Klimaschutzpreis

Die Zuckerseite unserer Möbel

Dem Kompetenzzentrum Holz gelang gemeinsam mit dem Industriepartner Impress Decor Austria ein herausragender technischer Fortschritt im Bereich der Möbelbeschichtung. Das neue Verfahren zur Herstellung von Möbeloberflächen und Fußböden wird seit Beginn des Jahres 2011 in der Praxis eingesetzt. Dabei wird der fossile Rohstoff Melamin zum Teil durch umweltfreundliche Zuckerderivate ersetzt.

Melamin ist überall. Was dem ungeübten Auge im Alltag als Möbelstück aus Eichen-, Buchen- oder Nussholz erscheint, ist in den meisten Fällen eine industriell hergestellt Nachbildung einer echten Holzoberfläche. Dazu werden zumeist Spanplatten mit einer Papierschicht überklebt. Um die Illusion perfekt zu machen, wird das Papier mit der entsprechenden Holzoptik bedruckt.

Generell werden Melaminharze aus Rohstoffen hergestellt, die ihren Ursprung zum größten Teil in fossilen Ressourcen haben. Zur Beschichtung von Möbelstücken werden spezielle Melaminharze verwendet. Dabei wird das bedruckte Papier mit einer dicken Schutzschicht aus ebensolchen Harzen überzogen. Somit weist die künstliche Holzoberfläche die notwendige Widerstandskraft gegen äußere Einflüsse auf. Experten schätzen, dass in Europa rund 50 Prozent aller Möbel mit einer solchen Schutzschicht aus Melaminharz versehen sind.

Forschung und Entwicklung. Auf der Suche nach umweltfreundlichen Beschichtungslösungen fiel den Forschern im Kompetenzzentrum Holz die optische Ähnlichkeit zwischen dem Melaminrohstoff und gewöhnlichem Staubzucker auf. Nachforschungen führten zu dem Ergebnis, dass verschiedene Zuckersorten und davon abgeleitete Substanzen tatsächlich chemische Anknüpfungspunkte zu Melaminharzen aufweisen.

Die ursprüngliche Idee, natürliche Rohstoffe als Verknüpfungspunkte zu verwenden und somit den Anteil an nachwachsenden Materialien zu erhöhen, kann nach dreijähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit nun umgesetzt werden. Der weltweit agierende Oberflächenspezialist Impress fungiert dabei als industrieller Partner. Ebendort kommt die neue Technologie zur Herstellung von Oberflächen für Möbel und Fußböden seit Beginn des Jahres 2011 in großem Umfang zum Einsatz.

Vorteile für Wirtschaft und Umwelt. Gemäß den Angaben von Impress ersetzen die Zuckersubstanzen aktuell rund 13 Prozent des Melamins. Somit können innerhalb des Unternehmens jährlich bereits 400 Tonnen Melamin eingespart werden. Für die kommenden Jahre geht der Betrieb davon aus, den Anteil der Zuckerderivate stetig erhöhen zu können.

Neben einer Kostenreduktion geht diese Integrierung natürlicher Substanzen in den Produktionsprozess auch mit erheblichen Vorteilen für unsere Umwelt einher. Die notwendigen Transportwege für die Anlieferung der Materialien verkürzen sich deutlich. Während Melamin über große Distanzen hinweg angeliefert werden muss, stellen die benötigten Zuckerstoffe ein Abfallprodukt bei der Herstellung von Zucker dar. Zugleich sind die von Zucker abgeleiteten Substanzen regional verfügbar.

Kürzlich wurde die gemeinsame Entwicklungsarbeit zwischen dem Kompetenzzentrum Holz und Impress Decor Austria mit dem Österreichischen Klimaschutzpreis 2010 ausgezeichnet. Mittlerweile arbeitet der Industriepartner bereits an der ökologisch sinnvollen Substitution weiterer Rohstoffe. Unter anderem plant Impress auch die vollständige Aufbereitung und Wiederverwendung sämtlicher Abwässer.

Joachim Kern

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