Markt für EE-Heizungen 2009 stark im Minus

Im aktuellen Leitszenario für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland geht das Umweltministerium davon aus, dass im Jahr 2020 16 Prozent des Wärmeverbrauchs durch erneuerbare Energien (EE) abgedeckt werden sollen. Neueste Zahlen für das Jahr 2009 bescheinigen dem Wärmesektor auch eine positive Bilanz. Hier stieg der EE-Anteil auf 9,6 Prozent gegenüber 7,9 Prozent im Vorjahr, so der Bundesverband für erneuerbare Energien (BEE) in einer aktuellen Pressemitteilung. Eine gute Nachrich - auf jeden Fall. Aber die Politik darf sich keinesfalls zurücklehnen, warnen Experten, falls sie ihre Ziele erreichen möchte.

Denn: Die gute Gesamtentwicklung am Wärmesektor täusche darüber hinweg, dass im zweiten Halbjahr 2009 die Nachfrage nach Anlagen der regenerativen Wärmeerzeugung massiv eingebrochen sei, so der Präsident des deutschen Bundesindustrieverbandes Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH), Klaus Jesse. Bei Wärmepumpen, Solarthermieanlagen und Feststoffkesseln zur Verbrennung von Holz steht ein Minus im zweistelligen Bereich zu Buche. Hersteller der beiden zuletzt genannten Anlagentypen müssen sogar mit Absatzeinbrüchen von rund 25 Prozent klarkommen.

Pro Jahr werden nur drei Prozent oder 600.000 der alten Heizungssysteme ausgetauscht. Zu wenig, um das ausgegebene Ziel der Bundesregierung bis 2020 zu erreichen. Um einen EE-Anteil von 14 Prozent zu erreichen, wären jedes Jahr eine Million erneuerte Heizungen notwendig, die dem neuesten Stand der Technik bezüglich Effizienz und der Verwendung erneuerbarer Energien entsprechen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier des BDH und BEE.

Die beiden Verbände schlagen daher ein Maßnahmenpaket vor, um die Hauseigentümer bei ihren zuletzt zögerlichen Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Zunächst sollen alte Heizungssysteme einem regelmäßigen TÜV unterzogen werden. Werden festgelegte Standards nicht eingehalten, sollen die Eigentümer zum Austausch der ineffizienten Technik verpflichtet werden. Weiters wünschen sich die Verbände eine Aufstockung der Fördermittel im Rahmen des Marktanreizprogramms (MAP) auf eine Milliarde Euro. Die Fördersätze sollen deutlich erhöht werden, aber auch einer jährlichen Degression unterliegen, um einen weiteren Anreiz zu setzen, besser früher als später sein Heizungssystem zu erneuern.

Auch das Investor-Nutzer-Dilemma müsse gelöst werden, heißt es im Positionspapier. Besonders kleinere Vermieter schrecken oft vor den hohen Investitionssummen zurück, die sie nahezu allein tragen müssen. Die Mieter profitieren dagegen von den niedrigeren Betriebskosten. Die Umlage auf die Kaltmiete sei je nach Marktsituation schwierig. BDH und BEE bieten an, gemeinsam mit Hausbesitzerverbänden und Mietervereinigungen nach Lösungen zu suchen. Außerdem wird eine umfangreiche Informationskampagne über die Vorteile einer modernisierten Heizung angestrebt.

Wird hier auch zunächst Interessensarbeit für die Verbandsmitglieder geleistet, beschäftigen sich BDH und BEE mit einem äußerst wichtigen Thema im Bezug auf den Klimaschutz. Rund 50 Prozent des Endenergieverbrauchs entfielen 2008 auf die Wärmeerzeugung, aber nur 13 Prozent der Heizungen entsprechen in Deutschland dem Stand der Technik. Soll heißen, 87 Prozent arbeiten ineffizient und ohne den Einsatz von erneuerbaren Energien. Neue politische Anreizprogramme sind also gewünscht und erforderlich.

Ulrike Rosenfellner

Unternehmenskultur bei Clean Energy

Schön, wenn man Chancen hat. Wenn man etwas aufbaut und von Grund auf richtig machen kann. Durchdacht. Stimmig. Gibt's nur selten, aber gibt es. Eher in den neuen Märkten, Unternehmensgründungen, zum Beispiel im Bereich Clean Energy.

Junge Unternehmen mit erfolgversprechenden Produktideen, vielleicht unterstützt durch Fördergelder, oder Venture Capital richten in der Startphase zuvorderst Ihren Fokus nach außen, das heißt auf Entwicklung, Produktion, Marketing, Vertrieb. Daneben zu schaffen sind die internen  Strukturen Finance und Administration.

Letzteres umfasst zunächst auch kontinuierlich erforderliche Einstellungen von mehr Mitarbeitern. Das Unternehmen wächst. In seiner Keimzelle ist die Strategie und der Weg noch jedem "Early Bird" sonnenklar, der Spirit verbindet. Je größer aber die Mannschaft wird, desto erklärungsbedürftger werden Entscheidungen. Je mehr Menschen, umso komplexer die Anforderungen an die Unternehmensleitung. Die Kultur beginnt, sich zu verändern, teilweise schwer zu verkraften für die Mitarbeiter der ersten Stunde. Wie man damit umgeht, steht nicht im Business Plan. Dies ist die Zeit, wo die Company Farbe bekennen muss: Wie wollen wir mit unseren Mitarbeitern umgehen, wie positionieren wir uns am Markt, wie bewältigen wir unser Wachstum, wie versammeln wir alle hinter die Segel?

Endlich! Endlich kommen die richtigen Fragen. Denn spätenstens jetzt wird es Zeit, wenn man's richtig machen will, durchdacht und stimmig. Wenn man seine Chance nutzen will.

"Von Grund auf" bedeutet, zu wissen, was man will. Damit sollte man also anfangen. Clean Energy Unternehmen finden ihre Sinnstiftung in ökologisch und ökonomisch nachhaltigem und sozial gerechtem, verantwortungsvollem Wirtschaften und respektvollem Umgang mit natürlichen Ressourcen. Ethische Grundsätze, die stimmigerweise auch im Inneren des Unternehmens Geltung haben und das Miteinander aller Beschäftigten prägen. Voilà, hier gibt es also eine ersten Rahmen für die Unternehmenskultur. Heruntergebrochen auf die Ihnen im menschlichen Umgang elementaren Werte definieren Sie Ihre Human Resources (HR)-Kultur. Danach richten Sie Ihre Organisation aus, wählen das für Staffing, Job-Spezifizierung, Development, und Compensation & Benefits erforderliche Instrumentarium aus. Und bauen sich so ein integriertes, an Ihrem Unternehmen und Ihrer Kultur ausgerichtetes Hilfssystem, um Ihren Mitarbeitern das zu geben, was sie schätzen:

Menschen erzielen im wesentlichen langfristig die besten Arbeitsergebnisse, wenn sie sich mit der Arbeitsumgebung identifizieren können, ihre Arbeit einen sinnvollen Beitrag zu einem gemeinsamen Ziel stiftet, ihre Leistung anerkannt und angemessen gewürdigt wird und Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung verfügbar sind.

Befindet sich ein Human Resources-Profi in Ihrer Unternehmensleitung? Prima. Andernfalls holen Sie sich einen Experten an Bord. Zu teuer? Dafür noch zu klein? Denken Sie modular. Ein moderner HR-Berater zeigt Ihnen Alternativen zu Festanstellung und Personalabteilung. Themen wie Recruiting, Gehaltsabrechnung, Personalentwicklung  können von darauf spezialisierten Anbietern qualitativ hervorragend abgedeckt werden. Für die Erarbeitung und Einführung auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittener People-Management Tools holen Sie sich einen Interims-Manager Ihres Vertrauens, der Sie projektbezogen betreut. Benötigen Sie Unterstützung in Ihrem Alltag als Führungskraft - auch hier gibt es Angebote am Markt. Wirklich stimmig wird das Ganze aber erst, wenn die diversen Maßnahmen ineinander greifen und vor allem eines gewährleisten: Sie bei der Erreichung Ihrer Unternehmensziele unterstützen und keine unnötigen und lähmenden Strukturen oder Prozesse produzieren. Nutzen Sie Ihre Chance. Beraten Sie sich mit einem HR-Profi - dies ist ein Invest in Ihren Erfolg!

Claudia Drejer

Claudia Drejer, 3R people management, berät und unterstützt junge Unternehmen bei der Entwicklung ihres Personalmanagements.

Erstes schwimmendes Windrad vor Norwegens Küste

Hywind, der erste Prototyp eines schwimmenden Windrades, liefert Strom. Im Herbst 2009 wurde es vor Norwegens Küste im Rahmen eines Forschungsprojektes errichtet. Die Anlage verfügt über eine Leistung von 2,3 Megawatt und hat einen Rotordurchmesser von 82 Metern. Ziel des Anlagenbauers Siemens und dem Betreiber, dem norwegischen Ölkonzern Statoil, ist es, zu zeigen, dass auch nicht fest im Boden verankerte Windräder zur Stromerzeugung einsetzbar sind.

Das Windrad wurde etwa zehn Kilometer südöstlich der norwegischen Insel Kamøy in einer Wassertiefe von 220 Metern befestigt. Das ist das Besondere an Hywind: Es kann in Tiefen zwischen 120 und 700 Metern verankert werden. Damit bietet es drei Vorteile gegenüber fest installierten Windrädern:

Erstens: Ab Wassertiefen von 30 bis 50 Metern steigen die Kosten für die Errichtung fester Fundamente stark an. Deshalb ist der Bau von Offshoreanlagen in Ländern, die nicht über eine Flachwasserküste verfügen, oft zu teuer. Das schwimmende Windrad hingegen, das 100 Meter über den Meeresspiegel hinaus ragt, verfügt unter Wasser über eine ebenso lange Röhre, die der Stabilität dient. Diese ist mit Ballast wie Wasser und Felsbrocken gefüllt. Das untere Ende der Röhre ist mit drei Ankerdrahtseilen im Meeresboden befestigt. Dadurch kann sie in größeren Tiefen angebracht werden, womit Hywind das Einsatzgebiet der Offshorewindenergie vergrößert. Der Stromtransport erfolgt über ein Seekabel.

Zweitens können die Offshoreanlagen durch den größeren Einsatzradius in Gegenden verlagert werden, in denen sie Fische und Vögel weniger beeinträchtigen.

Drittens steigt das Windpotential mit der Entfernung zum Festland enorm an. So ist es innerhalb von 50 Seemeilen vor der Küste der USA mit mehr als 900 Gigawatt größer als die derzeit installierte Leistung aller amerikanischen Kraftwerke.

Zunächst befindet sich das Windrad in einer zweijährigen Testphase, bevor Statoil das Projekt weiter vorantreibt. Der Konzern hofft, die Technologie später nach Japan, Südkorea, Spanien oder die USA verkaufen zu können

Siemens ist weltweit Marktführer im Offshoregeschäft. Das Unternehmen hat mehr als 600 Megawatt installierte Leistung und 3.300 Megawatt Leistung im Auftragsbestand.

Judith Kronberg

Batchversuche helfen bei der Bestimmung des Biogasbildungspotenzials

Biogas entsteht bei der Vergärung von pflanzlichen oder tierischen Substraten in einer Biogasanlage. Mikroorganismen vergären unter Luftabschluss (anaerob) die Biomasse zu einem Gas. Dieses besteht vor allem aus Methan und Kohlendioxid. Weitere Bestandteile sind Sauerstoff, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Wasserstoff und andere Gase. Der Methangehalt ist der wertbestimmende Faktor des Biogases, denn aus ihm lässt sich durch Verbrennung für den Menschen nutzbare Energie gewinnen.

In kleineren Biogasanlagen, die häufig von Landwirten betrieben werden, dienen speziell angebaute nachwachsende Rohstoffe als Ausgangsmaterial. Dabei kann es sich um Gras- oder Maissilage handeln. Diese wird mit der Gülle vermengt, die in der Schweine, Hühner- oder Rinderhaltung auf landwirtschaftlichen Betrieben anfällt. Gerade in größeren Anlagen werden weitere Ausgangsmaterialien wie Bioabfälle, Speisereste oder Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie verarbeitet.

Nicht immer kann im Vorfeld eingeschätzt werden, wie sich das Substrat im Fermenter verhält und wie hoch der Biogasertrag ausfällt. Auch der Wechsel eines Substrates führt zu Prozessveränderungen im Gärbehälter. Um die Vergärungsabläufe besser einschätzen zu können, gibt es die Möglichkeit die Veränderungen in einer Batchversuchsanlage (batch: englisch Beschickung) zu simulieren.

In der Versuchsreihe stehen ein Kontrollsubstrat (zum Beispiel durchgegorene Rindergülle) und verschiedene zusammengesetzte Substrate. Diese werden zu Versuchsbeginn mit der Rindergülle angeimpft. Die Versuchsapparatur fängt das produzierte Biogas auf, so dass sich die Mengen und die Zusammensetzung des Gases im Laufe des Versuches bestimmen lassen. Der Versuchsablauf ist recht einfach und gut durchzuführen, kritischer ist die lange Dauer. Der Gärprozess kommt langsam in Gang und erst nach rund 14 Tagen oder später beginnt sich die Gärung zu stabilisieren. Der Versuch muss daher insgesamt rund 30 Tage laufen. Genau hier setzt die Kritik der Anlagebetreiber und möglichen Nutzer der Batchversuche an. Die lange Versuchsdauer treibt die Preise in die Höhe. In der Praxis zeigen sich Ergebnisunterschiede zwischen einzelnen Laboren. Theoretische Berechnungen zur Energiefreisetzung bringen oft ungenaue Ergebnisse, sind aber einfacher und kurzfristiger umzusetzen.

Susanne Kirsch

Geballte Frauenpower

In Rösrath muss gespart werden, je mehr, desto besser. Die finanziellen Ressourcen der Stadt Rösrath geben nämlich nichts mehr her, wer hier mit Ausgabevorschlägen ankommt, kann gleich wieder zur Tür hinausgehen. Stattdessen sind Vorschläge zur Einsparung und zur Verbesserung der kommunalen Finanzen herzlich Willkommen.

Um so erfreulicher die gut besuchte Solar Lokal im Jahr 2008. Eine anbieterneutrale, bundesweite Aufklärungsveranstaltung zu den Möglichkeiten der Stromerzeugung aus Sonnenlicht, getragen vom Naturschutzverband Deutsche Umwelthilfe e. V. und dem deutschen Solarstromkonzern SolarWorld, die auch in Rösrath Halt machte. Sparen und Geldverdienen gleichzeitig und ganz nebenbei die Kommunalkasse entlasten – eine Idee, die auch bei der weiblichen Bevölkerung Eindruck geschunden hat. Über die Wirkung der Veranstaltung und deren Ausmaße waren sich die Damen um die Frauengruppe „Lokale Agenda 21“ zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht bewusst. Eine Gruppe Frauen, die ein so großes Rad dreht, war selbst für die emanzipiertesten Rösrather nur schwer vorstellbar.

Jetzt, nicht einmal zwei Jahre später, haben die Pläne eine konkrete Form angenommen, dabei fing alles ganz harmlos an – mit einem Infoabend. Aus den Problemen vieler Interessierter ist dann das Projekt der Rösrather Powerfrauen entstanden. Viele haben aufgrund der baulichen Gegebenheiten einfach nicht die Möglichkeit, Solarmodule auf ihrem Dach zu installieren und damit die Kraft der Sonne zur Stromerzeugung auszunutzen. Zu flach, zu schattig oder einfach zu klein, um Solarmodulen eine Chance zu geben. Gemeinsam stark sein und am selben Strang ziehen, das dachten sich dann wohl die Damen der Stadt und nahmen das Zepter selber in die Hand. Einen idealen Standort für Ihr Solarprojekt haben sie bereits ausfindig gemacht, das Dach des Gymnasiums ist für diese Aufgabe geradezu prädestiniert.

Die Umsetzung des Frauenprojekts mit der tatkräftigen Unterstützung von der ortsansässigen Firma Wibatec, die über die nötige Erfahrung auf dem Solarsektor verfügt. Ebenfalls mit im Boot sitzt Horst Schmitz als Steuerberater, schließlich soll das Projekt ja nicht nur Geld kosten, sondern auch rentabel sein. Und das ist es gewiss, was die Berechnungen unterschiedlicher Laufzeiten und Finanzierungsmodelle zeigen. Von der 100-prozentigen Eigenfinanzierung bis hin zum lediglich 30-prozentigen Eigenanteil wurde das 93.000 Euro teure Solarprojekt von sämtlichen Seiten beleuchtet.

Je nach Interesse und Investitionsfreude von Investoren ist von einer 30 Kilowattanlage bis hin zur 100 Kilowatt Spitzenleistung pro Tag alles offen, angesichts der guten Rendite von angenommenen acht Prozent eine sicherlich lohnenswerte Geldanlage. Allerdings drängt die Zeit, wenn sich die Rendite nicht verschlechtern soll, muss das Projekt vor dem 31.03.2010 an den Start gehen. Danach verringert sich die staatliche Förderung, was sich auch auf die Rendite auswirken würde, ganze zwei Prozent würden die Powerfrauen dann verschenken. Für das Bürger-Solar-Kraftwerk müssen feste Zahlungszusagen also bis Ende Februar sicher sein, um den Projektstart und damit die Rendite nicht zu gefährden.

Judith Schomaker

Neues Wasserkraftwerk an der Aller

Mal wieder - oder immer noch - streiten sich die Politiker über den geplanten Atomausstieg. Auf der einen Seite plädieren sie für eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke, auf der andere Seite wird die Notwendigkeit ebendieser diskutiert.

Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Parteimitglieder scheinen jedoch völlig unbegründet zu sein, schließlich ist der Öko-Anteil der Erneuerbaren weiterhin gestiegen und bewegt sich, trotz einem geringeren Fortschritt beim Ausbau der regenerativen Energiequellen, mit 16,1 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland immer noch im Rahmen des Plans. Somit sein die magische 40-Prozent-Marke beim Ökostrom-Anteil spätestens 2030 erreicht, nach neuesten Daten des Umweltbundesamtes sogar schon um das Jahr 2020.

Der wichtigste Teil der erneuerbaren Energien fällt dabei den Wind- und Biomassekraftwerken zu. Ihnen folgt die Wasserkraft auf den Fuß, wobei gefühlt die Photovoltaik die Nase vorn haben sollte. Doch der Eindruck täuscht, zwar weist die Technologie um die Sonnenkraft die stärkste Wachstumsrate unter den Erneuerbaren auf, doch ihr Anteil liegt noch unter der sieben-Prozent-Marke. Die Wasserkraft hingegen schlägt mit rund 23 Prozent zu. Ein Potenzial, welches auch Investoren erkannt haben, gilt die Kraft des Wassers doch als sauberste und zugleich effizienteste Methode der Energiegewinnung. Auch die Neuregelung des Wasserrechts, die ab dem 01. März 2010 in Kraft tritt und bei der Nutzung der Wasserkraft die Umweltanliegen noch weiter in den Vordergrund rückt, tut dem keinen Abbruch.

Auch im Niedersächsischen Münden wird fleißig geplant, derzeit am Neubau eines zweiten Wasserkraftwerkes. Schon Ende der 80er Jahre wurde am alten Stauwehr der Oker ein Turbinenkraftwerk gebaut, was mit jährlich 1,2 Millionen Kilowattstunden rund 300 Haushalte versorgen kann. Das neue Kraftwerk, dessen Baubeginn für das Frühjahr 2011 geplant ist, soll nun ebenso effiziente und saubere Energie liefern und dabei sämtliche Umweltbelange mit einbeziehen. Bis dahin sind allerdings noch zahlreiche Genehmigungsverfahren nötig, damit nicht nur die Betreiber glücklich werden, sondern auch Fische und Landwirte positiv gestimmt sind.

Judith Schomaker

Elektroprodukte im Greenpeace-Test

Alle drei Monate prüft die Umweltorganisation Greenpeace die größten Hersteller von Computern und anderen elektronischen Geräten auf ihre Umweltverträglichkeit. Dabei geht es um Faktoren wie die Energieeffizienz der Geräte, den Einsatz chemischer Substanzen bei der Herstellung und die Recyclingfreundlichkeit. Bisher konnten die Probanden nie wirklich überzeugen, im Gegenteil: Nintendo landete regelmäßig auf dem letzten Platz.

Das japanische Unternehmen hat eigentlich ein sehr kinderfreundliches Image. Da sollte man meinen, die Verwendung von Giftstoffen bei der Herstellung von Playstation & Co. sei ausgeschlossen. Doch in Sachen Umweltbemühungen bewegt sich der Konzern laut Greenpeace in den letzten Jahren kaum. Immer noch werde PVC in den Geräten verbaut, die Kunden erhalten keinerlei Anhaltspunkte zu den Recyclingmöglichkeiten für die Geräte. Auch ein unabhängiges Gutachten, wie viel CO2 das Unternehmen in die Luft pustet, ist auf der Internetseite nicht zu finden, ebenso wenig wie Informationen zur Nutzung von erneuerbaren Energien bei der Produktion. Mit einer Note von 1,4 von zehn möglichen Punkten im aktuellen Test des Ökoverbandes sind die Japaner daher das Schlusslicht.

Nach dem aktuellen Testergebnis aus dem Januar schafften nun Nokia und Sony Ericsson zum erstem Mal, was ihnen und ihren Elektronik-Konkurrenten jahrelang verwehrt worden ist: Der grüne Ritterschlag für weitgehend schadstoffarme und umweltfreundliche Produkte. Der finnische Handyhersteller Nokia ist absoluter Spitzenreiter beim Ausschluss von giftigen Produktionsstoffen aus dem Produktionszyklus, nur bei der Energieeffizienz hapert es noch ein wenig. Sony Ericsson auf Platz zwei hat in Sachen Giftstoffe auch nicht schlecht abgeschnitten, nur beim Recycling gibt es noch Nachholbedarf.

Auf dem dritten und vierten Platz folgen Toshiba und Philips, die aber in Punkto Lobbyarbeit mehr tun könnten, meinen die Greenpeace-Experten. Auch Apple und HP werden von der Umweltorganisation für relativ schadstoffarme Produkte gelobt. Zurückgefallen sind dagegen Samsung, Dell, Lenovo und LG Electronics.

Auch die Informationspolitik der meisten Hersteller zur Umweltverträglichkeit habe sich verbessert, so Greenpeace. So seien demnach auf den Internetseiten der Hersteller Hinweise auf umwelttechnische Standards der verschiedenen Produkte deutlicher dargestellt und prominenter platziert worden. Das mache es den Kunden wesentlich einfacher, ihre Kaufentscheidungen auch nach Umweltkriterien auszurichten.

Mehr zum Greenpeace-Ratgeber der grünen Elektronik gibt es HIER 

Daniel Seemann

Eco Responsibility Award 2010

Im Rahmen der ISPO 2010 in München wurde dieses Jahr zum zweiten Mal der „Eco Responsibility Award" vergeben. Die Auszeichnung würdigt Unternehmen oder Produkte, die besonders umweltschonend und nachhaltig sind. Die Hersteller „Atomic" und „Völkl" konnten den begehrten Award auch diesmal wieder abstauben.

In Branchenkreisen gilt die weltgrößte internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode, die ISPO, als Trendbarometer. Produzenten aus aller Welt gewähren dabei Einblicke in neueste Entwicklungen. Ein Besuch der Fachmesse lässt erahnen, welche Sportartikel in den kommenden Monaten beim Fachhändler erhältlich sein werden. So auch dieses Jahr, in welchem die ISPO ihr vierzigjähriges Bestehen feiert. Umso größer war die Aufmerksamkeit, die sich auf die Vergabe des diesjährigen Eco Responsibility Awards richtete.

Innerhalb der Sportartikelbranche gewinnen nachhaltiges Produzieren und Wirtschaften wesentlich an Bedeutung. Daher wurde die eigenständige Auszeichnung im Vorjahr ins Leben gerufen. Um eine möglichst objektive Bewertung zu ermöglichen, entwickelte die Technische Universität München, gemeinsam mit anerkannten Experten, mehrere Schlüsselkriterien. Anhand dieser Merkmale erfolgt die Bewertung der eingereichten Produkte. Dabei werden etwa die Herstellung, Logistik und Umweltverträglichkeit eines Sportartikels untersucht. Eine Beurteilung der generellen Unternehmenskultur vervollständigt das Ergebnis.

Gab es bei der Premiere des Awards noch vier Kategorien, so waren es dieses Jahr bereits sechs Kategorien, in welchen ein Gewinner ermittelt wurde. Ski- und Snowboardfahrern steht eine besonders nachhaltige Saison 2010/2011 ins Haus. Wie im Vorjahr durften auch diesmal der österreichische Hersteller Atomic und der deutsche Produzent Völkl die begehrte Auszeichnung in Empfang nehmen.

Wer im nächsten Winter besonders nachhaltig snowboarden möchte, der wird wohl beim „Poacher Premium Renu" aus dem Hause Atomic landen. Das Hybridgerät entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Splitboard, welches sich mit wenigen Handgriffen vom Snowboard zum Tourenski umfunktionieren lässt. Der Kern, das Herzstück des Boards, besteht aus Pappelholz. Die Sidewall ist aus schichtverleimtem Eschenholz aufgebaut. Besonderes Highlight: Umweltfreundliche Jutefasern ersetzen einen Teil der ansonsten üblichen Glasfasern.

Völkl konnte die Jury mit dem neuen Tourenski „Amaruq eco" überzeugen. Der Skihersteller aus Straubing setzt beim Bau des Gerätes auf nachhaltig produziertes Holz aus heimischen Wäldern. Raffiniert eingesetztes Ahorn-, Kirsch- und Walnussholz verleiht dem Endergebnis eine markante Optik. Die Laufflächen bestehen zur Gänze aus Recyclingmaterial. Auch bei den Kanten kommt wiedergewonnener Stahl zum Einsatz.

Die Gewinner des Eco Responsibility Awards 2010 beweisen, dass hochwertige und moderne Sportgeräte mit Rücksicht auf unsere Umwelt produziert werden können. Innovatives Design, technische Perfektion und nachhaltige Produktion werden zu einem harmonischen Ganzen vereint. Die Ergebnisse machen bereits heute Lust auf die Wintersaison 2010/2011.

Joachim Kern

Deutschlands Nachhaltigkeitsstrategie – jetzt können Bürger mitreden

Mit der Unterzeichnung der Agenda 21, dem Schlussdokument der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen" (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro, verpflichtete sich Deutschlands Bundesregierung zur Erstellung einer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Um den Erfolg verschiedener Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu kontrollieren, beschloss die Regierung 2002, die Ergebnisse ihrer Handlungen ab 2004 alle zwei Jahre in einem Fortschrittsbericht zu publizieren. Für die Themensetzung des Fortschrittsberichts 2012 geht das Bundesumweltministerium nun neue Wege und lädt Bürgerinnen und Bürger zu einem Umweltdialog ein.

Auf dem am Mittwoch von Katherina Reiche, Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, mit einer Videobotschaft eröffneten Internetportal www.mitreden-u.de können sich Bürgerinnen und Bürger aktiv an der Gestaltung der deutschen Nachhaltigkeitspolitik beteiligen.

„Uns interessiert, welches Umweltthema aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger mehr Aufmerksamkeit benötigt und wo sie großen Handlungsbedarf sehen. Wir sind überzeugt: Wer mitgestalten und mitreden kann, der ist gern bereit, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten", erklärte Reiche.

Bis zum 17. März 2010 kann jeder, der möchte, eigene Beiträge einstellen sowie Vorschläge anderer Teilnehmer kommentieren und bewerten. Anschließend werden die Beiträge durch das Ministerium ausgewertet. Zu drei der wichtigsten Themen werden bis zum Sommer ausgewählte Bürgerinnen und Bürger mit Vertretern von Verbänden und Vertretern des Umweltministeriums diskutieren.

Corinna Lang

Masdar City - Die Ökostadt in Abu Dhabis Wüste

Abu Dhabi ist bekannt für seinen enormen Ressourcenverbrauch. Nirgendwo auf der Welt ist der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser, Strom und Benzin höher als in dem arabischen Emirat, dessen Wirtschaft hauptsächlich auf dem Export fossiler Brennstoffen basiert. Doch auch den Ölscheichs ist bewusst, dass sich ihre Ölvorräte in absehbarer Zeit dem Ende neigen und sie rechtzeitig in die Cleantech-Branche einsteigen müssen, wenn sie in diesem Bereich wettbewerbsfähig sein wollen. Und so sind sie - ganz nach dem Motto: nicht kleckern, klotzen! - gerade dabei, die erste kohlendioxid- und abfallfreie Stadt der Welt mitten in der Wüste zu errichten.

Bis 2016 soll Masdar City - so der Name der Ökostadt - auf einer Fläche von zirka sechs Quadratkilometern fertiggestellt und Wohnsitz von 40.000 Menschen werden. Außerdem sollen dort eine Universität für erneuerbare Energien und 500 Cleantech-Firmen ihren Betrieb aufnehmen und so, zusätzlich zu den Einwohnern, täglich 50.000 Pendler in die Stadt locken.

Architektur

Der Masterplan des Londoner Stararchitekten Sir Norman Foster sieht vor, Masdar City nach dem Vorbild alter Wüstenstädte zu erbauen. Enge Gassen sollen dafür sorgen, dass zwar noch genug Tageslicht in Büro- und Wohnräume fällt, sich die Gebäude aber gegenseitig Schatten spenden, um dadurch den Energiebedarf für Klimaanlagen in Grenzen zu halten. In der Stadt aufgestellte Brunnen und Sonnensegel sollen für Kühlung sorgen und eine Stadtmauer den heißen Wüstenwind draußen halten.
Gebäude und Fußwege sollen auf Betonstelzen stehen, um eine kühlende Luftzirkulation zu gewährleisten und genug Raum für ein Verkehrsnetz zu bieten.

Energieversorgung

Die Energieversorgung für Masdar City soll ausschließlich über regenerative Energien erfolgen. Um deren hohe Energiegestehungskosten aufzufangen, setzen die Konstrukteure auf Energieeffizienz. Dennoch wird der Jahresenergiebedarf der Stadt auf mindestens 350.000 Megawattstunden geschätzt. Dieser soll durch inner- und außerstädtische Photovoltaikanlagen, Abfallverbrennung und solarthermische Kraftwerke gedeckt werden. Auch die Nutzung von Geothermie scheint für die Planer ein Thema zu sein.

Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Auch bei der Abfall- und Kreislaufwirtschaft setzen die Stadtentwickler auf Nachhaltigkeit. Ein Abwasseraufbereitungssystem soll die Entsalzung von Meerwasser herabsetzen und Durchflussregler an den Wasserhähnen den Wasserverbrauch verringern. Müll soll durch Vakuumröhren in eine unter der Stadt befindliche Sammelstelle gelangen, wo er sortiert wird, um wiederverwertet zu werden. Restabfälle sollen verbrannt oder in Fermentierungsanlagen in brennbares Gas umgewandelt werden, während zurückbleibende Feststoffe als Baumaterial genutzt werden sollen.

Verkehr

Masdar City ist auf möglichst kurze Wege ausgelegt. Für längere Strecken sollen den Einwohnern beziehungsweise Besuchern 200 ferngesteuerte Elektrofahrzeuge, die auf Induktionsschleifen dahingleiten, zur Verfügung stehen. Außerdem soll eine Bahnlinie Masdar City mit dem Flughafen und der Hauptstadt Abu Dhabi verbinden.

Erster Erfolg

Noch zweifeln Experten an dem Erfolg des 22-Milliarden-US-Dollar-Projekts. So halten sie es beispielsweise für unwahrscheinlich, dass sich trotz Subventionen tatsächlich 500 Hightech-Ökofirmen in Masdar City niederlassen werden. Einen ersten Erfolg erlangte Abu Dhabi jedoch am 29. Juni 2009, als bekannt wurde, dass es - und somit Masdar City -  zum Hauptsitz der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (Irena) wird.

Corinna Lang

Quellen: Wuppertal Institut, Financial Times Deutschland, Die Zeit

Moderne Radaranlage untersucht den Klimawandel

Im norwegischen Andenes betreibt das Leibnitz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) aus Kühlungsborn die modernste Radaranlage der Welt. Die ALOMAR-Wind-Radar-Anlage wird kurz „Alwin“ genannt und verfügt, neben einer eigenen Startrampe für Höhenforschungsraketen, über 433 einzelne Sende- und Empfangsteile. Diese sollen den Klimaforschern Aufschluss über die Vorgänge in der sogenannten Mesosphäre, dem Atmosphärenbereich in 70 bis 100 Kilometern Höhe, geben. Neben der Temperatur werden Windbewegungen und die Radarechos von elektrisch geladenen Eisteilchen gemessen und untersucht.

Durch die Ergebnisse erhofft sich das IAP weitere Erkenntnisse über leuchtende Nachtwolken, ein bereits international anerkanntes Spezialgebiet der Kühlungsborner Forscher. Das wunderschön anzusehende Wetterphämomen findet ausschließlich auf dem Nachthimmel südlich des Polarkreises statt und entsteht, wenn die tiefstehende Abendsonne von unten auf Eiskristall-Wolken in einer Höhe von 80 bis 85 Kilometern scheint.

Außerdem soll „Alwin“ sogenannte Schwerewellen untersuchen. Dabei handelt es sich um gewaltige Wellenbewegungen in der unteren Atmosphäre. Sie entstehen, wenn Luftmassen durch ein Gebirge nach oben gedrückt werden und sich aufgrund der abnehmenden Dichte mit immer größerer Amplitude nach oben ausbreiten. Die Wissenschaftler hoffen durch die Erforschung der Schwerewellen die oft paradoxen Temperaturstrukturen der oberen Atmosphäre erklären zu können. Dort werden nämlich im Sommer Temperaturen von minus 150 und im Winter viel wärmere minus 80 Grad gemessen.

Laut IAP-Direktor Franz-Josef Lübken soll die hochmoderne Radar-Anlage aber auch einen Beitrag zum Verständnis der komplexen Zusammenhänge des Klimawandels leisten. Während in der unteren Mesosphäre die Temperatur in den vergangenen 40 Jahren um bis zu 20 Grad sank, wurde es am Boden immer wärmer. Eine Veränderung dieses Ausmaßes lässt sich aber nur bedingt durch vermehrten CO2-Ausstoß und Treibhauseffekt erklären. Außer Zweifel steht für den Klimaforscher Lübken übrigens, dass der Hauptverursacher des Klimawandels der Mensch ist.

Matthias Schaffer

Solaranlagen schneefrei halten

Die langanhaltende weiße Pracht in diesem Winter macht nicht nur Mensch und Tier ordentlich zu schaffen, auch Solaranlagen leiden unter ihrem Winterkleid aus Schnee. Denn sind die Module erst einmal mit einer Schicht aus Schnee und Eis überzogen, so kann auch der schönste Wintersonnenschein ebendiese nicht zur Stromproduktion bewegen. Schade, denn auch im Winter gibt es zahlreiche Tage, an denen die Vorraussetzungen optimal sind und die Sonne hoch am wolkenlosen Himmel steht.

Anlagenbetreiber, die ihre Solaranlagen auf einem Dach mit großem Neigungswinkel (30, besser 40 Grad) installiert haben, können sich in vielen Fällen glücklich schätzen. Hier rutscht der Schnee meist von ganz alleine ab und die Solarmodule können entsprechend arbeiten. Betreiber, die nicht über das Glück einer solchen Dachneigung verfügen, hoffen indess auf Tauwetter, damit ihre Anlagen ihren Dienst wieder aufnehmen können – oder fangen ihrerseits an, die Solarmodule manuell von der Schneelast zu befreien. Bei Neuschnee mag das noch durchführbar sein, doch taut der Schnee auf den Solarmodulen tagsüber an, entwickelt sich während der frostigen Nacht schnell eine feste Eisschicht, die sich nur noch mit größter Mühe entfernen lässt. Zudem ist das manuelle Befreien der Module vom Schnee relativ aufwändig und birgt diverse Sicherheitsrisiken. Wer mit Besen bewaffnet den Kampf gegen den Schnee auf seinen Solarmodulen antritt, sollte daher für optimale Standsicherheit auf dem Dach sorgen und mittels Sicherheitsleine vor dem Abstürzen gesichert sein. Bei geringen Firsthöhen lässt sich das ganze Unterfangen auch vom Boden aus durchführen. Lange Teleskopstangen helfen dabei, allerdings sollte darauf geachtet werden, die empfindlichen Module nicht durch ungeeignete Räumwerkzeuge zu beschädigen.

Wem diese Art der Schneeräumung zu aufwändig ist, dem bleibt noch die Möglichkeit, seine Solaranlage mit einem so genannte Cleaning-Systemnachzurüsten. Auf dem Markt werden unterschiedliche Systeme angeboten, die mittels Schneeräumkörpern auf Seil- und Schienensystemen für die einfache Schneefreihaltung der Anlage sorgen. Diese sind auch in Kombination mit einem automatischen Reinigungssystemerhältlich, welches den Ertrag der Solaranlage, unabhängig von den Witterungsbedingungen, auf einem konstanten Niveau hält. Eine weitere Möglichkeit der Enteisung von Solarmodulen bietet seit dem letzten Jahr die Firma Eulektra mit ihrem Solar-Reverter, geeignet für alle kristallinen Module. Normalerweise wandeln Solarzellen Licht in elektrischen Strom um, wird der Solarzelle jedoch Strom zugeführt, so erzeugt diese Wärme und die wiederum lässt den Schnee auf dem Modulen in Windeseile schmelzen. Der erste Prototyp ist bereits in Bayern im Einsatz, doch den Nutzen sollten Betreiber vorab genau abwägen, schließlich muss zunächst Strom eingespeist werden, damit die Solaranlage ihrerseits Strom produzieren kann. Bei schlechten Wetterbedingungen mit trübem Himmel und kaum Sonnenschein eine eher kontraproduktive Angelegenheit.

Judith Schomaker

Ismael – ein Buch für Weltretter

Die Frage „Wie kann ich die Welt retten?" habe ich mir schon öfters im Geheimen gestellt. Nur im Geheimen, denn natürlich klingt es verrückt. Wie sollte ein kleiner Mensch wie ich die Welt retten können? Und doch ist das Streben nach dem Retten der Welt ein ganz natürlicher Selbsterhaltungstrieb. Die vielen sozialen und ökologischen Netzwerke weltweit sorgen sich allesamt um das Wohl der Grundlagen allen Lebens, um das es offensichtlich nicht allzu gut bestellt ist.

In Daniel Quinns Buch „Ismael" stellt sich ein Mann ebenfalls die Frage nach seinen Möglichkeiten die Welt zu retten. Schon seit den 68ern, die Grund zur Hoffnung gaben, dass sich jetzt endlich etwas ändern würde, sucht er im Geheimen nach der Wunderwaffe.

Die Zeit hat ihn enttäuscht, aber so richtig verloren hat er die Hoffnung, dass es eine Antwort auf seine Frage gibt nicht. Er erfährt durch einen Zeitungsartikel von einem Lehrer, der eine Schülerin oder einen Schüler mit genau dieser Fragestellung sucht.

Wie sich herausstellt ist dieser Lehrer ein Gorilla mit Namen Ismael, was soviel bedeutet wie „Gott erhört dich". Warum ausgerechnet ein Gorilla? Nun, weil dieser eine unbeteiligte Rolle einnehmen kann bei seiner Erzählung von der Entstehung des Menschen. Denn um die Menschen vor dem Zerstören der Welt zu hindern, muss man zunächst ergründen, warum sie überhaupt so zerstörerisch sind. Trotz des religiösen Namens Ismael, der sowohl im Alten Testament als auch im Koran vorkommt, liefert das Buch auch für Atheisten eine aufrüttelnd einleuchtende Sichtweise auf den Menschen und seine Handlungen. Anschauliche Vergleiche erschüttern die Grundfesten unserer kulturell eingeprägten Bewertungsmuster. Und durch das Erkennen des Menschen zeigt sich die wahre Bestimmung des Menschen in der Welt. Eine Bestimmung, die nicht zerstört.

Jetzt wollen Sie gerne wissen wie denn die Rettung der Welt aussieht? Nur soviel sei verraten: Dieser Artikel mit der Empfehlung, dass Sie dieses Buch lesen sollten, ist schon ein Teil davon.

Ann-Morla Meyer

Algen hungern für die Zukunft der Mobilität

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt, die fossilen Treibstoffe werden in den nächsten Jahrzehnten zur Neige gehen. Höchste Zeit also, sich nach ökologisch verträglichen  Alternativen für den Antrieb von Fahrzeugen umzusehen. Molekularem Wasserstoff (H2) wird in diesem Zusammenhang schön länger eine wichtige Rolle zugedacht, da das hochenergetische Gas bei seiner Verbrennung lediglich Wasserdampf als Abgas verursacht. Allerdings: Seine Herstellung ist in der Regel sehr energieintensiv und, je nach verwendeter Energiequelle, nicht unbedingt nachhaltig.

Forscher sehen nun Algen als neue Hoffnungsträger für eine ökologische Wasserstoff-Produktion. Welches Prinzip verbirgt sich dahinter? Algen können genauso wie grüne Pflanzen unter Verwendung von Sonnenenergie Photosynthese betreiben. Zusätzlich sind einige wenige Vertreter, wie die Grünalgenart „Chlamydomonas reinhardtii", auch zur Produktion von Wasserstoff fähig. Für diese spezielle Stoffwechselfunktion zeichnet hauptsächlich ein Enzym, die Hydrogenase (vom englischen Wort „hydrogen" für Wasserstoff), verantwortlich, welches mit der Photosynthese gekoppelt ist.

Wichtige Erkenntnisse zu diesem Thema stammen aus der Arbeitsgruppe „Photobiotechnologie" an der Ruhr-Universität Bochum. Sie hat herausgefunden, dass Algen nur dann in effektiver Weise H2 produzieren können, wenn die Photosynthese-Rate heruntergefahren wird. Dazu werden diese einem Schwefel-Mangel ausgesetzt, sie müssen also hungern. Als Reaktion stellen die Algen ihre Stoffwechsel um, die Hydrogenase wird aktiviert. Das Enzym dient in der Folge als Katalysator für eine biochemische Reaktion, bei der reiner Wasserstoff als Gas entweicht.

Momentan entspricht die Ausbeute an Wasserstoff noch nicht den Wünschen der Forscher, auch weil die Hydrogenasen sehr sensibel auf Sauerstoff reagieren. So kann die Reaktion nur unter Luftabschluss ablaufen. In Bochum wird aber weiter gearbeitet, um mit sauerstoffstabilen Hydrogenasen eine effizientere Photosynthese und somit höhere Wasserstoff-Ausbeute zu erreichen.

Ulrike Rosenfellner

Innovationspreise für Klima und Umwelt verliehen

Zum ersten Mal wurden diese Woche in Berlin deutsche Unternehmen und Forschungs-einrichtungen mit dem Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) ausgezeichnet. Gemeinsam prämieren das Bundesumweltministerium und der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) Innovationen, die Wirtschaftlichkeit sowie Klima- und Umweltschutz vorbildlich vereinen. Eine zehnköpfige Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Klaus Töpfer wählte die sechs Preisträger aus. Die wissenschaftliche Bewertung erfolgte durch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.

Gesucht wurden Technologien, Techniken, Verfahren und Prozesse sowie Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Klima und Umwelt schützen sowie zu Beschäftigung und Wachstum in Deutschland beitragen.

Das Bundesumweltministerium und der BDI wollen mit der Preisverleihung herausragende Leistungen in diesem Bereich hervorheben, um das Engagement der deutschen Industrie beim Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz zu würdigen und zu stärken. Insgesamt waren 145 Bewerbungen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen für den ersten IKU eingegangen. Der Preis wird mit Förderung der Klimaschutzinitiative des BMU in insgesamt fünf mit jeweils 25.000 Euro dotierten Kategorien vergeben:

In der Kategorie „Prozessinnovationen für den Klimaschutz" siegte die Zenergy Power GmbH, die durch eine induktive Blockerwärmung auf Basis von Supraleittechnologie den Energieverbrauch bei der Metallerwärmung halbiert. Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH erreicht mit einem Zeolith nutzenden Trocknungssystem höchste Energieeffizienz von Geschirrspülern, was ihr die Auszeichnung in der Kategorie „Produkt- und Dienstleistungsinnovationen für den Klimaschutz" einbrachte. Im Bereich „Umweltfreundliche Technologien" gab es gleich zwei Preisträger: Die Dr.-Ing. Werner Neu Verfahrenstechnik GmbH erforschte ein energiesparendes und wirtschaftliches Polymerverarbeitungsverfahren zur Herstellung von Kunststoffteilen; Prof. Dr.-Ing. Peer Haller von der Technischen Universität Dresden entwickelte ein Fertigungsverfahren für faser- und textilbewehrte Formholzprofile.

Die Kategorie „Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen" entschied die Siemens AG mit der derzeit größten und effizientesten Gasturbine der Welt für sich. Der Preis für „Klima- und Umweltschutztechnologietransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer und Staaten Osteuropas" ging an die Powitec Intelligent Technologies GmbH, die durch selbstlernende Software in Kombination mit optischen und akustischen Sensoren eine Optimierung von Großkraftwerken ermöglicht.

Ab sofort können Interessenten sich für den nächsten Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 20. Mai 2010.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

SINN-LICHKEIT - Kunst und CSR

Denn wenn mein Bild stark ist, wird es sich wie ein Samenkorn entwickeln (...)
Und wo hast du schon einen Drang zum Meere gesehen, der sich nicht in ein Schiff verwandelt hätte?

Antoine de Saint-Exupéry

Wer CSR im Unternehmen vorantreibt weiß, wie schwer es ist, sich Gehör zu verschaffen. Das ThemaNachhaltigkeit wird leider noch immer mit dem mahnenden Zeigefinger und der drögen Aufforderung zum Verzicht assoziiert. Dabei ist uns allen klar, dass wir Freude, Begeisterung, Überzeugung, Leidenschaft brauchen, damit wir die Kraft haben, uns trotz aller Widrigkeiten zu engagieren. Diese Energie, diese Zuversicht und Aufbruchsstimmung muss man sehen, hören, fühlen, spüren, vielleicht sogar riechen oder schmecken können.

Neue, visionäre und inspirierende Kommunikationskonzepte sind gefragt. Warum sollte man dafür nicht auf die Kunst setzen, der es seit Jahrtausenden gelingt, existenzielle Themen intelligent und sinnlich auf höchstem Niveau darzustellen und zu vermitteln? Künstler sind ihrer Zeit häufig voraus, sie nehmen seismographisch auf, womit wir uns beschäftigen sollten. Professionelle Kunst- und Kulturprojekte sorgen auf einzigartige Weise dafür, das Thema Nachhaltigkeit mit Sinn-lichkeit, Lebensfreude, Attraktivität und Intelligenz zu präsentieren. Bildende Kunst, Musik, Tanz, Theater bewegen Kopf und Herz. Ungewöhnliche Aktionen rütteln auf und schaffen Bewusstsein: Da spricht plötzlich der Aufzug! Und am Treppenaufgang befindet sich die neueste Statistik: 76 Prozent der Frauen trennen ihren Müll, aber nur 48 Prozent der Männer, 32 Prozent der Angestellten essen lieber Tomaten aus biologischem Anbau und 12 Prozent kommen mit dem Fahrrad in die Arbeit. Während einer Management Tagung laufen Filme von Kunststudenten, die den Alltag aus ganz anderem Blickwinkel sehen.

Es wird offenkundig: Hier bewegt sich etwas; das ist unser Ziel. Der Effekt von Projektgruppenarbeit, Seminaren und Trainings geht im Alltag schnell verloren. Aussagekräftige Bilder und wirkungsvolle Gemeinschaftserlebnisse bleiben dagegen viel länger im Gedächtnis. Ein deutlich sichtbar und spürbar verändertes Arbeitsumfeld beschleunigt Bewusstseinsprozesse um ein vielfaches. Inspirierende Räume vermitteln eine lebendige, Sinn und Wert orientierte Kultur. Der Vorteil ist: Die Bilder der Zukunft sind da präsent, wo gearbeitet wird. Sie senden ständig Impulse: Neu zu denken, neu zu sehen, neu zu fühlen.

Unser Gehirn ist eben auch unser Gefühlszentrum! Neben der Verstandesebene erreichen Kunst- und Kulturprojekte eine tiefe emotionale Zustimmung. Angst- und Stressreaktionen verringern sich. Wer versteht - und einverstanden ist, mit der Vision, den Werten und Vorstellungen von sinnvollem Tun, kann jede Handlung im Alltag damit abgleichen und braucht keine ständigen Arbeitsanweisungen. Der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen wird in Zukunft, noch viel stärker als heute, von einer Unternehmenskultur abhängen, die auf einer klaren Vision und einem unerschütterlichen Wertekanon gründet - und zugleich achtsam, offen und verbesserungsfähig ist.

Starke Ziele, die Sinn machen und Sinn geben, sind nötig, um die anstehenden tiefgreifenden Veränderungen - und damit verbundenen Herausforderungen - bewältigen zu können. Erfolgreiche Unternehmen gewinnen damit die talentiertesten Führungskräfte und Mitarbeiter. Sie schaffen eine Verbindung zu Kunden und Aktionären, die auf wahren Werten gründet. Wer starke sinn-liche und sinn-volle „Bilder" für die Vision einer nachhaltigen CSR-Kultur findet und damit alle Mitarbeiter ins Boot holen kann - hat gewonnen!

Eva Müller

Eva Müller ist eine international renommierte Kunstexpertin und diplomierte Sozialwissenschaftlerin. Sie ist spezialisiert auf die Beratung von Unternehmen. Mit ihrer Visualisierungsmethode VISIONalisierung hat sie bisher über 65 bekannten Unternehmen erfolgreich dabei begleitet, ihre Vision wirksam und nachhaltig zu implementieren.

Bild oben: "Blütenteleskop" - Kunstwerk aus Transparentpapier, Strohseide, Löwenzahnsamen, Gaze und Garn von Alexandra von Hendrikoff

Stromnetz wird zum Nadelöhr für den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Mit zunehmendem Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland stößt das Stromnetz an seine Grenzen. Allerdings haben die großen Stromkonzerne als Netzbetreiber wenige Anreize, die Stromnetze an die neuen Anforderungen anzupassen.

Um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, muss die Stromerzeugung bis 2050 auf annähernd 100 Prozent regenerative Energien umgestellt werden. Das derzeit vorhandene Netz ist für diese dezentrale Energieerzeugungsstruktur jedoch nicht ausgelegt. Zum Beispiel müssen zukünftig große Mengen Strom von Offshore-Windparks vor den Küsten ins Landesinnere geleitet werden. Außerdem muss Strom in Zukunft quer durch Europa und darüber hinaus transportiert werden, um beispielsweise Windflauten in bestimmten Regionen auszugleichen.

Der nötige Netzausbau durch die großen Energiekonzerne, die Eigentümer der Netze sind, bleibt bislang jedoch aus. Dazu muss man wissen, dass die Stromnetze als so genanntes „Natürliches Monopol" mitentscheidend für die herausragende Marktstellung der vier großen Stromkonzerne sind. Im Bereich der Netze kann kein Wettbewerb entstehen. Da die Stromkonzerne immer noch auf große Atom- und Kohlekraftwerke setzen, ist die Verzögerung beim Ausbau der Stromnetze eine gute Möglichkeit, um die stark aufkommende Konkurrenz aus dem Bereich der regenerativen Energien in Schach zu halten. Nicht umsonst fordern viele Energieexperten die Trennung von Stromerzeugung und Netz. Auch die Bundesregierung fordert eine deutsche Netz AG, also ein deutschlandweites einheitliches Netz, das unabhängig von den Energiekonzernen ist.

Vattenfall wird sein Stromnetz, auch auf Druck der EU-Kommission, an ein Konsortium von Allianz, Deutsche Bank und Goldman Sachs verkaufen. Ebenso muss Eon sein Netz verkaufen. EnBW und RWE weigern sich jedoch, ihre Netze abzugeben. Schon jetzt müssen Windkraftanlagen teilweise angehalten werden, weil die Netze überlastet sind. Wenn die nötigen Investitionen, europaweit nach Einschätzung der Europäischen Kommission rund 400 Milliarden Euro bis 2030, nicht bald getätigt werden, könnte die Erfolgsgeschichte erneuerbare Energien an dieser Stelle aufgehalten werden.

Oliver Hölzinger

PV Cycle – making the PV industry double green

Photovoltaikanlagen wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um. Während ihrer Nutzung produzieren sie keinerlei CO2- oder Schadstoffemissionen. Aufgrund ihrer vielfältigen Einsatzmöglichkeiten - als Aufdachanlage verschiedenster Größenordnung, Freilandanlage oder Fassadenbestandteil, zur Energieeinspeisung ins Stromnetz oder für den Inselbetrieb in abgelegenen Gebieten ohne Netzanschluss - stellt die PV eine beliebte „grüne" Technologie dar. Um, neben der Nutzungsphase, auch die restlichen Stationen des Lebenszyklus von PV-Anlagen umweltverträglich zu gestalten, gründeten im Sommer 2007 Vertreter der Branche die Initiative PV Cycle.

Ziel von PV Cycle ist es, ein freiwilliges Rücknahme- und Recyclingprogramm für Altmodule einzurichten und auf diese Weise das Versprechen der Photovoltaikindustrie für umfassende Nachhaltigkeit umzusetzen. Von der Lokalisierung ausgedienter PV-Anlagen, über deren Sammlung und Transport, bis zu ihrem Recycling und somit Wiederverwendung, sorgt PV Cycle für einen geschlossenen „grünen" Kreislauf im doppelten Sinne. Denn neben der umweltfreundlichen Nutzung der Solaranlagen entlastet das Recycling die Umwelt, indem weniger Abfall anfällt und die erforderliche Energiemenge zur Bereitstellung von Rohmaterial sinkt. Schließlich enthalten PV-Module wertvolle Stoffe wie Glas, Aluminium und Halbleitermaterialien, die sich in neuen PV-Modulen oder anderen Produkten wiederverwerten lassen.

PY Cycle unterstützt darüber hinaus Forschungen zur Weiterentwicklung der Recyclingtechnologie sowie neue Entsorgungsmethoden und informiert Eigentümer, Installateure und Händler von PV-Modulen über den Recyclingprozess, um die Rücknahme von Altmodulen zu maximieren.

Zu den Mitgliedern der Initiative gehören, neben namhaften Photovoltaikproduzenten, wie der US-amerikanischen Firma First Solar, der Solarworld AG aus Deutschland und Yingli Green Energy aus China, auch Importeure photovoltaischer Module und Firmen mit Produktverantwortung in diesem Bereich.

Corinna Lang

Größtes Wellenkraftwerk der Welt in Betrieb

Ende letzten Jahres ist die „Auster", das größte Wellenkraftwerk der Welt, in Betrieb gegangen. Sie befindet sich am European Marine Energy Cente (EMEC) 500 Meter vor der Westküste der Orkney Inseln. Die Anlage besitzt eine Nennleistung von 315 Kilowatt und erzeugt so viel Strom, wie zirka 450 Haushalte verbrauchen.

Das Wellenkraftwerk besteht aus zwei Einheiten: dem Generator, der sich am Festland befindet und dem „Offshore-Modul", das in 15 Metern Meerestiefe befestigt ist. Das Offshore-Modul besteht aus einer Plattform am Meeresboden an der über ein Scharnier eine Klappe befestigt ist. Diese bewegt sich durch die Wellendynamik hin und her und erinnert durch ihre Form an eine überdimensionierte Auster.

Die Bewegung treibt einen Hydraulikkolben an, der Meerwasser unter hohem Druck ans Festland zu dem Generator befördert. Das Besondere an diesem Wellenkraftwerk im Vergleich zu ähnlichen Anlagen ist, dass die Energiegewinnung erst an Land erfolgt. Somit ergeben sich weniger Probleme für die Umwelt - etwa durch austretendes Öl - als auch in der Wartung: Bei der „Auster" befindet sich die Elektrik außerhalb des Meerwassers.

Besonders an der Westküste Schottlands ist die Wellenenergie enorm. Somit können solche Kraftwerke 20 Prozent der in Großbritannien benötigten Energie liefern. Allein in Schottland wird das Potenzial von erneuerbaren Energien auf 60 Gigawatt geschätzt. Um dieses Potential zu nutzen, soll bereits in zwei Jahren ein Kraftwerk mit der sechsfachen Leistung aufgestellt werden. Der Hersteller Aquamarine Power rechnet mit Investitionskosten von 3,3 bis 4,4 Millionen Euro pro Megawatt installierter Leistung.

Judith Kronberg

Grüne Werbung

Seit die Klimadebatte an Fahrt gewinnt, wird es mehr und mehr möglich, endlich „mit Gutem Gewissen" über die Autobahnen zu heizen, im Winter Erdbeeren aus Afrika zu essen oder sich alle zwei Jahre das neuste Notebook zu gönnen. Denn egal in welche Branche man einen Blick wirft, überall werden „umwelt- und klimafreundliche" Produkte angeboten. Zumindest wollen uns dies Werbe- und Marketingstrategen, die derartige Aussagen kreieren, weismachen.

Ehrliche Produktinformationen oder Etikettenschwindel?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) will nun verschiedene Werbeaussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüfen und ruft, im Rahmen der Kampagne „für mich. für dich. fürs klima.", Bürgerinnen und Bürger dazu auf, Hinweise auf Werbung zu sammeln, die mit Begriffen wie "Klima", "CO2", "klimaneutral" oder "klimafreundlich" für Produkte oder Dienstleistungen wirbt.

Über ein Onlineformular können Verbraucher Hinweise auf Internetseiten, TV- oder Radiospots sowie Fotos von Werbung und Produkten, auf denen mit „Klima"-Schlagworten geworben wird, einsenden. „Wir nehmen aber auch Produktaufkleber oder die Produkte selbst entgegen, beziehungsweise die Verpackungen", erläutert Katja Mrowka, Juristin im vzbv in einem Interview auf der Kampagnen-Website.

Sämtliche Hinweise werden von den Verbraucherschützern ausgewertet. Wer mit seinen Werbeaussagen gegen Gesetze verstößt, muss mit einer Mahnung rechnen, im Notfall sogar mit einer Unterlassungsklage. Ziel der Aktion ist es, den Markt transparenter zu gestalten und Regeln für „grüne Werbung" zu entwickeln.

Kommentar

Checkliste für umweltbezogene Werbeaussagen
Es wäre jedoch völlig überstürzt, den Marketing- und Werbefachleuten böse Absicht hinter ihren irreführenden Aussagen zu unterstellen. Bisher hat ihnen einfach niemand gesagt, was richtig und was falsch ist. Doch seit Ende Januar bekommen sie endlich Hilfe von außen, um ihre umweltbezogenen Werbeaussagen kritisch zu überprüfen. Anhand der von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegebenen Checkliste „Werbung und Marketing mit Umweltbezug", können sie Werbebotschaften entwickelt, „die den Grundprinzipien von wahrheitsgetreuer, ehrlicher und sozial verantwortlicher Werbung entsprechen", so John Manfredi, Vorsitzender der Kommission Marketing und Werbung der ICC. - Mensch, haben die ein Glück...


Corinna Lang

LED - noch zu teuer?

Seit Verbot der althergebrachten 100-Watt-Glühbirnen ist viel darüber diskutiert worden, wie wir in Zukunft unsere Wohnungen erhellen werden. Bis 2012 sollen alle Glühbirnen vom Markt verschwunden sein, spätestens dann müssen sinnvolle Ausweichmöglichkeiten bereitstehen. Bisher konzentrierte sich das Interesse dabei meist auf die Kompaktleuchtstofflampen, gemeinhin auch Energiesparlampen bezeichnet, obwohl unter diesen Begriff technisch auch LEDs fallen müssten. Den LEDs (den lichtemittierenden Dioden) soll zwar die Zukunft gehören, sie finden bisher aber noch kaum Gebrauch, da sie zu teuer und oft auch nicht hell genug sind. Wo liegen also Potenziale und Nachteile des Leuchtstoffes der Zukunft?

Laut test.de ist die Lichtausbeute der LEDs ähnlich hoch wie bei Energiesparlampen, sie haben aber eine breitere Bandbreite an Farbtemperaturen: Das Angebot reicht von 2.700 bis 7.200 Kelvin, also von warmweiß bis Tageslicht. Den Energiesparlampen ist oft vorgehalten worden, dass sie ein künstliches, kaltes Licht abgeben, dieses Problem ist aber inzwischen behoben, man muss beim Kauf nur darauf achten, dass man ein Produkt mit der gewünschten Farbtemperatur wählt. LEDs ist dagegen oft vorgeworfen worden für eine effektive Beleuchtung im Wohnraum nicht genug Licht abzugeben, inzwischen gibt es aber auch stärkere LEDs, die eine 60-Watt-Glühbirne übertreffen. Ein weiterer Vorteil von LEDs ist, dass sie kein Blei oder Quecksilber enthalten, also in der Entsorgung deutlich umweltfreundlicher sind als Energiesparlampen. Zudem ist ihre Herstellung mit deutlich geringerem Energieaufwand verbunden, im Energieverbrauch liegen beide deutlich vor der herkömmlichen Glühlampe. Bei der Öko-Bilanz liegt die LED also deutlich vor der Energiesparlampe.

Bleibt das Problem der hohen Kosten, eine LED Lampe kann zwischen 8,99 Euro und 85 Euro (!) kosten. Die teuersten Modelle müssen also sehr lange brennen, bevor sich die Anschaffung für den Verbraucher durch Energieersparnis gerechnet hat. Länger als manche von ihnen durchhalten, denn die Laufleistung von LEDs, die manche Hersteller auf 50.000 Stunden ansetzen, kann laut test.de deutlich niedriger ausfallen: Einige getestete Modelle machten schon nach 1.000 Stunden schlapp, andere Modelle aber hielten durch.

Trotz der guten Ökobilanz werden sich die LEDs also wohl erst dann durchsetzen, wenn nicht nur die letzten technischen Probleme behoben sind (manche Modelle sind zu funzlig, manche haben eine viel kürzere Lebensdauer als angekündigt), sondern vor allem die Preise gesenkt werden konnten. Dies könnte aber schon bald der Fall sein: Der Experte des Bundesministeriums für Forschung und Bildung, Lars Unnebrink, sagte der Financial Times, dass die LEDs schon in den nächsten fünf Jahren in privaten Haushalten eine Rolle spielen würden, da die Forschung sie in den letzten Jahre kontinuierlich besser und billiger gemacht habe. Wenn dieser Trend anhält, könnte er recht behalten.

Judith Mantei

Großes Vorbild: Jim Mather

Von ihm dürften sich die Politiker hierzulande getrost eine dicke Scheibe abschneiden, wenn das Thema um den Ausstieg aus dem Ausstieg aufflammt. Wenn es nach Schottlands Minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus Jim Mather geht, so werden dort in Zukunft keine neuen Kernkraftwerke errichtet. Stattdessen konzentriert sich Schottland auf einen starken Ausbau der erneuerbaren Energien, saubere Kohlekraft, sowie eine Erweiterung der CO2-Abscheidung und -Speicherung.

Schon jetzt steht Schottland kurz davor, seine Ziele, bis 2011 rund 31 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, zu überschreiten! Bis zum Jahr 2020 soll die 50 Prozentmarke beim grünen Strom erreicht werden und überdies der Gesamtenergiebedarf Schottlands zu 20 Prozent aus regenerativen Quellen gewonnen werden. Energie aus Wind und Wellen helfen bei der Umsetzung der ehrgeizigen Pläne, denn anstatt auf Kernenergie, setzt das Land auf den Ausbau der Erneuerbaren. Sowohl für die Bereiche Offshore-Windenergie, als auch für die Meeresenergie strebt Schottland einen Ausbau der industriellen Infrastruktur vor der Küste an. Grundlegende Einrichtungen gibt es diesbezüglich bereits. So steht auf den Orkneyinseln das größte und einzigartige Testzentrum für Meeresenergie-Technologien weltweit. Bis 2020 ist im European Marine Energy Centre(EMEC) eine installierte Meeresenergieleistung von 700 Megawatt geplant.

Nicht nur die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen, sondern auch die Emissionsverringerung gehört zu den Plänen des Jim Mathers. 50 Prozent weniger Emission bis 2050 lautet sein Vorsatz, der dank der Sichtweise der Regierung durchaus realisierbar erscheint. In Schottland wird, anders als in Deutschland, nicht mit Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken geliebäugelt. Im Gegenteil, die schottische Regierung distanziert sich von nuklearer Energie und investiert stattdessen in die Weiterentwicklung und den Ausbau grüner und sauberer Energietechnologien. Eine Einstellung mit Weitblick, denn die Kosten und Risiken, sowie die ungelösten und kaum kalkulierbaren Probleme der Lagerung nuklearer Abfälle erscheint der schottischen Regierung mit Sicht auf die kommenden Generationen als nicht tragbar. Schön, wenn sich deutsche Politiker an dieser Sichtweise ein wenig orientieren würden.

Judith Schomaker

Russen bauen Gas-Kraftwerk in Sachsen-Anhalt

Russische Investoren wollen in der Nähe von Zeitz (Sachsen-Anhalt) ein Gas-Kraftwerk bauen, um den dortigen Industriepark mit Strom und Dampf zu versorgen. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, investiert die GuD Zeitz GmbH 150 Millionen Euro in das Vorhaben. Hinter der GmbH steht die russische Holding-Gesellschaft Sintez Moskau, die im Bereich Energie, Erdölexploration und -förderung aktiv ist. Das Erdgas für das Kraftwerk in Zeitz wird von der Verbundnetz Gas AG aus Leipzig geliefert.

Sintez Moskau verfügt alleine in Russland über eine Stromkapazität von 2.600 Megawatt und eine Wärmekapazität von 12.000 Megawatt. Die Sintez-Holding sei auf ein weltweites strategisches Investment aus, so GuD-Geschäftsführer Klaus Driessen gegenüber der Mitteldeutsche Zeitung, und lasse bereits in Mazedonien ein Kraftwerk bauen.

Den Bau der neuen Anlage übernimmt die tschechische Firma Istromoravia, eine Tochter der Istro Energo Group Levice mit Sitz in der Slowakei. Baustart ist der Spätsommer dieses Jahres, 2012 soll die Anlage ans Netz gehen. Der in Zeitz erzeugte Strom soll dann europaweit vermarktet werden. Zunächst soll jedoch erst einmal das für das Kraftwerk vorgesehene Grundstück saniert werden, denn noch immer ist der Boden des ehemaligen Hydrierwerkes Zeitz kontaminiert. Die Sanierung des Baufeldes wird zwar von der EU gefördert, der Bau selber ist nach einer EU-Richtlinie jedoch nicht förderfähig.

Das Gas-Kraftwerk ersetzt das Braunkohlekraftwerk im benachbarten Mumsdorf (Thüringen), das 2012 stillgelegt werden soll. Der Betreiber, die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft mbH (Mibrag), plant zwar seit einiger Zeit den Bau eines neuen Kohlekraftwerks am nahe gelegenen Tagebau in Profen, der sich fast in Sichtweite des Industrieparks befindet und diesen problemlos mit Strom und Dampf versorgen könnte. Nur konnten hierfür bisher noch keine Investoren gefunden werden. Damit durch die Stilllegung des Kraftwerks Mumsdorf keine Lücke bei der Versorgung des Industrieparks entsteht, haben sich dessen Betreiber nun daher für die „internationale Lösung" entschieden.

Gaskraftwerke sind generell eine wesentlich klimafreundlichere Alternative als Kohlekraftwerke. Sie sparen bei gleichem Energieoutput ungefähr die Hälfte der CO2-Emissionen moderner Kohlekraftwerke und sogar zwei Drittel weniger als die noch laufenden Braunkohlekraftwerke.

Daniel Seemann

Nachhaltige Biomasseherstellung

Der Klimaschutz und die Verminderung des CO2 -Ausstoßes sind die wesentlichen Gründe für einen verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Für eine nachhaltige Versorgung mit Energie ist Biomasse von Bedeutung. Die Einsatzbereiche sind vielfältig: Feste Stoffe oder Biogas dienen der Stromerzeugung, flüssige Stoffe wie Öle lassen sich als Kraftstoff verwenden.

Die Erzeugung von Biomasse muss zukünftig aus nachhaltigem Anbau erfolgen. Das schreibt die Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen vor. In Deutschland regeln Nachhaltigkeits-Verordnungen für die Bereiche Kraftstoff und Strom die Umsetzung.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die in Deutschland für die Umsetzung der neuen Regelungen verantwortlich ist, hat Anfang Februar den Leitfaden „Nachhaltige Biomasse" veröffentlicht. Er informiert über alles, was die Beteiligten wissen müssen und ist damit für die Erzeuger von Biomasse, für die Verarbeitungsbetriebe, den Vertrieb und die Stromerzeuger interessant. Auf 80 Seiten informiert die Broschüre über die gesetzlichen Grundlagen und erklärt Fachbegriffe. Die Anforderungen an eine nachhaltige Biomasseerzeugung werden ebenso behandelt wie die Herkunftsdokumentation, Zertifizierung und Nachhaltigkeitsnachweise. In einem gesonderten Kapitel behandelt die Schrift Möglichkeiten zur Berechnung der Treibhausgasminderung. Die BLE ist für die Anerkennung und Kontrolle der Systeme zur Überwachung der Produktionskette für Biomasse zuständig. Die Informationsschrift erklärt ausführlich die Aufgaben und Voraussetzungen, die diese Systeme erfüllen müssen.

Der Ratgeber beschreibt Erfahrungen von betroffenen Unternehmen und schildert die Sicht beteiligter Verbände. Die wissenschaftliche Aufbereitung kommt nicht zu kurz. Die Broschüre möchte vor allem Landwirte, Landhändler und Anlagenbetreiber erreichen, ist aber auch für den fachlich vertieft interessierten Verbraucher wertvoll.

Die Informationsschrift kann bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung heruntergeladen werden. Demnächst erscheint eine gedruckte Fassung, eine englische Version ist in Vorbereitung.

Susanne Kirsch

Der Klima-Lotse

Ein Interview mit Hans-Joachim Schellnhuber, dem Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

Professor Schellnhuber, glauben Sie an ein ökologisches Wirtschaftswunder?

Ich glaube nicht an ein ökologisches Wirtschaftswunder, das von allein kommt. Aber ich bin überzeugt davon, dass wenn Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit aller Kraft und Kreativität nach den besten Lösungen suchen, Wirtschaftswachstum und ein verantwortlicher Umgang mit den natürlichen Ressourcen miteinander vereinbar sind. Das ist entgegen der gängigen Auffassung mittlerweile auch Schwellenländern wie China sehr bewusst.

Denken Sie, eine Klima-Partei mit radikalen Thesen zum Thema Klimawandel hätte Erfolg in Deutschland?

Eine radikale Lösung der anstehenden Probleme durch den Klimawandel wäre in diesem Land nur schwer durchsetzbar. Niemand kann eine Öko-Diktatur wollen. Dennoch stehen wir jetzt vor einer Situation, wo schnell und grundlegend gehandelt werden muss, damit es rein physikalisch noch gelingen kann, unter der kritischen Zwei-Grad-Linie zu bleiben, aber auch damit die Kosten für eine kohlenstoffarme Entwicklung im handhabbaren Rahmen bleiben. Viel wichtiger wäre es daher, dass die Bundesregierung sich dem Thema noch konsequenter widmet als bisher. Der Klimawandel muss allgemeiner thematisiert und zum Herzstück der künftigen Regierungspolitik werden.

Was meinen Sie genau damit?

Es ist eben fraglich, ob man in dem Wissen, dass man mit der Titanic auf einen Eisberg namens Klimawandel zusteuert, erst einmal langwierige Umfragekampagnen unter den Passagieren starten sollte. In so einer Situation müssen Lotsen direkt auf die Kommandobrücke gerufen werden, um den Kapitän zu beraten, selbst wenn auch sie nicht zu 100 Prozent wissen, wo genau der Eisberg liegt.

Sind Sie solch ein Lotse?

Natürlich gibt es Situationen, in denen der Wissenschaft eine Rolle ähnlich der eines Lotsen zukommt. Wir kennen eben mitunter das Gewässer, auf dem wir uns befinden, ein wenig besser als der normale Passagier und der Schiffsführer. Wenn wir auf etwas aufmerksam werden, das uns bedrohlich erscheint, dann ist es selbstverständlich unsere Pflicht, dies in geeigneter Form an die Kommandobrücke weiterzuleiten.

Auf der Kommandobrücke steht dann sicherlich Frau Merkel. Sie kennen die Bundeskanzlerin, seit Sie beide 1992 zusammen in Kyoto bei der weltweiten Klimaschutzkonferenz waren. Sie hat - wie Sie auch - in Physik promoviert. Warum macht Frau Merkel dann in Sachen Klimaschutz nicht das, was sie weiß, sondern das, was sie muss?

Angela Merkel könnte bei ihren Positionen zum Thema Klimaschutz beinahe eine Grüne sein. Dass sie als Bundeskanzlerin und als CDU-Parteivorsitzende gewissen Zwängen ausgesetzt ist, ist doch durchaus nachvollziehbar. Aber sie hat als bislang einzige Politikerin der westlichen Welt ein „gleiches Emissionsrecht für alle" gefordert.

Was halten Sie vom geplanten Desertec-Projekt und dem Vorhaben, Europa durch Sonnenergie aus riesigen Photovoltaik-Anlagen in der Nordsahara zu versorgen?

Hier regiert der gesunde Menschenverstand. Es handelt sich um eine technologische Vision, eine Art Apollo-Projekt von ähnlicher Dimension wie der Bau des Suez-Kanals im 19. Jahrhundert. Nur da die Sonnenenergie über Tausende von Kilometern nach Europa transportiert werden muss, ist die Errichtung eines sogenannten „super smart grid" in Europa notwendig. Ein intelligentes Stromnetz, das sowohl die lokalen Stromerzeuger, etwa Solardächer auf Eigenheimen, die regionalen wie beispielsweise Windkraftparks in der Nordsee als auch den durch das Desertec-Projekt erzeugten Sonnenstrom integriert.

Ist die Förderung erneuerbarer Energien Ihrer Meinung nach der Schlüssel sowohl zur langfristigen Abdeckung unseres Energiebedarfs als auch zur Lösung unserer wirtschaftlichen Probleme?

Ein exponentielles Wachstum in einer begrenzten Welt ist einfach nicht möglich. Und ich denke, dass ein weltweites Wirtschaftswachstum langfristig nur möglich sein wird, wenn wir auf den Sektor der erneuerbaren Energien setzen und entsprechende industrielle Strukturen fördern, um unser Energieproblem zu lösen. Wie wollen wir weiter wachsen, wenn wir wissen, dass die fossilen Brennstoffe, auf denen unser Weltwirtschaftssystem derzeit noch beruht, zu Ende gehen?

Was wäre denn hier zu tun?

In der öffentlichen Debatte fehlt mir eine ehrliche Diskussion über die sehr realen Risiken, die zum Beispiel von Gas- und Erdölpipelines ausgehen. Über ihre Verwundbarkeit durch Terroranschläge und die Gefahr katastrophaler Umweltverschmutzungen wird vergleichsweise wenig diskutiert. Aktuell werden Milliarden in den Bau und den Unterhalt solcher Leitungen investiert, im Wissen, dass wir uns so für viele weitere Jahrzehnte von klimaschädlichen fossilen Energieträgern abhängig machen.

Eins Ihrer großen Vorbilder ist der Philosoph Immanuel Kant. Brauchen wir einen Kantschen Imperativ für den Klimaschutz?

Ja durchaus, der könnte ungefähr so lauten: Jedes Land sollte nach besten Kräften CO2-Emissionen vermeiden in der festen Annahme, dass alle anderen es auch so tun. Denn ohne dieses Vertrauen wären wir wieder in derselben Situation wie beim Rüstungswettlauf des Kalten Krieges, nur dass wir uns heute mit der Kohlenstoff- anstatt mit der Atombombe gegenseitig bedrohen. Auch der Rüstungswettlauf hätte mehrmals schiefgehen können. Dass wir heute hier überhaupt sitzen, ist mehr einem historischen Zufall geschuldet. Vernunft und Vertrauen sind, wenn Sie so wollen, die einzigen menschlichen Stärken, die uns noch vor dem Klimawandel retten können. Denn der Mensch ist einerseits intelligent genug, um seine eigene Umwelt zu zerstören. Andererseits dürfte er aber auch vernünftig genug sein, um diesen Pfad noch rechtzeitig wieder zu verlassen.

Professor Schellnhuber, vielen Dank für das Gespräch.

Hans Joachim Schellnhuber, 1950 in Ortenburg, Bayern geboren, studierte Mathematik und Physik, habilitierte sich an der Uni Oldenburg und wurde Professor am Institut für Chemie und Biologie des Meeres in Wilhelmshaven. Er ist Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und seit 1993 zudem Professor für Theoretische Physik an der Uni Potsdam. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung und erhielt den Deutschen Umweltpreis. Er ist verheiratet, hat einen einjährigen Sohn und lebt in der Nähe von Potsdam.

Daniel Seemann

Der Klima-Rebell

Als James E. Hansen im Jahr 1988 zum ersten Mal die Bühne der Weltpolitik betrat, überrollte gerade eine extreme Hitzewelle die USA. Eine Dürre machte die Ernten zunichte, und auf dem Mississippi blieben die Lastkähne im Schlamm stecken. Hansen war vor den amerikanischen Senat geladen worden. Und dank seiner Rede kam der Klimawandel erstmals auf die politische Agenda seines Landes.

Während nämlich noch viele Experten davon überzeugt waren, die Erde sei auf dem Weg in eine neue Eiszeit, überraschte der damals 40-jährige Forscher damit, dass er das exakte Gegenteil behauptete. Hansen hatte ein Klimamodell entwickelt, das „Model Zero", mit dem er voraussagen konnte, dass die Temperatur auf der Erde ansteigen wird. Deshalb wird Hansen auch „Vater des Klimawandels" genannt, oder eher dessen „Großvater". „Ich habe die Dynamik der globalen Erwärmung damals weit unterschätzt", sagt Hansen heute. „Wie es aussieht, verhindert die Erwärmung nicht nur die Abkühlung unseres Planeten, sondern sorgt für den schnellsten Temperaturanstieg in der Geschichte der Menschheit."

Grünliche Augen, lichtes braunes Haar. In seiner abgetragenen Windjacke sieht der 68 Jahre alte Klimatologe eher einem Farmer ähnlich als einem rebellischen Forscher. Hansen wuchs als fünftes von sieben Kindern einer Bauernfamilie in einer verschlafenen Kleinstadt in Iowa auf. Mit 18 Jahren gewann er ein Stipendium, um an der Universität von Iowa Astronomie, Physik und Mathematik zu studieren. „Die Miete war nicht drin, sodass ich mir für 25 Dollar im Monat ein Zimmer mieten musste und mich hauptsächlich von Cornflakes ernährte", erzählt Hansen. „Für mehr reichte es nicht". Nachdem er seine Doktorarbeit über die Atmosphäre der Venus geschrieben hatte, wechselte er 1972 zur NASA. Dort fing er bald an, sich mit Treibhausgasen zu befassen und entwarf Computermodelle zur Klima-Simulation.

Die Klimaforschung wurde zu seiner Berufung. Seit 1981 leitet er das bei der NASA angesiedelte Goddard Institute for Space Studies (GISS) in New York. Und bei seinem durchschlagenden Auftritt von 1988 hatte Hansen Blut geleckt. Er spürte, dass man als Wissenschaftler über die Medien die Politik aktiv beeinflussen kann. „Solange wir es zulassen, dass Politiker und ihre Unterstützer die Regeln festlegen, wird sich nichts verändern", sagt Hansen grimmig. „Wir werden geröstet, wir werden zu Toast, wenn wir nicht sofort einen ganz anderen Weg in Sachen Klimaschutz einschlagen. Deshalb sind wir es, die die Regeln ändern müssen."

Hansen polarisiert gerne. Seine kommunikativen Fähigkeiten beschreibt er selbst als „armselig" und „nicht sehr taktvoll". Dennoch: Im Ton ist er immer sanft. Seine ruhige Art macht seine Vorträge überzeugend, der weiche Tonfall des mittleren Westens wirkt sympathisch. Ralph Cicerone, der Präsident der National Academy of Sciences in den USA, beschreibt James Hansen als „eher schüchternen Typ, der das Rampenlicht der Öffentlichkeit scheut". In der Sache aber ist er unerbittlich und scharf. „Er ist ein hervorragender Wissenschaftler mit weltweitem Renommee. Seine in der Öffentlichkeit gemachten Aussagen hat er jedoch immer als persönliche Meinung bezeichnet. Das zeugt von Loyalität."

Mit seinen radikalen Forderungen geriet er schnell in Konflikt mit der Politik, vor allem mit den zwei US-Präsidenten der Bush-Dynastie. Er warf ihnen vor, zwei lahme Enten im Kampf gegen den Klimawandel zu sein und wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren. Während es zu Zeiten von Bush Senior Ende der 80er Jahre noch zu relativ harmlosen Auseinandersetzungen zwischen Hansen und dem Haushaltsausschuss kam, dem er vorwarf, seine vor dem Kongress gemachten Aussagen zum Klimaschutz zu verwässern, eskalierte die Auseinandersetzung unter Bush Junior.

Hansen wies im Jahr 2004 während einer Lesung an der Universität von Iowa im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen darauf hin, dass unter der Bush-Administration Klimawissenschaftler wie er selbst mundtot gemacht würden und kündigte an, den Demokraten seine Stimme beim Kampf ums Weiße Haus geben zu wollen. Die Reaktion folgte prompt: Das Weiße Haus verfügte, dass die NASA alle Texte und Presseerklärungen ihrer Wissenschaftler vor ihrer Veröffentlichung durch politische Mitarbeiter gegenlesen lassen mussten. Auch Interviewtermine der Forscher wurden überwacht und zeitlich begrenzt. Entsprechende Anweisungen wurden laut Hansen nicht wie sonst üblich auf offiziellem Wege sondern per Telefon übermittelt, um keine Spuren zu hinterlassen.

Doch Hansen ist ein streitbarer Geist und ließ sich davon nicht beeindrucken. In seinen öffentlichen Reden prangerte er weiterhin die aus seiner Sicht ineffiziente Klimapolitik der US-Regierung an, die in ein ökologisches Desaster führen würde, und forderte eine Führungsrolle der USA in Sachen Klimaschutz. Ende 2005 erhielt Hansen daraufhin einige Anrufe von NASA-Offiziellen, die ihm „schlimme Konsequenzen" androhten, wenn er nicht aufhören würde, derartige Behauptungen aufzustellen. Interviewanfragen an ihn wurden zukünftig von einem Pressesprecher der NASA übernommen oder gleich ganz abgesagt.

Das ging Hansen zu weit. Er beschwerte sich öffentlich in einem Interview mit der New York Timesüber den politischen Maulkorb, der ihm von der Bush-Regierung verpasst worden war. Die globalisierte Welt der Wissenschaft reagierte empört. „Eine solche Behandlung habe ich in den mehr als 30 Jahren, die ich für die NASA forsche, noch nicht erlebt", sagte Hansen damals. „Die Politik sieht sich als Zensor, der die Öffentlichkeit vor unbequemen Wahrheiten schützen muss. In Wirklichkeit geht es um Desinformation. Denn wenn die Menschen die Bedrohung begreifen würden, die vom Klimawandel ausgeht, müsste sich auch die Politik ändern und auf die Sorgen und Ängste der Bürger und Bürgerinnen eingehen."

Jahrzehntelang hatte Hansen in der Hoffnung geforscht, die amerikanische Regierung würde seine Warnungen ernst nehmen. Nun war seine Geduld am Ende. „Er wurde zum Klimaaktivisten", erklärt seine Frau, „nicht weil er denkt, dass er diese Rolle beherrscht, sondern weil es notwendig ist." Er lehnt es ab, sich als Wissenschaftler hinter objektiven Aussagen zu verstecken, um politisch keine Stellung beziehen zu müssen.

Daher ist er mit dabei, wenn Tausende vor dem Weißen Haus gegen die  Energiepolitik der Regierung demonstrieren; oder er reist nach Großbritannien, um sich vor Gericht für Klimaaktivisten einzusetzen, die festgenommen wurden, weil sie den Schornstein eines Kohlekraftwerks mit einem Klima-Slogan besprüht hatten. „Ich bin zwar noch nicht so weit, dass ich mich selbst anketten würde. Aber ich kann nicht einerseits junge Leute mit den Ergebnissen meiner wissenschaftlichen Arbeiten motivieren, auf die Straße zu gehen und sich politisch zu äußern, und mich dann nicht an den Protesten beteiligen", sagt Hansen.

Er fordert die Verurteilung von Managern globaler Konzerne, wegen „schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Natur"; oder er vergleicht Kohle transportierende Güterzüge mit den Todestransporten nach Auschwitz, wofür er sich allerdings im Nachhinein entschuldigt hat. „Wir müssen verhindern, dass neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Und die, die ihre eigenen CO2-Emissionen nicht einfangen, sollten in den USA bis 2025 und weltweit bis 2030 außer Betrieb genommen werden", fordert der Klimawissenschaftler.

Gegen viele politische Widerstände musste er sich schon durchsetzen, und er ist noch lange nicht am Ende. „Ich werde so lange nicht aufgeben und weiter forschen, bis die Beweislast so erdrückend ist, dass die Politiker etwas unternehmen müssen." Letztes Jahr hat Hansen einen Brief an Angela Merkel geschrieben, weil er dachte, eine Physikerin müsse doch verstehen, wo die geophysikalischen Grenzen des Planeten wirklich liegen. Auch an den britischen und den japanischen Premierminister sowie an Barack Obama hat er sich gewendet. Geantwortet hat bisher noch keiner.

James E. Hansen, am 29. März 1941 in Denison, USA geboren, studierte Astronomie, Physik und Mathematik. Als Teilnehmer am Graduiertentraining der NASA wechselte er 1972 zum Goddard Institute for Space Studies, dessen Direktor er seit 1981 ist. 1985 wurde er zudem Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der Columbia University in New York City. 2001 gewann er den renommierten und hoch dotierten Heinz Umweltpreis und 2007 den Dan-David-Preis. Hansen ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in New York City.

Daniel Seemann

Energieturm - Stromgewinnung mit Zukunft

Die einen schwören auf Solarenergie, die anderen auf Wind. Doch warum nicht beide zukunftsweisenden Technologien zusammenbringen? Dies dachte sich die Re-Gen-Energy GmbH & Co. KG aus Haiger (Hessen) und konstruierte den Energieturm Type DE 1-3,5G-5W.

Der bis zu 25 Meter hohe Turm wandelt, über eine vertikale Windanlage und optional anzubringende Solarzellen, Wind-, beziehungsweise Sonnenenergie in elektrische Energie um. Die Nennleistung von 3,5 Kilowattstunden erreicht der Helix-Rotor bei einer Windstärke von zwölf Metern pro Sekunde. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde, produziert die Anlage jährlich etwa so viel Strom, wie ein Einfamilienhaus im Jahr verbraucht.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Windkraftanlagen mit horizontaler Rotationsachse, hat der so genannte Savonius-Rotor laut Hersteller den Vorteil, äußerst geräuscharm zu sein und nicht nach einer bestimmten Windrichtung aufgestellt, beziehungsweise bei Sturm nicht abgeschaltet werden zu müssen.

Da der Vergütungssatz für Strom aus Windenergieanlagen in Deutschland weit unter dem durchschnittlichen Strompreis für Endkunden liegt, macht es Sinn, den gewonnenen Strom ins eigene Netz einzuspeisen und sich so von anderen Stromanbietern unabhängig zu machen. Um auch bei Dunkelheit und Windstille ausreichend Strom zur Verfügung zu haben, ist der Energieturm auch mit einer Batteriepufferung erhältlich.

Der erste Energieturm ging im August 2009 ans Netz. Derzeit sind zwei Energietürme in Betrieb - einer davon ist mit Photovoltaikmodulen ausgestattet. Auch wenn bis dato noch keine Anlage im Besitz eines Kunden ist, stellt das Kraftwerk besonders für Gewerbebetriebe eine interessante Anschaffung dar: Sie können es gleichzeitig auch als Werbeturm nutzen, da die Anlage Platz für mehrere Werbeflächen bietet.

Corinna Lang

Biokunststoffe können 90 Prozent aller fossilen Kunststoffe ersetzen

Technische Fortschritte bei der Entwicklung neuer Materialien und klare Umweltvorteile sprechen für bio-basierte Kunststoffe. Die aktuelle Studie im Auftrag des Verbandes „European Bioplastics"und des europäischen Forschungsnetzwerkes „European Polysaccharide Network of Excellence" (EPNOE) sprechen Biokunststoffen ein großes Potential zu.

Bei bio-basierten Polymeren wird der fossile Kohlenstoff teilweise oder vollständig durch erneuerbaren Kohlenstoff ersetzt. Zucker, Stärke, Holz oder Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung kommen dabei als Rohstoffe zum Einsatz. Die vorliegende Studie betrachtet vor allem Werkstoffe, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren.

Die Autoren der Studie von der Universität Utrecht untersuchen dabei die unterschiedlichen Materialgruppen. Diese werden hinsichtlich ihrer Material- und Prozesseigenschaften überprüft. Parallel dazu wird ihr technisches Substitutionspotential evaluiert. Dazu werden die potentiellen Anwendungsfelder analysiert, sowie Preis- und Kostenstrukturen detailliert aufgeschlüsselt. Um das Bild abzurunden, werden auch die derzeit wichtigsten Produzenten von bio-basierten Kunststoffen vorgestellt.

In drei verschiedenen Szenarien werden Wachstumsprognosen für die Werkstoffe erstellt. Ein Grundszenario, ein konservatives und ein optimistisches Szenario zeigen dabei die Möglichkeiten der kommenden zehn Jahre auf. Trotz der unterschiedlichen Schlussfolgerungen haben diese drei Szenarien zwei Punkte gemeinsam. Erstens kommen alle Szenarien zu dem Schluss, dass die Produktionskapazitäten von bio-basierten Kunststoffen zukünftig weiter ansteigen werden. Zweitens werden in allen Szenarien erhebliche Fortschritte in den vergangenen fünf Jahren bei der Entwicklung von Biokunststoffen belegt.

Die Tatsache, dass der fossile Rohstoff Erdöl immer knapper wird, verstärkt den Trend zur Verwendung von Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl innovativer Produktentwicklungen rasant zu. Die Ergebnisse der Studie sind zwar vielversprechend, müssen jedoch auch mit einem kritischen Auge betrachtet werden.

Insbesondere mittelfristig werden bio-basierte Kunststoffe nicht sämtliche fossilen Polymere ersetzen können. Dagegen sprechen die immer noch vergleichsweise hohen Produktionskosten bei kleineren Anlagen. Ressourcenabhängige Faktoren, infrastrukturelle Defizite und der niedrige Ölpreis werden auch in näherer Zukunft den, technisch durchaus möglichen, verstärkten Einsatz von Biokunststoffen einschränken.

Momentan werden die ersten Standardkunststoffe, wie etwa PVC oder PET, in ersten Projekten durch bio-basierte Polymere ersetzt. Auch bei den Hochleistungspolymeren Polyester und Polyamid sind erste Schritte in dieselbe Richtung zu beobachten. Die generelle Entwicklung auf diesem Gebiet ist also durchaus als positiv zu bewerten.

Joachim Kern

Produkte im Einklang mit der Natur – die Zukunft im Umweltschutz?

Ist es möglich, unseren jetzigen Lebensstil aufrechtzuerhalten, ohne dabei die Umwelt und damit das Wohl unserer Nachkommen zu gefährden? Ein Unternehmer aus Hamburg vertritt genau diese Auffassung und erregt damit weltweit Aufsehen.

Das Prinzip, für das Prof. Dr. Michael Braungart steht, hört sich sehr verlockend an. Weiter so wie bisher, nur mit Produkten, die im Einklang mit der Natur stehen. Der Chemieprofessor gründete 1987 die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH. Als Ziel haben sich er und sein Team kein geringeres gesteckt, als die Produktlandschaft dieser Welt zu revolutionieren.

Das Grundprinzip mit dem Namen Cradle to Cradle (C2C), was soviel heißt wie „von der Wiege zur Wiege", ist einfach und einleuchtend. Produkte werden so gestaltet, dass sie entweder komplett recycelbar sind oder nach der Nutzung rückstandslos wieder der Natur zugeführt werden können. In der Produktpalette des Unternehmens findet sich unter Anderem ein moderner Bürostuhl, der nach diesem Konzept entwickelt wurde und weltweit zu den am meisten verkauften zählt. Zu den Kooperationspartnern gehören Weltkonzerne wie Nike und Ford.

Die Botschaft, "mit den richtigen Produkten könnt ihr weiter im Überfluss leben, ohne die Umwelt zu verschmutzen", findet gerade in den USA großen Anklang. Gerade hier sind Einschnitte in die verschwenderische Lebensweise aufgrund von Umwelt- und Klimaschutz in weiten Teilen kaum vermittelbar.

Ohne Frage ist das Prinzip C2C ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings ist die Ankündigung, auf diese Weise eine Welt ohne Müll und Umweltverschmutzung zu schaffen, wahrscheinlich doch zu schön, um wahr zu sein. Es ist beispielsweise nicht absehbar, wann ein Auto auf den Markt kommen könnte, das keinerlei Schadstoffe ausstößt. Mit der Weile ist die Wissenschaft weitestgehend der Ansicht, dass es nicht die begrenzten Ressourcen sind, die unser Wachstum begrenzen. Entscheidender ist die begrenzte Aufnahmekapazität der Umwelt für von uns ausgestoßene Schadstoffe, allen voran die Emission von klimaschädlichen Treibhausgasen.

Gerade beim Klimaschutz sind schnelle Lösungen gefragt. Daher kann man sich nicht auf nur ein Prinzip stützen, das, wenn überhaupt, seine volle Entfaltung erst über einen sehr langen Zeitraum erreichen kann. Entscheidend ist die Kombination verschiedener Umweltschutzstrategien. So ist auch die Steigerung der Effizienz ein wichtiger Pfeiler, auf den sich unsere Zukunft stützt. Also zum Beispiel das drei-Liter-Auto. Allerdings werden wir, wenn wir die Zukunft folgender Generationen nicht aufs Spiel setzen wollen, nicht umher kommen, uns in Genügsamkeit zu üben. Diese Suffizienzstrategie kann nach dem Motto „gut leben statt viel haben" verfolgt werden.

Oliver Hölzinger

Klimaschutz durch Abfallwirtschaft

Noch vor 20 Jahren gingen in Deutschland fast 38 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen auf die Abfallwirtschaft zurück. Doch seit damals hat sich viel getan. Mit hoch entwickelten Recycling- und Verwertungstechnologien leistet die Abfallwirtschaft heute sogar einen Beitrag zum Klimaschutz.

Insgesamt sparen Altholz- und Siedlungsabfallwirtschaft derzeit jährlich knapp 18 Millionen Tonnen klimaschädliche Gase ein. Insgesamt konnten die jährlichen Treibhausgasemissionen durch die Abfallwirtschaft also um insgesamt rund 56 Millionen Tonnen gegenüber 1990 gesenkt werden.

Zu dieser Einschätzung kommen das Öko-Institut und das Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in der Mitte Januar vorgestellten Studie "Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft", die im Auftrag von Umweltbundesamt, Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft durchgeführt wurde.

In Deutschland fallen jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle und knapp sieben Millionen Tonnen Altholz an. Laut Studie werden bereits heute aus etwa 62 Prozent dieser Menge Wertstoffe getrennt erfasst und stofflich oder energetisch verwertet. So leistet allein die thermische Nutzung des Restmülls bereits einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Die Gewinnung wertvoller Sekundärrohstoffe durch Recyclingverfahren entlastet das Klima, indem sie den Energiebedarf für die Herstellung von Glas, Papier, Kunststoff und Metallen um bis zu 50 Prozent senkt.

Bis zum Jahr 2020 könnten laut Öko-Institut und Ifeu die treibhausschädlichen Gase in der deutschen Abfallwirtschaft  weiter reduziert werden - um rund zehn Millionen Tonnen CO2-Äquivalente jährlich. Um dies zu erreichen müsste die Recyclingquote noch weiter steigen, die stoffliche Verwertung der Abfälle zunehmen und die Technik in den Behandlungsanlagen effizienter werden. In diesem Fall könnten allein der Siedlungsabfall und das Altholzrecycling mit rund 13 Prozent zu den Treibhausminderungszielen für Deutschland beitragen.

Corinna Lang

Mangelnde Aufklärung bei der Geothermie

Der Energieverbrauch und damit die Gefahren einer Klimakatastrophe, werden sich auch in den kommenden Jahren nicht verringern, das Gegenteil ist der Fall. Durch die rasche Bevölkerungszunahme ist ein drastischer Anstieg des Energieverbrauchs vorprogrammiert, was aufgrund der Ressourcenverteilung fossiler Energien zwangsläufig zu verstärkten Abhängigkeiten und somit zu weltpolitischen Konflikten führt. Alternative Energiequellen müssen daher Vorrang genießen und nicht etwa politisch unterdrückt werden. Eine ganzheitliche Betrachtung dieser Problematik ist daher auf Dauer unumgänglich, Fördermaßnahmen auf bestimmte Erneuerbare zu pushen sicherlich kein erfolgversprechendes Mittel.

Neben Wind und Sonne, denen eine mangelnde Grundlastfähigkeit vorgeworfen wird, gibt es noch weitere Möglichkeiten, die natürlichen Energiequellen anzuzapfen. Negativschlagzeilen und mangelnde Aufklärung über Alternativen zu Anlagen, die durch Wind- und Sonnenkraft Energie erzeugen, tragen ebenfalls nicht zu deren Ausbau und Akzeptanz bei. Während wir uns schon langsam an den Anblick von Solardächern und Windrädern gewöhnen, zählt die Geothermie immer wieder zu einem heiklen und heiß diskutierten Kontrahenten. Erdbeben und Erdschüben werden den Bohrungen in der Erdkruste zugeschrieben, die nötig sind, um an das große Potenzial der Erdwärme zu gelangen. Dabei werden die unterschiedlichen Varianten der Geothermie bei Debatten oftmals unter einen Hut gekehrt.

Tiefen- und oberflächennahe Geothermie bringen jedoch ganz unterschiedliche Risikopotenziale mit sich, die durch mangelnde Aufklärung zu eklatanten Auseinandersetzungen führen. Aktuelles Beispiel bilden die Gebäudeschäden in der Stadt Staufen, die mit der Erdwärmebohrung (Tiefenbohrung) in Verbindung gebracht wird – offiziell sind die Ursachen jedoch noch nicht geklärt. Die oberflächennahe Bohrung hingegen birgt als größtes Risiko nicht etwa das Auslösen von Erdbeben oder Erdrutschen, sondern vielmehr die Übernutzung des Wärmepotenzials durch die gegenseitige Negativbeeinflussung mehrer Geothermie-Anlagen auf einem kleinen Areal. Eine genaue Abwägung der Einsatzfähigkeit und des Risikopotenzials, sowie des Wärmeflusses am gewählten Standort und der Aufklärung über Geothermie im Allgemeinen, müssen vorrangig über den Nutzen der gewählten Technik für das Areal entscheiden, was aufgrund der hohen Kosten vielfach mit starken Anfangshemmnissen einhergeht.

Zwar bietet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eine Förderung für die Tiefengeothermie, die KfW-Bank lockt mit zinsgünstigen Darlehen für geplante Projekte und der Staat verspricht eine attraktive Einspeisevergütung, doch oftmals wird gerade wegen der immensen Anfangskosten, die bei anderen Energieprojekten weitaus geringer ausfallen, dennoch von Geothermieprojekten Abstand genommen. Schade, denn die Geothermie ist für eine nachhaltige Energieversorgung und eine umweltfreundliche Energiegewinnung eine wichtige Technologie und ein großer Schritt, um Deutschland zum Weltmarktführer in Sachen klimaschonende Energieträger zu bringen. Hierzu gehört jedoch eine ganzheitliche Betrachtungder vorhandenen Möglichkeiten im Bereich Klimaschutztechnologie, in der die Geothermie eine wichtige Rolle spielt.

Judith Schomaker

Jugendliche für regenerative Energie begeistern

Jugendliche interessieren sich ja bekanntermaßen für alles mögliche. Computerspiele, Internet und Sport genießen dabei einen hohen Stand im Leben unseres Nachwuchses. Erneuerbare Energien gehören dabei für die wenigsten Jugendlichen zu einem wirklichen Thema, das bleibt meist den Erwachsenen vorbehalten. Doch gerade der Nachwuchs ist es doch, in dessen Händen unsere Zukunft und die unserer Erde liegt. Es ist also dringend an der Zeit, Kinder und Jugendliche für erneuerbare Energien zu begeistern, anstatt ihnen die Wichtigkeit dieser nur an trockenen Beispielen vermitteln zu wollen.

Das hat sich auch die Havelstadt Rathenow, in der Nähe von Berlin gedacht und ein Projekt ins Leben gerufen, dass Jugendliche für regenerative Energie begeistern soll. Selber zur Tat schreiten und umweltfreundliche Energien (be-)greifen, lautet das Motto vom Streetworker der Brandenburgischen Sportjugend Martin Kanitz. Finanziell und fachlich wird seine Idee dabei von der FC Flick Stiftung und vom Netzwerk Regenerative Energien Havelland unterstütz.

Ein wenig Appetit auf die natürliche Energiegewinnung soll den Jugendlichen somit durch aktives Lernen gemacht werden. Nicht nur zusehen und das Vorhandensein regenerativer Energiegewinnungsmöglichkeiten zur Kenntnis nehmen, sondern selber Hand anlegen und das Prinzip von allen Seiten erkunden. Dazu gehört natürlich die Konstruktion ebendieser Objekte, die es ermöglichen, natürliche Energiequellen anzuzapfen und für den Menschen nutzbar zu machen.

Bis Ende Januar haben acht Jugendliche dazu zwei so genannte Savonius-Rotorenzur Stromerzeugung mit Hilfe der Windkraft selber angefertigt. Einfache Montage und Aufbau zeichnen das Prinzip des Savonius-Rotors aus, denn er besteht lediglich aus zwei waagerechten Kreisscheiben, die an einer vertikalen Achse angebracht werden und zwischen denen sich mehrere gebogene Schaufeln befinden. Schon bei geringen Windgeschwindigkeiten lässt sich damit ein effektiver Antrieb erzielen, in diesem Fall wird ein Fahrraddynamo mittels Windkraft angetrieben. In größeren Dimensionen könnte die Anlage eine ordentliche Portion Energie erzeugen.

Den Jugendlichen wird aber nicht nur das Prinzip Windkraft näher gebracht, sondern auch die Einfachheit, mit der natürliche Ressourcen zur Energiegewinnung nutzbar gemacht werden können. Letztendlich soll die Begeisterung auch dazu führen, dass der Nachwuchs für sich selber Zukunftsperspektiven im Berufsleben sieht. Besonders im Bereich der erneuerbaren Energien werden Fachkräfte in Zukunft immer wichtiger, ein Mangel an selbigen überschattet die Branche bereits jetzt.

Judith Schomaker

Biogas total – Jahrestagung & Fachmesse bieten umfassende Infos aus der Branche

Die Tagung des Fachverbandes Biogasin Leipzig vom 2. bis 4. Februar bietet Betreibern, Planern und Herstellern von Biogasanlagen eine Plattform, um sich über die neueste Technik, Dienstleistungen, aber auch politische Ideen und gesetzliche Vorgaben zu informieren. Eine Fachmesse ergänzt das vielseitige Tagungsprogramm.

500 neue Anlagen entstanden nach Angaben des Fachverbandes Biogas in 2009. Die bundesweit 4.500 Biogaserzeuger produzierten rund 1.650 Megawatt. Stoffe aus der Landwirtschaft dienten den meisten Anlagen als Ausgangsstoff. Die positive Entwicklung der Branche spiegelt sich auf der Fachmesse zur Jahrestagung wieder: 280 Aussteller präsentieren ihre Produkte. Die Konzentration ausschließlich auf Biogas ermöglicht Besuchern einen effizienten Messebesuch. Die Tagung ist am 2. Februar in die Themenbereiche Technik der Biogasanlagen, Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung gegliedert. Der 3. Februar ist Praxisproblemen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) gewidmet, informiert zur Substratherstellung und zum Anlagenmanagement. Am 4. Februar geht es um die Technik und Effizienz der Biogaseinspeisung. Die Vortragsreihe „Biogas für Kommunen" thematisiert die Umsetzung von Projekten zu erneuerbaren Energien. Rechtliche Grundlagen und die Möglichkeiten der staatlichen Förderung stehen ebenso auf dem Programm wie praktisches Anschauungsmaterial anhand der Bioenergiedörfer im Göttinger Land. Am 5. Februar schließen sich Lehrfahrten auf eine Abfallanlage und eine Anlage für nachwachsende Rohstoffe an. Eine dritte Fahrt führt zu anderen Biogasanlagen und wird in Englisch gehalten. Für Mitglieder des Fachverbandes Biogas gibt es Workshops, bei denen Fachleute zu aktuellen Themen referieren.

Die Veranstaltung bietet allen Einsteigern ebenso wie „alten Hasen" der Biogasbranche Möglichkeiten, sich umfassend mit dem Thema auseinander zu setzen und Zukunftspotenziale zu erschließen. Gründe für den Besuch der Veranstaltung gibt es viele: Im letzten Jahren ging es den Gästen unter anderem um die Pflege und Anbahnung von Geschäftskontakten und Neukundengewinnung, Weiterbildung und Austausch, Marktorientierung und Präsentation, so eine Studie der Nürnbergmesse aus 2009.

Susanne Kirsch