechenden Antrag beim Bundesfinanzministerium (BMF) gestellt hatte.

Dabei ist die Nachfrage nach dem Förderprogramm seit seiner Einführung 2009 im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG)unverändert hoch geblieben: Allein im vergangenen Jahr wurden 253.000 Anträge bewilligt. Solarkollektoren können recht unkompliziert auf Häuserdächern installiert werden und erzeugen keinen Strom, sondern warmes Wasser für den Eigenverbrauch. Damit leisten sie also auch einen sinnvollen Beitrag für den Klimaschutz.

Damit fallen 115 Millionen Euro Förderung weg, die vor allen Dingen den Ausbau der erneuerbaren Energien und kommunale Klimaschutzprojekte hart treffen werden. Dabei ist hier jeder Euro gut investiertes Geld: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat die Förderung zu Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro geführt. Eigentlich ein Argument für das Förderprogramm, gerade im Angesicht begrenzter Haushaltsmittel.

Bundesumweltminister Röttgen (CDU) wurde damit also erneut ein politischer Tiefschlag verpasst. Denn auch beim Thema „Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke“ hatte sich Röttgen mit seiner Forderung, diese auf acht Jahre zu begrenzen, den Unmut vieler seiner Parteifreunde zugezogen.

Es ist aber auch eine Niederlage für die Bundesregierung und ihre im Koalitionsvertrag verankerten, ambitionierten Klimaschutzziele. Denn außer einem öffentlichkeitswirksamen Elektroauto-Gipfel und der beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke ist die Energie- und Klimabilanz von Schwarz-Gelb bis dato noch recht mau.

Daniel Seemann

Der „ökologische Fußabdruck“ - Hilfe für mehr Nachhaltigkeit

Der „ökologischer Fußabdruck“ bildet den Ressourcen-verbrauch der Menschen ab und zeigt, wie viel Fläche gebraucht wird, um den Lebensstandard eines Menschen zu halten. Dazu gehören zum Beispiel die Flächen, auf denen die Nahrung angebaut wird (Getreide), wo die Ausgangsstoffe für die Kleidung angepflanzt werden (Baumwolle) und auf denen die Energie gewonnen wird (Stausee). Die Verwertung der Abfälle und die Bindung des durch den Menschen entstandenen CO2 wird ebenfalls berücksichtigt.

Viele Menschen haben den Wunsch, ihre Lebensweise nachhaltig zu gestalten. Die Ermittlung des ökologischen Fußabdrucks und der persönlichen CO2-Bilanz sind erste Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Lebensweise.

Eine wichtige Grundlage ist der nachhaltige Einkauf, wenn Anbau- und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln und Kleidung berücksichtigt werden. Gesunde und ausgewogene Mahlzeiten mit viel Gemüse und wenig Fleisch sind nachhaltig, wenn sie aus Grundnahrungsmitteln selbst gekocht werden, die aus der Region stammen. Der Einkauf sollte nach dem Saisonkalender erfolgen und Bioprodukte in den Vordergrund stellen. Wer regelmäßig zu viel im Kühlschrank hat, wirtschaftet nicht nachhaltig. Beim Einkauf von Fisch ist es wichtig, um welche Art es sich handelt und wo er herkommt. Zwei Zeichen, das MSC-Siegel für Wildfisch und das Naturland-Zeichen für Zuchtfisch weisen auf Fische hin, die unter akzeptablen Bedingungen gefangen wurden. Das Fairtrade-Zeichen weist auf Produkte hin, die unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten fair produziert wurden. Der Kauf von Shirts aus Bio-Baumwolle und FairTrade-Kleidung hilft bei der Nachhaltigkeit ebenso wie Second-Hand Ware.

Was sonst kann man noch tun, um die persönliche CO2-Bilanz zu verbessern? Die individuelle Mobilität sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß. Die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad hilft weiter. Die bewusste Nutzung umweltverträglicher Wasch- und Spülmittel schont die Umwelt ebenfalls. Bei langfristigeren Anschaffungen spielen neben der Notwendigkeit, die Langlebigkeit und der geringe Energieverbrauch eine hohe Bedeutung auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Susanne Kirsch

Solarboom in den USA

Lange Zeit hatte man den Eindruck, die USA würden in Sachen Energiepolitik zu den ewig Gestrigen gehören. Nun scheint sich das Blatt zu wenden: Ein neuer Cleantech-Boom hat die Vereinigten Staaten erfasst und könnte das Land schon 2013 zum größten Solarenergiemarkt der Welt werden lassen. Derzeit liegen die USA noch hinter der Bundesrepublik.

Einen großen Beitrag hierzu leisten neue Gesetze, die den amerikanischen Energieversorgern finanzielle Anreize setzen, große Solarfarmen zu bauen. Allein im letzten Jahr hat die Anzahl an neuinstallierten Solar-Megawatt um mehr als 25 Prozent zugenommen, dieses Jahr soll die solare Gesamtkapazität in den USA auf ein Gigawatt ansteigen.

Grund dafür ist die Rezession, die dafür gesorgt hat, dass durch das Überangebot an Solarpanels die Preise um 40 Prozent gefallen sind. Aber auch staatliche Vergünstigungen haben ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Außerdem stehen Solarprojekte aus dem US-Konjunkturpaket kurz vor ihrer Umsetzung, was der Dynamik einen zusätzlichen Schub verleihen dürfte.

Auch die amerikanische Mittelschicht wird von dieser Entwicklung profitieren: Eine typische Fünf-Kilowatt-Solaranlage, die auf einem Hausdach installiert werden kann, wird in absehbarer Zeit für knapp 13.000 Dollar zu haben sein.

Auch die Energieversorger rüsten solar auf und nehmen immer mehr die steuerlichen Vergünstigungen für solare Investitionen in Anspruch. Die Aussicht, Strom zu produzieren, der sich gewinnbringend weiterverkaufen lässt, kann hier als Hauptgrund für die Investitionsbereitschaft der Industrie gewertet werden.

Auch ohne eine gesetzliche Verankerung eines CO2-Emissionshandels in den USA noch in diesem Jahr, könnten andere Gesetzesvorhaben einen positiven Einfluss auf die Solarindustrie entwickeln. Dazu zählt die Verpflichtung für Energieversorger, erneuerbare Energien in ihren Strommix zu integrieren oder der geplante Standard für die routinemäßige Anbindung von Solarenergie an die Stromnetze. Hierfür fehlt in den USA im Gegensatz zu Deutschland bisher noch eine einheitliche, rechtliche Grundlage für alle Bundesstaaten.

Ob auch alle Solaranlagen „made in USA“ sein werden, ist indes fraglich. Ende des letzten Jahrhunderts lieferten US-Firmen noch knapp die Hälfte aller Solarmodule weltweit – heute sind es weniger als zehn Prozent. Ein wachsender amerikanischer Solarmarkt könnte diesen Trend aber wieder umkehren.

Daniel Seemann

Treibstoff der Zukunft

Unser Nachbarland Österreich setzt mit seinem Europäischen Zentrum für erneuerbare Energie (EEE) in Güssing ganz neue Akzente in Sachen Biotreibstoffe. Bereits 1990 fasste der Güssinger Gemeinderat einen monumentalen Entschluss: Der Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung zu 100 Prozent! Eine Vision, die damals nur belächelt wurde, heute jedoch die einst arme Region zu einem Vorreiter im Punkt autarke Energieversorgung macht.

Natürlich stellte das ehrgeizige Vorhaben die Güssinger immer wieder vor Probleme und Konflikte. So etwa beim Biotreibstoff, der schon seit Anfang der 90er Jahre im regionalen Rahmen produziert und genutzt wurde. Nach dem starken Anstieg der Nachfrage durch die Beimischungsverordnung von Biokraftstoffen zu fossilen Kraftstoffen, funktionierte das einst so perfekte regionale System nicht mehr. Der Druck auf die Rohstoffproduzenten wurde immer höher, die Preise ebenfalls, somit eine nachhaltige Rohstoffproduktion nicht mehr möglich und führte zum Rohstoffimport.

Die daraus entstehenden Konflikte sind wohl allen geläufig und werden immer wieder massiv diskutiert und kritisiert. Biokraftstoffe der ersten Generation stehen in starker Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion und genau hier setzt das EEE mit Partnern aus dem In- und Ausland an. Die Burgenlander haben mit synthetisch hergestellten Biokraftstoffen eine Alternative mit enormem Wirkungsgrad gefunden, die nicht mit der Nahrung konkurriert.

Synthetische Treibstoffe, die aus Biomasse gewonnen werden, basieren auf Abfallprodukten aus Land- und Forstwirtschaft und kommen daher nicht in Konflikte mit Nahrungsmitteln und Anbauflächen. So wird beispielsweise beim Weizenanbau das Korn selber für die Nahrungsmittelproduktion genutzt und der Rest der Pflanze kommt als Abfallprodukt der Treibstoffproduktion zugute.

Die Produktion von synthetischen Treibstoffen der zweiten Generation erfolgt in Europa derzeit allerdings auf zwei unterschiedlichen Strategien. Wo Shell, VW und Mercedes den Weg der Großanlagen gehen, die mit der Problematik von Wirkungsgrad (40 Prozent) und Biomasselogistik zu kämpfen haben, geht Güssing den Weg des geringsten Widerstandes. Mit dezentralen Kleinanlagen erzielen sie einen Wirkungsgrad von 85 Prozent und umgehen den logistischen Aufwand durch die kurzen Anlieferungswege der örtlichen Produzenten. Ein weiterer Vorteil des Güssinger Modells fällt zudem ins Auge und macht es so einzigartig.

Durch biologische Vergasung der Energiepflanze, dessen Reinheitsgehalt noch über dem fossiler Treibstoffe liegt, wird ein Produktgas erzeugt, aus dem in der Güssinger Forschungsanlage durch weitere Syntheseprozesse flüssige und gasförmige Treibstoffe erzeugt werden können. Das „nebenbei“ gewonnene Gas kann ins Erdgasnetz eingespeist werden und lässt sich so beliebig weitertransportieren, was wiederum den hohen Wirkungsgrad erklärt. Mit dieser Umwandlungsmöglichkeit von Biomasse in ein Produkt-Gas können demnach sämtliche für die Region nötigen Energieformen erzeugt werden.

Experten sind sich dabei einig, dass die Treibstoffe der zweiten Generation die biologischen in naher Zukunft ersetzen werden, ob sich dabei das Güssinger oder das Europäische System durchsetzt, wird sich zeigen.

Judith Schomaker

Sonnenkraft nach Atomkraft

Auf den ersten Blick erscheint es wenig erfreulich, dass das 1990 abgeschaltete DDR-Kernkraftwerk in Lubmin, auch bekannt als Kernkraftwerk Nord oder Kernkraftwerk Greifswald, in diesem Jahr wieder ans Netz gehen soll. Dahinter verbirgt sich allerdings ein symbolträchtiger Schritt in Richtung erneuerbare Energien, denn wo bis vor 20 Jahren mit Kernspaltung Strom erzeugt wurde, wird das in Zukunft durch Solarkraft erfolgen.

Dafür werden Solarmodule an Dächern und Fassaden von vier der ursprünglich acht Reaktorblöcken angebracht. So soll bereits ab Mitte des Jahres eine Gesamtleistung von etwa 1.400 Kilowatt erreicht werden – genug um 320 Haushalte mit je vier Personen mit Ökostrom zu versorgen.

Betreiber der Solaranlage ist die Solar Lubmin GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen der WV Energie AG und der Berliner Dachland Fotovoltaik GmbH, die auch der Mehrheitseigner ist. Außerdem war an der Initiierung die bundeseigene EWN Energiewerke Nord GmbH beteiligt. Sie war als Eigentümer des AKWs für dessen Rückbau verantwortlich, der seit Herbst 2009 so gut wie abgeschlossen ist.

Das dafür vom Bund zur Verfügung gestellte Budget deckte allerdings nur die Kosten für die Entsorgung der Atomtechnik selbst, der aufwändige Abriss der massiven Stahlbetonruinen müsste vom Land finanziert werden. Mit der Nutzung der Fassade für Solarzellen ist es den Energiewerken Nord auf geschickte Art gelungen diese Kosten zumindest teilweise zu umgehen.

Doch nicht einmal das Hintergrundwissen darüber, dass es wohl auch hier vorrangig um wirtschaftliche Interessen geht, vermag mir das leuchtende Bild eines mit Solarzellen übersäten Atomkraftwerkes zu trüben.

Matthias Schaffer

Energetische Sanierung

Besonders Altbauten verfügen meist nicht über eine besonders gute energetische Qualität. Viele Gebäude älteren Baujahres fehlt es an effektiver Dämmung von Dach und Wänden, die Fenster sind nach neuen Gesichtspunkten wahre Energieverschwender und die veralteten Heizungsanlagen sind gemessen an den stetig steigenden Energiekosten die reinsten Groschengräber. Mit durchdachten Modernisierungsarbeiten am Eigenheim nach energetischen Aspekten können dabei nicht nur die Kosten für den Energieaufwand erheblich reduziert, sondern gleichzeitig der Marktwert der Immobilie und der eigene Wohnkomfort gesteigert werden.

Die Kosten für eine Modernisierung nach solchen Gesichtspunkten werden zudem durch ein gutes Finanzierungskonzept minimiert und schnell amortisiert. Meist lassen sich die jährlichen Tilgungsraten von den eingesparten Energiekosten abtragen, wobei es selten sinnvoll ist, die Altbausanierung aus angespartem Eigenkapital zu finanzieren, zu günstig sind die Kredite im Rahmen des KfW-Förderprogramms für Gebäudemodernisierungen. Und ist die Investitionssumme erst einmal durch die geringeren Energiekosten gedeckt, so fließen alle anderen Einsparungen direkt in die Tasche des Eigentümers.

Dabei muss es nicht gleich eine Komplettsanierung des Gebäudes sein, schon kleine bauliche Sanierungsmaßnahmen können die Energiekosten deutlich reduzieren. Empfehlenswert ist vorab eine gründliche Analyse der Bausubstanz unter Berücksichtung des energetischen Zustandes, natürlich spielt auch der finanzielle Rahmen eine große Rolle bei den geplanten Baumaßnahmen.

Eine Teildämmung, etwa von Keller- oder Obergeschossdecke, sowie eine Isolierung der Rohrleitungen kann eine Energieeinsparung von bis zu 20 Prozent bringen, bei einer Energiekostensteigerung von jährlich fünf Prozentpunkten rechnen sich solche Maßnahmen dann schon nach zehn bis elf Jahren. Noch mehr Einsparpotenzial hat die Erneuerung der Heiztechnik, beispielsweise durch den Einbau einer Heizungsanlage mit Brennwerttechnik und Solarwärmeanlage. Hier sind bis zu 35 Prozent Energieeinsparung möglich, was eine noch schnelleren Amortisierungszeit zulässt. Für eine große Sanierung, bei der alle Aspekte des energetischen Modernisierens berücksichtigt werden, können gleich mehr als die Hälfte der Energiekosten eingespart werden. Je nach Höhe der Investitionssumme rechnen sich diese Maßnahmen nach 14 bis 16 Jahren und sorgen zudem natürlich für eine dauerhafte Wertsteigerung der eigenen vier Wände.

Für die genaue Ermittlung der nötigen und sinnvollen Maßnahmen sollte ein spezieller Energiefachmann zu Rate gezogen werden. Hierbei handelt es sich um qualifizierte Architekten, Ingenieure oder auch Handwerker, die durch eine zusätzliche Ausbildung zum Gebäudeenergieberater eine detaillierte Diagnose und Planung durchführen können. Schon für diese erste „Vor-Ort-Energieberatung“ können von der KfW-Bank Fördermittelbeantragt werden.

Judith Schomaker

Für dich soll’s rote Rosen regnen – faire Blumen zum Muttertag

Muttertag naht. Zu den klassischen Geschenken zählt ein Strauß roter Rosen. Wer doppelte Freude schenken möchte, sollte zu fairen Blumen greifen, die durch das Flower Label Program (FLP) zertifiziert sind.

Das FLP-Siegel ist ein Gütesiegel für Blumen aus „menschenwürdiger und umweltschonender Produktion". Es wurde 1999 von dem Kinderhilfswerk terre des hommes, der evangelischen Hilfsorganisation Brot für die Welt und FIAN (Food first Information and Action Network) zusammen mit der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt sowie Floristen und Blumenimporteuren gegründet.

Ziel ist es, sowohl die Bedingungen der Menschen auf den Blumenfarmen, als auch den Umweltschutz in der Blumenproduktion zu verbessern. So sind auf FLP-zertifizierten Blumenfarmen Kinderarbeit, mehr als 48 Stunden Arbeit pro Woche sowie hochgiftige Pestizide verboten. Gewährt werden feste Arbeitsverträge und Existenz sichernde Löhne. Darüber hinaus soll durch die Kampagne in der westlichen Welt auf die Produktionsbedingungen in den Entwicklungsländern aufmerksam gemacht werden. Durch Druck auf Handel und Produzenten sollen die Arbeitsbedingungen bei der Schnittblumenproduktion verbessert werden.

Die Deutschen stehen als Schnittblumenimporteure mit an der Weltspitze. Im Jahr 2008 wurden nach Angaben der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) für rund 1,17 Milliarden Dollar Schnittblumen importiert. Die Rose ist dabei die beliebteste Schnittblume der Deutschen.

Beim Floristen sind FLP-Blumen immer noch selten zu sehen. Dennoch lohnt es sich, danach zu fragen. Auf der Seite www.fairflowers.de hat jeder die Möglichkeit, gezielt nach Blumengeschäften zu suchen, die zertifizierte Ware verkaufen.

Wenn Sie Ihrer Mutter FLP-zertifizierte Rosen schenken, machen Sie damit nicht nur ihr, sondern auch ecuadorianischen oder kenianischen Müttern eine Freude. Um dem Klima ebenfalls eine Freude zu machen, kaufen Sie zum Muttertag am besten heimische Blumen und fragen auch am nächsten Valentinstag nach FLP-zertifizierter Ware.

Judith Kronberg

Täglich mehrere Störfälle in europäischen Atomkraftwerken

Anlässlich des Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe am 26. April veröffentlicht die Umweltschutzorganisation Global 2000 die erste Google-Map mit den Standorten aller europäischer Atomkraftwerke (AKW), die laufend die Zwischenfälle und Störfälle in den Atomkraftwerken dokumentiert. „Allein in Deutschland kommt es laut Bundesamt für Strahlenschutz durchschnittlich alle drei Tage zu einem Zwischenfall. In den vielen französischen Atomkraftwerken kommt es laut Autorité de Sûreté Nucléaire im Schnitt zu zwei meldepflichtigen Ereignissen pro Tag“, berichtet Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Sprecher von Global 2000. Die Liste der meldepflichtigen Ereignisse und die Angaben zu den Störfällen unterscheidet sich von Land zu Land je nach Qualität der jeweiligen Strahlenschutzbehörden. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein schwerer Unfall durch technisches oder menschliches Versagen passiert — oder wieder ein Super-GAU wie 1986 in Tschernobyl“, so Uhrig.

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Frischer Wind aus Fernost

Groß, größer, China. Egal was das Reich der Mitte in Sachen Energie zuletzt angepackt hat, geht es um Superlative. Auch Cleantech wird als Wirtschaftsfaktor in der chinesischen Politik mittlerweile groß geschrieben und Projekte dementsprechend geplant und umgesetzt.

Kein Wunder also, dass in China nun auch im Hinblick auf Offshore-Windenergie im ganz großen Maßstab gerechnet wird. Experten gehen davon aus, dass allein in den Wattgebieten entlang der chinesischen Küste 100 bis 200 Gigawatt Windenergie installiert werden könnten.

Den Anfang macht ein 102-Megawatt-Windpark im Yantze-Delta nahe Shanghai, ausgerüstet vom Turbinenhersteller Sinovel, der noch in diesem Monat den vollen Betrieb aufnehmen wird.

Drei weitere Windparks mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt sind für dieses Jahr geplant. Und in der Provinz Jiangsu, nördlich von Shanghai, hat die chinesische Regierung im vergangenen Jahr ein Gebiet für Offshore-Windparks mit einem Gesamtpotenzial von acht bis zehn Gigawatt ausgewiesen.

Bis 2020 wird erwartet, dass China 100 Milliarden Dollar in die Offshore-Windkraft investiert und eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt installiert haben wird, was der Leistung aller Onshore-Windräder entspricht, die sich derzeit auf Chinas Festland drehen. Davon geht man jedenfalls bei der Energieberatung Azure International in Peking aus. Das Land kann sich damit schon heute „Windenergieweltmeister“ nennen.

Der einzige Haken: Die schiere Masse an Windrädern kann nicht die im Schnitt niedrigeren Windgeschwindigkeiten gegenüber beispielweise der Nordsee wettmachen, wo der Wind ungebremst vom Atlantik her weht. In China ist dafür einfach zuviel Landmasse im Weg.

Noch ein Unterschied: In den schlammigen Wattgebieten vor Chinas Küste ist der Typus Pfeiler für die Windräder, wie er auch in der Nordsee auf offener See eingesetzt wird, nicht verwendbar. Die Pekinger Firma Shenhua Guohua Energy Investment, ein Tochterunternehmen des größten chinesischen Kohlekonzerns, entwickelt deshalb neue Stahlpfeiler für seine Windparks in Jiangsu. Statt eines einzigen Pfeilers, wie in der Nordsee verbreitet, sollen pro Windrad jeweils fünf, insgesamt 56 Meter lange Pfeiler in den Meeresboden gerammt werden, auf denen dann das Windrad selber befestigt werden soll.

Ein weiteres Problem sind die im südchinesischen Meer häufig auftretenden Taifune. Erst 2003 waren in solch einem Sturm sechs japanische Windräder bei Okinawa schwer beschädigt worden. Wobei dieser Windradtypus im Vergleich zu denjenigen, die jetzt vor Chinas Küsten errichtet werden sollen, eher klein war. Und je größer und höher die Windanlagen, umso wahrscheinlicher können auch Sturmschäden auftreten.

Daniel Seemann

"Klimaschutzschulenatlas" geht online

Wo finde ich Schulen, die Klimaschutzprojekte durchführen? Welche haben eine Solaranlage und nutzen sie, um erneuerbare Energien im Unterricht zu thematisieren? Was machen andere Schulen, um die Umwelt zu schützen? Antworten dazu gibt der "Klimaschutzschulenatlas" im Internet unter der Adresse www.klimaschutzschulenatlas.de. Das Unabhängige Institut für Umweltfragen hat eine Internetplattform entwickelt, die einen umfassenden Überblick über Klimaschutzschulen in Deutschland gibt. Diese Schulen und weitere Bildungseinrichtungen werden vom Bundesumweltministerium (BMU) mit Geldern aus der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

Gegenwärtig sind 1.516 Schulen im Atlas verzeichnet. So werden beispielsweise die Solaranlagen von 170 Schulen erfasst, die vom BMU innerhalb des Projektes "Solarsupport" mit einem Datenlogger sowie Netzwerkanbindung aufgerüstet wurden und allein im März 86.240 Kilowattstunden Strom erzeugten, was eine Einsparung von 51.744 Kilogramm CO2 bedeutet. Jede Schule kann sich auf der Startseite des Atlas registrieren. Kurz darauf erhält sie ein Login und kann mit der Gestaltung ihrer Profilseite beginnen. So soll das Netzwerk der Klimaschutzschulen stetig ausgebaut werden.

Im Atlas haben Schulen die Möglichkeit, ihre eigene Profilseite zu gestalten, um sich und ihre Projekte vorzustellen. So kann man sich von der Vielfalt an Projekten inspirieren lassen: Plakate, Unterrichtsmaterialien und Filme zum Klimaschutz, fächerübergreifender Unterricht, Tagebücher zum Ressourcenverbrauch, Energiedetektive, die an ihrer Schule Energiesparmaßnahmen umsetzen, Planung eines grünen Klassenzimmers, das durch erneuerbare Energien versorgt wird, ein Energieparcours, der über nachhaltige Energien informiert oder die Erstellung eines Energiekonzeptes für die gesamte Schule.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit