Öl ist die Zukunft im Klimaschutz – als Wärmeträgermedium in thermischen Solarkraftwerken

In Deutschland wird Strom aus Sonnenenergie praktisch ausschließlich mit Photovoltaikanlagen generiert. 2008 lag der Anteil am Bruttostromverbrauch bei etwa 0,6 Prozent. Für die europäische und weltweite Perspektive gibt es allerdings weitaus größere Potentiale für die Stromerzeugung durch Sonnenenergie.

Während Photovoltaikmodule als dezentrale Erzeugungstechnik mittlerweile auf vielen Dächern zu finden sind, rückt für Großanlagen zur Stromerzeugung eine andere Technik in den Vordergrund. Die Rede ist von Solarwärmekraftwerken auf Basis der so genannten Concentrated Solar Power-Technologie (CSP). So wird beispielsweise bei der Parabolrinnen-Technologie Sonnenstrahlung über Parabolspiegel auf so genannte Receiver konzentriert, um das in ihnen enthaltene Wärmeträgeröl zu erhitzen. Das heiße Öl erzeugt über einen Wärmetauscher Dampf, welcher letztendlich eine herkömmliche Dampfturbine antreibt. Natürlich gibt es auch bei dieser Technologie noch Verbesserungspotential. Die Firma Schott Solar hat einen neuen Receiver entwickelt, der die Effizienz von Solarkraftwerken noch einmal deutlich steigert. Für diese Innovation war das Unternehmen für den Clean Tech Media Award 2009 nominiert.

Um die CSP-Technik effizient nutzen zu können, ist allerdings eine gewisse Grundeinstrahlung der Sonne notwendig. Daher kommt Deutschland als Standort kaum in Betracht. In Europa bieten sich die südliche Regionen wie Spanien, Portugal und Italien an. In Spanien wird auch gerade der mit 150 Megawatt größte Komplex namens Andasol gebaut. Das erste der insgesamt drei Kraftwerke, die sich jeweils auf zirka zwei Quadratkilometern erstrecken, wurde am 1. Juli offiziell eingeweiht. Entwickelt wurde das Kraftwerk vom Erlangener Unternehmen Solar Millennium.

Da die Sonneneinstrahlung weiter südlich noch stärker ist, könnten Solarwärmekraftwerke im nördlichen Afrika und im mittleren Osten ihr Potenzial vollends entfalten. Daher ist die Technologie prädestiniert für die großflächige Anwendung im so genannten Desertec-Projekt, bei dem in diesen Regionen großflächig Solarstrom für den EUMENA-Raum (Europe, Middle East, North Africa) erzeugt werden soll. Auf jeden Fall hat die Technik das Potenzial, einen erheblichen Anteil am zukünftigen CO2-freien Strommix zu tragen. Laut einer aktuellen Studie von Greenpeace könnte mit diesem und ähnlichen Projekten im Jahr 2050 ein Viertel des weltweiten Stromverbrauchs gedeckt werden.

Oliver Hölzinger

Bye-bye Energiesparlampe!

Hand aufs Herz! Als bei Ihnen zu Hause letztens eine Energiesparlampe kaputt wurde, haben Sie diese auch mit dem normalen Hausmüll entsorgt? Hatten Sie auch bereits alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt und tauschen diese nun teilweise wieder gegen die alte Variante aus? Energiesparlampen sind eine tolle Sache. Aber sind sie auch der Weisheit letzter Schluss?

Spätestens als ich vor einigen Tagen ratlos neben den Scherben einer zerbrochenen Energiesparlampe stand, wurde mir klar, dass dies keine ideale Lösung für mich war. Die Lampe war mir beim Wechseln zu Boden gefallen, hatte also gottlob nicht gebrannt. Dennoch hatte ich soeben mehrere Milligramm giftiges Quecksilber freigesetzt und suchte nun nach einer Möglichkeit, das Malheur sinnvoll zu beseitigen.

Ein neues Produkt des Unternehmens „Lemnis Lighting" scheint hier eine bessere Lösung zu sein. „Pharox 300 LED" sieht wie eine herkömmliche Glühbirne aus und passt auch in alle Standardfassungen. Das Licht wird jedoch mittels lichtemittierender Dioden (LEDs) erzeugt. Das hat den Vorteil, dass die Lampe sofort nach dem Einschalten die volle Helligkeit abgibt. Zusätzlich produziert die Pharox keine Wärme und verbraucht rund 90 Prozent weniger Strom als eine vergleichbare Glühbirne. Somit schneidet sie auch hinsichtlich des Stromverbrauchs besser ab als eine Energiesparlampe. Darüber hinaus lässt sich das Licht problemlos dimmen.

Grundsätzlich sind LED-Beleuchtungssysteme nichts Neues. Bemerkenswert an diesem Modell sind jedoch das angenehme Licht und die lange Lebensdauer. Laut Angaben des Herstellers beträgt diese 35.000 Betriebsstunden. Umgerechnet auf einen normalen Haushalt bedeutet dies, dass eine Lampe 25 Jahre lang hält. In diesem Zeitraum spart die Pharox gleichzeitig 45 Kilogramm CO2 pro Jahr. Eine vergleichbare Energiesparlampe hat eine Lebensdauer von zirka fünf bis sechs Jahren und spart pro Jahr 41 Kilogramm CO2.

Hinter Lemnis Lighting und seinen Produkten steht der Erfinder John Rooymans. 2005 gründete er das Unternehmen gemeinsam mit dem Partner „Tendris". Seither arbeitet man dort an effizienten und nachhaltigen Beleuchtungslösungen für den öffentlichen Raum und für Gewächshäuser. Parallel dazu setzt sich Rooymans für die Entwicklung verlässlicher und robuster Lichtquellen ein, die das Leben vieler Menschen in der Dritten Welt erleichtern sollen. Dieses Engagement wurde jüngst mit dem „World Economic Forum's Technology Pioneer Award 2009" und dem „World Bank's Lighting Africa Award" gewürdigt.

Noch vor Ende des Jahres wird die smarte „Pharox 300 LED" online in Europa und den USA erhältlich sein. Die kleine Ausführung mit fünf Watt wird voraussichtlich 16,99 Euro kosten. Das dimmbare Modell mit sechs Watt kostet 25,99 Euro. Beide können gefahrlos über den Hausmüll entsorgt werden, falls sie einmal zu Bruch gehen sollten.

Übrigens: Zerbricht eine nicht eingeschaltete Energiesparlampe, so sollten Sie die Scherben mit einem Stück Karton zusammenschieben. Den Boden feucht nachwischen. Karton, Tuch und Scherben bringen Sie in einem dicht verschlossenem Gefäß zur Schadstoffsammelstelle. Idealerweise beschriften Sie das Ganze mit dem Hinweis: „Quecksilber". Zerbricht eine Energiesparlampe, die gerade in Betrieb ist, so sollten Sie die Luft anhalten, sofort alle Fenster öffnen und den Raum für mindestens 30 Minuten verlassen. Die Reste auch in diesem Fall nicht mit Besen oder Staubsauger beseitigen, sondern gleich wie oben.

Joachim Kern

Kängurus helfen gegen den Klimawandel

14 Prozent der australischen Treibhausgase werden von Kühen und Schafen ausgestoßen. Denn in den Mägen der Wiederkäuer wird beim Zerkleinern der Nahrung durch mikrobielle Gärung das klimaschädliche Methan produziert.

In Kängurumägen dagegen, wo ähnlich wie bei Wiederkäuern die Nahrung mit Hilfe von Bakterien zersetzt wird, entsteht statt Methan hauptsächlich Essigsäure. Dieses Wissen wollen der Wissenschaftler Athol Klieve vom Department of Primary Industries and Fisheries in Queensland und sein Team nun im Kampf gegen den Klimawandel nutzen. Die Forscher versuchen, die verantwortlichen, so genannten acetogenen (Essigsäure bildenden) Bakterien zu isolieren und herauszufinden, warum sie in Kängurumägen den Großteil ausmachen.

Ist dies gelungen, können die Bakterien im Labor gezüchtet und Kühen und Schafen eingeimpft werden. So ließe sich der Methanausstoß von Wiederkäuern laut Klieve um bis zu 80 Prozent reduzieren. Zusätzlich würden die neuen Bakterien einen weiteren Vorteil mit sich bringen: Die Tiere könnten mehr von ihrer Nahrung zersetzen und dabei noch weniger Energie verbrauchen. Sie könnten, so Klieve, zehn bis 15 Prozent mehr Energie aus der Nahrung ziehen und diese vermehrt für die Muskel- und Wollproduktion nutzen. Das wäre nicht nur bei Dürreperioden ein entscheidender Vorteil, sondern würde auch den wirtschaftlichen Gewinn, der aus den Tieren gezogen wird, steigern.

Felicitas Wagner

IBA Dock - das schwimmende Klimahaus

Mitten in der Hamburger Hafenmetropole, gegenüber dem Auswanderermuseum, entsteht ein Vorreiterprojekt für klimaneutrales Bauen am und auf dem Wasser. Ziel des ehrgeizigen Vorhabens ist es, das Entwicklungspotenzial benachteiligter Hamburger Stadtteile wie Wilhelmsburg und Veddel architektonisch anspruchsvoll und ökologisch nachhaltig auszuschöpfen. Die Elbinsel, die von Industrie, Autobahn und Häfen geprägt ist, soll attraktiver gestaltet werden, um sich als Weltstadt am Wasser behaupten zu können. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf ökologischer, nachhaltiger Bauweise, die einen ganzen Stadtteil umwandeln und mit neuem kulturellem und soziologischem Leben füllen soll.

Eines der größten Städtebauprojekte in der Hansestadt wird durch vielfältige Einzelprojekte der Internationalen Bauausstellung (IBA) realisieren und bleibt somit nicht mehr nur eine Vision für die CO2 neutrale Stadtentwicklung. Das gesamte Gelände südlich der Elbe, welches im Visier des Projekts unter klimatechnischen Aspekten urbanisiert werden soll, umfasst rund 26,5 Quadratkilometer. Zu den Hauptprojekten, die bis zum Jahr 2013 realisiert werden sollen, zählen Ideen zur Umgestaltung der Wilhelmsburger Mitte und für das südliche Reiherstieg Viertel, für eine „Tor zur Welt“-Schule. Ebenso soll das Gebiet am Müggenburger Zollhafen mit Ballin Stadt und der Internationalen Jugendherberge, sowie die Harburger Schlossinsel und der Binnenhafen von den Umgestaltungen profitieren.

Herzstück und Wahrzeichen für eine kosteneffiziente Umsetzung des Plans soll das schwimmende Ausstellungs- und Bürogebäude der IBA, das IBA Dock werden, das als zentrale Anlaufstelle für alle Besucher und deren Anliegen zur Verfügung stehen wird. Ganz zentral, am Nordufer des Müggenburger Zollhafens, wurde die Ankunft der schwimmenden Plattform für das Gebäude bereits Ende September gebührend gefeiert. Bis zum Jahresende werden auf dem 1.075 Quadratmeter großen Ponton, der als „Baugrund“ auf dem Wasser dient, die entsprechenden Aufbauten fertig gestellt sein. Geplanter Umzugstermin für die IBA Hamburg GmbH in ihre neuen Räumlichkeiten soll Anfang 2010 sein, im Mai desselben Jahres wird dann die IBA-Ausstellung den Auftakt zur Zwischenpräsentation der Internationalen Bauausstellung geben und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Das gesamte Gebäude ist ein imposantes Energiekonzept, dass eindrucksvoll zeigt, wie und in welchem Umfang sich der Mensch die Umweltenergie bereits zunutze machen kann. In Modulbauweise aus Stahl, verbunden mit modernsten Bau- und Energiespar-Technologien, nutzt das IBA Dock sowohl Sonnenkraft, als auch Elbwasser zur Energiegewinnung. Eine Sole/Wasser-Wärmepumpe bezieht beispielsweise ihre Energie aus im Pontonboden eingebrachten Wärmeaustauschern und Solarthermie-Kollektoren - der dafür notwendige Strom wird von Photovoltaikmodulen auf dem Dach des IBA Gebäudes gewonnen. Gerade im Solaren Zeitalter ein wichtiges Vorbild für nachhaltiges und kosteneffektives Bauen.

Eine Übersicht der umfangreichen IBA Projekte gibt es unter www.iba-hamburg.de, denn das IBA Dock ist nur ein Teil des groß angelegten Unterfangens.

Judith Schomaker

Neue Dünnschichtgeneration vor dem Durchbruch

Die Suche nach neuen Materialien für Solarzellen steht im Zentrum der weltweiten Solarforschung, denn derzeit beherrschen Silizium-Solarzellen den Photovoltaikmarkt. Hauptsächlich wird mono- und multikristallines Silizium zur Herstellung heutiger Solarzellen verwendet, auch Dünnschichtzellen aus amorphem Silizium gehören zum Repertoire der Modulhersteller. Die Kosten für diese Technologien sind allerdings alles andere als günstig und zudem noch nicht effektiv genug, um Solartechnik integrativ in allen möglichen Bereichen kostengünstig einzusetzen.

Allerdings gibt es Licht am Horizont der Solarforschung, so die Studie von Greentech Media, welche die Entwicklung am organischen Photovoltaikmarkt näher beleuchtet. Kurz vor der Marktreife stehen demnach Kunststoff basierte Zellen und Farbstoffzellen, deren Wirkungsgrad und Lebensdauer in wenigen Jahren die teuren Silizium-Solarzellen ablösen könnten. Im Gegensatz zu den Festkörpersolarzellen, bei denen das Sonnenlicht durch eine Halbleiterstruktur in elektrische Energie umgewandelt wird, werden bei dieser Technologie organische Verbindungen (Kohlenwasserstoff-Kunststoff) zur Lichtabsorption verwendet. Bei diesen Kunststoff-Solarzellen überwiegen die theoretischen Vorteile gegenüber herkömmlichen Siliziumsolarzellen um ein Vielfaches. So warten organische Solarzellen mit geringeren Herstellungskosten durch die günstige Produktionstechnologie, hoher Stromausbeute und Umweltverträglichkeit, Flexibilität und Transparenz auf. Selbst der Einsatz bunter Solarzellen wird hierdurch erst möglich und bietet besonders in der Architektur ungeahnte stilistische Möglichkeiten.

Hauptmanko der Plastiksolarzellen, wie sie auch gerne genannt werden, ist der geringe Wirkungsgrad und die kurze Lebensdauer im Vergleich zu marktüblichen Solarmodulen. Dünnschichtmodule auf Siliziumbasis haben beispielsweise einen Wirkungsgrad von sechs Prozent, monokristalline Module von 19 Prozent - organische Solarzellen hingegen nur einen Wirkungsgrad von fünf Prozent, bei einer relativ kurzen Lebensdauer von lediglich 5.000 Stunden. Ein entscheidender Punkt für die Marktfähigkeit dieser jungen Technologie ist also eine deutliche Steigerung von Lebensdauer und Wirkungsgrad. Greentech Media geht in ihrer Studie jedoch davon aus, dass die Konkurrenzfähigkeit rasch gegeben sein wird, denn bis zum Jahr 2012 soll der Wirkungsgrad von Kunststoff-Solarzellen auf sieben Prozent, bis zum Jahr 2020 sogar auf zehn Prozent gesteigert werden, wobei gleichzeitig die Lebensdauer auf 10.000 Stunden ausgedehnt werden soll.

Vorreiter der Technologie, wie das Unternehmen Konarka Technologies aus den USA, planen einen Ausbau der Produktionskapazität von derzeit fünf Megawatt auf 1.000 Megawatt bis zum Jahr 2012. Die Steigerung der Kapazitäten und das Wachsen der Anwendungsmöglichkeiten werden die Preise für organische Solarzellen schnell auf ein konkurrenzfähiges Niveau gleiten lassen. Überdies werden Plastiksolarzellen und Farbstoff-Solarzellen auch für Deutsche Firmen immer attraktiver und sorgen für rege Beteiligung am Markt. So plant die Heliatek GmbH aus Dresden bis zum Jahr 2011 eine eigene Produktionslinie für Kunststoffsolarzellen, Merck ging die Kooperation mit Bosch und Schott Solar ein und der Chemiekonzern Merck schloss im Oktober eine Entwicklungspartnerschaft mit dem australischen Unternehmen Dyesol ab.

Farbstoff-Solarzellen könnten also in Zukunft Handy, Laptop und Co. ganz ohne Anschluss an das Stromnetz aufladen, organische Solarzellen herkömmliche Materialien beim Hausbau ablösen oder dem Fahr- und Flugzeugbau oder der Textilienbranche neue Möglichkeiten eröffnen.

Judith Schomaker

Ein Tag wie nie zuvor

Gestern, am 24. Oktober 2009, war ein historischer Tag für den Klimaschutz. Noch nie zuvor haben sich Menschen in so vielen Aktionen in so vielen Ländern der Welt für ein konkretes Zielzusammengeschlossen: für 350 ppm.

In 5200 Aktionen in 182 Ländern der Welt kreierten engagierte Weltenbürger den wohl schönsten, phantasievollsten, und größten Aktionstag zum Klimaschutz, den unsere Erde je erlebt hat. Bilder aus allen Ecken der Welt strömten ein, von Indien, Australien, Brasilien, Mexico, USA, Europa zu den Malediven, Bangladesch, Ghana, und Botswana.

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Solar Decathlon: Solarhäuser der Zukunft

Unter dem Motto „Get smart: Take charge of your energy!" veranstaltet das US-Energieministerium mit dem Solar Decathlon alle zwei Jahre einen einzigartigen Hochschulwettbewerb für den Bau solarversorgter Nullenergiehäuser. Grundlegende Idee ist die Entwicklung zukunftsfähiger Solarhäuser für das Jahr 2015. Zugleich sollen sich die teilnehmenden Studenten in den Bereichen regenerative Energien, Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen austauschen und vernetzen können. Neue Technologien aus der Solarenergieversorgung sollen verbreitet werden und das öffentliche Bewusstsein für die Potentiale regenerativer Energien und Nullenergierhäuser gestärkt werden.

Die Gebäude müssen allerdings auch bestimmten Komfortkriterien genügen. Es muss ausreichend Energie für Kochen, Warmwasser, Waschen und den Betrieb elektronischer Geräte, wie TV, Stereoanlage und Computern produziert werden. Bereits bei der Premiere der Veranstaltung 2002 erschienen rund 100.000 Besucher - vier Jahre später kamen noch einmal weitere 50.000 Besucher hinzu. Nicht nur diese Zahlen verdeutlichen die Chancen und Bedeutung des Events. In Deutschland werden, wie in den USA, rund 40 Prozent des Energieverbrauchs für das Gebäudeklima, die Beheizung und Kühlung von Räumen, aufgewendet. Auch aufgrund hoher Energieverluste durch Wärmebrücken unzureichend gedämmter Fassaden, sind unsere Häuser von einer Energieeffizienz weit entfernt.  

Umfang und Aufbau des international anerkannten Wettbewerbs sind einmalig: 20 Teams aus fünf Ländern (USA, Kanada, Puerto Rico, Spanien und Deutschland) konkurrierten beim diesjährigen Wettbewerb im Oktober um das ästhetischste, effektivste und technisch versierteste Modellvorhaben. Die Häuser wurden entlang der National Mall in Washington D.C. aufgebaut und konnten in mehreren Phasen von der Öffentlichkeit und vom Fachpublikum begutachtet werden. In Anlehnung an die traditionelle olympische Disziplin bekommen die Teams in zehn Teilwettbewerben Punkte, in der die Hausentwürfe von Expertengremien hinsichtlich Fragen wie der Energiebilanz, des Raumklimas und der Marktfähigkeit bewertet werden. Das Team der TU Darmstadt gewann als einziger deutscher Vertreter bereits das zweite Mal nach 2007 den Wettbewerb.

Mit ihrer Holzkonstruktion aus Ständerbauweise und Blocksystemen heimischer Hölzer, überzeugten sie die Experten nicht nur durch die Vakuumdämmung und die Schuppenhülle aus Solarmodulen. Das in zwei Jahren von Studenten und Hochschulmitarbeitern entwickelte Gebäude gewann am Ende knapp vor der Universität Illinois. In der Einzelwertung der zehn Teilwettbewerbe landete das Team in den Kategorien thermische Behaglichkeit und Energieeinspeisung ganz oben. Bereits im nächsten Jahr findet der technisch-interdisziplinäre Wettbewerb erstmals in Europa statt. Dann werden beim Solar Decathlon Europe in Madrid erneut 20 Teams um das am besten geplante und umgesetzte, ausschließlich durch Solarenergie versorgte Gebäude, antreten.

Jonas Linke

EU einigt sich auf gemeinsame Position zum Klimaschutz – wichtige Fragen bleiben offen

Die Umweltminister der Europäischen Union haben sich diese Woche auf eine gemeinsame Verhandlungsposition für die anstehende Weltklimakonferenz in Kopenhagen geeinigt. Einige strittige Punkte konnten jedoch nicht gelöst werden. Im Dezember trifft die Weltgemeinschaft in Kopenhagen zusammen, um neue Klimaschutzziele für die Periode 2012 bis 2020 zu beschließen.

Einigkeit konnte in den Bereichen des Flugverkehrs und der Seefahrt erzielt werden. Die EU wird hier die Position vertreten, dass die CO2-Emissionen im Flugverkehr bis 2020 weltweit um zehn Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 verringert werden müssen. Der Schiffsverkehr muss im gleichen Zeitraum 20 Prozent einsparen. Im bestehenden Kyoto-Protokoll wurden für diese Sektoren keine Verpflichtungen vereinbart. Luft- und Schifffahrt werden zusammen für etwa fünf Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich gemacht.

Die seit langem vertretene Position zur Verringerung des Treibhausgassusstoßes wurde ebenfalls abgesegnet. Gegenüber dem Referenzjahr 1990 wird die EU die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent verringern. Wenn andere Staaten ebenfalls ambitionierte Ziele beschließen, senkt die EU ihrerseits ihre Emissionen um 30 Prozent. Auch die angemessene Einbindung von Entwicklungs- und Schwellenländern wird an diese Reduktion gebunden. Allerdings wurde nicht näher konkretisiert, unter welchen Bedingungen genau das ambitioniertere Ziel zur Geltung kommt.

Völlig offen bleibt die Frage der Bereitstellung von Finanzhilfen für die Entwicklungsländer. Diese fordern von den Industrienationen finanzielle Unterstützung, um sich vor den Folgen des Klimawandels zu schützen und in klimafreundliche Technologien investieren zu können. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, müsste die EU bis 2020 jährlich bis zu 15 Milliarden Euro bereitstellen. Allerdings wollen sich vor allem neuere EU-Mitglieder im Osten nicht an diesen Kosten beteiligen. Im Gegenteil, sie kämpfen dafür, nicht benötigte Emissionszertifikate unter dem derzeitigen Kyoto-Protokoll, in die Phase 2012 bis 2020 übernehmen zu dürfen. Dies würde die Preise für die Emissionszertifikate in jener Periode voraussichtlich stark drücken. Allerdings soll gerade der Gewinn aus dem Verkauf dieser Zertifikate zur Finanzierung der Hilfezahlungen dienen.

Die Lage ist verzwickt und die Zeit bis Kopenhagen wird knapp. Donnerstag und Freitag treffen sich die Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Möglicherweise kann hier eine Einigung erzielt werden. Da sich auch die meisten anderen Nationen mit ihren Reduktionsverpflichtungen und Finanzzusagen zurückhalten, droht der Weltklimagipfel im Dezember gar zu scheitern. Klimaexperten prognostizieren für diesen Fall die Möglichkeit verheerender Folgen. Nicht zuletzt würde wohl auch die deutsche Klimaschutzindustrie bei einem Scheitern leiden. Insbesondere die Branche der erneuerbaren Energien hat sich in den letzten Jahren als Wachstumsmotor erwiesen.

Oliver Hölzinger

Freiwilliger Klimaschutz für Unternehmen

„Aus Problemen Chancen machen" - so lautet das Motto von ClimatePartner, einem Unternehmen, das seinen Kunden Lösungsansätze rund um den Klimaschutz anbietet. Ein Konzept dabei ist beispielsweise das der Klimaneutralität: Da CO2 eines der führenden Treibhausgase im Klimawandel darstellt, sollte es dringend reduziert oder ganz vermieden werden. Dies ist jedoch nicht immer realisierbar, vor allem nicht in der Wirtschaft. ClimatePartner bietet seinen Geschäftspartnern die Möglichkeit den CO2-Ausstoß, der bei Geschäftsreisen oder dem Transport anfällt, zu neutralisieren. Möglich ist dies, da es global gesehen egal ist wo CO2 entsteht und wo es neutralisiert wird. So kann jedes Produkt am Ende klimaneutral sein.

Das Unternehmen Meyer/Stemmle macht dies vor. Kunden ist es möglich hier klimaneutrale Verpackung, zum Beispiel für Lebensmittel, zu bestellen und diese als solche zu kennzeichnen, damit umweltbewusste Einkäufer sich bewusst dafür entscheiden können.

Klimaneutralität basiert auf dem Ankauf und der Löschung von Emissionsminderungszertifikaten aus anerkannten Klimaschutzprojekten. Diese Projekte werden alleine für die Klimaneutralisierung in die Welt gerufen. Sie müssen verschiedene Kriterien erfüllen, um unterstützt zu werden. Zum einen muss die Klimaneutralisierung garantiert werden. Zum anderen muss sichergestellt werden, dass durch die Minderung des CO2 nicht andernorts zusätzlich CO2 entsteht.

Projekte bei ClimatePartner laufen derzeit unter anderem in Indien, China, Südafrika und Guatemala. Durch das guatemaltekische Projekt Poza Verde, bei dem Elektrizität aus Wasserkraft gewonnen wird, werden jährlich 198.803 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. CO2 wird reduziert, in dem die Nachfrage nach Elektrizität aus fossilen Brennstoffen verringert wird. Durch dieses Projekt wird die einheimische Bevölkerung nachhaltig unterstützt und gefördert.
Fraglich ist hierbei allerdings, ob mancher CO2-Ausstoß, zum Beispiel bei Dienstreisen, nicht generell vermieden werden könnte. Es bleibt zu hoffen, dass Firmen den Emissionsausgleich nicht nur zur Imageverbesserung einsetzen, sondern dieser einen Anreiz zu einer wirklich klimafreundlicheren Firmenpolitik bieten kann.

Felicitas Wagner

Alle Mann an Deck!

Eine neue Studie des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung (WBGU) beschreibt eine bisher unausgesprochene Dringlichkeit effektiven Klimaschutzes – und Wege, welche die Gefahr einer Destabilisierung unseres Klimas verringern können.

„Die momentan vorliegenden Vorschläge zur Emissionsreduktion würden nach aktuellen Berechnungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Erwärmung der Erdatmosphäre von deutlich mehr als zwei Grad Celsius zur Folge haben,“ so heißt es in dem neuen Bericht des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung.

Es ist erstaunlich und erschreckend wenn eine Studie, die deutlich die extreme Dringlichkeit effektiven Klimaschutzes aufzeigt, in den Medien kaum erwähnt wird. Und wenn die Studie selbst, trotz dringlichster Ergebnisse, verfehlt, eindeutige Forderungen an die Bundesregierung und an die Staaten der Welt zu stellen.

Das erschreckendste Ergebnis der Studie ist wohl, dass Deutschland heute schon seine CO2 Emissionen zu 100 Prozent senken müßte, wenn man seine historische Verantwortung seit 1990 einberechnet. Schon heute hat Deutschland sein gesamtes CO2-Budget emittiert. Noch schlechter sieht es für die USA aus, die schon vor neun Jahren ihr gesamtes Budget überschritten hat, während Länder wie Burkina Faso noch Hunderte von Jahren so weiter leben können wie bisher.

Wie kommen die Wissenschaftler auf diese Ergebnisse? Der Ansatz ist im Prinzip nichts Neues. Schon vor einigen Jahren hat Angela Merkel vorgeschlagen, dass eine gerechte Klimapolitik allen Menschen der Welt gleiche Emissionsrechte zubilligen sollte. Diese Idee wurde nun vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung aufgegriffen. Die Wissenschaftler rechneten aus, wie viel CO2 jedem Menschen der Welt zusteht, und – je nach Bevölkerungszahl – wieviel CO2 jedes Land noch emittieren darf.

Dieser Ansatz ist im Prinzip genial, da die relativ einfachen Berechnungen dieses Budgetansatzes die Klimaverhandlungen erheblich vereinfachen könnten. Alles, was nötig ist, um das CO2-Budget jedes Menschen zu errechnen, ist die Bevölkerungszahl, die gesamte Menge von CO2 die noch emittiert werden darf, und der Zeitraum für die Berechnung. In der Tat, eine einfache und unkomplizierte Rechnung.

Aber nicht alles was einfach ist, ist sinnvoll.

Die Berechnungen der Studie basieren auf einigen Annahmen, die schwer zu verstehen sind:

Zu allererst ist da die Menge des CO2 das noch emittiert werden darf. Diese Menge basiert auf einer Berechnung von Malthausen und Koautoren, nach der bis 2050 noch mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 emitiert werden darf. Allerdings wird dabei akzeptiert, dass eine 33-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass die zwei Grad Celsius Leitplanke überschritten wird.  Eine 33-prozentige Chance einer globalen Katastrophe ist den Interessen zukünftiger Generationen jedoch wenig zuträglich.  Im Bericht selbst steht, dass „Wahrscheinlichkeiten für die Schadensabwendung im 50 bis 90 Prozent-Bereich, wie sie im Zusammenhang mit der Klimaproblematik üblicherweise diskutiert werden, im Alltagszusammenhang (Verkehrssicherheit, Infektionsgefahr und so weiter) völlig inakzeptabel wären.“ Warum dennoch diese Berechnungen, die auf solch unakzeptablen  Wahrscheinlichkeit basieren, als Verhandlungsgrundlage für Kopenhagen vorgeschlagen werden, ist schwer nachzuvollziehen. Gleichzeitig muß man aber dazufügen, dass der Budgetansatz des Wissenschaftlichen Beirates sehr viel weiter geht als die meisten Vorschläge die bisher für Kopenhagen eingebracht wurden.  Das fördert  nicht gerade Vertrauen auf einen Erfolg in Kopenhagen.

Eine weitere Kuriosität findet sich in der Berechnung des Budgets für Industrieländer. Da die Einbeziehung einer historische Schuld (Emissionen seit 1990) die notwendigen CO2-Reduktionen für Industrieländer sehr stark erhöhen würden, wird diese historische Schuld nicht weiter als diskutabel behandelt. Stattdessen gehen weitere Berechnungen von 2010 aus und erlauben dadurch auch Industrieländern weitere CO2-Emissionen in den nächsten Jahzehnten. Selbst unter diesen vereinfachten Bedingungen müssen CO2-Emissionen in Deutschland innerhalb von 20 Jahren auf Null reduziert werden – ein dramatishes Zeichen dafür, wie weit wir es schon getrieben haben!

Da solch drastische Reduzierungen nicht machbar sind, soll ein Teil der Emissionen durch Emissionshandel wettgemacht werden. Jedoch wird in der Studie (in Kasten 4.1.1) beschrieben „wie ein scheinbar ordentliches Verhandlungsergebnis in Kopenhagen die zwei Grad Celsius Leitplanke durchbrechen könnte“. Hier wird spezifisch darauf hingewiesen, dass Länder ihre Emissionsreduzierungen im eigenen Land durchführen sollten, damit die angestrebten Reduzierungen auch stattfinden. Dennoch wird im späteren Teil des Berichtes stark auf Emissionshandel gebaut. Selbstverständlich ist es sehr positiv, dass durch Emissionshandel Gelder in die Länder fießen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen werden. Aber ein solcher Geldfluß sollte zusätzlich zu den ländereigenen Emissionsreduzierungen stattfinden, nicht an Stelle von ihnen. Können wir uns bei einer 33-prozentigen Chance einer globalen Katastrophe wirklich leisten, mit Emissionen  zu handeln?

Eine weitere Seltsamkeit findet sich in der Studie: In nebenstehender Abbildung ist zu erkennen, dass wir so schnell wir möglich eine Umkehr benötigen, um den jährlichen Rückgang der Emissionen überhaupt noch zu schaffen. Ist die Trendwende erst zwischen 2015 und 2020 müssten die Länder einen jährlichen Rückgang um neun Prozent pro Jahr erreichen – fast doppelt so viel wie die Reduzierung die über das Kyoto Protokol über einen viel größeren Zeitraum angestrebt war. Dennoch wird im Text von einer Umkehr zwischen 2015 und 2020 geredet, nicht ab 2011.

Die Frage ist, wenn wir wissen was NÖTIG ist, aber von vorneherein annehmen, dass es nicht MÖGLICH ist, das Nötige zu leisten, wie effektiv können wir dann notwendige Veränderungen bewirken? Wenn alle Zeichen uns ins Gesicht schreien, dass wir unser System JETZT ändern müssen, dürfen wir dann weiterhin die Konsequenzen  verschönern? Warum wird nicht deutlich gesagt, dass wir jetzt, heute, eine drastische Energiewende benötigen, einen Stopp des Baus aller neuen Kohlekraftwerke, einen  sofortigen Umbruch der Autoindustrie auf Elektoauos,... Der Umbruch wird nicht leicht. Warum ihn immer weiter herauszögern? Wem oder was ist dabei geholfen?

Maiken Winter

Limits to growth revisited

It has been more than 30 years since a groundbreaking book predicted that if growth continued unchecked, the Earth’s ecological systems would be overwhelmed within a century. The latest study from an international team of scientists should serve as an eleventh-hour warning that cannot be ignored. By Bill McKibben, reposted with permission from e360 at Yale University


Let’s play doctor. I’m sitting there in a white coat looking at my clipboard and I say: “Hmmm, your cholesterol is going up. If you keep eating this way, you’re going to have a heart attack some day.” You hear that, and you stop on the way home for a bacon double cheeseburger.

But now imagine I’m sitting there in my white coat looking at my clipboard and all of a sudden I whistle, and say: “Your cholesterol is off the charts, man. You’re in the zone where people have heart attacks all the time. You better hope you get it down before the stroke.” You hear that, and you stop on the way home for some Lipitor and a pair of running shoes.

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350 ppm CO2 is economically not only feasible but necessary

Amid a growing call for reducing atmospheric concentrations of CO2 to 350 parts per million, a group of economists maintains that striving to meet that target is a smart investment — and the best insurance policy humanity could buy. By Frank Ackerman, reposted with permission from e360 from Yale University

The climate change news from Washington is cautiously encouraging. No one in power is listening to the climate skeptics any more; the economic stimulus package included real money for clean energy; a bill capping U.S. carbon emissions emerged, battered but still standing, from the House of Representatives, and might even survive the Senate. This, along with stricter emission standards in Europe and a big push for clean energy and efficiency standards in China, provides grounds for hope for genuine progress on emissions reduction.

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Intersolar goes India

Die Solarbranche im Sonnenstaat Indien befindet sich auf Wachstumskurs. Bereits im November werden die Inhalte der „National Solar-Mission" des Ministeriums für neue und erneuerbare Energien (MNRE) veröffentlicht. Der Plan der indischen Regierung ist ehrgeizig: bis zum Jahr 2020 soll die Leistung der indischen Solaranlagen von aktuell 2,1 Megawatt auf insgesamt 20 Gigawatt ausgebaut werden. Dabei setzt Indien sowohl auf Photovoltaik-Anlagen als auch auf solarthermische Kraftwerke.

Die Kosten für die Solar-Offensive in den nächsten 30 Jahren schätzt die Regierung auf rund 20 Milliarden US-Dollar. Eine Erhöhung der Steuern auf die bisher stark subventionierten Energieträger Benzin und Diesel soll die Solar-Mission finanzieren.

Vor dem Hintergrund der Entwicklungen auf dem indischen Solarmarkt präsentiert sich die Intersolar India in Kooperation mit der Solarcon® India vom 9. bis zum 11. November 2009 zum ersten Mal im International Convention Centre in Hyderabad, Indien. Etwa 50 internationale Experten sind geladen um, neben der indischen National Solar Mission, über die Bedeutung politischer, medialer und technologischer Einflüsse auf die Branchenentwicklung zu sprechen. Aber auch Themen am Schnittpunkt von Umweltpolitik und Technologien werden beleuchtet, ebenso wie Produktneuheiten und innovative Anwendungsbeispiele.

Das dreitägige Konferenzprogramm wird von einer Ausstellung mit rund 50 Ausstellern ergänzt, die ab 2010 stark ausgebaut werden soll.

Corinna Lang

EnOcean: Das Haus denkt mit

Intelligente Gebäudetechnik ist dieser Tage ein beliebtes Schlagwort. Bei der Firma EnOcean aus Oberhaching wird dieser Begriff hingegen sehr konkret verwendet: das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die es möglich macht, Lampen, elektrische Geräte oder Heiz- und Lüftungssysteme von Gebäuden batterie- und kabellos zu steuern. Die Funksensormodule von EnOcean beziehen ihren Strombedarf aus der Umgebung: aus linearer Bewegung, Licht oder Temperaturdifferenz. Die aus der Umgebung gewonnene Energie reicht aus, um ein  Funksignal zu versenden und so zum Beispiel das Licht einzuschalten. In der Zukunft soll diese Kommunikation auch in zwei Richtungen verlaufen:  So wird ein Raumbediengerät anzeigen können, wenn ein Fenster offen ist oder die Nachtabsenkung des Stroms eintritt. Wir sprachen mit Marcus Trojan, der den technischen Vertrieb der EnOcean-Produkte verantwortet.

Herr Trojan, EnOcean-Technologie wird bereits in zahlreichen öffentlichen und gewerblichen Gebäuden eingesetzt. Wie relevant ist die Technologie für den privaten Sektor?

Wir waren anfangs nur im kommerziellen Sektor aktiv, weil hier die größten Effizienzpotentiale zu verwirklichen sind. Im Wohnungsbau hingegen hat unsere Technologie den Vorteil, dass wir Flexibilität und Komfort in einem Wohnhaus erhöhen können. So gibt es im privaten Wohnbereich viele „Nutzungsänderungen", für die man elektrische Leitungen ziehen müsste - zum Beispiel wenn Sie neue Möbel kaufen, Ihr Wohnzimmer neu gestalten oder Ihr Sofa umstellen und plötzlich merken, dass der Lichtschalter auf der falschen Seite steht. Mit Funkschaltern haben Sie dieses Problem nicht.

Im Wohnungsbau geht es neben der Flexibilität auch um Ressourcenschonung: Mit einer Funkschalterlösung können die Bausteine traditioneller Schalterverbindungen, Kupfer und PVC, vermieden werden.

Die von EnOcean entwickelte Grundlagentechnik bietet auch im Heizungs- und Lüftungsbereich Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz. Wie funktioniert das genau?

Unsere Technologie hilft vor allem bei der Fensterlüftung und Raumtemperaturüberwachung. Mit einem Funkthermostat wird laufend geprüft, wie viel Energie wo im Haus wirklich benötigt wird, und das Heiz- und Lüftungssystem wird entsprechend angepasst. So wird zum Beispiel die Heizung automatisch heruntergefahren sobald ein Fenster in dem betreffenden Raum offen ist.

Ab wann könnte Ihre Technologie im privaten Sektor Standard werden?

Wir sind schon nah dran und es gibt schon einige Wohnhäuser, die mit unserer Technologie ausgestattet wurden. Besonders großes Potential sehen wir im Sektor Passivhaus beziehungsweise Plus-Energie-Haus. Denn hier ist es wichtig, dass die Häuser relativ dicht sind, das heißt auch an Öffnungen, die von Steckdosen hervorgerufen werden. Aus diesem Grund müssen normalerweise in Passivhäusern Unterputzdosen eingebaut werden, die luftdicht, aber auch teurer als normale Schalter sind. Mit Funkschaltern umgehen Sie dieses Problem.

Bei Funktechnik denken viele Menschen an schädliche Strahlung. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Wir haben bereits 2003 ein Gutachten erstellen lassen, das die Strahlung eines Funkschalters mit der Strahlung eines konventionellen Schalters, eines Handys, eines DECT -Telefons und anderer Technologien verglichen hat. Die Strahlung eines Funkschalters ist um ein Hundertfaches geringer als bei einem normalen Schalter, der an eine 100-Watt-Birne angeschlossen ist.

EnOcean ist Mitglied im Münchner Bündnis für Klimaschutz. Wie kam es zu diesem Engagement?

Wir haben vor einigen Jahren eine offizielle Anfrage von der Stadt München bekommen und an der Auftaktveranstaltung teilgenommen. Das Ziel des Projekts ist es ja, CO2 einzusparen und da können wir einen Beitrag leisten.

Herr Trojan, vielen Dank für das Gespräch.

Beispiel für ein Wohnhaus, das mit EnOcean-Technologie ausgestattet wurde.

Birte Pampel

Stromfresser fliegen in der EU vom Markt

In Zukunft werden Energie verbrauchende Neugeräte in Europa weniger Energie benötigen. Dies hat das europäische Parlament mit einer Ergänzung der Ökodesign-Richtlinie beschlossen. Die Richtlinie, die auch für das Aussterben der Glühbirne verantwortlich ist, hat das Ziel Elektrogeräte umweltfreundlicher zu gestalten. Dazu werden nach und nach Studien zu unterschiedlichen Produktgruppen erstellt und entsprechende Vorgaben zum Beispiel zum Stromverbrauch gemacht.

Im Stand-by-Betrieb dürfen neue Elektrogeräte ab dem 7. Januar maximal zwei Watt verbrauchen. Wenn keine Statusanzeige, zum Beispiel die Uhrzeit, angezeigt wird, sogar nur noch ein Watt. 2013 werden diese Grenzwerte noch einmal auf ein beziehungsweise 0,5 Watt halbiert. Betroffen sind grundsätzlich alle Büro- und Haushaltsgeräte, es sei denn, sie werden von der Ökodesign-Richtlinie extra erfasst. Im Jahr 2020 sollen durch die Maßnahme jährlich 35 Terawattstunden (TWh) Strom eingespart werden.

Ab Juli nächsten Jahres werden auch Kühl- und Gefrierschränke von der Richtlinie betroffen sein. Geräte der Energieeffizienzklasse B wird man dann vergeblich im Fachhandel suchen. Mitte 2012 werden Geräte der Klasse A und Mitte 2014 der Klasse A+ ausgemustert. 2007 lag der Anteil an verkauften A++ Kühlschränken, die ab 2014 Mindeststandart werden, laut Umweltbundesamt bei gerade drei Prozent. Gefriergeräte dieser Klasse wurden zu elf Prozent verkauft.

Weitere betroffene Geräte werden Fernseher sein. Sie dürfen ab dem 20. August kommenden Jahres nur noch so viel verbrauchen, wie ein zurzeit erhältliches Durchschnittsgerät. Ab April 2012 müssen Fernseher, abhängig von der Bildgröße, nochmal 20 Prozent sparsamer werden.

Auch in den kommenden Jahren werden immer weitere Produktgruppen von der Ökodesign-Richtlinie in ihre Schranken gewiesen. Zurzeit stehen unter Anderem Digitale Bilderrahmen auf dem Prüfstand. Außerdem soll der Geltungsbereich auf nicht-elektronische Geräte erweitert werden, um zum Beispiel auch die Dämmwirkung vom Fenstern regulieren zu können.

Oliver Hölzinger

Das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt

Wörrstadt? Nein, Wörrstadt muss man nicht kennen. Aber juwi muss man kennen, wenn man sich ein bisschen für die boomende erneuerbare Energiebranche interessiert. Die juwi AG ist ein sogenanntes Projektentwicklungsunternehmen, das erneuerbare Energieanlagen plant, errichtet, finanziert und betreibt. Und das alles sehr erfolgreich und inzwischen auch international.

juwi arbeitet hauptsächlich von ihrem neuen Firmensitz im rheinhessischem Wörrstadt aus. Dort, in der Energie-Allee 1, wurde dafür eigens ein modernes Bürogebäude erreichtet, das heute als energieeffizientestes Gebäude der Welt gilt. Es verbraucht etwa zehnmal weniger Strom und Wärme als ein vergleichbares Bürogebäude von der Stange. Außen glitzert es nur so vor Solaranlagen. Und innen wird konsequent Energie eingesparrt, allerdings ohne dabei auf die Annehmlichkeiten eines modernen Bürogebäudes zu verzichten. Geheizt wird hier mit Holzpellets aus eigener Produktion. Gekühlt wird mit einem unterirdischen Wassertank.

Rechnerisch wird so der Primärenergiebedarf des Gebäudes zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt. Mehr noch: Das Gebäude stellt nämlich sogar mehr Energie her, als es verbraucht. Und das alles auch noch sehr kostengünstig. So betragen die Energiekosten hier nur rund zwei Euro pro Quadratmeter und Jahr. Das ist etwa ein Zehntel der durchschnittlichen Kosten, die in herkömmlichen Gebäuden anfallen.

Die wörrstädter juwi-Zentrale ist aber nicht nur energetisch optimiert, man soll sich hier ganz offensichtlich auch wohlfühlen: Alles wirkt aufgelockert und hell, Fichtenholz so weit das Auge reicht. Eine sonnige Terrasse an einem künstlichen Teich lädt eher zum Entspannen als zum Arbeiten ein. Außerdem werden die rund 300 Mitarbeiter an diesem Standort unter anderem noch mit einer Bar, einem Volleyballfeld, einem Fitnessraum und einem eigenen Kindergarten verwöhnt.

Fred Jung und Matthias Willenbacher, Gründer der Juwi-Gruppe und Träger der orangefarbenen 100%-Krawatte, sind sichtlich stolz auf ihren Arbeitsplatz. In diesem Gebäude hat sich nämlich ein Stück Unternehmensphilosophie materialisiert, das sich auch auf den leuchtenden Krawatten der beiden Unternehmensvorstände wiederfindet: Es ist die Vision einer hundertprozentigen Versorgung aus den umweltfreundlichen erneuerbaren Energiequellen. Für diese Haus-gewordene Vision haben Jung und Willenbacher dann auch gleich mehrere Auszeichnungen überreicht bekommen. So haben sie 2008 den Klimaschutzpreis der Deutschen Umwelthilfe entgegen genommen. Und nun haben sie in Berlin den Clean Tech Media Award 2009 in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ erhalten. Dieser Preis will die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen jungen und wichtigen Wirtschafts- und Wissenschaftszweig lenken, indem er jährlich medienwirksam Projekte, Unternehmen und Persönlichkeiten prämiert, die sich mit besonders innovativen Ideen für mehr Nachhaltigkeit einsetzen.

Und innovativ ist die glitzernde juwi-Zentrale sicherlich. Aber sie ist auch schon wieder zu klein: Wegen der ständig wachsenden Anzahl der Mitarbeiter wird gerade ein weiterer Flügel an das gerade erst fertiggestellte Gebäude angebaut. Es darf damit gerechnet werden, dass auch hier wieder alles hundertprozentig energieoptimiert zugehen wird. Und wenn juwi so weiter wächst wie in den letzten Jahren, dann wird die Welt vielleicht eines Tages Wörrstadt genauso kennen, wie sie heute Wolfsburg kennt.

Stefan Heimann

Organic Bikes: serienreife Fahrräder aus Bambus

Was auf den ersten Blick nur schwer vorstellbar scheint, ist einem Unternehmen aus den USA gelungen. Im November 2009 startet „Organic Bikes" mit „Dylan" durch. Dylan ist ein Fahrrad, das aus Bambus und recyceltem Aluminium besteht. James Beck, Manager der Marke, eröffnet uns, wie der neue Weg des Unternehmens aussieht, und wohin Organic Bikes rollen wird.

„Wheel and Sprocket" besteht seit 1973 und ist mittlerweile der größte Fahrradhändler in Wisconsin. Der „National Bicycle Retailer of the Year" ist stolz auf seine sechs Niederlassungen und sein umfangreiches Angebot. Einzig die Auswahl an umweltfreundlich hergestellten Fahrädern und Zubehör schien nicht ausreichend zu sein. Bambusfahrräder waren bisher entweder übermäßig teuer, technisch unausgereifte Garagenprojekte oder gar beides zusammen. Daher gründete das Team eine eigene Marke: Organic Bikes.

Jahrzehntelange Erfahrung, neue technische Ansätze, viele Tests und jede Menge Design waren notwendig, um Dylan entwickeln zu können. Der Rahmen des Straßenrades, die Lenkstange und zahlreiche andere Komponenten bestehen aus echtem Bambus. Die Verbindungsstücke und kleinere Bauteile aus Metall sind aus recyceltem Aluminium gefertigt. Zusätzlich wird Dylan ganz an die Wünsche der Kunden angepasst. Diese können zwischen einem Gang und drei Gängen, unterschiedlichen Ausstattungen, mehreren Reifenfarben und vielen anderen Details wählen. Erhältlich ist das Bambusrad ab 999 US-Dollar im eigenen Onlineshop. Dylan wird auch über Fachhändler in Wisconsin und den gesamten Vereinigten Staaten vertrieben. 2010 folgt der Sprung nach Europa.

Organic Bikes geht jedoch einen Schritt weiter. „Ein Fahrrad aus Bambus zu bauen ist nur ein kleiner Schritt. Wir haben größere Pläne, und wir werden sehr schnell sein", verdeutlicht James Beck. Er möchte viele Menschen mit dem modernen Design der neuen Fahrräder ansprechen und sie dazu bewegen, mehr Strecken auf zwei Rädern zurückzulegen.

So ist es zu erklären, dass bereits im Dezember „Caleb" und „Edwin" folgen, zwei weitere, neu entwickelte Bambusfahrräder. Zusätzlich bietet das Team separat erhältliche Fahrradteile aus Bambus, wie Griffe oder Kotflügel, an. Umweltfreundliches Zubehör, etwa kompostierbare Trinkflaschen und T-Shirts aus biologisch angebautem Bambus, runden das Angebot perfekt ab.

Benannt wurden die Fahrräder übrigens nach den Kindern der Mitarbeiter. Zusätzlich zu den drei neuen Fahrrädern wird es bald wieder doppelten Nachwachs bei Organic Bikes geben. Dort scheint man das Motto des Bundesstaates Wisconsin tatsächlich wörtlich zu nehmen: Forward!

Joachim Kern

CleanEnergy Project Networking-Dinner zum zweiten Mal in München

Nach erfolgreichem Start in München, Hamburg und Berlin findet das CleanEnergy Networking-Dinner am 20.Oktober zum zweiten Mal in München statt. Besonderer Programmpunkt des Branchentreffens für CleanTech- und Umweltthemen ist ein Impulsvortrag von Dr. Johannes Hengstenberg, dem Gründer und Geschäftsführer der gemeinnützigen co2online GmbH.

Der social Entrepreneur, der am 5. November mit dem Bundesverdienstkreuz für seinen langjährigen und effizienten Einsatz im Energiesparen ausgezeichnet wird, referiert zum Thema „Energieeffizienz im 21. Jahrhundert - wie man 2,7 Millionen Bürger zu Energieeffizienzmaßnahmen motiviert."

Das Dinner, bei dem etwa 30 Experten, Unternehmen und Verantwortliche der Energie- und Umweltbranchen zusammenkommen, findet im neu eröffneten Restaurant Aldente Tratorria Italiana am Prinzregentenplatz in München statt.

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Sozialunternehmer Dr. J. Hengstenberg – ein Fan emissionsarmer Fortbewegung

Mit seinen Energiespar-Ratgebern, einem Webservice für Jedermann, zeigt Dr. Johannes Hengstenberg Verbrauchern, wie sie ihre Möglichkeiten bezüglich eines effizienten Umgangs mit Energie erkennen und individuell nutzen können. „Empowerment" nennt Hengstenberg die Strategie, mit der er Bürger für den Klimaschutz stark macht - wofür er am 5. November mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird (siehe Beitrag Verdienstkreuz für Einsatz im Energiesparen). Für den sympathischen Sozialunternehmer eine große Ehre, die er selbstverständlich zu feiern gedenkt. „Wir werden in unserem Büro in Berlin-Schöneberg eine Party mit Mitarbeitern und Freunden veranstalten. Es wird natürlich etwas zu essen und zu trinken geben und viel gute Musik", so Hengstenberg.

Dass der Klimaschutz für den promovierten Wirtschaft- und Sozialwissenschaftler mehr ist als eine Geschäftsidee, merkt man sofort. Seit 1990 pendelt der im Ruhrgebiet aufgewachsene Geschäftsführer der gemeinnützigen co2online GmbH regelmäßig zwischen seinem Firmensitz in Berlin und seiner Wahlheimat München. Als Transportmittel kommt für ihn dabei nur die Bahn in Frage.

Wenn er, wie gewöhnlich, in der Nacht von Sonntag auf Montag in den Zug nach Berlin steigt, darf, neben einer Packung Ohropax, auf keinen Fall die Süddeutsche Zeitung fehlen. „Am meisten freue ich mich immer auf den Klimateil in der montäglichen New York Times Beilage", verrät er uns.

„Fangen wir einfach schon mal an" lautet das Motto des Klimaschützers, das er - offen gestanden - von Utopia abgekupfert hat. „Viele Leute verfallen in eine Art Starre, wenn es um den Klimaschutz geht. Ganz nach der Devise 'das Bessere ist der Feind des Guten' warten sie darauf, dass es irgendwann noch bessere Lösungen gibt, anstatt sich schon heute für den Klimaschutz zu engagieren", bedauert Hengstenberg.

Am Anfang ihrer Bemühungen stehen Hengstenberg und sein Team allerdings schon lange nicht mehr. Rund 2,8 Millionen Hausbesitzer und Mieter nutzten bisher die Energiespar-Ratgeber auf den Kampagnenwebseiten von co2online und auf rund 700 Partnerportalen, um in ihrem Haushalt Energie einzusparen. Inzwischen wurden die Ratgeber schon in mehrere Sprachen übersetzt. Mit Unterstützung des internationalen Ashoka Netzwerks expandiert das Unternehmen gerade von Berlin aus nach Irland und Frankreich.

In seiner Freizeit dagegen widmet sich der bekennende Fan emissionsarmer Fortbewegung mit Leidenschaft dem Radsport. 120 Kilometer dürfen es da schon einmal sein. „Dabei fühle ich mich fit wie ein Turnschuh", schwärmt Hengstenberg „selbst Wind und Wetter können mich dann nicht mehr abhalten." Hin und wieder, wenn der Terminplan es zulässt, zieht es Hengstenberg aber auch ins sonnige Italien, wo er sich auf seinem kleinen Segelschiff in der nördlichen Adria den Wind um die Nase wehen lässt.

Dr.Johannes Hengstenberg wird am 20. Oktober als Ehrengast beim CleanEnergy Project Networking-Dinner in München über Energieeffizienz im 21. Jahrhundert referieren.

Corinna Lang

Ein Klick rettet Wälder

"Årrenjarkas gammelskog är bevarad för all framtid," steht auf der Startseite der Internetseite http://ettklickforskogen.se/. Das heißt so viel wie "Årrenjarkas Urwald ist für immer bewahrt". Dafür haben die über 6.000 Menschen gesorgt, die jeden Tag auf der Website für den Regenwald klicken.

Die Spende, die pro Klick an die Stiftung geht, kommt von Sponsoren. Viele von ihnen haben im Zuge der neuen Umweltbewegungen auf eine grüne Unternehmenspolice umgestellt. Zwei Wälder wurden so schon vor der Rohdung gerettet. In Årrenjarka und Verle haben die Klickenden, die Sponsoren, die Kommunen, der schwedische Naturschutzbund und viele andere Stiftungen und Umweltorganisationen zusammen gearbeitet um die insgesamt über 150 Hektar Wald zu retten. Der lokale Naturschutzbund in Ale, Verle, hat über 20 Jahre für einen Schutz ihres Urwaldes gearbeitet. Die moderne Stiftung, die seit Februar 2004 Geld über das Internet sammelt, hat jetzt endlich diesen Schutz möglich gemacht. Dazu beigetragen haben außerdem die vielen Nutzerinnen und Nutzer des Ökoshops, wo neben Postkarten und Tassen auch Fußmatten angeboten werden. Mit dem Wald werden zahlreiche Vogelarten, Wildtiere und Flechtenarten, die Indikatoren für gesunde Wälder sind, geschützt.

Die deutsche Variante ist sogar noch älter und auch anders ausgerichtet: auf http://www.diewaldseite.de/ können die  Klickenden entscheiden, ob die Spende für ihren Klick zum Beispiel in Aufforstung, Landvermessung oder Lobby-Arbeit gehen soll. Insgesamt kann die Seite schon über 2,5 Millionen Klicks verzeichnen. Pro Regenwald heißt die Organisation, die dieses Projekt gestartet hat. Sie engagiert sich vor allem für Wälder in den Tropen, diese haben nämlich einen hohen ökologischen Wert - einen deutschen Urwald gibt es ja leider nicht mehr.

Wälder sind die wichtigsten CO2-Speicher und die größten O2-Spender auf unserer Erde. Wenn wir mit der Rohdung wie bisher weiter machen, werden wir den Treibhauseffekt noch weiter verstärken. Also leisten auch Sie Ihren persönlichen Beitrag und machen Ihren Klick, wenn Sie sowie so schon im Internet unterwegs sind - zum Beispiel jetzt gleich!

Ann-Morla Meyer

Artificial trees - are they feasible?

Of the various geoengineering schemes being proposed to cool an overheated planet, one approach — extracting carbon dioxide from the atmosphere using “artificial trees” — may have the most potential. But both questions and big hurdles remain before this emerging technology could be widely deployed.
by David Biello, reprinted with permission from e360

A tiny pinwheel spins in the desert breeze atop the roof of the Global Research Technologies headquarters in Tucson. For seven months, the pinwheel has endured the blazing Arizona sun, blistering heat, wind, dust, and — finally — torrential rains. At the end of it all, the synthetic resin that makes up this seeming child’s toy has pulled carbon dioxide from the air that flowed through it and, with the rains, released it again.

The pinwheel is one of the first demonstrations of a technology that may one day be in great demand this century: devices that can extract from the air some of the billions of tons of heat-trapping CO2 being generated by industrial society. Known loosely as “artificial trees” for their ability to mimic a plant’s own uptake of carbon, such “air capture” technology has been touted as one of the most promising of the many proposed geoengineering schemes that could be used to cool an overheated planet.

“If we really do get into a situation where we realize that we’ve changed the atmosphere too much for our own well-being, there are at least ways to back off of that,” argues climate scientist Ken Caldeira of the Carnegie Institution of Washington at Stanford University, an expert on geoengineering. “There’s no fundamental limit on how much you could scale those activities up. It’s mostly a matter of how many resources you throw at it.”

Recent reports from the U.K.’s Royal Society and the Institution of Mechanical Engineers singled out air capture as the safest and potentially most effective of proposed geoengineering technologies. Although air capture is certainly not without its environmental impacts, the two groups noted that other geoengineering schemes — such as seeding the oceans with iron to stimulate the growth of CO2 -absorbing algae, mimicking a volcanic eruption to shade the planet, or launching mirrors into space to deflect the sun’s energy away from Earth — could have far more unpredictable and potentially destabilizing effects.

Proponents of air-capture technology acknowledge it is far from a perfect solution and will not enable humankind to continue spewing CO2 into the atmosphere with impunity. First, although it has been successfully tested on a small scale, air capture is at least five years away from being tested on a larger scale and, after that, could take at least two decades before it could be widely deployed. Second, to set up enough artificial trees to make a dent in reducing the vast amounts of CO2 being produced by humanity would require massive production at enormous expense.

“The cost estimates for capturing CO2 from ambient air are gross underestimates,” says principal research engineer Howard Herzog at the Massachusetts Institute of Technology. “It’s actually still a question whether it will take more energy to capture CO2 than the CO2 associated with [fossil fuel] energy in the first place.”

Even if artificial trees do prove capable of pulling large amounts of CO2 from the air, scientists then face the problem of what to do with that carbon dioxide. Underground sequestration — one possible solution — is still in the experimental stages. And deploying such artificial trees on a mass scale will have significant environmental costs, including producing the electricity needed to run them, the large land area the air capture devices would occupy, and the manufacture and installation of devices using resins, plastics, and other substances that could release air pollutants.

As the Royal Society report notes, air capture could “require the creation of an industry that moves material on a scale as large as (if not larger than) that of current fossil fuel extraction, with the risk of substantial local environmental degradation and significant energy requirements.”

In short, to extract enough CO2 from the atmosphere to begin to lower temperatures would require decades of building millions of air-capture devices that have been refined to minimize their environmental impact. Political scientist Roger Pielke, Jr. of the University of Colorado-Boulder estimates that 650 billion tons of carbon will need to be disposed of by 2100 to keep atmospheric concentrations of CO2 around 450 parts per million, a level that could easily lead to temperature rises of 2 degrees C or higher.

“You need 30 years of development time and 100 years of deployment before you start to see the effect you’re looking for,” says oceanographer John Shepherd, who led the Royal Society study of air capture and other geoengineering technologies.

That said, if humanity fails to rein in its greenhouse gas emissions, the need for air capture technology could be urgent. After all, concentrations of atmospheric carbon dioxide have reached 387 parts-per-million (ppm), more than 100 ppm higher than pre-industrial levels and quickly moving beyond what some consider to be a safe level of 350 ppm. Since the establishment of the United Nations Framework Convention on Climate Change in 1992, fossil fuel CO2 emissions have grown by more than 30 percent and overall human-caused emissions have now reached roughly 30 billion tons per year.

“Unless future efforts to reduce greenhouse gas emissions are much more successful than they have been so far,” the Royal Society wrote in its September report, “additional action may be required should it become necessary to cool the Earth this century.”
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Pulling CO2 from the air is simple chemistry. After all, a bottle of sodium hydroxide — also known as lye and a primary constituent of everything from soap to pulp and paper — must be kept carefully sealed. That’s because the strong base — the opposite of acid — will be neutralized if exposed to air by rapidly sucking up the CO2 and then transforming the lye into sodium carbonate and, ultimately, baking soda. The captured CO2 can then be extracted via the industrial process of heating the compound above 900 degrees C in a kiln, releasing the CO2, and enabling the sodium hydroxide to regenerate its ability to suck up yet more CO2.

The process works, but as physicist Klaus Lackner at Columbia University’s Earth Institute — one of the scientists behind the GRT pinwheel — explains, “The energy to pry out the CO2 is very high.”

That’s why Lackner has moved in the direction of finding a strong base resin, such as Dow Chemical’s Marathon A, typically used to produce purified water. The synthetic resin in the pinwheel absorbs CO2 to form bicarbonates when dry, but then spits out the CO2 when exposed to water. “Basically, we can swing between being dry and wet,” Lackner says. “Let the resin sit in air, because air will dry it, and it will absorb CO2, taking an hour to load up. Make it wet, and it’s an hour to unload.”

This type of device could be housed in an “oversized furnace filter,” about three feet wide by eight feet long, loosely filled with sheets of the resin, constituting the leaves of this artificial tree. Such a device could capture CO2 for less than $300 per metric ton, though it wouldn’t function in cold climates or the humid tropics.

A number of experiments involving air capture technologies are underway, ranging from efforts to use solid amines — ammonia transformed into compounds capable of bonding with CO2 — to technologies now used to capture some flue gases from exhaust at fossil fuel-fired power plants. Scientists also are attempting to use algae — the workhorses of the Earth’s natural carbon cycle — to cleanse the air of excess CO2. That could have the benefit of creating a new source of fuel or power, since algae incorporate nearly as much energy per kilogram as coal. But as the U.K.’s Institution of Mechanical Engineers put it, algae bioreactors “are a fledgling technology and at the moment are too expensive to be commercially viable.”

Artificial trees, on the other hand, could be available as soon as next decade. The mechanical engineers believe a demonstration could occur as soon as 2014, followed by a full-scale “artificial forest” by 2018 and global deployment by 2040. In the long term, such air capture theoretically has the potential to cancel out human emissions of CO2, according to earth system scientist Tim Lenton of the University of East Anglia.

Assuming that CO2 can be pulled from ambient air, that still leaves the other half of the problem: storing it safely somewhere. Efforts to capture CO2 from coal-fired power plants have seized upon geologic sequestration as a potential solution. The U.S. Department of Energy estimates that the continental U.S. alone has room for 3.9 trillion tons of CO2 underground, more than enough room for the 3.2 billion tons emitted every year by large industrial sources. Still, major questions remain about underground sequestration, including its impact on groundwater supplies, subterranean pressure, and the potential for the CO2 to leak back into the atmosphere.

Certain geologic formations may offer a solution by mimicking the chemical transformation of air capture itself. Basalt formations — a residue of volcanic activity — can absorb CO2 and, over decades, transform it into minerals. An experiment by Reykjavik Energy to prove the concept by injecting the CO2 from a geothermal power plant into basalt beneath the surface is underway in Iceland, which is primarily composed of the igneous rock.

Even if technology and storage issues are resolved, CO2 air capture will require significant amounts of new electricity to power the devices. Lackner proposes a new fleet of nuclear reactors or widespread solar power.

The Institution of Mechanical Engineers estimates that it could take as many as 10 million air-capture devices sucking up one metric ton of CO2 per day to absorb just 3.6 billion tons — about one-tenth of current global emissions. The costs of deploying these devices could be staggering. Climatologist James Hansen estimates it would cost roughly $20 trillion per 50 ppm of CO2 removed.
“It’s on the scale of the global military effort,” the Carnegie Institution’s Caldeira says. “The tragedy is there’s no reason to be considering these options at all if we could just learn to cooperate [on reducing emissions], but the evidence that we are learning to cooperate is not very strong.”

Still, Lackner remains undeterred. By the end of the year, he hopes to have a small demonstration of his resin-based artificial tree — looking more like a mobile home with a large pinwheel on top — running at Columbia University. Physicist David Keith of the University of Calgary will launch his air capture company, which uses amines to extract CO2, in October.

“If we had lots of money and things went really well, we could build a pilot plant in five years,” Keith says. “I’m not saying we will be. This field is filled with people’s overconfidence.”

The Royal Society’s Shepherd said that, given the expense of air capture technology, “the first line of defense would be carbon capture and storage and taking it out at the point of emission.” But air capture could be effective in offsetting emissions from sources such as airlines, Shepherd said.

The challenges — and expense — of air capture also serve as a stark reminder to policy makers that the best tactic for combating climate change is to pursue energy efficiency and renewable energy programs and avoid emitting CO2 in the first place. As the Royal Society report notes: “The safest and most predictable method of moderating climate change is to take early and effective action to reduce emissions of greenhouse gases. No geoengineering method can provide an easy or readily acceptable alternative solution to the problem of climate change.”

Not even artificial trees.

100 Prozent erneuerbare Energie

Ehrgeizige Ziele verfolgt derzeit die bayerische Landeshauptstadt München. Demnach sollen die Stadtwerke München bis zum Jahr 2015 den Strombedarf der gesamten Münchener Privathaushalte aus eigenen regenerativen Energiequellen decken. Bis zum Jahr 2025 könnten gar 100 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dabei steht das Motto der Landeshauptstadt "München Solar durchDacht" ganz im Zeichen der alternativen Energiegewinnung mittels Photovoltaik, denn künftig sollen zehn Prozent des Stroms aus diesem Bereich erzeugt werden.

Möglich macht diese aktive Klimatschutzbemühung überhaupt erst die einzigartige Zielvorgabe des Stadtrates, denn ursprünglich sollten die Stadtwerke verkauft werden. Jetzt bleiben sie aber doch in städtischer Hand, erklärt Oberbürgermeister Christian Ude gegenüber der Agentur für Erneuerbare Energien, was die Umsetzung des Ziels hin zu 100 Prozent erneuerbarer Energie realisierbar macht. So soll den Bürgerinnen und Bürgern der Landeshauptstadt künftig schmackhaft gemacht werden, Dachflächen für Solaranlagen zur Verfügung zu stellen oder in Solardächer zu investieren und so die Solarinitiative München aktiv zu unterstützen.

Neben dem Ausbau der solaren Stromversorgung steht aber auch das Vorantreiben der Geothermie für die Müchener Stadtväter auf dem Plan, um so die angepeilte 100 Prozent-Versorgung aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2025 durchsetzen zu können. Aber nicht nur vor Ort engagiert sich München für seine Vision, auch außerhalb der Landesgrenzen sind die Bayern an einigen alternativen Energie-Projekten beteiligt. So halten sie fast 50 Prozent der Anteile am "Andasol III" in Granada, dem solarthermischen Großkraftwerk im Süden Spaniens und sind auch am Nordseewindpark "Global Tech 1" zu 25 Prozent beteiligt.

Der beispielhafte Einsatz der Stadt München brachte ihr zudem die Auszeichnung "Energie-Kommune" des Monats Oktober bei der Agentur für Erneuerbare Energien ein. Eine Würdigung die zeigt, dass gerade Großstädte aktiv zum Klimaschutz beitragen können und dass, durch die Ausnutzung sämtlicher Potenziale der erneuerbaren Energiequellen vor Ort, eine 100-Prozent-Versorgung auch in Ballungszentren machbar ist.

Judith Schomaker

Prosit 350!

Als Teil des internationalen Klimaaktionstages am 24. Oktober wird um 13:00 am Chinesischen Turm in München eine Aktion stattfinden, die der globalen Kampagne 350.org auf zünftige Weise ein Prosit und Glück auf! wünscht. Bürgerinnen und Bürger werden dazu aufgerufen, durch ihre Teilnahme ihre Solidarität mit Mitmenschen auf der ganzen Welt zu zeigen, und Ihren Forderungen für effektiven Klimaschutz gemeinsam Ausdruck zu verleihen. 

Am 24. Oktober 2009 werden überall auf der Welt Menschen zusammenkommen, um sich durch kreative, regions-spezifische Aktionen für ein gerechtes und den letzten klimawissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechendes internationales Klimaabkommen in Kopenhagen einzusetzen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits über 2.200 Aktionen aus über 150 Ländern angemeldet. Von Bergsteigern im Himalaja Gebirge, über 350 Tauchern angeführt vom Präsidenten der Malidiven,

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Batterie mit Jahrhunderte langer Lebensdauer

Kommt nach dem aktuellen Verbot der Glühbirne bald auch das Batterieverbot? Wenn es nach Forschern der Universität Missouri ginge, wäre das durchaus denkbar. Ihnen ist es gelungen, eine Radionuklidbatterie zu entwickeln, die Millionen mal soviel Leistung bringt, wie eine herkömmliche Batterie. Diese Atombatterie könnte demnach fast unendlich lange verwendet werden, laut Angaben der Forscher mehrer Hundert Jahre lang.

Die Verwendung von Atombatterien ist dabei keineswegs eine gänzlich neue Erfindung des technologischen Zeitalters von heute, schon seit vielen Jahren werden diese Hochleistungsbatterien im militärischen Bereich, in der Raumfahrt oder im Unterwasser-Sektor eingesetzt. Dabei arbeiten sie wesentlich effizienter als herkömmliche Batterien, die als elektrochemische Energiespeicher und Energiewandler die gespeicherte chemische Energie, durch eine elektrochemische Redoxreaktion bei der Entladung, in elektrische Energie umwandeln und somit unabhängig vom Stromnetz Verbraucher mit Strom versorgen. Die Radionuklidbatterie hingegen wandelt thermische Energie, freigesetzt durch radioaktiven Zerfall von Radioisotopen, in elektrische Energie um. Größtes Problem bei dieser Form der Energiefreisetzung war bislang die Strahlungsenergie, die beim Betrieb die eingesetzten festen Halbleiter beschädigen konnte. Das Forscherteam um Jae Kwon minimiert das Risiko jedoch um ein Vielfaches, indem es bei der neuartigen Atombatterie flüssige Halbleiter einsetzt. Ebenfalls ist die geringe Größe ein enormer Durchbruch und ermöglicht zahlreiche differenzierte Einsatzbereiche - von Unterhaltungselektronik bis hin zur Medizin. Das endgültige Ziel der Forscher aus Missouri ist eine noch höhere Leistungsfähigkeit der Mini-Atombatterie und eine weitere Verringerung ihrer Größe - letztendlich soll insbesondere die Dicke noch geringer ausfallen, als die eines menschlichen Haars.

Schon heute finden atombetriebene Hochleistungsbatterien im Miniaturformat in der Medizin ihren Platz, beispielsweise zum Betrieb von Herzschrittmachern. Ob und in welchem Maße in Zukunft winzige Atombatterien in Unterhaltungselektronik und Co. zum Einsatz kommen und die herkömmlichen Batterien verdrängen, bleibt jedoch fraglich. Schließlich ist der Gedanke daran, dass heimische Geräte mit einem kleinen Atomreaktor betrieben werden, lange nicht für jeden Konsumenten akzeptabel.

Judith Schomaker

Wettbewerbsvorteil Energieeffizienz

Investitionen in Energieeffizienz und Klimaschutz lohnen sich - auch wirtschaftlich. Dennoch halten sich viele Firmen zurück, wenn es um die Umsetzung energetischer Sanierungsmaßnahmen oder anderer Klimaschutzvorhaben geht. Mit einer „Partnerschaft für Klimaschutz, Energieeffizienz und Innovation"  wollen die Bundesregierung und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Unternehmen motivieren, die eigenen Einsparpotenziale aufzuspüren und auszunutzen.

In der Partnerschaft fördert das Bundesumweltministerium (BMU) mit seiner Klimaschutzinitiative ein breit angelegtes Projekt des DIHK und der Industrie- und Handelskammern (IHKs). Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fördert zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Energieeffizienzberatungen und besonders zinsgünstige Kredite mit seinem „Sonderfonds Energieeffizienz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)".

Die Aktivitäten der Partnerschaft konzentrieren sich auf die Bereiche:

1. Die Gründung der Klimaschutz- und Energieeffizienzgruppe der deutschen Wirtschaft, deren Mitgliedsunternehmen sich dadurch auszeichnen, dass sie nicht nur Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen in ihre Unternehmensstrategie integrieren und die Einsparerfolge dokumentieren, sondern sich in bestimmten Abständen auch einem Prüfverfahren unterziehen. Mitglieder aus möglichst allen Branchen und Größenklassen zeigen vorbildhaft, dass sich Energieeffizienz und Klimaschutz auszahlen. Mit ihren Best-Practice-Beispielen sind sie prädestiniert, auch andere Unternehmer vom Nutzen der Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen zu überzeugen.

2. Die Informations- und Qualifizierungsoffensive des DIHK und der IHKs, die durch so genannte Energiecoaches der IHKs den Unternehmern vor Ort den Einstieg in die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz erleichtern. Zentraler Bestandteil sind Betriebsbesuche, bei denen die Energiecoaches die Unternehmen auf die Möglichkeiten der Energieeffizienzberatung und auf andere passende Förderprogramme, Fortbildungsangebote oder Informationsveranstaltungen hinweisen. Im Rahmen der Qualifizierungsoffensive wird die Weiterbildung von Mitarbeitern der Unternehmen zu Energiemanagern (IHK) bezuschusst.

Weitere Informationen im Internet unter: www.klimaschutz-partnerschaft.de, www.klimaschutz-unternehmen.de, www.dihk.de, www.bmu-klimaschutzinitiative.de, www.energieeffizienz-beratung.de

Corinna Lang

Wird Russland grün? – Chance für deutsche Unternehmen

Wenn man Russlands Präsidenten Medwedew Glauben schenkt - dann ja - wird Russland grün. Der Putin-Nachfolger gibt Anlass zur Hoffnung auf einen baldigen Wechsel in der Energiepolitik. Dies könnte sich auch positiv für deutsche Unternehmen auswirken.

Bisher geht Russland sehr verschwenderisch mit seinen reichlichen Energiereserven um. Die Energiepreise werden staatlich stark subventioniert und entsprechend verschwenderisch gehen Firmen und Privathaushalte mit Energie um. Energieeffizienz wird kaum angestrebt, da sich der Kostenfaktor Energie kaum merkbar niederschlägt. Erneuerbare Energien spielen ebenfalls kaum eine Rolle. Ihr Anteil an der Stromerzeugung (ausgenommen große Wasserkraftwerke) liegt derzeit noch bei unter einem Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2008 bereits knapp 15 Prozent.

Entsprechend dieser Ausgangslage ergeben sich allerdings riesige Potenziale. Laut Deutsch-Russischer Auslandshandelskammer wird das Potenzial der erneuerbaren Energien auf rund 30 Prozent des Primärenergieverbrauchs geschätzt. Die OECD schätzt das rein technische Potenzial gar auf mehr als das Fünffache des inländischen Primärenergieverbrauchs. Die größten Reserven liegen bei Biomasse, Windenergie und Wasserkraft.

Aber was muss geschehen, um diese Potenziale zu nutzen? Präsident Medwedew hat angekündigt, noch diesen Monat ein Gesetz zu verabschieden, das den Energieverbrauch in Russland bis 2020 um 40 Prozent senken soll. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien soll vorangetrieben werden, wobei die nötigen politischen Anreize noch fehlen. Aufgrund des subventionierten Stroms können die meisten erneuerbaren Energien noch nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Für deutsche Unternehmen könnte sich unter den derzeitigen Vorzeichen in Russland ein großer Markt für grüne Technologien erschließen. Das deutsche Know-how auf diesem Gebiet wird geschätzt und um die bilateralen Kooperationen zu unterstützen, nahm im Juli die Russisch-Deutsche Energie-Agentur (rudea) ihren Betrieb auf. Die Agentur befindet sich noch im Aufbau, soll in Zukunft aber zwischen Anbietern und Nachfragern grüner Technologie sowie der Politik vermitteln. Jetzt kommt es nur noch auf die politischen Anreize der russischen Regierung an. Signalwirkung könnte von einem ambitionierten Klimaschutzziel Ende des Jahres bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen ausgehen.

Oliver Hölzinger

Batterie Baum

„Wozu Steckdosen? Bei uns kommt der Strom aus dem Baum." So lautet das Motto von Professor Babak Parviz und seinem Team. Die Wissenschaftler der Universität Washington. entdeckten, dass der Oregon-Ahorn (Acer macrophyllum) Strom mit Niedrigspannung liefert, mit dem Nanoschaltkreise betrieben werden können.

Der gewonnene Strom hat zwar nur eine Spannung im Bereich von mehreren hundert Millivolt, kann aber Sensoren betreiben, mit denen zum Beispiel Waldbrände gemeldet oder die Luftqualität gemessen werden kann.

Wie das Handelsblatt berichtet, nutzten die Wissenschaftler diese Erkenntnis und bauten ein Gerät mit Wandler, das mit dem Baumstrom betrieben werden kann. Der Wandler, der mit einer Spannung von nur 20 Millivolt arbeitet, ist nötig, um diese niedrige Spannung zu speichern und als höhere wieder auszugeben, nämlich 1,1 Volt. Sie ist geringer als bei einer AA-Batterie (diese liefert 1,5 Volt) und genügt zum Betreiben kleinster Sensoren.

Um Energie zu sparen, verfallen die elektronischen Bauteile in den Ruhezustand. Dies war ein großes Problem bei der Entwicklung, da das System dann in diesem Zustand verharrt und nicht mehr aufwacht. Um das zu vermeiden, wurde ein Wecker entwickelt, der in regelmäßigen Abständen Stromstöße von 350 Millivolt aussendet und das System damit am dauerhaften Ruhezustand hindert.

Das Phänomen Baumstrom sei, laut Parviz, etwas Anderes als das bekannte Experiment mit der Kartoffel, bei dem Elektroden aus unterschiedlich edlen Metallen mit der Frucht reagieren und so Strom erzeugen. Dennoch hat der Wissenschaftler keine genaue Erklärung. Er vermutet eine ähnliche Signalübermittlung wie im menschlichen Körper, die aber langsamer verläuft.

Judith Kronberg 

Hybridkraftwerk erzeugt umweltfreundlich Wärme, Strom und Kraftstoff

"Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes“ verrät Wikipedia über das Wort Hybrid. Diese Definition trifft es hier besonders gut: Das Hybridkraftwerk der Enertrag AG bündelt verschiedene erneuerbare Energiequellen, kreuzt diese mit einem Wasserstoffspeicher und erzeugt so ein umweltfreundliches Gemisch aus sowohl Wärme und Strom als auch Kraftstoff. So wird eine zuverlässige Rundumversorgung unabhängig von Sonnenscheinzeiten und Windverhältnissen gewährleistet.

Zum Einsatz kommen in diesem Kraftwerk drei Windkraftanlagen, eine Biogasanlage, zwei Blockheizkraftwerke und ein Elektrolysator. Auch weitere regenerative Quellen wie Solarenergie oder geothermische Energie können genutzt werden. Wenn nun zum Beispiel nachts die Windkraftanlagen mehr Energie generieren als gerade benötigt wird, dann wird mit dieser Energie Elektrolyse betrieben und so Wasserstoff hergestellt. Dieser Prozess kann rückgängig gemacht werden, wobei der Großteil der Energie wieder freigesetzt wird. So kann die Energie gespeichert werden und steht bei Bedarf jederzeit zur Verfügung. Da Wasserstoff nun aber als reiner Zwischenspeicher ziemlich teuer ist, bietet das Hybridkraftwerk ein Gemisch aus Wasserstoff und Methangas, das bei der Biogaserzeugung anfällt, auch direkt als Kraftstoff für Fahrzeuge an. Dies ist heute noch eher Zukunftsmusik, da es bisher kaum wasserstoffbetriebene Fahrzeuge auf dem Markt gibt.

Aber es gibt das Bekenntnis insbesondere der deutschen Automobilindustrie, sich in den kommenden Jahren verstärkt auf diesem umweltfreundlichen Markt zu engagieren. Für diese Fahrzeuge wird dann natürlich eine Versorgungsinfrastruktur benötigt. Das Hybridkraftwerk unterstützt damit also die notwendige Entwicklung hin zu einer umweltverträglicheren Mobilität.

Etwa 21 Millionen Euro investiert die Enertrag AG in diese weltweit erste Anlage ihrer Art. Das Kraftwerk soll 2010 ans Netz gehen und knapp sechs Megawatt sauberen Strom einspeisen.

Für das innovative Konzept des Hybridkraftwerks hat die Enertrag AG nun in Berlin den Cleantech Media Award in der Kategorie „Technologie“ verliehen bekommen. Bereits zum zweiten Mal zeichnet dieser Preis medienwirksam Projekte, Unternehmen und Persönlichkeiten aus, die sich mit pfiffigen neuen Technologien für Nachhaltigkeit einsetzen. Wichtiges Anliegen der Auszeichnung ist es, mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf einen jungen und wichtigen Wirtschafts- und Wissenschaftszweig zu lenken.

Werner Diwald, der den Preis für die Enertrag AG entgegen nahm, zeigte sich erfreut aber auch überrascht über die Auszeichnung. Und das, obwohl sich das Hybridkraftwerk bisher eigentlich nicht über mangelnde Publicity beklagen konnte: Immerhin konnte Enertrag im April 2009 für die feierliche Grundsteinlegung in der brandenburgischen Uckermark Kanzlerin Merkel und Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck gewinnen. Die Kanzlerin bezeichnete das Kraftwerk dabei als „qualitativen Meilenstein“,  Platzeck lobte es als "Quantensprung".

Wir gratulieren der Enertrag AG und wünschen dem Hybridkraftwerk auch weiterhin die ihm gebührende Aufmerksamkeit!

Stefan Heimann

Ihre Helden des Jahres

Am 26. November 2009 findet in Berlin zum zweiten Mal die Utopia Konferenzstatt. Dabei darf die Verleihung der Utopia Awards 2009 natürlich nicht fehlen. Wie auch im letzten Jahr werden nachhaltige Produkte, Unternehmen und Organisationen sowie Personen, die uns einen nachhaltigen Lebensstil vorleben, mit dem Preis ausgezeichnet.

Seit mehreren Wochen konnten die Nutzer von Utopia.de, sowie die Leser der Medienpartner taz, natur+kosmos, netzeitung.de, Ecoworld und Forum Nominierungsvorschläge für ihre Helden des Jahres auf www.utopia-award.deeinreichen. Inzwischen hat sich die Experten-Jury getroffen, um aus den vielen Vorschlägen die endgültig Nominierten auszuwählen.

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„Action Art“ – ein Plädoyer für erneuerbare Energien

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, auf erneuerbare Energien aufmerksam zu machen. Besonders kreativ zeigt sich dabei der Künstler Udo A. Heinrich, der in seinen Kunstwerken die alternative Energiegewinnung thematisiert.

Vor mit Acrylfarben gemalten Landschaften drehen sich kleine Miniaturwindräder, die mittels über den Bildern angebrachten Solarzellen angetrieben werden. Auf diese Art und Weise greift der bei Leipzig und auf Gran Canaria lebende Kunstmaler neben der Windkraft auch die Energiegewinnung durch Solarenergie auf. 

Die so genannten Hybridwerke aus Malerei und Installation bilden eine Themenreihe, die Heinrich als „Action Art" bezeichnet. Auf der einen Seite bewegt sich ein Teil der Kunstwerke. Auf der anderen Seite sollen die Kunstwerke etwas in Bewegung bringen, nämlich den Betrachter dazu anregen, sich näher mit der Umweltthematik auseinanderzusetzen.

Aus künstlerischer Gestaltung wird das Sonnenlicht mittels Niedervoltlampen stilisiert. Die auf den Bildern entstehenden Lichteffekte symbolisieren die Licht- und Schattenseiten, die bei der Suche nach geeigneten Wegen zur nachhaltigen Energiegewinnung auftreten. Denn viele empfinden in der Landschaft befindliche Windräder als störend.

Ob sich diejenigen auch lieber Bilder von Kohle- oder Atomkraftwerken ins Zimmer hängen würden?

Corinna Lang

Climate Math: 2 = 350 = 40

There are more and more numbers associated with various climate change policies, depending on the time frame for the goals, on the types of goals (greenhouse gas reductions, expansion of renewable energies, financial support), and on the parties that suggest the goals. It therefore is becoming more and more difficult to understand what in the world various parties are talking about and which numbers one should support.

But if one looks beyond the confusing mess of numbers, there are three numbers that stick out as being the most important of all. That is, those numbers are most important if you are concerned about the long-term safety for all people of the world and less concerned about the short term profits of  a few. Any politicians who truly have our long term safety in mind, must have a goal that includes each one of these numbers or stricter measures. Anything less ambitious is maybe well meant by people who do not truly understand the urgency of the problem, but insufficient.

Two of those numbers you are already well familiar with if you have read our journal for a while (for additional information on them please go to my previous article on Safe boundaries for humanity).

These numbers are:

Two, as in two Degree Celsius. This number expresses the increase in global temperature since pre-industrial times that must not be transgressed. If global temperature increases by more than two degrees, then - so most climate scientists agree - several tipping points in the earth's system are likely to be passed, causing irreversible changes in the earth's climatic systems. Positive feedback loops would cause a temperature increase that is far beyond today's estimates. Right now, global temperatures have already increased by about 0.9 degrees Celsius, and about 0.6 degrees are in the pipeline due to the time lag between greenhouse gas emissions and warming. So there is extremely little wiggle-room left.

More than 90 countries actually demand that global warming be limited to 1.5 degrees. Less warming would maximize our chances to avoid irreversible catastrophic changes to our climate system, and is therefore a great idea. But unfortunately, so far this goal gets no support from industrialized nations and is very unilkely to be met.

Remember, two degrees Celsius is a number we never want to reach nor pass.

350, as in 350 ppm. This number expresses the concentration of carbon dioxide in the atmosphere below which we must return to. It refers to the number of CO2 molecules per one million other molecules in the air. Today, we have about 387 ppm. Before the onset of industrialization and during the last 800,000 years, CO2 concentration never exceeded 280 ppm. So we have done a pretty amazing job in adding CO2 to the atmosphere in very little time. However, it IS possible to return to a safe concentration below 350 ppm within this century. But this requires immediate effective actions, such as the phase-out of all coal fired power plants that cannot capture and sequester CO2 within the next 10-20 years.

Remember, 350 is a number that we MUST reach within this century to stay below a warming of two dergree Celsius.

based on these requirements, another number comes into play. Maybe this number is more important than either of the numbers above, as this number has to be reached within just 11 years. Short term goals are absolutely essential for our success, as they are the ones that show us the path that is immediately before us. They can quickly indicate if we are acting effectively or not. And we can judge the effectiveness of our political leaders within a single legislation period.

This additional number is 40, as in 40%, the percentage by which greenhouse gas emissions need to be reduced by 2020. In the last IPCC report, scientists suggested that we need emission reductions of 25-40% by 2020. However, since then scientists have realized that our climate is changing faster than expected and that we are getting closer to tipping points than we assumed just two years ago. It is therefore a matter of urgency to reduce the likelihood of failure as much as possible, and therefore need to go with the highest possible target. A new group has formed to press for this target: 40inCopenhagen.org.

Remember, 40 is a target we must reach within 11 years.

In summary: 2 = 350 = 40

That is: to avoid a global warming by more than 2 degrees Celsius we need to reduce our current atmospheric CO2 concentration from 387 ppm to at most 350 ppm within this century. To ensure we are on the right path, the first step has to be a reduction in greenhouse gas emissions of 40 percent by 2020.

Now, let's get to work!

Maiken Winter

Current targets for Copenhagen allow the passing of tipping points

The current emission targets of industrialised countries will bring the world on a route that leads to at least a doubling of their official climate target, shows the leading UN climate report of 2007.

If however these targets are interpreted using scientific updates since publication of that IPCC report, the present goals may lead to a staggering warming of more than seven degrees, says a newly founded European climate campaign, called 40inCopenhagen.org.

The current goals fit exactly in the IPCC emissions range of zero to 25 percent reduction for the year 2020, with the US (0 percent [compared to 1990 levels - MW]) being the least ambitious and Japan (-25 percent), since election of its new government, the most. The European Union still officially holds on to a 20 percent reduction, though willing to increase that to 30 'if others join in'. Canada is comparable to the US with a reduction target of only three percent, relative to 1990, the fixed base year under the UN climate treaty.

"The most cited IPCC graph, at page 776 of Working Group 3, shows the current commitments neatly link to a further increase of greenhouse gases to 650 parts per million (ppm) CO2 equivalents," says Rolf Schuttenhelm, one of the participating climate experts in the new climate group, that focuses specifically on the upcoming conference in Copenhagen, where the world is to decide on the new UN climate treaty in December this year.

"Back in the Technical Summary of that same report we find this concentration will most likely lead to a temperature rise of 3.6 degrees." That's almost twice as high as the international climate target of 'staying below 2 degrees' as agreed upon at the G8 in July this year.

However, the discrepancy is likely to be worse. In 2008 NASA scientist James Hansen, together with seven other climatologists, published a special report on the sensitivity of our climate system. "These scientists agree more or less with the IPCC, that says temperature will most likely rise by three degrees once CO2 concentrations are doubled," says Schuttenhelm.

"But then they add something else to that," Schuttenhelm continues. "It's called the indirect climate sensitivity and it's the sum of all the effects in the ocean and the solid biosphere that add to our industrial greenhouse gas emissions."

"We've all heard of the threat of large-scale methane emissions from the tundra as Arctic temperatures keep rising," says Schuttenhelm. "But we seem to be missing the numbers. These processes could double the global temperature rise. And our only chance to prevent that is now, this year, in Copenhagen."

Other indirect processes that add to the initial climate sensitivity are decreased reflection of sunlight due to snow and ice melt and increased CO2 emissions from drier forests and organic soils. Earlier this year a group of some 2,500 climate experts gathered in the Danish capital and acknowledged the urgency of the climate problem had previously been underestimated.

"It's high time we start to respect these scientific findings," says Schuttenhelm. "Opting for the most ambitious IPCC scenario is the least we can do."

40inCopenhagen.org calls for a 40 percent emission reduction for combined greenhouse gases between 1990 and 2020, for all industrialised countries. Environmental organisations also advocate this target as do India, China and many of the poorest nations, like the UN Africa Group. However, so far only Germany and Sweden have said to be willing to actually commit to 40 percent reduction.

Source: 40inCopenhagen

Analyse Deutschland - Geothermie

Die Reserven der meisten fossilen Energieträger reichen nur noch für einen begrenzten Zeitraum aus und werden zudem immer teurer. Erneuerbare Energien hingegen stehen in, für menschliche Empfindungen, unbegrenztem Maße zur Verfügung. Die konstante technische Entwicklung macht sie zudem immer kostengünstiger. Viele Techniken zur Nutzbarmachung erneuerbarer Energien für die Strom- oder Wärmebereitstellung unterliegen jedoch wetterabhängigen Schwankungen. So wird etwa bei Windkraftanlagen in windflauen Zeiten wenig Energie erzeugt oder arbeiten Solaranlagen bei wolkenverhangenem Himmel weitaus ineffizienter, als bei Sonnenschein. Anders verhält es sich bei der Geothermie, denn alleine die in der Erdkruste, durch Restwärme aus der Entstehungszeit der Erde, die tägliche Sonneneinstrahlung oder durch radioaktive Zerfallsprozesse, gespeicherte Energie würde theoretisch ausreichen, um die gesamte Welt mehr als 100.000 Jahre lang mit Energie zu versorgen.

Zwei Verfahren machen es dem Menschen möglich, dieses Wärmevorkommen für sich nutzbar zu machen - entweder direkt zum Heizen und Kühlen oder mittels Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von elektrischem Strom.

Bei der oberflächennahen Geothermie wird die Energie der oberste Erdschicht mithilfe von Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren, Erdwärmekörben oder erdgebundenen Betonbauteilen, bis zu einer maximalen Tiefe von 400 Metern genutzt. Schon in vier bis fünf Metern Tiefe herrschen, unabhängig von den Lufttemperaturen, relativ schwankungsarme Temperaturen, die der Jahresmitteltemperatur des jeweiligen Standortes entsprechen, in Deutschland etwa sieben bis zwölf Grad.

Die Tiefengeothermie nutzt die Erdwärme in weitaus größeren Tiefen aus. Durch natürliche Wasservorkommen in bis zu sieben Kilometer tiefen Gesteinsschichten herrschen für dieses Verfahren ausreichend hohe Temperaturen (mindestens 100 Grad). So werden entweder vorhandene Thermalwässer durch so genannte hydrothermale Systeme nutzbar gemacht oder, bei fehlendem oder unzureichendem Wasservorkommen, künstliche Risssysteme mit Wasser oder CO2 im Hot-dry-Rock Verfahren gefüllt. Hier entscheiden die geologischen Standortbedingungen, welches Verfahren die angestrebte Energiemenge am effektivsten hervorbringt.

Geothermie in Zahlen

Die Geothermie trägt nur einen geringen Beitrag am Endenergieverbrauch durch erneuerbare Energien bei. So fallen bisher auf die Stromerzeugung nur 0,003 Prozent, bei der Wärmebereitstellung 0,21 Prozent auf die Erdwärme. Noch im Jahr 2004 lag der Anteil der Geothermie an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei nur 0,2 Gigawattstunden, hat sich bis zum Jahr 2008 jedoch mit 18 Gigawattstunden erheblich gesteigert. Auf dem Wärmesektor hingegen wird seit 2006 ein konstantes Wachstum beobachtet, wobei sich die Wärmebereitstellung von 1.425 Gigawattstunden im Jahr 1995 auf 2.516 Gigawattstunden in 2008 fast verdoppelt hat. An der gesamten Struktur der Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien trägt die Tiefengeothermie 0,2 Prozent bei, die Oberflächengeothermie schlägt mit 2,3 Prozent zubuche.

Chancen und Risiken der Geothermie

Um ein geothermisches Projekt überhaupt durchführen zu können beziehungsweise dürfen, gibt es zahlreiche Vorschriften und Prüfverfahren, um die möglichen Risiken abzuwägen und so gering wie möglich zu halten. Bei ordnungsgemäß ausgeführten Oberflächenbohrungen können Probleme im Bereich der Grundwasserleiter und mögliche Schäden an Gebäuden und Bodenflächen nahezu ausgeschlossen werden. Die Tiefenbohrung hingegen birgt immer noch gewisse Risiken im Bezug auf mögliche Erderschütterungen, durch den Abbau von Spannungen in tieferen Gesteinsschichten. Erdbeben, wie sie beim Projekt Deep Heat Mining im schweizerischen Basel vorkamen, sind auch in Deutschland beobachtet worden. So aktuell in Landau bei Karlruhe, wo die Erschütterung der Erde mit vorhandenen Geothermieprojekten in Verbindung gebracht wird.

Aussichten

Durch die hervorragende und unabhängig von Jahreszeit, Wetter und Klima mögliche Verfügbarkeit der Erdwärme, wächst die Beliebtheit der Geothermie besonders auf dem Wohn- und Gewerbesektor. Wärmepumpen, die Oberflächenwärme sowohl zum Heizen, als auch zum Kühlen möglich machen, sollen laut Schätzungen in den kommenden Jahren ein Wachstum von bis zu 30 Prozent erfahren. Auch die günstigen politischen Rahmenbedingungen in Deutschland tragen einen Teil zum stetigen Wachstum der Geothermie bei.

Judith Schomaker

Quellen:
Dr. Axel Rogge
Wikipedia
AEE talking cards

Zu viel Öko?

Wird der Begriff "Ökostrom" seinem Wert gerecht?

Noch vor 20 Jahren galten Ökos als weltfremde, müsliessende, birkenstocktragende Naturleute, die ständig irgendwo in Naturschutzgebieten herumschlappen. Wenig Menschen wollten sich mit solchen Leuten assoziieren; sie galten mehr als seltsame Außenseiter als ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Und, auf jeden Fall ging es mir so, man war als Öko auch stolz auf sein Anderssein.

Wenn Öko ursprünglich Außenseitertum bedeutet, haben wir dann mit dem Begriff "Ökostrom" nicht einen denkbar ungünstigen Begriff gewählt? Ökostrom hat nichts mit Außenseitertum zu tun, im Gegenteil! Ökostrom  muß so rasch wie möglich ein ganz normaler Bestandteil unserer Gesellschaft werden, den alle, vom "Öko" bis zum Bank-Manager mit der gleichen Selbstverständlichkeit beziehen, wie sie sich Brötchen vom Bäckerladen holen.

Ökostrom ist sehr viel mehr als Öko. Er ist die Lebensversicherung unserer Kinder. Und Ökostrom ist kinderleicht zu beziehen, indem man einfach den Anbieter wechselt. Wäre daher eine treffendere Bezeichnung vielleicht "Kinderstrom", auch im Gegensatz zu Strom aus althergebrachten fossilen Energien? Während viele noch an ihren alten Vorurteilen gegen "Ökos" hängen, kann kein vernünftiger Mensch etwas gegen Energie sagen, welche unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglicht.

Maiken Winter

Schon gewechselt?

Atomausstieg ist ganz leicht - fangen Sie einfach schon mal damit an.

Da die Bundestagswahl uns nicht die politische Konstellation gebracht hat, die an dem geplanten Atomausstieg konsequent anhalten will, ist es nun an uns selbst, das Notwendige dazu beizutragen. Und das ist zum Glück ganz einfach. Nehmen Sie einfach den Atomausstieg in Ihre eigene Hand und wechseln Sie den Stromanbieter! Gleichzeitig unterstützen Sie damit den Ausbau erneuerbarer Energien.

Um das Wechseln leicht zu machen, gibt es bei "Atomausstieg selber machen" konkrete und einfache Anleitungen:

  1. Suchen Sie sich einen geeigneten Anbieter aus,
  2. füllen Sie einen Vertrag aus, und
  3. schicken sie ihn ab. Fertig.

Jeder Mensch, der oder die einen eigenen Stromzähler hat, kann den Stromwechsel, unabhängig von den Ansichten seiner Vermieter, durchführen. Alle weiteren Maßnahmen, auch die Kündigung des alten Vertrags, übernimmt der neue Stromanbieter.

Das Schwierigste dabei ist wohl, den geeigneten Anbieter zu finden, könnte man denken. Aber auch das ist eigentlich ganz einfach, denn es gibt nur vier deutschlandweite unabhängige Stromanbieter, deren Strom nicht mit Atomstrom "verunreinigt" ist:

EWS, Lichtblick, naturstrom, und Greenpeace Energy. Dabei sind die Unterschiede zwischen diesen Anbietern unerheblich.

Stellen Sie sich vor, Strom aus nuklearer und fossiler Energie wird angeboten, und niemand kauft ihn! Wenn tatsächlich 85 Prozent aller Bundesbürger gegen Atomenergie sind, dann sollte ein fast kompletter Umstieg zu nachhaltigem Strom innerhalb der nächsten Jahre doch ein Leichtes sein!

Maiken Winter

Das große Für und Wider - erneuerbare versus fossile Energien

Wem gehört die Zukunft auf dem Energiemarkt? Mit dieser Problematik muss sich auch die neue Bundesregierung befassen, ob das im Sinne aller Beteiligten abläuft, bleibt abzuwarten. Derzeit werden in Deutschland nur rund sieben Prozent des Wärmeverbrauchs aus regenerativen Energiequellen gewonnen, bei der Stromgewinnung stammen 15 Prozent aus so genannten Öko-Produktionen. Besonders im Bereich der Wärmeversorgung werden etwa drei Viertel der nötigen Energien aus Öl und Gas gewonnen, wobei 20 Prozent der energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen zu Lasten des Wärmemarktes gehen - ein gewaltiger Handlungsbedarf besteht!

Der Ausbau der Erneuerbaren hängt also maßgeblich mit der künftigen Klimapolitik zusammen, denn nur durch entsprechende Anreizprogramme, wird der Teil der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen weiter wachsen und die fossilen Energiequellen konstant vom Markt verdrängt.

Welche fossilen Möglichkeiten es derzeit gibt und inwieweit diese den Anforderungen nach Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Umweltfreundlichkeit nachkommen und welche Risiken sie bergen, soll der folgende Überblick zeigen.

Erdöl
Hiermit wird etwa 35 Prozent des Energiebedarfs gedeckt, Platz eins unter den Rohstoffen! Mangelnde Alternativen auf dem Verkehrssektor halten diesen Platz konstant, denn auf dem Gebiet sind (noch) fast alle Techniken auf Benzin oder Diesel ausgerichtet. Durch die Importabhängigkeit und die Endlichkeit (etwa 40 Jahre) dieses Rohstoffes ist das Preisgefüge entsprechend hoch, die Klimagas-Problematik zudem enorm. Zumindest im Heizsektor machen Pelletheizungen den veralteten Ölheizungen ordentlich Konkurrenz. Ihrem Ausbau wird ein großes Wachstumspotenzial zugeschrieben.

Erdgas
Endlich, wie auch Öl, gehört Erdgas zu den „klimafreundlichsten“ Fossilen. Allerdings sind auch die Tage des Erdgases gezählt (Vorräte sollen noch etwa 60 Jahre ausreichen) und auch die Importabhängigkeit, insbesondere zu Russland, ist besonders groß. Zudem steht und fällt der Gaspreis in Abhängigkeit zum Ölpreis, was auch die Verbraucher spüren. Preisvorteile zwischen Öl und Gas gibt es kaum, auch Erdgas, als alternative Betankung für das Kfz, ist nur durch die vorherrschenden Steuervorteile zu begründen und die Preisunterschiede zwischen Gas- und Ölheizung sind kaum spürbar. Allerdings unterstützen Gaskraftwerke auch die Alternativen! Sie helfen beispielsweise bei der Stromerzeugung durch ihre Flexibilität, um etwa Schwankungen von Windstrom durch schnelles Hoch- und Runterfahren auszugleichen.

Kohle
Fast 50 Prozent des deutschen Stroms stammt aus Kohlekraftwerken. Die Kohlevorräte sollen nach Schätzungen noch etwa 200 Jahre ausreichen und auch die Importabhängigkeit ist nicht gegeben, dafür ist Kohle als Energieträger ein wahrer Klimakiller! Bei der Verbrennung entsteht doppelt so viel klimaschädliches Gas, wie bei der von Erdgas. Keine berauschenden Aussichten also! Alternative Energien wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft gewinnen hier zunehmend an Attraktivität. Schon jetzt ist die Stromerzeugung mancherorts durch Windenergie genauso wirtschaftlich möglich, wie durch fossile Energiewerke.

Kernkraft
Kernenergie ist im Bereich des CO2-Ausstoßes zwar wesentlich klimafreundlicher, als Kohle oder Gas, birgt dafür jedoch zahlreiche andere Risiken. Keine sicheren Endlager, die wachsende Gefahr der Terroranschläge oder ein möglicher Super-GAU, machen Kernkraftwerke daher nicht unbedingt sympathisch. Die vielen Nachteile werden allerdings häufig mit dem „günstigen Atomstrom“ regelrecht schön geredet. Kernkraftwerke produzieren günstigen Strom, allerdings erst dann, wenn man von den hohen Kosten für den Bau absieht. Der Rohstoff (Uran), der für die Stromproduktion nötig ist, wird bei Atomkraftwerken nur in geringen Mengen verbraucht, was wiederum zu niedrigen Betriebskosten führt. Das bekommen Stromkunden jedoch kaum zu spüren, denn die Strompreise sinken nicht etwa, sie steigen - ebenso wie der Profit der Betreiber und die Problematik.

Judith Schomaker

Quelle: Greenpeace, Spiegel

CleanEnergy Project Networking-Dinner

Erste Branchentreffen in Hamburg und Berlin erfolgreich

Am 22. und 24. Oktober fanden die ersten CleanEnergy Network Dinner in Hamburg und Berlin statt.

Wegen der Solarmesse PVSEC, die in der gleichen Woche stattfand, war das Event in Hamburg von Besuchern und Themen der Solarbranche geprägt. In Berlin, wo CleanEnergy Project seine Gäste zwei Tage nach Hamburg empfing, war das Publikum aus allen Bereichen alternativer Energien, Umwelt und nachhaltiger Lebensweise gleichermaßen vertreten. Energieeffizienter Wohnungsbau, grüne Immobilien und Kapitalanlagen bildeten einen der Schwerpunkte des Abends. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Repräsentanten ausländischer Firmen, zum Beispiel aus der Schweiz, aus China und Kanada.

Ein kurz gehaltener Vortrag der KlimaGut AG oder teils spontane Anregungen der Firma PowerSol und anderen Unternehmen bereicherten den Abend mit Impulsen und Stoff für Diskussionen.

Das Konzept der Veranstaltung setzte, wie schon in München, auf direkte Kommunikation und Networking in entspannter Atmosphäre. Der Bedarf an direktem Informationsaustausch und Kontakten wurde in Hamburg und Berlin erneut bestätigt. Bei der Fortsetzung der Events geht es dem Organisator daher vor allem um das gegenseitige Kennenlernen der Gäste und den Austausch von Informationen, die zur Vernetzung von Kontakten, Geschäften und Kooperationen zwischen Unternehmern, Experten und anderen beitragen.

Die Treffen finden in ausgesuchten und für den Abend reservierten Restaurants nach der regulären Arbeitszeit statt, was insbesondere Unternehmern und Entscheidern die Teilnahme erleichtert.

Die nächsten Networking Dinner sollen am 20.Oktober in München und 3. November zum ersten Mal in Frankfurt am Main stattfinden.

Das Team von CleanEnergy Project bedankt sich noch einmal ganz herzlich bei allen Gästen!

Ralf Hartmann

You have the power

Download this song to help spread the word on the urgency of effective climate action.

We still have time to make this planet a better place. But there is little time left. We reached the point in time when it is up to every single one of us to stand up and help to reach a climate treaty that will not be the death sentence for millions of people.

Download a new version of the song "The beds are burning" from the Australian group Midnight Oil in support of the the tck tck tck campaign here. Tck tck tck was started through the UN, and is supported by Kofi Annan, to raise awareness about the upcoming UN conference on climate change in Copenhagen in December 2009. The hope is that it will help to increase action in support of an effective climate treaty.

"The time has come, to take a stand, it's for the earth, and for all man.

The time has come, a fact's a fact, the heat is on, no turning back.

How can we dance when our earth is turning?

How can we sleep while our beds are burning?

The time has come, to take a stand, it's for the earth, and for all man."

Help spread the word on climate change. The situation is getting tight, and we need each one of us to stand up for what is right, urgent, and the most important issue of our times.

This is our time to stand up, and to prioritize our actions and efforts for the sake of our future.

Maiken Winter

Source: Wir Klimaretter

Effizienter Umgang mit Energie wird belohnt

Viele Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz engagieren sich seit Jahren im Agenda 21-Prozess, einem Grundsatzprogramm, das ökologische, ökonomische, soziale sowie globale Aspekte berücksichtigt und miteinander verknüpft. Vielerorts wurden Leitlinien und Projekte zur nachhaltigen Energieversorgung der Stadt ausgearbeitet. Die Auslobung jährlicher "Energiepreise" - wie beispielsweise in Aachen,Bambergoder Bern - ist unter anderem das Ergebnis verschiedener Agenda 21-Fachforen und ihrer Impulse für ein ökologisches Bewusstsein.

Die Städte bieten ihren Bürgern eine Belohnung, wenn sie mit Energie umweltbewusst umgehen. Beispiele dafür sind: der Bau eines Null-Energie-Hauses, die vorbildliche Sanierung eines Geschäftshauses, die Gründung einer Energievereinigung, die Durchführung von Wassersparkursen, die Förderung des Car-Sharings, der Bezug von Ökostrom oder eine andere Leistung mit Vorbildcharakter. Wichtig für die Preisvergabe ist der Innovationswert, die Vorbildfunktion und die Übertragbarkeit auf das alltägliche Leben. Bewerben können sich private Haushalte, Gewerbetreibende, Ämter oder Institutionen, die innerhalb des Stadtkreises ansässig sind.

Der "Energiepreis" ist ein Geldpreis, der von mehreren lokalen Sponsoren wie zum Beispiel den örtlichen Stadtwerken gesponsert wird. Bürger oder Einrichtungen, die vorbildlich in den Bereichen Energieeinsparung, Energieeffizienz, Einsatz regenerativer Energien und Anwendung neuer Technologien (zum Beispiel bei der Immobiliensanierung) aktiv sind, können sich auf der Internetseite des örtlichen Umweltamtes beziehungsweise der Stadt anmelden. Die besten Projekte werden schließlich von einer Jury aus Experten ausgewählt und offiziell mit einem Preis versehen.

Ziel ist es, die Auseinandersetzung mit den Themen "Klimaschutz" und "Effizienter Umgang mit Energie" zu fördern und ihre Umsetzung in Form von konstruktiven Lösungen zu initiieren. Lokale Beispiele besitzen Vorbildfunktion für eine nachahmenswerte Planung und Verwirklichung weiterer Projekte.

Sina Thoma

Carbon Hero - das Gadget für die Umwelthelden von heute

Offensichtlich sind Supermans Röntgenblick und Spider-Mans Kletterkünste bereits Schnee von gestern. Auch Helden müssen mit der Zeit gehen. Und da die größte Bedrohung derzeit nicht mehr von Superschurken ausgeht, sondern eher von der Klimakatastrophe, müssen sie die Welt vor dieser Gefahr retten. Eine große Herausforderung für die Helden dieser Zeit.

Doch wie die Computerwoche berichtete, keine unmögliche Herausforderung. Britische Wissenschaftler haben den neuesten Helden- den Carbon Hero- entwickelt. Der Carbon Hero ist ein kleiner mobiler Sensor, so groß wie ein Schlüsselanhänger, der ermittelt, wie viel CO2 bei einer Reise freigesetzt wird. Der Sensor schließt durch die Geschwindigkeit und das Bewegungsmuster auf das genutzte Transportmittel. Die Informationen werden per Bluetooth direkt an das Handy des Benutzers weiter geleitet, wo eine spezielle Software die Daten auswertet. Eine integrierte Datenbank speichert zum Beispiel Angaben über den Umwelteinfluss verschiedener Transportmittel und gleicht diese mit den ermittelten Informationen ab. Der Carbon Hero nutzt diese Daten und erstellt einen Carbon Footprint.

Derzeit nutzt der Carbon Hero nur GPS, doch sobald  das Galileo-System der ESA im Jahr 2013 fertig gestellt wird, soll künftig dieses System genauere Informationen liefern. Außerdem wurde der Carbon Hero bis jetzt nur mit Nokia Handys getestet. Er soll allerdings Plattform unabhängig werden, weshalb man die Erfindung jetzt auch mit dem Blackberry testen will.

Stefanie Nunberger

Kennen Sie die CO2-Bilanz Ihres Toilettenpapiers?

Sie sind umweltbewusst und versuchen Ihren Lebensstil dementsprechend auszurichten. Möglicherweise verzichten Sie wenn möglich auf das Auto und nutzen stattdessen das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Aber wie steht's mit Ihrem Einkaufsverhalten?

Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland etwa 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in Verbindung mit Ernährung und Konsum verursacht. Allerdings haben Sie vermutlich keine Ahnung, wie viele Emissionen beispielsweise Ihr Toilettenpapier verursacht. Dies könnte sich dank des PCF-Projekts in Zukunft ändern.

PCF steht für Product Carbon Footprint, also den Produktbezogenen CO2-Fußabdruck. Hierbei werden die Treibhausgasemissionen ermittelt, die ein bestimmtes Produkt im Laufe seines Lebens verursach. Dabei geht es also nicht nur um die Emissionen in Verbindung mit dem Gebrauch, also zum Beispiel den CO2-Ausstoß beim Autofahren. Vielmehr werden sämtliche Emissionen von der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion bis hin zur Entsorgung erfasst. Erst so kann die wahre Klimabelastung offenbart werden.

Ziel des Projekts, das von Öko-Institut, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Thema1 getragen wird, ist die Transparenz für die Konsumenten zu steigern. In Zukunft machen Sie ihre Kaufentscheidung vielleicht nicht nur vom Preis und der Qualität eines Produktes abhängig, sondern auch vom CO2-Fußabdruck. Zu diesem Zweck wird eine internationale Harmonisierung der Berechnungsstandards angestrebt. Erst so werden aussagekräftige Vergleiche zwischen verschiedenen Anbietern möglich.

In einer Pilotphase wurden CO2-Bilanzen für verschiedenste Produkte erstellt. Unter anderem Waschpulver von Henkel, Kaffe von Tchibo und eben auch Toilettenpapier vom Drogeriemarkt dm. Die Ergebnisse können hier eingesehen werden.

Mehr Transparenz entsteht aber nicht nur auf Seiten der Konsumenten, sondern auch bei den Unternehmen. Durch die exakte Erfassung der Emissionen in bestimmten Produktlebensphasen eröffnen sich Einsparpotentiale, die vorher nicht wahrgenommen wurden. Ein wünschenswertes Ziel wäre, wenn die Unternehmen in Zukunft nicht nur über günstige Preise und hohe Qualität um die Gunst des Kunden werben, sondern auch mit einem möglichst geringen CO2-Fußabdruck.

Oliver Hölzinger

Lieberose - Deutschlands neues Solar-Mammut

Seit Ende August hat das Land einen neuen Primus in Sachen Großprojekte Solarenergie: Lieberose. Der Solarpark im brandenburgischen Turnow-Peilack ist derzeit der größte seiner Art und gilt europaweit als Vorzeigeprojekt. Steht das sonnenreiche Brandenburg oft nur für wirtschaftliche Strukturschwäche und Abwanderung, zeigt das Projekt neue Dimensionen in Hinblick auf regionale Wirtschaftsförderung und Investitionen in den ländlichen Raum auf.

Auf dem größten Truppenübungsplatz der ehemaligen DDR entstand auf einer Grundfläche von 162 Hektar das Solarkraftwerk, das mit einer installierten Leistung von 53 Megawatt sauberen Strom für 15.000 Haushalte liefern kann. Dabei sollen jährlich rund 37.000 Tonnen CO2 eingespart werden – das entspricht dem Jahresverbrauch (CO2-Äquivalent) von etwa 3.700 betriebenen Kühlschränken.

Für die geplanten jährlichen 52.000 Kilowattstunden wurden insgesamt 700.000 hochmoderne Dünnschichtsolarmodule installiert, die zuvor im Werk von First Solar in Frankfurt an der Oder montiert wurden. Die Anlage produziert damit mehr Solarstrom als alle bisherigen Solarkraftwerke Brandenburgs zusammen gerechnet.

Das Investitionsvolumen betrug zirka 160 Millionen Euro, wovon rund 20 Prozent direkt von den Projektpartnern juwi Solar GmbH, First Solar und Procon GmbH finanziert wurden. Mit dem Geld privater Investoren wurde im Vorfeld die sich in Landesbesitz befindliche Fläche saniert. Altlasten existierten in Form von Munitionsrückständen und Chemieabfällen, die ohne das Engagement der Projektpartner mit kommunalen Geldern hätten beseitigt werden müssen. Neben Ministerpräsident Platzeck (SPD) setzten sich auch verschiedene Lokalpolitiker für die Realisierung ein. Nach der angesetzten Nutzungsdauer von 20 Jahren ist geplant, das Heidegebiet als Sukzessions- und Entwicklungsfläche dem Naturschutz zur Verfügung zu stellen. Auch aus Perspektive des Naturschutzes ist Lieberose ein nachhaltiges Projekt, da es im Anschluss an die Produktion von CO2-neutraler Energie eine verantwortungsvolle Folgenutzung garantiert.

Lieberose steht für den gelungenen Spagat der Solarbranche zwischen der Realisierung eines Großprojektes bei gleichzeitiger Sanierung kontaminierter Brachflächen, ohne dabei neue Flächen erschließen zu müssen. In einem Land, in dem freie Fläche zur Mangelware geworden ist, ist eine flächenintensive Solarbranche, auch auf die Umnutzung brach liegender Flächen, wie alten Industrie- und Militärstandorte, angewiesen. Noch vor fünf Jahren war das Solarkraftwerk im sächsischen Espenhain die weltgrößte Photovoltaikanlage. Hier erzielten 33.500 Solarmodule eine Leistung von fünf Megawatt – eine Energiemenge für rund 1.800 Haushalte. Auch wenn Großprojekte Meilensteine auf dem Weg zum formulierten Ziel von 20 Prozent Anteil regenerativer Energien am Energiemix des Jahres 2020 sind, mildert das nicht die Bedeutung der vielen kleinen Solarprojekte auf privatem oder öffentlichem Grund. Angefangen von Sonnenkollektoren bis hin zu größeren Photovoltaikanlagen produzieren sie heute dezentral die Energie von morgen.

Jonas Linke

Musik, Licht und Wärme ohne Strom

Dmitriy Shcherbakov stellt uns seine neueste Erfindung vor: Greenergy. Das schicke Gerät hat drei Funktionen und nutzt die Kraft der Thermoelektrizität. So ist es möglich, gleichzeitig entspannt Musik zu hören, ein gutes Buch zu lesen und eine Kanne kräftigen Tee zuzubereiten: ohne Steckdose, ohne Kabel und ohne Strom.

Offenherzig erzählt uns der junge Designer aus Jekaterinburg mehr über sein neuestes Projekt „Greenergy". Ausschlaggebend für dessen Entwicklung war die Tatsache, dass die meisten Haushaltsgeräte Energie ungenützt als Wärme abgeben. Das brachte Dmitriy auf die Idee, ein Gerät zu entwickeln, das seine Energie selbstständig aus den vorhandenen Temperaturunterschieden erzeugt.

Der junge Russe erklärt uns, dass man dazu das Basismodul einfach an einer kühlen Fensterscheibe oder an einem warmen Heizkörper anbringt. Wichtig dabei ist ein Temperaturunterschied zwischen der genutzten Oberfläche und der herrschenden Lufttemperatur. Im Basismodul enthalten sind vier kleine Bauteile der Firma Kryotherm. Die thermoelektrischen Element haben eine Größe von nur vier mal vier Zentimeter. Sie erzeugen Energie, die direkt in den Akku eingespeist wird und somit jederzeit verfügbar ist.

Die drei Zusatzmodule können ohne Kabel frei im Raum verteilt werden. Sie sind mit verschiedenen Funktionen ausgestattet. Das Beleuchtungsmodul hat zwei LED-Lampen und spendet angenehmes Licht. Bei der Wärmeplatte lässt sich die Temperatur stufenlos regeln. Getränke und Mahlzeiten können so bequem aufgewärmt oder warmgehalten werden. In das Musikmodul hat Dmitriy ein Radio und einen MP3-Player integriert. Der USB-Anschluss befindet sich auf der Rückseite.

Shcherbakov hat den Markt und die Wünsche der Menschen genau untersucht, bevor er „Greenergy" entwickelt hat. Die Technologie funktioniert. Auch die Produktion sollte problemlos möglich sein. Derzeit gibt es zwar den Prototyp, jedoch fehlen die passenden Investoren. „It's all about the money", seufzt der Designer. Bleibt zu hoffen, dass dieses zukunftsträchtige Projekt rasch in die Gänge kommt. Alles Gute, Dmitriy! Удачи!

Joachim Kern

Now THIS is amazing!

"Art changes people.

Together we can change the world."

These are the words at the end of a short movie, created by artist Daniel Dancer. With the help of almost 5000 students from 21 schools in the Netherlands he created a beautiful image: a windmill as a symbol for the need for renewable energies, and for the need to do whatever we can to reach a global CO2 concentration less than 350 ppm as quickly is possible. Check out their video on vimeo - and I dare you not to cry.

This art work is part of a global initiative that raises awareness on the need for an effective global climate treaty in Copenhagen. To show their support for a 350 guardrail, people across all nations are organizing 350 events for the global day of climate action on October 24. So far more than 1600 events are planned in more than 130 countries.

Do you want to participate? Then check out 350.org to find an event near you. Or organize your own event. It is fun and it is very worthwhile. Because this day is one of the few times during which we can stand up as one world to demonstrate our support for a goal that will give us a true chance of avoiding a global catastrophe.  Together we WILL change the world!

Maiken Winter

Desertec - „Das Projekt ist absolut realistisch“

Nachhaltigkeit made in Germany - darum geht es beim Clean Tech Media Award, der Klimaschutz-Pioniere und „grüne" Prominenz gemeinsam ehrt. In einer Serie stellt das CleanEnergy Project die Nominierten und Gewinner des Clean Tech Media Awards 2009 vor.

Zum Auftakt sprachen wir mit Dr. Gerhard Timm, dem Vorstand der Desertec Foundation, die mit dem diesjährigen Sonderpreis ausgezeichnet wurde. Die Desertec Foundation ist als Botschafterin und Förderin des Desertec-Konzepts für die Lobbyarbeit des so genannten „Wüstenprojekts" verantwortlich.

Herr Dr. Timm, von wem wurde die Desertec Foundation gegründet und was sind ihre Aufgaben?

Die Desertec Foundation hat zwei „Mütter", die Deutsche Gesellschaft des Club of Rome und die Trans-Meditterranean-Renewable-Energy-Cooperation, ein Netzwerk im EUMENA-Raum (Europe, Middle East, North Africa), dass sich schon länger mit Energiefragen beschäftigt. In der Stiftung sind aber ganz bewusst nur Privatpersonen. Unser prominentestes Gründungsmitglied ist Prinz Hassan von Jordanien. Die Aufgabe der Stiftung ist die Umsetzung des Desertec-Konzepts im globalen Maßstab. Es werden Partner gesucht, Allianzen geschmiedet und die Politik „angetrieben".

Erklären Sie doch bitte kurz unseren Lesern, wie sich die Stiftung finanziert!

Die Stiftung finanziert sich derzeit ausschließlich über Spenden.

Seit der Bekanntgabe des Desertec-Gründungstreffens am 13. Juli dieses Jahres, gehört das Desertec-Projekt zu den Top-Themen in den Medien. Doch neben begeisterter Zustimmung werden auch immer wieder Stimmen der Kritik laut. Was ist Ihre Motivation, sich für das Projekt einzusetzen?

Moment, am 13. Juli 2009 wurde nicht die Stiftung gegründet, sondern die Desertec Industrial Intitiative (DII). Diese Kooperation von derzeit 13 großen Unternehmen hat die Stiftung zunächst gegenüber der Münchener Rück angeregt. Am Anfang mussten wir sie noch etwas zum Jagen tragen, aber am Ende hat der Funken dann auch dort gezündet.

Was meine Motivation angeht: Das Projekt ist absolut realistisch. Es kann mit bestehenden Technologien umgesetzt werden. Seine konsequente Umsetzung wird einen wesentlichen Beitrag zur Lösung einiger großer Menschheitsprobleme leisten: Saubere, preiswerte Energie in nahezu beliebiger Menge löst das Klimaproblem, löst - über Meerwasserentsalzung - das Trinkwasserproblem, führt in den Ländern mit geeigneten Wüstengebieten und das sind oftmals sehr arme Regionen zu Einkommen und Wohlstand über den Export der Energie und damit ergibt sich schließlich auch noch ein Beitrag zum Weltfrieden. Wen das nicht begeistert, dem ist nicht mehr zu helfen.

Welche Rahmenbedingungen müssen erst noch geschaffen werden, um eine planmäßige Umsetzung des Desertec-Projekts zu ermöglichen?

Wie jede neue Technologie bedarf es in der Anfangsphase der öffentlichen Unterstützung. Zum einen als politische Unterstützung, die gibt es in Europa etwa im Solarplan der Union für das Mittelmeer, aber das ist noch deutlich zu wenig. Wir brauchen einen EUMENA-Masterplan den alle betroffenen Länder gemeinsam entwickeln und dann in der Implementation auch gemeinsam mittragen. Auf der anderen Seite brauchen wir finanzielle Anreizmechanismen. Es wäre dringend notwendig, dass im Rahmen des nächsten Klimaprotokolls das Desertec-Konzept als besonders geeignet Berücksichtigung findet. Das heißt, dass Investitionen in die Umsetzung des Desertec-Konzepts besonders günstigen Bedingungen unterliegen.

Welche Bedeutung hat das Desertec-Projekt für die beteiligten Entwicklungsländer?

Es entsteht ein doppelter Nutzen: Zum einen lösen die beteiligten Entwicklungsländer ihre Probleme im Bereich einer zuverlässigen Stromversorgung zum anderen generieren sie Einnahmen durch den Export von Strom. Das unsinnige Gerede von grünem Kolonialismus zeugt hier nur von völliger Unkenntnis.

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara leben rund 500 Millionen Menschen ohne einen Anschluss an ein öffentliches Energieversorgungsnetz. Werden diese Menschen im Desertec-Konzept berücksichtigt?

Das Desertec-Konzept eröffnet gerade auch für diese Menschen eine realistische Perspektive auf Anschluss an eine öffentliche Stromversorgung. Die Kosten für Leitungen und Stromproduktion können durch Exporte finanziert werden. Mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen geht dies auch über mehrere 1.000 Kilometer ohne große Verluste.

Welche ersten Erfolge kann die Stiftung bereits verzeichnen?

Ein wichtiger Erfolg war sicherlich die Gründung der DII und das Commitment der beteiligten Unternehmen bis 2050 400 Milliarden Euro in das Projekt zu investieren. Aber auch der Solarplan im Rahmen der Union for the Mediterranean (UfM) wäre ohne unseren Einfluss so nicht gekommen. Bei den Bundestagsparteien stehen wir inzwischen auch ganz gut da, bei einigen sogar im Programm. Schwer tut sich noch die SPD, die sich nicht richtig entscheiden kann zwischen Kohle-Fraktion und Dezentralisten (die, die alles in Deutschland machen wollen und denen die entwicklungspolitischen Aspekte nicht so wichtig sind). Zuletzt hat das neu gewählte europäische Parlament seine Unterstützung des Desertec-Konzeptes bekräftigt. Das hat uns sehr gefreut.

Wie sehen Ihre nächsten konkreten Schritte aus?

Im Oktober soll es mit der DII jetzt richtig losgehen, bis dahin müssen wir noch die endgültigen Konditionen aushandeln. Dann wird es darum gehen, den neuen Bundestag zu überzeugen. Ein wichtiges Datum sind natürlich die Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Dezember. Hier muss es gelingen, die erforderlichen CO2-Reduktionsziele verbindlich zu vereinbaren. Wenn das erfolgt ist, läuft alles Weitere ohnehin auf das Desertec-Konzept zu, denn wie sollen die Ziele sonst realistisch erreicht werden? Das geht nur mit Desertec.

Herr Dr. Timm, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Corinna Lang

SolarPACES 2009 - konzentrierende Solarthermie weltweit

SolarPACES (Solar Power and Chemical Energy Systems) wurde 1977 als eine kooperative Unterorganisation der Internationalen Energieagentur (IEA) gegründet. Sie soll die Ausbreitung und Erforschung von konzentrierender Solarthermie fördern. Dieses Jahr fand die 15. Konferenz in Berlin statt. Eindrücke vom Kongress gibt Ann-Morla Meyer

Knapp 750 Größen und Newcomer aus Wirtschaft, Forschung und Praxis rund um die konzentrierende Solarthermie trafen sich vom 15. bis zum 18. September in Berlin. Beim ersten Treffen 1977 saßen nur rund 20 Pioniere um einen Tisch.

Beim Eingangspodium der Konferenz ging es um die aktuelle Situation von konzentrierender Solarthermie im mittleren Osten und Nordafrika. Laut einer Studie von Greenpeace und ESTELA (European Solar Thermal Electricity Association) waren Mitte dieses Jahres 132 Megawatt in Spanien, 424 Megawatt in den USA, sechs Megawatt in Marokko und zwei Megawatt in Deutschland am Netz. Im Bau und in der Zulassugsphase befinden sich Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1.544 Megawatt, was etwa zwei Atomkraftwerken entspricht. Die meisten dieser Projekte sind in Spanien geplant. Einige Tausend Megawatt wurden in diese Studie nicht miteingerechnet. Diese stellte ein Vertreter der Desertec Industrial Initiative im Anschluss vor. Er erläutert, dass die 400 Milliarden Euro, die im Juni durch die Presse geisterten, keine feste Marke sind, auf die sich die Initiative eingeschossen hat. Vielmehr wolle man gemäß den Zielen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) bis 2050 15 Prozent der europäischen Energieversorgung bereitstellen.

Am zweiten Konferenztag beschäftigten sich zwei Podien vor allem mit marktwirtschaftlichen Fragen. Zunächst ging es um die Entwicklung von CSP-Projekten (Concentrated Solar Power). Hier erzählten unter anderem Vorstandsvorsitzende von Abengoa Solar S.A. und ACS Cobra von Engpässen in der Materialbeschaffung, von Skepsis bei finanzierenden Banken und fehlenden Erfahrungswerten für Großprojekte.

Das anschließende Podium beschäftigte sich mit Venture-Capital-Projekten. Hierbei können kleine Projekte, die technisch etwas Neues zu bieten haben Geld von einer investionsfreudigen Firma mit technischem Know-how bekommen, müssen dafür aber rund die Hälfte ihrer Firma und damit ihrer Gewinne an den Investor verkaufen. Hierzu referierte unter anderem ein Mitarbeiter von Google Inc. Danach teilte sich die Konferenz auf und hörte Vorträge zu Themen wie kommerzielle Projekte, Modellierung und parabolische Kraftwerke. Die meisten Kraftwerke im mittleren Osten, wie Shams One (Vereinigte Arabische Emirate) und Kuryamat (Ägypten) sind Kombikraftwerke, bei denen ein gewisser Anteil durch eine zusätzliche Gasfeuerung bereitgestellt werden kann. Außerdem wurde natürlich das erfolgreiche Andasol-Projekt und auch die Turmkraftwerke PS-10 und PS-20 (alle in Spanien) vorgestellt.

Am dritten Konferenztag befasste sich das Podium mit den Produktionskapazitäten der Kraftwerkskomponenten. Die Firma Flabeg konnte von einem neuen Produktionsstandort und einer Kostenreduktion bei voller Auslastung von bis zu 20 Prozent in den nächsten Jahren berichten.

Bei der Zusammenfassung am letzten Konferenztag wurde wiedergegeben, dass lineare Fresnelkollektoren auf mittlere und lange Sicht gute Chance haben, sich auf dem Markt zu etablieren, wenn sich ihre Kosten deutlich reduzieren. Bei thermischen Speichersystemen geht der Trend hin zu Kostenreduktion und einer Erhöhung der Betriebstemperatur, allerdings ist die Entwicklung heute noch nicht weit fortgeschritten. Aus dem Bereich der solaren Chemie hört man, dass in den nächsten Jahren mehr im Bereich Entsalzung und Entgiftung geforscht werden wird.

Fazit: Es ist Bewegung in den Bereich der konzentrierenden Solarthermie gekommen und die nächsten Jahre werden spannend. Nächstes Jahr findet die Konferenz in Perpignan, Frankreich, statt. Vielleicht haben wir dann die 600 Megawatt-Grenze schon geknackt.

Ann-Morla Meyer