Was kommt nach Kyoto?

Ende dieses Jahres soll in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll gefunden werden. Nachdem sich viele Industrie- und Transformationsländer in der Phase bis 2012 auf eine Emissionsreduktion von 5,2 Prozent geeinigt haben, sind in der Folgeperiode bis 2020 deutlich ambitioniertere Ziele erforderlich.

Damit eine gefährliche Klimaerwärmung abgewendet werden kann, muss das Folgeabkommen deutlich ambitioniertere Ziele festschreiben. Laut jüngstem IPCC-Bericht, in dem die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel zusammengetragen werden, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um mindestens 50 bis 80 Prozent gesenkt werden. Um dieses Ziel erreichbar zu machen, sollten die Industrienationen in Kopenhagen eine Reduktionsverpflichtung von 25 bis 40 Prozent bis 2020 im Vergleich zum Basisjahr 1990 eingehen.

Klar ist, dass eine Vereinbarung auf dem relativ niedrigen Level von 25 Prozent mit umso höheren Reduktionen in den Perioden nach 2020 ausgeglichen werden müssen, um eine gefährliche Klimaerwärmung zu verhindern. Allerdings ist im Vorfeld der finalen Verhandlungen vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen keine Vereinbarung auf einem wissenschaftlich notwendigen Ziel von mindestens 25 Prozent in Sicht.

Vieles wird davon abhängen, wie stark sich die Industrienationen noch bewegen. Dabei geht es nicht nur um die Emisionsreduktionen im eigenen Land, sondern auch um die Unterstützung der Entwicklungsländer, ihre Emissionen zu verringern. Letztere fordern umfangreiche finanzielle und technische Unterstützung bei der Bekämpfung des Klimawandels. Anderenfalls wollen sie sich nicht aktiv am Klimaschutz beteiligen. So fordert Ecuador zum Beispiel einen Ausgleich von 360 Millionen US-Dollar im Jahr, damit es ein 900 Millionen Barrel umfassendes Ölvorkommen im Boden belässt.

Auf der Weltklimakonferenz werden harte Verhandlungen erwartet. Einerseits zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, andererseits unterhalb der Industrienationen was insbesondere die Lastenverteilung betrifft. Eine weitere Front tut sich für die Staats- und Regierungschefs im eigenen Land auf. So erfährt US-Präsident Barack Obama bereits bei seinem relativ schwachen Ziel einer Reduktion von 17 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 2005 (entspricht etwa drei bis vier Prozent gegenüber 1990) immensen Wiederstand in der Heimat.

Die Vorzeichen für ein ambitioniertes Ziel stehen schlecht. Nun muss die Weltgemeinschaft zeigen, ob sie willens und in der Lage ist, der wohl größten Bedrohung unseres Jahrhunderts angemessen entgegenzutreten.

Oliver Hölzinger [mehr...]

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Wie kamen Sie auf diese Idee?

Die Idee ist schon lange in meinem Kopf: privates Kapital für eine behutsame, soziale und ökologische Stadterneuerung zu nutzen. Schon 1996, als ich noch bei einer kleinen Mietergenossenschaft gearbeitete habe, haben wir diese Idee diskutiert. Im Jahr 2003 habe ich dann das erste Mal ein solches Projekt realisiert und einen ersten ökologischen Immobilienfonds aufgelegt. Die UmweltBank hat seinerzeit den Vertrieb übernommen. Ich denke, dass jetzt eine gute Zeit ist, das Thema nach vorne zu bringen. Deshalb haben wir jetzt die KlimaGut AG gegründet.

Die KlimaGut Immobilien AG erwirbt nicht nur Immobilien, sondern führt auch selbst Sanierungen durch. Gibt es ein bestimmtes Konzept, nach dem Sie bei der Sanierung vorgehen?

Zunächst reduzieren wir den Energieverbrauch der Gebäude um etwa zwei Drittel. Dazu machen wir die üblichen Maßnahmen wie Wärmedämmung, neue Fenster und eine neue Heizung. Bis hierhin ist das nichts Ungewöhnliches. Um die dann noch benötigte Energie bereitzustellen, setzen wir ein Blockheizkraftwerk ein, das mit Biokraftstoffen betrieben wird. Das kann zum Beispiel Biogas aus der Vergärung von Abfällen sein. Durch eine geschickte Kombination dieser Maßnahmen erreichen wir, dass die laufende Energieversorgung emissionsneutral ist. Das heißt, dass bei der Verbrennung nicht mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden, als beim Anbau der Rohstoffe aufgenommen werden.

Welche Immobilien sind dafür besonders geeignet?

Unser Konzept bezieht sich auf typische Berliner Mietshäuser, wie sie in der Innenstadt allerorten anzutreffen sind.

Auf welche Widerstände sind Sie bei der Realisierung Ihres Konzepts gestoßen?

Die Rahmenbedingungen für die klimagerechte Gebäudesanierung müssen dringend verbessert werden. In Deutschland gibt es 40 Millionen Wohnungen. Die Förderung der Bundesregierung für die energetische Sanierung betrifft jährlich 12.000 Wohnungen. Das ist viel zu wenig. Da brauchen wir noch 3.000 Jahre. Wir plädieren dafür, die Gebäudesanierung in den Emissionshandel mit einzubeziehen. Das regt die Investitionen an und kostet den Steuerzahler nichts.

Wie hoch liegt der Mindestbetrag für Investoren?

An der neu gegründeten Aktiengesellschaften kann man sich ab einem Betrag von 50.000  Euro beteiligen. Eine solche Beteiligung an einem Start-up Unternehmen sollten Anleger jedoch nur eingehen, wenn sie sich nicht nur der Chancen sondern auch der Risiken voll bewusst sind. Garantien gibt es keine.

Momentan konzentrieren sich Ihre Aktivitäten auf Berlin. Was spricht für diesen Standort?

Wir sind hier zu Hause. Als echte Berliner kennen wir unsere Stadt. Ortskenntnis ist die wichtigste Voraussetzung für funktionierende Immobilien.

Berlin hat zwölf Bezirke, von denen jeder im Durchschnitt 285.000 Einwohner hat. Die Bezirke haben jeweils etliche, teilweise sehr unterschiedliche Ortsteile. Bei Wohnimmobilien gibt es keine Aussage zu Berlin insgesamt – dazu ist die Stadt zu heterogen. Prinzipiell setzen wir eher auf die einfachen und mittleren Lagen, die vielleicht etwas Entwicklungspotential haben. Wichtig ist, dass das unmittelbare Umfeld, das Quartier in sich funktioniert und man etwas dazu passendes anbietet.

Haben Sie bereits Pläne, in Zukunft auch andere Städte einzubeziehen? Welche Städte wären Ihrer Meinung nach besonders interessant?

In Berlin gibt es erst mal noch eine ganze Menge zu tun. Wenn wir in andere Städte gehen, dann nur mit Partnern, die sich dort genau so gut auskennen wie wir in Berlin.

Gibt es im Bezug auf das Thema “Grünes Geld” ein Vorbild, eine Person, die Sie besonders inspiriert?

Ich finde es schon sehr beeindruckend, wie Horst Popp zusammen mit seiner Frau Sabine Popp die UmweltBank aufgebaut hat. Sozusagen vom Wohnzimmer aus haben die beiden vor zwölf Jahren Privatleute von Ihrer Idee überzeugt und so das Startkapital für die Bank eingesammelt. Heute hat die UmweltBank eine Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro – ein großer Erfolg, der allerdings sicher sehr viel Schweiß gekostet hat.

Herr Tacke, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Fabian Tacke tritt am 24. September als Referent beim CleanEnergy Project Networking-Dinner in Berlin auf.

Corinna Lang