Kwirl: Green Design macht Freude

Iris Kastner, Gründerin der Designplattform "Kwirl", im Gespräch mit dem CleanEnergy Project. Die Plattform präsentiert Green Design von mehr als 60 Kreativen und Marken. Unsere Gesprächsthemen: kreative Lösungen, innovatives Design und der Designmonat in Graz.

Kwirl ist eine Anlaufstelle für etablierte Designer und junge Kreative gleichermaßen. Sie alle verbindet eine besondere Leidenschaft: Green Design. Formschöne und außergewöhnliche Entwürfe werden direkt vor Ort in Graz und Online präsentiert. Darüber hinaus ist die Boutique regelmäßig Schauplatz ausgefallener Inszenierungen.

Frau Kastner, Ihre Designboutique bietet leistbares Design, das Freude macht. Nach welchen Kriterien stellen Sie Ihr Sortiment zusammen?

Das Thema Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der Produkte, die wir anbieten. Soziales Engagement und ökologisches Bewusstsein sind Aspekte, die im 21. Jahrhundert wichtiger sind als je zuvor. Daher achten wir besonders auf die Fertigung in umweltschonenden Prozessen sowie auf die Verwendung von Recyclingmaterial.
Wir sind stolz auf jedes Produkt in unserer Boutique, das auf nachhaltiges Design setzt. Besonders liegt uns die Kooperation mit jenen Initiativen am Herzen, die über eine soziale und ökologische Ausrichtung verfügen, gleichzeitig jedoch auch die lokale Wertschöpfung erhöhen.

Stichwort: Green Design. Woher kommt Ihre Begeisterung für diese Thematik?
In meiner Auseinandersetzung mit Design habe ich mich immer wieder für ökologische Bewegungen interessiert. Green Design gibt es in manchen Ländern schon seit den 80er-Jahren, etwa Bio-Möbel oder mit Naturfarben gefärbte Textilien. "Bio" blieb aber lange Zeit ein Nischenmarkt mit zumeist hausbackenem Design oder idealistischen Recyclingkonzepten.
Schließlich wurde die Diskussion um die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns neu entfacht. Hochwertiges Design und Hightech entstaubten den Begriff "Öko". Die Farbe Grün kam wieder in Mode. Ein Umdenkprozess fand statt. Mittlerweile hat Green Design einen großen Einfluss auf die gesamte Produktwelt.

Welches ist Ihr momentanes Lieblingsstück in der Boutique?
Alle Produkte im Kwirl sind ausgewählte "Lieblingsstücke". Besonders freue ich mich über intelligente und sinnvolle Produkte lokaler Designer wie Laminote, Fluid Forms oder RE.TRA.DE.

Kwirl steht für einen offenen Umgang mit kreativen Lösungen. Was war Ihr bisher größter Erfolg mit Kwirl?

Erfolg ist immer eine höchst subjektive Angelegenheit. Kwirl hat viele Teilerfolge, die zum großen Ganzen führen. Jede neue Design-Entdeckung, die Kundenakzeptanz und die darauffolgende Rezeption ist ein großer Erfolg.
Auch die wirtschaftliche Bestätigung als Unternehmen mit dem dritten Platz beim Wettbewerb "Unternehmerin des Jahres 2008" zählt dazu. Kooperationen mit Weltfirmen wie Melissa Plastic Dreams und die damit zusammenhängende Akzeptanz von Zaha Hadid Studio und Vivienne Westwood Studio für den Exklusivverkauf ihrer Schuhmodelle sind wichtige Teilerfolgen, die das Gesamtpaket ausmachen.

Im Mai findet der Designmonat in Graz statt. In welcher Form beteiligt sich Kwirl daran?

Kwirl präsentiert die junge Designergruppe Breaded Escalope. Die gesamte Arbeitsweise des Wiener Designlabels überzeugt durch ihre Aussage und ihre Persönlichkeit. Schönheitsattribute werden dabei überwunden. So entstehen konzeptionelle Lösungen, die schlichtweg überzeugen.
Bei zwei Performances vor Ort werden Breaded Escalope aus flüssigem Bioresin fertige Objekte mixen - in diesem Fall den Grazer Uhrturm.

Frau Kastner, herzlichen Dank für das Gespräch.

Unser Tipp: Der Onlineshop von Kwirl bietet eine Vielzahl origineller Designstücke, die durch ihre Funktionalität und Originalität gleichermaßen überraschen.

Joachim Kern

Alles ist vergiftet: Der Film „Plastic Planet“

Wie sang noch vor ein paar Jahren der Hamburger Hip-Hopper Jan Delay: „Dennis mag kein Tofu, denn das ist vergiftet. Und Matt mag keine Buffalos, denn die sind vergiftet.“ Damals hörte sich das irgendwie ironisch an.

Doch es stimmt wirklich. Jedenfalls wenn man die Welt zu Gesicht bekommt, die der österreichische Regisseur Werner Boote dem Zuschauer in seinem Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (Kinostart: 25. Februar) zeigt.

Wer erinnert sich nicht an die Tupperware-Parties unserer Eltern, an Quietscheente und Trockenhaube? Wir sind eben alle Kinder des Plastikzeitalters.

Die Menge an Kunststoffen, die wir in den letzten 100 Jahren produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken. Der Film zeigt dem Zuschauer eine Welt, die ohne Plastik nicht mehr existieren kann, aber gleichzeitig mit den Problemen und Risiken dieser Kunststoffe zu kämpfen hat.

Weltweit werden pro Jahr bis zu 240 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon landen 6,4 Millionen Tonnen in den Ozeanen. Bis zu 18.000 Plastikteile schwimmen inzwischen auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Wale, Delfine und Schildkröten verletzen sich an Müll und ertrinken qualvoll. Auch in der Nord- und Ostsee gefährdet Plastik die Tierwelt. Seevögel und Fische verhungern mit den Mägen voller Plastik.

Der Film stellt uns ausführlich alle gefährlichen Stoffe vor, die in Plastik enthalten sind: Phthalate, sogenannte Weichmacher, wie sie in PVC, Textilien, Kosmetik- und Arzneimitteln vorkommen. Bisphenol A, Ausgangsstoff für den Kunststoff Polycarbonat, der zur Herstellung von CDs, Babyfläschchen oder Lacken für die Beschichtung von Konservendosen und Folienverpackungen verwendet wird. Und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die überwiegend bei der Verbrennung fossiler Energieträger mit den Abgasen in die Luft gelangen.

Sie haben gefährliche Folgen, auch für den Menschen. Einige dieser Stoffe wirken wie Hormone und rufen Unfruchtbarkeit, Übergewicht und Diabetes hervor. Andere stören nicht nur die Sexual-, sondern auch die Gehirnentwicklung oder sind nachweislich krebserzeugend.

Nicht alle sind im Kunststoff chemisch gebunden und können daher daraus entweichen. Aufgenommen werden sie über in Plastik verpackte Nahrung, über Konsumprodukte aller Art, die Plastik enthalten, die Innenraumluft, den Hausstaub oder den Kontakt mit Spielzeugen. „Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken!“, so ist auf der Internetseitedieses Ökothrillers zu lesen.

Doch es gibt auch Alternativen, auf die der Film hinweist. Atmungsaktive Frischhaltebeutel und Flaschen aus natürlichem Kunststoff, der auf Basis nachwachsender Pflanzen hergestellt wurde und zu 100Prozent biologisch abbaubar ist. Oder Schwimmkissen aus Baumwolle, die auch Salz-, Chlor- und Thermalwasser abkönnen.

Die Quintessenz des Films ist leider eher deprimierend: Auch wenn wir jetzt anfangen, nur noch Bio-Plastik herzustellen, wird es 500 Jahre dauern, bis unsere Welt wieder plastikfrei sein wird. Eine Aufgabe also, die noch viele Generationen nach uns beschäftigen wird.

Daniel Seemann

München elektrisiert – sich selbst und andere

Neues vom e-Monday – dem Münchner Stammtisch für Elektromobilität

Tesla testen - Vater des Smart -  Ab 2020 fährt jedes zweite Fahrzeug mit Elektroantrieb

Die Münchner haben sich den letzten Montag im Monat gemerkt und kamen zahlreich. Es gab über 100 Anmeldungen aus der gesamten Region und die private Initiative etabliert sich als fester Treffpunkt. Leider oder zum Glück konnten dann doch nicht alle erscheinen, denn der Saal platzte auch so aus allen Nähten.

Besonderer Gast des Abends war Professor Johann H. Tomforde, der „Vater des Smart“. Er hat sich, nachdem er am Nachmittag vom e-Monday hörte, zu einer kurzen Stippvisite entschlossen und wir haben uns sehr über seinen Besuch gefreut.

Die gesamte Teilnehmerschaft war bunt gemischt. Bekannte Gesichter und neue Wissbegierige, Damen wie Herren, Junge wie Erfahrene, aus Politik, Forschung und Wirtschaft rund um die „Elektrische Mobilität“. Die beiden Initiatoren werden für das dritte Netzwerktreffen am 31. Mai vermutlich über einen größeren Saal nachdenken müssen, um dem herrschenden Andrang und regen Interesse gerecht werden zu können.

Ein Highlight des Abends war ein Kurzreferat von Dr. Jan Traenkner. Er ist Mitverfasser einer Studie zum Markt elektrisch angetriebener Fahrzeuge. In ihrer Arbeit unter dem Titel „Zum E-Auto gibt es keine Alternative“ stellen die Autoren sieben Thesen auf, die in sich schlüssig und nachvollziehbar sind. Wie Jan Traenkner und seine Kollegen zu ihren Beurteilungen und Aussagen kommen, lesen Sie in Kürze in einem Interview mit ihm. Die Kernaussage und Thesen sind:

Im Jahr 2020 hat jedes zweite neue Fahrzeug einen Elektroantrieb.

1. Spätestens in zehn Jahren ist das E-Auto ein Massenprodukt
2. Das E-Auto startet jetzt und heute als neues Lifestyle-Produkt
3. Das Elektroauto ist keine Produktvariante – es ist ein Systemwechsel
4. Das Elektroauto benötigt keine kostspielige Infrastruktur zum Erfolg
5. Die vorhandene E-Auto-Technologie ist bereits „gut genug“
6. Die Batteriekosten sind 2015 auf einem massentauglichen Niveau
7. Die Elektrifizierung der Autos ist zwingend und alternativlos

Doch wann und wie wird das E-Auto wirklich zu einem Massenprodukt? Welche Berechtigung haben batteriebetriebene Elektrofahrzeuge – ökonomisch wie ökologisch – im Individualverkehr und wie schnell werden sie sich durchsetzen können? Bain & Company, Initiator der Studie, beleuchtet die Marktchancen, die ökologische Berechtigung sowie die ökonomische Machbarkeit der Elektrifizierung und analysiert die Herausforderungen, vor denen die Automobilindustrie heute steht.

Auch der praktische Wert des e-Monday stellte sich heraus. Die Frage im März, wer denn mit einem Elektro-Fahrzeug gekommen ist, hat Tim Ruhoff von Next Generation Mobility wörtlich genommen und gleich einen Tesla mitgebracht. Er lud die Teilnehmer zu einer kurzen “Erfahrung” mit dem außergewöhnlichen Sportwagen ein. Der „Eye-Catcher“ der repräsentativ vor dem „Weissen Brauhaus“ geparkt war, stieß auch bei allen Passanten auf großes Interesse und initiierte gleich eine rege Diskussion in der Öffentlichkeit.

Rundum, es war wieder ein gelungener Abend. Interessante Gespräche zu einem gemeinsamen Ziel: Wir mobilisieren unsere Zukunft - elektrisch

Bis nächsten e-Montag dann! Aber bitte vorher anmelden.

Jan Glänzer

Flugverbot ermöglicht Rückschlüsse auf Umweltauswirkungen des Luftverkehrs

Das nach dem Ausbruch von Eyjafjallajökull in weiten Teilen Europas verhängte, viertägige Flugverbot gibt Wissenschaftlern Gelegenheit, die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs zu analysieren. Während die Forscher für ihre Untersuchungen bisher auf Modellrechnungen und Computersimulationen zurückgreifen mussten, liegen ihnen nun genaue Daten vor.

So soll, laut Zeit Online, an den Startbahnen des Frankfurter Flughafens die Schadstoffbelastung durch Stickoxide, Schwefel und Feinstaub während der Zwangspause scheinbar nur minimal gesunken sein. Wer nun allerdings meint, das wäre auf geringe Schadstoffemissionen durch Flugzeuge zurückzuführen, hat weit gefehlt. Offenbar vermischen sich die von Flugzeugen ausgestoßenen Schadstoffe einfach nur schnell mit den in der Umgebungsluft bereits vorhandenen Abgasen.

Ein weiterer Punkt, dem sich die Wissenschaftler noch widmen wollen, ist die Frage, inwiefern der Luftverkehr das Klima beeinflusst. Denn die von den Triebwerken (durch Abgabe von Wasserdampf, Ruß und Feinstaub) produzierten Kondensstreifen stehen im Verdacht, die Bildung von Zirruswolken zu fördern. Diese reflektieren tagsüber das Sonnenlicht, wodurch ein kühlender Effekt eintritt. Nachts lassen sie dagegen die Wärme der Erde nicht entweichen und sorgen so für geringere Temperaturtiefstwerte. Die Forscher erhoffen sich nun Aufschluss über mögliche Zusammenhänge.

In den USA wurden derartige Untersuchungen schon 2001, während des dreitägigen Flugverkehrsstopps nach den Terroranschlägen vom 11. September, durchgeführt. Wissenschaftler kamen damals zu dem Ergebnis, dass durch Flugzeuge verursachte Kondensstreifen die Differenz zwischen der Tageshöchsttemperatur und dem nächtlichen Tiefstwert im Durchschnitt um 1,1 Grad Celsius verringern.

Dieser Trend sei für die meisten Ökosysteme nicht gesund, hieß es damals von Seiten der Wissenschaftler. Fast alle Tier- und Pflanzenarten seien auf bestimmte Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht eingestellt. Vor allem schwächere Arten würden unter der schwindenden Temperaturdifferenz leiden.

Corinna Lang

Ausblick auf die Klimaziele

Bis zum 31. Januar 2010 sollten die UN-Länder ihre Reduktionsziele und Klimapläne dem UN-Klimasekretariat vorlegen, so wurde es auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen vereinbart. 55 Länder hielten den Termin ein und legten ihre Vorschläge zur Treibhausgasreduktion bis 2020 vor, darunter auch die beiden schlimmsten CO2-Emittenten China und USA. Auffallend ist, dass gerade die Schwellenländer teilweise sehr hoch gesteckte Klimaschutzmaßnahmen aufführen, kein Wunder, denn zumindest in einem Punkt besteht schon jetzt Einigkeit – die Aufgeführten Maßnahmen sind freiwillig.

Doch auch innerhalb der EU, die immerhin eine Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes bis 2020 um 30 Prozent anstrebt, tritt man auf der Stelle. Hier wird ganz nach dem wenn-dann-sonst Prinzip verfahren und hoch gepokert. Der gerade beschlossenen Entwurf zur „Strategie 2020“ soll nur dann zum Tragen kommen, wenn sich auch andere Industrieländer zu ähnlichen Reduktionszielen verpflichten wie die EU-Staaten, ebenso sollen die Entwicklungsländer, ihren Möglichkeiten entsprechend, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dass diese Voraussetzungen nicht so schnell erfüllt werden, hat schon der vorangegangene Klimagipfel klar gezeigt.

In den Reduktionszielen der einzelnen Industrieländer wird die Verringerung der Emissionen nämlich eher verhalten angestrebt. Die Chefetage der EU zieht sich mit ihrem Verhalten somit auf eine ganz geruhsame Position zurück. Zwar verkünden sie immer wieder, dass sogar auf 30 Prozent erhöht werden solle, doch nur dann, wenn auch die anderen Länder ihre Ziele ähnlich hoch stecken würden. Genauso steht es um die Klimahilfen für die Entwicklungsländer, auch hier wird nur gezahlt, wenn die anderen Industrieländer mitziehen. Dieses Verhalten wird sodann als diplomatischer Druck bezeichnet, damit auch die anderen Länder an ihre Verpflichtungen erinnert werden und ihren Beitrag leisten. Im Kindergarten würde man wohl eher von dickköpfigem Verhalten sprechen, als dieses Verhalten als Diplomatie zu titulieren.

Das sieht wohl auch die USA ganz ähnlich. Schon zum Earth Day sollte das US-Klimagesetzt präsentiert werden. Eine Verlegung auf den gestrigen Montag und letztendlich eine komplette Streichung des Termins verdeutlichen nur das, was sich bereits beim Weltklimagipfel abzeichnete – es gibt wichtigere Dinge, die den Klimabemühungen vorgezogen werden. In den USA ist es die Einwanderungsreform und in der EU eben die Starrköpfigkeit.

Judith Schomaker

CO2-fressendes Wunderauto

Es hört sich an wie ein weiterer Versuch der Quadratur des Kreises: Auf dem Expo-Pavillion “Take a drive to 2030?“ in Shanghai will China in diesem Jahr eine Konzeptstudie für das erste CO2-fressende Auto präsentieren. “Yi Zi” - was übersetzt so viel wie “Blatt” bedeutet - heißt das wundersame Gefährt auf Chinesisch, produziert wird es von der Shangai Automotive Industry Corporation. Das Ziel des Herstellers ist laut Pressemitteilung kein Geringeres als „die Vermischung von Auto und Natur“.

Wie das gehen soll? Ganz einfach: Man nehme einen Satz Reifen aus Miniatur-Windrädern, die vom Fahrtwind angetrieben werden. Dann klebe man einige Solarzellen auf das wie ein gewöhnliches Blatt aussehende Dach, die das Sonnenlicht während der Autofahrt einfangen.

Und zum Schluss installiere man eine Mini-Brennstoffzelle in den Motorraum. Diese wiederum fängt Kohlendioxid und Wassermoleküle aus der Luft ein und setzt mithilfe von Mikroorganismen Elektronen frei. Eine Art Mini-Biogasanlage sozusagen. Mit allen drei Energieformen wird elektrische Spannung erzeugt, die die Lithium-Batterie des Gefährtes auflädt und das Auto selbst, die Autobeleuchtung und die Klimaanlage antreibt – fertig ist das Wunderauto.

Dabei entstehen nicht nur „Null Emissionen“, sondern sogar „Negative Emissionen“: Das Wunderauto erzeugt nicht nur keine CO2-Emissionen, sondern säubert auch noch die Luft davon, durch die es fährt, indem es mit seinem metallisch-organischen Fahrgehäuse (Metal-Organic Framework, MOF) das CO2 absorbiert. Außerdem wird über mikrobielle Treibstoffzellen und durch die Hinzugabe von Wasser daraus Methan in Benzin umgewandelt, der übrig bleibende Sauerstoff wird in die Atmosphäre entlassen.

Alles in allem also ein Projekt, das scheinbar einige physikalische Gesetze in den Schatten stellt und die wildesten Träume aller Elektroauto-Fans vereint. Nur, das Auto muss natürlich erst noch seinen Praxistest auf der Straße bestehen. Und dazu wird es frühestens 2030 kommen. Wir dürfen also gespannt sein, müssen uns aber weiterhin in konfuzianischer Geduld üben.

Daniel Seemann

Almeria, das Herz der spanischen Solarenergie

In Deutschland wird europaweit der meiste Solarstrom erzeugt, doch das Herz der europäischen Solarbranche befindet sich nicht in Deutschland, sondern in Spanien. Im andalusischen Almeria wird seit 1978 von einem internationalem Wissenschaftlerteam an der Nutzung von Solarenergie geforscht. Auf mehreren Versuchsfeldern - mit jeweils 500 Kilowatt Leistung - werden unter anderem Speichermedien getestet, die Sonnenergie auch nachts speichern.

Seit 1982 forschen auch das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das CIEMAT (Centro de Investgaciones Energéticas, Medioambientales y Tecnológicas) zusammen an der Speicherung von Solarenergie. Auf der Plataforma Solar de Almeria (PSA) - dessen Symbol der 83 Meter hohe Solarturm mit Namen Central Termosolar de Almeria (CESA-1) ist - befinden sich ihre Testanlagen.

CESA1 wurde 1983 vom spanischen Ministerium für Industrie und Energie gebaut und steht in Mitten von 300 Spiegeln. Mit der Anlage wurde zunächst über einem Wasser/Dampf-Receiver Sonnenenergie gespeichert. Diese Art der Speicherung erwies sich jedoch als uneffektiv. Nach einem Brandunfall bei Wartungsarbeiten wurde die Anlage neu aufgebaut und ein neuer Wärmespeicher eingesetzt. Auf der Suche nach dem besten und nachhaltigsten Speichermedium für Solarenergie wurde hier erstmals Salz erfolgreich getestet. Doch der Einsatz war wirtschaftlich noch nicht tragfähig, daher wurde nach weiteren Möglichkeiten geforscht.

Im Jahr 2007 gelang es der DLR, einen Dampfspeicher zu entwickeln, der den Dampf viele Stunden speichern und nachts wieder abgeben kann. Dieser Dampfspeicher wurde ermöglicht durch das EU-Projekt Energy Storage for Direct Steam Solar Power Plants (DISTOR). Für das Projekt wurde ein 100 Kilowatt-Speicher aus mehreren Schichten Graphitfolie und Latentwärmespeichermaterial aufgebaut, dem bis zu 200 Grad Celsius heißer Dampf entnommen werden kann, um eine Turbine anzutreiben und die Netzeinspeisung auch nachts vorzunehmen. Nach Aussage der DLR ist diese Methode wirtschaftlich und für Solarparks umsetzbar.

Doch Salz wird auch weiterhin als Speichermedium genutzt. Ein Jahr nach dem Erfolg der Dampfspeicherung durch die DLR in Almeria, gelang Forschern in Kalifornien die Speicherung von Sonnenergie in einem sogenannten Power Tower. Der Power Tower enthält einen Tank, der mit flüssigem Salz gefüllt ist und die Sonnenenergie über Nacht speichern kann.

Durch die Erfindung dieses Flüssigsalzspeichers und der DISTOR-Anlage in Almeria ist der Solarforschung der Durchbruch im Hinblick auf das Problem der dauerhaften Verfügbarkeit der Solarenergie gelungen. Sie ermöglicht es, neue Solarkraftwerke zu bauen, mit denen viel mehr Energie erzeugt werden kann, als in den kleinen Testparks bisher. Zusätzlich macht die Technologie die Nutzung der Solarenergie nun auch wirtschaftlich. Gleich mehrere große Solarparks im spanischen Granada sind Beispiele für die positive Entwicklung.

So sollen die drei Andasol-Projekte nach ihrer Fertigstellung zusammen etwa 150 Megawatt Leistung aufweisen und zirka 600.000 Haushalte mit Strom versorgen. Die Andasol-Kraftwerke werden nach der Fertigstellung 2011 die größten Parabolrinnenkraftwerke weltweit sein. Das macht sie aber noch nicht besonders. Das besondere dieser Kraftwerke sind nicht nur die Parabolrinnen, sondern auch die Speicherung von Sonnenergie im großen Stil. Hier kommt der Flüssigsalzspeicher zum Einsatz. Zwei Tanks mit einem Fassungsvermögen von 28.500 Tonnen Flüssigsalz speichern die Sonnenenergie und speisen sie für durchschnittlich 7,5 Stunden über Nacht ins Netz ein. Das Flüssigsalzgemisch besteht aus 60 Prozent Natriumnitrat (NaNO3) und 40 Prozent Kaliumnitrat (KNO3).

Mit der Einweihung im Jahr 2008 ist mit dem Solarpark Andasol I die Solarenergie auch nachts für eine große Anzahl Haushalte verfügbar. Neben spanischen Firmen war auch ein deutsches Unternehmen aus Erlangen an dem Bau beteiligt: Die Solar Millenium AG produzierte und lieferte die Turbine für das Kraftwerke, die über Nacht mit der gespeicherten Solarenergie in den beiden Flüssigsalztanks angetrieben wird. Mit der Fertigstellung aller drei Andasol-Projekte will Spanien seine Klimabilanz bis 2012 verbessern. Die Projekte werden wiederum von der EU gefördert.

Mit dem Bau der Solarparks verfolgen die Spanier ein ehrgeiziges Ziel, denn zwischen 1990 und 2005 erhöhte sich aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs des iberischen Landes der Kohlendioxidausstoß um 53 Prozent. Um den Mehrbedarf an Energie zu decken wurde auch in Spanien schon in die Atomenergie investiert. Daher werden den Solarparks und der Solarforschung in Spanien von allen Befürwortern der erneuerbaren Energien besondere Hoffnungen beigemessen, um nicht wie das Nachbarland Frankreich von der Atomenergie abhängig zu werden.

Matuzalem Rodriguez

Spezieller Zusatz für Motorenöl entlastet Umwelt

Individuelle Mobilität – darauf möchte keiner wirklich verzichten. In Großstädten mit ausgebautem ÖPNV bedeutet der Verzicht auf ein eigenes Auto zwar kaum größere Einschränkungen – hier lebt in Deutschland etwa ein Drittel der Haushalte ohne blechernen Untersatz. Doch bereits in den Vororten erleichtert der private Pkw so manchen Ausflug.

Dass unsere Autos eine große Belastung für die Umwelt darstellen, steht außer Frage. Doch umweltfreundlichere Alternativen zum Diesel oder Benziner können momentan leider preislich noch nicht mithalten oder sind von der Serienreife weit entfern. Der Ersatz eines alten Spritfressers durch einen verbrauchsärmeren Neuwagen – wie es die Abwrackprämie von 2009 vorsah - macht bezüglich der CO2-Bilanz während der Nutzungsphase zwar Sinn. Doch sobald der zusätzliche Umweltverbrauch des gesamten Lebenszyklus mit in die Berechnung einbezogen wird, fällt das Ergebnis gleich schlechter aus.

Eine interessante Möglichkeit, die Umweltbelastung seines Fahrzeugs zu senken, bietet ein seit drei Monaten auf dem Markt befindlicher Ölzusatz für Motoren. „Djinn-MotorPower“ besteht aus 98 Prozent Keramikteilchen in zwei Prozent Öl und wird, im Verhältnis zur Füllmenge, dem Motorenöl zugegeben. Die fein verteilten Keramikteilchen setzen die Reibung an den Verschleißteilen herab und verringern zusätzlich den Geräuschpegel.

Der Hersteller, der sein Produkt aktiv über sechs Monate getestet hat, verspricht mit seinem „Motorgeist“ eine Senkung des Spritverbrauchs um bis zu 15 Prozent, bei gleichzeitiger Erhöhung der Lebensdauer des Motors. Neben einer Herabsetzung der Ölwechselintervalle sollen sich auch die Motorleistung, die Motorelastizität sowie das Kaltstartverhalten verbessern.

Nicht nur bei Autos findet die „Djinn-Technologie“ Verwendung. So kann, laut Hersteller, der Ölzusatz in allen Vier-Takt-Motoren verwendet werden – vom Pkw, Lkw, Motorrad und Roller über Busse und Schiffe, bis hin zu Baumaschinen, Kettensägen und Traktoren.

Corinna Lang

Zukunft der Speichertechnologien: Erdgas aus Ökostrom

Deutschen Wissenschaftlern gelang es, Ökostrom in Erdgas umzuwandeln. Das könnte ein wichtiger Erfolg auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbaren Energien sein. Neben der Lösung des Speicherungsproblems von Ökostrom weist das Verfahren auch zahlreiche andere Vorteile auf.

Wissenschaftler des Stuttgarter Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) sowie des Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) aus Kassel haben ein Verfahren entwickelt, mit dem man Strom aus erneuerbaren Energien in Methan umwandeln kann.

Bei dem Verfahren wird mit der Energie des Stroms zunächst Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespaltet. Anschließend verbindet sich der Wasserstoff mit Kohlendioxid zu Methan. In Stuttgart ist bereits eine Testanlage in Betrieb.

Das Methan weist gegenüber dem Ökostrom eine Reihe von Vorteilen auf. Zum einen lässt es sich gut speichern. Mit dem Erdgasnetz besteht bereits eine gut funktionierende Infrastruktur, die auch große Speicherkapazitäten aufweist. Strom lässt sich derzeit hingegen kaum speichern. Schon gar nicht in den Mengen, die in einer Zukunft mit 100 Prozent erneuerbaren Energien nötig wären, um beispielsweise Windflauten auszugleichen. Entsprechend stellt das Verfahren eine gute Alternative beziehungsweise Ergänzung zu Pumpspeicherkraftwerken und Batterien in strombetriebenen Fahrzeugen dar.

Zu anderen ist Gas im Gegensatz zu Strom auch geeignet, um den Wärme- und Mobilitätssektor mit ausreichend Energie zu versorgen. Strom ist dazu nur bedingt in der Lage. Zwar rücken Elektroautos langsam auf den Markt, allerdings ist die begrenzte Reichweite ein bisher ungelöstes Problem. Das Erdgastankstellennetz hingegen ist bereits relativ gut ausgebaut. Die Wärmeversorgung mit Gas ist seit langem etabliert. Zudem lässt sich in Erdgaskraftwerken auch wieder Strom erzeugen.

Die Speichertechnologie sollte aufgrund dieser Vorzüge im Auge behalten werden. Auch wenn bei der Umwandlung von Strom zu Methan etwa ein Drittel der nutzbaren Energie verloren geht.

Oliver Hölzinger

Die Grenzen des Denkens

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, in puncto Wirtschaft, Politik oder Umweltschutz Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen, die wirkungsvoll sind und gegebene Missstände spürbar verbessern? Und weshalb führen offensichtlich nahe liegende Ansätze nicht zwangsläufig zur Lösung von Problemen?

Die Antwort ist einfach und doch nicht leicht: Weil wir erst lernen müssen, unser Denken an die komplexen Systeme, in denen wir leben, anzupassen. Eine Einführung in systemisches Denken liefert Donella H. Meadows’ Buch „Die Grenzen des Denkens – Wie wir sie mit System erkennen und überwinden können“.

Auf leichtverständliche Weise bietet Meadows Einblicke in die Systemtheorie sowie Systemanalyse und gibt Hilfestellung für die Gestaltung einer besseren Zukunft.

Mit zahlreichen Beispielen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie verdeutlicht die Autorin die Vielseitigkeit und Funktionalität von Systemen. Schematische Wirkungsgefüge und Diagramme veranschaulichen dabei die Ausführungen. Außerdem lockern so genannte „Zwischenspiele“ aus Geschichten und Anekdoten die Materie auf.

Donella (Dana) H. Meadows beendete bereits 1993 den Entwurf des Buches. Das Manuskript blieb damals jedoch unveröffentlicht. 2001 starb Meadows unerwartet. Sieben Jahre später beschlossen Mitarbeiter des Sustainability Institute in Hartland, USA, das Manuskript posthum zu veröffentlichen. Die deutsche Ausgabe erschien Anfang 2010 im oekom verlag, München.

Bekannt wurde Dana Meadows als Mitautorin der 1972 erschienenen Studie „Die Grenzen des Wachstums“. Der im Auftrag des Club of Rome erstellte Bericht legt dar, wie ein anhaltendes Bevölkerungs- und damit verbundenes Konsumwachstum, Öko- und soziale Systeme erheblich beeinträchtigen können.

Corinna Lang

Auf Bio-Reifen in die Zukunft

Sie sind eher unscheinbare Geschöpfe, aber in ihrer Produktivität von chemischen Verbindungen unerreicht: Die Einzeller. Bisher bekannt für Ihre Schaffenskraft im Bereich von Kraftstoffen und Medikamenten, sollen sie jetzt auch bei der Gummiproduktion eingesetzt werden, genauer gesagt zur Herstellung eines Ersatzstoffes für Isopren, dem Ausgangsstoff für Reifengummi.

Für sein Vorhaben, Reifen aus Synthetikkautschuk auf Basis erneuerbarer Biomasse herzustellen, hat sich das Unternehmen Goodyear mit Genencor, einer Tochter des französischen BioTech-Spezialisten Danisco, zusammengetan. Auch BMW und das Forschungsunternehmen Novamont sind bei diesem Vorhaben mit im Boot.

Vorgestellt wurde das neue Verfahren vor kurzem auf dem Jahrestreffen der American Chemical Society in San Francisco. Die Genencor-Forscher konnten den Stoffwechsel der genetisch umprogrammierten Kolibakterien so verbessern, dass sie größere Mengen Zucker in einen Werkstoff namens „BioISoprene“ umwandeln. Nun erwägt Genencor, im kommenden Jahr eine Pilotanlage zu bauen, um erste Reifen-Prototypen herzustellen. Zusammen mit Goodyear entwickelt das Unternehmen derzeit ein integriertes Produktionssystem, ab 2013 sollen die ersten Serienprodukte auf den Markt kommen.

Bislang bestehen die meisten Reifen überwiegend aus Ruß und Silikaten, deren Herstellung nichterneuerbare Stoffe wie Rohöl erfordert und damit CO2-Emissionen verursacht. Der neuartige Werkstoff soll helfen, schädliche Auswirkungen auf die Umwelt bei der Reifenherstellung durch den Einsatz erneuerbarer Rohstoffe zu minimieren.

Natürlich ist das Vorhaben nicht uneigennützig: Goodyear will die eigene Reifenproduktion von Ölderivaten unabhängiger machen. Weltweit werden im Jahr schätzungsweise knapp 800.000 Tonnen Isopren aus Rohöl hergestellt. Allein Goodyear produziert jährlich rund 200 Millionen Reifen, deren Gummi zu einem Viertel aus Isopren besteht. Mit steigendem Ölpreis wird auch das Isopren teurer. Bereits heute verursacht die Isopren-Produktion bei Goodyear knapp ein Viertel der Rohmaterialkosten bei der Reifenproduktion. Langfristig will das Unternehmen auch die anderen Inhaltsstoffe, falls technisch möglich, aus erneuerbaren Quellen gewinnen.

Ein weiterer Umweltvorteil des „BioISoprene“-Werkstoffes: Bei dem neuen Pneu soll die Verringerung des Rollwiderstandes um bis zu 30 Prozent zu niedrigeren CO2-Emissionen der damit ausgerüsteten Autos führen.

Daniel Seemann

Polen importiert Windanlagen-Schrott aus Deutschland

Die Polen importieren nicht nur Autowracks aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern, sondern auch ausgemusterte Windanlagen. Darüber beklagt sich die polnische Tageszeitung „Dziennik Gazeta Prawna“.

Viele Windkraftwerke, die neu in Polen entstehen sollen, stammen ursprünglich vom westlichen Nachbarn oder aus Dänemark. Dort hatten die Betreiber der Anlagen sie aus Altersgründen schon seit geraumer Zeit aus dem Verkehr gezogen. Es gehe überwiegend um Turbinen, die eine geringere Produktionskapazität zwischen 500 und 700 Kilowatt aufweisen, schreibt das Blatt.

„Sie stammen aus Deutschland oder Dänemark und werden in Polen sogar an den besten Standorten eingesetzt, die für die Erzeugung von Strom aus Windenergie am geeignetsten sind“, sagte der Vorsitzende des Wind-Energieverbandes PSEW, Jaroslaw Mroczek. Dort stünden Turbinen, die technisch schwach seien und nur eine geringe Energiequalität lieferten. „Zusätzlich ist es schwer, Ersatzteile zu finden“, sagte der Fachmann. Dieser Import von alten Windparkanlagen stört die Entwicklung des Geschäftes mit dieser Form der Energiegewinnung empfindlich.

Das Land ist gerade dabei, einen neuen Energiemix zu entwickeln, weil es derzeit noch 90 Prozent seines Stroms mit Hilfe von umweltschädlichen Kohlekraftwerken herstellt. Polen will bis zum Jahr 2020 insgesamt 6.000 Megawatt mit Hilfe von Windenergie produzieren. Das Land hat dabei in den vergangenen Jahren durchaus Erfolge vorzuweisen. Die Produktionskapazitäten wurden immer weiter ausgebaut: Vor zehn Jahren betrug das Gesamtvolumen für Windenergie nur rund 20 Megawatt. Im Jahr 2007 waren es bereits 300 Megawatt. Nach Informationen des Wirtschaftsministeriums hat es in den Jahren 2008 und 2009 ein dynamisches Wachstum gegeben. Die Kapazitäten stiegen von 450 auf 660 Megawatt.

Sebastian Becker

BaumInvest: „Mit Geduld Geld verdienen“

Jeder kennt sie: Die Bilder von brennenden Regenwäldern und die grünen Flächen auf der Weltkarte, die mit besorgniserregender Geschwindigkeit schrumpfen. Deshalb dürften viele Menschen feuchte Augen bekommen, wenn sie zum ersten Mal die Plantagen von BaumInvest besuchen. Denn hier, auf brachliegenden Weideflächen im Norden von Costa Rica, wird nicht gebrandschatzt, sondern aufgeforstet.

Auf den lieblichen Hügeln der Finca San Rafael werden Teakholz sowie einheimische Baumarten wie Roble Coral, Almendro, Cebo und Mangium angepflanzt. Manche der Bäume sind erst fußgroß, andere haben bereits die beachtliche Größe von acht bis zehn Metern erreicht. Zwischen den Bäumen bauen die Baumpfleger aus der Region Gemüse und Gewürze an. An anderen Stellen gibt es Inseln von Bäumen, auf denen unberührter Regenwald wuchert.

In diesen Schutzzonen soll sich die Natur ohne menschlichen Eingriff entwickeln können. „Wir achten darauf, dass mindestens 20 bis 30 Prozent des Plantagenareals unbewirtschaftet bleibt“, sagt Leo Pröstler, der Gründer von BaumInvest und Initiator der Baumpflanzung in der Provinz Alajuela.

Nicht sentimentales Weltrettertum, sondern ein ausgeklügeltes unternehmerisches Konzept ist der Nährboden für die Bäume, die hier nach allen Regeln der Kunst angepflanzt und vermarket werden. „Drei-Säulen-Modell“ nennt Pröstler das Unternehmenskonzept, das der Freiburger Unternehmer gemeinsam mit seinem Sohn auf zwei Plantagen verwirklicht. Es verbindet die Aufforstung mit tropischen Mischwäldern, ökologische Landwirtschaft und den Aufbau von Naturreservaten. Für die Anleger bedeutet das Drei-Säulen-Modell eine Rendite in dreifacher Hinsicht: Das Projekt erwirtschaftet eine jährliche Verzinsung ihres Kapitals von sieben Prozent, leistet aber auch einen Beitrag zum Klimaschutz und schafft langfristige Arbeitsplätze für die Menschen vor Ort.

Das Modell überzeugt nicht nur auf dem Papier: 7,8 Millionen Euro Eigenkapital von 637 Gesellschaftern konnten die Pröstlers für den BaumInvest-Fonds I einwerben, mit dem die erste Plantage, die Finca San Rafael finanziert wurde. Mittlerweile hat das Unternehmen den zweiten Fonds auflegt, mit dem eine Fläche 350 Hektar aufgeforstet werden soll. Ein Viertel des benötigen Kapitals wurde von den Anlegern bereits drei Monate nach Öffnung des Fonds aufgebracht.

Pröstler selber ist Unternehmer „aus Leidenschaft“ und führt BaumInvest gemeinsam mit seinem Sohn Stefan, der fast ganzjährig als Geschäftsführer auf den Plantagen arbeitet. Um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen mussten die beiden etliche bürokratische Hürden überwinden – nicht nur in Deutschland: „In Costa Rica müssen Sie jede Überweisung einzeln abwickeln, auch wenn Sie jeden Monat den gleich Betrag überweisen,“ so Pröstler Senior. Dennoch überwiegen bei der Tropenrepublik als Investitionsstandort klar die Vorteile, gilt doch Costa Rica als eine der politisch und wirtschaftlich stabilsten Regionen in ganz Lateinamerika.

Zu den Investoren, die sich an den BaumInvest-Plantagen beteiligen, zählen viele Pioniere der grünen Unternehmerszene, aber auch zahlreiche Privatanleger, die ein sicheres und langfristiges Investment suchen. „Die Finanzkrise hat zu unseren Gunsten gearbeitet, weil die Leute verstehen, dass Realitäten wie Grund und Boden etwas anderes sind als in eine Finanztransaktion zu investieren,“ kommentiert Pröstler, der seit den Turbulenzen am Finanzmarkt einen regen Zulauf an Anlegern beobachten konnte.

Doch nicht nur die Krise hat das Interesse am Holz als Investment verstärkt, auch der global wachsende Bedarf nach Bauholz lockt viele Spekulanten, sich auf diesem Gebiet zu engagieren. So dürften große Bestände an Tropenhölzern künftig in chinesischen Schrankwänden oder Parkettböden verbaut werden. Wer Investmenttrends im Internet verfolgt, kann die mit zweistelligen Renditen lockenden Werbeangebote für Holzinvestments nicht übersehen.

Spekulationsgelüste dürften bei den Anlegern von BaumInvest jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen: Die Beteiligungsdauer beträgt 25 Jahre, was in etwa der Zeit entspricht, die ein Teakholzbaum benötigt, um die Verkaufsreife zu erreichen. „Unsere Anleger sind Menschen die überzeugt sind, dass man auch mit Geduld Geld verdienen kann“, bilanziert Pröstler.

CleanEnergy Project Networking-Dinner mit Leo Pröstler, Geschäftsführer von BaumInvest, am 20. Mai 2010

Birte Pampel

Solares Wasser für die Wüste

Saudi-Arabien will eine durch Solarenergie angetriebene Anlage zur Meerwasser-entsalzung bauen. Hierbei sollen neue, von IBM entwickelte Materialien verwendet werden, die ursprünglich für leistungsfähigere Computerchips vorgesehen waren. Durch ihre Verwendung können hochkonzentrierte Photovoltaik und ein effizienteres Filterverfahren genutzt werden. Das Projekt sei der erste Schritt zur Entwicklung der Solarenergie in dem Königreich, berichten die „Arab News“.

Moderne Entsalzungsanlagen, so auch die in Saudi-Arabien geplante, nutzen das Verfahren der so genannten Umkehr-Osmose. Hierbei wird Meerwasser unter hohem Druck durch eine Polymermembran gepresst, die das Salz heraus filtert.

In heutigen Anlagen bestehen die Filtermembranen aus Polyamid, die allerdings schnell verstopfen. Dagegen wird Chlor eingesetzt, das aber mit der Zeit das Polyamid zersetzt. IBM verwendet statt Polyamid ein Polymer, das bislang in der Herstellung von Computerchips eingesetzt wurde.

Nach Angaben von IBM kann das Meerwasser die Filter dadurch um bis zu 50 Prozent schneller passieren als üblicherweise. Zugleich werden 99,5 Prozent des im Wasser gelösten Salzes entfernt – eine Quote, die mit der von Polyamid vergleichbar und nötig ist, um qualitativ gutes Trinkwasser zu bekommen.

Eine andere Weiterentwicklung ist ein hochkonzentriertes Photovoltaik-System: In ihm bündeln Solarlinsen das Sonnenlicht, was die Fläche der teuren Solarmodule verringert. Das Licht trifft jedoch mit höherer Intensität auf die Zellen, die sich enorm aufheizen. Um dies zu verhindern, wird eine äußerst leitfähige, flüssige Legierung aus Gallium und Indium verwendet, die die entstehende Wärme ableitet.

Besonders ins Auge fallen auch die niedrigen Energiekosten der saudischen Anlage. Der Energieaufwand bei normalerweise mit fossilen Energieträgern betriebenen Entsalzungsanlagen ist hoch: Zwischen vier und neun Kilowattstunden Energie werden für die Entsalzung eines Kubikmeters Wasser verbraucht.

Dies bedeutet, dass bei herkömmlichen Entsalzungsanlagen die Hälfte der Betriebskosten bei der Stromerzeugung anfallen. Je nach Ölpreis sind das pro Kubikmeter Trinkwasser zwischen 40 und 90 Cent. Allein Saudi-Arabien verfeuert laut „Arab News“ täglich 1,5 Millionen Barrel Öl, um Trinkwasser aus dem Meer zu gewinnen. Sonnenenergie hingegen ist kostenlos.

Durch den Einsatz von Solarenergie in Entsalzungsanlagen kann ein weiterer Nebeneffekt erzielt werden: Langfristig können die Treibhausgasemissionen verringert werden, die bislang bei der Meerwasserentsalzung entstehen.

Federführend bei dem Vorhaben ist die King Abdulaziz City for Science and Technologie (KACST), die nationale saudische Forschungsbehörde. Standort dieser bisher größten solar betriebenen Meerwasserentsalzungsfabrik der Welt mit einer Kapazität von täglich 30.000 Kubikmetern Trinkwasser (30 Millionen Liter) - genug für 100.000 Menschen - wird die Stadt Al-Khafji am Arabischen Golf sein.

Daniel Seemann

Auf die Kuh gekommen

Kühe sind schädlich fürs Klima, wenn sie rülpsen oder ihren Flatulenzen freien Lauf lassen, setzen sie klimaschädliches Methan frei. Allerdings zählt nicht nur Methan zu den bösen Treibhausgasen, sondern auch Kohlendioxid und Lachgas. Lachgas ist gegenwärtig sogar das weitaus größere Übel im Kampf gegen den Klimawandel, denn es zerstört die schützende Ozonschicht derzeit weitaus stärker, als jeder andere Stoff.

Lachgas entsteht sowohl auf natürliche Weise, nämlich dann, wenn organische Materialien verfaulen, als auch bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe und bei der Verwendung künstlicher Dünger. Was aber hat nun die Kuh damit zu tun? Schließlich stößt sie kein Lachgas, sondern Methan aus und hat sich damit nicht unbedingt beliebt gemacht.

Für ein Steigen auf der Beliebtheisskala dürften die Ergebnisse einiger Tests sorgen. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie hatten die Viehhaltung in der inneren Mongolei ein wenig näher unter die Lupe genommen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Kühe dem Klima weniger schädlich zuträglich sind, als ursprünglich angenommen. Sie können sogar die Abgabe von Lachgas in die Atmosphäre reduzieren.

Die Abgabe von Lachgas an die Atmosphäre ist ein ganz natürlicher Prozess. Besonders in Steppengebieten ist die Menge des abgegebenen Lachgases jedoch nicht zu verachten, die größte Menge fällt dabei auf die Tauwetterperiode im Frühjahr. Mehrer Messstationen der Forscher auf den menschenleeren Steppengebieten lieferten Daten, die deutlich zeigen, dass Flächen ohne Viehhaltung über das Jahr gesehen größere Mengen an Lachgas freisetzten, als beweidete Flächen. Das liegt daran, dass abgegraste Flächen weitaus geringere Schneehöhen aufweisen, da der Schnee vom Wind leichter abtransportiert werden kann. Hierdurch sind die Böden schlechter isoliert und nehmen die Umgebungskälte stärker auf, bleiben somit deutlich kälter. Durch die geringe Schneemenge bleibt der Boden bei einsetzendem Tauwetter außerdem trockener, was die Aktivität von Mirkoorganismen hemmt. Die Folgen liegen auf der Hand – das Erdreich gibt bedeutend weniger Lachgas ab!

Sicherlich löst eine starke Viehhaltung mit entsprechend hohem Weideeinsatz nicht die Probleme des Klimawandels, denn Methan stoßen die Milchlieferanten nach wie vor in großen Mengen aus. Auch die vom Menschen verursachten Emissionen durch ineffektiven Einsatz von Düngemitteln und die Entstehung von Lachgas bei chemischen Prozessen muss deutlich reduziert werden. Praktikabler bei der Herabsetzung der natürlichen Lachgasentstehung wäre im Gegensatz zur intensiven Kuhbeweidung sicherlich ein maschinelles Kürzen der Steppen- und Weideflächen durch einen herbstlichen Heuschnitt, welcher der Lachgasemission in der Tauperiode entsprechend zuträglich wäre. Allerdings ist in dieser Richtung noch viel Forschungsarbeit über längere Zeiträume nötig, denn das natürliche System ist noch weitgehend unerforscht.

Judith Schomaker

Vulkanausbruch und seine Klimafolgen

In den Nachrichten gibt es derzeit nur noch ein Thema: Der Vulkanausbruch auf Island! Die Auswirkungen des Eyjafjallajökull sind deutlich zu spüren, Flugverkehr und Wirtschaft leiden ganz extrem. Doch wie sieht es mit den Auswirkungen des Vulkanausbruchs auf das Klima aus? Geht von dem Asche spuckenden Monster tatsächlich eine Gefahr aus oder können wir uns entspannt zurücklehnen und das Naturschauspiel genießen?

Auf zahlreichen Flughäfen in Europa herrscht Ausnahmezustand, in Deutschland gleichen die Flughäfen einer makaberen Totenstadt. Die Wirtschaft fährt Millionenverluste ein, Gourmets müssen auf kulinarische Köstlichkeiten, die gewöhnlich auf dem Luftweg aus der ganzen Welt importiert werden, wohl bald verzichten und an einen Urlaubstrip per Flugzeug ist ebenfalls nicht zu denken. Wie lange der isländische Vulkan uns noch mit seiner Tätigkeit beglückt und inwieweit sich die Wetterlage zu unseren Gunsten ändert, kann zur Zeit kaum jemand voraussagen.

Fakt ist jedoch, dass Vulkanausbrüche das Wetter in der Ausbruchsregion und selbst weltweit verändern können. Es wäre also nicht das erste Mal, dass nach einem Vulkanausbruch Klimaveränderungen beobachtet würden. So beispielsweise 1783 bis 1784, als der Lakagira auf Island für eine globale Klimaabkühlung sorgte oder in jüngster Zeit nach dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991. Hier kühlte sich das gesamte Klima um ein halbes Grad ab. Für den Ausbruch des Eyjafjall-Vulkans geben Fachleute hingegen Entwarnung. Die Auswirkungen auf das Klima werden für kaum nennenswert gehalten, dazu wird die Asche nicht hoch genug in die Atmosphäre geschleudert. Und selbst wenn die ein oder anderen ungewöhnlich kühlen Tage folgen sollten, so hat der Eyjafjallajökull nur einen minimalen Teil dazu beigetragen.

Um die Gesundheit braucht sich ebenso kaum jemand Sorgen zu machen. Die Konzentration gesundheitsgefährdender Teilchen in der Asche ist nach der kilometerlangen Reise nur noch recht gering und weitaus weniger gefährlich als der Feinstaubgehalt von Autoabgasen. Lediglich die isländischen Inselbewohner haben mit der Gesundheitsproblematik zu kämpfen, denn der Schwefeldioxidgehalt im Ausbruchsland, auf den Färöer-Inseln und teilweise noch in Nordschottland ist weitaus intensiver.

Ein Problem hingeben bleibt. Kaum jemand kann voraussagen, wie lange die Eruption noch dauern wird und ob der Vulkan noch weitere Eruptionen auslöst, die dann klimatechnische Fragen aufwerfen. Momentan heißt es also abwarten und sich den Naturgewalten fügen.

Judith Schomaker

Größtes Solarboot der Welt zu Wasser gelassen

Am 31. März glitt die PlanetSolar, das größte Solarboot der Welt, in die Ostsee. Nach einigen Tests geht der futuristisch anmutende Katamaran von hier aus weiter in das Mittelmeer. Ziel ist eine Weltumrundung nur mit Sonnenenergie. Die 50.000 Kilometer lange Route wird vor allem entlang des Äquators führen, da hier die Sonneneinstrahlung am intensivsten ist, und insgesamt rund 160 Tage dauern. Die vier Mann Besatzung, darunter Raphaël Domjan und Gérard d’Aboville, planen für 2011 eine Reise vom westlichen Mittelmeer aus über den Atlantik, durch den Panama-Kanal, über den Pazifik und den Indischen Ozean. Die Tour endet dann nach der Durchquerung der Suezkanals wieder im Mittelmeer.

Da die Lage im Indischen Ozean und im Roten Meer derzeit riskant ist, überlegt das Team, über das Cap der guten Hoffnung zu reisen. Stopps in großen Städten wie New York, San Francisco, Darwin, Singapur und Abu Dhabi sollen möglichst viele Menschen für das Projekt interessieren und auf die Möglichkeiten erneuerbarer Energien aufmerksam machen. Bei Werbefahrten kann das Boot bis zu 40 Fahrgäste aufnehmen.Um über die solargetriebene Weltreise zu informieren, hat PlanetSolar eine Wanderausstellung entwickelt, die in Form eines Dorfes mit Hilfe von Ausstellungen und Animationen das Projekt darstellt. Die Energieversorgung des Dorfes erfolgt soweit wie möglich mit Strom aus eigenen Solarmodulen und ergänzendem Strom aus erneuerbaren Quellen.

Nach einer langen Bauzeit von rund 13 Monaten und einer anschließenden Testphase wird das Boot auf dem Hamburger Hafengeburtstag vom 7. bis 9. Mai vorgestellt. Der Solarkatamaran soll bei der Eröffnungs- und Auslaufparade ganz vorne mitreisen und ein Highlight der Parade sein. Hier wird auch das Info-Dorf zu sehen sein.

Das Projekt Planet Solar bietet insgesamt rund 100 Menschen Arbeit. Viele davon sind in der Forschung tätig und beschäftigen sich gemeinsam mit Partnern mit Themen rund um die Energie, Antriebssysteme, Hochseenavigation mit Sonnenenergie, Simulationssoftware, Routenplanung und Simulationen.

Susanne Kirsch

Cooperativa La Verde - ein Reisebericht

Eine Woche leben und arbeiten auf einem ökologischen Hof in der Sierra von Cádiz und dabei alternative Lebensformen kennen lernen – dies hat Ann-Morla Meyer im März dieses Jahres erlebt.

Die nicht enden wollende Kälte in Berlin trieb mich Ende Februar in Spaniens Süden. In Cádiz, einer andalusischen Stadt umgeben vom Atlantik, erfuhr ich von der Kooperative "La Verde" („Das Grüne“) zirka 100 Kilometer nordöstlich von der Stadt. Ich wollte immer schon mal WWOOFFen. Diese umständliche Abkürzung steht für World Wide Opportunities on Organic Farms und umschreibt das Arbeiten auf Ökohöfen gegen Kosten und Logi. Nach einigen Anrufen und Hilfe von den sympathischen Einwohnern von Cádiz (Gaditanos) konnte ich am 8. März den Bus nach Villamartín nehmen. Nach zwei Kilometern Fußmarsch erreichte ich das verwitterte Schild und erblickte einiges, das ich nicht mit Sierra in Andalusien assoziiert hatte : Kakteen überwuchert mit Schnecken, der Fluss über die Ufer getreten, der Weg unpassierbar mit normalem Schuhwerk und alles in einen feinen, grauen Regen gehüllt.

Schon vorher hatte ich gehört, dass auch Andalusien von einem außergewöhnlich schlechten Winter heimgesucht wurde. Hier allerdings konnte ich erfahren, was das - außer schelchtem Wetter - bedeutet. Der Fluss war zwar schon früher über die Ufer getreten, dieses Jahr aber stand zum ersten Mal auch das Haus unter Wasser – und zwar gleich dreimal 30 Zentimeter hoch.

DSC02777Als ich ankomme liegt eine schwere Melancholie über allen. Der ständige Regen belastet die Leute sehr, doch ich kann erleben wie sie aufblühen, als die Tage besser werden. Endlich können sie versuchen etwas von der Winterernte zu retten und die Felder wieder in Schuss zu bringen. Zur Winterernte gehören in der Regel Porree, Rote Beete, Salat, Zwiebeln, Fenchel, Brockoli, Radieschen und abas, eine Bohnensorte. Doch während der Woche, in der ich da bin, können nur die ersten beiden Gemüsesorten geerntet werden. Der Rest bleibt für den Selbstverzehr. Ich und Manoli, die 40-jährige Freiwillige aus Holland, die hier an den Wochenenden lernt Flamenco zu singen und zu tanzen, lieben es, nach getaner Arbeit über das Feld zu laufen und uns unser Abendessen zusammen zu sammeln. Außerdem kommen in dieser Woche endlich die Setzlinge ins Gewächshaus. Aubergine, Paprika und Tomate werden, neben den produzierten Früchten, Gemüsesorten und den Samen aus der Samenbank, verkauft. Die Samenbank entstand vor ein paar Jahren und weist mittlerweile eine immense Vielfalt auf. Es gibt hier über 50 verschiedene Sorten Salat und über 100 verschiedene Sorten Tomaten.

Die Kooperative "La Verde" gibt es schon seit 23 Jahren und zwei der Gründungsmitglieder, Enrique und Manuela, arbeiten noch immer hier. In dem „Haus“ oder eher Scheune mit Wohnküche unter Welldach wohnen die Freiwilligen, die wie ich zum Arbeiten auf den Hof kommen.

Bei diesem Wetter ist es kalt und feucht und wenig Licht dringt in den Raum, der mit zwei Doppelstockbetten und einem Regal eingerichtet ist. Hier wird für die heißen Sommermonate gebaut, in denen man sich über einen einigermaßen kühlen Schlafraum und Schutz vor den Mücken freuen wird.

Die vier Kooperativen-Mitglieder, Enrique, Manuela, Fransisco und José, leben in den umliegenden Dörfern. "La Verde" entstand aus einem gewerkschaftlichen Milieu heraus, das sich der herkömmlichen landwirtschaftlichen Struktur widersetzte. Einigen Großgrundbesitzern gehört die Fläche und die Bäuerinnen und Bauern aus den Dörfern verdingen sich hier. Heute geht nur noch wenig politische Aktivität von "La Verde" aus, doch sie ist noch immer ein Anlaufpunkt gesellschaftlicher Aktivität in der Gegend.

DSC02919Dienstags kommen Concha und Lucia, um im Lehmofen ökologisches Sauerteigbrot zu backen. Oder Javier, der 14-jährige Problemjungen aus Deutschland, der hier in Spanien betreut wird, kommt vorbei, um seine ökologisch produzierten Eier abzugeben. Diese Erzeugnisse, sowie die Ernte aus La Verde und anderen Ökohöfen wird gemeinsam über die Cooperativa Los pueblos blancos („Die weißen Dörfer“) in ganz Andalusien vertrieben. Sie liefern zum einen an die Ökoläden und verschicken zum anderen jede Woche mehr als 100 Ökokisten à zwölf Kilogramm Mischware. Manchmal kommen Schulklassen oder Behinderte, um die Natur zu erleben. Und eine Freundin der Kooperative hat die universidad rural gegründet um die Weisheiten der Landwirtschaft zu erfassen und zu bewahren.

Zu meinen Aufgaben gehören Olivenbäume schneiden, Einsammeln von angeschwemmtem Müll und Unkraut jähten bei den Zwiebeln. Was für eine Arbeit! Zwischen mir und den schmalen Zwiebelblättern stehen knapp ein Meter hohe Rapspflanzen und knapp ein Meter breite Distelgewächse. Später bin ich auch beim Ernten der abas dabei und beim Ernten, Schneiden und Waschen des Porrees. Mir schwant, wie viel Arbeit im Ökolandbau steckt.

Was mir außerdem auffällt, ist, dass die Felder auf den ersten Blick hin überhaupt keine Struktur aufweisen. Man geht den Weg zum Haus entlang an einem riesigen Feld voller Unkraut. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass es durchzogen ist von Reihen Salat und Zwiebeln und all dem anderen Wintergemüse. Dazwischen wächst bunt und frisch das Unkraut. Es ist ein gesunder Boden und es tut ihm besser, bedeckt zu sein und so weniger schnell auszutrocknen. Leichter zu erkennen sind die Obstwiesen, wo Pfirsiche und Nektarinen angebaut werden.

DSC02843Früher wurden die Felder von einem Beregnungscomputer bewässert, doch seit der kaputt gegangen ist und der Installateur nicht mehr hier lebt, wird wieder mit einem von Hand aufzubauenden Rohrsystem und einer alten, einfachen Wasserpumpe bewässert – zumindest solange bis das Wasser im Wasserbassin noch nicht leer ist. Wartung wird hier generell nicht groß geschrieben. Als ich nach einem Schleifwerkzeug für die Astscheren frage, versteht man mich nicht. Auch die Solaranlagen funktionieren nicht mehr. Zwei Photovoltaikanlagen von 1991 und 1998 mit insgesamt zirka 350 Watt sind nicht mehr in Betrieb, weil die Batterie kaputt ging und man heute sowieso ans allgemeine Stromnetz angeschlossen ist. Die Solarthermieanlage aus 2004 lieferte aus dem 200 Liter Speicher noch bis in den November Warmwasser zum Duschen. Doch jetzt scheint ein Loch in einem der Sammelrohre im Kollektor zu sein und die Scheibe beschlägt, wenn der Wasserkreislauf eingeschaltet wird. Die Installationsfirma weiß schon Bescheid und ein solcher Fehler müsste ein Garantiefall sein, doch gekommen ist noch keiner, um den Schaden zu beheben.

So freue ich mich über die spanische Mentalität und kann doch über manches nur den Kopf schütteln. Geblieben ist mir ein lockerer Umgang mit Unvorhergesehenem und ein paar Samen. Jetzt hoffe ich, dass Salat, Radieschen und Co. schon bald meinen Großstadtgarten bewuchern.

Ann-Morla Meyer

Sind Marktaktivierungsprogramme für Elektrofahrzeuge sinnvoll? Teil 2

Wollen wir Autos oder individuelle flexible Mobilität?

Wer die rein finanzielle Seite eines Autokaufs, und vor allem die des Besitzes und Betriebs betrachtet, kann nur zu einem folgerichtigen Schluss kommen: Geld können Mann und Frau nicht schneller und besser verbrennen, außer vielleicht im Immobilienfond ihrer Bank.

Die Hersteller aller Produkte, die wir im Zusammenhang mit einer reinen Ortsveränderung nutzen, holen uns mit dem Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ an der Haustür ab. Aber wo bitte, von der A 96 nachts um drei abgesehen, haben wir denn noch die dermaßen beschworene „Freie Fahrt“? Auf dem Weg zur Arbeit? Stau. Auf der Reise in den Urlaub? Fehlanzeige! Samstags, mal schnell in die Stadt einkaufen? Die Idee hatten wohl grade alle.

Dass wir an den Tankstellen kräftig steuergeschröpft werden, hat bereits jeder akzeptiert - was bleibt denn auch übrig? Das Hoch der Benzinpreise ist soweit etabliert, dass der Anstieg zu Weihnachten, Ostern und den Ferien nicht einmal mehr den Berichterstatter des ADAC hinter dem Ofen hervorlockt.

Jetzt beginnt sich aber das Volk zu rühren. Es wird nicht mehr Gas gegeben, es wird nach- und an der Spitze vorgedacht. Die Gleichsetzung der individuellen Mobilität mit dem Besitz eines eigenen Fahrzeuges wird von vielen Menschen inzwischen als ein überholtes Denkmodel der Vergangenheit beurteilt. Ihr Frage lautet: „Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich?“

Die Antwort darauf ist: „Wir wollen von A nach B.“ Möglichst schnell, möglichst günstig, möglichst sicher. Wenn dann auch noch das Beförderungsmittel unserer Wahl dem Geldbeutel, der Umwelt und dem Klima zu Gute kommt, umso besser. "Freie Fahrt für freie Bürger" bedeutet heute, flexibel den Stau und das „nicht durchkommen“ zu umgehen. Per Bahn, Fahrrad oder - was auch sehr gesund sein soll - per pedes die Post in den Kasten bringen oder die Brötchen holen.

Wenn schon ein fahrbarer Untersatz dann bitte den der genau für die aktuelle Anforderung gebraucht wird. Das ist schon mal eine erste richtige Entscheidung. Neue Geschäftsmodelle passen sich diesem veränderten Nutzerverhalten an. Ganz richtig gelesen, wir sprechen in Zukunft nicht mehr (nur) von Käufern, sondern von Nutzern. Car2Go ist so eine Lösung. Warum der Anbieter nicht noch einen Schritt weitergedacht hat und „die Chance des Jahres 2010“ konsequent genutzt hat, wird sich uns wohl nie erschließen. Es hätte „e-Car2Go“ heißen können und müssen. Das hätte endlich der Lichtblick am Horizont der deutschen e-Mobilität sein können.

Das der Weg, oder besser die Wege, in unsere mobile Zukunft nicht aus einer Lösung bestehen, ist klar. Was sich bei den Fahrzeugen, die wir demnächst nutzen, abzeichnet, ist Folgendes: Es gibt keine „einzig richtige Version“. Stadtflitzer haben die gleiche Berechtigung wie SUV’s. Caddies werden genauso gebraucht wie 2-Sitzer, 5-Sitzige Familienkutschen, e-Scooter und e-Motorräder. Jeder soll das passende Fortbewegungsmittel für seinen individuellen und spezifischen Bedarf nutzen können. Aufgabe der Hersteller und Infrastrukturbetreiber ist es, diese Bedürfnisse zu erkennen und passende Angebote und Lösungen bereit zu stellen.

Worauf es in der Attraktivität und Förderung besonders ankommt, sind die Schnittstellen und Übergänge zu den jeweiligen Verkehrsträgern und Beförderungsalternativen. Synergien finden und nutzen, die Herausforderungen als Chance erkennen, das gesamte System zu hinterfragen. Den Gedankenstau und die im sprichwörtlichen Sinne „verfahrene Situation“ zu revolutionieren. Alles andere bringt keine Lösung, sondern lediglich die Fortführung dessen, was heute nicht funktioniert, mit anderen Mitteln. Wie sehen solche, nicht unbedingt neuen, Szenarien aus?

Die Herausforderungen liegen nicht in der Technik! Auch nicht in der Infrastruktur. Das, was die Verkäufer der neuen e-Mobilität anbieten müssen, ist Synchronität. Der e-Bus muss bereitstehen, wenn der Zug ankommt, das e-Car muss verfügbar sein, wenn der Kunde es braucht. Frequenzen und Takte müssen so abgestimmt sein, dass der Kunde sein Ziel erreicht. In der automobilen Industrie wird das „Just in time“ genannt und funktioniert seit Jahren hervorragend. Warum bitte geht das nicht auch dann, wenn es darum geht, die Zielgruppe der Mobilisten zufrieden zu stellen?? Schnellstmöglich, mit der größtmöglichen Sicherheit, und dem für ihn bestmöglichen Kosten/Nutzenverhältnis.

Wie so ein Tag voller entspannter e-Mobilität in der praktischen Realität aussehen wird, lesen Sie in der weiteren Fortsetzung. Bis dahin, werden Sie flexibel! Wir berichten Ihnen wie es geht!

Jan Glänzer

Sind Marktaktivierungsprogramme für Elektrofahrzeuge sinnvoll? Teil 1

Subventionen versus intelligente Käufer - These, Antithese, Synthese, und eine Analyse dessen was Kunden wirklich wollen.

Berlin, im September 2009. Staatssekretär Matthias Machnig stellt die Eckpunkte zur Markteinführung von 100.000 Elektroautos vor. Im Folgenden lesen Sie einen Auszug der Pressemeldung:

Bis 2020 wird weltweit ein 470 Milliarden Euro starker Markt für Elektromobilität mit 250.000 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Deutschland kann davon besonders profitieren. "Eine starke deutsche Marktposition bei Elektroautos ist wichtig für Umwelt, Beschäftigung und Technologie. Wir wollen die notwendigen Rahmenbedingungen mit industrie- und forschungspolitischen Weichenstellungen schaffen", sagte Umwelt-Staatssekretär Matthias Machnig heute in Berlin.

Er stellt zugleich die Eckpunkte des Programms vor, das zwischen 2012 und 2014 den Markt für Elektroautos aktivieren soll. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company im Auftrag des BMU zeigt: Entsprechend ihrem heutigen Marktanteil könnte die deutsche Autoindustrie am Gesamtmarkt einen Anteil von etwa 85 Milliarden Euro für sich erschließen. Dies setzt jedoch voraus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Kaufanreize für den Umstieg auf das elektrische Fahren erhalten und die deutsche Batterietechnologie und Zellenfertigung erheblich ausgebaut wird.

Gelingt es der deutschen Industrie nicht, ihre heutigen Marktanteile auch bei Elektrofahrzeugen zu halten, dann ginge dies zu Lasten der Beschäftigung: Bis zu 46.000 Arbeitsplätze sind durch den Wegfall klassischer mechanischer Komponenten bedroht, die deutsche Zulieferindustrie wäre überproportional betroffen. Machnig: "Die größte Herausforderung in der Anfangsphase liegt in den hohen Anschaffungskosten der Elektrofahrzeuge. Wir brauchen deshalb ein Marktaktivierungsprogramm, das Begeisterung für das elektrische Fahren weckt und Kaufanreize setzt." Kernelement dieses Programms ist ein bis 2014 laufendes Förderprogramm für die ersten 100.000 Elektrofahrzeuge. "100.000 Elektroautos sind ein wichtiger Schritt hin zur wettbewerbsfähigen Serienproduktion. Die Marktaktivierung ist somit entscheidend für das im Nationalen Entwicklungsplan der Bundesregierung verankerte Ziel, bis 2020 rund eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen", sagte Machnig.

Das Marktaktivierungsprogramm sieht die Förderung des Fahrzeugkaufs in Höhe von 3.000 bis 5.000 Euro für die ersten 100.000 Elektrofahrzeuge vor. Später werden andere, nicht-monetäre Instrumente, wie eine Nutzerprivilegierung dazu beitragen, die Marktdurchdringung zu beschleunigen.

„Neue Technologien“ etablieren sich nicht ohne politische und wirtschaftliche Unterstützung. Worauf sie aber vor allem anderen angewiesen sind, ist eine breite gesellschaftliche Akzeptanz - vornehmlich bei potenziellen Kunden und Verbrauchern. Mangelt es am Interesse der zahlungskräftigen Zielgruppen lösen sich die „versprochenen Märkte und Umsätze“ in Luft auf. Dies passiert völlig unabhängig davon wer der Weise gewesen ist, der die Zahlen gesammelt und die Prognosen erstellt hat. Beispiele gibt es zuhauf, aktuell heißen sie Nanotechnologien oder Gen-Food.

Im Gegensatz zur Politik erklären zwei renommierte Wissenschaftler: „Marktanreizprogramme für Endkunden sind falsch.“

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen und seine Kollegin, Prof. Dr. Eva-Maria John, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Fachhochschule Gelsenkirchen. Gemeinsam stellen sie die Frage ob Subventionen der richtige Weg sind, Elektrofahrzeuge in einem breiten Endverbrauchermarkt einzuführen.

Die beiden Forscher leiten dabei aus dem Nationalen Entwicklungsplan für Elektromobilität grundsätzlich drei Fragestellungen ab:

„Erstens, hat es Sinn, dass wir einzelne Technologien, wie die Elektromobilität direkt fördern, oder wäre es nicht sinnvoller, generell Innovationen zur CO2-Einsparung zu fördern? Zweitens, sollte die staatliche Förderung einer Technologie Sinn haben, ab welchem Zeitpunkt sollte dann die staatliche Förderung eingestellt werden und in die Hände von privaten Investoren und Unternehmen gegeben werden? Drittens, ist es sinnvoll, neben der Grundlagenforschung dann auch Incentives für die Vermarktung bereitzustellen?“

Die Professoren John und Dudenhöffer machen ihre Beurteilung an einem konkreten Beispiel deutlich. So war das Erdgasauto eine ausgereifte Technologie zu deren Endkundenförderung sich die Bundesregierung 2002 entschloss. Erdgasfahrzeuge emittieren etwa  25 Prozent weniger CO2 als Benzin- oder Dieselfahrzeuge. Mit zwei willkürlichen Gesetzen in 2002, beziehungsweise 2006, wurden die Fahrzeuge mit einem Steuervorteil, gegenüber Benzinern, von fast 80 Prozent ausgestattet. Im Ergebnis hat dieser hohe Steuervorteil aber weder zu der gewünschten Marktdurchdringung, noch zu einem Innovationsschub bei Verbrennungsmotoren geführt.

Unbenannt-300x179Nach der Untersuchung der beiden ausgewiesenen Experten verhält es sich analog im Bereich Elektro-mobilität. Weltweit werden, noch vor der Serieneinführung, Endkundenprämien und Steuervorteile ausgelobt, die in Summe bis zu 10.000 Euro betragen können. Mit diesen Prämiensystemen wird darauf abgezielt, so genannte Skaleneffekte zügig in Gang zu bringen. Aber nicht nur das Beispiel Erdgasauto zeigt, dass zeitlich befristete Prämien diese Skaleneffekte kaum forcieren.

Entweder ist die Technologie zur Kosteneinsparung – etwa bei Batterien – vorhanden, dann hat der Autobauer die Kraft, dies im Markt umsetzen. Oder die Technologie ist (noch) nicht vorhanden, dann spielt die zeitliche Subventionierung auch keine Rolle. Zusätzlich, so eine weitere Erkenntnis, verzerren Prämien, Steuervorteile auf einzelne Technologien - und Subventionen grundsätzlich - das Markt- und Preisgefüge.

Im Resümee steht die Kernfeststellung, dass zeitlich befristete Beihilfen die Staatsbudgets belasten und keine nachhaltige Entwicklung fördern oder gar auslösen. Dies führt die beiden Wissenschaftler zu dem Schluss:

„Eine willkürliche Bezuschussung von Elektroautos ist das falsche Instrument.“

Soweit die Politik und Wissenschaft zur „Etablierung in den Märkten“. Offen bleibt für den Konsumenten aber immer noch die Frage, ob und wie denn nun die Elektrofahrzeuge zügig zur Verfügung stehen werden und sich dieser Markt mit allen Beteiligten und der Peripherie realistisch entwickeln kann?

Marktanreiz zur Unterstützung und „Belohnung“ der Entscheidung für den richtigen Weg, ist eine gute Idee, wenn sie die Nutzung alternativer Mobilitätsformen fördert. Elektrofahrzeuge sind die bedeutende Variante, des richtigen Weges zum Ziel. Die Fahrzeuge werden aktuell in den unterschiedlichsten Ausführungen entwickelt und angeboten. In Kürze werden für alle Ansprüche von privaten und gewerblichen Interessenten die passenden Produkte bereit stehen.

Doch was wollen Käufer und Nutzer wirklich? Wie sieht unsere mobile Zukunft aus?

Lesen Sie morgen im zweiten Teil die Fortsetzung zu der Frage ob Subventionen uns den Ziel ein Stück näher bringen...

Jan Glänzer

Geballte Intelligenz auf dem Dach

Forscher um Ben Wan von der United Enviroment & Energy  LLC in Horseheads, New York haben eine neue Erfindung für fleißige Häuslebauer auf den Markt gebracht, die auf intelligente Weise Energiekosten senkt. United Enviroment & Energy  LLC ist ein Hightech Unternehmen, das sich auf die Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Energie und Umwelttechnologien spezialisiert hat. Die Erfindungen sind sowohl für Industrieunternehmen als auch für Regierungsbehörden interessant.

Weiß gestrichene Dächer waren bisher nur im Sommer von Vorteil. Zu dieser Jahreszeit reflektieren sie das Sonnenlicht, so dass sich das Haus nicht unnötig aufheizt. Somit können Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen von Klimaanlagen reduziert werden. Im Winter gelangt jedoch keine Wärme über die Sonnenstrahlen ins Haus, so dass die Heizkosten steigen. Weiße Dächer sind also nur für Regionen interessant, in denen meistens warmes Wetter vorherrscht.

Auf der Versammlung der American Chemical Society haben die Wissenschaftler nun ein Material vorgestellt, das diese Probleme lösen könnte. Sie haben eine Dachbeschichtung erfunden, die ihre Eigenschaften der Umgebungstemperatur anpassen kann, so dass im Winter die Infrarotstrahlung der Sonne durchgelassen wird, um das Haus zu wärmen, und im Sommer das Sonnenlicht reflektiert wird.

Das Material für die Dachbeschichtung ist schlicht und einfach altes Speiseöl von Fastfood-Ketten. Das Öl wird in ein flüssiges Polymer umgewandelt, das zu Plastik aushärtet, feuerfest und ungiftig ist. Je nach Zusätzen können die Eigenschaften des Polymers so verändert werden, dass der Temperaturpunkt des Wechsels von kühlend zu wärmend an die spezifischen Klimaverhältnisse angepasst wird.

Interessierte sollten jedoch nicht anfangen, Speiseöl aus dem eigenen Haushalt auf das Dach zu gießen. Ohne die Umwandelung in das Polymer und eine geheime patentierte Zutat birgt das Speiseöl sehr wohl Gefahren. Zum Beispiel könnte das unbehandelte Speiseöl Feuer fangen.

In der Testphase hat sich die neue Beschichtung  bewährt. Im Sommer werden die Dachtemperaturen um 50 bis 80 Prozent reduziert, während sie im Winter um den gleichen Prozentsatz angehoben werden können. Was viele potentiellen Kunden freuen wird, ist die Tatsache, dass die Beschichtung auf jedes Dach angebracht werden kann, erst nach vielen Jahren ersetzt werden muss und bereits in drei Jahren auf dem Markt sein wird.

Felicitas Wagner

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie beschäftigt sich mit angewandter Nachhaltigkeits-forschung. Dies bedeutet, dass die Wissenschaftler des Instituts Leitbilder, Strategien und Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung auf regionaler, nationaler und auch internationaler Ebene erarbeiten. Das Institut sieht sich dabei als Berater für Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.

Gegründet wurde das Wuppertal Institut im Jahr 1991 von Johannes Rau, der damals Ministerpräsident des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen war. Grund für die Entstehung des Instituts war, dass man zu jener Zeit den Klimawandel als neue Herausforderung für die Menschheit identifiziert hatte und aufgrund dessen auch einen Bedarf an fundierter Aufarbeitung sowie Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse feststellte.

Nordrhein-Westfalen berührten diese Entwicklungen angesichts der Bedeutung als Energiestandort besonders. Bei der Konzipierung des Instituts wurde besonderer Wert darauf gelegt, dass neben der Stromerzeugung auch gleichzeitig der Energieverbrauch von Industrie, Verkehr sowie privaten Haushalten mit untersucht werden sollte, damit von Beginn an nicht nur auf Angebots- sondern auch auf Nachfrageseite gesellschaftlich verträgliche Lösungen erforscht würden. Deswegen lautete die Auftragsbeschreibung des Wuppertal Instituts im Gesellschaftervertrag schließlich wie folgt: „[Aufgabe des Wuppertal Instituts ist] die Förderung von Maßnahmen und Initiativen zur Sicherung der Klimasituation, zur Verbesserung der Umwelt und zur Energieeinsparung als Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Erkenntnissuche und praktischer Umsetzung".

Neben dem Hauptsitz des Instituts in Wuppertal besteht seit 2004 auch ein Berliner Büro. Außerdem gründete das Institut im Jahre 2005 zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) das „UNEP/ Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production“ (CSCP). Dabei handelt es sich um ein internationales Beratungsinstitut mit Sitz in Wuppertal zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit auf höchstem Niveau, das weltweite Anerkennung findet.

Da die Fragen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung häufig nicht innerhalb von Ressortgrenzen zu beantworten sind, baut das Forschungsprogramm des Wuppertal Instituts auf einem interdisziplinären und am Systemverständnis orientierten Arbeiten auf.

Die Arbeit wurde dabei in vier Forschungsgruppen aufgeteilt:

-         Forschungsgruppe 1: Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen
-         Forschungsgruppe 2: Energie Verkehrs- und Klimapolitik
-         Forschungsgruppe 3: Stoffströme und Ressourcenmanagement
-         Forschungsgruppe 4: Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren

Wenn bei entsprechenden Querthemen, wie zum Beispiel dem Thema „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“, Bedarf besteht, arbeiten die Forschungsgruppen zusammen. Darüber hinaus kommt es auch immer wieder mit vielen Universitäten und Instituten im In- und Ausland zur Zusammenarbeit.

Das Wuppertal Institut ist eine gemeinnützige GmbH, die ihre Grundfinanzierung vom Bundesland Nordrhein-Westfalen erhält und dem Verantwortungsbereich des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes untergeordnet ist. Den größten Teil des Budgets erwirtschaftet das Institut allerdings mit extern finanzierten Projekten.

Gründungspräsident ist Ernst Ulrich von Weizsäcker. Dieser entwickelte mit dem revolutionären „Faktor Vier“-Konzept eine Formel für eine nachhaltige Entwicklung. Sie besagt folgendes: „Durch den effizienten Umgang mit Ressourcen gelingt es, den Naturverbrauch zu halbieren und gleichzeitig den Wohlstand zu verdoppeln.“ Dieser neue Denkansatz führte einen Paradigmenwechsel herbei. Verbanden die meisten Menschen Umweltschutz bis dato ausschließlich mit Verzicht und Einschränkung, so weitete das Wuppertal Institut den Blickwinkel und lenkte die Aufmerksamkeit auf den effizienten Umgang mit Ressourcen.

Des weiteren erkannte der langjährige Präsident des Instituts, Peter Hennicke, in der Energieeffizienz die Schlüsselressource für den globalen Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung. Schon früh bewies er, dass der Verbrauch fossiler Energieträger gesenkt werden muss, um die erneuerbaren Energien zur Marktreife führen zu können.

Diese und viele weitere herausragende Forschungsergebnisse des Wuppertal Instituts bestätigen die regionale, nationale und auch internationale Wichtigkeit seiner Forschungsarbeit.

Kerstin Krause

Mikrobielle Brennstoffzellen, stilvoll verpackt

Der Designer Shujoy Chakraborty entwickelt eine Produktfamilie, welche die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser zukunftsweisenden Technologie aufzeigt. Das Besondere dabei: Die Geräte der Voltpot-Familie werden über ihre gesamte Lebensdauer hinweg weder aufgeladen, noch ans Stromnetz angeschlossen.

Solange es Bakterien im Erdreich gibt, was voraussichtlich immer der Fall sein wird, funktionieren mikrobielle Brennstoffzellen zuverlässig und produzieren konstant elektrische Energie. Das Prinzip hinter der hochmodernen und extrem langlebigen Technologie ist einfach. Die metabolische Energie der Mikroben in der Erde wird durch die Brennstoffzelle direkt in elektrische Energie umgewandelt. Ein integrierter Erhaltungslader gibt die natürlich gewonnene Energie kontinuierlich ab, die auch gespeichert werden kann. Geräte, die auf dieser Technologie basieren, können somit unabhängig vom Stromnetz betrieben werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung ist es möglich, aus einem Kubikmeter Erdreich mithilfe mikrobieller Brennstoffzellen ein Watt Energie zu erzeugen. Neueste Versuche haben gezeigt, dass bereits kleine technische Änderungen ausreichen, um diesen Wert auf zehn Watt zu erhöhen. Gleichzeitig konnte bewiesen werden, dass die Technologie nicht nur zuverlässig, sondern auch kostengünstig ist.

Shujoy Chakraborty möchte mit der von ihm entwickelten Produktfamilie auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Brennstoffzellen hinweisen. Einerseits ermöglichen sie die Kreation von High End Lifestyleprodukten. Andererseits können unter Zuhilfenahme dieser Technologie lebensnotwendige Geräte in Gebieten der Erde betrieben werden, in denen elektrische Energie nicht jederzeit verfügbar ist.

Das Highlight der Voltpot-Familie ist der Voltcharger. Der zum Teil begrünte Couchtisch ist zusätzlich mit einer Ladestation ausgestattet. Diese eignet sich zum Aufladen kleiner Geräte wie etwa iPods oder Mobiltelefone. Die dafür notwendige Energie produzieren mikrobielle Brennstoffzellen, die sich direkt unter der Grünfläche im Inneren des Tisches befinden. Weitere Produkte sind das Voltradio, der Volttimer und das Voltlight. Ihnen allen ist gemeinsam, dass Chakraborty bei ihrer Entwicklung auf umweltschonende Rohstoffe zurückgreift. Ebenso sind unterschiedliche Pflanzen ein fixer Bestandteil der Entwürfe. Voltradio etwa ist mit zwei Kakteen ausgestattet, und Volttimer, der die Funktion eines Küchentimers erfüllt, ist mit frischen Küchenkräutern bepflanzt.

Voltpot beweist, dass Nachhaltigkeit auch hinter einer Fassade der Behaglichkeit und der Eleganz zu finden ist. Nach einem geeigneten Partner für die Herstellung der High End Produkte wird noch gesucht.

Joachim Kern

Wird Gorleben das nächste Asse?

Bundesumwelt-minister Norbert Röttgen (CDU) teilte letzten Monat in einer Pressemitteilung mit, dass der Salzstock Gorleben weiter auf seine Eignung als Atommüllendlager hin überprüft werde. Damit wird ein von der Rot-Grünen Bundesregierung beschlossenes Moratorium, das die Überprüfung aussetzte, aufgehoben.

Der Minister versichert ein transparentes, atomrechtliches Planfeststellungsverfahren mit Bürgerbeteiligung. Außerdem soll das Verfahren ergebnisoffen sein. Entsprechend sei es möglich, dass von dem Salzstock Gorleben als Endlager Abstand genommen wird. Um beurteilen zu können, wie wahrscheinlich dies ist, ist ein Blick in die Vergangenheit hilfreich.

Der Beschluss, den Salzstock als Endlager nutzen zu wollen, fiel im Jahr 1977. Der damalige Niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht von der CDU hat diese Entscheidung allerdings nicht maßgeblich auf Grundlage von geologischen Sicherheitsanforderungen, sondern aus politischen Gründen getroffen. Schon bei dem Auswahlgutachten standen nicht nur geologische Aspekte, sondern auch zum Beispiel die Bebauungsfläche über dem Lager im Vordergrund. Dort war damals unter anderem eine Wiederaufbereitungsanlage für Kernbrennstäbe geplant. Aber selbst dieses Begutachtungsverfahren, das zudem ausschließlich Salzstollen und nicht etwa Granit einbezogen hat, schloss Gorleben praktisch aus. Wie lange geheim gehaltene Akten belegen, wurden im Gutachten acht Salzstollen als mögliche Endlager empfohlen. Gorleben befand sich nicht unter dieser Auswahl. Es wurde nachträglich und entgegen den Empfehlungen des beauftragten Chefgeologen Prof. Gerd Lüttig, der den Standort als ungeeignet einstufte, handschriftlich in die Auswahl aufgenommen und dann politisch durchgedrückt.

Es dürfte unbestritten sein, dass die Sicherheit der Bevölkerung, selbstverständlich auch zukünftiger Generationen, bei der Auswahl eines Atommüllendlagers im Vordergrund stehen muss. Konsequenterweise muss aufgrund des hohen Gefährdungspotenzials der beste Standort ausgewählt werden und nicht nur einer, der möglicherweise den Anforderungen genügt. Zumal aufgrund des langen Zeithorizonts, der in Verbindung mit radioaktivem Atommüll zu berücksichtigen ist, kaum eindeutige wissenschaftliche Aussagen bezüglich der Sicherheit geleistet werden können. Aber wie kann ein Standort heute der bestmögliche sein, wenn er bereits bei einer begrenzten und keineswegs alleine auf Sicherheitsansprüche hin zugespitzen Auswahl in die zweite Reihe gerückt war?

Der Minister beteuert, dass die Eignungsprüfung von Gorleben ergebnisoffen sei. Allerdings werden parallel keine weiteren Standorte untersucht. Der Minister schreibt selbst, dass mit der Einleitung des atomrechtlichen Verfahrens nicht vor Ende der nächsten Legislaturperiode, also etwa 2016, zu rechnen sei. Sollte das Projekt zu diesem Zeitpunkt oder noch später scheitern, wird die zukünftige Bundesregierung unter erheblichen Zeitdruck gesetzt, ein geeignetes Endlager zu finden. Die Alternative, Gorleben entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse als Endlager abzusegnen, wäre noch verheerender und ließe deutlich schlimmere Folgen erwarten, als sie heute bereits beim Atommülllager Asse II zu beobachten sind.

Aber selbst, wenn das Verfahren (nach aktuellem Stand der Wissenschaft) mit dem Ergebnis abschließt, dass sich Gorleben als Endlager eignet, kann keinesfalls behauptet werden, dass es der bestmögliche Standort ist. Viele möglicherweise deutlich bessere Optionen wurden überhaupt nicht in Betracht gezogen. Mit der Atommülllagerung ist eine große Verantwortung verbunden. Es muss bezweifelt werden, dass das jetzige Vorgehen der Regierung dieser Verantwortung gerecht wird.

Oliver Hölzinger

Energiepuffer bei der Solar- und Windstromerzeugung

Regenerative Energien, die immer mehr Verbrauchertypen (Elektroautos, Klimaanlagen) versorgen müssen, und die zunehmend großen Abstände zwischen Stromerzeugung und -abnahme (zum Beispiel Windenergieerzeugung vor der Küste und ihr Konsum im Binnenland) stellen immer höhere Anforderungen an die Stromnetze in Europa.

Die Verfügbarkeit großer Strommengen bei Angebotsspitzen durch Starkwind oder hohe Sonneneinstrahlung sollten deshalb möglichst effizient in die Zeiten hoher Stromnachfrage verschoben werden können. Dabei stellt momentan vor allen Dingen die steigende Anzahl nicht koordinierter Erzeuger regenerativer Energien erhöhte Anforderungen an die Stabilität der Stromnetze.

Damit regenerativ erzeugter Strom aus Sonne und Wind in Zukunft den gesamten Strombedarf decken kann, muss er auch nachts oder bei Windstille zur Verfügung stehen. Bisherige Lösungen wie der Bau von mehr Pumpspeicherkraftwerken und der Ausbau der Stromnetze stoßen hier an ihre Grenzen.

Vor allen Dingen die Pumpspeicherkapazitäten sind begrenzt. Besonders in dicht besiedelten Ländern wie Deutschland stößt die Errichtung neuer Speicher auf ökologische Bedenken. Und in der Nähe der norddeutschen Windkraftstandorte fehlen schlicht die Höhenunterschiede, um natürliche Gefälle für die Energieerzeugung in Pumpspeicherbecken nutzen zu können.

Auch der Aufbau des Nordsee-Supergrid-Gleichstromnetzes, das den verlustarmen Transport von Strom aus Wind- und Wasserkraft über weite Strecken ermöglichen soll, dürfte noch bis mindestens zum Ende dieses Jahrzehnts dauern.

Deshalb liegt es nahe, die Produktionsspitzen der regenerativen Kraftwerke schon vor Ort auszugleichen und Strommengen, die zur Zeit nicht benötigt werden, zwischenzuspeichern und erst bei Bedarf ins Netz zu geben. Ein solches Konzept von Hubspeicherkraftwerken als lokale Zwischenspeicher stellte der Entwickler Werner Rau jüngst auf www.solarserver.de vor.

Die Idee ist einfach: Hubspeicherkraftwerke nutzen die Energie der Schwerkraft. Hierzu werden Masseträger wie zum Beispiel Beton mechanisch oder hydraulisch unter Verwendung elektrischer Energie angehoben. Die Energie dieser Masseträger wird durch deren Absenken über die Schwerkraft mittels Generatoren wieder in Strom umgewandelt.

Es ermöglicht so eine Speicherung von zum Beispiel Wind- oder Sonnenenergie in ökologisch verträglicher Weise ohne den Einsatz von Kühlanlagen. Ein weiterer umweltfreundlicher Aspekt: Ein Hubspeicherkraftwerk arbeitet höchst effizient, indem es elektrische Energie mit einem hohen Wirkungsgrad von zirka 80 bis 90 Prozent - je nach Hubsystem - speichert.

Außerdem sind keine gesonderten Investitionen in den Bau einer neuen Infrastruktur nötig: Bereits existierende Anlagen wie Windanlagenschäfte, Bergwerksstollen, Steinbrüche oder Industriebrachen sind perfekte Standorte für den Bau von Hubspeicherkraftwerken.

Daniel Seemann

Bundesweite Aktionstage rund um die Sonnenenergie

Die Sonnenenergie steht Anfang Mai im Mittelpunkt der „Woche der Sonne“, die der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. für ganz Deutschland organisiert. Jeder, der sich mit Solarenergie beschäftigt, kann teilnehmen: Handwerker, Energieberater, Vereine oder Kommunen. Den Aktionsideen sind keine Grenzen gesetzt: Eine solare Radtour, Aktionen rund ums Solarauto, Energieberatertage oder Sonnenfeste sind gerne gesehen. Kommunen zeigen ihren Bewohnern, wie stark sie schon die Sonnenenergie nutzen und wo neue Potenziale liegen.

In Schulveranstaltungen lernen Schüler die Bedeutung der Sonne als Erneuerbare Energie kennen. Als Thema bietet sich zum Beispiel die schuleigene Voltaikanlage an. Im letzten Jahr erarbeitete eine Technikklasse aus Bergheim bei Köln eine Ausstellung über die verschiedene Effizienz einfach- oder mehrfachverglaster Fenster. In diesem Jahr will eine Kindergruppe einen Solarbackofen bauen und Sonnenplätzchen backen. Viele Solaranlagenbesitzer laden zu einem Tag der offenen Tür in ihre Räume ein und erläutern ihre Erfahrungen mit der Sonnenenergie.

Die „Woche der Sonne“ soll Bürger über Vorteile der Nutzung der Sonnenenergie als Wärme- und Stromlieferant informieren und sie dafür begeistern. Die Organisatoren der Veranstaltungen können sich unter www.woche-der-sonne.de registrieren und erhalten Informationspakete und Aktionszeitungen rund um das Thema Sonnenenergie. Handwerker können so potenzielle Kunden mit herstellerunabhängigen, werbefreien Informationen versorgen.

Organisatoren von Events in der „Woche der Sonne“ können ihr Veranstaltung im Internet-Terminkalender auf der Webseite registrieren. So ist es ganz einfach, andere Termine in der Region zu finden und auf Wunsch zu kooperieren.

Die „Woche der Sonne“ gibt es nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2008 kamen bereits einige Länder wie Frankreich, Belgien, die Niederlande hinzu. 2010 finden auch in Großbritannien, Skandinavien, Polen, Ungarn und Kroation Aktionstage statt.

Susanne Kirsch

Sonne in den Sand gesetzt

Das ehrgeizige Desertec Unterfangen hat in der Vergangenheit für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Mit dem Großprojekt soll Solarstrom aus den Wüstengebieten des Sonnengürtels in Afrika und der arabischen Halbinsel nach Europa gebracht werden und bis 2050 rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs auf umwelt- und klimafreundliche Weise decken.

Solarthermische Kraftwerke gelten im Allgemeinen als vielversprechendste Möglichkeit, die Energieprobleme der Welt auf Dauer zu lösen. Die Gegebenheiten hierfür könnten kaum besser sein, als in den Wüstenregionen - Sonne und ausreichend Platz für die großen Sonnenkollektoren ist hier schließlich reichlich vorhanden. Im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen arbeiten die Wüstenkollektoren jedoch mit Hilfe der Solarthermie, bei der die extrahierte Wärme zwischengespeichert wird. Diese Wärme wird genutzt, um entweder Öl oder Luft so stark zu erhitzen, dass mithilfe von Generatoren Strom erzeugt werden kann. Durch die Speicherbarkeit der aus dem Sonnenlicht gewonnene Wärme mittels Flüssigsalzbehältern oder Keramikziegeln wird es möglich, die Wärme über Stunden nahezu verlustfrei zu speichern und somit, anders als bei Photovoltaik- oder Windkraftanlagen, kontinuierlich Energie zu liefern, was auch in punkto Kosten einen entscheidenden Vorteil bringt.

Um einen noch kostengünstigeren Wärmespeicher als flüssiges Salz oder so genannte „heiße Ziegel“ zu erhalten, gehen Forscher des Solar-Instituts in Jülichnun noch einen Schritt weiter. Ihre Überlegung geht dahin, die in der Wüste gegebenen Bedingungen noch weiter auszunutzen. Was bei der Sonne bereits gelungen ist, soll nun auch für den Sand, welcher in der Wüste zur Genüge vorhanden ist, umgesetzt werden. Bislang werden Turmkraftwerke bevorzugt, die einen Teil der heißen Luft zur Wassererwärmung und damit zum Antrieb der Generatoren nutzt und den anderen Teil in Keramikziegel bläst, um diese zu speichern und zur Stromerzeugung für die Abend-, Nacht- oder frühen Morgenstunden verfügbar zu machen.

Zwar ist die Nutzung der „heißen Ziegeln“ bereits ein kostengünstiges Speichermedium, doch macht dieser Keramikspeicher immer noch ein Drittel der Gesamtkosten des Speichers aus. Ließe man nun nach der Idee der Jülicher Forscher den ohnehin kostenlosen Wüstensand einen Luft-Sand-Wärmetauscher durchlaufen, dessen Machbarkeit schon die Pilotanlage in Jülich untermauert, würden sich die Speicherkosten minimieren und so die Stromerzeugungskosten effektiver und noch flexibler gestalten lassen. Hierbei soll der Sand, ähnlich wie in einer Eieruhr, von oben nach unten rieseln und durch das Einblasen von heißer Luft die Hitze annehmen und speichern. Problematisch gestaltet sich bislang nur der Transport des Sandes, eine technische Herausforderung mit dessen Lösung sich die Jülicher Forscher derzeit intensiv befassen.

Judith Schomaker

Where Solar innovation runs in the family: Solimpeks from Turkey

Solar collectors that produce heat AND electricity? A franchise shop for solar panels? Nothing is too innovative for Turkish solar pioneer Solimpeks Solar Energy Corporation from Konya,  a major city in Turkey’s largest region. Now the company has opened an office in Munich, where it has already established close ties with Bavarian component builders. The CleanEnergy Project spoke with Hüseyn Gökalp, Director of Business Development of the sprawling family business.

Your company looks back at three generations of experience. Please tell us about the history of Solimpeks.

In 1973, Halil Ibrahim Dag (our grandfather) produced the first solar thermal collector in Turkey. The company eventually became market leader, using the position of being first in the era of sons. The well-educated third generation accelerated the growth and carried the competition outside of Turkey.

Now the company is the fifth biggest consumer of selective coated copper production from Germany, which is an essential material for collector production. Presently, the company has a presence in 60 countries and holds 18 quality certificates.

Solimpeks offers a broad range of products. Which do you think will become most important in the next 3-5 years?

High-efficiency solar thermal collectors will be in demand again, but hybrid collectors will also gain a good position in the market.

Hybrid solar modules mark a new path in the evolution of the solar market. When did your company start developing this technology? What made you take interest in the first place?

We started R&D on the hybrid panels four years ago and introduced it to the market in 2009. Our customers kept asking for a solution to gain electricity and hot water simultaneously from the same panel, due to limited roof areas. In addition, the photovoltaic cells had an efficiency problem, losing 0,3% of the heat for every + 1 °C rise in temperature. We solved the two problems with hybrid panels by cooling down the cells through water circulation.

Some people say that the hybrid panels only work well in Southern countries where there is a lot of direct sun light. Can you confirm this? What potential do these modules have for the German market?

We offer two models that can be employed according to different demands: We focus on producing hot water in the North and electricity in the South of Europe. At this point, the UK and Germany are our primary markets.

Please tell us more about the Solar Energy Shop concept. What type of products do you plan to sell to the end user in the online store?

Solar heating, cooling, electricity and natural  lighting  equipment will be sold both in our solar shops and our online store.

How did this idea evolve?

We developed this idea two years ago, because there was a gap between end-users of solar power and the producers of solar panels. At that point, the sellers in Turkey did not explain the product well. For this reason, we developed the idea for a new sales channel that would ensure high quality of product with perfect after-sales support. The idea is to keep project engineers under the solar shop umbrella in order to serve our customers in a professional way. The first solar shop is hosted in a passive energy house, which is a unique way to introduce the solar energy products in a fascinating setting. We are envisioning a one-year testing period after which 20 solar shops will follow, with the ultimate goal of exporting this idea to Europe.

Birte Pampel

Germany’s South-East played a major role in starting the once tiny German solar revolution. Now, Bavaria is increasingly turning into a hub for solar businesses from other nations, thanks to an excellent R&D infrastructure and its role as turntable for the international solar market. Further information about the region is provided by Invest in Bavaria, the official business promotion agency of the Bavarian Ministry of Economic Affairs.

"Tag der offenen Tür" im Eco Park

Der Eco Park - ein innovativer Gewerbepark, in dem sich Life Sciences und Biotechnologie ansiedeln und so dem Oldenburger Münsterland in punkto Zukunftstechnologien am Standort Emstek eine Vorreiterfunktion einbringt. Das Konzept des Eco Parks richtet sich somit nach dem historisch bedingten Potenzialen der Region und legt den Focus auf die Kernkompetenzen Umwelt-, Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Im Gewerbegebiet der Zukunftsmärkte in ausgezeichneter Lage, nimmt auch der Energiekonzern EWE mit seinem „Zentrum Zukunft“ eine Pionierrolle ein. Hier werden Ansätze der Forschung und Entwicklung im Rahmen der Bullensee-These auf ihre Anwendbarkeit getestet. Nachhaltigkeit in allen Segmenten wird bei der EWE ganz groß geschrieben, schließlich spielen der steigende Energiebedarf durch die stetig wachsende Weltbevölkerung und die begrenzten Rohstoffvorkommen schon jetzt eine gewichtige Rolle dessen ersten Auswirkungen bereits deutlich spürbar sind: Die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima!

Um dem entgegen zu wirken und machbare Lösungen für das größte Problem der Menschheit zu finden, erarbeitete die EWE, gemeinsam mit renommierten Experten aus Forschung und Wissenschaft eine nachhaltige Zukunftsstrategie: Die Bullensee-These. Die Kernforderung dieser These, um der steigenden Energienachfrage im Einklang mit dem Umweltschutz gerecht zu werden, kann vereinfacht als E3 beschrieben werden. Noch mehr Energie einsparen, die Effizienz der Energien deutlich steigern und erneuerbare Energien stärker ausbauen.

In regelmäßigen Abständen öffnet das „Zentrum Zukunft“ im Eco Park seine Pforten für die Öffentlichkeit und stellt Möglichkeiten für eine zukunftsfähige und nachhaltige Energieversorgung dar. Ein interessantes, hoch informatives Zentrum für Jung und Alt, in dem die Besucher anschaulich an die Themen Umweltschutz und Energieversorgung herangeführt werden.

Im Brennpunkt am „Tag der offenen Tür“ am vergangenen Sonntag stand die Brennstoffzellentechnologie, die von zahlreichen Besuchern hautnah verfolgt werden konnte. Fachvorträge über die neuesten Forschungsergebnisse und ausführliche Beratungen zur modernsten Generation der Heizungssysteme mittels Brennstofftechnologie ergänzten das Programm. Dabei wurde den Besuchern die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich vor Augen geführt und Ergebnisse aus den ersten Feldversuchen der umweltschonenden Heiztechnik vorgestellt, die bis zum Jahr 2015 die Marktreifen erlangen sollen.

Judith Schomaker

Das Buch der Synergie – Die Enzyklopädie unserer zukünftigen Energieversorgung

Kennen Sie Achmed Khammas? Nein? Dann hatten wir bis vor kurzem etwas gemeinsam.
Ein neuer Partner, den ich jüngst kennenlernte, vermittelte mir eine Verbindung mit dem Hinweis: „Da ist jemand in Berlin, der schreibt im Internet ein Buch über Elektromobilität. Es wäre spannend, sich mit ihm auszutauschen, da er an weiteren Informationen in diesem Bereich interessiert ist.“ Am folgenden Sonntagabend fand ich Zeit, mich dem Kontakt anzunehmen.

Nach einem ersten Überblick war ich sprachlos, und das ist ein Zustand, den ich eher nicht kenne. Der Umfang, die Aufbereitung und das gesammelte Wissen dieses "Buches", das eher einer Online-Bibliothek gleicht, sind einfach faszinierend.

Übersichtlich aufbereitet und beschrieben, findet der Leser hier die Geschichte, den aktuellen Stand und die zukünftige Entwicklung unserer globalen Energieversorgung. Über 30 Jahre intensive Recherche und Arbeit hat Khammas bis heute investiert, und täglich findet er Neues, das es noch zu ergänzen und hinzuzufügen gilt. Die Aufgabe, der sich Khammas mit dem "Buch der Synergie" angenommen hat, gleicht einem unendlichen Puzzle. Kaum hat er ein Fundstück eingearbeitet, findet er ein weiteres, welches genauso wichtig und betrachtenswert ist.

In seinem Werk beschränkt sich der Autor keineswegs auf das Beschreiben und Darstellen. Er formuliert vielmehr eine fundierte Bewertung von Eignung und Verwendbarkeit der Technologien hinsichtlich unserer heutigen Herausforderungen. Sein Statement in dem einführenden Videoclip sagt aus „dass die Problematik der zukünftigen Energieversorgung eine globale ist. Folglich kann auch die Lösung nur eine gemeinsame und gesamtglobale sein.“
Erst wenn alle Beteiligten dies wirklich verstanden haben und auch danach handeln, ist der richtige Weg eingeschlagen.

Wussten Sie, dass bereits Kaiser Wilhelm, bei einem Fuhrpark von 15 Fahrzeugen, über drei Elektrofahrzeuge verfügte? Wie viele sind es heute bei Bundeskanzlerin Angela Merkel?

Khammas beschreibt Technologien, die wir für Errungenschaften unserer Zeit halten, die in Wirklichkeit aber bereits vor zweihundert Jahren oder noch früher funktionsfähig entwickelt wurden. Erklärungen, warum diese Erfindungen zur Zeit ihrer ursprünglichen Entwicklung nicht zum Zuge kamen, gibt es sicherlich viele. Akzeptable Gründe, warum diese Techniken heute nicht in der breiten Anwendung genutzt werden, gibt es wohl eher keine.

Im "Buch der Synergie" findet sich eine Fülle von Methoden zur Bereitstellung sauberer Energien. Egal, ob die Gewinnung auf Sonne, Wind, Wasser, Biomasse oder Muskelkraft basiert, hier werden Technologien dargestellt und thematisch katalogisiert. Das Fahrrad, das mit seiner Betriebsenergie nebenbei sauberes Wasser produziert, der Solarofen von 1774, eine mittels Sonnenkraft angetriebene Druckmaschine von 1878 - die Beispiele sind schier unendlich. Die Ansätze, die hier zusammengetragen wurden, sind oft verblüffend und oft einfach. Das Besondere an vielen Beschreibungen ist aber meist „das verblüffend Einfache“.

Das global nutzbare Potenzial, das Khammas in seiner „Kartographie der Erneuerbaren Energien“ zusammengetragen hat, ist weitaus größer und umfangreicher, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Modifiziert man nur einige wenige der ursprünglichen Ideen mit den Möglichkeiten, die uns heute gegeben sind, lassen sich alle Fragen zur Energieversorgung des 21. Jahrhunderts beantworten. Die Frage, die sich jedem Leser zwangsläufig stellt, ist nicht, ob wir Lösungen verfügbar haben, die Frage ist, ob und warum wir die verfügbaren Lösungen nicht zum Nutzen aller anwenden (wollen).

Mit der „Datenbank der Renewables“ hat Achmed Khammas ein großartiges und bewundernswertes Werk geschaffen. Dieses ist aber, auch nach seiner eigenen Intention, erst der Ausgangspunkt für ein größeres Ziel.
Derzeit sind die Inhalte und das Wissen ausschließlich auf Deutsch verfügbar. Dadurch ist Millionen von Menschen, die dringenden Bedarf an diesen lebenswichtigen Informationen haben, der Zugang und Nutzen verwehrt. Das CleanEnergy Project will dies gemeinsam mit Ihrer Unterstützung ändern und diese Lücke schließen.

Gesucht werden Sponsoren, die mithelfen das "Buch der Synergie" zu übersetzen und es allen Menschen nutzbar zu machen. Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie von Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Jan Glänzer

Trotz Krise auf der Überholspur

Strom aus Photovoltaik (PV) boomt. 2009 weitete sich der PV-Anteil am gesamten deutschen Stromverbrauch erstmals auf über ein Prozent aus (BMU 2010). Und auch global gesehen ist das Wachstum ungebrochen. Dies zeigen Zahlen, welche kürzlich von der European Photovoltaic Industry Association (EPIA) veröffentlicht worden sind. 2009 waren weltweit PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 20 Gigawatt installiert. Davon kamen alleine im letzten Jahr rund 6,4 Gigawatt neu hinzu. Der höchste Zuwachs der Geschichte sei besonders unter Berücksichtigung der schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sehr beeindruckend, heißt es in der Pressemitteilung der EPIA.

Deutschland hält mit rund drei Gigawatt neu installierter Leistung den Löwenanteil und bleibt somit weltweit der wichtigste PV-Markt. Allerdings rechnet die EPIA damit, dass sich die Kürzung der Solarförderung langfristig erheblich auf die nationale Industrie auswirken wird. Vielversprechende Märkte finden sich mit 700 beziehungsweise 411 neu installierten Megawatt auch in Italien und Tschechien. Diese starken Zuwächse hängen direkt mit nationalen Förderprogrammen zusammen. Der Generalsekretär der EPIA, Adel El Gammal, betonte in diesem Zusammenhang auch noch einmal, wie wichtig diese Fördermechanismen für eine langfristige, vorhersehbare und nachhaltige Entwicklung des PV-Marktes seien. In Europa profitierte davon auch der belgische Markt. Frankreich und Spanien konnten dagegen aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen ihre Potentiale nicht ganz nutzen. Als weitere zukunftsträchtige Märkte stuft der Verband Griechenland, Portugal und Großbritannien ein.

Außerhalb Europas konnten vor allem Japan und die USA größere Zuwächse verzeichnen. Voraussichtlich werden China und Indien aufgrund zahlreicher geplanter Projekte in den nächsten fünf Jahren zur Eroberung des weltweiten PV-Marktes ansetzen. Vielversprechend seien auch die Marktentwicklungen in Kanada und Australien. Dasselbe gelte für Brasilien, Mexiko, Marokko und Südafrika.

Für dieses Jahr prognostiziert die EPIA einen weiteren Zuwachs von 8,2 bis 12,7 Gigawatt.

Ulrike Rosenfellner

Biogas-Tour durch Nordrhein-Westfalen

Mit seinem Velomobil geht der Fachverband Biogas e.V. in Nordrhein-Westfalen auf Biogas-Tour, um über die Vorteile einer Nutzung von Biogas zu informieren. Los geht es am 27. April in Bonn auf dem Münsterplatz. Erstes Ziel ist Euskirchen, wo die Biogasanlage der Schornbuscher Biokraft GmbH und Co. KG auf dem Besichtigungsprogramm steht.

Am 28. April geht es auf Tour nach Neuss zu einer Biogas-Einspeiseanlage mit Aminwäsche. Abends ist im Vorfeld zur Landtagswahl eine Diskussion mit Mitglieder des Landtags Nordrhein-Westfalen und Verbändevertretern geplant. Nächstes Radelziel ist Schloss Wissen in der Ortschaft Weeze-Wissen. Das Schloss und die angegliederten Betriebsanlagen bekommen ihre Wärme aus der hauseigenen Biogasanlage. In der Steinfurter Fachhochschule wird am Abend zum Thema „Biogas in Veredlungsregionen sinnvoll integrieren" debattiert.

Am 30. April kommt in Borken „Farbe ins Feld“. Hier wird auf einem Feld Energiemais gemeinsam mit Blühpflanzen ausgesät. „Farbe im Feld“ weist Interessierte auf Energiepflanzenanbau hin und dient gleichzeitig vielen Tierarten als Nahrungsquelle oder Versteck . Die Saataktion soll auch in anderen landwirtschaftlichen Regionen starten.

Am 1. Mai schließt die Tour mit der Besichtigung einer landwirtschaftlichen Biogasanlage in Metelen. Die Informationsveranstaltungen an den einzelnen Etappenzielen versorgen alle Interessierten mit Informationen rund ums Biogas. Dabei soll gezeigt werden, dass mit angepassten, dezentral gebauten Biogasanlagen alle Beteiligten Vorteile ziehen können.

Die Tour bietet Infos über die Nutzung von Strom, Wärme, Kraftstoff und Gas. Neue Branchenzahlen zeigen die Bedeutung der Biogasler in Deutschland. Darüber hinaus werden Informationen zu den Zukunftsaussichten als wichtiger Zweig der erneuerbaren Energien angeboten. Wie schon 2009 berichtet der Verband im Internet auf diversen Blogs über die Neuigkeiten des Tages. Mit der Tour will der Fachverband der Öffentlichkeit zeigen, welche Potenziale Biogas hat und noch entwickeln kann.

Susanne Kirsch

Grüne Energie: Polen erhöht weiter Anteil an Gesamtproduktion

Polen bemüht sich, seinen Strom verstärkt mit grüner Energie zu erzeugen. Das Land hat im vergangenen Jahr insgesamt rund sechs Prozent seines Bedarfs mit erneuerbaren Energiequellen gedeckt, stellen die Analysten der internationalen Beratungsgesellschaft „Frost & Sullivan“ in einem Bericht fest. Drei Jahre zuvor waren es nur drei Prozent gewesen. Hintergrund: Polen steht unter dem Druck der EU, die verlangt, dass das Land bis Ende des laufenden Jahres 10,4 Prozent seines Bedarfs mit Hilfe von erneuerbaren Energien herstellt. Bisher produziert es rund 90 Prozent seines Stroms mit umweltschädlichen Kohlekraftwerken und muss deswegen unbedingt einen neuen Energiemix entwickeln.

Weiterlesen

"Klimastadt Bremerhaven"

Wer denkt bei Bremerhaven nicht sofort an das „Klimahaus 8° Ost" sowie das Alfred-Wegener-Institut? Die Stadt Bremerhavenwill dieses Spektrum nun erweitern: Bremerhaven soll Klimastadt werden. Schwarz auf gelb soll das schon auf den Ortseingangsschildern an den Stadtgrenzen ersichtlich sein.

Durch das Alfred-Wegener-Institut (AWI) hat die Stadt an der Weser eine lange Geschichte der Klimaforschung. Bereits 1980 startete dort die Arbeit mit dem Ziel, Veränderungen im Klima aufzudecken. Nun, 30 Jahre nach seiner Eröffnung, hat eine Projektgruppe unter Federführung des AWI im Auftrag des Bremerhavener Magistrats ein Konzept erstellt, nach dem Bremerhaven in Anlehnung an die „Lutherstadt Wittenberg" Klimastadt werden soll.

Die Chancen dafür stehen nach Ansicht der Projektgruppe „hervorragend". Bereits jetzt verfügt die Stadt über drei wichtige „Leuchttürme" der Klimakompetenz: der Klimaforschung am AWI, dem Klimahaus sowie Offshorewindenergie mit Komponentenherstellern und Forschungseinrichtungen. Darüber hinaus unterzeichnete das Regionalforum Bremerhaven letztes Jahr einen Beschluss für den Klimaschutz mit 205 Vorhaben.

In ihrem umfangreichen Konzept präsentiert die Projektgruppe des AWI weitere Ideen, die Vorreiterrolle Bremerhavens im Themenbereich Klima auszubauen. So sollen weitere Betriebe mit Umweltbezug integriert werden. Dazu zählen zum Beispiel die Schifffahrt, andere Forschungsinstitutionen sowie weitere touristische Einrichtungen. Die Bevölkerung muss in die Entwicklungsstrategie mit einbezogen werden, damit sie als Vorbild fungieren kann. So sollen neben der Verbesserung des ÖPNV-Netzes klimafreundliche Produkte gefördert werden. Des Weiteren sind Veranstaltungen mit Klimabezug angedacht, um die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren. Eine Idee der Projektgruppe ist, im Zoo auf die Gefährdung der Eisbären aufmerksam zu machen und so den Bogen zwischen Klimaschutz und Tourismus zu spannen.

Damit die „Klimastadt Bremerhaven" Akzeptanz findet, muss sie nach innen und außen vermarktet werden. Zukünftig soll sie sich deshalb bei vielfältigen Auftritten als Klimastadt präsentieren. Gelingt es der Stadt an der Weser, den eingeschlagenen Weg zu beschreiten, kann sie dadurch nicht nur wichtigen Antrieb zum Klimaschutz leisten, sondern auch zu einem Strukturwandel innerhalb der Stadt führen.

Judith Kronberg

Ökologische Intelligenz

Jedes von Menschen hergestellte Produkt belastet während seines Lebenszyklus in irgendeiner Form die Umwelt. Ob bei der Herstellung, während des Gebrauchs oder nach der Entsorgung – nahezu jeder Prozess hat negative Auswirkungen auf das Ökosystem. Abgesehen davon, dass viele dieser Umweltbeeinträchtigungen aufgrund ihrer räumlichen oder zeitlichen Distanz für uns nicht unmittelbar erfahrbar sind, sind die Auswirkungen auch derart komplex, dass Otto Normalverbraucher sie unmöglich überblicken kann. Doch um das Ökosystem unserer Erde – und somit unsere Lebensgrundlage – erhalten zu können, reicht es nicht aus, dass lediglich ein paar Wissenschaftler die Zusammenhänge verstehen. Eine effektive Umweltentlastung kann nur durch gemeinsames Handeln erreicht werden.

Der Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman stellt in seinem Buch „Ökologische Intelligenz – Wer umdenkt, lebt besser“ dar, wie wir kollektiv unsere Lebensweise nachhaltiger gestalten können. Im Mittelpunkt seiner Vision steht dabei die „radikale Transparenz“, die dann gegeben wäre, „wenn wir Konsumenten genau wüssten, welche der Dinge, die wir kaufen, zur Erhaltung unserer Gesundheit, zu Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit beitragen – und welche nicht.“ Möglich wäre, laut Goleman, diese Markttransparenz, wenn sämtliche Produkte einer Ökobilanz unterzogen werden und die Ergebnisse öffentlich zugänglich gemacht würden. Er ist überzeugt, „wenn wir die versteckten Auswirkungen dessen, was wir kaufen, verkaufen oder herstellen, so genau kennen würden wie ein Industrieökologe, könnten wir die Zukunft positiver gestalten, indem wir unsere Entscheidungen mehr mit unseren Werten in Einklang bringen.“

Natürlich ist das Wissen über die Auswirkungen eines Produktes auf die Umwelt nötig, um umweltbewusst handeln zu können. Und vermutlich liegt der Hauptgrund dafür, dass viele Verbraucher auf ökologisch und ethisch verwerfliche Produkte zurückgreifen, auch tatsächlich am Mangel an wichtigen Informationen. Nur leider wirkt Golemans Vorstellung vom transparenten Markt eher wie eine Utopie – scheint es doch unmöglich, für jedes Produkt seine tatsächliche Ökobilanz zu erstellen.

Auch wenn Industrieökologen durchaus in der Lage sind, die verschiedenen Auswirkungen unterschiedlicher Produkte zu benennen, müssten ständig Kontrollen stattfinden, um die Aktualität der Informationen – zum Beispiel über die Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben – zu gewährleisten. Dazu kommt, dass die Ökobilanz für Produkte aus Rohstoffen, deren Herkunft variieren kann, ständig angepasst werden müsste. Ein Erdbeerjoghurt der Marke X kann heute Erdbeeren aus Chile enthalten und morgen Früchte aus Südtirol. Sollte der Hersteller nun für jede Charge ein eigenes Etikett erstellen?

Trotz Zweifeln an der Realisierbarkeit der von Goleman postulierten Markttransparenz, enthält das Buch viele interessante Ansätze, Informationen und Beispiele, wie wir das Wissen über die Auswirkungen unseres Handelns einsetzen können, um unserem Ökosystem möglichst wenig Schaden zuzufügen. Ein Blick in das Buch kann sich also durchaus lohnen.

Corinna Lang

Nationales Zentrum für erneuerbare Energie geplant

Mit der Gründung der National Energy Commission (NEC) weht in China seit Ende Januar auch in Sachen erneuerbare Energien ein frischer Wind.

Bisher hatten sich vor allem die einflussreiche National Development and Reform Commission (NDRC) sowie die 2008 gegründete National Energy Administration (NEA) um Energiethemen gekümmert. Wegen mangelnder Kompetenzen hatte die NEA jedoch nie wirklich Einfluss auf die chinesische Politik ausüben können.

Die NEC ersetzt alle wichtigen Instanzen, die sich bis dahin um die Energiewirtschaft des Landes gekümmert hatten. Die NDRC, das Finanzministerium, die Zentralbank und alle anderen energiewirtschaftlich wichtigen staatlichen Akteure sind dort vertreten.

Auf dem Chefsessel hat niemand Geringeres als Premierminister Wen Jiabao höchst persönlich Platz genommen. Sein Stellvertreter bei der NEC ist gleichzeitig auch sein Vize, Li Keqiang, der aller Wahrscheinlichkeit nach 2012 Wen auf dem Posten des Premiers ablösen wird.

Gerade auch das Thema Energiesparen gewinnt mehr und mehr an Priorität in China. Derzeit liegt China bei der Energieeffizienz um zehn Prozentpunkte hinter modernen Industrieländern zurück. Die weltweite Debatte über den Klimawandel, der zum Teil auch durch die zunehmende industrielle Expansion Made in China an Geschwindigkeit aufgenommen hat, dramatisiert die Lage zusätzlich.

Die NEC hat sich deshalb die Verringerung der CO2-Abgase in China bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 zum Ziel gesetzt. Im selben Zeitraum will China zusätzlich den Anteil erneuerbarer Energien von heute 7,5 auf 15 Prozent bringen. Zur Erreichung dieser Ziele wird ein Zentrum für erneuerbare Energie gegründet.

Das Zentrum sei in der vorläufigen Planungsphase, zitierte die Zeitung China DailyHan Wenke, den Generaldirektor des Energieforschungsinstituts im Rahmen der Staatlichen Entwicklungs- und Reformkommission.

Es wird verantwortlich sein sowohl für die Energiepolitik sowie das Management wichtiger Projekte und Programme, den Markt- und Industriebetrieb, das Einrichten einer Datenbank und einer Informationsplattform als auch für den internationalen Austausch zum Thema erneuerbare Energien, so die Zeitung. Diese Entwicklung kann als klares Zeichen dafür gewertet werden, dass Peking erneuerbare Energie in den Mittelpunkt der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes rückt.

Bisher waren die chinesischen Verbraucher mit einer Mischung aus Subventionen und Auflagen von realen Preisen für Strom, Benzin, Diesel oder Gas ferngehalten worden, verbunden mit einer mangelhaften Energieeffizienz. Dies wird sich mit dem Bau des neuen Zentrums für erneuerbare Energie schnell ändern.

Daniel Seemann

Aus Müll mach Haus

Jeder Weltreisende hat das schon einmal erlebt: Ob in Städten oder Oasen, in Canyons, Wüsten oder am Strand – weggeworfene Plastikflaschen sind allgegenwärtig. Auf die zunehmende Vermüllung gerade in Entwicklungsländern gibt der deutsche Unternehmer und gelernte Zimmermann Andreas Froese nun eine zukunftsweisende Antwort: Er nutzt die leeren Flaschen, um damit billige Häuser zu bauen.

Die Rede ist von den global verbreiteten Plastikflaschen aus Polyethylenterephthalat (PET), die in zweifacher Hinsicht als Hilfsmittel in Entwicklungs- oder Krisenländern genutzt werden können. Erst liefert die Plastikflasche das lebenswichtige Wasser - und anschließend entstehen aus den geleerten Flaschen ganze Häuser.

Um einen Bauplatz zu bekommen, müssen die Bewohner der Elendsquartiere ihre alten Behelfsunterkünfte abbrennen. Notwendiges Übel und gleichzeitig eine Vertrauensübung. Sie bekommen dann von Froeses Organisation ECO-TECfür die Bauzeit einen Notverschlag zugewiesen.

Dann kommt ein Lkw aus der nächsten Stadt, bis oben hin gefüllt mit PET-Plastikflaschen. Erde, Sand und Bauschutt wird durch große Siebe geschüttet, eine Flasche nach der anderen wird mit Dreck gefüllt – das ergibt das neue Baumaterial. Alternativ können auch Tierhaare verwendet werden.

Einheimische Maurer, die von ECO-TEC engagiert worden sind, kommen und zeigen, wie die Flaschen aufeinander geschichtet, mit Lehm oder Mörtel verputzt und mit alter Nylonschnur oder Stacheldraht verbunden werden. Wände und Fenster entstehen, aus PET-Flaschen gemauerte Rundpfosten verstärken die Ecken der Häuser, das Dach ist aus Blech. Am Ende wird der Bau mit Lehm abgedichtet und - bei Bedarf - angemalt.

Fünfzig Bauten hat ECO-TEC so mittlerweile realisiert, in Honduras, Kolumbien und Indien. Neben Wohnhäusern werden auch Wassertanks nach demselben Konstruktionsschema gebaut für bis zu 24.000 Liter Flüssigkeit. Eine durchaus nachhaltige Bauweise: Froeses Bauten haben schon Erdbeben bis zur Stärke 7,3 überstanden, ohne Schaden zu nehmen.

Jedes Haus kostet trotz der Verwendung der kostenlosen PET-Flaschen um die 3.000 Dollar, die für den Zinn für das Dach, für Zement und Kies gebraucht werden. Dieses Geld kommt von der irisch-katholischen Entwicklungsorganisation Trocaire. Zur Not lässt sich ein Dach aber auch aus alten Schläuchen von Autoreifen basteln, und statt Zement tut es auch Lehm, der leicht nachzubessern ist.

Ein Projekt mit Zukunft, aber schon jetzt könnten viele Menschen von Froeses Erfindung profitieren: In Haiti droht nach dem schrecklichen Erdbeben die nächste Katastrophe, wenn im Mai die Regenzeit beginnt und danach die Hurrikan-Saison einsetzt. Millionen hätten dann kein Dach über dem Kopf. PET-Flaschen hingegen gibt es in dem Karibikstaat mehr als genug.

Daniel Seemann

Mehr Strom pro Quadratmeter durch Nanotechnologie

Dank intensiver Forschung werden Solarpaneele ständig verbessert. Ziel ist, immer noch etwas mehr Leistung „heraus zu kitzeln". Feinstaub und Schmutz auf den Oberflächen bedeuten Leistungsverluste, die heute vermeidbar sind. Die Elemente werden an schwer erreichbaren Stellen angebracht, was teure und aufwändige Reinigungsarbeiten zusätzlich erschwert. Eine neuartige Beschichtung erreicht jetzt eine aktive Selbstreinigung der Oberflächen, was nicht nur die Leistung der Paneele nachhaltig verbessert. Darüber hinaus ist sofort nach der Beschichtung die Lichtdurchlässigkeit gesteigert. Wie funktioniert das?

Nanotechnologische Beschichtungen, so genannte Coatings, ermöglichen vielseitige Verbesserungen und neue Eigenschaften. Brillengläser werden kratzfest, Fassaden bleiben sauber, Lichtschalter und Türgriffe reinigen sich selbst. Gegenwärtig halten diese Forschungsergebnisse auch Einzug in die Solarindustrie und bringen gleich mehrfachen Nutzen mit sich.

Die Technologie: „kratzfeste, photokatalytische, hydrophile, Reflektion mindernde Funktion“ – vier Eigenschaften, mit noch mehr Vorteilen in der Anwendung. Bei SolarCoat, der Lösung von EcoWays, kommt Titandioxid (TiO2) mit Partikeln in einer Größe zwischen 15 und 25 Nanometern zum Einsatz. Titandioxid wird seit langem auch in anderen Produkten, wie besonders weißen Wandfarben oder Sonnenschutzcremes, verwendet.

Die Hersteller der Solarelemente machen sich mit der Beschichtung unterschiedliche Eigenschaften von Titandioxid (in einer nanoskaligen Größe) zu nutze. In der Hauptsache sind dies eine photokatalytische Funktion, eine hydrophile Oberfläche und ein veränderter Lichtbrechungsindex, einhergehend mit einer verbesserten Lichtdurchlässigkeit.

Der Zweck eines PV-Elements und sein Einsatz sind einfach und klar. Die Sonne scheint auf die Zelle und die eintreffende Energie wird in Strom gewandelt. Was auf den ersten Blick einfach erklärt ist, hat indes einige technische Voraussetzungen zu erfüllen, und ist bei näherer Betrachtung etwas komplizierter. So liegen die energietragenden Lichtstrahlen außerhalb der für den Menschen sichtbaren Wellenlänge, im infraroten Bereich. Das setzt voraus, dass die Glasoberfläche genau diese Strahlen besonders gut durchlassen muss, wohingegen der für uns sichtbare Teil reflektiert werden kann, ohne Leistungseinbußen zu verursachen.

Die besonderen Anforderungen, denen solche Kraftwerke unterliegen und die technischen Einflüsse welchen sie im Laufe ihres Lebens Stand halten müssen, liegen nicht ganz so offensichtlich auf der Hand. Die Elemente, aus einheitlicher Massenproduktion, müssen vom regnerischen Norden Deutschlands bis in die Sandsturmzone des Sahel verbaut werden können. Dabei sind sie den unterschiedlichsten Umweltbedingungen und Beanspruchungen ausgesetzt und sollen zuverlässig, ohne Schaden zu nehmen, ohne auszufallen, ihre Leistung konstant erbringen. Damit dies in Zukunft noch besser und einfacher sichergestellt ist, kommen jetzt Nano-Coatings auch in der Solarindustrie zum Einsatz. Die Verbesserung durch eine einzige Beschichtung wirkt sich dabei in vielerlei Hinsicht aus.

Zuerst reinigt sich die Glasoberfläche mittels Photokatalyse und einem hydrophilen, „Wasser liebenden“ Effekt selbst. Die Photokatalyse bewirkt eine Zersetzung von Schadstoffen und Feinstäuben, die sich auf der Fläche ablagern, mit Hilfe von Licht im ultravioletten Bereich. Dabei werden organische Bestandteile umweltneutral in reines Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) zersetzt. Der zusätzliche hydrophile Effekt erzeugt bei Regen und Feuchtigkeit einen hauchdünnen Wasserfilm, der Schmutz und zersetztes Material unterspült und abtransportiert. Gleichzeitig wird der Aufbau eines Biofilmes als Nährboden, und dadurch das Wachsen von Flechten oder Moosen, verhindert.

Was bei „Privatanlagen“ in zwei halbjährlichen Aktionen, mit Eimer, Schwamm und drei bis vier Stunden Zeit, erledigt werden kann, stellt die Betreiber von Freiflächenanlagen und großen Solarparks vor enorme und teure Aufgaben. Die neue Selbstreinigung minimiert die Kosten und den Aufwand für den Betreiber, was sich in den laufenden Betriebsausgaben eines Solarparks sehr positiv darstellt. Zugleich lässt sich der Einsatz chemischer Reiniger vermeiden, was zusätzliches Geld spart und dazu noch der Umwelt zugute kommt.

Der Nutzen ist so groß, dass Betreiber von Freiflächenanlagen in Frankreich ihre Module nachträglich beschichten lassen, was noch vor drei bis fünf Jahren als zu teuer abgelehnt wurde. Die Erfahrungen beweisen jedoch das Gegenteil. Ist die Oberfläche dreckig, sinkt die produzierte Stromleistung, und damit auch der finanzielle Ertrag, erheblich.

Der nächste große Vorteil des Coatings lässt sich ebenso einfach beschreiben. Nach dem Beschichten verhält sich das Glas wie eine reflektionsarmen Sonnenbrille. Zusätzlich schafft die Modifikation eine bessere Durchlässigkeit für die energiereichen Strahlen, da das „normale“ Glasmaterial einen anderen Lichtbrechungsindex aufweist, als Titandioxid. Je weniger der energietragenden Sonnenstrahlen mit einer Wellenlänge von 400 bis 800 Nanometern von der Oberfläche reflektiert werden und je besser die Strahlen durch das Glas gelassen werden, desto mehr Energie trifft auf die photovoltaische Funktionsschicht. Resultierend steigt die Menge der produzierten Elektrizität.

Die erreichten Werte der Effizienzsteigerung sind dabei durchaus beachtlich. Die Reflektion auf der Oberfläche des Glases sinkt in dem signifikanten Bereich, zwischen 400 und 800 Nanometer, um 55 bis 65 Prozent. Wird nachträglich nur die Außenseite des obersten Glas-Layers mit dem Coating versehen, steigt die Lichtdurchlässigkeit von 90,2 auf 92,5 Prozent, die Energieausbeute von 192,4 Watt peak auf 195,6 Watt peak.

Werden beide Seiten behandelt, entweder am Ende der Glasproduktion oder vor Beginn der Elementfertigung, steigt die Lichtdurchlässigkeit auf 95,2 Prozent, beziehungsweise die Energieausbeute auf 198,1 Watt peak. Das bedeutet im Ergebnis: fünf Prozent mehr Licht fällt auf die PV-Schicht, und erzeugt drei Prozent mehr Strom.

Doch damit noch nicht genug, die Vorteile reichen noch weiter. In bestimmten, heißen Regionen werden PV-Elemente durch das Aufsprühen von Wasser gekühlt, da sich mit steigenden Temperaturen die Leistung verringert. Durch den hydrophilen Effekt des Wasserfilms, der bereits die Selbstreinigung unterstützt, wird in diesem Fall zusätzlich eine wesentlich verbesserte Kühlung der Elemente erzielt. Parallel dazu sinkt der Kühlwasserverbrauch, was sich wiederum in geringeren Kosten niederschlägt und besonders in wasserarmen Regionen einen Beitrag zur Trinkwassersicherheit leistet.

In den gleichen Regionen, in denen Solarpaneele gekühlt werden müssen, zeigen sich oftmals Schäden durch ein gesteigertes Abschleifen des Glases (Abrasion). In dieser Aufgabe kommt die „Kratzfestwirkung“ der Nanotechnik zum Tragen. Die gesteigerte Oberflächenhärte sorgt dafür, dass Sandpartikel und Staub das Glas weit weniger angreifen und abtragen können.

Wie werden die Module beschichtet? Das nachträglich einseitige Aufbringen – das Applizieren – ist denkbar einfach. Mittels eines handelsüblichen Sprühgerätes kann die gebrauchsfertige Lösung auf wässriger Basis auf die verbauten Solarmodule aufgetragen werden und härtet anschließend durch Sonnenlicht aus. Der wesentliche und kritische Teil ist hierbei die vorhergehende notwendige Reinigung.

Wird das Glas innerhalb eines Produktionszyklus, entweder des Glases selbst oder des Moduls, mit der funktionalen Schicht versehen, kommen technisch ausgereifte Verfahren zum Einsatz. Das Coating kann mittels Tauchen (Dip-Verfahren) oder Sprühen (Roboter) aufgebracht werden. Naheliegend ist die effizientere Variante, die Behandlung am Ende der Glasherstellung. Der Vorteil, neben dem vereinfachten Handling, ist hier, dass das Glas noch eine ausreichend hohe Temperatur aus dem Produktionsprozess besitzt, die den Aushärtevorgang wesentlich beschleunigt und somit weniger Gesamtproduktionsenergie benötigt, als wenn das Glas vor der Panel-Herstellung nochmals erhitzt werden muss.

In Bilanz rechnet sich ein solches „Upgrade“ also nicht nur zum teilweisen Ausgleich der reduzierten Einspeisetarife. Der verlängerte technische Werterhalt, eine grundsätzliche Leistungssteigerung und eine bessere Ausbeute, bei gleichzeitiger Kostenreduzierung und Vereinfachung in der Pflege, öffnen den Nano-Coatings in der Solarindustrie sicherlich einige Türen.

Wie sich die neuen, besseren Paneele etablieren werden, ist eine Frage der richtigen Marketingstrategie. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs neuer Modulhersteller und fallender Preise, könnten sich die Unternehmen, welche die Coatings als Leader adaptieren und anbieten, zumindest zeitweise einen Vorsprung sichern. Im Idealfall betätigt sich die Glasindustrie als Innovator und nimmt sich dem Thema mit einem neuen verbesserten Solarglasprodukt an. Mit Sicherheit werden die Vorteile bei Nutzern und Betreibern von PV-Anlagen und Solarparks sehr positiv aufgenommen und geben der Solarindustrie, zu der entlang der Wertschöpfungkette auch die Glasproduzenten zählen, einen wichtigen technologischen Impuls.

Jan Glänzer

BMU und DEG kooperieren für den internationalen Klimaschutz

Um private Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungs- und Schwellenländern stärker zu fördern, haben das Bundesumweltministerium (BMU) und die DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH erstmals eine Kooperation vereinbart. Das BMU stellt hierfür aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) zwei Millionen Euro für innovative Projekte mit privaten Partnern zur Verfügung (Klimapartnerschaften mit der Wirtschaft).

Das BMU will die Verbreitung klimafreundlicher Technologien durch die Förderung unternehmerischer Aktivitäten unterstützen. Ohne das Engagement des Privatsektors lassen sich die Klimaziele nicht erreichen. Ein Anliegen des BMU ist es daher, durch den Einsatz von Mittel der Klimaschutzinitiative zusätzliche Akteure - besonders aus der Privatwirtschaft - für den Klimaschutz zu mobilisieren.

Die DEG bringt ihre langjährige Erfahrung in der Finanzierung privater Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein und berät bei der Umsetzung der geplanten Projekte. Klimaschutz ist ein wichtiger Schwerpunkt im DEG-Geschäft. Allein im Jahr 2009 hat sie rund 160 Millionen Euro für Klimaschutzinvestitionen bereitgestellt. Durch die Kooperation mit dem BMU will die DEG ihr Engagement für den Klimaschutz weiter erhöhen und insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer Internationalisierung unterstützen.

Das Programm verbindet die Förderung der Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern mit dem Ziel, das Klima zu schützen. Es hilft dabei, die großen Potenziale im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in diesen Ländern besser auszuschöpfen. Das Programm fördert den Technologietransfer durch Demonstrationsprojekte, die für den Aufbau einer CO2-armen, dezentral organisierten Energieversorgung besonders geeignet sind. Es unterstützt die Einführung und Verbreitung innovativer Technologien in den Bereichen Stromerzeugung, Gewerbe, Industrie und Verkehr.

Mit der 2008 ins Leben gerufenen Internationalen Klimaschutzinitiative fördert das BMU Klimaschutzprojekte in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern. Die Initiative wird aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten finanziert.

BMU, DEG

Emissionsfrei und rasant: KTM Freeride

18 Monate nach der Präsentation des ersten Prototyps einer Elektro-Enduro steuert der österreichische Hersteller von Sportmotorrädern nun deren Serienreife an. „KTM Freeride” umfasst eine robuste Sportenduro und ein dynamisches Supermoto-Modell. Beide Varianten besitzen einen rein elektrischen Motor und eine neue Antriebslösung.

Schlamm, Steine, Pfützen und Geröll sind die natürliche Umgebung, in der sich endurobegeisterte Motorradfahrer am wohlsten fühlen. Insbesondere die schnelle Reinigung des Gerätes mithilfe des Hochdruckreinigers stellt die Entwickler aber vor große Herausforderungen.

„Bereits die Entwicklung eines konventionellen, in Serie gefertigten Sportmotorrads stellt eine große Aufgabe dar. Der Einsatz des elektrischen Motors bedeutet ein komplett neues Fahrzeuglayout”, erklärt Gerald Kiska, Leiter der Entwicklung und Chefdesigner bei KTM. Dennoch ist es dem Motorradhersteller aus Mattighofen gelungen, zwei seriennahe Prototypen zu entwickeln, die komplett auf herkömmliche Antriebslösungen verzichten.

Sowohl die Offroad-Maschine, als auch das Onroad-Bike beziehen ihre Kraft aus einem Elektromotor. Die dafür notwendige Energie liefert ein abnehmbarer Lithium-Ionen-Akku, dessen genaue Spezifikationen sich bis zur endgültigen Serienproduktion der Elektro-Enduro noch ändern werden. Aktuell reicht ein voll aufgeladener Akku für rund eine Stunde Fahrvergnügen im Gelände. Das Wiederaufladen nimmt rund 90 Minuten in Anspruch. Um auch abseits der Rennstrecke umweltfreundlich unterwegs sein zu können, ist die KTM Freeride auch für die Straße zulassungsfähig. 70 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit, 43 Newtonmeter Drehmoment und eine Motorleistung von 30 PS versprechen ein zügiges Vorankommen. Hinzu kommt das niedrige Gesamtgewicht von nur 90 Kilogramm.

Bei diesen vielversprechenden Werten ist es bedauerlich, dass die Serienproduktion des Onroad-Bikes noch nicht fix geplant ist. Der vorgestellte Prototyp der Supermoto-orientierten Variante soll hauptsächlich mögliche Spielarten des neuen Konzepts aufzeigen. Durch die zügige Realisierung der geländegängigen Enduro kommt die Technologie, im Gegensatz zum allgemeinen Einsatz der Elektromobilität, aber rasch und direkt dem Endverbraucher zugute. Erklärtes Ziel von KTM ist es, Sportmaschinen mit Elektroantrieb und Maschinen mit Verbrennungsmotor zu einem vergleichbaren Preis anzubieten. Die Freeride Elektro-Enduro wird ab dem Frühjahr 2011 um rund 10.000 Euro erhältlich sein.

Joachim Kern

e-Monday – Münchner Stammtisch für Elektromobilität

Diesen Termin sollte sich künftig jeder, der sich mit Elektromobilität befasst, im Kalender markieren. Jeden letzten Montag im Monat trifft sich der Münchner Stammtisch für Elektromobilität. Schon zur Auftaktveranstaltung am 29. März 2010 war der Saal im „Weissen Bräuhaus“ fast zu klein. Die Initiatoren des „e-Monday“, Dr. Claus Hornig und Stefan Kasserra, waren von der Resonanz auf ihre Einladung und der Zahl der Teilnehmer begeistert. „Mit so regem Interesse haben wir nicht gerechnet“, sagte Dr. Claus Hornig „Umso mehr freuen wir uns über das positive Feedback und die große Zahl der Interessenten.“

Es kamen dann auch Begeisterte aus allen Bereichen zusammen. Entwickler, Berater, Händler, Stromerzeuger, Wissenschaftler und viele andere mehr, die sich beruflich oder privat mit diesem neuen Konzept der Fortbewegung beschäftigen. Nach einer besonders kurz gehaltenen Vorstellungsrunde gab Stefan Kasserra einen Einblick in die Vielseitigkeit des Themenfeldes. Wer sind die Beteiligten? Wer ist Treiber und wer bremst? Welche Motive stehen hinter den einzelnen Akteuren? Wo werden Hindernisse auftauchen und welche Voraussetzungen sind zu schaffen?

Weiterlesen