Wasserversorgung

Wasser marsch! Weshalb das Ver- und Entsorgungsnetz umgebaut werden muss

Wird der Wettbewerb durch einen Alleinanbieter für viele Kunden außer Kraft gesetzt, spricht man von einer Monopolstellung des jeweiligen Unterneghmens. In Deutschland trifft diese Definition nicht nur auf die deutsche Bahn zu. Auch die Wasser- sowie Abwasserversorgung der Kommunen reiht sich in die Konkurrenzlosigkeit ein. Gefahren eines Missbrauchs enstehen bei einem Monopol vor allem durch die freie Preisbildung. Aus diesem Grund müssen sich die vielen Wasserversorger vor dem Kartellamt für die unterschiedlichen Wasserpreise rechtfertigen. Diese sind in Deutschland so verschieden, weil geografische Lage und Herkunft des Wassers einen entscheidenden Einfluss auf die Kosten haben. Die gesamten Aufwendungen bestehen schließlich zu 80 Prozent aus Fixkosten. So steigen die Preise auch mit dem Sanierungsbedarf der Abwasserinfrastruktur. Denn demografische Entwicklung, Deindustrialisierung (Abwanderung der Industriebetriebe) und wassersparende Haushalte machen den alten Leitungen zu schaffen. Auch der Klimawandel kann die Netzauslastung durch Wetterextreme beeinträchtigen. Sinkt die benötigte Wassermenge, steigt die Aufenthaltszeit des Wassers in der Leitung, was wiederum mit der Gefahr einer Korrosion und Verkeimung einhergeht. Zusätzliche Ausgaben entstehen so durch das zusätzliche Spülen der Rohre.

Einige private Dienstleister haben sich diesen Überholungsbedarf zunutze gemacht. Dazu gehören Unternehmen wie Eon, Remondis, RWE, Veolia Environment, Gelsenwasser und GDF Suez. Letzterer hat mit der Tochter Eurawasser in Deutschland schon vor Jahren Wurzeln geschlagen. Angesichts von Haushaltslöchern und hohen Verbraucherpreisen besteht in den Kommunen der Trend, Teilbereiche zu privatisieren. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz ist die Wasserversorgung zwar eine Aufgabe der Kommunen. Doch können Dienstleistungen wie Gewinnung, Versorgung, Verteilung und Aufbereitung an private Unternehmen weitergeben werden. Die Kommunen bleiben aber weiterhin Eigentümer. In England und Frankreich wird die Privatisierung mit einer Regulierungsbehörde geregelt. Bei uns sind die Kommunen für die Regulierung privater Anbieter zuständig.

Kritiker befürchten durch das Einsteigen der Unternehmen ins Wassergeschäft jedoch eine Verminderung der Wasserqualität. Das ökonomische Prinzip im Auge, könnte das Wasser über weitere Entfernungen transportiert werden und das Chloren gegen Keime zunehmen. In der Vergangenheit hat sich zudem gezeigt, dass das Prinzip der Öffentlich-Privaten Partnerschaft kein Garant für sinkende Wasserpreise sein muss.

Als Lösungsansätze für eine Umgestaltung des Wassernetzes könnten Kreislaufwirtschaft und Dezentralisierung dienen: Da Kläranlagen zu den energieintensivsten Einrichtungen einer Kommune gehören, sollte die Energieumwandlung durch Blockheizkraftwerke und Biogasanlagen voran getrieben werden. Auch eine Entkernung des Wassernetzes bietet sich bei einer großen Abwanderung an, falls diese zu hohen Anpassungskosten führen würde. Mit der Querschnittsreduzierung von Rohren und Druckerhöhungsanlagen kann den neuen Rahmenbedingungen zudem entgegen gekommen werden.

Zum Schluss noch ein Tipp für den Verbraucher: Wenn Wasser sparen, dann den Warmwasserverbrauch senken. Das vermindert auch den CO2 -Ausstoß.

Jenny Lohse

Tags Abwasser | demografische Entwicklung | Dezentralisierung | Private Public Partnership | Wasserversorgung Kategorien Cleantech Datum Montag, den 23. Mai 2011 um 09:42 Uhr Autor Jenny Lohse

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